Kapitel 40: Mokṣasaṃnyāsayogaḥ
Bhagavad Gītā XVIII: Das Yoga der Befreiung durch Entsagung
Dieses Kapitel bildet zugleich das achtzehnte und letzte Kapitel der Bhagavadgītā (Mokṣasaṃnyāsayoga) innerhalb des Bhīṣmaparvans - das längste Kapitel des gesamten Werks. Mit Arjunas kurzer Bestätigung (V.73) und Saṃjayas abschließender Reflexion (V.74-78, an Dhṛtarāṣṭra gerichtet) endet die gesamte Bhagavadgītā (Kap.23-40 des Bhīṣmaparvans); die Rahmenerzählung kehrt im folgenden Kapitel zum eigentlichen Schlachtgeschehen zurück.
„ Arjuna sprach: Ich möchte, o Starkarmiger, das Wesen der Entsagung (Saṃnyāsa) erkennen, und auch, gesondert davon, das der Aufgabe (Tyāga), o Hṛṣīkeśa, o Bezwinger des Keśin.“
Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach (Subst.+Verb Perf. 3. Sg.)
saṃnyāsasya mahābāho tattvam icchāmi veditum
ich möchte, o Starkarmiger, das Wesen der Entsagung erkennen (Subst. Gen.+Subst. Vok.+Subst. Akk.+Verb Präs. 1. Sg.+Infin.)
tyāgasya ca hṛṣīkeśa pṛthak
und, gesondert davon, das der Aufgabe, o Hṛṣīkeśa (Subst. Gen.+Subst. Vok.+Adv.)
Der Erhabene sprach: „Das Aufgeben der von Begierde geleiteten Handlungen nennen die Weisen Entsagung; die Aufgabe der Frucht aller Handlungen nennen die Kundigen Aufgabe.
Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der Erhabene sprach (Subst.+Verb Perf. 3. Sg.)
kāmyānāṃ karmaṇāṃ nyāsaṃ saṃnyāsaṃ kavayo viduḥ
das Aufgeben der von Begierde geleiteten Handlungen nennen die Weisen Entsagung (Adj.+Subst. Gen. Pl.+Subst.+Subst. Akk.+Subst. Nom. Pl. m.+Verb Perf. 3. Pl.)
sarvakarmaphalatyāgaṃ prāhus
die Aufgabe der Frucht aller Handlungen nennen sie (Kompos. Akk. Sg. m.+Verb Perf. 3. Pl.)
tyāgaṃ vicakṣaṇāḥ
Aufgabe die Kundigen (Subst. Akk.+Adj. Nom. Pl. m.)
Manche Denker sagen, jede Handlung sei als fehlerhaft aufzugeben; andere aber sagen, die Handlungen des Opferns, Spendens und der Askese seien nicht aufzugeben.
Wort für Wort
tyājyaṃ doṣavad ity eke karma prāhur manīṣiṇaḥ
manche Denker sagen, die Handlung sei als fehlerhaft aufzugeben (Gerundiv+Adj.+Adv.+Pron.+Subst.+Verb Perf. 3. Pl.+Subst. Nom. Pl. m.)
yajñadānatapaḥkarma
die Handlungen des Opferns, Spendens und der Askese (Kompos. Nom./Akk. Sg. n.)
na tyājyam iti ca apare
seien nicht aufzugeben, sagen andere (Neg.+Gerundiv+Adv.+Pron. Nom. Pl. m.)
yajñadānatapaḥkarma na tyājyaṃ kāryam eva tat yajño dānaṃ tapaś caiva pāvanāni manīṣiṇām
Die Handlungen des Opferns, Spendens und der Askese sind nicht aufzugeben, sie sind zu vollziehen; Opfer, Spende und Askese sind läuternd für die Denker.
Wort für Wort
yajñadānatapaḥkarma na tyājyaṃ
die Handlungen des Opferns, Spendens und der Askese sind nicht aufzugeben (Kompos. Nom. Sg. n.+Neg.+Gerundiv Nom. Sg. n.)
kāryam eva tat
sie sind zu vollziehen (Gerundiv Nom. Sg. n.+Adv.+Pron.)
yajño dānaṃ tapaś ca eva
Opfer, Spende und Askese (Subst. Nom. Sg., drei Begriffe)
pāvanāni manīṣiṇām
sind läuternd für die Denker (Adj. Nom. Pl. n.+Subst. Gen. Pl. m.)
etāny api tu karmāṇi saṅgaṃ tyaktvā phalāni ca kartavyānīti me pārtha niścitaṃ matam uttamam
Doch auch diese Handlungen sind, nach Aufgabe des Anhaftens und der Früchte, zu vollziehen – dies ist, o Sohn des Pṛthā, meine feste, höchste Überzeugung.
Wort für Wort
etāny api tu karmāṇi
doch auch diese Handlungen (Pron.+Adv.+Adv.+Subst. Nom./Akk. Pl. n.)
saṅgaṃ tyaktvā phalāni ca
nach Aufgabe des Anhaftens und der Früchte (Subst. Akk.+Gerund.+Subst. Akk. Pl. n.)
kartavyāni iti me pārtha
sind zu vollziehen, so, o Sohn des Pṛthā (Gerundiv Nom. Pl. n.+Adv.+Pron. Gen.+Subst. Vok. Sg. m.)
duḥkham ity eva yat karma kāyakleśabhayāt tyajet sa kṛtvā rājasaṃ tyāgaṃ naiva tyāgaphalaṃ labhet
Wer eine Handlung aus Furcht vor körperlicher Anstrengung aufgibt, mit dem Gedanken 'es ist leidvoll' – der erlangt, obwohl er eine Aufgabe vollzogen hat, eine rajasische Aufgabe, und keineswegs die Frucht der wahren Aufgabe.
Wort für Wort
duḥkham ity eva yat karma
die Handlung, mit dem Gedanken 'es ist leidvoll' (Adj.+Adv.+Adv.+Rel.-Pron.+Subst. Akk. Sg. n.)
kāyakleśabhayāt tyajet sa
wer sie aus Furcht vor körperlicher Anstrengung aufgibt (Kompos. Abl.+Verb Opt. 3. Sg.+Pron.)
kṛtvā rājasaṃ tyāgaṃ
obwohl er eine rajasische Aufgabe vollzogen hat (Gerund.+Adj.+Subst. Akk. Sg. m.)
na eva tyāgaphalaṃ labhet
erlangt keineswegs die Frucht der Aufgabe (Neg.+Adv.+Kompos. Akk. Sg. n.+Verb Opt. 3. Sg.)
kāryam ity eva yat karma niyataṃ kriyate 'rjuna saṅgaṃ tyaktvā phalaṃ caiva sa tyāgaḥ sāttviko mataḥ
Die vorgeschriebene Handlung aber, die mit dem Gedanken 'sie ist zu vollziehen' vollzogen wird, o Arjuna, nach Aufgabe des Anhaftens und der Frucht – diese Aufgabe gilt als sattvisch.
Wort für Wort
kāryam ity eva yat karma niyataṃ kriyate
die vorgeschriebene Handlung, die mit dem Gedanken 'sie ist zu vollziehen' vollzogen wird (Gerundiv+Adv.+Adv.+Rel.-Pron.+Subst.+Adj. Akk.+Verb Passiv 3. Sg.)
arjuna saṅgaṃ tyaktvā phalaṃ ca eva
o Arjuna, nach Aufgabe des Anhaftens und der Frucht (Subst. Vok.+Subst. Akk.+Gerund.+Subst. Akk. Sg. n.)
sa tyāgaḥ sāttviko mataḥ
diese Aufgabe gilt als sattvisch (Pron.+Subst.+Adj.+Part. Nom. Sg. m.)
na hi dehabhṛtā śakyaṃ tyaktuṃ karmāṇy aśeṣataḥ yas tu karmaphalatyāgī sa tyāgīty abhidhīyate
Denn es ist einem Verkörperten nicht möglich, die Handlungen restlos aufzugeben; wer aber die Frucht der Handlung aufgibt, der wird als Entsager bezeichnet.
Wort für Wort
na hi dehabhṛtā śakyaṃ tyaktuṃ
denn es ist einem Verkörperten nicht möglich aufzugeben (Neg.+Adv.+Subst. Instr.+Adj. Nom. Sg. n.+Infin.)
karmāṇy aśeṣataḥ
die Handlungen restlos (Subst. Akk. Pl. n.+Adv.)
yas tu karmaphalatyāgī
wer aber die Frucht der Handlung aufgibt (Rel.-Pron.+Adv.+Kompos. Nom. Sg. m.)
sa tyāgīty abhidhīyate
der wird als Entsager bezeichnet (Pron.+Subst.+Adv.+Verb Passiv 3. Sg.)
aniṣṭam iṣṭaṃ miśraṃ ca trividhaṃ karmaṇaḥ phalam bhavaty atyāgināṃ pretya na tu saṃnyāsināṃ kva cit
Unerwünscht, erwünscht und gemischt – dreifach ist die Frucht der Handlung, die nach dem Tod den Nicht-Entsagenden zuteilwird, niemals aber den Entsagern.
Wort für Wort
aniṣṭam iṣṭaṃ miśraṃ ca trividhaṃ
unerwünscht, erwünscht und gemischt, dreifach (Adj. Nom. Sg. n., drei Formen+Adj.)
karmaṇaḥ phalam bhavaty
ist die Frucht der Handlung (Subst. Gen.+Subst. Nom.+Verb Präs. 3. Sg.)
atyāgināṃ pretya
den Nicht-Entsagenden nach dem Tod (Kompos. Gen. Pl. m.+Gerund.)
na tu saṃnyāsināṃ kva cit
niemals aber den Entsagern (Neg.+Adv.+Subst. Gen. Pl. m.+Adv.)
tatraivaṃ sati kartāram ātmānaṃ kevalaṃ tu yaḥ paśyaty akṛtabuddhitvān na sa paśyati durmatiḥ
Wer nun, obwohl dies so ist, das Selbst allein als den Handelnden ansieht – der sieht, weil sein Verstand ungebildet ist, nicht wahrhaft; er ist von schlechter Einsicht.
Wort für Wort
tatra evaṃ sati
obwohl dies so ist (Adv.+Adv.+Part. Lok. Sg. n.)
kartāram ātmānaṃ kevalaṃ tu yaḥ paśyaty
wer das Selbst allein als den Handelnden ansieht (Subst.+Subst.+Adj.+Adv.+Rel.-Pron.+Verb Präs. 3. Sg.)
akṛtabuddhitvān na sa paśyati
weil sein Verstand ungebildet ist, sieht er nicht wahrhaft (Kompos. Abl. Sg. n.+Neg.+Pron.+Verb Präs. 3. Sg.)
durmatiḥ
er ist von schlechter Einsicht (Kompos. Nom. Sg. m.)
yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhir yasya na lipyate hatvāpi sa imāṃl lokān na hanti na nibadhyate
Wessen Wesen nicht vom Ich-Bewusstsein geprägt ist, wessen Verstand nicht befleckt wird – der tötet nicht, selbst wenn er diese Welten erschlägt, und wird nicht gebunden.
Wort für Wort
yasya na ahaṃkṛto bhāvo
wessen Wesen nicht vom Ich-Bewusstsein geprägt ist (Rel.-Pron. Gen.+Neg.+Kompos.+Subst. Nom. Sg. m.)
buddhir yasya na lipyate
wessen Verstand nicht befleckt wird (Subst. Nom.+Rel.-Pron. Gen.+Neg.+Verb Passiv 3. Sg.)
hatvā api sa imāṃl lokān
selbst wenn er diese Welten erschlägt (Gerund.+Adv.+Pron.+Pron.+Subst. Akk. Pl. m.)
na hanti na nibadhyate
tötet nicht und wird nicht gebunden (Neg.+Verb Präs. 3. Sg.+Neg.+Verb Passiv 3. Sg.)
Wissen, das zu Erkennende, der Erkennende – dreifach ist der Antrieb zur Handlung; Werkzeug, Handlung, Handelnder – dreifach ist die Zusammenfassung der Handlung.
Wort für Wort
jñānaṃ jñeyaṃ parijñātā
Wissen, das zu Erkennende, der Erkennende (Subst./Adj./Subst. Nom. Sg., drei Begriffe)
trividhā karmacodanā
dreifach ist der Antrieb zur Handlung (Adj.+Kompos. Nom. Sg. f.)
karaṇaṃ karma kartā iti
Werkzeug, Handlung, Handelnder (Subst. Nom. Sg., drei Begriffe+Adv.)
trividhaḥ karmasaṃgrahaḥ
dreifach ist die Zusammenfassung der Handlung (Adj.+Kompos. Nom. Sg. m.)
jñānaṃ karma ca kartā ca tridhaiva guṇabhedataḥ procyate guṇasaṃkhyāne yathāvac chṛṇu tāny api
Wissen, Handlung und Handelnder werden in der Lehre von den Eigenschaften ebenfalls dreifach unterschieden, je nach den Eigenschaften; höre auch davon der Wahrheit gemäß.
Wort für Wort
jñānaṃ karma ca kartā ca
Wissen, Handlung und Handelnder (Subst. Nom. Sg., drei Begriffe)
tridhā eva guṇabhedataḥ procyate
werden ebenfalls dreifach nach den Eigenschaften unterschieden (Adv.+Adv.+Kompos. Abl.+Verb Passiv 3. Sg.)
guṇasaṃkhyāne yathāvac chṛṇu
höre der Wahrheit gemäß in der Lehre von den Eigenschaften (Kompos. Lok.+Adv.+Verb Imp. 2. Sg.)
yat tu kṛtsnavad ekasmin kārye saktam ahaitukam atattvārthavad alpaṃ ca tat tāmasam udāhṛtam
Das Wissen aber, das an einem einzigen Werk haftet, als wäre es das Ganze, ohne Grund, ohne Bezug zur Wahrheit und geringfügig – dies wird als tamasisch bezeichnet.
Wort für Wort
yat tu kṛtsnavad ekasmin kārye saktam
das, was an einem einzigen Werk haftet, als wäre es das Ganze (Rel.-Pron.+Adv.+Adv.+Subst. Lok.+Part. Nom. Sg. n.)
ahaitukam atattvārthavad alpaṃ ca
ohne Grund, ohne Bezug zur Wahrheit und geringfügig (Adj.+Kompos.+Adj. Nom. Sg. n.)
tat tāmasam udāhṛtam
dies wird als tamasisch bezeichnet (Pron.+Adj.+Part. Nom. Sg. n.)
niyataṃ saṅgarahitam arāgadveṣataḥ kṛtam aphalaprepsunā karma yat tat sāttvikam ucyate
Die Handlung, die vorgeschrieben ist, ohne Anhaften, ohne Leidenschaft und Abneigung, von einem vollzogen wird, der nicht nach der Frucht verlangt – diese wird als sattvisch bezeichnet.
Wort für Wort
niyataṃ saṅgarahitam
vorgeschrieben, ohne Anhaften (Adj.+Kompos. Akk. Sg. n.)
arāgadveṣataḥ kṛtam
ohne Leidenschaft und Abneigung vollzogen (Kompos. Abl.+Part. Nom./Akk. Sg. n.)
aphalaprepsunā karma yat tat
die Handlung, die von einem vollzogen wird, der nicht nach der Frucht verlangt (Kompos. Instr. Sg. m.+Subst.+Rel.-Pron.+Pron.)
sāttvikam ucyate
wird als sattvisch bezeichnet (Adj. Nom. Sg. n.+Verb Passiv 3. Sg.)
yat tu kāmepsunā karma sāhaṃkāreṇa vā punaḥ kriyate bahulāyāsaṃ tad rājasam udāhṛtam
Die Handlung aber, die von einem vollzogen wird, der nach Begierde verlangt, oder mit Ich-Bewusstsein, mit großer Anstrengung – diese wird als rajasisch bezeichnet.
Wort für Wort
yat tu kāmepsunā karma
die Handlung aber, die von einem vollzogen wird, der nach Begierde verlangt (Rel.-Pron.+Adv.+Kompos. Instr. Sg. m.+Subst. Nom./Akk. Sg. n.)
sāhaṃkāreṇa vā punaḥ kriyate
oder wiederum mit Ich-Bewusstsein vollzogen wird (Kompos. Instr.+Konj.+Adv.+Verb Passiv 3. Sg.)
bahulāyāsaṃ tad rājasam udāhṛtam
mit großer Anstrengung, diese wird als rajasisch bezeichnet (Kompos. Akk. Sg. n.+Pron.+Adj.+Part. Nom. Sg. n.)
anubandhaṃ kṣayaṃ hiṃsām anapekṣya ca pauruṣam mohād ārabhyate karma yat tat tāmasam ucyate
Die Handlung, die, ohne Folge, Verlust, Gewalt und die eigene Fähigkeit zu bedenken, aus Verblendung begonnen wird – diese wird als tamasisch bezeichnet.
Wort für Wort
anubandhaṃ kṣayaṃ hiṃsām anapekṣya ca pauruṣam
ohne Folge, Verlust, Gewalt und die eigene Fähigkeit zu bedenken (Subst.+Subst.+Subst.+Gerund.+Subst. Akk. Sg. n.)
mohād ārabhyate karma yat tat
die Handlung, die aus Verblendung begonnen wird (Subst. Abl.+Verb Passiv 3. Sg.+Subst.+Rel.-Pron.+Pron.)
tāmasam ucyate
wird als tamasisch bezeichnet (Adj. Nom. Sg. n.+Verb Passiv 3. Sg.)
Der Handelnde, frei vom Anhaften, ohne Ich-Behauptung, mit Standhaftigkeit und Eifer erfüllt, unverändert bei Erfolg und Misserfolg – er wird als sattvisch bezeichnet.
Wort für Wort
muktasaṅgo 'nahaṃvādī
frei vom Anhaften, ohne Ich-Behauptung (Kompos. Nom. Sg. m., zwei Formen)
dhṛtyutsāhasamanvitaḥ
mit Standhaftigkeit und Eifer erfüllt (Kompos. Nom. Sg. m.)
siddhyasiddhyor nirvikāraḥ
unverändert bei Erfolg und Misserfolg (Subst. Gen. Dual+Adj. Nom. Sg. m.)
kartā sāttvika ucyate
der Handelnde wird als sattvisch bezeichnet (Subst.+Adj. Nom. Sg. m.+Verb Passiv 3. Sg.)
Der leidenschaftliche Handelnde, der nach der Frucht der Handlung verlangt, habgierig, von gewalttätigem Wesen, unrein, von Freude und Kummer erfüllt – er wird als rajasisch bezeichnet.
Wort für Wort
rāgī karmaphalaprepsur
leidenschaftlich, nach der Frucht der Handlung verlangend (Adj.+Kompos. Nom. Sg. m.)
lubdho hiṃsātmako 'śuciḥ
habgierig, von gewalttätigem Wesen, unrein (Adj.+Kompos.+Adj. Nom. Sg. m.)
harṣaśokānvitaḥ
von Freude und Kummer erfüllt (Kompos. Nom. Sg. m.)
kartā rājasaḥ parikīrtitaḥ
der Handelnde wird als rajasisch bezeichnet (Subst.+Adj.+Part. Nom. Sg. m.)
Höre nun den dreifachen Unterschied des Verstandes und der Standhaftigkeit nach den Eigenschaften, wie er vollständig und gesondert dargelegt wird, o Dhanaṃjaya.
Wort für Wort
buddher bhedaṃ dhṛteś ca eva guṇatas trividhaṃ śṛṇu
höre den dreifachen Unterschied des Verstandes und der Standhaftigkeit nach den Eigenschaften (Subst. Gen.+Subst.+Subst. Gen.+Subst. Abl.+Adj. Akk.+Verb Imp. 2. Sg.)
procyamānam aśeṣeṇa pṛthaktvena dhanaṃjaya
wie er vollständig und gesondert dargelegt wird, o Dhanaṃjaya (Part.+Subst. Instr.+Subst. Instr.+Subst. Vok. Sg. m.)
pravṛttiṃ ca nivṛttiṃ ca kāryākārye bhayābhaye bandhaṃ mokṣaṃ ca yā vetti buddhiḥ sā pārtha sāttvikī
Der Verstand, der rechtes Handeln und rechtes Unterlassen erkennt, was zu tun und was zu unterlassen ist, was zu fürchten und was nicht zu fürchten ist, Bindung und Befreiung – dieser Verstand, o Sohn des Pṛthā, ist sattvisch.
Wort für Wort
pravṛttiṃ ca nivṛttiṃ ca
rechtes Handeln und rechtes Unterlassen (Subst. Akk. Sg. f., zwei Begriffe)
kāryākārye bhayābhaye
was zu tun und zu unterlassen, was zu fürchten und nicht zu fürchten ist (Kompos. Akk. Sg. n., zwei Begriffe)
bandhaṃ mokṣaṃ ca yā vetti buddhiḥ
Bindung und Befreiung – der Verstand, der (dies) erkennt (Subst.+Subst.+Rel.-Pron.+Verb Präs. 3. Sg.+Subst. Nom. Sg. f.)
sā pārtha sāttvikī
dieser, o Sohn des Pṛthā, ist sattvisch (Pron.+Subst. Vok.+Adj. Nom. Sg. f.)
yayā dharmam adharmaṃ ca kāryaṃ cākāryam eva ca ayathāvat prajānāti buddhiḥ sā pārtha rājasī
Der Verstand, durch den man Dharma und Adharma, das zu Tuende und das zu Unterlassende nicht der Wahrheit gemäß erkennt – dieser Verstand, o Sohn des Pṛthā, ist rajasisch.
Wort für Wort
yayā dharmam adharmaṃ ca
durch den man Dharma und Adharma (Rel.-Pron. Instr.+Subst.+Subst. Akk. Sg. m., zwei Begriffe)
kāryaṃ ca akāryam eva ca
und das zu Tuende und das zu Unterlassende (Gerundiv Akk. Sg. n., zwei Formen)
ayathāvat prajānāti buddhiḥ
nicht der Wahrheit gemäß erkennt, der Verstand (Adv.+Verb Präs. 3. Sg.+Subst. Nom. Sg. f.)
sā pārtha rājasī
dieser, o Sohn des Pṛthā, ist rajasisch (Pron.+Subst. Vok.+Adj. Nom. Sg. f.)
Die Standhaftigkeit, durch die man die Tätigkeiten von Denksinn, Lebensatem und Sinnen im Yoga unwandelbar aufrechterhält – diese Standhaftigkeit, o Sohn des Pṛthā, ist sattvisch.
Wort für Wort
dhṛtyā yayā dhārayate
die Standhaftigkeit, durch die man aufrechterhält (Subst. Instr.+Rel.-Pron. Instr.+Verb Präs. 3. Sg.)
manaḥprāṇendriyakriyāḥ
die Tätigkeiten von Denksinn, Lebensatem und Sinnen (Kompos. Akk. Pl. f.)
yogena avyabhicāriṇyā
im Yoga unwandelbar (Subst. Instr.+Adj. Instr. Sg. f.)
dhṛtiḥ sā pārtha sāttvikī
diese Standhaftigkeit, o Sohn des Pṛthā, ist sattvisch (Subst. Nom.+Pron.+Subst. Vok.+Adj. Nom. Sg. f.)
Die Standhaftigkeit aber, durch die man, o Arjuna, an Dharma, Begierde und Reichtum festhält, in Anhaftung, nach der Frucht verlangend – diese Standhaftigkeit, o Sohn des Pṛthā, ist rajasisch.
Wort für Wort
yayā tu dharmakāmārthān dhṛtyā dhārayate
durch die man aber an Dharma, Begierde und Reichtum mit Standhaftigkeit festhält (Rel.-Pron. Instr.+Adv.+Kompos. Akk. Pl. m.+Subst. Instr.+Verb Präs. 3. Sg.)
arjuna prasaṅgena phalākāṅkṣī
o Arjuna, in Anhaftung, nach der Frucht verlangend (Subst. Vok.+Subst. Instr.+Kompos. Nom. Sg. m.)
dhṛtiḥ sā pārtha rājasī
diese Standhaftigkeit, o Sohn des Pṛthā, ist rajasisch (Subst. Nom.+Pron.+Subst. Vok.+Adj. Nom. Sg. f.)
yayā svapnaṃ bhayaṃ śokaṃ viṣādaṃ madam eva ca na vimuñcati durmedhā dhṛtiḥ sā pārtha tāmasī
Die Standhaftigkeit, durch die der Unverständige Schlaf, Furcht, Kummer, Verzagtheit und auch Rausch nicht aufgibt – diese Standhaftigkeit, o Sohn des Pṛthā, ist tamasisch.
Wort für Wort
yayā svapnaṃ bhayaṃ śokaṃ viṣādaṃ madam eva ca
durch die Schlaf, Furcht, Kummer, Verzagtheit und auch Rausch (Rel.-Pron. Instr.+Subst. Akk. Sg., fünf Begriffe)
na vimuñcati durmedhā
der Unverständige nicht aufgibt (Neg.+Verb Präs. 3. Sg.+Kompos. Nom. Sg. m.)
dhṛtiḥ sā pārtha tāmasī
diese Standhaftigkeit, o Sohn des Pṛthā, ist tamasisch (Subst. Nom.+Pron.+Subst. Vok.+Adj. Nom. Sg. f.)
Das, was am Anfang wie Gift ist, am Ende aber der Unsterblichkeit gleicht – dieses Glück wird als sattvisch bezeichnet, entstanden aus der Heiterkeit des eigenen Verstandes.
Wort für Wort
yat tad agre viṣam iva
das, was am Anfang wie Gift ist (Rel.-Pron.+Pron.+Adv.+Subst.+Adv.)
pariṇāme 'mṛtopamam
am Ende der Unsterblichkeit gleicht (Subst. Lok.+Kompos. Nom. Sg. n.)
tat sukhaṃ sāttvikaṃ proktam
dieses Glück wird als sattvisch bezeichnet (Pron.+Subst.+Adj.+Part. Nom. Sg. n.)
ātmabuddhiprasādajam
entstanden aus der Heiterkeit des eigenen Verstandes (Kompos. Nom. Sg. n.)
Das Glück, das aus der Verbindung von Sinnesobjekt und Sinnesorgan entsteht, das am Anfang der Unsterblichkeit gleicht, am Ende aber wie Gift ist – dieses Glück gilt als rajasisch.
Wort für Wort
viṣayendriyasaṃyogād
aus der Verbindung von Sinnesobjekt und Sinnesorgan (Kompos. Abl. Sg. m.)
yat tad agre 'mṛtopamam
das, was am Anfang der Unsterblichkeit gleicht (Rel.-Pron.+Pron.+Adv.+Kompos. Nom. Sg. n.)
pariṇāme viṣam iva
am Ende aber wie Gift (Subst. Lok.+Subst.+Adv.)
tat sukhaṃ rājasaṃ smṛtam
dieses Glück gilt als rajasisch (Pron.+Subst.+Adj.+Part. Nom. Sg. n.)
yad agre cānubandhe ca sukhaṃ mohanam ātmanaḥ nidrālasyapramādotthaṃ tat tāmasam udāhṛtam
Das Glück, das am Anfang und in der Folge die Verblendung des Selbst bewirkt, das aus Schlaf, Trägheit und Nachlässigkeit entsteht – dieses wird als tamasisch bezeichnet.
Wort für Wort
yad agre ca anubandhe ca sukhaṃ
das Glück, das am Anfang und in der Folge (Rel.-Pron.+Adv.+Subst. Lok.+Subst. Nom. Sg. n.)
mohanam ātmanaḥ
die Verblendung des Selbst bewirkt (Adj. Nom. Sg. n.+Subst. Gen. Sg. m.)
nidrālasyapramādotthaṃ
aus Schlaf, Trägheit und Nachlässigkeit entstanden (Kompos. Nom. Sg. n.)
tat tāmasam udāhṛtam
dieses wird als tamasisch bezeichnet (Pron.+Adj.+Part. Nom. Sg. n.)
na tad asti pṛthivyāṃ vā divi deveṣu vā punaḥ sattvaṃ prakṛtijair muktaṃ yad ebhiḥ syāt tribhir guṇaiḥ
Es gibt kein Wesen, weder auf Erden noch wiederum im Himmel unter den Göttern, das frei wäre von diesen drei, aus der Prakṛti entstandenen Eigenschaften.
Wort für Wort
na tad asti pṛthivyāṃ vā
es gibt kein solches (Wesen), weder auf Erden (Neg.+Pron.+Verb Präs. 3. Sg.+Subst. Lok.+Konj.)
divi deveṣu vā punaḥ
noch wiederum im Himmel unter den Göttern (Subst. Lok.+Subst. Lok.+Konj.+Adv.)
sattvaṃ prakṛtijair muktaṃ
ein Wesen, frei von den aus der Prakṛti entstandenen (Subst. Nom.+Kompos. Instr. Pl.+Part. Nom. Sg. n.)
yad ebhiḥ syāt tribhir guṇaiḥ
das frei wäre von diesen drei Eigenschaften (Rel.-Pron.+Pron. Instr.+Verb Opt. 3. Sg.+Zahlwort+Subst. Instr. Pl. m.)
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ śūdrāṇāṃ ca paraṃtapa karmāṇi pravibhaktāni svabhāvaprabhavair guṇaiḥ
Die Handlungen der Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, o Bezwinger der Feinde, sind nach den aus ihrem eigenen Wesen entstandenen Eigenschaften verteilt.
Wort für Wort
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ śūdrāṇāṃ ca
der Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras (Kompos. Gen. Pl.+Subst. Gen. Pl. m.)
paraṃtapa karmāṇi pravibhaktāni
o Bezwinger der Feinde, die Handlungen sind verteilt (Kompos. Vok.+Subst. Nom. Pl. n.+Part. Nom. Pl. n.)
svabhāvaprabhavair guṇaiḥ
nach den aus ihrem eigenen Wesen entstandenen Eigenschaften (Kompos. Instr. Pl.+Subst. Instr. Pl. m.)
śamo damas tapaḥ śaucaṃ kṣāntir ārjavam eva ca jñānaṃ vijñānam āstikyaṃ brahmakarma svabhāvajam
Ruhe des Denksinns, Selbstbeherrschung, Askese, Reinheit, Geduld, Aufrichtigkeit, Wissen, Erkenntnis und Gottvertrauen – dies ist die aus dem eigenen Wesen entstandene Aufgabe des Brahmanen.
Tapferkeit, Tatkraft, Standhaftigkeit, Geschicklichkeit, auch das Nicht-Fliehen in der Schlacht, Freigebigkeit und herrschaftliches Wesen – dies ist die aus dem eigenen Wesen entstandene Aufgabe des Kṣatriya.
Wort für Wort
śauryaṃ tejo dhṛtir dākṣyaṃ
Tapferkeit, Tatkraft, Standhaftigkeit, Geschicklichkeit (Subst. Nom. Sg., vier Begriffe)
yuddhe ca api apalāyanam
auch das Nicht-Fliehen in der Schlacht (Subst. Lok.+Adv.+Subst. Nom. Sg. n.)
dānam īśvarabhāvaś ca
Freigebigkeit und herrschaftliches Wesen (Subst.+Kompos. Nom. Sg., zwei Begriffe)
kṣatrakarma svabhāvajam
die aus dem eigenen Wesen entstandene Aufgabe des Kṣatriya (Kompos. Nom. Sg. n.+Kompos. Nom. Sg. n.)
Ackerbau, Viehzucht und Handel – dies ist die aus dem eigenen Wesen entstandene Aufgabe des Vaiśya; die im Dienen bestehende Aufgabe ist auch die des Śūdra, aus seinem eigenen Wesen entstanden.
Wort für Wort
kṛṣigorakṣyavāṇijyaṃ
Ackerbau, Viehzucht und Handel (Kompos. Nom. Sg. n.)
vaiśyakarma svabhāvajam
die aus dem eigenen Wesen entstandene Aufgabe des Vaiśya (Kompos. Nom. Sg. n.+Kompos. Nom. Sg. n.)
paricaryātmakaṃ karma
die im Dienen bestehende Aufgabe (Kompos.+Subst. Nom. Sg. n.)
śūdrasya api svabhāvajam
auch die des Śūdra, aus seinem eigenen Wesen entstanden (Subst. Gen.+Adv.+Kompos. Nom. Sg. n.)
Indem er den verehrt, von dem die Entstehung der Wesen ausgeht, von dem dies alles durchdrungen ist, durch seine eigene Aufgabe, findet der Mensch die Vollendung.
Wort für Wort
yataḥ pravṛttir bhūtānāṃ
von dem die Entstehung der Wesen ausgeht (Adv.+Subst. Nom.+Subst. Gen. Pl. n.)
yena sarvam idaṃ tatam
von dem dies alles durchdrungen ist (Rel.-Pron. Instr.+Pron.+Pron.+Part. Nom. Sg. n.)
svakarmaṇā tam abhyarcya
indem er ihn durch seine eigene Aufgabe verehrt (Kompos. Instr.+Pron.+Gerund.)
siddhiṃ vindati mānavaḥ
findet der Mensch die Vollendung (Subst. Akk.+Verb Präs. 3. Sg.+Subst. Nom. Sg. m.)
Besser ist die eigene Pflicht, auch mangelhaft ausgeübt, als die gut ausgeübte fremde Pflicht; wer die durch sein eigenes Wesen bestimmte Aufgabe vollzieht, erlangt keine Schuld.
Wort für Wort
śreyān svadharmo viguṇaḥ
besser ist die eigene Pflicht, auch mangelhaft (Adj. Nom.+Kompos. Nom.+Adj. Nom. Sg. m.)
paradharmāt svanuṣṭhitāt
als die gut ausgeübte fremde Pflicht (Kompos. Abl.+Part. Abl. Sg. m.)
svabhāvaniyataṃ karma kurvan
wer die durch sein eigenes Wesen bestimmte Aufgabe vollzieht (Kompos. Akk.+Subst. Akk.+Part. Nom. Sg. m.)
na āpnoti kilbiṣam
erlangt keine Schuld (Neg.+Verb Präs. 3. Sg.+Subst. Akk. Sg. n.)
sahajaṃ karma kaunteya sadoṣam api na tyajet sarvārambhā hi doṣeṇa dhūmenāgnir ivāvṛtāḥ
Die angeborene Aufgabe, o Sohn der Kuntī, soll man, auch wenn sie mit Mangel behaftet ist, nicht aufgeben; denn alle Unternehmungen sind von Mangel umhüllt, wie das Feuer vom Rauch.
Wort für Wort
sahajaṃ karma kaunteya
die angeborene Aufgabe, o Sohn der Kuntī (Adj.+Subst. Akk.+Subst. Vok. Sg. m.)
sadoṣam api na tyajet
soll man, auch wenn mit Mangel behaftet, nicht aufgeben (Adj. Akk.+Adv.+Neg.+Verb Opt. 3. Sg.)
sarvārambhā hi doṣeṇa
denn alle Unternehmungen sind von Mangel (Adj.+Subst. Nom. Pl. m.+Adv.+Subst. Instr.)
dhūmena agnir iva āvṛtāḥ
umhüllt wie das Feuer vom Rauch (Subst. Instr.+Subst. Nom.+Adv.+Part. Nom. Pl. m.)
Wer überall unangehafteten Verstandes ist, sein Selbst bezwungen hat, frei von Verlangen ist, erlangt durch Entsagung die höchste Vollendung der Handlungslosigkeit.
Wort für Wort
asaktabuddhiḥ sarvatra
wer überall unangehafteten Verstandes ist (Kompos. Nom. Sg. m.+Adv.)
jitātmā vigataspṛhaḥ
sein Selbst bezwungen hat, frei von Verlangen (Kompos. Nom. Sg. m., zwei Formen)
naiṣkarmyasiddhiṃ paramāṃ
die höchste Vollendung der Handlungslosigkeit (Kompos. Akk.+Adj. Akk. Sg. f.)
saṃnyāsena adhigacchati
erlangt durch Entsagung (Subst. Instr.+Verb Präs. 3. Sg.)
Erkenne von mir, kurz zusammengefasst, o Sohn der Kuntī, wie einer, der die Vollendung erlangt hat, auch das Brahman erlangt, jenen höchsten Stand des Wissens.
Wort für Wort
siddhiṃ prāpto yathā brahma tathā āpnoti
wie einer, der die Vollendung erlangt hat, ebenso das Brahman erlangt (Subst. Akk.+Part. Nom.+Adv.+Subst. Akk.+Adv.+Verb Präs. 3. Sg.)
nibodha me samāsena eva kaunteya
erkenne von mir, kurz zusammengefasst, o Sohn der Kuntī (Verb Imp. 2. Sg.+Pron. Abl.+Adv.+Adv.+Subst. Vok. Sg. m.)
niṣṭhā jñānasya yā parā
jenen höchsten Stand des Wissens (Subst. Nom.+Subst. Gen.+Rel.-Pron.+Adj. Nom. Sg. f.)
buddhyā viśuddhayā yukto dhṛtyātmānaṃ niyamya ca śabdādīn viṣayāṃs tyaktvā rāgadveṣau vyudasya ca
Mit gereinigtem Verstand ausgestattet, das Selbst mit Standhaftigkeit bezähmend, die Sinnesobjekte wie Ton und andere aufgebend, Leidenschaft und Abneigung verwerfend,
Wort für Wort
buddhyā viśuddhayā yukto
mit gereinigtem Verstand ausgestattet (Subst. Instr.+Adj. Instr.+Part. Nom. Sg. m.)
dhṛtyā ātmānaṃ niyamya ca
das Selbst mit Standhaftigkeit bezähmend (Subst. Instr.+Subst. Akk.+Gerund.)
śabdādīn viṣayāṃs tyaktvā
die Sinnesobjekte wie Ton und andere aufgebend (Adj.+Subst. Akk. Pl. m.+Gerund.)
rāgadveṣau vyudasya ca
Leidenschaft und Abneigung verwerfend (Subst. Akk. Dual m.+Gerund.)
Abgeschiedenheit aufsuchend, mäßig essend, Rede, Körper und Denksinn beherrschend, stets dem Yoga der Meditation ergeben, der Leidenschaftslosigkeit zugewandt,
Wort für Wort
viviktasevī laghvāśī
Abgeschiedenheit aufsuchend, mäßig essend (Kompos. Nom. Sg. m., zwei Formen)
yatavākkāyamānasaḥ
Rede, Körper und Denksinn beherrschend (Kompos. Nom. Sg. m.)
dhyānayogaparo nityaṃ
stets dem Yoga der Meditation ergeben (Kompos. Nom. Sg. m.+Adv.)
vairāgyaṃ samupāśritaḥ
der Leidenschaftslosigkeit zugewandt (Subst. Akk.+Part. Nom. Sg. m.)
Durch Hingabe erkennt er mich, wie groß und wer ich der Wahrheit nach bin; nachdem er mich so der Wahrheit nach erkannt hat, geht er sogleich danach in mich ein.
Wort für Wort
bhaktyā mām abhijānāti
durch Hingabe erkennt er mich (Subst. Instr.+Pron.+Verb Präs. 3. Sg.)
yāvān yaś ca asmi tattvataḥ
wie groß und wer ich der Wahrheit nach bin (Pron.+Rel.-Pron.+Verb Präs. 1. Sg.+Adv.)
tato māṃ tattvato jñātvā
nachdem er mich so der Wahrheit nach erkannt hat (Adv.+Pron.+Adv.+Gerund.)
viśate tadanantaram
geht er sogleich danach in mich ein (Verb Präs. 3. Sg.+Adv.)
maccittaḥ sarvadurgāṇi matprasādāt tariṣyasi atha cet tvam ahaṃkārān na śroṣyasi vinaṅkṣyasi
Auf mich gerichteten Sinnes wirst du durch meine Gnade alle Schwierigkeiten überwinden; wenn du aber aus Ich-Bewusstsein nicht hörst, wirst du zugrunde gehen.
Wort für Wort
maccittaḥ sarvadurgāṇi matprasādāt tariṣyasi
auf mich gerichteten Sinnes wirst du durch meine Gnade alle Schwierigkeiten überwinden (Kompos. Nom.+Adj.+Subst. Akk.+Kompos. Abl.+Verb Fut. 2. Sg.)
atha cet tvam ahaṃkārān
wenn du aber aus Ich-Bewusstsein (Adv.+Konj.+Pron.+Subst. Abl. Sg. m.)
na śroṣyasi vinaṅkṣyasi
nicht hörst, wirst du zugrunde gehen (Neg.+Verb Fut. 2. Sg.+Verb Fut. 2. Sg.)
yad ahaṃkāram āśritya na yotsya iti manyase mithyaiṣa vyavasāyas te prakṛtis tvāṃ niyokṣyati
Wenn du, dem Ich-Bewusstsein verhaftet, denkst 'ich werde nicht kämpfen' – falsch ist dieser dein Entschluss, deine eigene Natur wird dich dazu treiben.
Wort für Wort
yad ahaṃkāram āśritya
wenn du, dem Ich-Bewusstsein verhaftet (Rel.-Pron.+Subst. Akk.+Gerund.)
svabhāvajena kaunteya nibaddhaḥ svena karmaṇā kartuṃ necchasi yan mohāt kariṣyasy avaśo 'pi tat
Gebunden durch deine eigene, aus deinem Wesen entstandene Aufgabe, o Sohn der Kuntī, wirst du das, was du aus Verblendung nicht tun willst, dennoch unfreiwillig tun.
Wort für Wort
svabhāvajena kaunteya nibaddhaḥ
gebunden durch die aus dem Wesen entstandene, o Sohn der Kuntī (Kompos. Instr.+Subst. Vok.+Part. Nom. Sg. m.)
svena karmaṇā kartuṃ na icchasi
was du mit deiner eigenen Aufgabe nicht tun willst (Adj.+Subst. Instr.+Infin.+Neg.+Verb Präs. 2. Sg.)
yan mohāt kariṣyasy
das wirst du aus Verblendung tun (Rel.-Pron.+Subst. Abl.+Verb Fut. 2. Sg.)
manmanā bhava madbhakto madyājī māṃ namaskuru mām evaiṣyasi satyaṃ te pratijāne priyo 'si me
Richte deinen Sinn auf mich, sei mir hingegeben, opfere mir, verneige dich vor mir; zu mir wirst du gelangen, wahrhaftig verspreche ich dir dies, denn du bist mir lieb.
Wort für Wort
manmanā bhava madbhakto
richte deinen Sinn auf mich, sei mir hingegeben (Kompos. Nom.+Verb Imp. 2. Sg.+Kompos. Nom. Sg. m.)
madyājī māṃ namaskuru
opfere mir, verneige dich vor mir (Kompos. Nom. Sg. m.+Pron.+Verb Imp. 2. Sg.)
mām eva eṣyasi satyaṃ te pratijāne
zu mir allein wirst du gelangen, wahrhaftig verspreche ich dir dies (Pron.+Adv.+Verb Fut. 2. Sg.+Adv.+Pron. Dat.+Verb Präs. 1. Sg.)
priyo 'si me
du bist mir lieb (Adj. Nom.+Verb Präs. 2. Sg.+Pron. Gen.)
idaṃ te nātapaskāya nābhaktāya kadā cana na cāśuśrūṣave vācyaṃ na ca māṃ yo 'bhyasūyati
Dies soll niemals einem Nicht-Asketen, einem Nicht-Hingegebenen gesagt werden, auch nicht einem, der nicht hören will, noch einem, der mich missgünstig verleumdet.
Wort für Wort
idaṃ te na atapaskāya
dies soll niemals einem Nicht-Asketen (Pron.+Pron. Gen.+Neg.+Kompos. Dat. Sg. m.)
na abhaktāya kadā cana
nicht einem Nicht-Hingegebenen, niemals (Neg.+Kompos. Dat.+Adv.+Adv.)
na ca aśuśrūṣave vācyaṃ
und auch nicht einem, der nicht hören will, soll es gesagt werden (Neg.+Adj. Dat.+Gerundiv Nom. Sg. n.)
na ca māṃ yo 'bhyasūyati
noch einem, der mich missgünstig verleumdet (Neg.+Pron.+Rel.-Pron.+Verb Präs. 3. Sg.)
adhyeṣyate ca ya imaṃ dharmyaṃ saṃvādam āvayoḥ jñānayajñena tenāham iṣṭaḥ syām iti me matiḥ
Und wer dieses unser rechtmäßiges Zwiegespräch studieren wird, von dem gilt mir, dass er mich durch das Opfer des Wissens verehrt hat – dies ist meine Überzeugung.
Wort für Wort
adhyeṣyate ca ya imaṃ dharmyaṃ saṃvādam āvayoḥ
und wer dieses unser rechtmäßiges Zwiegespräch studieren wird (Verb Fut. 3. Sg.+Rel.-Pron.+Pron.+Adj.+Subst. Akk.+Pron. Gen. Dual)
jñānayajñena tena aham iṣṭaḥ syām
von dem ich durch das Opfer des Wissens verehrt sein möchte (Kompos. Instr.+Pron.+Pron.+Adj.+Verb Opt. 1. Sg.)
iti me matiḥ
dies ist meine Überzeugung (Adv.+Pron. Gen.+Subst. Nom. Sg. f.)
śraddhāvān anasūyaś ca śṛṇuyād api yo naraḥ so 'pi muktaḥ śubhāṃl lokān prāpnuyāt puṇyakarmaṇām
Und auch der Mensch, der voller Glauben und ohne Missgunst nur zuhört – auch er wird, befreit, die heilvollen Welten derer erlangen, die verdienstvoll gehandelt haben.
Wort für Wort
śraddhāvān anasūyaś ca śṛṇuyād api yo naraḥ
und auch der Mensch, der voller Glauben und ohne Missgunst nur zuhört (Adj.+Adj.+Verb Opt. 3. Sg.+Adv.+Rel.-Pron.+Subst. Nom. Sg. m.)
so 'pi muktaḥ
auch er, befreit (Pron.+Adv.+Part. Nom. Sg. m.)
śubhāṃl lokān prāpnuyāt
wird die heilvollen Welten erlangen (Adj.+Subst. Akk. Pl. m.+Verb Opt. 3. Sg.)
puṇyakarmaṇām
derer, die verdienstvoll gehandelt haben (Kompos. Gen. Pl. m.)
“ Arjuna sprach: „Die Verblendung ist geschwunden, Erinnerung habe ich wiedererlangt durch deine Gnade, o Acyuta; ich stehe fest, meiner Zweifel ledig, ich werde dein Wort befolgen.“
Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach (Subst.+Verb Perf. 3. Sg.)
naṣṭo mohaḥ smṛtir labdhā
die Verblendung ist geschwunden, Erinnerung habe ich wiedererlangt (Part.+Subst.+Subst.+Part. Nom. Sg. f.)
tvatprasādān mayā acyuta
durch deine Gnade, von mir, o Acyuta (Kompos. Abl.+Pron. Instr.+Subst. Vok. Sg. m.)
sthito 'smi gatasaṃdehaḥ
ich stehe fest, meiner Zweifel ledig (Part.+Verb Präs. 1. Sg.+Kompos. Nom. Sg. m.)
kariṣye vacanaṃ tava
ich werde dein Wort befolgen (Verb Fut. 1. Sg.+Subst. Akk.+Pron. Gen.)
Durch Vyāsas Gnade habe ich dieses höchste Geheimnis, dieses Yoga, aus dem Mund des Kṛṣṇa, des Herrn des Yoga, selbst unmittelbar sprechend, vernommen.
Wort für Wort
vyāsaprasādāc chrutavān
durch Vyāsas Gnade habe ich vernommen (Kompos. Abl.+Part. Nom. Sg. m.)
etad guhyam ahaṃ param yogaṃ
dieses höchste geheime Yoga (Pron.+Adj.+Pron.+Adj.+Subst. Akk. Sg. m.)
yogeśvarāt kṛṣṇāt sākṣāt
vom Herrn des Yoga, Kṛṣṇa, unmittelbar (Kompos. Abl.+Subst. Abl.+Adv.)
O König, wenn ich mich immer wieder an dieses wunderbare, heilvolle Zwiegespräch zwischen Keśava und Arjuna erinnere, erschauere ich vor Freude, immer wieder.
Wort für Wort
rājan saṃsmṛtya saṃsmṛtya
o König, immer wieder mich erinnernd (Subst. Vok.+Gerund., wiederholt)
saṃvādam imam adbhutam
an dieses wunderbare Zwiegespräch (Subst. Akk.+Pron.+Adj. Akk. Sg. m.)
keśavārjunayoḥ puṇyaṃ
das heilvolle zwischen Keśava und Arjuna (Kompos. Gen. Dual+Adj. Akk. Sg. m.)
hṛṣyāmi ca muhur muhuḥ
erschauere ich vor Freude, immer wieder (Verb Präs. 1. Sg.+Adv., wiederholt)
tac ca saṃsmṛtya saṃsmṛtya rūpam atyadbhutaṃ hareḥ vismayo me mahān rājan hṛṣyāmi ca punaḥ punaḥ
Und wenn ich mich immer wieder an jene überaus wunderbare Gestalt Haris erinnere, o König, ergreift mich großes Staunen, und ich erschauere vor Freude, immer wieder.
Wort für Wort
tac ca saṃsmṛtya saṃsmṛtya
und mich immer wieder daran erinnernd (Pron.+Gerund., wiederholt)
rūpam atyadbhutaṃ hareḥ
an die überaus wunderbare Gestalt Haris (Subst. Akk.+Adj. Akk.+Subst. Gen. Sg. m.)
vismayo me mahān rājan
großes Staunen ergreift mich, o König (Subst. Nom.+Pron. Gen.+Adj. Nom.+Subst. Vok. Sg. m.)
hṛṣyāmi ca punaḥ punaḥ
und ich erschauere vor Freude, immer wieder (Verb Präs. 1. Sg.+Adv., wiederholt)