Verfalle nicht der Unmännlichkeit, o Pārtha, das ziemt sich nicht für dich; wirf diese kleinliche Herzensschwäche ab und erhebe dich, o Bezwinger der Feinde!“
Wort für Wort
klaibyam mā sma gamaḥ pārtha
der Unmännlichkeit (Akk. Sg. n.) nicht (Neg. + Partikel) verfalle (Injunktiv, 2. Sg.), o Pārtha (Vok. Sg.)
na etat tvayi upapadyate
nicht (Neg.) dies (Pron., Nom. Sg. n.) ziemt sich für dich (Präsens, 3. Sg.) (Lok. Sg.)
gurūn ahatvā hi mahānubhāvāñ śreyo bhoktuṃ bhaikṣam apīha loke hatvārthakāmāṃs tu gurūn ihaiva bhuñjīya bhogān rudhirapradigdhān
Besser wäre es fürwahr, ohne die hochgesinnten Lehrer zu töten, hier in dieser Welt als Bettler zu leben; hätte ich aber die nach Gewinn strebenden Lehrer getötet, würde ich hier nur mit Blut befleckte Genüsse verzehren.
Wort für Wort
gurūn ahatvā hi mahānubhāvān
die Lehrer (Akk. Pl. m.) nicht getötet habend (Absolutiv) fürwahr die Hochgesinnten (Adj., Akk. Pl. m., Kompositum)
śreyaḥ bhoktum bhaikṣam api iha loke
besser (Komparativ, Nom. Sg. n.) zu genießen (Infinitiv) das Bettelbrot (Akk. Sg. n.) selbst hier in der Welt (Lok. Sg. m.)
hatvā arthakāmān tu gurūn iha eva
getötet habend (Absolutiv) die nach Gewinn strebenden (Adj., Akk. Pl. m., Kompositum) Lehrer (Akk. Pl. m.) aber hier eben
bhuñjīya bhogān rudhirapradigdhān
würde ich verzehren (Optativ, 1. Sg.) Genüsse (Akk. Pl. m.), mit Blut befleckte (Adj., Akk. Pl. m., Kompositum)
na caitad vidmaḥ kataran no garīyo yad vā jayema yadi vā no jayeyuḥ yān eva hatvā na jijīviṣāmas te 'vasthitāḥ pramukhe dhārtarāṣṭrāḥ
Auch wissen wir nicht, was für uns schwerer wiegt: ob wir siegen oder ob sie uns besiegen; diejenigen selbst, nach deren Tötung wir nicht mehr leben wollten, sie stehen uns hier gegenüber — die Söhne Dhṛtarāṣṭras.
Wort für Wort
na ca etat vidmaḥ
und nicht (Neg.) dies (Pron., Akk. Sg. n.) wissen wir (Perfekt, 1. Pl.)
kataran naḥ garīyaḥ
was von beiden (Interrog., Nom. Sg. n.) für uns (Gen. Pl.) schwerer wiegt (Komparativ, Nom. Sg. n.)
yat vā jayema yadi vā naḥ jayeyuḥ
ob (Konj.) wir siegen würden (Optativ, 1. Pl.) oder ob (Konj.) sie uns besiegen würden (Optativ, 3. Pl.)
yān eva hatvā na jijīviṣāmaḥ
diejenigen selbst (Pron., Akk. Pl. m.) getötet habend (Absolutiv) nicht (Neg.) leben wollten wir (Desiderativ, 1. Pl.)
te avasthitāḥ pramukhe dhārtarāṣṭrāḥ
sie (Pron., Nom. Pl. m.) stehen (PPP, Nom. Pl. m.) uns gegenüber (Lok. Sg. n. als Adv.), die Söhne Dhṛtarāṣṭras (Nom. Pl. m.)
kārpaṇyadoṣopahatasvabhāvaḥ pṛcchāmi tvāṃ dharmasaṃmūḍhacetāḥ yac chreyaḥ syān niścitaṃ brūhi tan me śiṣyas te 'haṃ śādhi māṃ tvāṃ prapannam
Mit einem von der Schwäche des Mitleids befallenen Wesen frage ich dich, meinen Geist im Dharma verwirrt; was das Bessere wäre, sage mir das mit Gewissheit; ich bin dein Schüler, unterweise mich, der ich mich dir anvertraut habe.
Wort für Wort
kārpaṇyadoṣopahatasvabhāvaḥ
von der Schwäche des Mitleids befallenen Wesens (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
pṛcchāmi tvām dharmasaṃmūḍhacetāḥ
frage ich (Präsens, 1. Sg.) dich (Akk. Sg.), meinen Geist im Dharma verwirrt (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
yat śreyaḥ syāt niścitam brūhi tat me
was (Pron., Nom. Sg. n.) das Bessere (Nom. Sg. n.) wäre (Optativ, 3. Sg.) mit Gewissheit (Adv.) sage (Imperativ, 2. Sg.) das (Pron., Akk. Sg. n.) mir (Dat. Sg.)
śiṣyaḥ te aham śādhi
ein Schüler (Nom. Sg. m.) dein (Gen. Sg.) [bin] ich (Pron., Nom. Sg.), unterweise (Imperativ, 2. Sg.)
mām tvām prapannam
mich (Akk. Sg.), der ich mich dir anvertraut habe (PPP, Akk. Sg. m.)
na hi prapaśyāmi mamāpanudyād yac chokam ucchoṣaṇam indriyāṇām avāpya bhūmāv asapatnam ṛddhaṃ rājyaṃ surāṇām api cādhipatyam
Denn ich sehe nicht, was diesen meinen Kummer vertreiben könnte, der meine Sinne austrocknet, selbst wenn ich auf Erden ein unangefochtenes, blühendes Königreich erlangte, oder gar die Herrschaft über die Götter.“
Wort für Wort
na hi prapaśyāmi mama apanudyāt
denn (Partikel) nicht (Neg.) sehe ich (Präsens, 1. Sg.) was meinen (Gen. Sg.) vertreiben könnte (Optativ, 3. Sg.)
yat śokam ucchoṣaṇam indriyāṇām
diesen Kummer (Akk. Sg. m.), das Austrocknen (Akk. Sg. n.) der Sinne (Gen. Pl. n.)
śrībhagavān uvāca aśocyān anvaśocas tvaṃ prajñāvādāṃś ca bhāṣase gatāsūn agatāsūṃś ca nānuśocanti paṇḍitāḥ
„Um die nicht zu Beklagenden hast du getrauert, und doch sprichst du Worte der Weisheit; um die Verschiedenen wie um die Lebenden trauern die Weisen nicht.
Wort für Wort
aśocyān anvaśocaḥ tvam
um die nicht zu Beklagenden (Adj., Akk. Pl. m.) hast getrauert (Imperfekt, 2. Sg.) du (Pron., Nom. Sg.)
prajñāvādān ca bhāṣase
und Worte der Weisheit (Akk. Pl. m., Kompositum) sprichst du (Präsens, 2. Sg. Med.)
gatāsūn agatāsūn ca
um die Verschiedenen (Adj., Akk. Pl. m., Kompositum) und die Lebenden (Adj., Akk. Pl. m., Kompositum) und
na anuśocanti paṇḍitāḥ
nicht (Neg.) trauern (Präsens, 3. Pl.) die Weisen (Nom. Pl. m.)
na tv evāhaṃ jātu nāsaṃ na tvaṃ neme janādhipāḥ na caiva na bhaviṣyāmaḥ sarve vayam ataḥ param
Niemals gab es eine Zeit, da ich nicht war, noch du, noch diese Herrscher der Menschen; und niemals wird es eine Zeit geben, da wir alle nicht mehr sein werden.
Wort für Wort
na tu eva aham jātu na āsam
nicht aber jemals (Adv.) ich (Pron., Nom. Sg.) nicht war (Imperfekt, 1. Sg.)
na tvam na ime janādhipāḥ
nicht (Neg.) du (Pron., Nom. Sg.), nicht (Neg.) diese (Pron., Nom. Pl. m.) Herrscher der Menschen (Nom. Pl. m., Kompositum)
na ca eva na bhaviṣyāmaḥ
und nicht (Neg.) werden wir nicht sein (Futur, 1. Pl.)
dehino 'smin yathā dehe kaumāraṃ yauvanaṃ jarā tathā dehāntaraprāptir dhīras tatra na muhyati
Wie für den Verkörperten in diesem Körper Kindheit, Jugend und Alter eintreten, so [erlangt er] einen anderen Körper; darüber gerät der Standhafte nicht in Verwirrung.
Wort für Wort
dehinaḥ asmin yathā dehe
des Verkörperten (Gen. Sg. m.) in diesem (Pron., Lok. Sg. m.) wie (Adv.) Körper (Lok. Sg. m.)
mātrāsparśās tu kaunteya śītoṣṇasukhaduḥkhadāḥ āgamāpāyino 'nityās tāṃs titikṣasva bhārata
Die Berührungen der Sinnesobjekte aber, o Sohn Kuntīs, die Kälte, Hitze, Freude und Schmerz bewirken, kommen und gehen und sind unbeständig; diese ertrage geduldig, o Bhārata.
Wort für Wort
mātrāsparśāḥ tu kaunteya
die Berührungen der Sinnesobjekte (Nom. Pl. m., Kompositum) aber, o Sohn Kuntīs (Vok. Sg.)
śītoṣṇasukhaduḥkhadāḥ
die Kälte, Hitze, Freude und Schmerz bewirken (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum)
āgamāpāyinaḥ anityāḥ
kommend und gehend (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum), unbeständig (Adj., Nom. Pl. m.)
tān titikṣasva bhārata
diese (Pron., Akk. Pl. m.) ertrage geduldig (Imperativ, 2. Sg. Med.), o Bhārata (Vok. Sg.)
yaṃ hi na vyathayanty ete puruṣaṃ puruṣarṣabha samaduḥkhasukhaṃ dhīraṃ so 'mṛtatvāya kalpate
Denn wen diese nicht erschüttern, o Stier unter den Männern, den Standhaften, dem Schmerz und Freude gleich sind — der ist zur Unsterblichkeit befähigt.
Wort für Wort
yam hi na vyathayanti ete puruṣam
wen (Pron., Akk. Sg. m.) denn nicht (Neg.) erschüttern (Präsens, 3. Pl.) diese (Pron., Nom. Pl. m.) Menschen (Akk. Sg. m.)
puruṣarṣabha
o Stier unter den Männern (Vok. Sg., Kompositum)
samaduḥkhasukham dhīram
dem Schmerz und Freude gleich sind (Adj., Akk. Sg. m., Kompositum), den Standhaften (Adj., Akk. Sg. m.)
saḥ amṛtatvāya kalpate
der (Pron., Nom. Sg. m.) zur Unsterblichkeit (Dat. Sg. n.) ist befähigt (Präsens, 3. Sg. Med.)
na jāyate mriyate vā kadā cin nāyaṃ bhūtvā bhavitā vā na bhūyaḥ ajo nityaḥ śāśvato 'yaṃ purāṇo na hanyate hanyamāne śarīre
Er wird niemals geboren, noch stirbt er jemals; nachdem er gewesen ist, wird er nicht mehr aufhören zu sein; ungeboren, ewig, beständig, uralt ist er; er wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird.
Wort für Wort
na jāyate mriyate vā kadā cit
nicht (Neg.) wird geboren (Präsens, 3. Sg.), stirbt (Präsens, 3. Sg.) oder jemals
na ayam bhūtvā bhavitā vā na bhūyaḥ
nicht (Neg.) dieser (Pron., Nom. Sg. m.), gewesen seiend (Absolutiv), wird sein (Futur, 3. Sg.) oder nicht mehr
ajaḥ nityaḥ śāśvataḥ ayam purāṇaḥ
ungeboren (Adj., Nom. Sg. m.), ewig (Adj., Nom. Sg. m.), beständig (Adj., Nom. Sg. m.), dieser (Pron., Nom. Sg. m.), uralt (Adj., Nom. Sg. m.)
na hanyate hanyamāne śarīre
nicht (Neg.) wird getötet (Präsens Passiv, 3. Sg.), wenn getötet wird (Ppr. Passiv, Lok. Sg. n.) der Körper (Lok. Sg. n.)
vedāvināśinaṃ nityaṃ ya enam ajam avyayam kathaṃ sa puruṣaḥ pārtha kaṃ ghātayati hanti kam
Wer diesen als unvergänglich, ewig, ungeboren und unveränderlich kennt — wie könnte dieser Mensch, o Pārtha, jemanden töten lassen oder jemanden töten?
Wort für Wort
veda avināśinam nityam
kennt (Perfekt, 3. Sg.) als unvergänglich (Adj., Akk. Sg. m.), ewig (Adj., Akk. Sg. m.)
yaḥ enam ajam avyayam
wer (Pron., Nom. Sg. m.) diesen (Pron., Akk. Sg. m.), ungeboren (Adj., Akk. Sg. m.), unveränderlich (Adj., Akk. Sg. m.)
katham sa puruṣaḥ pārtha
wie (Interrog.) dieser (Pron., Nom. Sg. m.) Mensch (Nom. Sg. m.), o Pārtha (Vok. Sg.)
kam ghātayati hanti kam
wen (Interrog., Akk. Sg. m.) lässt töten (Präsens, 3. Sg.), tötet (Präsens, 3. Sg.) wen (Interrog., Akk. Sg. m.)
āścaryavat paśyati kaś cid enam āścaryavad vadati tathaiva cānyaḥ āścaryavac cainam anyaḥ śṛṇoti śrutvāpy enaṃ veda na caiva kaś cit
Wie ein Wunder sieht ihn mancher, wie ein Wunder spricht ein anderer ebenso von ihm, wie ein Wunder hört ein anderer von ihm; doch selbst nachdem er davon gehört hat, kennt ihn keiner wahrhaft.
Wort für Wort
āścaryavat paśyati kaḥ cit enam
wie ein Wunder (Adv.) sieht (Präsens, 3. Sg.) mancher (Pron., Nom. Sg. m.) ihn (Pron., Akk. Sg. m.)
āścaryavat vadati tathā eva ca anyaḥ
wie ein Wunder (Adv.) spricht (Präsens, 3. Sg.) ebenso und ein anderer (Pron., Nom. Sg. m.)
āścaryavat ca enam anyaḥ śṛṇoti
und wie ein Wunder (Adv.) ihn (Pron., Akk. Sg. m.) ein anderer (Pron., Nom. Sg. m.) hört (Präsens, 3. Sg.)
śrutvā api enam veda na ca eva kaḥ cit
gehört habend (Absolutiv) selbst ihn (Pron., Akk. Sg. m.) kennt (Präsens, 3. Sg.) nicht und doch keiner (Pron., Nom. Sg. m.)
Die großen Wagenkämpfer werden glauben, du habest dich aus Furcht von der Schlacht zurückgezogen; und bei denen, von denen du hochgeachtet warst, wirst du zur Geringschätzung gelangen.
Wort für Wort
bhayāt raṇāt uparatam
aus Furcht (Abl. Sg. n.) von der Schlacht (Abl. Sg. n.) zurückgezogen (PPP, Akk. Sg. m.)
maṃsyante tvām mahārathāḥ
werden meinen (Futur, 3. Pl. Med.) dich (Akk. Sg.) die großen Wagenkämpfer (Nom. Pl. m., Kompositum)
yeṣām ca tvam bahumataḥ bhūtvā
bei denen (Pron., Gen. Pl. m.) und du (Pron., Nom. Sg.), hochgeachtet (Adj., Nom. Sg. m.) gewesen seiend (Absolutiv)
yāsyasi lāghavam
wirst du gelangen (Futur, 2. Sg.) zur Geringschätzung (Akk. Sg. n.)
sukhaduḥkhe same kṛtvā lābhālābhau jayājayau tato yuddhāya yujyasva naivaṃ pāpam avāpsyasi
Freude und Schmerz, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage einander gleichsetzend, mache dich dann kampfbereit; so wirst du keine Sünde auf dich laden.
eṣā te 'bhihitā sāṃkhye buddhir yoge tv imāṃ śṛṇu buddhyā yukto yayā pārtha karmabandhaṃ prahāsyasi
Dies ist dir die Einsicht im Sāṅkhya dargelegt worden; höre nun diese im Yoga, mit der du, o Pārtha, mit Einsicht ausgestattet, die Bindung des Handelns abwerfen wirst.
Wort für Wort
eṣā te abhihitā sāṃkhye buddhiḥ
diese (Pron., Nom. Sg. f.) dir (Dat. Sg.) dargelegt (PPP, Nom. Sg. f.) im Sāṅkhya (Lok. Sg. n.) die Einsicht (Nom. Sg. f.)
yoge tu imām śṛṇu
im Yoga (Lok. Sg. m.) aber diese (Pron., Akk. Sg. f.) höre (Imperativ, 2. Sg.)
buddhyā yuktaḥ yayā pārtha
mit Einsicht (Instr. Sg. f.) ausgestattet (PPP, Nom. Sg. m.), mit der (Pron., Instr. Sg. f.), o Pārtha (Vok. Sg.)
karmabandham prahāsyasi
die Bindung des Handelns (Akk. Sg. m., Kompositum) wirst du abwerfen (Futur, 2. Sg.)
vyavasāyātmikā buddhir ekeha kurunandana bahuśākhā hy anantāś ca buddhayo 'vyavasāyinām
Von entschlossener Natur ist die Einsicht hierin, o Freude der Kurus, eine einzige; doch vielverzweigt und endlos sind die Einsichten der Unentschlossenen.
Wort für Wort
vyavasāyātmikā buddhiḥ
von entschlossener Natur (Adj., Nom. Sg. f., Kompositum) die Einsicht (Nom. Sg. f.)
eka iha kurunandana
eine einzige (Adj., Nom. Sg. f.) hierin (Adv.), o Freude der Kurus (Vok. Sg., Kompositum)
bahuśākhāḥ hi anantāḥ ca
vielverzweigt (Adj., Nom. Pl. f., Kompositum) denn und endlos (Adj., Nom. Pl. f.)
buddhayaḥ avyavasāyinām
die Einsichten (Nom. Pl. f.) der Unentschlossenen (Adj., Gen. Pl. m.)
kāmātmānaḥ svargaparā janmakarmaphalapradām kriyāviśeṣabahulāṃ bhogaiśvaryagatiṃ prati
von Begierde erfüllten Sinnes, den Himmel als höchstes Ziel — jene Rede, die Geburt als Frucht des Handelns verheißt, reich an mancherlei Riten, auf Genuss und Herrschaft gerichtet,
Wort für Wort
kāmātmānaḥ svargaparāḥ
von Begierde erfüllten Sinnes (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum), den Himmel als höchstes Ziel habend (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum)
janmakarmaphalapradām
Geburt als Frucht des Handelns verheißend (Adj., Akk. Sg. f., Kompositum)
kriyāviśeṣabahulām
reich an mancherlei Riten (Adj., Akk. Sg. f., Kompositum)
bhogaiśvaryagatim prati
auf den Zustand von Genuss und Herrschaft (Akk. Sg. f., Kompositum) hin (Postposition)
bhogaiśvaryaprasaktānāṃ tayāpahṛtacetasām vyavasāyātmikā buddhiḥ samādhau na vidhīyate
bei denen, die an Genuss und Herrschaft haften, deren Sinn durch sie fortgerissen ist, bildet sich keine von Entschlossenheit geprägte Einsicht in der Sammlung.
Wort für Wort
bhogaiśvaryaprasaktānām
der an Genuss und Herrschaft Haftenden (Adj., Gen. Pl. m., Kompositum)
tayā apahṛtacetasām
durch sie (Pron., Instr. Sg. f.), deren Sinn fortgerissen ist (Adj., Gen. Pl. m., Kompositum)
vyavasāyātmikā buddhiḥ
von entschlossener Natur (Adj., Nom. Sg. f., Kompositum) die Einsicht (Nom. Sg. f.)
samādhau na vidhīyate
in der Sammlung (Lok. Sg. m.) nicht (Neg.) wird gebildet (Präsens Passiv, 3. Sg.)
Die Veden haben die drei Guṇas zum Gegenstand; sei du jenseits der drei Guṇas, o Arjuna, frei von den Gegensatzpaaren, beständig in der Wahrhaftigkeit verweilend, ohne Sorge um Erwerb und Bewahrung, selbstbeherrscht.
Wort für Wort
traiguṇyaviṣayāḥ vedāḥ
die drei Guṇas zum Gegenstand habend (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum) die Veden (Nom. Pl. m.)
nistraiguṇyaḥ bhava arjuna
jenseits der drei Guṇas (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum) sei (Imperativ, 2. Sg.), o Arjuna (Vok. Sg.)
nirdvaṃdvaḥ nityasattvasthaḥ
frei von Gegensatzpaaren (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum), beständig in der Wahrhaftigkeit verweilend (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
niryogakṣemaḥ ātmavān
ohne Sorge um Erwerb und Bewahrung (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum), selbstbeherrscht (Adj., Nom. Sg. m.)
karmaṇy evādhikāras te mā phaleṣu kadā cana mā karmaphalahetur bhūr mā te saṅgo 'stv akarmaṇi
Auf das Handeln allein hast du ein Recht, niemals auf dessen Früchte; sei nicht der Beweggrund der Handlungsfrüchte, doch sei auch nicht an Untätigkeit gebunden.
Wort für Wort
karmaṇi eva adhikāraḥ te
auf das Handeln (Lok. Sg. n.) eben ein Recht (Nom. Sg. m.) dein (Gen. Sg.)
mā phaleṣu kadā cana
nicht (Neg.) auf die Früchte (Lok. Pl. n.) jemals (Adv.)
mā karmaphalahetuḥ bhūḥ
nicht (Neg.) der Beweggrund der Handlungsfrüchte (Nom. Sg. m., Kompositum) sei (Injunktiv, 2. Sg.)
mā te saṅgaḥ astu akarmaṇi
nicht (Neg.) dein (Gen. Sg.) Anhaften (Nom. Sg. m.) sei (Imperativ, 3. Sg.) an der Untätigkeit (Lok. Sg. n.)
yogasthaḥ kuru karmāṇi saṅgaṃ tyaktvā dhanaṃjaya siddhyasiddhyoḥ samo bhūtvā samatvaṃ yoga ucyate
Im Yoga verweilend, verrichte die Handlungen, o Dhanaṃjaya, die Anhaftung aufgebend, gleichmütig gegenüber Erfolg und Misserfolg; Gleichmut wird Yoga genannt.
Wort für Wort
yogasthaḥ kuru karmāṇi
im Yoga verweilend (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum) verrichte (Imperativ, 2. Sg.) die Handlungen (Akk. Pl. n.)
saṅgam tyaktvā dhanaṃjaya
die Anhaftung (Akk. Sg. m.) aufgegeben habend (Absolutiv), o Dhanaṃjaya (Vok. Sg.)
siddhyasiddhyoḥ samaḥ bhūtvā
gegenüber Erfolg und Misserfolg (Lok. Dual f., Kompositum) gleichmütig (Adj., Nom. Sg. m.) geworden seiend (Absolutiv)
samatvam yogaḥ ucyate
Gleichmut (Nom. Sg. n.) Yoga (Nom. Sg. m.) wird genannt (Präsens Passiv, 3. Sg.)
Denn weit unterlegen ist das bloße Handeln dem Yoga der Einsicht, o Dhanaṃjaya; suche Zuflucht in der Einsicht; erbärmlich sind die, die von den Handlungsfrüchten getrieben werden.
Wort für Wort
dūreṇa hi avaram karma
weit (Instr. Sg. n. als Adv.) denn unterlegen (Adj., Nom. Sg. n.) das Handeln (Nom. Sg. n.)
buddhiyogāt dhanaṃjaya
dem Yoga der Einsicht (Abl. Sg. m., Kompositum), o Dhanaṃjaya (Vok. Sg.)
buddhau śaraṇam anviccha
in der Einsicht (Lok. Sg. f.) Zuflucht (Akk. Sg. n.) suche (Imperativ, 2. Sg.)
kṛpaṇāḥ phalahetavaḥ
erbärmlich (Adj., Nom. Pl. m.) die, deren Beweggrund die Frucht ist (Nom. Pl. m., Kompositum)
karmajaṃ buddhiyuktā hi phalaṃ tyaktvā manīṣiṇaḥ janmabandhavinirmuktāḥ padaṃ gacchanty anāmayam
Denn die Weisen, mit Einsicht ausgestattet, geben die aus dem Handeln entstehende Frucht auf und gelangen, von der Bindung der Geburt befreit, zu dem leidlosen Zustand.
Wort für Wort
karmajam buddhiyuktāḥ hi phalam
die aus dem Handeln entstehende (Adj., Akk. Sg. n., Kompositum), mit Einsicht ausgestattet (PPP, Nom. Pl. m.) denn die Frucht (Akk. Sg. n.)
tyaktvā manīṣiṇaḥ
aufgegeben habend (Absolutiv) die Weisen (Nom. Pl. m.)
janmabandhavinirmuktāḥ
von der Bindung der Geburt befreit (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum)
padam gacchanti anāmayam
zum Zustand (Akk. Sg. n.) gelangen (Präsens, 3. Pl.), dem leidlosen (Adj., Akk. Sg. n.)
yadā te mohakalilaṃ buddhir vyatitariṣyati tadā gantāsi nirvedaṃ śrotavyasya śrutasya ca
Wenn deine Einsicht den Sumpf der Verblendung überwunden haben wird, dann wirst du Gleichgültigkeit erlangen gegenüber dem noch zu Hörenden und dem bereits Gehörten.
Wort für Wort
yadā te mohakalilam
wenn (Konj.) deine (Gen. Sg.) den Sumpf der Verblendung (Akk. Sg. n., Kompositum)
buddhiḥ vyatitariṣyati
die Einsicht (Nom. Sg. f.) überwunden haben wird (Futur, 3. Sg.)
tadā gantā asi nirvedam
dann (Adv.) gehend wirst du sein (Futur periphr., 2. Sg.) zur Gleichgültigkeit (Akk. Sg. m.)
śrotavyasya śrutasya ca
gegenüber dem zu Hörenden (Ger., Gen. Sg. n.) und dem Gehörten (PPP, Gen. Sg. n.) und
arjuna uvāca sthitaprajñasya kā bhāṣā samādhisthasya keśava sthitadhīḥ kiṃ prabhāṣeta kim āsīta vrajeta kim
„Was ist die Kennzeichnung dessen, der von feststehender Weisheit ist, der in der Sammlung verweilt, o Keśava? Wie würde der von feststehendem Denken sprechen, wie würde er sitzen, wie würde er gehen?“
Wort für Wort
sthitaprajñasya kā bhāṣā
dessen, der von feststehender Weisheit ist (Adj., Gen. Sg. m., Kompositum), was (Interrog., Nom. Sg. f.) [ist] die Kennzeichnung (Nom. Sg. f.)
samādhisthasya keśava
dessen, der in der Sammlung verweilt (Adj., Gen. Sg. m., Kompositum), o Keśava (Vok. Sg.)
sthitadhīḥ kim prabhāṣeta
der von feststehendem Denken (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum), wie (Interrog.) würde sprechen (Optativ, 3. Sg.)
kim āsīta vrajeta kim
wie (Interrog.) würde er sitzen (Optativ, 3. Sg.), würde er gehen (Optativ, 3. Sg.) wie (Interrog.)
„Wenn einer alle im Geist befindlichen Begierden aufgibt, o Pārtha, im Selbst allein durch das Selbst zufrieden, dann wird er als von feststehender Weisheit bezeichnet.
Wort für Wort
prajahāti yadā kāmān sarvān
aufgibt (Präsens, 3. Sg.) wenn (Konj.) die Begierden (Akk. Pl. m.) alle (Pron., Akk. Pl. m.)
pārtha manogatān
o Pārtha (Vok. Sg.), im Geist befindlichen (Adj., Akk. Pl. m., Kompositum)
ātmani eva ātmanā tuṣṭaḥ
im Selbst (Lok. Sg. m.) allein durch das Selbst (Instr. Sg. m.) zufrieden (Adj., Nom. Sg. m.)
sthitaprajñaḥ tadā ucyate
als von feststehender Weisheit (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum) dann (Adv.) wird bezeichnet (Präsens Passiv, 3. Sg.)
Wer im Leid nicht erregten Geistes ist, im Glück frei von Verlangen, frei von Leidenschaft, Furcht und Zorn — ein solcher Weiser wird als von feststehendem Denken bezeichnet.
Wort für Wort
duḥkheṣu anudvignamanāḥ
im Leid (Lok. Pl. n.) nicht erregten Geistes (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
sukheṣu vigataspṛhaḥ
im Glück (Lok. Pl. n.) frei von Verlangen (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
vītarāgabhayakrodhaḥ
frei von Leidenschaft, Furcht und Zorn (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
sthitadhīḥ muniḥ ucyate
von feststehendem Denken (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum), der Weise (Nom. Sg. m.), wird bezeichnet (Präsens Passiv, 3. Sg.)
Die Sinnesobjekte weichen zurück von dem sich Enthaltenden, Verkörperten, doch der Geschmack daran bleibt; auch dieser Geschmack weicht zurück, sobald er das Höchste geschaut hat.
Wort für Wort
viṣayāḥ vinivartante
die Sinnesobjekte (Nom. Pl. m.) weichen zurück (Präsens, 3. Pl. Med.)
nirāhārasya dehinaḥ
von dem sich Enthaltenden (Adj., Gen. Sg. m.), dem Verkörperten (Gen. Sg. m.)
rasavarjam rasaḥ api asya
mit Ausnahme des Geschmacks (Adv., Kompositum), der Geschmack (Nom. Sg. m.) aber sein (Pron., Gen. Sg. m.)
param dṛṣṭvā nivartate
das Höchste (Akk. Sg. n.) geschaut habend (Absolutiv) weicht zurück (Präsens, 3. Sg. Med.)
Das 'rasavarjam' [?] ('mit Ausnahme des Geschmacks') wird hier so gedeutet, dass beim bloßen Enthalten der Sinnesobjekte die subtile Anhaftung (der 'Geschmack' danach) zunächst bestehen bleibt und erst durch die Schau des Höchsten endgültig schwindet.
Aus dem Zorn entsteht Verblendung, aus der Verblendung Verwirrung der Erinnerung, aus dem Verlust der Erinnerung die Zerstörung der Einsicht, aus der Zerstörung der Einsicht geht er zugrunde.
Wort für Wort
krodhāt bhavati saṃmohaḥ
aus dem Zorn (Abl. Sg. m.) entsteht (Präsens, 3. Sg.) Verblendung (Nom. Sg. m.)
saṃmohāt smṛtivibhramaḥ
aus der Verblendung (Abl. Sg. m.) Verwirrung der Erinnerung (Nom. Sg. m., Kompositum)
smṛtibhraṃśād buddhināśaḥ
aus dem Verlust der Erinnerung (Abl. Sg. m., Kompositum) die Zerstörung der Einsicht (Nom. Sg. m., Kompositum)
buddhināśāt praṇaśyati
aus der Zerstörung der Einsicht (Abl. Sg. m., Kompositum) geht er zugrunde (Präsens, 3. Sg.)
rāgadveṣaviyuktais tu viṣayān indriyaiś caran ātmavaśyair vidheyātmā prasādam adhigacchati
Wer aber mit von Anhaftung und Abneigung befreiten, selbstbeherrschten Sinnen unter den Sinnesobjekten wandelt, mit gezügeltem Selbst, der erlangt innere Klarheit.
Wort für Wort
rāgadveṣaviyuktaiḥ tu
mit von Anhaftung und Abneigung befreiten (Adj., Instr. Pl. n., Kompositum) aber
viṣayān indriyaiḥ caran
unter den Sinnesobjekten (Akk. Pl. m.) mit den Sinnen (Instr. Pl. n.) wandelnd (Ppr., Nom. Sg. m.)
ātmavaśyaiḥ vidheyātmā
selbstbeherrschten (Adj., Instr. Pl. n., Kompositum), mit gezügeltem Selbst (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
prasādam adhigacchati
innere Klarheit (Akk. Sg. m.) erlangt (Präsens, 3. Sg.)
nāsti buddhir ayuktasya na cāyuktasya bhāvanā na cābhāvayataḥ śāntir aśāntasya kutaḥ sukham
Für den nicht Geeinten gibt es keine Einsicht, und für den nicht Geeinten keine Sammlung; und für den nicht Sammelnden gibt es keinen Frieden; wie sollte es für den Friedlosen Glück geben?
Wort für Wort
na asti buddhiḥ ayuktasya
nicht (Neg.) gibt es (Präsens, 3. Sg.) Einsicht (Nom. Sg. f.) für den nicht Geeinten (Adj., Gen. Sg. m.)
na ca ayuktasya bhāvanā
und nicht (Neg.) für den nicht Geeinten (Adj., Gen. Sg. m.) Sammlung (Nom. Sg. f.)
na ca abhāvayataḥ śāntiḥ
und nicht (Neg.) für den nicht Sammelnden (Ppr., Gen. Sg. m.) Frieden (Nom. Sg. f.)
aśāntasya kutaḥ sukham
für den Friedlosen (Adj., Gen. Sg. m.) woher (Interrog.) Glück (Nom. Sg. n.)
āpūryamāṇam acalapratiṣṭhaṃ samudram āpaḥ praviśanti yadvat tadvat kāmā yaṃ praviśanti sarve sa śāntim āpnoti na kāmakāmī
Wie die Wasser in den sich stets füllenden, unbeweglich feststehenden Ozean einströmen, ohne ihn zu erregen, ebenso strömen alle Begierden in jenen ein, ohne ihn zu erregen; dieser erlangt Frieden, nicht wer den Begierden nachjagt.
Wort für Wort
āpūryamāṇam acalapratiṣṭham
sich stets füllenden (Ppr. Passiv, Akk. Sg. m.), unbeweglich feststehenden (Adj., Akk. Sg. m., Kompositum)
samudram āpaḥ praviśanti yadvat
in den Ozean (Akk. Sg. m.) die Wasser (Nom. Pl. f.) einströmen (Präsens, 3. Pl.) so wie (Adv.)
tadvat kāmāḥ yam praviśanti sarve
ebenso (Adv.) die Begierden (Nom. Pl. m.) in den (Pron., Akk. Sg. m.) einströmen (Präsens, 3. Pl.) alle (Pron., Nom. Pl. m.)
sa śāntim āpnoti na kāmakāmī
dieser (Pron., Nom. Sg. m.) Frieden (Akk. Sg. f.) erlangt (Präsens, 3. Sg.), nicht der nach Begierden Verlangende (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
Der Vergleich [?] ist im Sanskrit knapper: das Bild vom Ozean, der trotz einströmender Flüsse unbewegt bleibt, impliziert die Ungestörtheit des Weisen, ohne dass 'ohne ihn zu erregen' wörtlich im Text steht - diese Ergänzung dient der Verständlichkeit des Vergleichs im Deutschen.
Dies ist der Zustand des Brahman, o Pārtha; wer diesen erlangt hat, verfällt nicht mehr der Verwirrung; darin verweilend, selbst zur Todesstunde, gelangt er zum Erlöschen im Brahman.“
Wort für Wort
eṣā brāhmī sthitiḥ pārtha
dies (Pron., Nom. Sg. f.) ist der Zustand des Brahman (Adj., Nom. Sg. f., Kompositum), o Pārtha (Vok. Sg.)
na enām prāpya vimuhyati
nicht (Neg.) diesen (Pron., Akk. Sg. f.) erlangt habend (Absolutiv) verfällt er der Verwirrung (Präsens, 3. Sg.)
sthitvā asyām antakāle api
verweilt habend (Absolutiv) darin (Pron., Lok. Sg. f.) selbst zur Todesstunde (Lok. Sg. m., Kompositum)
brahmanirvāṇam ṛcchati
zum Erlöschen im Brahman (Akk. Sg. n., Kompositum) gelangt (Präsens, 3. Sg.)