Kapitel 42: (ohne eigenen Kapiteltitel in der Quelle)
Dhṛtarāṣṭras Frage und der erste Zusammenprall der Heere
Dhṛtarāṣṭra unterbricht Saṃjayas seit Kap.14 (mit Unterbrechungen durch die gesamte Gītā hindurch) andauernden Bericht erstmals wieder mit einer echten neuen Frage: 'Wer schlug zuerst zu?' (V.1) - dies schließt die am Ende von Kap.41 V.104 bereits geschlossene SQ-Ebene endgültig ab und eröffnet mit Saṃjayas Antwort (V.2) eine neue SQ, die bis zum Kapitelende offen bleibt (Fortsetzung in Kap.43, wo 'saṃjaya uvāca' als reine Restatement-Formel ohne neuen Sprecherwechsel erscheint). Inhaltlich beschreibt Saṃjaya den ersten allgemeinen Zusammenprall beider Heere: Duryodhana stellt Bhīṣma an die Spitze, die Pāṇḍavas rücken mit Bhīmasena voran vor, ein gewaltiger Lärm von Muschelhörnern, Trommeln und Kampfgeschrei erhebt sich, Bhīmasenas Löwengebrüll übertönt alles und lässt sogar die gegnerischen Reittiere vor Schreck erzittern. Es folgt eine Aufzählung der Kaurava-Brüder und Pāṇḍava-Helden, die in den Kampf ziehen, ein allgemeines Kampfgetümmel ohne erkennbaren Vorteil einer Seite, und schließlich - am Kapitelende - der erste Hinweis auf Bhīṣmas alle anderen überstrahlende Kampfkraft, der den Übergang zu seinem Aristie-artigen Auftreten in den Folgekapiteln einleitet. Aus dem apparatus-Text ausgeschlossen: eine Invokationsstrophe vor V.1 ('bhagavān uvāca (sic)', Preisung Kṛṣṇas) sowie eine vierzeilige Einschubstrophe nach V.26 (beide mit '*' als Zusatzmaterial markiert) - konsistent mit der bereits bei Kap.41 etablierten Praxis, solche Apparat-Einschübe nicht in die nummerierten Verseinheiten aufzunehmen.
Kriegsgebrüll, kilakila-Laute, [?] sägeartige Schwirrgeräusche, Kuhhörner, [der Klang von] Kesselpauken, Mṛdaṅga- und Muraja-Trommeln, das Wiehern der Pferde und das Trompeten der Elefanten [erschollen].
Kesselpauken, Mṛdaṅga- und Muraja-Trommeln (Kompos. Nom. Pl.)
hayakuñjaranisvanāḥ
das Wiehern der Pferde und das Trompeten der Elefanten (Kompos. Nom. Pl.)
[?] 'krakacāḥ' wörtl. 'Sägen'; hier vermutlich lautmalerisch für ein sägeartiges Schwirr- oder Rasselgeräusch im Getümmel, nicht sicher zu bestimmen. Der Vers ist eine reine Aufzählung ohne eigenes Verb; 'erschollen' sinngemäß ergänzt.
Beim gewaltigen, hochauftosenden Zusammentreffen der Pāṇḍavas und Dhārtarāṣṭras erzitterten die großen Heerscharen von den Klängen der Muschelhörner und Mṛdaṅga-Trommeln, wie vom Wind erschütterte Wälder.
Wort für Wort
mahānty anīkāni
die großen Heerscharen (Adj. Nom. Pl.+Subst. Nom. Pl.)
mahāsamucchraye samāgame pāṇḍavadhārtarāṣṭrayoḥ
beim gewaltigen, hochauftosenden Zusammentreffen der Pāṇḍavas und Dhārtarāṣṭras (Kompos. Lok.+Subst. Lok.+Kompos. Gen. Dual)
cakampire śaṅkhamṛdaṅganisvanaiḥ
erzitterten von den Klängen der Muschelhörner und Mṛdaṅga-Trommeln (Verb Perf. 3. Pl. Ātm.+Kompos. Instr. Pl.)
prakampitānīva vanāni vāyunā
wie vom Wind erschütterte Wälder (Part.Perf.Pass. Nom. Pl.+Partikel+Subst. Nom. Pl.+Subst. Instr.)
Der von Fürsten, Elefanten, Pferden und Wagen wimmelnden, in unheilvoller Stunde heranrückenden Heere erhob sich ein tumultartiges Getöse, wie von Wind aufgewühlter Meere.
Wort für Wort
narendranāgāśvarathākulānām
der von Fürsten, Elefanten, Pferden und Wagen wimmelnden (Kompos. Gen. Pl. f.)
abhyāyatīnām aśive muhūrte
der in unheilvoller Stunde heranrückenden (Part.Präs. Gen. Pl. f.+Adj. Lok.+Subst. Lok.)
babhūva ghoṣas tumulaś camūnāṃ
erhob sich ein tumultartiges Getöse der Heere (Verb Perf. 3. Sg.+Subst. Nom.+Adj. Nom.+Subst. Gen. Pl.)
vātoddhutānām iva sāgarāṇām
wie von Wind aufgewühlter Meere (Kompos. Gen. Pl.+Partikel+Subst. Gen. Pl.)
tam āyāntaṃ maheṣvāsaṃ sodaryāḥ paryavārayan chādayantaḥ śaravrātair meghā iva divākaram
Den herankommenden großen Bogenschützen umringten die leiblichen Brüder [Duryodhanas], ihn mit einer Flut von Pfeilen verdeckend, wie Wolken die Sonne.
Wort für Wort
tam āyāntaṃ maheṣvāsaṃ
den herankommenden großen Bogenschützen (Pron. Akk.+Part.Präs. Akk.+Kompos. Akk.)
sodaryāḥ paryavārayan
die leiblichen Brüder umringten ihn (Subst. Nom. Pl.+Verb Impf. 3. Pl.)
chādayantaḥ śaravrātair
mit einer Flut von Pfeilen verdeckend (Part.Präs. Nom. Pl.+Kompos. Instr.)
meghā iva divākaram
wie Wolken die Sonne (Subst. Nom. Pl.+Partikel+Subst. Akk.)
und Duḥśāsana, der große Wagenkämpfer (Eigenn. Nom.+Partikel+Subst. Nom.)
tathā durmarṣaṇo nṛpa
und ebenso Durmarṣaṇa, o Fürst (Partikel+Eigenn. Nom.+Subst. Vok.)
[?] 'atirathaḥ' hier als Epitheton zu Duḥśāsana gedeutet ('der große Wagenkämpfer'); eine Lesung als eigener achter Name ('und Atiratha') ist wegen des verbindenden 'ca' nicht auszuschließen.
atha tān draupadīputrāḥ saubhadraś ca mahārathaḥ nakulaḥ sahadevaś ca dhṛṣṭadyumnaś ca pārṣataḥ
Darauf [griffen] sie [an]: die Söhne der Draupadī, und der große Wagenkämpfer Saubhadra [Abhimanyu], Nakula und Sahadeva, und Dhṛṣṭadyumna, der Nachkomme des Pṛṣata.
Wort für Wort
atha tān draupadīputrāḥ
darauf sie: die Söhne der Draupadī (Adv.+Pron. Akk.+Kompos. Nom. Pl.)
saubhadraś ca mahārathaḥ
und der große Wagenkämpfer Saubhadra (Eigenn. Nom.+Partikel+Subst. Nom.)
nakulaḥ sahadevaś ca
Nakula und Sahadeva (Eigenn. Nom.+Eigenn. Nom.+Partikel)
dhṛṣṭadyumnaś ca pārṣataḥ
und Dhṛṣṭadyumna, der Nachkomme des Pṛṣata (Eigenn. Nom.+Partikel+Kompos. Nom.)
[Sie] zogen den Dhārtarāṣṭras entgegen, sie mit scharfen Pfeilen versehrend, wie mit gewaltig schnellen Donnerkeilen die Gipfel der Berge [zerschmettert werden].
Wort für Wort
dhārtarāṣṭrān pratiyayur
zogen den Dhārtarāṣṭras entgegen (Kompos. Akk. Pl.+Verb Impf. 3. Pl.)
tasmin prathamasaṃmarde bhīmajyātalanisvane tāvakānāṃ pareṣāṃ ca nāsīt kaś cit parāṅmukhaḥ
In jenem ersten Zusammenprall, beim furchtbaren Klatschen der Bogensehnen gegen die Handflächen, war weder unter den Deinigen noch unter den Gegnern irgendeiner, der sich abwandte.
Wort für Wort
tasmin prathamasaṃmarde
in jenem ersten Zusammenprall (Pron. Lok.+Kompos. Lok.)
bhīmajyātalanisvane
beim furchtbaren Klatschen der Bogensehnen gegen die Handflächen (Kompos. Lok.)
tāvakānāṃ pareṣāṃ ca
unter den Deinigen und den Gegnern (Adj. Gen. Pl.+Adj. Gen. Pl.+Partikel)
nāsīt kaś cit parāṅmukhaḥ
war niemand, der sich abwandte (Verb Impf.+Pron. Nom.+Partikel+Adj. Nom.)
kurupāṇḍavasene te hastyaśvarathasaṃkule śuśubhāte raṇe 'tīva paṭe citragate iva
Die beiden im Kampf mit Elefanten, Pferden und Wagen wimmelnden Heere der Kurus und Pāṇḍavas erstrahlten überaus, wie auf einem bunten Gemälde dargestellt.
Wort für Wort
kurupāṇḍavasene te
die beiden Heere der Kurus und Pāṇḍavas (Kompos. Nom. Dual+Pron. Nom. Dual)
hastyaśvarathasaṃkule raṇe
im mit Elefanten, Pferden und Wagen wimmelnden Kampf (Kompos. Lok.+Subst. Lok.)
tasmiṃs tu tumule yuddhe vartamāne mahābhaye ati sarvāṇy anīkāni pitā te 'bhivyarocata
Doch während jener tumultartige, höchst gefährliche Kampf im Gange war, überstrahlte [Anm.] dein Vater alle Heerscharen.
Wort für Wort
tasmiṃs tu tumule yuddhe
doch während jener tumultartige Kampf (Pron. Lok.+Partikel+Adj. Lok.+Subst. Lok.)
vartamāne mahābhaye
im Gange war, höchst gefährlich (Part.Präs. Lok.+Kompos. Lok.)
ati sarvāṇy anīkāni
über alle Heerscharen hinaus (Präf./Adv.+Pron. Akk. Pl.+Subst. Akk. Pl.)
pitā te 'bhivyarocata
überstrahlte dein Vater (Subst. Nom.+Pron. Gen.+Verb Impf. 3. Sg. Ätm.)
[Anm.: 'pitā te' - 'dein Vater': gemeint ist Bhīṣma, der zuvor (V.2) an die Spitze des Heeres gestellt wurde; er ist Dhṛtarāṣṭras Großonkel, nicht leiblicher Vater - 'Vater' hier wohl ehrenhalber gebraucht, wie andernorts 'Großvater' (pitāmaha) als Bhīṣma-Titel.]