Kapitel 99: Śoṇitanadī
Die Blutstrom-Schlacht des Mittags
Zur Mittagsstunde entbrennt ein weltvernichtender Kampf zwischen Bhīṣma und den mit den Somakas verbündeten Pāṇḍava-Kriegern: Dhṛṣṭadyumna, Śikhaṇḍin, Virāṭa und Drupada greifen Bhīṣma gemeinsam an; Śikhaṇḍins Pfeile lässt Bhīṣma, seines Frau-Ursprungs eingedenk, unerwidert. Beide Heere stürmen sich zur gegenseitigen Deckung entgegen, und Saṃjaya schildert das folgende Gemetzel in der berühmten Bildsprache eines Blutstroms (mit Knochen als Ufersand, Haaren als Moos, Wagen als Teichen, Köpfen als Steinen, Elefanten als Krokodilen), den die Krieger wie die unterweltliche Vaitaraṇī überqueren. Angesichts des Grauens klagen die Kṣatriyas Duryodhana als Urheber der Vernichtung an; dieser treibt, unbeeindruckt, Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa und Śalya zum Weiterkämpfen an. Saṃjaya schließt mit der Deutung, dass dieses Unheil letztlich Frucht des einstigen Würfelspiels sei, verursacht durch Schicksal oder Dhṛtarāṣṭras eigenes Fehlverhalten.
Zur Mittagsstunde aber, o Großkönig, ereignete sich eine weltvernichtende, schreckliche Schlacht Bhīṣmas gegen die Somakas. Der Sohn der Gaṅgā, der Beste der Wagenkämpfer, zerstreute das Heer der Pāṇḍavas mit scharfen Pfeilen, zu Hunderten und Tausenden.
Wort für Wort
madhyāhne tu mahārāja saṃgrāmaḥ samapadyata
zur Mittagsstunde aber, o Großkönig, ereignete sich eine Schlacht (Lok. + Partikel + Vok. + Nom. + 3.Sg.Impf.Med. pad-)
lokakṣayakaro raudro bhīṣmasya saha somakaiḥ
eine weltvernichtende, schreckliche [Schlacht] Bhīṣmas gegen die Somakas (Nom.Bah. + Nom.Bah. + Gen. + Postp. + Instr.Pl.)
gāṅgeyo rathināṃ śreṣṭhaḥ pāṇḍavānām anīkinīm
der Sohn der Gaṅgā, der Beste der Wagenkämpfer, das Heer der Pāṇḍavas (Nom. + Gen.Pl. + Nom. + Gen.Pl. + Akk.)
vyadhaman niśitair bāṇaiḥ śataśo 'tha sahasraśaḥ
zerstreute er mit scharfen Pfeilen, zu Hunderten und Tausenden (3.Sg.Impf. dham- + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Partikel + Adv.)
[Anm.: V.1-2 bilden eine Einheit. "saṃjaya uvāca" markiert die Fortsetzung von Saṃjayas Erzählung, ohne erneute Frage Dhṛtarāṣṭras.]
saṃmamarda ca tat sainyaṃ pitā devavratas tava dhānyānām iva lūnānāṃ prakaraṃ gogaṇā iva dhṛṣṭadyumnaḥ śikhaṇḍī ca virāṭo drupadas tathā bhīṣmam āsādya samare śarair jaghnur mahāratham
Und dein [Groß-]Vater Devavrata [Bhīṣma] zermalmte jenes Heer, wie Rinderherden einen Haufen geschnittenen Getreides. Dhṛṣṭadyumna, und Śikhaṇḍin, und Virāṭa, und ebenso Drupada, näherten sich dem großen Wagenkämpfer Bhīṣma im Kampf und trafen ihn mit Pfeilen.
Wort für Wort
saṃmamarda ca tat sainyaṃ pitā devavratas tava
und dein Vater Devavrata zermalmte jenes Heer (3.Sg.Perf. mṛd- + Partikel + Akk. + Akk. + Nom. + Nom. + Gen.)
dhānyānām iva lūnānāṃ prakaraṃ gogaṇā iva
wie Rinderherden einen Haufen geschnittenen Getreides (Gen.Pl. + Adv. + Gen.Pl. + Akk. + Nom.Pl. + Adv.)
dhṛṣṭadyumnaḥ śikhaṇḍī ca virāṭo drupadas tathā
Dhṛṣṭadyumna, und Śikhaṇḍin, und Virāṭa, und ebenso Drupada (Nom. + Nom. + Partikel + Nom. + Nom. + Adv.)
bhīṣmam āsādya samare śarair jaghnur mahāratham
näherten sich dem großen Wagenkämpfer Bhīṣma im Kampf und trafen ihn mit Pfeilen (Akk. + Ger. + Lok. + Instr.Pl. + 3.Pl.Perf. han- + Akk.)
dhṛṣṭadyumnaṃ tato viddhvā virāṭaṃ ca tribhiḥ śaraiḥ drupadasya ca nārācaṃ preṣayām āsa bhārata tena viddhā maheṣvāsā bhīṣmeṇāmitrakarśinā cukrudhuḥ samare rājan pādaspṛṣṭā ivoragāḥ
Da, nachdem er Dhṛṣṭadyumna und Virāṭa mit je drei Pfeilen durchbohrt hatte, sandte er auch gegen Drupada einen Eisenpfeil, o Bhārata. Von ihm, dem Feindebezwinger Bhīṣma, durchbohrt, gerieten jene großen Bogenschützen im Kampf in Zorn, o König, wie mit dem Fuß berührte Schlangen.
Wort für Wort
dhṛṣṭadyumnaṃ tato viddhvā virāṭaṃ ca tribhiḥ śaraiḥ
da, nachdem er Dhṛṣṭadyumna und Virāṭa mit je drei Pfeilen durchbohrt hatte (Akk. + Adv. + Ger. + Akk. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
drupadasya ca nārācaṃ preṣayām āsa bhārata
sandte er auch gegen Drupada einen Eisenpfeil, o Bhārata (Gen. + Partikel + Akk. + 3.Sg.Perf.Caus. iṣ- + Vok.)
tena viddhā maheṣvāsā bhīṣmeṇāmitrakarśinā
von ihm, dem Feindebezwinger Bhīṣma, durchbohrt, jene großen Bogenschützen (Instr. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Instr.+Nom.Bah.)
cukrudhuḥ samare rājan pādaspṛṣṭā ivoragāḥ
gerieten im Kampf in Zorn, o König, wie mit dem Fuß berührte Schlangen (3.Pl.Perf. krudh- + Lok. + Vok. + Nom.Pl. + Adv.+Nom.Pl.)
Und Śikhaṇḍin durchbohrte ihn, den Großvater der Bharatas; doch der Unfehlbare [Bhīṣma], in Gedanken erwägend, dass jener von Frauennatur sei, schlug nicht gegen ihn zurück.
Wort für Wort
śikhaṇḍī taṃ ca vivyādha bharatānāṃ pitāmaham
und Śikhaṇḍin durchbohrte ihn, den Großvater der Bharatas (Nom. + Akk. + Partikel + 3.Sg.Perf. vyadh- + Gen.Pl. + Akk.)
strīmayaṃ manasā dhyātvā nāsmai prāharad acyutaḥ
doch der Unfehlbare, in Gedanken erwägend, dass jener von Frauennatur sei, schlug nicht gegen ihn zurück (Akk. + Instr. + Ger. + Neg.+Dat. + 3.Sg.Impf. hṛ- + Nom.)
[Anm.: V.7 bildet eine Einheit. Zentrale Stelle: Bhīṣma hält sein Gelübde, Śikhaṇḍin nicht anzugreifen, auch unter direktem Beschuss ein.]
Drupada mit fünfundzwanzig, Virāṭa mit zehn Pfeilen, Śikhaṇḍin mit fünfundzwanzig Geschossen durchbohrte Bhīṣma. Er, Bhīṣma, von jenen Großherzigen im Kampf schwer verwundet, o Großkönig, erstrahlte wie ein roter, im Frühling mit Blüten gesprenkelter Aśoka-Baum.
Wort für Wort
drupadaḥ pañcaviṃśatyā virāṭo daśabhiḥ śaraiḥ
Drupada mit fünfundzwanzig, Virāṭa mit zehn Pfeilen (Nom. + Instr. + Nom. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
tān pratyavidhyad gāṅgeyas tribhis tribhir ajihmagaiḥ drupadasya ca bhallena dhanuś ciccheda māriṣa so 'nyat kārmukam ādāya bhīṣmaṃ vivyādha pañcabhiḥ sārathiṃ ca tribhir bāṇaiḥ suśitai raṇamūrdhani
Der Sohn der Gaṅgā durchbohrte sie zur Vergeltung, jeden mit drei geraden Pfeilen, und zerschnitt mit einem breitköpfigen Pfeil Drupadas Bogen, o Verehrungswürdiger. Jener, einen anderen Bogen ergreifend, durchbohrte Bhīṣma mit fünf und dessen Wagenlenker mit drei gutgeschärften Pfeilen an der Spitze der Schlacht.
der Sohn der Gaṅgā durchbohrte sie zur Vergeltung, jeden mit drei geraden Pfeilen (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. vyadh- + Nom. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
drupadasya ca bhallena dhanuś ciccheda māriṣa
und zerschnitt mit einem breitköpfigen Pfeil Drupadas Bogen, o Verehrungswürdiger (Gen. + Partikel + Instr. + Akk. + 3.Sg.Perf. chid- + Vok.)
so 'nyat kārmukam ādāya bhīṣmaṃ vivyādha pañcabhiḥ
jener, einen anderen Bogen ergreifend, durchbohrte Bhīṣma mit fünf [Pfeilen] (Nom. + Akk. + Akk. + Ger. + Akk. + 3.Sg.Perf. vyadh- + Instr.Pl.)
sārathiṃ ca tribhir bāṇaiḥ suśitai raṇamūrdhani
und dessen Wagenlenker mit drei gutgeschärften Pfeilen an der Spitze der Schlacht (Akk. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Lok.)
Da stürmten Bhīma, o Großkönig, und die fünf Söhne der Draupadī, und die fünf Brüder der Kekayas, und Sātyaki, der Sproß der Sātvatas, aus Sorge um Yudhiṣṭhiras Wohlergehen gegen den Sohn der Gaṅgā an, in dem Bestreben, den Sohn des Pāñcāla [Dhṛṣṭadyumna] und seine Gefährten im Kampf zu schützen.
Wort für Wort
tato bhīmo mahārāja draupadyāḥ pañca cātmajāḥ
da Bhīma, o Großkönig, und die fünf Söhne der Draupadī (Adv. + Nom. + Vok. + Gen. + Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl.)
kekayā bhrātaraḥ pañca sātyakiś caiva sātvataḥ
und die fünf Brüder der Kekayas, und Sātyaki, der Sproß der Sātvatas (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom. + Partikel + Nom.)
abhyadravanta gāṅgeyaṃ yudhiṣṭhirahitepsayā
stürmten sie aus Sorge um Yudhiṣṭhiras Wohlergehen gegen den Sohn der Gaṅgā an (3.Pl.Impf. dru- + Akk. + Instr.)
rirakṣiṣantaḥ pāñcālyaṃ dhṛṣṭadyumnamukhan raṇe
in dem Bestreben, den Sohn des Pāñcāla und seine Gefährten im Kampf zu schützen (Nom.Pl.Part.Des. + Akk. + Akk.Bah. + Lok.)
tatrāsīt sumahad yuddhaṃ tava teṣāṃ ca saṃkulam narāśvarathanāgānāṃ yamarāṣṭravivardhanam
Dort gab es eine sehr große, chaotische Schlacht zwischen deinen [Kriegern] und ihren, von Menschen, Pferden, Wagen und Elefanten, die das Reich Yamas anwachsen ließ.
Wort für Wort
tatrāsīt sumahad yuddhaṃ tava teṣāṃ ca saṃkulam
dort gab es eine sehr große, chaotische Schlacht zwischen deinen [Kriegern] und ihren (Adv.+3.Sg.Impf. as- + Nom. + Nom. + Gen. + Gen.Pl. + Partikel + Nom.)
narāśvarathanāgānāṃ yamarāṣṭravivardhanam
von Menschen, Pferden, Wagen und Elefanten, die das Reich Yamas anwachsen ließ (Gen.Pl.Bah. + Nom.Bah.)
rathī rathinam āsādya prāhiṇod yamasādanam tathetarān samāsādya naranāgāśvasādinaḥ anayan paralokāya śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ astraiś ca vividhair ghorais tatra tatra viśāṃ pate
Wagenkämpfer, auf Wagenkämpfer treffend, sandte ihn in die Wohnstatt Yamas; ebenso, auf andere treffend, Reiter von Menschen, Elefanten und Pferden, führten sie diese mit Pfeilen von glatten Gelenken und mit mannigfaltigen schrecklichen Waffen hier und dort in die andere Welt, o Herr der Völker.
Wort für Wort
rathī rathinam āsādya prāhiṇod yamasādanam
Wagenkämpfer, auf Wagenkämpfer treffend, sandte ihn in die Wohnstatt Yamas (Nom. + Akk. + Ger. + 3.Sg.Impf. hi- + Akk.)
tathetarān samāsādya naranāgāśvasādinaḥ
ebenso, auf andere treffend, Reiter von Menschen, Elefanten und Pferden (Adv.+Akk.Pl. + Ger. + Akk.Pl.)
anayan paralokāya śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ
führten sie diese mit Pfeilen von glatten Gelenken in die andere Welt (3.Pl.Impf. nī- + Dat. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
astraiś ca vividhair ghorais tatra tatra viśāṃ pate
und mit mannigfaltigen schrecklichen Waffen hier und dort, o Herr der Völker (Instr.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Adv. + Gen.Pl. + Vok.)
mardamānā narān rājan hayāṃś ca subahūn raṇe vātāyamānā dṛśyante gandharvanagaropamāḥ
Menschen und sehr viele Pferde im Kampf zertretend, wie der Wind dahinjagend, wurden sie gesehen, einer Gandharva-Stadt [Luftspiegelung] gleichend, o König.
Wort für Wort
mardamānā narān rājan hayāṃś ca subahūn raṇe
Menschen und sehr viele Pferde im Kampf zertretend, o König (Nom.Pl.Part. + Akk.Pl. + Vok. + Akk.Pl. + Partikel + Akk.Pl. + Lok.)
vātāyamānā dṛśyante gandharvanagaropamāḥ
wie der Wind dahinjagend, wurden sie gesehen, einer Gandharva-Stadt gleichend (Nom.Pl.Part. + 3.Pl.Präs.Pass. dṛś- + Nom.Pl.Bah.)
Und Wagenkämpfer, ihrer Wagen beraubt, geharnischt, mit Glanz ausgestattet, alle mit Ohrringen und Turbanen, mit Halsketten und Armreifen geschmückt, an Gestalt Göttersöhnen gleich, an Tapferkeit im Kampf Śakra [Indra] gleich, an Reichtum sogar Vaiśravaṇa [Kubera] und an Klugheit Bṛhaspati übertreffend,
Wort für Wort
rathinaś ca rathair hīnā varmiṇas tejasā yutāḥ
und Wagenkämpfer, ihrer Wagen beraubt, geharnischt, mit Glanz ausgestattet (Nom.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah. + Instr. + Nom.Pl.)
kuṇḍaloṣṇīṣiṇaḥ sarve niṣkāṅgadavibhūṣitāḥ
alle mit Ohrringen und Turbanen, mit Halsketten und Armreifen geschmückt (Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
devaputrasamā rūpe śaurye śakrasamā yudhi
an Gestalt Göttersöhnen gleich, an Tapferkeit im Kampf Śakra gleich (Nom.Pl.Bah. + Lok. + Lok. + Nom.Pl.Bah. + Lok.)
ṛddhyā vaiśravaṇaṃ cāti nayena ca bṛhaspatim
an Reichtum sogar Vaiśravaṇa und an Klugheit Bṛhaspati übertreffend (Instr. + Akk. + Partikel + Adv. + Instr. + Partikel + Akk.)
dantinaś ca naraśreṣṭha vihīnā varasādibhiḥ mṛdnantaḥ svāny anīkāni saṃpetuḥ sarvaśabdagāḥ
Und Elefanten, o Bester der Männer, ihrer vorzüglichen Lenker beraubt, ihre eigenen Truppen zertretend, stürzten sich, jeden erdenklichen Laut [ausstoßend], [umher].
Wort für Wort
dantinaś ca naraśreṣṭha vihīnā varasādibhiḥ
und Elefanten, o Bester der Männer, ihrer vorzüglichen Lenker beraubt (Nom.Pl. + Partikel + Vok. + Nom.Pl. + Instr.Pl.)
mṛdnantaḥ svāny anīkāni saṃpetuḥ sarvaśabdagāḥ
ihre eigenen Truppen zertretend, stürzten sich, jeden erdenklichen Laut [ausstoßend], umher (Nom.Pl.Part. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Pl.Perf. pat- + Nom.Pl.Bah.)
varmabhiś cāmaraiś chatraiḥ patākābhiś ca māriṣa kakṣyābhir atha tottraiś ca ghaṇṭābhis tomarais tathā viśīrṇair vipradhāvanto dṛśyante sma diśo daśa nagameghapratīkāśair jaladodayanisvanaiḥ
Mit Rüstungen, und Yak-Schweifwedeln, und Schirmen, und Fahnen, o Verehrungswürdiger, und mit Sattelgurten, und Stachelstöcken, und Glocken, und Lanzen, verstreut, wurden sie sichtbar, in die zehn Himmelsrichtungen davonlaufend, wie Berge oder Wolken aussehend, mit dem Getöse aufziehender Regenwolken.
Wort für Wort
varmabhiś cāmaraiś chatraiḥ patākābhiś ca māriṣa
mit Rüstungen, und Yak-Schweifwedeln, und Schirmen, und Fahnen, o Verehrungswürdiger (Instr.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Partikel + Vok.)
kakṣyābhir atha tottraiś ca ghaṇṭābhis tomarais tathā
und mit Sattelgurten, und Stachelstöcken, und Glocken, und Lanzen (Instr.Pl. + Adv. + Instr.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv.)
viśīrṇair vipradhāvanto dṛśyante sma diśo daśa
verstreut, davonlaufend, wurden sie sichtbar in die zehn Himmelsrichtungen (Instr.Pl. + Nom.Pl.Part. + 3.Pl.Präs.Pass. dṛś- + Partikel + Akk.Pl. + Akk.)
nagameghapratīkāśair jaladodayanisvanaiḥ
wie Berge oder Wolken aussehend, mit dem Getöse aufziehender Regenwolken (Instr.Pl.Bah. + Instr.Pl.Bah.)
Ebenso sahen wir, wie Elefantenreiter, ihrer Elefanten beraubt, im Gewühl deiner und ihrer [Truppen] umherliefen, o Herr der Völker. Und ich sah goldgeschmückte, aus verschiedenen Ländern stammende Pferde, wie der Wind dahinjagend, zu Hunderten und Tausenden.
Wort für Wort
tathaiva dantibhir hīnān gajārohān viśāṃ pate
ebenso Elefantenreiter, ihrer Elefanten beraubt, o Herr der Völker (Adv. + Instr.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Gen.Pl. + Vok.)
pradhāvanto 'nvapaśyāma tava teṣāṃ ca saṃkule
sahen wir umherlaufen im Gewühl deiner und ihrer [Truppen] (Nom.Pl.Part. + 1.Pl.Impf. dṛś- + Gen. + Gen.Pl. + Partikel + Lok.)
nānādeśasamutthāṃś ca turagān hemabhūṣitān
und goldgeschmückte, aus verschiedenen Ländern stammende Pferde (Akk.Pl.Bah. + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
vātāyamānān adrākṣaṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ
sah ich, wie der Wind dahinjagend, zu Hunderten und Tausenden (Akk.Pl.Part. + 1.Sg.Impf. dṛś- + Adv. + Partikel + Adv.)
aśvārohān hatair aśvair gṛhītāsīn samantataḥ dravamāṇān apaśyāma drāvyamāṇāṃś ca saṃyuge
Wir sahen Reiter, deren Pferde getötet waren, mit gezücktem Schwert nach allen Seiten, umherlaufend und in der Begegnung in die Flucht geschlagen.
Wort für Wort
aśvārohān hatair aśvair gṛhītāsīn samantataḥ
Reiter, deren Pferde getötet waren, mit gezücktem Schwert nach allen Seiten (Akk.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
dravamāṇān apaśyāma drāvyamāṇāṃś ca saṃyuge
sahen wir umherlaufen und in der Begegnung in die Flucht geschlagen (Akk.Pl.Part. + 1.Pl.Impf. dṛś- + Akk.Pl.Part. + Partikel + Lok.)
[Anm.: V.29a,c bildet eine Einheit. Der Apparatuseinschub 29d*0393_01/02 ("tato 'ntare mahārāja bhīmasenaḥ pratāpavān / cakāra sumahad yuddhaṃ mahāghoraṃ bhayānakam" – "da führte inzwischen, o Großkönig, der mächtige Bhīmasena eine sehr große, äußerst schreckliche, furchtbare Schlacht") wird ausgelassen; sein Inhalt entspricht dem in Kap.98 bereits ausführlich geschilderten Elefantenkampf.]
Ein Elefant, auf einen fliehenden Elefanten treffend, in der großen Schlacht, zog weiter, mit Wucht Fußsoldaten und ebenso Pferde zertretend. Und ebenso zermalmte ein Elefant im Kampf Wagen, o König; und ein Wagen, [auf sie] treffend, [zermalmte] ebenso Fußsoldaten und Pferde.
Wort für Wort
gajo gajaṃ samāsādya dravamāṇaṃ mahāraṇe
ein Elefant, auf einen fliehenden Elefanten treffend, in der großen Schlacht (Nom. + Akk. + Ger. + Akk. + Lok.)
yayau vimṛdnaṃs tarasā padātīn vājinas tathā
zog weiter, mit Wucht Fußsoldaten und ebenso Pferde zertretend (3.Sg.Perf. yā- + Nom.Part. + Instr. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
tathaiva ca rathān rājan saṃmamarda raṇe gajaḥ
und ebenso zermalmte ein Elefant im Kampf Wagen, o König (Adv. + Partikel + Akk.Pl. + Vok. + 3.Sg.Perf. mṛd- + Lok. + Nom.)
rathaś caiva samāsādya padātiṃ turagaṃ tathā
und ein Wagen, [auf sie] treffend, ebenso Fußsoldaten und Pferde (Nom. + Partikel + Ger. + Akk. + Akk. + Adv.)
[Anm.: V.30-31 bilden eine Einheit. Der Apparatuseinschub 30d*0394_01 ("aśvān aśvaiś ca saṃmardya rathaiś ca rathinas tathā" – "und Pferde mit Pferden zermalmend, und ebenso Wagenkämpfer mit Wagen") wird ausgelassen.]
vyamṛdnāt samare rājaṃs turagāṃś ca narān raṇe evaṃ te bahudhā rājan pramṛdnantaḥ parasparam
zermalmte im Kampf, o König, Pferde und Menschen in der Begegnung. So zermalmten sie sich, o König, auf vielfache Weise gegenseitig.
Wort für Wort
vyamṛdnāt samare rājaṃs turagāṃś ca narān raṇe
zermalmte im Kampf, o König, Pferde und Menschen in der Begegnung (3.Sg.Impf. mṛd- + Lok. + Vok. + Akk.Pl. + Partikel + Akk.Pl. + Lok.)
evaṃ te bahudhā rājan pramṛdnantaḥ parasparam
so zermalmten sie sich, o König, auf vielfache Weise gegenseitig (Adv. + Nom.Pl. + Adv. + Vok. + Nom.Pl.Part. + Akk.)
[Anm.: V.32a,c bildet eine Einheit. Der Apparatuseinschub 32d*0395_01 ("dṛśyante sma mahābāho tatra tatra mahābalāḥ" – "die Mächtigen wurden dort und dort gesehen, o Starkarmiger") wird ausgelassen.]
Als jene schreckliche, überaus furchterregende Schlacht so im Gange war, entstand ein schrecklicher Strom, mit Wellen aus Blut und Eingeweiden, mit Anhäufungen von Knochen als Sandbänken, mit Haaren als Moos und Wiesengras, mit Wagen als Teichen, mit Pfeilen als Strudeln, mit Pferden als Fischen, unnahbar,
Wort für Wort
tasmin raudre tathā yuddhe vartamāne mahābhaye
als jene schreckliche, überaus furchterregende Schlacht so im Gange war (Lok. + Lok. + Adv. + Lok. + Lok. + Lok.)
prāvartata nadī ghorā śoṇitāntrataraṅgiṇī
entstand ein schrecklicher Strom, mit Wellen aus Blut und Eingeweiden (3.Sg.Impf.Med. vṛt- + Nom. + Nom. + Nom.Bah.)
asthisaṃcayasaṃghāṭā keśaśaivalaśādvalā
mit Anhäufungen von Knochen als Sandbänken, mit Haaren als Moos und Wiesengras (Nom.Bah. + Nom.Bah.)
rathahradā śarāvartā hayamīnā durāsadā
mit Wagen als Teichen, mit Pfeilen als Strudeln, mit Pferden als Fischen, unnahbar (Nom.Bah. + Nom.Bah. + Nom.Bah. + Nom.)
[Anm.: V.33-34 bilden eine Einheit. Beginn der berühmten Blutstrom-Bildrede.]
übersät mit Köpfen als Steinen, gedrängt voll mit Elefanten als Krokodilen, reich an Schaum aus Rüstungen und Turbanen, mit Bögen als Inseln und Schwertern als Schildkröten, reich an Fahnen und Bannern als Bäumen, Sterbliche als Ufer fortreißend, angefüllt mit Scharen von Fleischfressern, das Reich Yamas anwachsen lassend.
Wort für Wort
śīrṣopalasamākīrṇā hastigrāhasamākulā
übersät mit Köpfen als Steinen, gedrängt voll mit Elefanten als Krokodilen (Nom. + Nom.)
kavacoṣṇīṣaphenāḍhyā dhanurdvīpāsikacchapā
reich an Schaum aus Rüstungen und Turbanen, mit Bögen als Inseln und Schwertern als Schildkröten (Nom.Bah. + Nom.Bah.)
patākādhvajavṛkṣāḍhyā martyakūlāpahāriṇī
reich an Fahnen und Bannern als Bäumen, Sterbliche als Ufer fortreißend (Nom.Bah. + Nom.)
kravyādasaṃghasaṃkīrṇā yamarāṣṭravivardhinī
angefüllt mit Scharen von Fleischfressern, das Reich Yamas anwachsen lassend (Nom. + Nom.)
[Anm.: V.35a,c-36 bilden eine Einheit; Fortsetzung der Blutstrom-Bildrede. Der Apparatuseinschub 35d*0396_01 ("śaṅkhacakraughasaṃpūrṇā chatrakūrmā rathoḍupā" – "voll von Massen von Muschelhörnern und Diskusscheiben, mit Schirmen als Schildkröten, mit Wagen als Flößen") wird ausgelassen.]
Jenen Strom überquerten viele heldenhafte Kṣatriyas, o König, mit Pferden, Elefanten und Wagen als Boote, indem sie in der großen Schlacht die Furcht ablegten. Er trug im Kampf die Furchtsamen fort, die von Ohnmacht überwältigt waren, so wie die Vaitaraṇī die Toten zur Stadt des Königs der Toten trägt.
Wort für Wort
tāṃ nadīṃ kṣatriyāḥ śūrā hayanāgarathaplavaiḥ
jenen Strom heldenhafte Kṣatriyas, mit Pferden, Elefanten und Wagen als Boote (Akk. + Akk. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
praterur bahavo rājan bhayaṃ tyaktvā mahāhave
überquerten viele, o König, indem sie in der großen Schlacht die Furcht ablegten (3.Pl.Perf. tṝ- + Nom.Pl. + Vok. + Akk. + Ger. + Lok.)
apovāha raṇe bhīrūn kaśmalenābhisaṃvṛtān
er trug im Kampf die Furchtsamen fort, die von Ohnmacht überwältigt waren (3.Sg.Impf. vah- + Lok. + Akk.Pl. + Instr.+Akk.Pl.)
yathā vaitaraṇī pretān pretarājapuraṃ prati
so wie die Vaitaraṇī die Toten zur Stadt des Königs der Toten trägt (Adv. + Nom. + Akk.Pl. + Akk. + Postp.)
[Anm.: V.37-38 bilden eine Einheit; Abschluss der Blutstrom-Bildrede mit dem Vergleich zum unterweltlichen Fluss Vaitaraṇī.]
Als er dann jene von allen Kriegern geäußerten Worte gehört hatte, sprach dein Sohn Duryodhana, der Übeltäter an der ganzen Welt, zu Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa und Śalya, o Bhārata: „Kämpft, ohne Überheblichkeit! Warum zögert ihr so lange?“
Wort für Wort
tā niśamya tadā vācaḥ sarvayodhair udāhṛtāḥ
als er dann jene von allen Kriegern geäußerten Worte gehört hatte (Akk.Pl. + Ger. + Adv. + Akk.Pl. + Instr.Pl. + Akk.Pl.)
āgaskṛt sarvalokasya putro duryodhanas tava
dein Sohn Duryodhana, der Übeltäter an der ganzen Welt (Nom. + Gen. + Nom. + Nom. + Gen.)
bhīṣmaṃ droṇaṃ kṛpaṃ caiva śalyaṃ covāca bhārata
sprach zu Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa und Śalya, o Bhārata (Akk. + Akk. + Akk. + Partikel + Akk. + Partikel + 3.Sg.Perf. vac- + Vok.)
yudhyadhvam anahaṃkārāḥ kiṃ ciraṃ kurutheti ca
'kämpft, ohne Überheblichkeit! Warum zögert ihr so lange?' (Impv.Med. yudh- + Nom.Pl.Bah. + Adv. + Adv. + 2.Pl.Präs. kṛ- + Partikel + Partikel)
[Anm.: V.42-43a,c bilden eine Einheit. CQ_OPEN eröffnet Duryodhanas kurze Ansprache; das Sanskrit-"iti" am Versende markiert selbst das Zitatende und wird nicht gesondert übersetzt. Der Apparatuseinschub 43d*0397_01 ("iti duryodhanotsṛṣṭāḥ sarve yuyudhire nṛpāḥ" – "so von Duryodhana angetrieben, kämpften alle Könige") wird ausgelassen.]
Da brach eine Schlacht zwischen den Kurus und den Pāṇḍavas los, o König, ein überaus schreckliches, durch das Würfelspiel verursachtes Verhängnis. Was du einst, obwohl von Großherzigen davon abgehalten, nicht unterbunden hast, o Sohn der Vicitravīrya – sieh nun diese seine Frucht von solcher Art.
Wort für Wort
tataḥ pravavṛte yuddhaṃ kurūṇāṃ pāṇḍavaiḥ saha
da brach eine Schlacht zwischen den Kurus und den Pāṇḍavas los (Adv. + 3.Sg.Impf.Med. vṛt- + Nom. + Gen.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)
akṣadyūtakṛtaṃ rājan sughoraṃ vaiśasaṃ tadā
ein überaus schreckliches, durch das Würfelspiel verursachtes Verhängnis, o König, damals (Nom. + Vok. + Nom. + Nom. + Adv.)
yat purā na nigṛhṇīṣe vāryamāṇo mahātmabhiḥ
was du einst, obwohl von Großherzigen davon abgehalten, nicht unterbunden hast (Akk. + Adv. + Neg. + 2.Sg.Präs.Med. grah- + Nom. + Instr.Pl.)
vaicitravīrya tasyedaṃ phalaṃ paśya tathāvidham
o Sohn der Vicitravīrya, sieh nun diese seine Frucht von solcher Art (Vok. + Gen.+Akk. + Akk. + Impv. dṛś- + Akk.)
na hi pāṇḍusutā rājan sasainyāḥ sapadānugāḥ rakṣanti samare prāṇān kauravā vā viśāṃ pate etasmāt kāraṇād ghoro vartate sma janakṣayaḥ daivād vā puruṣavyāghra tava cāpanayān nṛpa
Denn weder die Söhne des Pāṇḍu, o König, samt ihren Truppen und Gefolgsleuten, noch die Kauravas, o Herr der Völker, schonen im Kampf ihr Leben. Aus diesem Grund geschieht diese schreckliche Vernichtung der Menschen – sei es durch das Schicksal, o Tiger unter den Männern, oder durch dein eigenes Fehlverhalten, o König.
Wort für Wort
na hi pāṇḍusutā rājan sasainyāḥ sapadānugāḥ
denn weder die Söhne des Pāṇḍu, o König, samt ihren Truppen und Gefolgsleuten (Neg. + Partikel + Nom.Pl. + Vok. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah.)
rakṣanti samare prāṇān kauravā vā viśāṃ pate
noch die Kauravas schonen im Kampf ihr Leben, o Herr der Völker (3.Pl.Präs. rakṣ- + Lok. + Akk.Pl. + Nom.Pl. + Partikel + Gen.Pl. + Vok.)
etasmāt kāraṇād ghoro vartate sma janakṣayaḥ
aus diesem Grund geschieht diese schreckliche Vernichtung der Menschen (Abl. + Abl. + Nom. + 3.Sg.Präs.Med. vṛt- + Partikel + Nom.)
daivād vā puruṣavyāghra tava cāpanayān nṛpa
sei es durch das Schicksal, o Tiger unter den Männern, oder durch dein eigenes Fehlverhalten, o König (Abl. + Partikel + Vok. + Gen. + Partikel + Abl. + Vok.)
[Anm.: V.46-47 bilden eine Einheit; Kapitelende mit Saṃjayas abschließender Deutung. Der Apparatuseinschub 46b*0398_01/02/03 ("ayudhyanta mahāraṅge madhyaṃ prāpte divākare / sātyakiḥ kṛtavarmāṇaṃ viddhvā pañcabhir āyasaiḥ / nākampayata śaineyo satyavān satyakovidaḥ" – "sie kämpften im großen Kampfplatz, als die Sonne den Zenit erreicht hatte; Sātyaki, nachdem er Kṛtavarman mit fünf Eisenpfeilen durchbohrt hatte, der wahrhaftige, wahrheitskundige Sohn des Śini, brachte ihn nicht ins Wanken") wird ausgelassen. Kap.100 setzt mit "saṃjaya uvāca" fort.]