Kapitel 61: dhṛtarāṣṭrapraśno duryodhanabhīṣmasaṃvādaś ca brahmavāsudevastavaś ca
Dhṛtarāṣṭras Furcht und Frage, Duryodhanas nächtliches Gespräch mit Bhīṣma und Brahmās Hymnus an Vāsudeva
Kap.61 umfasst 70 Verse: Dhṛtarāṣṭras Frage nach dem Grund der pāṇḍavischen Unbesiegbarkeit (V.1-13, SQ_OPEN/SQ_CLOSE), Saṃjayas Antwort, dass Dharma der Grund sei (V.14ff., SQ_OPEN, bleibt offen), die Erzählung von Duryodhanas nächtlichem Besuch bei Bhīṣma, Duryodhanas Rede (V.28-31, CQ_OPEN/CQ_CLOSE) und Bhīṣmas Antwort (V.32ff., CQ_OPEN, bleibt offen), in die Bhīṣma schließlich ein uraltes purāṇisches Lied einbettet: die Erzählung von Brahmās Hymnus an Vāsudeva/Kṛṣṇa am Berg Gandhamādana (V.36-70), in dem Brahmā um Kṛṣṇas irdische Inkarnation zur Aufrichtung des Dharma bittet. Da dieser Hymnus eine dritte Zitatebene innerhalb von Bhīṣmas bereits offener Rede darstellt, wird er durchgehend als indirekte/berichtete Rede wiedergegeben (ohne eigenen CQ-Marker), gemäß der in früheren Kapiteln etablierten Konvention. Marker-Bilanz: SQ_OPEN=2, SQ_CLOSE=1, CQ_OPEN=2, CQ_CLOSE=1 (Saṃjayas zweite SQ und Bhīṣmas zweite CQ bleiben über die Kapitelgrenze hinaus offen, da Kap.62 erneut mit 'bhīṣma uvāca' fortsetzt, ohne neue Dhṛtarāṣṭra-Frage). Apparat-Ausschlüsse: V.42d*0257_01-03 (3 Zeilen), V.67b*0258_01-02 (2 Zeilen), V.69d*0259_01 (1 Zeile).
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚ Große Furcht ist in mir entstanden, und auch Staunen, o Saṃjaya, als ich von der selbst für Götter überaus schwer vollbringbaren Tat der Söhne des Pāṇḍu hörte.
Wort für Wort
bhayaṃ me sumahaj jātaṃ vismayaś caiva saṃjaya
große Furcht ist in mir entstanden, und auch Staunen, o Saṃjaya (Nom. + Gen. + Nom. + Perf. + Nom. + Vok.)
śrutvā pāṇḍukumārāṇāṃ karma devaiḥ suduṣkaram
als ich von der selbst für Götter überaus schwer vollbringbaren Tat der Söhne des Pāṇḍu hörte (Abs. + Gen. + Akk. + Instr. + Akk.)
[Anm.: Dhṛtarāṣṭra stellt eine neue, echte Frage - SQ_OPEN, da Kap.60 V.79 mit SQ_CLOSE endete.]
kenāvadhyā mahātmānaḥ pāṇḍuputrā mahābalāḥ kena dattavarās tāta kiṃ vā jñānaṃ vidanti te yena kṣayaṃ na gacchanti divi tārāgaṇā iva
Wodurch sind die hochgesinnten, mächtigen Söhne des Pāṇḍu unbezwingbar? Von wem haben sie Gaben erhalten, o Lieber, oder welches Wissen besitzen sie, durch das sie nicht dem Untergang verfallen, wie die Sternenscharen am Himmel?
Wort für Wort
kenāvadhyā mahātmānaḥ pāṇḍuputrā mahābalāḥ
wodurch sind die hochgesinnten, mächtigen Söhne des Pāṇḍu unbezwingbar? (Instr. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
kena dattavarās tāta kiṃ vā jñānaṃ vidanti te yena kṣayaṃ na gacchanti divi tārāgaṇā iva
von wem haben sie Gaben erhalten, o Lieber, oder welches Wissen besitzen sie, durch das sie nicht dem Untergang verfallen, wie die Sternenscharen am Himmel? (Instr. + Nom. + Vok. + Akk. + Akk. + Präs. + Nom. + Instr. + Akk. + Neg. + Präs. + Lok. + Nom. + Vergleich)
drauṇir vāpi maheṣvāso vikarṇo vā mahābalaḥ niścayo vāpi kas teṣāṃ tadā hy āsīn mahātmanām vimukheṣu mahāprājña mama putreṣu saṃjaya
oder auch Droṇis Sohn, der große Bogenschütze, oder Vikarṇa, der Mächtige - oder was auch der Entschluss jener Hochgesinnten damals war, als meine Söhne zurückgewichen waren, o Weiser, o Saṃjaya. ‘
Wort für Wort
drauṇir vāpi maheṣvāso vikarṇo vā mahābalaḥ
oder auch Droṇis Sohn, der große Bogenschütze, oder Vikarṇa, der Mächtige (Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
niścayo vāpi kas teṣāṃ tadā hy āsīn mahātmanām vimukheṣu mahāprājña mama putreṣu saṃjaya
oder was auch der Entschluss jener Hochgesinnten damals war, als meine Söhne zurückgewichen waren, o Weiser, o Saṃjaya (Nom. + Nom. + Gen. + Adv. + Impf. + Gen. + Lok. + Vok. + Gen. + Lok. + Vok.)
Saṃjaya sprach: ‚ Höre, o König, aufmerksam, und wenn du gehört hast, erfasse es wohl: Weder ist es irgendein Zauberspruch noch eine derartige Zaubermacht,
Wort für Wort
śṛṇu rājann avahitaḥ śrutvā caivāvadhāraya
höre, o König, aufmerksam, und wenn du gehört hast, erfasse es wohl (Imp. + Vok. + Nom. + Abs. + Imp.)
naiva mantrakṛtaṃ kiṃ cin naiva māyāṃ tathāvidhām
weder ist es irgendein Zauberspruch, noch eine derartige Zaubermacht (Neg. + Nom. + Nom. + Neg. + Akk. + Akk.)
niṣṭhurā hīnakarmāṇas tena hīyanti saṃyuge subahūni nṛśaṃsāni putrais tava janeśvara
grausam und von niederträchtiger Handlungsweise; darum unterliegen sie im Kampf. Sehr viele grausame Taten, o Herr der Menschen, wurden von deinen Söhnen
Wort für Wort
niṣṭhurā hīnakarmāṇas tena hīyanti saṃyuge
grausam und von niederträchtiger Handlungsweise; darum unterliegen sie im Kampf (Nom. + Nom. + Adv. + Präs. + Lok.)
subahūni nṛśaṃsāni putrais tava janeśvara
sehr viele grausame Taten von deinen Söhnen, o Herr der Menschen (Akk. + Akk. + Instr. + Gen. + Vok.)
tasya pāpasya satataṃ kriyamāṇasya karmaṇaḥ saṃprāptaṃ sumahad ghoraṃ phalaṃ kiṃpākasaṃnibham sa tad bhuṅkṣva mahārāja saputraḥ sasuhṛjjanaḥ
Von jener beständig begangenen sündigen Tat ist nun die überaus gewaltige, schreckliche Frucht erlangt worden, der Kiṃpāka-Frucht gleich; die genieße nun, o Großkönig, samt deinen Söhnen und Freunden.
Wort für Wort
tasya pāpasya satataṃ kriyamāṇasya karmaṇaḥ
von jener beständig begangenen sündigen Tat (Gen. + Gen. + Adv. + Gen. Ptz. + Gen.)
saṃprāptaṃ sumahad ghoraṃ phalaṃ kiṃpākasaṃnibham sa tad bhuṅkṣva mahārāja saputraḥ sasuhṛjjanaḥ
ist die überaus gewaltige, schreckliche Frucht erlangt worden, der Kiṃpāka-Frucht gleich; die genieße, o Großkönig, samt Söhnen und Freunden (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Akk. + Imp. + Vok. + Nom. + Nom.)
tathā mayā cāpy asakṛd vāryamāṇo na gṛhṇasi vākyaṃ hitaṃ ca pathyaṃ ca martyaḥ pathyam ivauṣadham putrāṇāṃ matam āsthāya jitān manyasi pāṇḍavān
und ebenso von mir wiederholt zurückgehalten, das heilsame, zuträgliche Wort nicht annimmst, wie ein Sterblicher die zuträgliche Arznei nicht annimmt, sondern der Meinung deiner Söhne folgend die Pāṇḍavas für besiegt hältst -
Wort für Wort
tathā mayā cāpy asakṛd vāryamāṇo na gṛhṇasi
und ebenso, von mir wiederholt zurückgehalten, nimmst du nicht an (Adv. + Instr. + Adv. + Nom. Ptz. + Neg. + Präs.)
vākyaṃ hitaṃ ca pathyaṃ ca martyaḥ pathyam ivauṣadham putrāṇāṃ matam āsthāya jitān manyasi pāṇḍavān
das heilsame, zuträgliche Wort, wie ein Sterblicher die zuträgliche Arznei nicht annimmt, sondern der Meinung deiner Söhne folgend die Pāṇḍavas für besiegt hältst (Akk. + Akk. + Akk. + Nom. + Akk. + Vergleich + Akk. + Gen. + Akk. + Abs. + Akk. + Präs. + Akk.)
śṛṇu bhūyo yathātattvaṃ yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi kāraṇaṃ bharataśreṣṭha pāṇḍavānāṃ jayaṃ prati tat te 'haṃ kathayiṣyāmi yathāśrutam ariṃdama
Höre nun erneut wahrheitsgemäß, wonach du mich fragst - den Grund, o Bester der Bharatas, für den Sieg der Pāṇḍavas; das werde ich dir erzählen, so wie ich es gehört habe, o Feindebezwinger.
Wort für Wort
śṛṇu bhūyo yathātattvaṃ yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi
höre nun erneut wahrheitsgemäß, wonach du mich fragst (Imp. + Adv. + Adv. + Rel. + Akk. + Nom. + Präs.)
kāraṇaṃ bharataśreṣṭha pāṇḍavānāṃ jayaṃ prati tat te 'haṃ kathayiṣyāmi yathāśrutam ariṃdama
den Grund, o Bester der Bharatas, für den Sieg der Pāṇḍavas; das werde ich dir erzählen, so wie ich es gehört habe, o Feindebezwinger (Akk. + Vok. + Gen. + Akk. + Präp. + Akk. + Gen. + Nom. + Fut. + Adv. + Vok.)
Von Duryodhana wurde der Großvater nach eben diesem Sachverhalt befragt, nachdem jener alle seine Brüder, die großen Wagenkämpfer, im Kampf besiegt gesehen hatte,
Wort für Wort
duryodhanena saṃpṛṣṭa etam arthaṃ pitāmahaḥ
von Duryodhana wurde der Großvater nach eben diesem Sachverhalt befragt (Instr. + Nom. + Akk. + Akk. + Nom.)
dṛṣṭvā bhrātṝn raṇe sarvān nirjitān sumahārathān
nachdem jener alle seine Brüder, die großen Wagenkämpfer, im Kampf besiegt gesehen hatte (Abs. + Akk. + Lok. + Akk. + Akk. + Akk.)
śokasaṃmūḍhahṛdayo niśākāle sma kauravaḥ pitāmahaṃ mahāprājñaṃ vinayenopagamya ha yad abravīt sutas te 'sau tan me śṛṇu janeśvara
der Kaurava, dessen Herz von Kummer verwirrt war, trat zur Nachtzeit demütig vor den überaus weisen Großvater; was dein Sohn da sprach, das höre von mir, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
śokasaṃmūḍhahṛdayo niśākāle sma kauravaḥ
der Kaurava, dessen Herz von Kummer verwirrt war, zur Nachtzeit (Nom. Bahuvrīhi + Lok. + Part. + Nom.)
pitāmahaṃ mahāprājñaṃ vinayenopagamya ha yad abravīt sutas te 'sau tan me śṛṇu janeśvara
trat demütig vor den überaus weisen Großvater; was dein Sohn da sprach, das höre von mir, o Herr der Menschen (Akk. + Akk. + Instr. + Abs. + Part. + Rel. + Impf. + Nom. + Gen. + Nom. + Akk. + Gen. + Imp. + Vok.)
bhūriśravā vikarṇaś ca bhagadattaś ca vīryavān mahārathāḥ samākhyātāḥ kulaputrās tanutyajaḥ
Bhūriśravas und Vikarṇa und der tapfere Bhagadatta - ihr alle werdet als große Wagenkämpfer bezeichnet, Söhne edlen Geschlechts, bereit, euer Leben hinzugeben.
Wort für Wort
bhūriśravā vikarṇaś ca bhagadattaś ca vīryavān
Bhūriśravas und Vikarṇa und der tapfere Bhagadatta (Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
mahārathāḥ samākhyātāḥ kulaputrās tanutyajaḥ
werdet als große Wagenkämpfer bezeichnet, Söhne edlen Geschlechts, bereit, euer Leben hinzugeben (Nom. + Nom. Pass. Ptz. + Nom. + Nom.)
śṛṇu rājan vaco mahyaṃ yat tvāṃ vakṣyāmi kaurava bahuśaś ca mamokto 'si na ca me tattvayā kṛtam
Bhīṣma sprach: „ Höre, o König, meine Worte, die ich dir sagen werde, o Kaurava; oftmals bist du schon von mir angesprochen worden, doch hast du es nicht wahrhaft befolgt.
Wort für Wort
śṛṇu rājan vaco mahyaṃ yat tvāṃ vakṣyāmi kaurava
höre, o König, meine Worte, die ich dir sagen werde, o Kaurava (Imp. + Vok. + Akk. + Dat. + Rel. + Akk. + Fut. + Vok.)
bahuśaś ca mamokto 'si na ca me tattvayā kṛtam
oftmals bist du schon von mir angesprochen worden, doch hast du es nicht wahrhaft befolgt (Adv. + Nom. + Präs. + Neg. + Gen. + Instr. + Nom.)
yathāvac ca tam abhyarcya brahmā brahmavidāṃ varaḥ jagāda jagataḥ sraṣṭā paraṃ paramadharmavit
Und nachdem er ihn gebührend verehrt hatte, sprach Brahmā, der Beste der Kenner des Brahman, der Schöpfer der Welt, der höchste Kenner des höchsten Dharma:
Wort für Wort
yathāvac ca tam abhyarcya brahmā brahmavidāṃ varaḥ
und nachdem er ihn gebührend verehrt hatte, [sprach] Brahmā, der Beste der Kenner des Brahman (Adv. + Abs. + Akk. + Nom. + Gen. + Nom.)
jagāda jagataḥ sraṣṭā paraṃ paramadharmavit
der Schöpfer der Welt, der höchste Kenner des höchsten Dharma (Perf. + Gen. + Nom. + Nom. + Nom.)
[Anm.: Dritte Zitatebene - ab hier folgt Brahmās Hymnus an Vāsudeva/Kṛṣṇa (V.42-70). Gemäß der etablierten Regel für eine dritte Einbettungsebene wird dieser durchgehend als indirekte/berichtete Rede im Deutschen wiedergegeben (er/ihn/sein statt direkter Anrede du/dich/dein), ohne weiteren Anführungszeichen-Marker - er bleibt grammatisch Teil von Bhīṣmas bereits offener CQ-Rede.]
Er sei Viśvāvasu, Viśvamūrti, Viśveśa, Viṣvaksena, Viśvakarman, der Selbstbeherrschte, Viśveśvara, Vāsudeva - deshalb nahe er sich ihm, der Gottheit, deren Wesen der Yoga sei, als seinem Gott.
Wort für Wort
viśvāvasur viśvamūrtir viśveśo viṣvakseno viśvakarmā vaśī ca
er sei Viśvāvasu, Viśvamūrti, Viśveśa, Viṣvaksena, Viśvakarman, der Selbstbeherrschte (Nom.-Epitheta-Reihe)
Viśveśvara, Vāsudeva - deshalb nahe er sich ihm, der Gottheit, deren Wesen der Yoga sei, als seinem Gott (Nom. + Nom. + Präs. + Adv. + Akk. + Akk. + Akk. + Präs.)
Er pries ihn als den All-Gott, den großen Gott, als den am Weltenwohl Erfreuten, als Herrn der Yogins, als Gebieter, als das Höchste und Fernste des Yoga.
Wort für Wort
jaya viśva mahādeva jaya lokahite rata
sei gepriesen - er pries ihn als den All-Gott, den großen Gott, den am Weltenwohl Erfreuten (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
jaya yogīśvara vibho jaya yogaparāvara
als Herrn der Yogins, als Gebieter, als das Höchste und Fernste des Yoga (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
Er pries ihn als den Lotusgeborenen, den Großäugigen, den Herrn der Herren der Welt, als Gebieter über das, was war, ist und sein wird, als [?] 'Sohn des Sohnes des Milden' (saumyātmajātmaja, Lesung/Bedeutung unsicher).
Wort für Wort
padmagarbha viśālākṣa jaya lokeśvareśvara
der Lotusgeborene, der Großäugige, der Herr der Herren der Welt (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
bhūtabhavyabhavan nātha jaya saumyātmajātmaja
der Gebieter über das, was war, ist und sein wird, [?] 'Sohn des Sohnes des Milden' (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben; saumyātmajātmaja unsicher)
[Anm.: saumyātmajātmaja - obskures Epitheton, Lesung und genaue Bedeutung unsicher, mit [?] markiert.]
Er pries ihn als den mit unzähligen Eigenschaften Versehenen, den Unbesiegbaren, aller höchstes Ziel, als Nārāyaṇa, den schwer zu Ergründenden, den Träger des Śārṅga-Bogens.
Wort für Wort
asaṃkhyeyaguṇājeya jaya sarvaparāyaṇa
der mit unzähligen Eigenschaften Versehene, der Unbesiegbare, aller höchstes Ziel (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
nārāyaṇa suduṣpāra jaya śārṅgadhanurdhara
Nārāyaṇa, der schwer zu Ergründende, der Träger des Śārṅga-Bogens (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als den mit allen geheimen Eigenschaften Ausgestatteten, den Allgestaltigen, den Makellosen, den Herrn des Alls, den Starkarmigen, den dem Weltenwohl Ergebenen.
Wort für Wort
sarvaguhyaguṇopeta viśvamūrte nirāmaya
der mit allen geheimen Eigenschaften Ausgestattete, der Allgestaltige, der Makellose (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
viśveśvara mahābāho jaya lokārthatatpara
der Herr des Alls, der Starkarmige, der dem Weltenwohl Ergebene (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als die große Schlange, den Eber am Anfang, den Falbhaarigen, den Gebieter, den in Hari Wohnenden, den Herrn der Völker, den in allem Wohnenden, den Unermesslichen, Unvergänglichen.
Wort für Wort
mahoraga varāhādya harikeśa vibho jaya
die große Schlange, der Eber am Anfang, der Falbhaarige, der Gebieter (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
harivāsa viśāmīśa viśvāvāsāmitāvyaya
der in Hari Wohnende, der Herr der Völker, der in allem Wohnende, der Unermessliche, Unvergängliche (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als den im Offenbaren und Unoffenbaren unermesslich Verweilenden, mit gebändigten und doch vorhandenen Sinnen, als den Kenner der unzähligen Wesenszustände seiner selbst, den Tiefgründigen, den Wunscherfüller.
Wort für Wort
vyaktāvyaktāmitasthāna niyatendriya sendriya
der im Offenbaren und Unoffenbaren unermesslich Verweilende, mit gebändigten und doch vorhandenen Sinnen (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
asaṃkhyeyātmabhāvajña jaya gambhīra kāmada
der Kenner der unzähligen Wesenszustände seiner selbst, der Tiefgründige, der Wunscherfüller (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als den Endlosen, den an Einsicht Erkannten, den ewig die Wesen Hervorbringenden, den, dessen Werk vollbracht und dessen Einsicht vollendet ist, den Kenner des Dharma, den Sieger, den Unbesiegten.
Wort für Wort
ananta viditaprajña nityaṃ bhūtavibhāvana
der Endlose, der an Einsicht Erkannte, der ewig die Wesen Hervorbringende (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
kṛtakārya kṛtaprajña dharmajña vijayājaya
der, dessen Werk vollbracht und dessen Einsicht vollendet ist, der Kenner des Dharma, der Sieger, der Unbesiegte (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als den, dessen Wesen im Geheimen liegt, das Selbst aller Wesen, dessen Entstehen ein offenkundiges ist, die Wahrheit vom Wesen der Dinge, den Herrn der Welt, den die Wesen Hervorbringenden.
Wort für Wort
guhyātman sarvabhūtātman sphuṭasaṃbhūtasaṃbhava
der, dessen Wesen im Geheimen liegt, das Selbst aller Wesen, dessen Entstehen ein offenkundiges ist (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
bhūtārthatattva lokeśa jaya bhūtavibhāvana
die Wahrheit vom Wesen der Dinge, der Herr der Welt, der die Wesen Hervorbringende (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als den aus sich selbst Geborenen, den Hochgesegneten, den auf die Zusammenziehung des Weltzeitalters Bedachten, den Hervorbringenden, den aus dem Geist Hervorgegangenen, den den Brahmanen Lieben.
Wort für Wort
ātmayone mahābhāga kalpasaṃkṣepatatpara
der aus sich selbst Geborene, der Hochgesegnete, der auf die Zusammenziehung des Weltzeitalters Bedachte (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
udbhāvana manodbhāva jaya brahmajanapriya
der Hervorbringende, der aus dem Geist Hervorgegangene, der den Brahmanen Liebe (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
als den an der natürlichen Schöpfung Erfreuten, den Herrn der Wünsche, den höchsten Gebieter, den aus der Unsterblichkeit Entstandenen, den wahrhaft Seienden, das Feuer der Weltzeitalter, den Sieg-Verleihenden.
Wort für Wort
nisargasargābhirata kāmeśa parameśvara
der an der natürlichen Schöpfung Erfreute, der Herr der Wünsche, der höchste Gebieter (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
amṛtodbhava sadbhāva yugāgne vijayaprada
der aus der Unsterblichkeit Entstandene, der wahrhaft Seiende, das Feuer der Weltzeitalter, der Sieg-Verleihende (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
prajāpatipate deva padmanābha mahābala ātmabhūta mahābhūta karmātmañ jaya karmada
als den Herrn der Herren der Geschöpfe, den Gott, den Lotusnabeligen, den Gewaltigen, den aus sich selbst Gewordenen, das große Wesen, dessen Wesen die Tat sei, den Verleiher der Tat.
Wort für Wort
prajāpatipate deva padmanābha mahābala
der Herr der Herren der Geschöpfe, der Gott, der Lotusnabelige, der Gewaltige (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
ātmabhūta mahābhūta karmātmañ jaya karmada
der aus sich selbst Gewordene, das große Wesen, dessen Wesen die Tat ist, der Verleiher der Tat (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
pādau tava dharā devī diśo bāhur divaṃ śiraḥ mūrtis te 'haṃ surāḥ kāyaś candrādityau ca cakṣuṣī
Seine Füße seien die Göttin Erde, die Himmelsrichtungen sein Arm, der Himmel sein Haupt; seine Gestalt sei er, Brahmā, selbst, die Götter sein Körper, Mond und Sonne seine Augen.
Wort für Wort
pādau tava dharā devī diśo bāhur divaṃ śiraḥ
seine Füße seien die Göttin Erde, die Himmelsrichtungen sein Arm, der Himmel sein Haupt (Nom. Du. + Gen. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
mūrtis te 'haṃ surāḥ kāyaś candrādityau ca cakṣuṣī
seine Gestalt sei er, Brahmā, selbst, die Götter sein Körper, Mond und Sonne seine Augen (Nom. + Gen. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. Du.)
balaṃ tapaś ca satyaṃ ca dharmaḥ kāmātmajaḥ prabho tejo 'gniḥ pavanaḥ śvāsa āpas te svedasaṃbhavāḥ
Kraft, Askese und Wahrheit seien sein, Dharma und Kāma [?, kāmātmajaḥ - Lesung unsicher] seine Söhne, Gebieter; sein Glanz sei das Feuer, sein Atem der Wind, die Wasser seien aus seinem Schweiß entstanden.
Wort für Wort
balaṃ tapaś ca satyaṃ ca dharmaḥ kāmātmajaḥ prabho
Kraft, Askese und Wahrheit seien sein, Dharma und Kāma [?] seine Söhne, Gebieter (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Vok.)
tejo 'gniḥ pavanaḥ śvāsa āpas te svedasaṃbhavāḥ
sein Glanz sei das Feuer, sein Atem der Wind, die Wasser seien aus seinem Schweiß entstanden (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Gen. + Nom.)
[Anm.: kāmātmajaḥ - Lesung unsicher; hier vorläufig als 'Kāma [ist sein] Sohn' bzw. Bezug auf Dharma und Kāma als Söhne gedeutet, mit [?] markiert.]
Die Aśvins seien stets seine Ohren, die Göttin Sarasvatī seine Zunge; die Veden gründeten in ihm auf rechtem Vollzug, und auf ihm beruhe diese ganze Welt.
Wort für Wort
aśvinau śravaṇau nityaṃ devī jihvā sarasvatī
die Aśvins seien stets seine Ohren, die Göttin Sarasvatī seine Zunge (Nom. Du. + Nom. Du. + Adv. + Nom. + Nom. + Nom.)
vedāḥ saṃskāraniṣṭhā hi tvayīdaṃ jagad āśritam
die Veden gründeten in ihm auf rechtem Vollzug, und auf ihm beruhe diese Welt (Nom. + Nom. + Partikel + Lok. + Nom. + Nom.)
na saṃkhyāṃ na parīmāṇaṃ na tejo na parākramam na balaṃ yogayogīśa jānīmas te na saṃbhavam
Weder seine Zahl noch sein Maß, weder seinen Glanz noch seine Kraftentfaltung, weder seine Stärke, ihn, den Herrn des Yoga und der Yogins, noch seinen Ursprung kenne man.
Wort für Wort
na saṃkhyāṃ na parīmāṇaṃ na tejo na parākramam
weder seine Zahl noch sein Maß, weder seinen Glanz noch seine Kraftentfaltung (Neg. + Akk. + Neg. + Akk. + Neg. + Akk. + Neg. + Akk.)
na balaṃ yogayogīśa jānīmas te na saṃbhavam
weder seine Stärke, ihn, den Herrn des Yoga und der Yogins, noch seinen Ursprung kenne man (Neg. + Akk. + Vok. + Präs. + Gen. + Neg. + Akk.)
all dies und mehr, von ihm [Brahmā] auf der Erde geschaffen, sei aus dessen Gnade entstanden - aus der Gnade dessen, den man als Lotusnabeligen, Großäugigen, Kṛṣṇa, Vertreiber böser Träume kennt.
Wort für Wort
evamādi mayā sṛṣṭaṃ pṛthivyāṃ tvatprasādajam
all dies und mehr, von ihm auf der Erde geschaffen, sei aus dessen Gnade entstanden (Adv. + Instr. + Nom. + Lok. + Nom.)
padmanābha viśālākṣa kṛṣṇa duḥsvapnanāśana
der Lotusnabelige, der Großäugige, Kṛṣṇa, der Vertreiber böser Träume (Vok.-Reihe, indirekt wiedergegeben)
Nachdem er selbst aus sich selbst den Gott Saṃkarṣaṇa erschaffen habe, habe er, Kṛṣṇa, aus sich selbst auch Pradyumna hervorgebracht, aus sich selbst entstanden.
Wort für Wort
sṛṣṭvā saṃkarṣaṇaṃ devaṃ svayam ātmānam ātmanā
nachdem er selbst aus sich selbst den Gott Saṃkarṣaṇa erschaffen habe (Abs. + Akk. + Akk. + Adv. + Akk. + Instr.)
Und aus Pradyumna [habe er] Aniruddha [hervorgebracht], den man als den unvergänglichen Viṣṇu kenne; Aniruddha habe ihn, Brahmā, den Träger der Welt, erschaffen.
Er [Brahmā] sei ganz aus Vāsudeva gebildet, von ihm allein geschaffen worden; er [Brahmā] bat, dieser möge sich selbst in Anteile teilen und in die Menschheit eingehen, Gebieter.
Wort für Wort
vāsudevamayaḥ so 'haṃ tvayaivāsmi vinirmitaḥ
er sei ganz aus Vāsudeva gebildet, von ihm allein geschaffen worden (Nom. + Nom. + Instr. + Präs. + Nom.)
vibhajya bhāgaśo ''tmānaṃ vraja mānuṣatāṃ vibho
er bat, dieser möge sich selbst in Anteile teilen und in die Menschheit eingehen, Gebieter (Abs. + Adv. + Akk. + Imp. + Akk. + Vok.)
Dort werde er, nachdem er die Asuras getötet habe, zum Glück aller Welten, nachdem er den Dharma aufgerichtet und Ruhm erlangt habe, wahrhaftig den Yoga erlangen.
Wort für Wort
tatrāsuravadhaṃ kṛtvā sarvalokasukhāya vai
dort werde er, nachdem er die Asuras getötet habe, zum Glück aller Welten (Adv. + Akk. + Abs. + Dat. + Partikel)
tvāṃ hi brahmarṣayo loke devāś cāmitavikrama tais taiś ca nāmabhir bhaktā gāyanti paramātmakam
Denn ihn, den von unermesslicher Kraft, priesen die Brahmanenseher in der Welt und die Götter, und mit jenen und jenen Namen besängen die Hingebungsvollen ihn, den höchsten Geist.
Wort für Wort
tvāṃ hi brahmarṣayo loke devāś cāmitavikrama
denn ihn, den von unermesslicher Kraft, priesen die Brahmanenseher in der Welt und die Götter (Akk. + Partikel + Nom. + Lok. + Nom. + Akk.)
tais taiś ca nāmabhir bhaktā gāyanti paramātmakam
und mit jenen und jenen Namen besängen die Hingebungsvollen ihn, den höchsten Geist (Instr. + Instr. + Instr. + Nom. + Präs. + Akk.)
Und alle Scharen der Wesen ruhten in ihm, nachdem sie in ihm, dem Wunscherfüller, dem Starkarmigen, Zuflucht gefunden hätten; ihn, der ohne Anfang, Mitte und Ende sei, von unermesslichem Yoga, nennten die Brahmanen die Brücke der Welt.
Wort für Wort
sthitāś ca sarve tvayi bhūtasaṃghāḥ kṛtvāśrayaṃ tvāṃ varadaṃ subāho
und alle Scharen der Wesen ruhten in ihm, nachdem sie in ihm, dem Wunscherfüller, dem Starkarmigen, Zuflucht gefunden hätten (Nom. Ptz. + Nom. + Lok. + Nom. + Abs. + Akk. + Vok. + Vok.)
ihn, der ohne Anfang, Mitte und Ende sei, von unermesslichem Yoga, nennten die Brahmanen die Brücke der Welt (Akk. + Akk. + Gen. + Akk. + Präs. + Nom.)
[Anm.: Letzter Vers des Kapitels. Brahmās Hymnus/Bitte an Vāsudeva bleibt als indirekte Rede innerhalb von Bhīṣmas weiterhin offener CQ-Rede eingebettet - kein eigener Schließmarker, da nie ein eigener Öffnungsmarker gesetzt wurde. Sowohl Saṃjayas SQ als auch Bhīṣmas CQ bleiben über die Kapitelgrenze hinaus offen, da Kap.62 erneut mit 'bhīṣma uvāca' beginnt, ohne neue Dhṛtarāṣṭra-Frage.]