Kapitel 116: Bhīṣmasaṃdhivākya
Der zehnte Tag: Bhīṣmas Friedensmahnung
Am folgenden Morgen versammeln sich beide Heere friedlich um den auf dem Pfeilbett liegenden Bhīṣma. Von Schmerz gequält, verlangt er nach Wasser, lehnt jedoch gewöhnliche menschliche Speise und Trank ab und bittet stattdessen Arjuna, ihm Wasser auf kriegerische Weise zu reichen: Arjuna durchbohrt die Erde mit einem in die Parjanya-Waffe eingebundenen Pfeil und lässt so einen kühlen, unsterblichkeitsgleichen Wasserstrahl entspringen, der Bhīṣma erquickt und alle Anwesenden in Staunen versetzt. Bhīṣma preist Arjunas übermenschliche Fähigkeiten und wendet sich dann, um Duryodhanas willen, in einer eindringlichen Rede an ihn: Er mahnt ihn, angesichts der Pāṇḍavas Unbesiegbarkeit Frieden mit ihnen zu schließen, ihnen die Hälfte des Reiches zu geben und die Feindschaft zu beenden, warnt eindringlich vor dem Untergang, der sonst nach Bhīṣmas Tod über die Kauravas hereinbrechen werde. Duryodhana bleibt schweigend, seinen Schmerz unterdrückend.
kanyāś candanacūrṇaiś ca lājair mālyaiś ca sarvaśaḥ avākirañ śāṃtanavaṃ tatra gatvā sahasraśaḥ striyo bālās tathā vṛddhāḥ prekṣakāś ca pṛthagjanāḥ samabhyayuḥ śāṃtanavaṃ bhūtānīva tamonudam
Mädchen bestreuten den Sohn des Śāṃtanu, dorthin gegangen, zu Tausenden, mit Sandelholzpuder, geröstetem Korn und Blumengirlanden von allen Seiten; Frauen, Kinder und Greise, sowie neugierige einfache Leute, sie alle näherten sich dem Sohn des Śāṃtanu, wie Geschöpfe dem Finsternis-Vertreiber [der Sonne].
Wort für Wort
kanyāś candanacūrṇaiś ca lājair mālyaiś ca sarvaśaḥ
Mädchen mit Sandelholzpuder, geröstetem Korn und Blumengirlanden von allen Seiten (Nom.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Adv.)
avākirañ śāṃtanavaṃ tatra gatvā sahasraśaḥ
bestreuten den Sohn des Śāṃtanu, dorthin gegangen, zu Tausenden (3.Pl.Impf. kṝ- + Akk. + Adv. + Ger. gam- + Adv.)
striyo bālās tathā vṛddhāḥ prekṣakāś ca pṛthagjanāḥ
Frauen, Kinder und Greise, sowie neugierige einfache Leute (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Bah.)
samabhyayuḥ śāṃtanavaṃ bhūtānīva tamonudam
näherten sich alle dem Sohn des Śāṃtanu, wie Geschöpfe dem Finsternis-Vertreiber (3.Pl.Perf. i- + Akk. + Nom.Pl.+Partikel + Akk.Bah.)
[Anm.: V.3 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit. Der Hauptvers V.3a enthält im überlieferten Text kein eigenes finites Verb; die im kritischen Apparat nach V.3b stehende Zeile *0494_01 (avākirañ śāṃtanavaṃ tatra gatvā sahasraśaḥ, 'bestreuten den Sohn des Śāṃtanu, dorthin gegangen, zu Tausenden') liefert das für den Satz nötige Verb und wird daher, anders als rein redundante Zusatzverse, zur Herstellung der Satzgrammatik in die Übersetzung einbezogen.]
anvāsata durādharṣaṃ devavratam ariṃdamam anyonyaṃ prītimantas te yathāpūrvaṃ yathāvayaḥ
saßen sie bei dem unbezwingbaren Devavrata [Bhīṣma], dem Feindebezwinger, einander wohlgesinnt, wie zuvor [in Freundschaft], nach ihrem Alter geordnet.
Wort für Wort
anvāsata durādharṣaṃ devavratam ariṃdamam
saßen sie bei dem unbezwingbaren Devavrata, dem Feindebezwinger (3.Pl.Impf.Med. ās- + Akk. + Akk. + Akk.)
anyonyaṃ prītimantas te yathāpūrvaṃ yathāvayaḥ
einander wohlgesinnt, wie zuvor, nach ihrem Alter geordnet (Akk. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl. + Adv. + Adv.)
[Anm.: V.6 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.5 begonnenen Satzes.]
Jene von Hunderten von Königen erfüllte, durch Bhīṣma geschmückte Versammlung der Bharatas erstrahlte leuchtend, wie die Sonnenscheibe am Himmel.
Wort für Wort
sā pārthivaśatākīrṇā samitir bhīṣmaśobhitā
jene von Hunderten von Königen erfüllte, durch Bhīṣma geschmückte Versammlung (Nom. + Nom.Bah. + Nom. + Nom.Bah.)
śuśubhe bhāratī dīptā divīvādityamaṇḍalam
der Bharatas erstrahlte leuchtend, wie die Sonnenscheibe am Himmel (3.Sg.Perf.Med. śubh- + Nom. + Nom. + Lok.+Partikel+Akk.)
[Anm.: V.7 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.7d die Zusatzzeile *0495_01 (upāsāṃ cakrire sarve kurupāṇḍavasainikāḥ, 'alle Krieger der Kurus und Pāṇḍavas saßen ringsum'), eine inhaltlich redundante Dublette zur bereits geschilderten Szene, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Und sie [die Versammlung] erstrahlte, während die Könige um den Großvater saßen, wie [die Versammlung] der Götter um den Götterherrn [Indra], während sie um ihn saßen.
Wort für Wort
vibabhau ca nṛpāṇāṃ sā pitāmaham upāsatām
und sie erstrahlte, während die Könige um den Großvater saßen (3.Sg.Perf. bhā- + Konj. + Gen.Pl. + Nom. + Akk. + Gen.Pl.Präs.Part.)
devānām iva deveśaṃ pitāmaham upāsatām
wie [die Versammlung] der Götter um den Götterherrn, während sie um ihn saßen (Gen.Pl. + Partikel + Akk. + Akk. + Gen.Pl.Präs.Part.)
Bhīṣma aber, o Stier der Bharatas, seinen Schmerz durch Standhaftigkeit unterdrückend, von vielerlei Waffen durchbohrt, so auf dem Pfeilbett liegend, von den Pfeilen gequält, sprach, nicht eben frohen Mutes:
Wort für Wort
bhīṣmas tu vedanāṃ dhairyān nigṛhya bharatarṣabha
Bhīṣma aber, o Stier der Bharatas, seinen Schmerz durch Standhaftigkeit unterdrückend (Nom. + Konj. + Akk. + Instr. + Ger. grah- + Vok.)
nānāpraharaṇair viddhaḥ śaratalpagatas tathā
von vielerlei Waffen durchbohrt, so auf dem Pfeilbett liegend (Instr.Pl.Bah. + Nom.Past.Part. + Nom.Bah. + Adv.)
abhitaptaḥ śaraiś caiva nātihṛṣṭamanābravīt
von den Pfeilen gequält, sprach er, nicht eben frohen Mutes (Nom.Past.Part. + Instr.Pl. + Konj.+Partikel + Neg.+Nom.Bah.+3.Sg.Impf. brū-)
[Anm.: V.9 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
upanītaṃ ca tad dṛṣṭvā bhīṣmaḥ śāṃtanavo 'bravīt nādya tāta mayā śakyaṃ bhogān kāṃś cana mānuṣān
Als er sah, was herbeigebracht worden war, sprach Bhīṣma, der Sohn des Śāṃtanu: „Nicht kann ich heute, mein Sohn, irgendwelche menschlichen Genüsse
Wort für Wort
upanītaṃ ca tad dṛṣṭvā bhīṣmaḥ śāṃtanavo 'bravīt
als er sah, was herbeigebracht worden war, sprach Bhīṣma, der Sohn des Śāṃtanu (Akk.Past.Part. + Konj. + Akk. + Ger. dṛś- + Nom. + Nom. + 3.Sg.Impf. brū-)
nādya tāta mayā śakyaṃ bhogān kāṃś cana mānuṣān
nicht kann ich heute, mein Sohn, irgendwelche menschlichen Genüsse (Neg.+Adv. + Vok. + Instr. + Akk. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Indef.Pron. + Akk.Pl.)
[Anm.: V.12 bildet eine Einheit; Einleitung und Beginn von Bhīṣmas Ablehnung gewöhnlicher Speise und Trank (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.13). Im kritischen Apparat findet sich nach V.12d die Zusatzzeile *0497_01 (nedaṃ mama jalaṃ yogyaṃ pātuṃ naiva kṣamo hy aham, 'dieses Wasser ist nicht geeignet für mich zu trinken; ich bin dazu keineswegs fähig'), eine inhaltlich redundante Variante desselben Gedankens, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
upabhoktuṃ manuṣyebhyaḥ śaraśayyāgato hy aham pratīkṣamāṇas tiṣṭhāmi nivṛttiṃ śaśisūryayoḥ
genießen, was von Menschen [kommt]; denn ich bin auf das Pfeillager gekommen. Ich verweile wartend auf die Umkehr von Mond und Sonne.“
Wort für Wort
upabhoktuṃ manuṣyebhyaḥ śaraśayyāgato hy aham
genießen, was von Menschen kommt; denn ich bin auf das Pfeillager gekommen (Inf. bhuj- + Abl.Pl. + Nom.Bah. + Partikel + Nom.)
pratīkṣamāṇas tiṣṭhāmi nivṛttiṃ śaśisūryayoḥ
ich verweile wartend auf die Umkehr von Mond und Sonne (Nom.Präs.Part. + 1.Sg.Präs. sthā- + Akk. + Gen.Du.)
[Anm.: V.13 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Ablehnung (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat finden sich nach V.13d drei rätselhafte, syntaktisch unklare Zusatzzeilen (*0498_01-03) über das Trinken von 'payas' (Milch) und 'gomaya' (Kuhdung/-produkt), die im überlieferten Wortlaut nicht sinnvoll aufzulösen sind [?] und daher nicht in den Haupttext übernommen werden.]
Da trat der Großarmige [Arjuna] heran, grüßte den Großvater ehrfürchtig und stand mit gefalteten Händen, demütig geneigt, da und sprach: „Was soll ich tun?“
Wort für Wort
athopetya mahābāhur abhivādya pitāmaham
da trat der Großarmige heran, grüßte den Großvater ehrfürchtig (Adv. + Ger. i- + Nom. + Ger. vad- + Akk.)
atiṣṭhat prāñjaliḥ prahvaḥ kiṃ karomīti cābravīt
stand mit gefalteten Händen, demütig geneigt, da und sprach: was soll ich tun? (3.Sg.Impf. sthā- + Nom.Bah. + Nom. + Interr. + 1.Sg.Präs. kṛ- + Partikel + Konj.+3.Sg.Impf. brū-)
[Anm.: V.15 bildet eine Einheit; enthält Erzählung und Arjunas kurze, in sich geschlossene Frage (CQ_OPEN...CQ_CLOSE).]
dahyate 'daḥ śarīraṃ me saṃsyūto 'smi maheṣubhiḥ marmāṇi paridūyante vadanaṃ mama śuṣyati
„Dieser mein Körper brennt, ich bin von großen Pfeilen durchbohrt; meine Lebenspunkte schmerzen quälend, mein Mund trocknet aus.
Wort für Wort
dahyate 'daḥ śarīraṃ me saṃsyūto 'smi maheṣubhiḥ
dieser mein Körper brennt, ich bin von großen Pfeilen durchbohrt (3.Sg.Präs.Pass. dah- + Nom. + Nom. + Gen. + Nom.Past.Part. + 1.Sg.Präs. as- + Instr.Pl.)
marmāṇi paridūyante vadanaṃ mama śuṣyati
meine Lebenspunkte schmerzen quälend, mein Mund trocknet aus (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Med. dū- + Nom. + Gen. + 3.Sg.Präs. śuṣ-)
[Anm.: V.17 bildet eine Einheit; Beginn von Bhīṣmas Bitte um Wasser (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.18).]
Zur Erfrischung meines Körpers gib mir Wasser, Arjuna; denn du, großer Bogenschütze, bist fähig, Wasser vorschriftsgemäß zu geben.“
Wort für Wort
hlādanārthaṃ śarīrasya prayacchāpo mamārjuna
zur Erfrischung meines Körpers gib mir Wasser, Arjuna (Akk. + Gen. + 2.Sg.Imp. yam- + Akk. + Gen. + Vok.)
tvaṃ hi śakto maheṣvāsa dātum ambho yathāvidhi
denn du, großer Bogenschütze, bist fähig, Wasser vorschriftsgemäß zu geben (Nom. + Partikel + Nom.Bah. + Vok. + Inf. dā- + Akk. + Adv.)
[Anm.: V.18 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Bitte (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat finden sich nach V.18b zwei rätselhafte Zusatzzeilen (*0499_01-02) über eine verlorene Kuh und den Wunsch, unverdorbene Kuhmilch zu trinken – im überlieferten Wortlaut inhaltlich unklar [?] und nicht in den Haupttext übernommen.]
Arjuna aber, nachdem er 'so sei es' gesagt hatte, bestieg, der Kraftvolle, seinen Wagen, spannte kräftig den Gāṇḍīva-Bogen und zog ihn.
Wort für Wort
arjunas tu tathety uktvā ratham āruhya vīryavān
Arjuna aber, nachdem er 'so sei es' gesagt hatte, bestieg, der Kraftvolle, seinen Wagen (Nom. + Konj. + Adv.+Partikel + Ger. vac- + Akk. + Ger. ruh- + Nom.Bah.)
adhijyaṃ balavat kṛtvā gāṇḍīvaṃ vyākṣipad dhanuḥ
spannte kräftig den Gāṇḍīva-Bogen und zog ihn (Akk. + Adv. + Ger. kṛ- + Akk. + 3.Sg.Impf. kṣip- + Akk.)
und legte einen leuchtenden Pfeil an, weihte ihn, der Ruhmreiche, verband ihn mit der Parjanya-Waffe, und durchbohrte, vor den Augen aller Welt, der Pārtha, die Erde zur rechten Seite Bhīṣmas.
Wort für Wort
saṃdhāya ca śaraṃ dīptam abhimantrya mahāyaśāḥ
und legte einen leuchtenden Pfeil an, weihte ihn, der Ruhmreiche (Ger. dhā- + Konj. + Akk. + Akk. + Ger. mantr- + Nom.Bah.)
parjanyāstreṇa saṃyojya sarvalokasya paśyataḥ
verband ihn mit der Parjanya-Waffe, vor den Augen aller Welt (Instr. + Ger. yuj- + Gen. + Gen.Präs.Part.)
„Das ist nicht verwunderlich an dir, o Starkarmiger, Freude der Kauravas: Von Nārada wurdest du als ein alter Seher von unermesslichem Glanz bezeichnet.
Wort für Wort
naitac citraṃ mahābāho tvayi kauravanandana
das ist nicht verwunderlich an dir, o Starkarmiger, Freude der Kauravas (Negation+Nom. + Nom. + Vok. + Lok. + Vok.)
kathito nāradenāsi pūrvarṣir amitadyutiḥ
von Nārada wurdest du als ein alter Seher von unermesslichem Glanz bezeichnet (Nom.Past.Part.Pass. + Instr. + 2.Sg.Präs. as- + Nom. + Nom.Bah.)
[Anm.: V.29 bildet eine Einheit; Beginn von Bhīṣmas Rede an Arjuna (CQ_OPEN). Bezug auf die mythologische Identifikation Arjunas mit dem uralten Ṛṣi Nara.]
vāsudevasahāyas tvaṃ mahat karma kariṣyasi yan notsahati devendraḥ saha devair api dhruvam
Du, der du Vāsudeva zum Gefährten hast, wirst eine große Tat vollbringen, zu der selbst Indra, der Herr der Götter, samt den Göttern gewiss nicht imstande ist.
Wort für Wort
vāsudevasahāyas tvaṃ mahat karma kariṣyasi
du, der du Vāsudeva zum Gefährten hast, wirst eine große Tat vollbringen (Nom.Bah. + Nom. + Akk. + Akk. + 2.Sg.Fut. kṛ-)
yan notsahati devendraḥ saha devair api dhruvam
zu der selbst Indra, der Herr der Götter, samt den Göttern gewiss nicht imstande ist (Akk.Relativ + Neg.+3.Sg.Präs. utsah- + Nom. + Präp. + Instr.Pl. + Partikel + Adv.)
Die, welche dies wissen, erkennen in dir, o Pārtha, den Untergang der gesamten Kṣatriya-Kaste; du allein bist der Erste unter den Bogenträgern, der Beste unter den Menschen auf Erden.
Wort für Wort
vidus tvāṃ nidhanaṃ pārtha sarvakṣatrasya tadvidaḥ
die, welche dies wissen, erkennen in dir, o Pārtha, den Untergang der gesamten Kṣatriya-Kaste (3.Pl.Perf. vid- + Akk. + Akk. + Vok. + Gen. + Nom.Pl.Bah.)
dhanurdharāṇām ekas tvaṃ pṛthivyāṃ pravaro nṛṣu
du allein bist der Erste unter den Bogenträgern, der Beste unter den Menschen auf Erden (Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Lok. + Nom. + Lok.Pl.)
manuṣyā jagati śreṣṭhāḥ pakṣiṇāṃ garuḍo varaḥ sarasāṃ sāgaraḥ śreṣṭho gaur variṣṭhā catuṣpadām
Die Menschen sind die Besten in der Welt, unter den Vögeln ist Garuḍa der Beste; unter den Gewässern ist der Ozean das Beste, die Kuh die Vortrefflichste unter den Vierfüßern.
Wort für Wort
manuṣyā jagati śreṣṭhāḥ pakṣiṇāṃ garuḍo varaḥ
die Menschen sind die Besten in der Welt, unter den Vögeln ist Garuḍa der Beste (Nom.Pl. + Lok. + Nom.Pl. + Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
sarasāṃ sāgaraḥ śreṣṭho gaur variṣṭhā catuṣpadām
unter den Gewässern ist der Ozean das Beste, die Kuh die Vortrefflichste unter den Vierfüßern (Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Gen.Pl.)
Unter den Leuchtenden ist die Sonne die Beste, unter den Bergen der Himavat der Beste; unter den Kasten ist der Brahmane der Beste, du aber bist der Beste unter den Bogenkämpfern.
Wort für Wort
ādityas tejasāṃ śreṣṭho girīṇāṃ himavān varaḥ
unter den Leuchtenden ist die Sonne die Beste, unter den Bergen der Himavat der Beste (Nom. + Gen.Pl. + Nom. + Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
jātīnāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭhaḥ śreṣṭhas tvam asi dhanvinām
unter den Kasten ist der Brahmane der Beste, du aber bist der Beste unter den Bogenkämpfern (Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + 2.Sg.Präs. as- + Gen.Pl.)
na vai śrutaṃ dhārtarāṣṭreṇa vākyaṃ saṃbodhyamānaṃ vidureṇa caiva droṇena rāmeṇa janārdanena muhur muhuḥ saṃjayenāpi coktam
Wahrlich, nicht hörte der Sohn Dhṛtarāṣṭras auf das Wort, das ihm von Vidura eindringlich erklärt wurde, ebenso von Droṇa, von Rāma, von Janārdana; immer wieder wurde es auch von Saṃjaya gesagt.
Wort für Wort
na vai śrutaṃ dhārtarāṣṭreṇa vākyaṃ saṃbodhyamānaṃ vidureṇa caiva
wahrlich, nicht hörte der Sohn Dhṛtarāṣṭras auf das Wort, das ihm von Vidura eindringlich erklärt wurde (Neg. + Partikel + Nom.Past.Part.Pass. + Instr. + Akk. + Akk.Präs.Part.Pass.Kaus. + Instr. + Konj.)
ebenso von Droṇa, von Rāma, von Janārdana; immer wieder wurde es auch von Saṃjaya gesagt (Instr. + Instr. + Instr. + Adv. + Adv. + Instr.+Partikel + Konj.+Nom.Past.Part.Pass.)
parītabuddhir hi visaṃjñakalpo duryodhano nābhyanandad vaco me sa śeṣyate vai nihataś cirāya śāstrātigo bhīmabalābhibhūtaḥ
Denn Duryodhana, dessen Verstand umnachtet, wie besinnungslos, begrüßte mein Wort nicht; er, das Gesetz überschreitend, von Bhīmas Kraft überwältigt, wird gewiss auf lange Zeit erschlagen daliegen.“
Wort für Wort
parītabuddhir hi visaṃjñakalpo duryodhano nābhyanandad vaco me
denn Duryodhana, dessen Verstand umnachtet, wie besinnungslos, begrüßte mein Wort nicht (Nom.Bah. + Partikel + Nom.Bah. + Nom. + Neg.+3.Sg.Impf. nand- + Akk. + Gen.)
sa śeṣyate vai nihataś cirāya śāstrātigo bhīmabalābhibhūtaḥ
er wird gewiss auf lange Zeit erschlagen daliegen, das Gesetz überschreitend, von Bhīmas Kraft überwältigt (Nom. + 3.Sg.Präs.Pass. śī- + Partikel + Nom.Past.Part. + Dat. + Nom.Bah. + Nom.Bah.)
[Anm.: V.35 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Rede an Arjuna (CQ_CLOSE). Es folgt in V.36 eine neue, direkt an Duryodhana gerichtete Rede.]
tataḥ śrutvā tad vacaḥ kauravendro duryodhano dīnamanā babhūva tam abravīc chāṃtanavo 'bhivīkṣya nibodha rājan bhava vītamanyuḥ
Da wurde, nachdem er dieses Wort gehört hatte, der Kaurava-Herr Duryodhana niedergeschlagenen Sinnes; ihn ansehend sprach der Sohn des Śāṃtanu zu ihm: „Vernimm, o König, werde frei von Zorn.
Wort für Wort
tataḥ śrutvā tad vacaḥ kauravendro duryodhano dīnamanā babhūva
da wurde, nachdem er dieses Wort gehört hatte, der Kaurava-Herr Duryodhana niedergeschlagenen Sinnes (Adv. + Ger. śru- + Akk. + Akk. + Nom. + Nom. + Nom.Bah. + 3.Sg.Perf. bhū-)
tam abravīc chāṃtanavo 'bhivīkṣya nibodha rājan bhava vītamanyuḥ
ihn ansehend sprach der Sohn des Śāṃtanu zu ihm: Vernimm, o König, werde frei von Zorn (Akk. + 3.Sg.Impf. brū- + Nom. + Ger. vīkṣ- + 2.Sg.Imp. budh- + Vok. + 2.Sg.Imp. bhū- + Nom.Bah.)
[Anm.: V.36 bildet eine Einheit; Narration und Beginn (CQ_OPEN) von Bhīṣmas direkt an Duryodhana gerichteter Rede, die bis V.50 reicht.]
Gesehen hast du dies, Duryodhana, wie von dem weisen Pārtha ein Strahl kühlen, nach Ambrosia duftenden Wassers hervorgebracht wurde; keiner sonst existiert in dieser Welt, der dies vollbringen könnte.
Wort für Wort
dṛṣṭaṃ duryodhanedaṃ te yathā pārthena dhīmatā
gesehen hast du dies, Duryodhana, wie von dem weisen Pārtha (Nom.Past.Part.Pass. + Vok.+Akk. + Nom.Pron. + Adv. + Instr. + Instr.)
jalasya dhārā janitā śītasyāmṛtagandhinaḥ
ein Strahl kühlen, nach Ambrosia duftenden Wassers hervorgebracht wurde (Gen. + Nom. + Nom.Past.Part.Pass. + Gen. + Gen.Bah.)
etasya kartā loke 'smin nānyaḥ kaś cana vidyate
keiner sonst existiert in dieser Welt, der dies vollbringen könnte (Gen. + Nom. + Lok. + Lok.Pron. + Neg.+Nom. + Nom. + Partikel + 3.Sg.Präs.Pass. vid-)
[Anm.: V.37 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
Die Āgneya-, Vāruṇa-, Saumya-, Vāyavya- und auch die Vaiṣṇava-, Aindra-, Pāśupata-, Brāhma- und Pārameṣṭhya-Waffe des Prajāpati, sowie des Dhātṛ, des Tvaṣṭṛ und des Savitṛ — alle diese göttlichen Waffen insgesamt,
Wort für Wort
āgneyaṃ vāruṇaṃ saumyaṃ vāyavyam atha vaiṣṇavam
die Āgneya-, Vāruṇa-, Saumya-, Vāyavya- und auch die Vaiṣṇava-Waffe (Akk. + Akk. + Akk. + Akk. + Adv. + Akk.)
aindraṃ pāśupataṃ brāhmaṃ pārameṣṭhyaṃ prajāpateḥ
die Aindra-, Pāśupata-, Brāhma- und Pārameṣṭhya-Waffe des Prajāpati (Akk. + Akk. + Akk. + Akk. + Gen.)
dhātus tvaṣṭuś ca savitur divyāny astrāṇi sarvaśaḥ
sowie des Dhātṛ, des Tvaṣṭṛ und des Savitṛ — alle diese göttlichen Waffen insgesamt (Gen. + Gen. + Konj. + Gen. + Akk.Pl.Bah. + Akk.Pl. + Adv.)
[Anm.: V.38 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Satz wird in V.39 fortgesetzt (Aufzählung der göttlichen Waffen als Objekt zu 'vetti' in V.39).]
sarvasmin mānuṣe loke vetty eko hi dhanaṃjayaḥ kṛṣṇo vā devakīputro nānyo vai veda kaś cana na śakyāḥ pāṇḍavās tāta yuddhe jetuṃ kathaṃ cana
...kennt in der ganzen Welt der Menschen einzig Dhanaṃjaya, oder Kṛṣṇa, der Sohn der Devakī; kein anderer kennt sie wahrlich. Die Pāṇḍavas können, mein Sohn, auf keine Weise im Kampf besiegt werden.
Wort für Wort
sarvasmin mānuṣe loke vetty eko hi dhanaṃjayaḥ
kennt in der ganzen Welt der Menschen einzig Dhanaṃjaya (Lok. + Lok. + Lok. + 3.Sg.Präs. vid- + Nom. + Partikel + Nom.)
kṛṣṇo vā devakīputro nānyo vai veda kaś cana
oder Kṛṣṇa, der Sohn der Devakī; kein anderer kennt sie wahrlich (Nom. + Konj. + Nom. + Neg.+Nom. + Partikel + 3.Sg.Perf. vid- + Nom. + Partikel)
na śakyāḥ pāṇḍavās tāta yuddhe jetuṃ kathaṃ cana
die Pāṇḍavas können, mein Sohn, auf keine Weise im Kampf besiegt werden (Neg. + Nom.Pl.Ger.Verb. + Nom.Pl. + Vok. + Lok. + Inf. ji- + Adv. + Partikel)
[Anm.: V.39 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss des in V.38 begonnenen Satzes.]
amānuṣāṇi karmāṇi yasyaitāni mahātmanaḥ tena sattvavatā saṃkhye śūreṇāhavaśobhinā kṛtinā samare rājan saṃdhis te tāta yujyatām
Mit ihm, dem Hochgesinnten, dessen Taten diese übermenschlichen sind, mit jenem Tapferen, dem im Kampf strahlenden Helden, dem in der Schlacht Bewährten, o König — möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden.
Wort für Wort
amānuṣāṇi karmāṇi yasyaitāni mahātmanaḥ
dessen Taten diese übermenschlichen sind, des Hochgesinnten (Akk.Pl.Bah. + Nom.Pl. + Gen.+Nom.Pl. + Gen.)
tena sattvavatā saṃkhye śūreṇāhavaśobhinā
mit jenem Tapferen, dem im Kampf strahlenden Helden (Instr. + Instr.Bah. + Lok. + Instr.+Instr.Bah.)
kṛtinā samare rājan saṃdhis te tāta yujyatām
dem in der Schlacht Bewährten, o König — möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden (Instr. + Lok. + Vok. + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)
[Anm.: V.40 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; erster Refrainvers ('saṃdhis te tāta yujyatām').]
Solange der starkarmige Kṛṣṇa noch aus eigenem Willen in der Versammlung der Kurus [zurückhält], so lange möge von dir, mein Sohn, mit dem heldenhaften Pārtha Frieden geschlossen werden.
Wort für Wort
yāvat kṛṣṇo mahābāhuḥ svādhīnaḥ kurusaṃsadi
solange der starkarmige Kṛṣṇa noch aus eigenem Willen in der Versammlung der Kurus [zurückhält] (Adv. + Nom. + Nom.Bah. + Nom.Bah. + Lok.)
tāvat pārthena śūreṇa saṃdhis te tāta yujyatām
so lange möge von dir, mein Sohn, mit dem heldenhaften Pārtha Frieden geschlossen werden (Adv. + Instr. + Instr. + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)
na nirdahati te yāvat krodhadīptekṣaṇaś camūm yudhiṣṭhiro hi tāvad vai saṃdhis te tāta yujyatām
Solange Yudhiṣṭhira, dessen Augen vor Zorn lodern, dein Heer nicht verbrennt, so lange wahrlich möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden.
Wort für Wort
na nirdahati te yāvat krodhadīptekṣaṇaś camūm
solange dein Heer nicht verbrennt, er, dessen Augen vor Zorn lodern (Neg. + 3.Sg.Präs. dah- + Gen. + Adv. + Nom.Bah. + Akk.)
yudhiṣṭhiro hi tāvad vai saṃdhis te tāta yujyatām
Yudhiṣṭhira, so lange wahrlich möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden (Nom. + Partikel + Adv. + Partikel + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)
nakulaḥ sahadevaś ca bhīmasenaś ca pāṇḍavaḥ yāvac camūṃ mahārāja nāśayanti na sarvaśaḥ tāvat te pāṇḍavaiḥ sārdhaṃ saubhrātraṃ tāta rocatām
Solange Nakula, Sahadeva und Bhīmasena, der Pāṇḍava, [dein] Heer nicht gänzlich vernichten, o Großkönig, so lange möge dir, mein Sohn, Bruderschaft mit den Pāṇḍavas gefallen.
Wort für Wort
nakulaḥ sahadevaś ca bhīmasenaś ca pāṇḍavaḥ
Nakula, Sahadeva und Bhīmasena, der Pāṇḍava (Nom. + Nom. + Konj. + Nom. + Konj. + Nom.)
yāvac camūṃ mahārāja nāśayanti na sarvaśaḥ
solange sie [dein] Heer nicht gänzlich vernichten, o Großkönig (Adv. + Akk. + Vok. + 3.Pl.Präs.Kaus. naś- + Neg. + Adv.)
tāvat te pāṇḍavaiḥ sārdhaṃ saubhrātraṃ tāta rocatām
so lange möge dir, mein Sohn, Bruderschaft mit den Pāṇḍavas gefallen (Adv. + Gen. + Instr.Pl. + Präp. + Nom. + Vok. + 3.Sg.Imp. ruc-)
[Anm.: V.45 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.45b die Zusatzzeile *0500_01 (yāvat kṣatraṃ na nighnanti tāvat saṃdhir vidhīyatām, 'solange sie die Kṣatriya-Kaste nicht töten, so lange möge Frieden gestiftet werden'), eine inhaltlich redundante Parallelformulierung zum Hauptvers, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
yuddhaṃ madantam evāstu tāta saṃśāmya pāṇḍavaiḥ etat te rocatāṃ vākyaṃ yad ukto 'si mayānagha etat kṣemam ahaṃ manye tava caiva kulasya ca
Lass den Krieg mit mir enden, mein Sohn; schließe Frieden mit den Pāṇḍavas. Möge dir dieses Wort gefallen, das ich zu dir gesprochen habe, o Sündloser; dies halte ich für das Heil sowohl für dich als auch für [unser] Geschlecht.
Wort für Wort
yuddhaṃ madantam evāstu tāta saṃśāmya pāṇḍavaiḥ
lass den Krieg mit mir enden, mein Sohn; schließe Frieden mit den Pāṇḍavas (Nom. + Lok.Präs.Part. + Partikel + 3.Sg.Imp. as- + Vok. + Imp. śam- + Instr.Pl.)
etat te rocatāṃ vākyaṃ yad ukto 'si mayānagha
möge dir dieses Wort gefallen, das ich zu dir gesprochen habe, o Sündloser (Nom. + Gen. + 3.Sg.Imp. ruc- + Nom. + Nom. + Nom.Past.Part.Pass. + 2.Sg.Präs. as- + Instr.+Vok.)
etat kṣemam ahaṃ manye tava caiva kulasya ca
dies halte ich für das Heil sowohl für dich als auch für unser Geschlecht (Akk. + Akk. + Nom. + 1.Sg.Präs.Med. man- + Gen. + Konj. + Gen. + Konj.)
[Anm.: V.46 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
Lege deinen Zorn ab und schließe Frieden mit den Pārthas; genug ist das, was von Phalguna vollbracht wurde. Möge nach Bhīṣmas Ende Freundschaft oder Versöhnung bei euch sein; das wäre gut, o König — sei gnädig.
lege deinen Zorn ab und schließe Frieden mit den Pārthas; genug ist das, was von Phalguna vollbracht wurde (Ger. tyaj- + Akk. + 2.Sg.Imp.Med. śam- + Instr.Pl. + Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.Relativ + Nom.Past.Part.Pass. + Instr.)
möge nach Bhīṣmas Ende Freundschaft oder Versöhnung bei euch sein; das wäre gut, o König — sei gnädig (Gen.+Abl. + 3.Sg.Imp. as- + Gen.Pl. + Nom. + Konj. + Nom. + Adv. + Vok. + 2.Sg.Imp. sad-)
Es werde den Pāṇḍavas die Hälfte des Reiches gegeben; der Dharma-König herrsche über Indraprastha. Werde nicht, als der Niedrigste der Könige, ein Verräter an Freunden — du wirst [sonst] schlechten Ruhm erlangen, o Kaurava-Herr.
es werde den Pāṇḍavas die Hälfte des Reiches gegeben; der Dharma-König herrsche über Indraprastha (Gen.+Akk. + 3.Sg.Imp.Pass. dā- + Gen.Pl. + Akk. + Nom. + 3.Sg.Imp. śās-)
werde nicht, als der Niedrigste der Könige, ein Verräter an Freunden; du wirst sonst schlechten Ruhm erlangen, o Kaurava-Herr (Neg. + Nom.Bah. + Gen.Pl. + Nom. + Akk. + Akk. + 2.Sg.Fut.Med. āp- + Vok.)
Nach meinem Ende möge Friede für die Untertanen herrschen; die Könige mögen sich in Zuneigung versammeln. Der Vater gehe zum Sohn, der Schwestersohn zum Onkel, und der Bruder fürwahr zum Bruder, o König.
nach meinem Ende möge Friede für die Untertanen herrschen; die Könige mögen sich in Zuneigung versammeln (Gen.+Abl. + Nom. + 3.Sg.Imp. as- + Gen.Pl. + 3.Pl.Imp.Med. gam- + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
der Vater gehe zum Sohn, der Schwestersohn zum Onkel, und der Bruder fürwahr zum Bruder, o König (Nom. + Akk. + Akk. + Nom. + Nom. + Konj. + Akk. + 3.Sg.Imp. i- + Vok.)
na ced evaṃ prāptakālaṃ vaco me mohāviṣṭaḥ pratipatsyasy abuddhyā bhīṣmasyāntād etadantāḥ stha sarve satyām etāṃ bhāratīm īrayāmi
Wenn du, von Verblendung befangen, aus Unverstand dieses zeitgemäße Wort von mir nicht so annimmst — von Bhīṣmas Ende an werdet ihr alle euer Ende finden; dies wahrhaftige Wort spreche ich aus.“
Wort für Wort
na ced evaṃ prāptakālaṃ vaco me mohāviṣṭaḥ pratipatsyasy abuddhyā
wenn du, von Verblendung befangen, aus Unverstand dieses zeitgemäße Wort von mir nicht so annimmst (Neg. + Konj. + Adv. + Akk. + Akk. + Gen. + Nom.Bah. + 2.Sg.Fut.Med. pratipad- + Instr.)
von Bhīṣmas Ende an werdet ihr alle euer Ende finden; dies wahrhaftige Wort spreche ich aus (Gen.+Abl. + Nom.Pl.Bah. + 2.Pl.Präs. as- + Nom.Pl. + Akk. + Akk. + Akk. + 1.Sg.Präs.Kaus. īr-)
[Anm.: V.50 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Rede an Duryodhana (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat finden sich nach V.50b die Zusatzzeilen *0501_01/02 (tapsyasyante lobhabhāvāt tvam evaṃ ye cāpy anye bhūmipālāḥ sametāḥ, 'so werdet ihr aus Gier-Gesinnung leiden, du und auch die anderen versammelten Herrscher') sowie nach V.50c die Zusatzzeilen *0502_01-03 (diṣṭaṃ gantā tyaktadharmārthakāmaḥ putrabhrātṛjñātisaṃbandhihīnaḥ evaṃ vo 'stu viditaṃ kauraveyāḥ, 'ihr werdet, Recht, Nutzen und Lust aufgebend, eurem Schicksal entgegengehen, der Söhne, Brüder, Verwandten und Anverwandten beraubt; so sei es euch kundgetan, o Kauravas'), inhaltlich ausmalende, redundante Erweiterungen der Warnung, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]
Nachdem er diese Bharata-Rede aus Zuneigung inmitten der Könige hatte vernehmen lassen, verstummte der Sohn des Stromes, an den Lebensteilen vom Pfeil gequält, sich selbst bezwingend, seinen Schmerz unterdrückend. Dein Sohn aber nahm die mit Recht und Nutzen verbundene, heilsame, unschädliche Rede nicht an, wie ein Sterbenskranker die Medizin [verweigert].
nachdem er diese Bharata-Rede aus Zuneigung inmitten der Könige hatte vernehmen lassen, der Sohn des Stromes (Akk. + Akk. + Abl. + Nom. + Lok. + Gen.Pl. + Akk. + Ger.Kaus. śru-)
verstummte, an den Lebensteilen vom Pfeil gequält, sich selbst bezwingend, seinen Schmerz unterdrückend (Adv. + 3.Sg.Impf. as- + Nom.Bah. + Ger.+Akk. + Akk. + Ger. grah-)
dharmārthasahitaṃ vākyaṃ śrutvā hitam anāmayam
die mit Recht und Nutzen verbundene, heilsame, unschädliche Rede gehört habend (Akk.Bah. + Akk. + Ger. śru- + Akk. + Akk.)
nārocayata putras te mumūrṣur iva bheṣajam
nahm dein Sohn nicht an, wie ein Sterbenskranker die Medizin (Neg.+3.Sg.Impf.Med. ruc- + Nom. + Gen. + Nom.Präs.Part.Desid. + Partikel + Akk.)
[Anm.: V.51 bildet eine Einheit; reine Erzählung (kein CQ, Bhīṣmas Rede endete in V.50). Der Hauptvers (a/c) schildert, wie Bhīṣma nach seiner Rede verstummt und seinen eigenen Schmerz unterdrückt. Der kritische Apparat fügt nach V.51d die Zusatzzeilen *0503_01/02 hinzu (dharmārthasahitaṃ vākyaṃ śrutvā hitam anāmayam nārocayata putras te mumūrṣur iva bheṣajam, 'dein Sohn aber nahm die mit Recht und Nutzen verbundene, heilsame, unschädliche Rede nicht an, wie ein Sterbenskranker die Medizin verweigert'); anders als die meisten Apparatuszeilen ist dieser Vers inhaltlich nicht redundant, sondern liefert den für den Kapitelschluss zentralen Gedanken – Duryodhanas schweigende Ablehnung von Bhīṣmas Mahnung – und wird daher, mit diesem Hinweis kenntlich gemacht, in die Übersetzung aufgenommen.]