Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Bhīṣmaparva

Kapitel 116: Bhīṣmasaṃdhivākya Der zehnte Tag: Bhīṣmas Friedensmahnung

Am folgenden Morgen versammeln sich beide Heere friedlich um den auf dem Pfeilbett liegenden Bhīṣma. Von Schmerz gequält, verlangt er nach Wasser, lehnt jedoch gewöhnliche menschliche Speise und Trank ab und bittet stattdessen Arjuna, ihm Wasser auf kriegerische Weise zu reichen: Arjuna durchbohrt die Erde mit einem in die Parjanya-Waffe eingebundenen Pfeil und lässt so einen kühlen, unsterblichkeitsgleichen Wasserstrahl entspringen, der Bhīṣma erquickt und alle Anwesenden in Staunen versetzt. Bhīṣma preist Arjunas übermenschliche Fähigkeiten und wendet sich dann, um Duryodhanas willen, in einer eindringlichen Rede an ihn: Er mahnt ihn, angesichts der Pāṇḍavas Unbesiegbarkeit Frieden mit ihnen zu schließen, ihnen die Hälfte des Reiches zu geben und die Feindschaft zu beenden, warnt eindringlich vor dem Untergang, der sonst nach Bhīṣmas Tod über die Kauravas hereinbrechen werde. Duryodhana bleibt schweigend, seinen Schmerz unterdrückend.

saṃjaya uvāca vyuṣṭāyāṃ tu mahārāja rajanyāṃ sarvapārthivāḥ pāṇḍavā dhārtarāṣṭrāś ca abhijagmuḥ pitāmaham

Saṃjaya sprach: Als aber die Nacht verstrichen war, o Großkönig, kamen alle Könige, die Pāṇḍavas und die Söhne Dhṛtarāṣṭras, zum Großvater.

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom. + 3.Sg.Perf. vac-)
vyuṣṭāyāṃ tu mahārāja rajanyāṃ sarvapārthivāḥ
als aber die Nacht verstrichen war, o Großkönig, alle Könige (Lok.Abs.Past.Part. + Konj. + Vok. + Lok.Abs. + Nom.Pl.)
pāṇḍavā dhārtarāṣṭrāś ca abhijagmuḥ pitāmaham
die Pāṇḍavas und die Söhne Dhṛtarāṣṭras kamen zum Großvater (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + 3.Pl.Perf. gam- + Akk.)

[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; Beginn von Saṃjayas Bericht.]

taṃ vīraśayane vīraṃ śayānaṃ kurusattamam abhivādyopatasthur vai kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabham

Ihn, den Helden, der auf dem Heldenlager lag, den Besten der Kurus, begrüßten die Kṣatriyas ehrfürchtig und traten vor den Stier der Kṣatriyas.

Wort für Wort
taṃ vīraśayane vīraṃ śayānaṃ kurusattamam
ihn, den Helden, der auf dem Heldenlager lag, den Besten der Kurus (Akk. + Lok. + Akk. + Akk.Präs.Part. + Akk.)
abhivādyopatasthur vai kṣatriyāḥ kṣatriyarṣabham
begrüßten die Kṣatriyas ehrfürchtig und traten vor den Stier der Kṣatriyas (Ger.+3.Pl.Perf. sthā- + Partikel + Nom.Pl. + Akk.)

[Anm.: V.2 bildet eine Einheit.]

kanyāś candanacūrṇaiś ca lājair mālyaiś ca sarvaśaḥ avākirañ śāṃtanavaṃ tatra gatvā sahasraśaḥ striyo bālās tathā vṛddhāḥ prekṣakāś ca pṛthagjanāḥ samabhyayuḥ śāṃtanavaṃ bhūtānīva tamonudam

Mädchen bestreuten den Sohn des Śāṃtanu, dorthin gegangen, zu Tausenden, mit Sandelholzpuder, geröstetem Korn und Blumengirlanden von allen Seiten; Frauen, Kinder und Greise, sowie neugierige einfache Leute, sie alle näherten sich dem Sohn des Śāṃtanu, wie Geschöpfe dem Finsternis-Vertreiber [der Sonne].

Wort für Wort
kanyāś candanacūrṇaiś ca lājair mālyaiś ca sarvaśaḥ
Mädchen mit Sandelholzpuder, geröstetem Korn und Blumengirlanden von allen Seiten (Nom.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Adv.)
avākirañ śāṃtanavaṃ tatra gatvā sahasraśaḥ
bestreuten den Sohn des Śāṃtanu, dorthin gegangen, zu Tausenden (3.Pl.Impf. kṝ- + Akk. + Adv. + Ger. gam- + Adv.)
striyo bālās tathā vṛddhāḥ prekṣakāś ca pṛthagjanāḥ
Frauen, Kinder und Greise, sowie neugierige einfache Leute (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Bah.)
samabhyayuḥ śāṃtanavaṃ bhūtānīva tamonudam
näherten sich alle dem Sohn des Śāṃtanu, wie Geschöpfe dem Finsternis-Vertreiber (3.Pl.Perf. i- + Akk. + Nom.Pl.+Partikel + Akk.Bah.)

[Anm.: V.3 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit. Der Hauptvers V.3a enthält im überlieferten Text kein eigenes finites Verb; die im kritischen Apparat nach V.3b stehende Zeile *0494_01 (avākirañ śāṃtanavaṃ tatra gatvā sahasraśaḥ, 'bestreuten den Sohn des Śāṃtanu, dorthin gegangen, zu Tausenden') liefert das für den Satz nötige Verb und wird daher, anders als rein redundante Zusatzverse, zur Herstellung der Satzgrammatik in die Übersetzung einbezogen.]

tūryāṇi gaṇikā vārās tathaiva naṭanartakāḥ upānṛtyañ jaguś caiva vṛddhaṃ kurupitāmaham

Musikinstrumente [erklangen], Kurtisanen und ebenso Schauspieler und Tänzer tanzten und sangen um den alten Kuru-Großvater herum.

Wort für Wort
tūryāṇi gaṇikā vārās tathaiva naṭanartakāḥ
Musikinstrumente, Kurtisanen und ebenso Schauspieler und Tänzer (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv. + Nom.Pl.Dvandva)
upānṛtyañ jaguś caiva vṛddhaṃ kurupitāmaham
tanzten und sangen um den alten Kuru-Großvater herum (3.Pl.Impf. nṛt- + 3.Pl.Perf. gā- + Konj.+Partikel + Akk. + Akk.)

[Anm.: V.4 bildet eine Einheit.]

upāramya ca yuddhebhyaḥ saṃnāhān vipramucya ca āyudhāni ca nikṣipya sahitāḥ kurupāṇḍavāḥ

Und nachdem sie vom Kampf abgelassen, ihre Rüstungen abgelegt und ihre Waffen niedergelegt hatten, [saßen] die Kurus und Pāṇḍavas gemeinsam [um ihn];

Wort für Wort
upāramya ca yuddhebhyaḥ saṃnāhān vipramucya ca
und nachdem sie vom Kampf abgelassen, ihre Rüstungen abgelegt hatten (Ger. ram- + Konj. + Abl.Pl. + Akk.Pl. + Ger. muc- + Konj.)
āyudhāni ca nikṣipya sahitāḥ kurupāṇḍavāḥ
und ihre Waffen niedergelegt hatten, die Kurus und Pāṇḍavas gemeinsam (Akk.Pl. + Konj. + Ger. kṣip- + Nom.Pl. + Nom.Pl.Dvandva)

[Anm.: V.5 bildet eine Einheit; Satz wird in V.6 fortgesetzt.]

anvāsata durādharṣaṃ devavratam ariṃdamam anyonyaṃ prītimantas te yathāpūrvaṃ yathāvayaḥ

saßen sie bei dem unbezwingbaren Devavrata [Bhīṣma], dem Feindebezwinger, einander wohlgesinnt, wie zuvor [in Freundschaft], nach ihrem Alter geordnet.

Wort für Wort
anvāsata durādharṣaṃ devavratam ariṃdamam
saßen sie bei dem unbezwingbaren Devavrata, dem Feindebezwinger (3.Pl.Impf.Med. ās- + Akk. + Akk. + Akk.)
anyonyaṃ prītimantas te yathāpūrvaṃ yathāvayaḥ
einander wohlgesinnt, wie zuvor, nach ihrem Alter geordnet (Akk. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl. + Adv. + Adv.)

[Anm.: V.6 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.5 begonnenen Satzes.]

sā pārthivaśatākīrṇā samitir bhīṣmaśobhitā śuśubhe bhāratī dīptā divīvādityamaṇḍalam

Jene von Hunderten von Königen erfüllte, durch Bhīṣma geschmückte Versammlung der Bharatas erstrahlte leuchtend, wie die Sonnenscheibe am Himmel.

Wort für Wort
sā pārthivaśatākīrṇā samitir bhīṣmaśobhitā
jene von Hunderten von Königen erfüllte, durch Bhīṣma geschmückte Versammlung (Nom. + Nom.Bah. + Nom. + Nom.Bah.)
śuśubhe bhāratī dīptā divīvādityamaṇḍalam
der Bharatas erstrahlte leuchtend, wie die Sonnenscheibe am Himmel (3.Sg.Perf.Med. śubh- + Nom. + Nom. + Lok.+Partikel+Akk.)

[Anm.: V.7 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.7d die Zusatzzeile *0495_01 (upāsāṃ cakrire sarve kurupāṇḍavasainikāḥ, 'alle Krieger der Kurus und Pāṇḍavas saßen ringsum'), eine inhaltlich redundante Dublette zur bereits geschilderten Szene, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]

vibabhau ca nṛpāṇāṃ sā pitāmaham upāsatām devānām iva deveśaṃ pitāmaham upāsatām

Und sie [die Versammlung] erstrahlte, während die Könige um den Großvater saßen, wie [die Versammlung] der Götter um den Götterherrn [Indra], während sie um ihn saßen.

Wort für Wort
vibabhau ca nṛpāṇāṃ sā pitāmaham upāsatām
und sie erstrahlte, während die Könige um den Großvater saßen (3.Sg.Perf. bhā- + Konj. + Gen.Pl. + Nom. + Akk. + Gen.Pl.Präs.Part.)
devānām iva deveśaṃ pitāmaham upāsatām
wie [die Versammlung] der Götter um den Götterherrn, während sie um ihn saßen (Gen.Pl. + Partikel + Akk. + Akk. + Gen.Pl.Präs.Part.)

[Anm.: V.8 bildet eine Einheit.]

bhīṣmas tu vedanāṃ dhairyān nigṛhya bharatarṣabha nānāpraharaṇair viddhaḥ śaratalpagatas tathā abhitaptaḥ śaraiś caiva nātihṛṣṭamanābravīt

Bhīṣma aber, o Stier der Bharatas, seinen Schmerz durch Standhaftigkeit unterdrückend, von vielerlei Waffen durchbohrt, so auf dem Pfeilbett liegend, von den Pfeilen gequält, sprach, nicht eben frohen Mutes:

Wort für Wort
bhīṣmas tu vedanāṃ dhairyān nigṛhya bharatarṣabha
Bhīṣma aber, o Stier der Bharatas, seinen Schmerz durch Standhaftigkeit unterdrückend (Nom. + Konj. + Akk. + Instr. + Ger. grah- + Vok.)
nānāpraharaṇair viddhaḥ śaratalpagatas tathā
von vielerlei Waffen durchbohrt, so auf dem Pfeilbett liegend (Instr.Pl.Bah. + Nom.Past.Part. + Nom.Bah. + Adv.)
abhitaptaḥ śaraiś caiva nātihṛṣṭamanābravīt
von den Pfeilen gequält, sprach er, nicht eben frohen Mutes (Nom.Past.Part. + Instr.Pl. + Konj.+Partikel + Neg.+Nom.Bah.+3.Sg.Impf. brū-)

[Anm.: V.9 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]

śarābhitaptakāyo 'haṃ śarasaṃtāpamūrchitaḥ pānīyam abhikāṅkṣe 'haṃ rājñas tān pratyabhāṣata

„Mein Körper ist von Pfeilen gequält, ich bin von der Pfeilqual wie betäubt; nach Wasser verlange ich.“ So erwiderte er jenen Königen.

Wort für Wort
śarābhitaptakāyo 'haṃ śarasaṃtāpamūrchitaḥ
mein Körper ist von Pfeilen gequält, ich bin von der Pfeilqual wie betäubt (Nom.Bah. + Nom. + Nom.Bah.)
pānīyam abhikāṅkṣe 'haṃ rājñas tān pratyabhāṣata
nach Wasser verlange ich – so erwiderte er jenen Königen (Akk. + 1.Sg.Präs.Med. kāṅkṣ- + Nom. + Dat.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Med. bhāṣ-)

[Anm.: V.10 bildet eine Einheit; Bhīṣmas kurze, in sich geschlossene Bitte um Wasser (CQ_OPEN...CQ_CLOSE).]

tatas te kṣatriyā rājan samājahruḥ samantataḥ bhakṣyān uccāvacāṃs tatra vārikumbhāṃś ca śītalān

Da brachten jene Kṣatriyas, o König, von allen Seiten allerlei Speisen und kühle Wasserkrüge herbei.

Wort für Wort
tatas te kṣatriyā rājan samājahruḥ samantataḥ
da brachten jene Kṣatriyas, o König, von allen Seiten herbei (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Vok. + 3.Pl.Perf. hṛ- + Adv.)
bhakṣyān uccāvacāṃs tatra vārikumbhāṃś ca śītalān
allerlei Speisen und kühle Wasserkrüge (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv. + Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.11 bildet eine Einheit.]

upanītaṃ ca tad dṛṣṭvā bhīṣmaḥ śāṃtanavo 'bravīt nādya tāta mayā śakyaṃ bhogān kāṃś cana mānuṣān

Als er sah, was herbeigebracht worden war, sprach Bhīṣma, der Sohn des Śāṃtanu: „Nicht kann ich heute, mein Sohn, irgendwelche menschlichen Genüsse

Wort für Wort
upanītaṃ ca tad dṛṣṭvā bhīṣmaḥ śāṃtanavo 'bravīt
als er sah, was herbeigebracht worden war, sprach Bhīṣma, der Sohn des Śāṃtanu (Akk.Past.Part. + Konj. + Akk. + Ger. dṛś- + Nom. + Nom. + 3.Sg.Impf. brū-)
nādya tāta mayā śakyaṃ bhogān kāṃś cana mānuṣān
nicht kann ich heute, mein Sohn, irgendwelche menschlichen Genüsse (Neg.+Adv. + Vok. + Instr. + Akk. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Indef.Pron. + Akk.Pl.)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit; Einleitung und Beginn von Bhīṣmas Ablehnung gewöhnlicher Speise und Trank (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.13). Im kritischen Apparat findet sich nach V.12d die Zusatzzeile *0497_01 (nedaṃ mama jalaṃ yogyaṃ pātuṃ naiva kṣamo hy aham, 'dieses Wasser ist nicht geeignet für mich zu trinken; ich bin dazu keineswegs fähig'), eine inhaltlich redundante Variante desselben Gedankens, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]

upabhoktuṃ manuṣyebhyaḥ śaraśayyāgato hy aham pratīkṣamāṇas tiṣṭhāmi nivṛttiṃ śaśisūryayoḥ

genießen, was von Menschen [kommt]; denn ich bin auf das Pfeillager gekommen. Ich verweile wartend auf die Umkehr von Mond und Sonne.“

Wort für Wort
upabhoktuṃ manuṣyebhyaḥ śaraśayyāgato hy aham
genießen, was von Menschen kommt; denn ich bin auf das Pfeillager gekommen (Inf. bhuj- + Abl.Pl. + Nom.Bah. + Partikel + Nom.)
pratīkṣamāṇas tiṣṭhāmi nivṛttiṃ śaśisūryayoḥ
ich verweile wartend auf die Umkehr von Mond und Sonne (Nom.Präs.Part. + 1.Sg.Präs. sthā- + Akk. + Gen.Du.)

[Anm.: V.13 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Ablehnung (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat finden sich nach V.13d drei rätselhafte, syntaktisch unklare Zusatzzeilen (*0498_01-03) über das Trinken von 'payas' (Milch) und 'gomaya' (Kuhdung/-produkt), die im überlieferten Wortlaut nicht sinnvoll aufzulösen sind [?] und daher nicht in den Haupttext übernommen werden.]

evam uktvā śāṃtanavo dīnavāk sarvapārthivān dhanaṃjayaṃ mahābāhum abhyabhāṣata bhārata

Nachdem er so, mit klagender Stimme, zu allen Königen gesprochen hatte, wandte sich der Sohn des Śāṃtanu, o Bhārata, an den großarmigen Dhanaṃjaya.

Wort für Wort
evam uktvā śāṃtanavo dīnavāk sarvapārthivān
nachdem er so, mit klagender Stimme, zu allen Königen gesprochen hatte (Adv. + Ger. vac- + Nom. + Nom.Bah. + Akk.Pl.)
dhanaṃjayaṃ mahābāhum abhyabhāṣata bhārata
wandte sich der Sohn des Śāṃtanu, o Bhārata, an den großarmigen Dhanaṃjaya (Akk. + Akk. + 3.Sg.Impf.Med. bhāṣ- + Vok.)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit.]

athopetya mahābāhur abhivādya pitāmaham atiṣṭhat prāñjaliḥ prahvaḥ kiṃ karomīti cābravīt

Da trat der Großarmige [Arjuna] heran, grüßte den Großvater ehrfürchtig und stand mit gefalteten Händen, demütig geneigt, da und sprach: „Was soll ich tun?“

Wort für Wort
athopetya mahābāhur abhivādya pitāmaham
da trat der Großarmige heran, grüßte den Großvater ehrfürchtig (Adv. + Ger. i- + Nom. + Ger. vad- + Akk.)
atiṣṭhat prāñjaliḥ prahvaḥ kiṃ karomīti cābravīt
stand mit gefalteten Händen, demütig geneigt, da und sprach: was soll ich tun? (3.Sg.Impf. sthā- + Nom.Bah. + Nom. + Interr. + 1.Sg.Präs. kṛ- + Partikel + Konj.+3.Sg.Impf. brū-)

[Anm.: V.15 bildet eine Einheit; enthält Erzählung und Arjunas kurze, in sich geschlossene Frage (CQ_OPEN...CQ_CLOSE).]

taṃ dṛṣṭvā pāṇḍavaṃ rājann abhivādyāgrataḥ sthitam abhyabhāṣata dharmātmā bhīṣmaḥ prīto dhanaṃjayam

Als er, o König, den Pāṇḍava sah, der ehrfürchtig grüßend vor ihm stand, sprach der pflichtbewusste, erfreute Bhīṣma zu Dhanaṃjaya:

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā pāṇḍavaṃ rājann abhivādyāgrataḥ sthitam
als er, o König, den Pāṇḍava sah, der ehrfürchtig grüßend vor ihm stand (Akk. + Ger. dṛś- + Akk. + Vok. + Ger.+Adv. vad- + Akk.Past.Part.)
abhyabhāṣata dharmātmā bhīṣmaḥ prīto dhanaṃjayam
sprach der pflichtbewusste, erfreute Bhīṣma zu Dhanaṃjaya (3.Sg.Impf.Med. bhāṣ- + Nom.Bah. + Nom. + Nom.Past.Part. + Akk.)

[Anm.: V.16 bildet eine Einheit; Einleitung von Bhīṣmas Bitte um Wasser an Arjuna (fortgesetzt ab V.17, CQ_OPEN).]

dahyate 'daḥ śarīraṃ me saṃsyūto 'smi maheṣubhiḥ marmāṇi paridūyante vadanaṃ mama śuṣyati

„Dieser mein Körper brennt, ich bin von großen Pfeilen durchbohrt; meine Lebenspunkte schmerzen quälend, mein Mund trocknet aus.

Wort für Wort
dahyate 'daḥ śarīraṃ me saṃsyūto 'smi maheṣubhiḥ
dieser mein Körper brennt, ich bin von großen Pfeilen durchbohrt (3.Sg.Präs.Pass. dah- + Nom. + Nom. + Gen. + Nom.Past.Part. + 1.Sg.Präs. as- + Instr.Pl.)
marmāṇi paridūyante vadanaṃ mama śuṣyati
meine Lebenspunkte schmerzen quälend, mein Mund trocknet aus (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Med. dū- + Nom. + Gen. + 3.Sg.Präs. śuṣ-)

[Anm.: V.17 bildet eine Einheit; Beginn von Bhīṣmas Bitte um Wasser (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.18).]

hlādanārthaṃ śarīrasya prayacchāpo mamārjuna tvaṃ hi śakto maheṣvāsa dātum ambho yathāvidhi

Zur Erfrischung meines Körpers gib mir Wasser, Arjuna; denn du, großer Bogenschütze, bist fähig, Wasser vorschriftsgemäß zu geben.“

Wort für Wort
hlādanārthaṃ śarīrasya prayacchāpo mamārjuna
zur Erfrischung meines Körpers gib mir Wasser, Arjuna (Akk. + Gen. + 2.Sg.Imp. yam- + Akk. + Gen. + Vok.)
tvaṃ hi śakto maheṣvāsa dātum ambho yathāvidhi
denn du, großer Bogenschütze, bist fähig, Wasser vorschriftsgemäß zu geben (Nom. + Partikel + Nom.Bah. + Vok. + Inf. dā- + Akk. + Adv.)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Bitte (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat finden sich nach V.18b zwei rätselhafte Zusatzzeilen (*0499_01-02) über eine verlorene Kuh und den Wunsch, unverdorbene Kuhmilch zu trinken – im überlieferten Wortlaut inhaltlich unklar [?] und nicht in den Haupttext übernommen.]

arjunas tu tathety uktvā ratham āruhya vīryavān adhijyaṃ balavat kṛtvā gāṇḍīvaṃ vyākṣipad dhanuḥ

Arjuna aber, nachdem er 'so sei es' gesagt hatte, bestieg, der Kraftvolle, seinen Wagen, spannte kräftig den Gāṇḍīva-Bogen und zog ihn.

Wort für Wort
arjunas tu tathety uktvā ratham āruhya vīryavān
Arjuna aber, nachdem er 'so sei es' gesagt hatte, bestieg, der Kraftvolle, seinen Wagen (Nom. + Konj. + Adv.+Partikel + Ger. vac- + Akk. + Ger. ruh- + Nom.Bah.)
adhijyaṃ balavat kṛtvā gāṇḍīvaṃ vyākṣipad dhanuḥ
spannte kräftig den Gāṇḍīva-Bogen und zog ihn (Akk. + Adv. + Ger. kṛ- + Akk. + 3.Sg.Impf. kṣip- + Akk.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit.]

tasya jyātalanirghoṣaṃ visphūrjitam ivāśaneḥ vitresuḥ sarvabhūtāni śrutvā sarve ca pārthivāḥ

Als sie den Klang seiner Bogensehne und Handfläche hörten, der wie das Krachen eines Blitzes war, erzitterten alle Wesen und alle Könige.

Wort für Wort
tasya jyātalanirghoṣaṃ visphūrjitam ivāśaneḥ
den Klang seiner Bogensehne und Handfläche, der wie das Krachen eines Blitzes war (Gen. + Akk. + Akk. + Partikel + Gen.)
vitresuḥ sarvabhūtāni śrutvā sarve ca pārthivāḥ
erzitterten alle Wesen, als sie ihn hörten, und alle Könige (3.Pl.Perf. tras- + Nom.Pl. + Ger. śru- + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.20 bildet eine Einheit.]

tataḥ pradakṣiṇaṃ kṛtvā rathena rathināṃ varaḥ śayānaṃ bharataśreṣṭhaṃ sarvaśastrabhṛtāṃ varam

Da umwandelte der Beste der Wagenkämpfer mit seinem Wagen den daliegenden Besten der Bharatas, den Besten aller Waffenträger,

Wort für Wort
tataḥ pradakṣiṇaṃ kṛtvā rathena rathināṃ varaḥ
da umwandelte der Beste der Wagenkämpfer mit seinem Wagen (Adv. + Akk. + Ger. kṛ- + Instr. + Gen.Pl. + Nom.)
śayānaṃ bharataśreṣṭhaṃ sarvaśastrabhṛtāṃ varam
den daliegenden Besten der Bharatas, den Besten aller Waffenträger (Akk.Präs.Part. + Akk. + Gen.Pl.Bah. + Akk.)

[Anm.: V.21 bildet eine Einheit; Satz wird in V.22 fortgesetzt.]

saṃdhāya ca śaraṃ dīptam abhimantrya mahāyaśāḥ parjanyāstreṇa saṃyojya sarvalokasya paśyataḥ avidhyat pṛthivīṃ pārthaḥ pārśve bhīṣmasya dakṣiṇe

und legte einen leuchtenden Pfeil an, weihte ihn, der Ruhmreiche, verband ihn mit der Parjanya-Waffe, und durchbohrte, vor den Augen aller Welt, der Pārtha, die Erde zur rechten Seite Bhīṣmas.

Wort für Wort
saṃdhāya ca śaraṃ dīptam abhimantrya mahāyaśāḥ
und legte einen leuchtenden Pfeil an, weihte ihn, der Ruhmreiche (Ger. dhā- + Konj. + Akk. + Akk. + Ger. mantr- + Nom.Bah.)
parjanyāstreṇa saṃyojya sarvalokasya paśyataḥ
verband ihn mit der Parjanya-Waffe, vor den Augen aller Welt (Instr. + Ger. yuj- + Gen. + Gen.Präs.Part.)
avidhyat pṛthivīṃ pārthaḥ pārśve bhīṣmasya dakṣiṇe
durchbohrte der Pārtha die Erde zur rechten Seite Bhīṣmas (3.Sg.Impf. vyadh- + Akk. + Nom. + Lok. + Gen. + Lok.)

[Anm.: V.22 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss des in V.21 begonnenen Satzes.]

utpapāta tato dhārā vimalā vāriṇaḥ śivā śītasyāmṛtakalpasya divyagandharasasya ca

Da sprang ein reiner, heilsamer Strahl von Wasser empor, kühl, unsterblichkeitsgleich, von göttlichem Duft und Geschmack.

Wort für Wort
utpapāta tato dhārā vimalā vāriṇaḥ śivā
da sprang ein reiner, heilsamer Strahl von Wasser empor (3.Sg.Perf. pat- + Adv. + Nom. + Nom. + Gen. + Nom.)
śītasyāmṛtakalpasya divyagandharasasya ca
kühl, unsterblichkeitsgleich, von göttlichem Duft und Geschmack (Gen. + Gen.Bah. + Gen.Bah. + Konj.)

[Anm.: V.23 bildet eine Einheit.]

atarpayat tataḥ pārthaḥ śītayā vāridhārayā bhīṣmaṃ kurūṇām ṛṣabhaṃ divyakarmaparākramaḥ

Da erquickte der Pārtha, von göttlicher Tatkraft und Tapferkeit, mit dem kühlen Wasserstrahl Bhīṣma, den Stier der Kurus.

Wort für Wort
atarpayat tataḥ pārthaḥ śītayā vāridhārayā
da erquickte der Pārtha mit dem kühlen Wasserstrahl (3.Sg.Impf.Kaus. tṛp- + Adv. + Nom. + Instr. + Instr.)
bhīṣmaṃ kurūṇām ṛṣabhaṃ divyakarmaparākramaḥ
Bhīṣma, den Stier der Kurus, er, von göttlicher Tatkraft und Tapferkeit (Akk. + Gen.Pl. + Akk. + Nom.Bah.)

[Anm.: V.24 bildet eine Einheit.]

karmaṇā tena pārthasya śakraṣyeva vikurvataḥ vismayaṃ paramaṃ jagmus tatas te vasudhādhipāḥ

Durch diese Tat des Pārtha, die wie eine Wundertat Śakras [Indras] war, gerieten da die Herrscher der Erde in höchstes Erstaunen.

Wort für Wort
karmaṇā tena pārthasya śakraṣyeva vikurvataḥ
durch diese Tat des Pārtha, die wie eine Wundertat Śakras war (Instr. + Instr. + Gen. + Gen.+Partikel + Gen.Präs.Part.)
vismayaṃ paramaṃ jagmus tatas te vasudhādhipāḥ
gerieten da die Herrscher der Erde in höchstes Erstaunen (Akk. + Akk. + 3.Pl.Perf. gam- + Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)

[Anm.: V.25 bildet eine Einheit.]

tat karma prekṣya bībhatsor atimānuṣam adbhutam saṃprāvepanta kuravo gāvaḥ śītārditā iva

Als sie diese übermenschliche, wunderbare Tat des Bībhatsu [Arjuna] sahen, erzitterten die Kurus wie Kühe, von Kälte gequält.

Wort für Wort
tat karma prekṣya bībhatsor atimānuṣam adbhutam
als sie diese übermenschliche, wunderbare Tat des Bībhatsu sahen (Akk. + Akk. + Ger. prekṣ- + Gen. + Akk. + Akk.)
saṃprāvepanta kuravo gāvaḥ śītārditā iva
erzitterten die Kurus wie Kühe, von Kälte gequält (3.Pl.Impf. vep- + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Past.Part. + Partikel)

[Anm.: V.26 bildet eine Einheit.]

vismayāc cottarīyāṇi vyāvidhyan sarvato nṛpāḥ śaṅkhadundubhinirghoṣais tumulaṃ sarvato 'bhavat

Aus Erstaunen schwenkten die Könige von allen Seiten ihre Obergewänder; von Muschelhorn- und Paukenschall erhob sich überall ein Tumult.

Wort für Wort
vismayāc cottarīyāṇi vyāvidhyan sarvato nṛpāḥ
aus Erstaunen schwenkten die Könige von allen Seiten ihre Obergewänder (Abl. + Konj.+Akk.Pl. + 3.Pl.Impf. vyadh- + Adv. + Nom.Pl.)
śaṅkhadundubhinirghoṣais tumulaṃ sarvato 'bhavat
von Muschelhorn- und Paukenschall erhob sich überall ein Tumult (Instr.Pl.Bah. + Nom. + Adv. + 3.Sg.Impf. bhū-)

[Anm.: V.27 bildet eine Einheit.]

tṛptaḥ śāṃtanavaś cāpi rājan bībhatsum abravīt sarvapārthivavīrāṇāṃ saṃnidhau pūjayann iva

Erquickt sprach der Sohn des Śāṃtanu darauf zu Bībhatsu, o König, in der Gegenwart aller königlichen Helden, ihn gleichsam ehrend.

Wort für Wort
tṛptaḥ śāṃtanavaś cāpi rājan bībhatsum abravīt
erquickt sprach der Sohn des Śāṃtanu darauf zu Bībhatsu, o König (Nom.Past.Part. + Nom. + Konj.+Partikel + Vok. + Akk. + 3.Sg.Impf. brū-)
sarvapārthivavīrāṇāṃ saṃnidhau pūjayann iva
in der Gegenwart aller königlichen Helden, ihn gleichsam ehrend (Gen.Pl. + Lok. + Nom.Präs.Part.Kaus. + Partikel)

[Anm.: V.28 bildet eine Einheit; Überleitung zu Bhīṣmas folgender Rede an Arjuna (CQ ab V.29).]

naitac citraṃ mahābāho tvayi kauravanandana kathito nāradenāsi pūrvarṣir amitadyutiḥ

„Das ist nicht verwunderlich an dir, o Starkarmiger, Freude der Kauravas: Von Nārada wurdest du als ein alter Seher von unermesslichem Glanz bezeichnet.

Wort für Wort
naitac citraṃ mahābāho tvayi kauravanandana
das ist nicht verwunderlich an dir, o Starkarmiger, Freude der Kauravas (Negation+Nom. + Nom. + Vok. + Lok. + Vok.)
kathito nāradenāsi pūrvarṣir amitadyutiḥ
von Nārada wurdest du als ein alter Seher von unermesslichem Glanz bezeichnet (Nom.Past.Part.Pass. + Instr. + 2.Sg.Präs. as- + Nom. + Nom.Bah.)

[Anm.: V.29 bildet eine Einheit; Beginn von Bhīṣmas Rede an Arjuna (CQ_OPEN). Bezug auf die mythologische Identifikation Arjunas mit dem uralten Ṛṣi Nara.]

vāsudevasahāyas tvaṃ mahat karma kariṣyasi yan notsahati devendraḥ saha devair api dhruvam

Du, der du Vāsudeva zum Gefährten hast, wirst eine große Tat vollbringen, zu der selbst Indra, der Herr der Götter, samt den Göttern gewiss nicht imstande ist.

Wort für Wort
vāsudevasahāyas tvaṃ mahat karma kariṣyasi
du, der du Vāsudeva zum Gefährten hast, wirst eine große Tat vollbringen (Nom.Bah. + Nom. + Akk. + Akk. + 2.Sg.Fut. kṛ-)
yan notsahati devendraḥ saha devair api dhruvam
zu der selbst Indra, der Herr der Götter, samt den Göttern gewiss nicht imstande ist (Akk.Relativ + Neg.+3.Sg.Präs. utsah- + Nom. + Präp. + Instr.Pl. + Partikel + Adv.)

[Anm.: V.30 bildet eine Einheit.]

vidus tvāṃ nidhanaṃ pārtha sarvakṣatrasya tadvidaḥ dhanurdharāṇām ekas tvaṃ pṛthivyāṃ pravaro nṛṣu

Die, welche dies wissen, erkennen in dir, o Pārtha, den Untergang der gesamten Kṣatriya-Kaste; du allein bist der Erste unter den Bogenträgern, der Beste unter den Menschen auf Erden.

Wort für Wort
vidus tvāṃ nidhanaṃ pārtha sarvakṣatrasya tadvidaḥ
die, welche dies wissen, erkennen in dir, o Pārtha, den Untergang der gesamten Kṣatriya-Kaste (3.Pl.Perf. vid- + Akk. + Akk. + Vok. + Gen. + Nom.Pl.Bah.)
dhanurdharāṇām ekas tvaṃ pṛthivyāṃ pravaro nṛṣu
du allein bist der Erste unter den Bogenträgern, der Beste unter den Menschen auf Erden (Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Lok. + Nom. + Lok.Pl.)

[Anm.: V.31 bildet eine Einheit.]

manuṣyā jagati śreṣṭhāḥ pakṣiṇāṃ garuḍo varaḥ sarasāṃ sāgaraḥ śreṣṭho gaur variṣṭhā catuṣpadām

Die Menschen sind die Besten in der Welt, unter den Vögeln ist Garuḍa der Beste; unter den Gewässern ist der Ozean das Beste, die Kuh die Vortrefflichste unter den Vierfüßern.

Wort für Wort
manuṣyā jagati śreṣṭhāḥ pakṣiṇāṃ garuḍo varaḥ
die Menschen sind die Besten in der Welt, unter den Vögeln ist Garuḍa der Beste (Nom.Pl. + Lok. + Nom.Pl. + Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
sarasāṃ sāgaraḥ śreṣṭho gaur variṣṭhā catuṣpadām
unter den Gewässern ist der Ozean das Beste, die Kuh die Vortrefflichste unter den Vierfüßern (Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Gen.Pl.)

[Anm.: V.32 bildet eine Einheit.]

ādityas tejasāṃ śreṣṭho girīṇāṃ himavān varaḥ jātīnāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭhaḥ śreṣṭhas tvam asi dhanvinām

Unter den Leuchtenden ist die Sonne die Beste, unter den Bergen der Himavat der Beste; unter den Kasten ist der Brahmane der Beste, du aber bist der Beste unter den Bogenkämpfern.

Wort für Wort
ādityas tejasāṃ śreṣṭho girīṇāṃ himavān varaḥ
unter den Leuchtenden ist die Sonne die Beste, unter den Bergen der Himavat der Beste (Nom. + Gen.Pl. + Nom. + Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
jātīnāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭhaḥ śreṣṭhas tvam asi dhanvinām
unter den Kasten ist der Brahmane der Beste, du aber bist der Beste unter den Bogenkämpfern (Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + 2.Sg.Präs. as- + Gen.Pl.)

[Anm.: V.33 bildet eine Einheit.]

na vai śrutaṃ dhārtarāṣṭreṇa vākyaṃ saṃbodhyamānaṃ vidureṇa caiva droṇena rāmeṇa janārdanena muhur muhuḥ saṃjayenāpi coktam

Wahrlich, nicht hörte der Sohn Dhṛtarāṣṭras auf das Wort, das ihm von Vidura eindringlich erklärt wurde, ebenso von Droṇa, von Rāma, von Janārdana; immer wieder wurde es auch von Saṃjaya gesagt.

Wort für Wort
na vai śrutaṃ dhārtarāṣṭreṇa vākyaṃ saṃbodhyamānaṃ vidureṇa caiva
wahrlich, nicht hörte der Sohn Dhṛtarāṣṭras auf das Wort, das ihm von Vidura eindringlich erklärt wurde (Neg. + Partikel + Nom.Past.Part.Pass. + Instr. + Akk. + Akk.Präs.Part.Pass.Kaus. + Instr. + Konj.)
droṇena rāmeṇa janārdanena muhur muhuḥ saṃjayenāpi coktam
ebenso von Droṇa, von Rāma, von Janārdana; immer wieder wurde es auch von Saṃjaya gesagt (Instr. + Instr. + Instr. + Adv. + Adv. + Instr.+Partikel + Konj.+Nom.Past.Part.Pass.)

[Anm.: V.34 bildet eine Einheit.]

parītabuddhir hi visaṃjñakalpo duryodhano nābhyanandad vaco me sa śeṣyate vai nihataś cirāya śāstrātigo bhīmabalābhibhūtaḥ

Denn Duryodhana, dessen Verstand umnachtet, wie besinnungslos, begrüßte mein Wort nicht; er, das Gesetz überschreitend, von Bhīmas Kraft überwältigt, wird gewiss auf lange Zeit erschlagen daliegen.“

Wort für Wort
parītabuddhir hi visaṃjñakalpo duryodhano nābhyanandad vaco me
denn Duryodhana, dessen Verstand umnachtet, wie besinnungslos, begrüßte mein Wort nicht (Nom.Bah. + Partikel + Nom.Bah. + Nom. + Neg.+3.Sg.Impf. nand- + Akk. + Gen.)
sa śeṣyate vai nihataś cirāya śāstrātigo bhīmabalābhibhūtaḥ
er wird gewiss auf lange Zeit erschlagen daliegen, das Gesetz überschreitend, von Bhīmas Kraft überwältigt (Nom. + 3.Sg.Präs.Pass. śī- + Partikel + Nom.Past.Part. + Dat. + Nom.Bah. + Nom.Bah.)

[Anm.: V.35 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Rede an Arjuna (CQ_CLOSE). Es folgt in V.36 eine neue, direkt an Duryodhana gerichtete Rede.]

tataḥ śrutvā tad vacaḥ kauravendro duryodhano dīnamanā babhūva tam abravīc chāṃtanavo 'bhivīkṣya nibodha rājan bhava vītamanyuḥ

Da wurde, nachdem er dieses Wort gehört hatte, der Kaurava-Herr Duryodhana niedergeschlagenen Sinnes; ihn ansehend sprach der Sohn des Śāṃtanu zu ihm: „Vernimm, o König, werde frei von Zorn.

Wort für Wort
tataḥ śrutvā tad vacaḥ kauravendro duryodhano dīnamanā babhūva
da wurde, nachdem er dieses Wort gehört hatte, der Kaurava-Herr Duryodhana niedergeschlagenen Sinnes (Adv. + Ger. śru- + Akk. + Akk. + Nom. + Nom. + Nom.Bah. + 3.Sg.Perf. bhū-)
tam abravīc chāṃtanavo 'bhivīkṣya nibodha rājan bhava vītamanyuḥ
ihn ansehend sprach der Sohn des Śāṃtanu zu ihm: Vernimm, o König, werde frei von Zorn (Akk. + 3.Sg.Impf. brū- + Nom. + Ger. vīkṣ- + 2.Sg.Imp. budh- + Vok. + 2.Sg.Imp. bhū- + Nom.Bah.)

[Anm.: V.36 bildet eine Einheit; Narration und Beginn (CQ_OPEN) von Bhīṣmas direkt an Duryodhana gerichteter Rede, die bis V.50 reicht.]

dṛṣṭaṃ duryodhanedaṃ te yathā pārthena dhīmatā jalasya dhārā janitā śītasyāmṛtagandhinaḥ etasya kartā loke 'smin nānyaḥ kaś cana vidyate

Gesehen hast du dies, Duryodhana, wie von dem weisen Pārtha ein Strahl kühlen, nach Ambrosia duftenden Wassers hervorgebracht wurde; keiner sonst existiert in dieser Welt, der dies vollbringen könnte.

Wort für Wort
dṛṣṭaṃ duryodhanedaṃ te yathā pārthena dhīmatā
gesehen hast du dies, Duryodhana, wie von dem weisen Pārtha (Nom.Past.Part.Pass. + Vok.+Akk. + Nom.Pron. + Adv. + Instr. + Instr.)
jalasya dhārā janitā śītasyāmṛtagandhinaḥ
ein Strahl kühlen, nach Ambrosia duftenden Wassers hervorgebracht wurde (Gen. + Nom. + Nom.Past.Part.Pass. + Gen. + Gen.Bah.)
etasya kartā loke 'smin nānyaḥ kaś cana vidyate
keiner sonst existiert in dieser Welt, der dies vollbringen könnte (Gen. + Nom. + Lok. + Lok.Pron. + Neg.+Nom. + Nom. + Partikel + 3.Sg.Präs.Pass. vid-)

[Anm.: V.37 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]

āgneyaṃ vāruṇaṃ saumyaṃ vāyavyam atha vaiṣṇavam aindraṃ pāśupataṃ brāhmaṃ pārameṣṭhyaṃ prajāpateḥ dhātus tvaṣṭuś ca savitur divyāny astrāṇi sarvaśaḥ

Die Āgneya-, Vāruṇa-, Saumya-, Vāyavya- und auch die Vaiṣṇava-, Aindra-, Pāśupata-, Brāhma- und Pārameṣṭhya-Waffe des Prajāpati, sowie des Dhātṛ, des Tvaṣṭṛ und des Savitṛ — alle diese göttlichen Waffen insgesamt,

Wort für Wort
āgneyaṃ vāruṇaṃ saumyaṃ vāyavyam atha vaiṣṇavam
die Āgneya-, Vāruṇa-, Saumya-, Vāyavya- und auch die Vaiṣṇava-Waffe (Akk. + Akk. + Akk. + Akk. + Adv. + Akk.)
aindraṃ pāśupataṃ brāhmaṃ pārameṣṭhyaṃ prajāpateḥ
die Aindra-, Pāśupata-, Brāhma- und Pārameṣṭhya-Waffe des Prajāpati (Akk. + Akk. + Akk. + Akk. + Gen.)
dhātus tvaṣṭuś ca savitur divyāny astrāṇi sarvaśaḥ
sowie des Dhātṛ, des Tvaṣṭṛ und des Savitṛ — alle diese göttlichen Waffen insgesamt (Gen. + Gen. + Konj. + Gen. + Akk.Pl.Bah. + Akk.Pl. + Adv.)

[Anm.: V.38 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Satz wird in V.39 fortgesetzt (Aufzählung der göttlichen Waffen als Objekt zu 'vetti' in V.39).]

sarvasmin mānuṣe loke vetty eko hi dhanaṃjayaḥ kṛṣṇo vā devakīputro nānyo vai veda kaś cana na śakyāḥ pāṇḍavās tāta yuddhe jetuṃ kathaṃ cana

...kennt in der ganzen Welt der Menschen einzig Dhanaṃjaya, oder Kṛṣṇa, der Sohn der Devakī; kein anderer kennt sie wahrlich. Die Pāṇḍavas können, mein Sohn, auf keine Weise im Kampf besiegt werden.

Wort für Wort
sarvasmin mānuṣe loke vetty eko hi dhanaṃjayaḥ
kennt in der ganzen Welt der Menschen einzig Dhanaṃjaya (Lok. + Lok. + Lok. + 3.Sg.Präs. vid- + Nom. + Partikel + Nom.)
kṛṣṇo vā devakīputro nānyo vai veda kaś cana
oder Kṛṣṇa, der Sohn der Devakī; kein anderer kennt sie wahrlich (Nom. + Konj. + Nom. + Neg.+Nom. + Partikel + 3.Sg.Perf. vid- + Nom. + Partikel)
na śakyāḥ pāṇḍavās tāta yuddhe jetuṃ kathaṃ cana
die Pāṇḍavas können, mein Sohn, auf keine Weise im Kampf besiegt werden (Neg. + Nom.Pl.Ger.Verb. + Nom.Pl. + Vok. + Lok. + Inf. ji- + Adv. + Partikel)

[Anm.: V.39 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss des in V.38 begonnenen Satzes.]

amānuṣāṇi karmāṇi yasyaitāni mahātmanaḥ tena sattvavatā saṃkhye śūreṇāhavaśobhinā kṛtinā samare rājan saṃdhis te tāta yujyatām

Mit ihm, dem Hochgesinnten, dessen Taten diese übermenschlichen sind, mit jenem Tapferen, dem im Kampf strahlenden Helden, dem in der Schlacht Bewährten, o König — möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden.

Wort für Wort
amānuṣāṇi karmāṇi yasyaitāni mahātmanaḥ
dessen Taten diese übermenschlichen sind, des Hochgesinnten (Akk.Pl.Bah. + Nom.Pl. + Gen.+Nom.Pl. + Gen.)
tena sattvavatā saṃkhye śūreṇāhavaśobhinā
mit jenem Tapferen, dem im Kampf strahlenden Helden (Instr. + Instr.Bah. + Lok. + Instr.+Instr.Bah.)
kṛtinā samare rājan saṃdhis te tāta yujyatām
dem in der Schlacht Bewährten, o König — möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden (Instr. + Lok. + Vok. + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)

[Anm.: V.40 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; erster Refrainvers ('saṃdhis te tāta yujyatām').]

yāvat kṛṣṇo mahābāhuḥ svādhīnaḥ kurusaṃsadi tāvat pārthena śūreṇa saṃdhis te tāta yujyatām

Solange der starkarmige Kṛṣṇa noch aus eigenem Willen in der Versammlung der Kurus [zurückhält], so lange möge von dir, mein Sohn, mit dem heldenhaften Pārtha Frieden geschlossen werden.

Wort für Wort
yāvat kṛṣṇo mahābāhuḥ svādhīnaḥ kurusaṃsadi
solange der starkarmige Kṛṣṇa noch aus eigenem Willen in der Versammlung der Kurus [zurückhält] (Adv. + Nom. + Nom.Bah. + Nom.Bah. + Lok.)
tāvat pārthena śūreṇa saṃdhis te tāta yujyatām
so lange möge von dir, mein Sohn, mit dem heldenhaften Pārtha Frieden geschlossen werden (Adv. + Instr. + Instr. + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)

[Anm.: V.41 bildet eine Einheit.]

yāvac camūṃ na te śeṣāṃ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ nāśayaty arjunas tāvat saṃdhis te tāta yujyatām

Solange Arjuna nicht mit glattgefügten Pfeilen den Rest deines Heeres vernichtet, so lange möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden.

Wort für Wort
yāvac camūṃ na te śeṣāṃ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ
solange dein übriges Heer nicht mit glattgefügten Pfeilen (Adv. + Akk. + Neg. + Gen. + Akk. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
nāśayaty arjunas tāvat saṃdhis te tāta yujyatām
Arjuna vernichtet, so lange möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden (3.Sg.Präs.Kaus. naś- + Nom. + Adv. + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)

[Anm.: V.42 bildet eine Einheit.]

yāvat tiṣṭhanti samare hataśeṣāḥ sahodarāḥ nṛpāś ca bahavo rājaṃs tāvat saṃdhiḥ prayujyatām

Solange deine Brüder, die vom Gemetzel übrig gebliebenen, noch im Kampf stehen, und viele Könige, o König, so lange möge Frieden geschlossen werden.

Wort für Wort
yāvat tiṣṭhanti samare hataśeṣāḥ sahodarāḥ
solange die vom Gemetzel übrig gebliebenen Brüder noch im Kampf stehen (Adv. + 3.Pl.Präs. sthā- + Lok. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.)
nṛpāś ca bahavo rājaṃs tāvat saṃdhiḥ prayujyatām
und viele Könige, o König, so lange möge Frieden geschlossen werden (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Vok. + Adv. + Nom. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)

[Anm.: V.43 bildet eine Einheit.]

na nirdahati te yāvat krodhadīptekṣaṇaś camūm yudhiṣṭhiro hi tāvad vai saṃdhis te tāta yujyatām

Solange Yudhiṣṭhira, dessen Augen vor Zorn lodern, dein Heer nicht verbrennt, so lange wahrlich möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden.

Wort für Wort
na nirdahati te yāvat krodhadīptekṣaṇaś camūm
solange dein Heer nicht verbrennt, er, dessen Augen vor Zorn lodern (Neg. + 3.Sg.Präs. dah- + Gen. + Adv. + Nom.Bah. + Akk.)
yudhiṣṭhiro hi tāvad vai saṃdhis te tāta yujyatām
Yudhiṣṭhira, so lange wahrlich möge von dir, mein Sohn, Frieden geschlossen werden (Nom. + Partikel + Adv. + Partikel + Nom. + Gen. + Vok. + 3.Sg.Imp.Pass. yuj-)

[Anm.: V.44 bildet eine Einheit.]

nakulaḥ sahadevaś ca bhīmasenaś ca pāṇḍavaḥ yāvac camūṃ mahārāja nāśayanti na sarvaśaḥ tāvat te pāṇḍavaiḥ sārdhaṃ saubhrātraṃ tāta rocatām

Solange Nakula, Sahadeva und Bhīmasena, der Pāṇḍava, [dein] Heer nicht gänzlich vernichten, o Großkönig, so lange möge dir, mein Sohn, Bruderschaft mit den Pāṇḍavas gefallen.

Wort für Wort
nakulaḥ sahadevaś ca bhīmasenaś ca pāṇḍavaḥ
Nakula, Sahadeva und Bhīmasena, der Pāṇḍava (Nom. + Nom. + Konj. + Nom. + Konj. + Nom.)
yāvac camūṃ mahārāja nāśayanti na sarvaśaḥ
solange sie [dein] Heer nicht gänzlich vernichten, o Großkönig (Adv. + Akk. + Vok. + 3.Pl.Präs.Kaus. naś- + Neg. + Adv.)
tāvat te pāṇḍavaiḥ sārdhaṃ saubhrātraṃ tāta rocatām
so lange möge dir, mein Sohn, Bruderschaft mit den Pāṇḍavas gefallen (Adv. + Gen. + Instr.Pl. + Präp. + Nom. + Vok. + 3.Sg.Imp. ruc-)

[Anm.: V.45 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.45b die Zusatzzeile *0500_01 (yāvat kṣatraṃ na nighnanti tāvat saṃdhir vidhīyatām, 'solange sie die Kṣatriya-Kaste nicht töten, so lange möge Frieden gestiftet werden'), eine inhaltlich redundante Parallelformulierung zum Hauptvers, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]

yuddhaṃ madantam evāstu tāta saṃśāmya pāṇḍavaiḥ etat te rocatāṃ vākyaṃ yad ukto 'si mayānagha etat kṣemam ahaṃ manye tava caiva kulasya ca

Lass den Krieg mit mir enden, mein Sohn; schließe Frieden mit den Pāṇḍavas. Möge dir dieses Wort gefallen, das ich zu dir gesprochen habe, o Sündloser; dies halte ich für das Heil sowohl für dich als auch für [unser] Geschlecht.

Wort für Wort
yuddhaṃ madantam evāstu tāta saṃśāmya pāṇḍavaiḥ
lass den Krieg mit mir enden, mein Sohn; schließe Frieden mit den Pāṇḍavas (Nom. + Lok.Präs.Part. + Partikel + 3.Sg.Imp. as- + Vok. + Imp. śam- + Instr.Pl.)
etat te rocatāṃ vākyaṃ yad ukto 'si mayānagha
möge dir dieses Wort gefallen, das ich zu dir gesprochen habe, o Sündloser (Nom. + Gen. + 3.Sg.Imp. ruc- + Nom. + Nom. + Nom.Past.Part.Pass. + 2.Sg.Präs. as- + Instr.+Vok.)
etat kṣemam ahaṃ manye tava caiva kulasya ca
dies halte ich für das Heil sowohl für dich als auch für unser Geschlecht (Akk. + Akk. + Nom. + 1.Sg.Präs.Med. man- + Gen. + Konj. + Gen. + Konj.)

[Anm.: V.46 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]

tyaktvā manyum upaśāmyasva pārthaiḥ paryāptam etad yat kṛtaṃ phalgunena bhīṣmasyāntād astu vaḥ sauhṛdaṃ vā saṃpraśleṣaḥ sādhu rājan prasīda

Lege deinen Zorn ab und schließe Frieden mit den Pārthas; genug ist das, was von Phalguna vollbracht wurde. Möge nach Bhīṣmas Ende Freundschaft oder Versöhnung bei euch sein; das wäre gut, o König — sei gnädig.

Wort für Wort
tyaktvā manyum upaśāmyasva pārthaiḥ; paryāptam etad yat kṛtaṃ phalgunena
lege deinen Zorn ab und schließe Frieden mit den Pārthas; genug ist das, was von Phalguna vollbracht wurde (Ger. tyaj- + Akk. + 2.Sg.Imp.Med. śam- + Instr.Pl. + Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.Relativ + Nom.Past.Part.Pass. + Instr.)
bhīṣmasyāntād astu vaḥ sauhṛdaṃ vā; saṃpraśleṣaḥ sādhu rājan prasīda
möge nach Bhīṣmas Ende Freundschaft oder Versöhnung bei euch sein; das wäre gut, o König — sei gnädig (Gen.+Abl. + 3.Sg.Imp. as- + Gen.Pl. + Nom. + Konj. + Nom. + Adv. + Vok. + 2.Sg.Imp. sad-)

[Anm.: V.47 bildet eine Einheit.]

rājyasyārdhaṃ dīyatāṃ pāṇḍavānām indraprasthaṃ dharmarājo 'nuśāstu mā mitradhruk pārthivānāṃ jaghanyaḥ pāpāṃ kīrtiṃ prāpsyase kauravendra

Es werde den Pāṇḍavas die Hälfte des Reiches gegeben; der Dharma-König herrsche über Indraprastha. Werde nicht, als der Niedrigste der Könige, ein Verräter an Freunden — du wirst [sonst] schlechten Ruhm erlangen, o Kaurava-Herr.

Wort für Wort
rājyasyārdhaṃ dīyatāṃ pāṇḍavānām indraprasthaṃ dharmarājo 'nuśāstu
es werde den Pāṇḍavas die Hälfte des Reiches gegeben; der Dharma-König herrsche über Indraprastha (Gen.+Akk. + 3.Sg.Imp.Pass. dā- + Gen.Pl. + Akk. + Nom. + 3.Sg.Imp. śās-)
mā mitradhruk pārthivānāṃ jaghanyaḥ; pāpāṃ kīrtiṃ prāpsyase kauravendra
werde nicht, als der Niedrigste der Könige, ein Verräter an Freunden; du wirst sonst schlechten Ruhm erlangen, o Kaurava-Herr (Neg. + Nom.Bah. + Gen.Pl. + Nom. + Akk. + Akk. + 2.Sg.Fut.Med. āp- + Vok.)

[Anm.: V.48 bildet eine Einheit.]

mamāvasānāc chāntir astu prajānāṃ saṃgacchantāṃ pārthivāḥ prītimantaḥ pitā putraṃ mātulaṃ bhāgineyo bhrātā caiva bhrātaraṃ praitu rājan

Nach meinem Ende möge Friede für die Untertanen herrschen; die Könige mögen sich in Zuneigung versammeln. Der Vater gehe zum Sohn, der Schwestersohn zum Onkel, und der Bruder fürwahr zum Bruder, o König.

Wort für Wort
mamāvasānāc chāntir astu prajānāṃ; saṃgacchantāṃ pārthivāḥ prītimantaḥ
nach meinem Ende möge Friede für die Untertanen herrschen; die Könige mögen sich in Zuneigung versammeln (Gen.+Abl. + Nom. + 3.Sg.Imp. as- + Gen.Pl. + 3.Pl.Imp.Med. gam- + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
pitā putraṃ mātulaṃ bhāgineyo bhrātā caiva bhrātaraṃ praitu rājan
der Vater gehe zum Sohn, der Schwestersohn zum Onkel, und der Bruder fürwahr zum Bruder, o König (Nom. + Akk. + Akk. + Nom. + Nom. + Konj. + Akk. + 3.Sg.Imp. i- + Vok.)

[Anm.: V.49 bildet eine Einheit.]

na ced evaṃ prāptakālaṃ vaco me mohāviṣṭaḥ pratipatsyasy abuddhyā bhīṣmasyāntād etadantāḥ stha sarve satyām etāṃ bhāratīm īrayāmi

Wenn du, von Verblendung befangen, aus Unverstand dieses zeitgemäße Wort von mir nicht so annimmst — von Bhīṣmas Ende an werdet ihr alle euer Ende finden; dies wahrhaftige Wort spreche ich aus.“

Wort für Wort
na ced evaṃ prāptakālaṃ vaco me mohāviṣṭaḥ pratipatsyasy abuddhyā
wenn du, von Verblendung befangen, aus Unverstand dieses zeitgemäße Wort von mir nicht so annimmst (Neg. + Konj. + Adv. + Akk. + Akk. + Gen. + Nom.Bah. + 2.Sg.Fut.Med. pratipad- + Instr.)
bhīṣmasyāntād etadantāḥ stha sarve satyām etāṃ bhāratīm īrayāmi
von Bhīṣmas Ende an werdet ihr alle euer Ende finden; dies wahrhaftige Wort spreche ich aus (Gen.+Abl. + Nom.Pl.Bah. + 2.Pl.Präs. as- + Nom.Pl. + Akk. + Akk. + Akk. + 1.Sg.Präs.Kaus. īr-)

[Anm.: V.50 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Rede an Duryodhana (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat finden sich nach V.50b die Zusatzzeilen *0501_01/02 (tapsyasyante lobhabhāvāt tvam evaṃ ye cāpy anye bhūmipālāḥ sametāḥ, 'so werdet ihr aus Gier-Gesinnung leiden, du und auch die anderen versammelten Herrscher') sowie nach V.50c die Zusatzzeilen *0502_01-03 (diṣṭaṃ gantā tyaktadharmārthakāmaḥ putrabhrātṛjñātisaṃbandhihīnaḥ evaṃ vo 'stu viditaṃ kauraveyāḥ, 'ihr werdet, Recht, Nutzen und Lust aufgebend, eurem Schicksal entgegengehen, der Söhne, Brüder, Verwandten und Anverwandten beraubt; so sei es euch kundgetan, o Kauravas'), inhaltlich ausmalende, redundante Erweiterungen der Warnung, die nicht in den Haupttext übernommen werden.]

etad vākyaṃ sauhṛdād āpageyo madhye rājñāṃ bhārataṃ śrāvayitvā tūṣṇīm āsīc chalyasaṃtaptamarmā yatvātmānaṃ vedanāṃ saṃnigṛhya dharmārthasahitaṃ vākyaṃ śrutvā hitam anāmayam nārocayata putras te mumūrṣur iva bheṣajam

Nachdem er diese Bharata-Rede aus Zuneigung inmitten der Könige hatte vernehmen lassen, verstummte der Sohn des Stromes, an den Lebensteilen vom Pfeil gequält, sich selbst bezwingend, seinen Schmerz unterdrückend. Dein Sohn aber nahm die mit Recht und Nutzen verbundene, heilsame, unschädliche Rede nicht an, wie ein Sterbenskranker die Medizin [verweigert].

Wort für Wort
etad vākyaṃ sauhṛdād āpageyo madhye rājñāṃ bhārataṃ śrāvayitvā
nachdem er diese Bharata-Rede aus Zuneigung inmitten der Könige hatte vernehmen lassen, der Sohn des Stromes (Akk. + Akk. + Abl. + Nom. + Lok. + Gen.Pl. + Akk. + Ger.Kaus. śru-)
tūṣṇīm āsīc chalyasaṃtaptamarmā yatvātmānaṃ vedanāṃ saṃnigṛhya
verstummte, an den Lebensteilen vom Pfeil gequält, sich selbst bezwingend, seinen Schmerz unterdrückend (Adv. + 3.Sg.Impf. as- + Nom.Bah. + Ger.+Akk. + Akk. + Ger. grah-)
dharmārthasahitaṃ vākyaṃ śrutvā hitam anāmayam
die mit Recht und Nutzen verbundene, heilsame, unschädliche Rede gehört habend (Akk.Bah. + Akk. + Ger. śru- + Akk. + Akk.)
nārocayata putras te mumūrṣur iva bheṣajam
nahm dein Sohn nicht an, wie ein Sterbenskranker die Medizin (Neg.+3.Sg.Impf.Med. ruc- + Nom. + Gen. + Nom.Präs.Part.Desid. + Partikel + Akk.)

[Anm.: V.51 bildet eine Einheit; reine Erzählung (kein CQ, Bhīṣmas Rede endete in V.50). Der Hauptvers (a/c) schildert, wie Bhīṣma nach seiner Rede verstummt und seinen eigenen Schmerz unterdrückt. Der kritische Apparat fügt nach V.51d die Zusatzzeilen *0503_01/02 hinzu (dharmārthasahitaṃ vākyaṃ śrutvā hitam anāmayam nārocayata putras te mumūrṣur iva bheṣajam, 'dein Sohn aber nahm die mit Recht und Nutzen verbundene, heilsame, unschädliche Rede nicht an, wie ein Sterbenskranker die Medizin verweigert'); anders als die meisten Apparatuszeilen ist dieser Vers inhaltlich nicht redundant, sondern liefert den für den Kapitelschluss zentralen Gedanken – Duryodhanas schweigende Ablehnung von Bhīṣmas Mahnung – und wird daher, mit diesem Hinweis kenntlich gemacht, in die Übersetzung aufgenommen.]

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