Kapitel 102: Bhīṣmārjunayuddha
Bhīṣmas Verwüstung des Pāṇḍava-Heeres und Kṛṣṇas Sturm gegen den Großvater
Saṃjaya schildert, wie Bhīṣma das Pāṇḍava-Heer in einem vernichtenden Pfeilsturm dezimiert, sodass es in wilde Flucht gerät; Kṛṣṇa fordert Arjuna auf, sein einstiges Gelübde einzulösen und Bhīṣma zu stellen, doch auch Arjuna kämpft zunächst zurückhaltend. Als Bhīṣma weiter verheerend wütet, springt Kṛṣṇa selbst, entgegen seinem eigenen Gelübde der Kampfenthaltung, mit der Peitsche in der Hand vom Wagen und stürmt auf Bhīṣma zu, der ihm freudig den Tod anheimstellt; Arjuna hält Kṛṣṇa im letzten Moment zurück und schwört, die Sache selbst zu Ende zu bringen. Das Kapitel schließt mit Bhīṣmas fortgesetzter Verwüstung beider Heere bis zum Sonnenuntergang.
Saṃjaya sprach: Da schlug dein Vater [Bhīṣma], erzürnt, mit ausgezeichneten scharfen Pfeilen die Söhne der Pṛthā samt ihren Truppen im Kampf von allen Seiten.
Wort für Wort
tataḥ pitā tava kruddho niśitaiḥ sāyakottamaiḥ
da [schlug] dein Vater, erzürnt, mit ausgezeichneten scharfen Pfeilen (Adv. + Nom. + Gen. + Nom. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
ājaghāna raṇe pārthān sahasenān samantataḥ
schlug er im Kampf die Söhne der Pṛthā samt ihren Truppen von allen Seiten (3.Sg.Perf. han- + Lok. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Bah. + Adv.)
[Anm.: V.1 bildet eine Einheit. "saṃjaya uvāca" leitet die Fortsetzung der Erzählung ein.]
taṃ dvādaśārdhair nakulo mādhavaś ca tribhiḥ śaraiḥ dhṛṣṭadyumnaś ca saptatyā bhīmasenaś ca pañcabhiḥ
Ihn [Bhīṣma] durchbohrten zur Vergeltung: Nakula mit sechs [der Hälfte von zwölf Pfeilen] und Mādhava [vermutlich Sātyaki] mit drei Pfeilen, und Dhṛṣṭadyumna mit siebzig und Bhīmasena mit fünf;
Wort für Wort
taṃ dvādaśārdhair nakulo mādhavaś ca tribhiḥ śaraiḥ
ihn durchbohrten Nakula mit sechs und Mādhava mit drei Pfeilen (Akk. + Instr.Pl. + Nom. + Nom. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
dhṛṣṭadyumnaś ca saptatyā bhīmasenaś ca pañcabhiḥ
und Dhṛṣṭadyumna mit siebzig und Bhīmasena mit fünf (Nom. + Partikel + Instr. + Nom. + Partikel + Instr.Pl.)
[Anm.: V.4a,c bildet eine Einheit; der Satz setzt sich in der nächsten Einheit fort. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.4b*0407_01 ("und Sahadeva mit siebzig, und der Sohn der Pṛthā [Arjuna] mit neun Pfeilen") wird ausgelassen. "mādhava" bezeichnet meist Kṛṣṇa, doch da dieser hier als Wagenlenker fungiert und nicht als aktiver Bogenschütze auftritt, ist mit dieser Namensform vermutlich Sātyaki gemeint, der gelegentlich ebenfalls als Vṛṣṇi-Sproß so benannt wird [?].]
Droṇa aber durchbohrte Sātyaki und traf Bhīmasena, einen jeden mit fünf scharfen Pfeilen, dem Stab des Todesgottes [Yama] gleich.
Wort für Wort
droṇas tu sātyakiṃ viddhvā bhīmasenam avidhyata
Droṇa aber durchbohrte Sātyaki und traf Bhīmasena (Nom. + Partikel + Akk. + Ger. + Akk. + 3.Sg.Impf. vyadh-)
ekaikaṃ pañcabhir bāṇair yamadaṇḍopamaiḥ śitaiḥ
einen jeden mit fünf scharfen Pfeilen, dem Stab des Todesgottes gleich (Akk. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah. + Instr.Pl.)
[Anm.: V.5ac bildet eine Einheit. Die textkritisch unsicheren, teils verderbten Zusatzverse V.5a*0408_01 (Text lückenhaft: "[...] mit neun scharfen Pfeilen") und V.5a*0408_02 ("und durchbohrte Nakula mit drei [Pfeilen]") werden ausgelassen.]
tau ca taṃ pratyavidhyetāṃ tribhis tribhir ajihmagaiḥ tottrair iva mahānāgaṃ droṇaṃ brāhmaṇapuṃgavam
Die beiden [Sātyaki und Bhīmasena] aber durchbohrten ihn [Droṇa] zur Vergeltung mit je drei geraden Pfeilen, wie mit Stacheln einen großen Elefanten – Droṇa, den Stier unter den Brahmanen.
Wort für Wort
tau ca taṃ pratyavidhyetāṃ tribhis tribhir ajihmagaiḥ
die beiden aber durchbohrten ihn zur Vergeltung mit je drei geraden Pfeilen (Nom.Du. + Partikel + Akk. + 3.Du.Impf. vyadh- + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
tottrair iva mahānāgaṃ droṇaṃ brāhmaṇapuṃgavam
wie mit Stacheln einen großen Elefanten – Droṇa, den Stier unter den Brahmanen (Instr.Pl.+Adv. + Akk. + Akk. + Akk.)
Er, von allen Seiten von Scharen von Wagen umringt, der Unbesiegte, loderte auf wie ein in ein Dickicht entfesseltes Feuer, die Feinde verbrennend.
Wort für Wort
sa samantāt parivṛto rathaughair aparājitaḥ
er, von allen Seiten von Scharen von Wagen umringt, der Unbesiegte (Nom. + Adv. + Nom.Past.Part. + Instr.Pl. + Nom.)
gahane 'gnir ivotsṛṣṭaḥ prajajvāla dahan parān
loderte auf wie ein in ein Dickicht entfesseltes Feuer, die Feinde verbrennend (Lok. + Nom. + Adv.+Nom.Past.Part. + 3.Sg.Perf. jval- + Präs.Part. + Akk.Pl.)
Der Bhīṣma-Feuerbrand – dessen Feueraltar der Wagen, dessen Flamme der Bogen, dessen Brennstoff Schwerter, Speere und Keulen, dessen Funken die Pfeile [waren] – verbrannte die Stier-Kṣatriyas.
Wort für Wort
rathāgnyagāraś cāpārcir asiśaktigadendhanaḥ
dessen Feueraltar der Wagen, dessen Flamme der Bogen, dessen Brennstoff Schwerter, Speere und Keulen (Nom.Bah. + Nom.Bah. + Nom.Bah.)
śarasphuliṅgo bhīṣmāgnir dadāha kṣatriyarṣabhān
der Bhīṣma-Feuerbrand, dessen Funken die Pfeile [waren], verbrannte die Stier-Kṣatriyas (Nom.Bah. + Nom. + 3.Sg.Perf. dah- + Akk.Pl.)
[Anm.: V.10ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.10d* (zwei Zeilen) wird nicht übersetzt; sinngemäß: "Wie ein gewaltiges, vom Wind begleitetes Feuer durch ein Dickicht zieht, so [zog] Bhīṣma, o Großkönig, die göttliche Waffe emporhebend."]
apātayad dhvajāṃś caiva rathinaś ca śitaiḥ śaraiḥ muṇḍatālavanānīva cakāra sa rathavrajān
Er fällte mit scharfen Pfeilen sowohl die Banner als auch die Wagenkämpfer; er machte die Reihen der Wagen [gleichsam] zu kahlgeschorenen Palmenhainen.
Wort für Wort
apātayad dhvajāṃś caiva rathinaś ca śitaiḥ śaraiḥ
er fällte mit scharfen Pfeilen sowohl die Banner als auch die Wagenkämpfer (3.Sg.Impf.Kaus. pat- + Akk.Pl. + Partikel + Akk.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
muṇḍatālavanānīva cakāra sa rathavrajān
er machte die Reihen der Wagen [gleichsam] zu kahlgeschorenen Palmenhainen (Akk.Pl.+Adv. + 3.Sg.Perf. kṛ- + Nom. + Akk.Pl.)
amoghā hy apatan bāṇāḥ pitus te bharatarṣabha nāsajjanta tanutreṣu bhīṣmacāpacyutāḥ śarāḥ
Denn unfehlbar flogen die Pfeile deines Vaters, o Stier der Bharatas; die von Bhīṣmas Bogen entlassenen Pfeile blieben nicht [wirkungslos] in den Rüstungen stecken.
Wort für Wort
amoghā hy apatan bāṇāḥ pitus te bharatarṣabha
denn unfehlbar flogen die Pfeile deines Vaters, o Stier der Bharatas (Nom.Pl. + Partikel + 3.Pl.Impf. pat- + Nom.Pl. + Gen. + Gen. + Vok.)
nāsajjanta tanutreṣu bhīṣmacāpacyutāḥ śarāḥ
die von Bhīṣmas Bogen entlassenen Pfeile blieben nicht in den Rüstungen stecken (Neg.+3.Pl.Impf. sañj- + Lok.Pl. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.)
Wir sahen Wagen, deren Helden erschlagen waren, o König, mit schnellen Pferden bespannt, im Schlachtfeld [führerlos] fortgeschleift werden, o Großkönig.
Wort für Wort
hatavīrān rathān rājan saṃyuktāñ javanair hayaiḥ
Wagen, deren Helden erschlagen waren, o König, mit schnellen Pferden bespannt (Akk.Pl.Bah. + Akk.Pl. + Vok. + Akk.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
apaśyāma mahārāja hriyamāṇān raṇājire
sahen wir, o Großkönig, [wie sie] fortgeschleift wurden im Schlachtfeld (1.Pl.Impf. dṛś- + Vok. + Akk.Pl.Präs.Pass.Part. + Lok.)
[Anm.: V.16ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.16d*0410_01 wird nicht übersetzt; sinngemäß: "Er brachte die Matsyas, Pāñcālas und Kaikeyas im Kampf zu Fall."]
sanken, nachdem sie im Kampf auf Bhīṣma getroffen waren, der wie der Tod mit aufgesperrtem Rachen [wirkte], samt ihren Pferden, Wagen und Elefanten in die andere Welt hinab.
Wort für Wort
saṃgrāme bhīṣmam āsādya vyāditāsyam ivāntakam
nachdem sie im Kampf auf Bhīṣma getroffen waren, der wie der Tod mit aufgesperrtem Rachen [wirkte] (Lok. + Akk. + Ger. + Akk.Bah. + Adv. + Akk.)
nimagnāḥ paralokāya savājirathakuñjarāḥ
sanken sie, samt ihren Pferden, Wagen und Elefanten, in die andere Welt hinab (Nom.Pl.Past.Part. + Dat. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.18 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.17 begonnenen Satzes.]
savarūthai rathair bhagnai rathibhiś ca nipātitaiḥ śaraiḥ sukavacaiś chinnaiḥ paṭṭiśaiś ca viśāṃ pate
Mit Wagen samt zerbrochenen Radkästen, mit gestürzten Wagenlenkern, mit von Pfeilen zerschnittenen guten Rüstungen und mit Wurfspießen, o Herr der Völker,
Wort für Wort
savarūthai rathair bhagnai rathibhiś ca nipātitaiḥ
mit Wagen samt zerbrochenen Radkästen, mit gestürzten Wagenlenkern (Instr.Pl.Bah. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Partikel + Instr.Pl.Past.Part.)
śaraiḥ sukavacaiś chinnaiḥ paṭṭiśaiś ca viśāṃ pate
mit von Pfeilen zerschnittenen guten Rüstungen und mit Wurfspießen, o Herr der Völker (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Past.Part. + Instr.Pl. + Partikel + Gen.Pl. + Vok.)
[Anm.: V.20 bildet eine Einheit; Beginn einer langen Aufzählung (V.20-22), die in einer Einheit gipfelt.]
mahendrasamavīryeṇa vadhyamānā mahācamūḥ abhajyata mahārāja na ca dvau saha dhāvataḥ
Von einem an Kraft dem großen Indra gleichenden [Krieger] niedergemetzelt, zerbrach das große Heer, o Großkönig, und nicht einmal zwei [Krieger] flohen [noch] gemeinsam.
Wort für Wort
mahendrasamavīryeṇa vadhyamānā mahācamūḥ
von einem an Kraft dem großen Indra gleichenden niedergemetzelt, das große Heer (Instr.Bah. + Nom.Präs.Pass.Part. + Nom.)
abhajyata mahārāja na ca dvau saha dhāvataḥ
zerbrach, o Großkönig, und nicht einmal zwei flohen gemeinsam (3.Sg.Impf.Pass. bhañj- + Vok. + Neg. + Partikel + Nom.Du. + Postp. + 3.Du.Präs. dhāv-)
Das Heer der Söhne des Pāṇḍu, mit durcheinandergeworfenen Wagen, Elefanten und Pferden, mit gefallenen Bannern und Deichseln, wurde von Wehklagen erfüllt und war seiner Sinne beraubt.
Wort für Wort
āviddharathanāgāśvaṃ patitadhvajakūbaram
mit durcheinandergeworfenen Wagen, Elefanten und Pferden, mit gefallenen Bannern und Deichseln (Nom.Bah. + Nom.Bah.)
anīkaṃ pāṇḍuputrāṇāṃ hāhābhūtam acetanam
das Heer der Söhne des Pāṇḍu wurde von Wehklagen erfüllt und war seiner Sinne beraubt (Nom. + Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
Da erschlug ein Vater den Sohn, und ebenso ein Sohn den Vater; ein Freund erschlug im Getümmel den geliebten Freund, von der Gewalt des Schicksals dazu gezwungen.
Wort für Wort
jaghānātra pitā putraṃ putraś ca pitaraṃ tathā
da erschlug ein Vater den Sohn, und ebenso ein Sohn den Vater (3.Sg.Perf. han- + Adv. + Nom. + Akk. + Nom. + Partikel + Akk. + Adv.)
priyaṃ sakhāyaṃ cākrande sakhā daivabalātkṛtaḥ
ein Freund erschlug den geliebten Freund im Getümmel, von der Gewalt des Schicksals dazu gezwungen (Akk. + Akk. + Partikel + Lok. + Nom. + Nom.Bah.)
tad gokulam ivodbhrāntam udbhrāntarathakuñjaram dadṛśe pāṇḍuputrasya sainyam ārtasvaraṃ tadā
Jenes Heer des Sohnes des Pāṇḍu wurde da gesehen, wie eine aufgescheuchte Kuhherde, mit aufgescheuchten Wagen und Elefanten, von schmerzerfüllten Rufen [erfüllt].
Wort für Wort
tad gokulam ivodbhrāntam udbhrāntarathakuñjaram
jenes, wie eine aufgescheuchte Kuhherde, mit aufgescheuchten Wagen und Elefanten (Nom. + Nom.+Adv. + Nom.Bah. + Nom.Bah.)
dadṛśe pāṇḍuputrasya sainyam ārtasvaraṃ tadā
wurde da gesehen, das Heer des Sohnes des Pāṇḍu, von schmerzerfüllten Rufen [erfüllt] (3.Sg.Perf.Pass. dṛś- + Gen. + Nom. + Nom.Bah. + Adv.)
Als er das zerbrechende Heer sah, sprach der Freudenbringer der Yadus [Kṛṣṇa] zum Sohn der Pṛthā, Bībhatsu [Arjuna], nachdem er den vortrefflichen Wagen gezügelt hatte:
Wort für Wort
prabhajyamānaṃ sainyaṃ tu dṛṣṭvā yādavanandanaḥ
als er das zerbrechende Heer sah, der Freudenbringer der Yadus (Akk.Präs.Pass.Part. + Akk. + Partikel + Ger. + Nom.)
uvāca pārthaṃ bībhatsuṃ nigṛhya ratham uttamam
sprach er zum Sohn der Pṛthā, Bībhatsu, nachdem er den vortrefflichen Wagen gezügelt hatte (3.Sg.Perf. vac- + Akk. + Akk. + Ger. + Akk. + Akk.)
[Anm.: V.30 bildet eine Einheit; Redeeinleitung zu Kṛṣṇas Rede an Arjuna.]
ayaṃ sa kālaḥ saṃprāptaḥ pārtha yaḥ kāṅkṣitas tava praharāsmai naravyāghra na cen mohāt pramuhyase
„Dies ist jene Zeit, die nun gekommen ist, o Pārtha, die du dir gewünscht hast. Schlage ihn, o Tiger unter den Männern, wenn du nicht aus Verblendung betört bist!
Wort für Wort
ayaṃ sa kālaḥ saṃprāptaḥ pārtha yaḥ kāṅkṣitas tava
dies ist jene Zeit, die nun gekommen ist, o Pārtha, die du dir gewünscht hast (Nom. + Nom. + Nom.Past.Part. + Vok. + Nom. + Nom.Past.Part. + Gen.)
praharāsmai naravyāghra na cen mohāt pramuhyase
schlage ihn, o Tiger unter den Männern, wenn du nicht aus Verblendung betört bist (2.Sg.Imp. han- + Dat. + Vok. + Neg. + Partikel + Abl. + 2.Sg.Präs.Pass. muh-)
[Anm.: V.31 bildet eine Einheit; Beginn von Kṛṣṇas Rede.]
bhīṣmadroṇamukhān sarvān dhārtarāṣṭrasya sainikān sānubandhān haniṣyāmi ye māṃ yotsyanti saṃyuge
'Ich werde alle Krieger des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra, mit Bhīṣma und Droṇa an der Spitze, samt ihrem Anhang erschlagen, die gegen mich im Kampf kämpfen werden' –
Wort für Wort
bhīṣmadroṇamukhān sarvān dhārtarāṣṭrasya sainikān
alle Krieger des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra, mit Bhīṣma und Droṇa an der Spitze (Akk.Pl.Bah. + Akk.Pl. + Gen. + Akk.Pl.)
sānubandhān haniṣyāmi ye māṃ yotsyanti saṃyuge
samt ihrem Anhang werde ich erschlagen, die gegen mich im Kampf kämpfen werden (Akk.Pl.Bah. + 1.Sg.Fut. han- + Nom.Pl. + Akk. + 3.Pl.Fut. yudh- + Lok.)
[Anm.: V.33 bildet eine Einheit; Fortsetzung von Kṛṣṇas Rede, welche Arjunas frühere Worte zitiert.]
iti tat kuru kaunteya satyaṃ vākyam ariṃdama kṣatradharmam anusmṛtya yudhyasva bharatarṣabha
so [hast du gesprochen] – mache dieses Wort wahr, o Sohn der Kuntī, Bezwinger der Feinde! Der Pflicht eines Kṣatriya eingedenk, kämpfe, o Stier der Bharatas!“
Wort für Wort
iti tat kuru kaunteya satyaṃ vākyam ariṃdama
so – mache dieses Wort wahr, o Sohn der Kuntī, Bezwinger der Feinde (Partikel + Akk. + 2.Sg.Imp. kṛ- + Vok. + Akk. + Akk. + Vok.)
kṣatradharmam anusmṛtya yudhyasva bharatarṣabha
der Pflicht eines Kṣatriya eingedenk, kämpfe, o Stier der Bharatas (Akk. + Ger. + 2.Sg.Imp.Med. yudh- + Vok.)
[Anm.: V.34 bildet eine Einheit; Ende von Kṛṣṇas Rede an Arjuna.]
avadhyānāṃ vadhaṃ kṛtvā rājyaṃ vā narakottaram duḥkhāni vanavāse vā kiṃ nu me sukṛtaṃ bhavet
„Nachdem ich die Nichtzutötenden getötet habe – [sei es] das Königreich oder die schlimmste Hölle, oder [seien es] die Leiden im Waldexil – was wohl könnte mir [daraus] Gutes erwachsen?
Wort für Wort
avadhyānāṃ vadhaṃ kṛtvā rājyaṃ vā narakottaram
nachdem ich die Nichtzutötenden getötet habe – das Königreich oder die schlimmste Hölle (Gen.Pl. + Akk. + Ger. + Nom. + Partikel + Nom.)
duḥkhāni vanavāse vā kiṃ nu me sukṛtaṃ bhavet
oder die Leiden im Waldexil – was wohl könnte mir Gutes erwachsen (Nom.Pl. + Lok. + Partikel + Pron. + Partikel + Gen. + Nom. + 3.Sg.Opt. bhū-)
[Anm.: V.36 bildet eine Einheit; Beginn von Arjunas Antwort an Kṛṣṇa.]
tato 'śvān rajataprakhyāṃś codayām āsa mādhavaḥ yato bhīṣmas tato rājan duṣprekṣyo raśmivān iva
Da trieb Mādhava [Kṛṣṇa] die silberfarbenen Pferde an; dorthin, wo Bhīṣma war, dorthin [ging es] – schwer anzuschauen wie einer mit [blendenden] Strahlen, o König.
Wort für Wort
tato 'śvān rajataprakhyāṃś codayām āsa mādhavaḥ
da trieb Mādhava die silberfarbenen Pferde an (Adv. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Bah. + 3.Sg.Perf.Periphr. cud- + Nom.)
yato bhīṣmas tato rājan duṣprekṣyo raśmivān iva
dorthin, wo Bhīṣma war, dorthin, o König – schwer anzuschauen wie einer mit [blendenden] Strahlen (Adv. + Nom. + Adv. + Vok. + Nom. + Nom.Bah.+Adv.)
kṣaṇena sa rathas tasya sahayaḥ sahasārathiḥ śaravarṣeṇa mahatā na prājñāyata kiṃ cana
In einem Augenblick war jener Wagen von ihm [Arjuna], samt Pferden und Wagenlenker, durch den gewaltigen Pfeilschauer überhaupt nicht mehr zu erkennen.
Wort für Wort
kṣaṇena sa rathas tasya sahayaḥ sahasārathiḥ
in einem Augenblick jener Wagen von ihm, samt Pferden und Wagenlenker (Instr. + Nom. + Nom. + Gen. + Nom.Bah. + Nom.Bah.)
śaravarṣeṇa mahatā na prājñāyata kiṃ cana
war durch den gewaltigen Pfeilschauer überhaupt nicht mehr zu erkennen (Instr. + Instr. + Neg. + 3.Sg.Impf.Pass. jñā- + Pron. + Partikel)
Da ergriff der Sohn der Pṛthā seinen göttlichen Bogen, der wie Wolken donnerte, und ließ Bhīṣmas Bogen fallen, indem er ihn mit scharfen Pfeilen zerschnitt.
Wort für Wort
tataḥ pārtho dhanur gṛhya divyaṃ jaladanisvanam
da ergriff der Sohn der Pṛthā seinen göttlichen, wie Wolken donnernden Bogen (Adv. + Nom. + Akk. + Ger. + Akk. + Akk.Bah.)
und ließ Bhīṣmas Bogen fallen, indem er ihn mit scharfen Pfeilen zerschnitt (3.Sg.Perf.Periphr.Kaus. pat- + Gen. + Akk. + Ger. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
Es erstrahlten die beiden Tiger unter den Männern, Bhīṣma und Pārtha, von Pfeilen verwundet, wie zwei erregte Leitbullen, mit Hornkratzern gezeichnet.
Wort für Wort
śuśubhāte naravyāghrau bhīṣmapārthau śarakṣatau
es erstrahlten die beiden Tiger unter den Männern, Bhīṣma und Pārtha, von Pfeilen verwundet (3.Du.Perf. śubh- + Nom.Du. + Nom.Du. + Nom.Du.Bah.)
govṛṣāv iva saṃrabdhau viṣāṇollikhitāṅkitau
wie zwei erregte Leitbullen, mit Hornkratzern gezeichnet (Nom.Du.+Adv. + Nom.Du. + Nom.Du.Bah.)
[Anm.: V.49ac bildet eine Einheit. Der ausführliche Apparatuseinschub V.49d* (zehn Zeilen) wird hier nicht übersetzt; er schildert sinngemäß: Da entbrannte eine grausige, haarsträubende Schlacht zwischen dem Ersten der Pāṇḍavas und dem Vortrefflichsten der Kurus; die beiden, kampfhart, spannten ihre festgegriffenen Bögen bis zur vollen Spannweite – Enkel und Großvater zugleich; die Begegnung des Dunklen [Kṛṣṇa/Arjuna] und des Ergrauten [Bhīṣma] erstrahlte wie der Zusammenfluss der Wasser von Gaṅgā und Yamunā; mit Pārthas Namen bezeichnete Pfeile fielen auf Bhīṣmas Brust, wie die Gedanken der Undankbaren und Bösen [wirkungslos] an den Rechtschaffenen [abprallen]; und auch Bhīṣmas Pfeile fielen auf Arjunas Brust – beide, siegbegierig, hatten die Bogenkunst von Mahādeva [Śiva] erlangt.]
immer wieder die Besten der Krieger des Sohnes des Pāṇḍu niederschlagend – [und] Bhīṣma, der im Heer der Yaudhiṣṭhiras [gleichsam] das Ende eines Weltzeitalters bewirkte,
Wort für Wort
varān varān vinighnantaṃ pāṇḍuputrasya sainikān
immer wieder die Besten der Krieger des Sohnes des Pāṇḍu niederschlagend (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Präs.Part. + Gen. + Akk.Pl.)
yugāntam iva kurvāṇaṃ bhīṣmaṃ yaudhiṣṭhire bale
Bhīṣma, der im Heer der Yaudhiṣṭhiras [gleichsam] das Ende eines Weltzeitalters bewirkte (Akk.+Adv. + Akk.Präs.Part. + Akk. + Lok. + Lok.)
[Anm.: V.52ac bildet eine Einheit; Fortsetzung des Satzes.]
ertrug der starkarmige Mādhava, der Feindeshelden-Vernichter, nicht länger.
Wort für Wort
nāmṛṣyata mahābāhur
ertrug nicht [länger], der Starkarmige (Neg.+3.Sg.Impf. mṛṣ- + Nom.Bah.)
mādhavaḥ paravīrahā
Mādhava, der Feindeshelden-Vernichter (Nom. + Nom.)
[Anm.: V.52e bildet eine eigene Einheit; Abschluss des in V.50 begonnenen Satzes. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.52d*0412_01 wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'Vāsudeva aber, zutiefst erzürnt, entbrannte vor Zorn im Kampf.']
krodhatāmrekṣaṇaḥ kṛṣṇo jighāṃsur amitadyutiḥ grasann iva ca cetāṃsi tāvakānāṃ mahāhave
Kṛṣṇa, dessen Augen vor Zorn kupferrot waren, tötungswillig, von unermesslichem Glanz, als verschlänge er in der gewaltigen Schlacht die Herzen der Deinigen.
Wort für Wort
krodhatāmrekṣaṇaḥ kṛṣṇo jighāṃsur amitadyutiḥ
Kṛṣṇa, dessen Augen vor Zorn kupferrot waren, tötungswillig, von unermesslichem Glanz (Nom.Bah. + Nom. + Nom. + Nom.Bah.)
grasann iva ca cetāṃsi tāvakānāṃ mahāhave
als verschlänge er die Herzen der Deinigen in der gewaltigen Schlacht (Präs.Part.+Adv. + Partikel + Akk.Pl. + Gen.Pl. + Lok.)
dṛṣṭvā mādhavam ākrande bhīṣmāyodyantam āhave hato bhīṣmo hato bhīṣma iti tatra sma sainikāḥ
Als sie sahen, wie Mādhava [Kṛṣṇa] im Getümmel gegen Bhīṣma im Kampf vorrückte, riefen dort die Krieger: 'Bhīṣma ist erschlagen! Bhīṣma ist erschlagen!',
Wort für Wort
dṛṣṭvā mādhavam ākrande bhīṣmāyodyantam āhave
als sie sahen, wie Mādhava im Getümmel gegen Bhīṣma im Kampf vorrückte (Ger. + Akk. + Lok. + Akk.Präs.Part. + Lok.)
hato bhīṣmo hato bhīṣma iti tatra sma sainikāḥ
riefen dort die Krieger: 'Bhīṣma ist erschlagen! Bhīṣma ist erschlagen!' (Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.Past.Part. + Vok. + Partikel + Adv. + Partikel + Nom.Pl.)
[Anm.: V.56ac bildet eine Einheit; der kurze, formelhafte Ausruf der Krieger wird mit einfachen ASCII-Anführungszeichen wiedergegeben, nicht mit den CQ-Anführungszeichen der eigentlichen Reden.]
sa siṃha iva mātaṅgaṃ yūtharṣabha ivarṣabham abhidudrāva tejasvī vinadan yādavarṣabhaḥ
Er, wie ein Löwe [auf] einen Elefanten, wie ein Leitbulle [auf] einen [Rivalen-]Bullen, stürmte brüllend heran, der Glanzvolle, der Stier der Yadus.
Wort für Wort
sa siṃha iva mātaṅgaṃ yūtharṣabha ivarṣabham
er, wie ein Löwe einen Elefanten, wie ein Leitbulle einen Bullen (Nom. + Nom.+Adv. + Akk. + Nom.+Adv. + Akk.)
abhidudrāva tejasvī vinadan yādavarṣabhaḥ
stürmte brüllend heran, der Glanzvolle, der Stier der Yadus (3.Sg.Perf. dru- + Nom.Bah. + Präs.Part. + Nom.)
[Anm.: V.58ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.58d* (zwei Zeilen) wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'Der Erhabene, die Peitsche in der Hand, der Stier der Yadus, erstrahlte, wie die Sonne mit ihren Strahlen am Neumondtag den Mond überstrahlt.']
tvayā hi deva saṃgrāme hatasyāpi mamānagha śreya eva paraṃ kṛṣṇa loke 'muṣminn ihaiva ca
Denn durch dich, o Gott, selbst wenn ich im Kampf erschlagen würde, o Makelloser, [läge] für mich das höchste Heil, o Kṛṣṇa, sowohl in jener Welt als auch in dieser.
Wort für Wort
tvayā hi deva saṃgrāme hatasyāpi mamānagha
denn durch dich, o Gott, selbst wenn ich im Kampf erschlagen würde, o Makelloser (Instr. + Partikel + Vok. + Lok. + Gen.+Partikel + Gen.+Vok.)
śreya eva paraṃ kṛṣṇa loke 'muṣminn ihaiva ca
[läge] das höchste Heil, o Kṛṣṇa, sowohl in jener Welt als auch in dieser (Nom. + Partikel + Nom. + Vok. + Lok. + Lok.+Partikel + Partikel)
[Anm.: V.61ac bildet eine Einheit; Fortsetzung von Bhīṣmas Rede.]
Geehrt bin ich, o Govinda, heute durch die drei Welten in diesem Kampf!“
Wort für Wort
saṃbhāvito 'smi govinda
geehrt bin ich, o Govinda (Nom.Past.Part. + 1.Sg.Präs. as- + Vok.)
trailokyenādya saṃyuge
heute durch die drei Welten in diesem Kampf (Instr. + Adv. + Lok.)
[Anm.: V.61e bildet eine eigene Einheit; Ende von Bhīṣmas Rede. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.61f* (zwei Zeilen) wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'Schlage zu, wie du willst – ich bin dein Diener, o Makelloser! Auch durch diesen nichtigen Stachel, o Vāsudeva, ist mir [dies] widerfahren – er, der selbst für Yogins schwer zu erreichen ist, ist hierher zu meiner Tötung gekommen.']
„Kehre um, o Starkarmiger! Du sollst nicht zum Lügner werden an dem, was du einst gesagt hast: 'Ich werde nicht kämpfen', o Keśava.
Wort für Wort
nivartasva mahābāho nānṛtaṃ kartum arhasi
kehre um, o Starkarmiger! Du sollst nicht zum Lügner werden (2.Sg.Imp.Med. vṛt- + Vok. + Neg.+Akk. + Inf. + 2.Sg.Präs. arh-)
yat tvayā kathitaṃ pūrvaṃ na yotsyāmīti keśava
an dem, was du einst gesagt hast: 'Ich werde nicht kämpfen', o Keśava (Akk. + Instr. + Akk.Past.Part. + Adv. + Neg.+1.Sg.Fut. yudh- + Partikel + Vok.)
[Anm.: V.66 bildet eine Einheit; Beginn von Arjunas zweiter Rede an Kṛṣṇa. Das eingebettete Selbstzitat Kṛṣṇas ('Ich werde nicht kämpfen') wird mit einfachen ASCII-Anführungszeichen wiedergegeben.]
Ich schwöre, o Mādhava, bei unserer Freundschaft, bei der Wahrheit und bei guten Taten, dass ich das Ende der Feinde herbeiführen werde, o Feindebezwinger.
Wort für Wort
śape mādhava sakhyena satyena sukṛtena ca
ich schwöre, o Mādhava, bei unserer Freundschaft, bei der Wahrheit und bei guten Taten (1.Sg.Präs. śap- + Vok. + Instr. + Instr. + Instr. + Partikel)
antaṃ yathā gamiṣyāmi śatrūṇāṃ śatrukarśana
dass ich das Ende der Feinde herbeiführen werde, o Feindebezwinger (Akk. + Partikel + 1.Sg.Fut. gam- + Gen.Pl. + Vok.)
[Anm.: V.68 bildet eine Einheit; Fortsetzung von Arjunas Rede.]
Sieh heute noch den Unbezwingbaren, den seinem großen Gelübde Treuen, zu Fall gebracht, wie den Herrn der Sterne [Mond], unvollständig, zur Zeit seines Untergangs, [wenn er] zufällig [erlischt].“
Wort für Wort
adyaiva paśya durdharṣaṃ pātyamānaṃ mahāvratam
sieh heute noch den Unbezwingbaren, den seinem großen Gelübde Treuen, zu Fall gebracht (Adv. + 2.Sg.Imp. dṛś- + Akk. + Akk.Präs.Pass.Part. + Akk.)
tārāpatim ivāpūrṇam antakāle yadṛcchayā
wie den Herrn der Sterne, unvollständig, zur Zeit seines Untergangs, zufällig (Akk.+Adv. + Akk. + Lok. + Instr.)
[Anm.: V.69 bildet eine Einheit; Ende von Arjunas zweiter Rede.]
Mādhava [Kṛṣṇa] aber, nachdem er die Rede des hochbeseelten Phalguna [Arjuna] gehört hatte, sagte nichts mehr, noch zornig, und bestieg wieder den Wagen.
Wort für Wort
mādhavas tu vacaḥ śrutvā phalgunasya mahātmanaḥ
Mādhava aber, nachdem er die Rede des hochbeseelten Phalguna gehört hatte (Nom. + Partikel + Akk. + Ger. + Gen. + Gen.)
nakiṃcid uktvā sakrodha āruroha rathaṃ punaḥ
sagte nichts mehr, noch zornig, und bestieg wieder den Wagen (Neg.+Akk. + Ger. + Nom.Bah. + 3.Sg.Perf. ruh- + Akk. + Adv.)
[Anm.: V.70ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.70b*0416_01 wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'Er wurde höchst erfreut, als er Pārthas Tapferkeit erkannte.']
Die beiden, auf dem Wagen stehend, die Tiger unter den Männern – sie überschüttete Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, wieder mit einem Pfeilschauer, wie eine Wolke mit Regen zwei Berge.
Wort für Wort
tau rathasthau naravyāghrau bhīṣmaḥ śāṃtanavaḥ punaḥ
die beiden, auf dem Wagen stehend, die Tiger unter den Männern, überschüttete Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, wieder (Akk.Du. + Akk.Du. + Nom. + Nom. + Adv.)
vavarṣa śaravarṣeṇa megho vṛṣṭyā yathācalau
mit einem Pfeilschauer, wie eine Wolke mit Regen zwei Berge (3.Sg.Perf. vṛṣ- + Instr. + Nom. + Instr. + Adv.+Akk.Du.)
Und dein Vater, Devavrata [Bhīṣma], der seinem Gelübde Treue, nahm die Leben der Krieger, wie die Sonne mit ihren Strahlen am Ende des Winters [anderen Lichtern] ihren Glanz [nimmt].
Wort für Wort
prāṇāṃś cādatta yodhānāṃ pitā devavratas tava
und dein Vater, Devavrata, der seinem Gelübde Treue, nahm die Leben der Krieger (Akk.Pl. + Partikel + 3.Sg.Impf. dā- + Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Gen.)
gabhastibhir ivādityas tejāṃsi śiśirātyaye
wie die Sonne mit ihren Strahlen [nimmt sie] den Glanz [anderer] am Ende des Winters (Instr.Pl.+Adv. + Nom. + Akk.Pl. + Lok.)
der [gleichsam] wie die in die Mitte [des Himmels] gelangte Sonne mit eigenem Glanz glühte.
Wort für Wort
madhyaṃ gatam ivādityaṃ
wie die in die Mitte gelangte Sonne (Akk. + Akk.+Adv. + Akk.)
pratapantaṃ svatejasā
glühte mit eigenem Glanz (Akk.Präs.Part. + Instr.)
[Anm.: V.74e bildet eine eigene Einheit; Abschluss des in V.74a begonnenen Satzes. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.74d*0417_01 wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'übermenschliche Heldentaten im Kampf vollbringend'.]
te vadhyamānā bhīṣmeṇa kāleneva yugakṣaye vīkṣāṃ cakrur mahārāja pāṇḍavā bhayapīḍitāḥ
Sie, von Bhīṣma niedergemetzelt wie von der Zeit bei der Zerstörung eines Weltzeitalters, blickten sich um, o Großkönig, die Pāṇḍavas, von Furcht gequält.
Wort für Wort
te vadhyamānā bhīṣmeṇa kāleneva yugakṣaye
sie, von Bhīṣma niedergemetzelt wie von der Zeit bei der Zerstörung eines Weltzeitalters (Nom.Pl. + Nom.Pl.Präs.Pass.Part. + Instr. + Instr.+Adv. + Lok.)
vīkṣāṃ cakrur mahārāja pāṇḍavā bhayapīḍitāḥ
blickten sich um, o Großkönig, die Pāṇḍavas, von Furcht gequält (Akk. + 3.Pl.Perf. kṛ- + Vok. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.75ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.75d* (zwei Zeilen) wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'So wurden die Heere der Pāṇḍavas in die Flucht geschlagen, o Bhārata, von Bhīṣma, dem Feindebedränger, im Kampf niedergemetzelt.']
Sie fanden keinen Beschützer, wie im Schlamm versunkene Kühe, wie schwache Ameisen, die von einem Starken im Kampf zertreten werden.
Wort für Wort
trātāraṃ nādhyagacchanta gāvaḥ paṅkagatā iva
sie fanden keinen Beschützer, wie im Schlamm versunkene Kühe (Akk. + Neg.+3.Pl.Impf. gam- + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.+Adv.)
pipīlikā iva kṣuṇṇā durbalā balinā raṇe
wie schwache Ameisen, die von einem Starken im Kampf zertreten werden (Nom.Pl.+Adv. + Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl. + Instr. + Lok.)
[Anm.: V.76ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.76d* (zwei Zeilen) wird nicht übersetzt; sinngemäß: 'Ebenso wurden, o Herrscher der Könige, die Krieger von Bhīṣma, dem Feindetöter, im Kampf zermalmt, alle Pāṇḍavas samt den Sṛñjayas.']
mahārathaṃ bhārata duṣpradharṣaṃ śaraughiṇaṃ pratapantaṃ narendrān bhīṣmaṃ na śekuḥ prativīkṣituṃ te śarārciṣaṃ sūryam ivātapantam
Den großen Wagenkämpfer, o Bhārata, den unbezwingbaren, pfeilüberströmten, gegen die Fürsten glühenden Bhīṣma vermochten sie nicht anzublicken, ihn, dessen Pfeile [wie] Strahlen [waren], der glühte wie die Sonne mit ihren Strahlen.
den großen Wagenkämpfer, o Bhārata, den unbezwingbaren, pfeilüberströmten, gegen die Fürsten glühenden (Akk. + Vok. + Akk. + Akk.Bah. + Akk.Präs.Part. + Akk.Pl.)
bhīṣmaṃ na śekuḥ prativīkṣituṃ te śarārciṣaṃ sūryam ivātapantam
Bhīṣma vermochten sie nicht anzublicken, ihn, dessen Pfeile [wie] Strahlen [waren], der glühte wie die Sonne (Akk. + Neg. + 3.Pl.Perf. śak- + Inf. + Nom.Pl. + Akk.Bah. + Akk.+Adv.+Akk.Präs.Part.)
[Anm.: V.77 bildet eine Einheit und ist im Triṣṭubh-Versmaß gehalten (kenntlich an den längeren, vierzeiligen Halbversen im Original).]
vimṛdnatas tasya tu pāṇḍusenām astaṃ jagāmātha sahasraraśmiḥ tato balānāṃ śramakarśitānāṃ mano 'vahāraṃ prati saṃbabhūva
Während er das Heer der Söhne des Pāṇḍu zermalmte, ging da der Tausendstrahlige [die Sonne] zu ihrem Untergang; da entstand in den von Erschöpfung geschwächten Heeren der Wunsch nach einer Kampfpause.
Wort für Wort
vimṛdnatas tasya tu pāṇḍusenām astaṃ jagāmātha sahasraraśmiḥ
während er das Heer der Söhne des Pāṇḍu zermalmte, ging da der Tausendstrahlige zu seinem Untergang (Gen.Präs.Part. + Gen. + Partikel + Akk. + Akk. + 3.Sg.Perf. gam- + Adv. + Nom.)
tato balānāṃ śramakarśitānāṃ mano 'vahāraṃ prati saṃbabhūva
da entstand in den von Erschöpfung geschwächten Heeren der Wunsch nach einer Kampfpause (Adv. + Gen.Pl. + Gen.Pl.Bah. + Nom. + Akk. + Postp. + 3.Sg.Perf. bhū-)
[Anm.: V.78 bildet eine Einheit und ist im Triṣṭubh-Versmaß gehalten; sie beschließt das Kapitel. Der ausführliche Apparatuseinschub V.78b* (sechs Zeilen) wird hier nicht übersetzt; er besagt sinngemäß, dass auch Bhīṣma samt seinem Heer und seinen Truppen die Söhne des Pāṇḍu mit Pfeilschauern zurückhielt, dass der Mächtige, der Großgelobte, Hochbeseelte sie sehr heftig schlug im Kampf, [während sie] stets von den Truppen der Herrscher von Karūṣa und Cedi umgeben waren, vom Diskusträger [Kṛṣṇa] überwacht. Der weitere Apparatuseinschub V.78d* (vier Zeilen, kunstvolles Sonnenuntergangsbild) wird ebenfalls nicht übersetzt; er vergleicht sinngemäß den Sonnenuntergang mit einem Liebenden, der, nachdem er am Bergeshang den Lotusteich geweckt und mit seinen sanften Strahlenspitzen selbst genossen hat, aus Zorn über die Berührung mit schmutzigen Bienen [seine Strahlen] entzieht und, seinen Glanz gedämpft, untergeht.]