nikāro nikṛtiprajñaiḥ pāṇḍavais tvatpratīkṣayā anubhūtaḥ sahāmātyaiḥ kṣāntaṃ ca suciraṃ vane
Schmach, von den in Hinterlist erfahrenen Pāṇḍavas verursacht, wurde aus Rücksicht auf dich ertragen und lange Zeit im Wald geduldig hingenommen, zusammen mit den Ministern. [?]
Wort für Wort
nikāraḥ nikṛtiprajñaiḥ
die Schmach (Nom. Sg. m.) durch die in Hinterlist erfahrenen (Adj., Instr. Pl. m., Kompositum)
pāṇḍavaiḥ tvatpratīkṣayā
Pāṇḍavas (Instr. Pl. m.) aus Rücksicht auf dich (Instr. Sg. f., Kompositum)
anubhūtaḥ saha amātyaiḥ
erlitten (PPP, Nom. Sg. m.) zusammen mit den Ministern (Instr. Pl. m.)
kṣāntam ca suciram vane
und geduldet (PPP, Nom. Sg. n. als Adv.) lange Zeit (Adv.) im Wald (Lok. Sg. n.)
[?] Das unausgesprochene grammatische Subjekt (vermutlich Duryodhana bzw. die Kaurava-Seite) und der genaue Bezug bleiben unklar; möglicherweise spielt Saṃjaya hier auf frühere Demütigungen Duryodhanas während des Waldexils der Pāṇḍavas an.
hayānāṃ ca gajānāṃ ca śūrāṇāṃ cāmitaujasām pratyakṣaṃ yan mayā dṛṣṭaṃ dṛṣṭaṃ yogabalena ca
Was von Pferden, Elefanten und Helden von unermesslicher Kraft von mir mit eigenen Augen gesehen wurde und auch durch die Kraft der Yoga-Schau gesehen wurde —
Wort für Wort
hayānām ca gajānām ca
von Pferden (Gen. Pl. m.) und von Elefanten (Gen. Pl. m.) und
śūrāṇām ca amitaujasām
von Helden (Gen. Pl. m.) und von unermesslicher Kraft (Adj., Gen. Pl. m., Kompositum)
pratyakṣam yat mayā dṛṣṭam
mit eigenen Augen (Adv.) was (Pron., Nom. Sg. n.) von mir (Instr. Sg.) gesehen wurde (PPP, Nom. Sg. n.)
dṛṣṭam yogabalena ca
gesehen wurde (PPP, Nom. Sg. n.) durch die Kraft des Yoga (Instr. Sg. n., Kompositum) und
namaskṛtvā pitus te 'haṃ pārāśaryāya dhīmate yasya prasādād divyaṃ me prāptaṃ jñānam anuttamam
Nachdem ich deinem Vater, dem weisen Sohn Parāśaras, Verehrung erwiesen habe — durch dessen Gnade mir das göttliche, unübertreffliche Wissen zuteilwurde —
Wort für Wort
namaskṛtvā pituḥ te
Verehrung erwiesen habend (Absolutiv) deinem (Gen. Sg.) Vater (Gen. Sg. m.)
aham pārāśaryāya dhīmate
ich (Nom. Sg.) dem Sohn Parāśaras (Dat. Sg. m.), dem Weisen (Adj., Dat. Sg. m.)
yasya prasādāt divyam
durch dessen (Gen. Sg. m.) Gnade (Abl. Sg. m.) das göttliche (Adj., Nom. Sg. n.)
me prāptam jñānam anuttamam
mir (Dat. Sg.) zuteilwurde (PPP, Nom. Sg. n.) das Wissen (Nom. Sg. n.), das unübertreffliche (Adj., Nom. Sg. n.)
vyutthitotpattivijñānam ākāśe ca gatiḥ sadā śastrair asaṅgo yuddheṣu varadānān mahātmanaḥ
— das Wissen um Entstehen und Vergehen, und stete Bewegung durch den Luftraum, Unberührtheit durch Waffen in Schlachten — dies alles durch die Gabe des Großmütigen.
Wort für Wort
vyutthitotpattivijñānam
das Wissen um Entstehen und Vergehen (Nom. Sg. n., Kompositum)
ākāśe ca gatiḥ sadā
im Luftraum (Lok. Sg. m.) und die Bewegung (Nom. Sg. f.) stets (Adv.)
śastraiḥ asaṅgaḥ yuddheṣu
durch Waffen (Instr. Pl. n.) die Unberührtheit (Nom. Sg. m.) in Schlachten (Lok. Pl. n.)
varadānāt mahātmanaḥ
durch die Gabe (Abl. Sg. n., Kompositum) des Großmütigen (Gen. Sg. m.)
nātaḥ kāryatamaṃ manye raṇe bhīṣmasya rakṣaṇāt hanyād gupto hy asau pārthān somakāṃś ca sasṛñjayān
Ich glaube, es gibt keine wichtigere Aufgabe als den Schutz Bhīṣmas in der Schlacht; denn beschützt, würde er die Söhne Pṛthās samt den Somakas und Sṛñjayas erschlagen.“
Wort für Wort
na ataḥ kāryatamam manye
nicht (Neg.) wichtiger als dies (Adv./Abl.) die wichtigste Aufgabe (Akk. Sg. n., Superlativ) glaube ich (Präsens, 1. Sg.)
raṇe bhīṣmasya rakṣaṇāt
in der Schlacht (Lok. Sg. m.) den Schutz Bhīṣmas (Abl. Sg. n., Kompositum)
hanyāt guptaḥ hi asau
würde erschlagen (Optativ, 3. Sg.) beschützt (PPP, Nom. Sg. m.) denn (Partikel) er (Pron., Nom. Sg. m.)
pārthān somakān ca sasṛñjayān
die Söhne Pṛthās (Akk. Pl. m.), die Somakas (Akk. Pl. m.) und samt den Sṛñjayas (Akk. Pl. m., Kompositum)
abravīc ca viśuddhātmā nāhaṃ hanyāṃ śikhaṇḍinam śrūyate strī hy asau pūrvaṃ tasmād varjyo raṇe mama
Und der Reine hatte gesagt: „Ich werde Śikhaṇḍin nicht erschlagen; denn man hört, dass er einst eine Frau war — deshalb ist er von mir in der Schlacht zu meiden.“ [?]
Wort für Wort
abravīt ca viśuddhātmā
sagte (Imperfekt, 3. Sg.) und der Reine (Nom. Sg. m., d.h. Bhīṣma)
na aham hanyām śikhaṇḍinam
nicht (Neg.) ich (Nom. Sg.) werde erschlagen (Optativ, 1. Sg.) Śikhaṇḍin (Akk. Sg. m.)
śrūyate strī hi asau pūrvam
man hört (Präsens Passiv, 3. Sg.), eine Frau (Nom. Sg. f.) denn (Partikel) er (Pron., Nom. Sg. m.) einst (Adv.)
tasmāt varjyaḥ raṇe mama
deshalb (Adv.) zu meiden (Adj., Nom. Sg. m.) in der Schlacht (Lok. Sg. m.) von mir (Gen. Sg.)
[?] 'Abravīc' steht in der 3. Person ('er hatte gesagt') und unterbricht damit Duryodhanas eigene Rede (V012-014, V016-020): Saṃjaya berichtet hier, als Erzähler, eine gesonderte, frühere Aussage Bhīṣmas, statt dass Duryodhana sie selbst zitiert - so bleibt die Einbettungstiefe bei zwei Ebenen (unter Saṃjayas Rede), ohne eine dritte Ebene zu erfordern.
Denn ein Wolf könnte einen unbeschützten Löwen von großer Kraft töten; lasst uns nicht zulassen, dass der Löwe wie durch einen Schakal — durch Śikhaṇḍin — getötet wird.
Wort für Wort
arakṣyamāṇam hi vṛkaḥ
den unbeschützten (Ppr. Passiv, Akk. Sg. m.) denn (Partikel) ein Wolf (Nom. Sg. m.)
hanyāt siṃham mahābalam
könnte töten (Optativ, 3. Sg.) den Löwen (Akk. Sg. m.), den von großer Kraft (Adj., Akk. Sg. m., Kompositum)
mā siṃham jambukena iva
nicht (Prohibitiv) den Löwen (Akk. Sg. m.) durch einen Schakal (Instr. Sg. m.) wie
ghātayāmaḥ śikhaṇḍinā
lasst uns töten [zulassen] (Präsens, 1. Pl., Kausativ) durch Śikhaṇḍin (Instr. Sg. m.)
Yudhāmanyu wird das linke Rad bewachen und Uttamaujas das rechte — diese beiden sind die Beschützer Arjunas, und Arjuna selbst ist der Beschützer Śikhaṇḍins.
Wort für Wort
vāmam cakram yudhāmanyuḥ
das linke (Adj., Akk. Sg. n.) Rad (Akk. Sg. n.) Yudhāmanyu (Nom. Sg. m.)
uttamaujāḥ ca dakṣiṇam
Uttamaujas (Nom. Sg. m.) und das rechte (Adj., Akk. Sg. n.)
goptārau phalgunasya etau
die beiden Beschützer (Nom. Dual m.) Arjunas (Gen. Sg. m.), diese beiden (Pron., Nom. Dual m.)
phalgunaḥ api śikhaṇḍinaḥ
Arjuna (Nom. Sg. m.) auch (Partikel) Śikhaṇḍins (Gen. Sg. m.) [Beschützer]
und mit dem Trompeten der Elefanten und dem Gebrüll der Krieger, mit Kampfrufen, Armklatschen und Schreien wurde es von allen Seiten ein einziges Getöse.
Wort für Wort
gajānām bṛṃhatām ca eva
der Elefanten (Gen. Pl. m.) trompetenden (Ppr., Gen. Pl. m.) und wahrlich
yodhānām ca abhigarjatām
der Krieger (Gen. Pl. m.) und brüllenden (Ppr., Gen. Pl. m.)
kṣveḍitāsphoṭitotkruṣṭaiḥ
mit Kampfrufen, Armklatschen und Schreien (Instr. Pl. n., Kompositum)
tumulam sarvataḥ abhavat
ein Getöse (Nom. Sg. n.) von allen Seiten (Adv.) entstand (Imperfekt, 3. Sg.)
Bei Sonnenaufgang, o Großkönig, erhob sich das gesamte, vollständig angeschirrte, große Heer der Kurus und Pāṇḍavas — deiner Söhne, o Fürst der Könige, und ebenso das der Pāṇḍavas.
Wort für Wort
udatiṣṭhan mahārāja
erhob sich (Imperfekt, 3. Pl.), o Großkönig (Vok. Sg.)
Mit erhobenen, bunten Waffen, mit gebundenen Handschützern, mit Köchern versehen, stierähnlichen Auges — so erstrahlten die Herrscher der Menschen an der Spitze der Heere.
Wort für Wort
udyataiḥ āyudhaiḥ citrāḥ
mit erhobenen (Ppr., Instr. Pl. n.) Waffen (Instr. Pl. n.), bunte (Adj., Nom. Pl. m.)
talabaddhāḥ kalāpinaḥ
mit gebundenen Handschützern (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum), mit Köchern versehene (Adj., Nom. Pl. m.)
ṛṣabhākṣāḥ manuṣyendrāḥ
von stierähnlichem Auge (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum), die Herrscher der Menschen (Nom. Pl. m., Kompositum)
camūmukhagatāḥ babhuḥ
an die Spitze der Heere gegangen (Adj., Nom. Pl. m., Kompositum) erstrahlten (Perfekt, 3. Pl.)
Wie zwei Ozeane am Ende eines Zeitalters, voll wilder Strudel und von großen Meeresungeheuern wimmelnd, waren die beiden Heere anzusehen, wenn sie aufeinandertrafen.
Wort für Wort
unmattamakarāvartau
mit wilden Delfinstrudeln (Adj., Nom. Dual m., Kompositum)
mahāgrāhasamākulau
von großen Meeresungeheuern wimmelnd (Adj., Nom. Dual m., Kompositum)
yugānte samupetau dvau
am Ende des Zeitalters (Lok. Sg. m., Kompositum) zusammengekommen (PPP, Nom. Dual m.), die beiden (Nom. Dual m.)
dṛśyete sāgarau iva
sind zu sehen (Präsens Passiv, 3. Dual) wie zwei Ozeane (Nom. Dual m.)