Vaiśaṃpāyana sprach: Da kam der weise Sohn des Gavalgaṇa, Saṃjaya, vom Schlachtfeld heran, ein Augenzeuge von allem, kundig des Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen,
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana (Nom. Sg.) sprach (Perfekt, 3. Sg.)
atha gāvalgaṇiḥ dhīmān
da der weise (Adj., Nom. Sg. m.) Sohn des Gavalgaṇa (Nom. Sg. m., Patronymikon)
samarāt etya saṃjayaḥ
vom Schlachtfeld (Abl. Sg. m.) herangekommen (Absolutiv), Saṃjaya (Nom. Sg. m.)
pratyakṣadarśī sarvasya
ein Augenzeuge (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum) von allem (Gen. Sg. n.)
bhūtabhavyabhaviṣyavit
kundig des Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
— zu dem in Gedanken versunkenen Dhṛtarāṣṭra plötzlich herangetreten, von Schmerz erfüllt, verkündete er, dass Bhīṣma, keineswegs der Geringste der Bharatas, erschlagen sei.
Wort für Wort
dhyāyate dhṛtarāṣṭrāya
zu dem in Gedanken versunkenen (Ppr., Dat. Sg. m.) Dhṛtarāṣṭra (Dat. Sg. m.)
sahasā upetya duḥkhitaḥ
plötzlich (Adv.) herangetreten (Absolutiv), von Schmerz erfüllt (Adj., Nom. Sg. m.)
ācaṣṭa nihatam bhīṣmam
verkündete er (Imperfekt, 3. Sg.) den erschlagenen (PPP, Akk. Sg. m.) Bhīṣma (Akk. Sg. m.)
bharatānām amadhyamam
der Bharatas (Gen. Pl. m.) keineswegs den Geringsten (Adj., Akk. Sg. m.)
Saṃjaya sprach: ‚Ich bin es, Saṃjaya, o Großkönig; Verehrung dir, o Stier der Bharatas: Erschlagen ist Bhīṣma, der Sohn des Śāṃtanu, der Großvater der Bharatas.
Wort für Wort
saṃjayaḥ aham mahārāja
Saṃjaya (Nom. Sg. m.) [bin] ich (Nom. Sg.), o Großkönig (Vok. Sg.)
namaḥ te bharatarṣabha
Verehrung (Nom. Sg. n.) dir (Dat. Sg.), o Stier der Bharatas (Vok. Sg.)
hataḥ bhīṣmaḥ śāṃtanavaḥ
erschlagen (PPP, Nom. Sg. m.) [ist] Bhīṣma (Nom. Sg. m.), der Sohn des Śāṃtanu (Nom. Sg. m., Patronymikon)
bharatānām pitāmahaḥ
der Bharatas (Gen. Pl. m.) Großvater (Nom. Sg. m.)
jāmadagnyaṃ raṇe rāmam āyodhya vasusaṃbhavaḥ na hato jāmadagnyena sa hato 'dya śikhaṇḍinā
— er, aus den Vasus entsprossen, der im Kampf gegen Rāma, den Sohn des Jamadagni, kämpfte und von ihm nicht bezwungen wurde, ist heute von Śikhaṇḍin erschlagen worden.
Wort für Wort
jāmadagnyam raṇe rāmam
gegen den Sohn des Jamadagni (Akk. Sg. m., Patronymikon), Rāma (Akk. Sg. m.), im Kampf (Lok. Sg. m.)
āyodhya vasusaṃbhavaḥ
gekämpft habend (Absolutiv), der aus den Vasus Entsprossene (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum, Beiname Bhīṣmas)
na hataḥ jāmadagnyena
nicht besiegt (PPP, Nom. Sg. m.) vom Sohn des Jamadagni (Instr. Sg. m.)
sa hataḥ adya śikhaṇḍinā
er (Nom. Sg. m.) [ist] heute erschlagen (PPP, Nom. Sg. m.) worden durch Śikhaṇḍin (Instr. Sg. m.)
śaradaṃṣṭro dhanurvaktraḥ khaḍgajihvo durāsadaḥ narasiṃhaḥ pitā te 'dya pāñcālyena nipātitaḥ
— mit Pfeilen als Zähnen, dem Bogen als Mund, dem Schwert als Zunge, unangreifbar, ein Löwe unter den Männern — dein Vater ist heute vom Pāñcāla-Prinzen zu Fall gebracht worden.
Wort für Wort
śaradaṃṣṭraḥ dhanurvaktraḥ
mit Pfeilen als Zähnen (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum), mit dem Bogen als Mund (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum)
khaḍgajihvaḥ durāsadaḥ
mit dem Schwert als Zunge (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum), unangreifbar (Adj., Nom. Sg. m.)
narasiṃhaḥ pitā te adya
ein Löwe unter den Männern (Nom. Sg. m., Kompositum), dein (Gen. Sg.) Vater (Nom. Sg. m.) heute
pāñcālyena nipātitaḥ
vom Pāñcāla-Prinzen (Instr. Sg. m.) zu Fall gebracht (PPP, Nom. Sg. m.)
Ihn, den, sobald das große Heer der Pāṇḍavas ihn im Kampf hervorbrechen sah, es erzitterte, von Furcht erschüttert, wie eine Rinderherde, die einen Löwen erblickt —
Wort für Wort
pāṇḍavānām mahat sainyam
der Pāṇḍavas (Gen. Pl. m.) das große (Adj., Nom. Sg. n.) Heer (Nom. Sg. n.)
yam dṛṣṭvā udyantam āhave
ihn (Akk. Sg. m.), gesehen habend (Absolutiv), hervorbrechend (Ppr., Akk. Sg. m.) im Kampf (Lok. Sg. m.)
pravepata bhayodvignam
erzitterte (Imperfekt, 3. Sg.), von Furcht erschüttert (Adj., Akk. Sg. m., Kompositum)
siṃham dṛṣṭvā iva gogaṇaḥ
einen Löwen (Akk. Sg. m.) gesehen habend, wie eine Rinderherde (Nom. Sg. m., Kompositum)
parirakṣya sa senāṃ te daśarātram anīkahā jagāmāstam ivādityaḥ kṛtvā karma suduṣkaram
— er, der dein Heer zehn Nächte lang beschützte, ein Vernichter der feindlichen Reihen, ist nun wie die untergehende Sonne dahingegangen, nachdem er eine überaus schwere Tat vollbracht hatte.
Wort für Wort
parirakṣya sa senām te
beschützt habend (Absolutiv) er (Nom. Sg. m.) das Heer (Akk. Sg. f.) dein (Gen. Sg.)
daśarātram anīkahā
zehn Nächte lang (Akk. Sg. n. als Adverb), ein Vernichter der [feindlichen] Reihen (Nom. Sg. m., Kompositum)
jagāma astam iva ādityaḥ
ging er (Perfekt, 3. Sg.) unter (Akk. Sg. m., 'zum Untergang') wie die Sonne (Nom. Sg. m.)
kṛtvā karma suduṣkaram
vollbracht habend (Absolutiv) eine Tat (Akk. Sg. n.), eine überaus schwere (Adj., Akk. Sg. n.)
Er, unerschütterlich wie Śakra, der zu Tausenden Pfeile regnen ließ, erschlug im Kampf innerhalb von zehn Tagen ein Arbuda an Kriegern.
Wort für Wort
yaḥ sa śakraḥ iva akṣobhyaḥ
er, der (Nom. Sg. m.), wie Śakra/Indra (Nom. Sg. m.), unerschütterlich (Adj., Nom. Sg. m.)
varṣan bāṇān sahasraśaḥ
regnen lassend (Ppr., Nom. Sg. m.) Pfeile (Akk. Pl. m.) zu Tausenden (Adv.)
jaghāna yudhi yodhānām
erschlug (Perfekt, 3. Sg.) im Kampf (Lok. Sg. f.) der Krieger (Gen. Pl. m.)
arbudam daśabhiḥ dinaiḥ
ein Arbuda (Akk. Sg. n., Zahlbegriff) innerhalb von zehn (Zahlwort, Instr. Pl. n.) Tagen (Instr. Pl. n.)
[?] 'arbudam' bezeichnet eine sehr hohe, formelhafte Zahl (traditionell hundert Millionen) und ist hier, wie im ganzen Epos üblich, als hyperbolischer Ausdruck für eine überwältigende Menge zu verstehen, nicht als wörtliche Zählung.
sa śete niṣṭanan bhūmau vātarugṇa iva drumaḥ tava durmantrite rājan yathā nārhaḥ sa bhārata
Er liegt nun stöhnend auf der Erde, wie ein vom Sturm gebrochener Baum — durch deinen schlechten Ratschluss, o König, obwohl er, o Bharata, dies wahrlich nicht verdient hätte.‘
Wort für Wort
sa śete niṣṭanan bhūmau
er (Nom. Sg. m.) liegt (Präsens, 3. Sg. Med.) stöhnend (Ppr., Nom. Sg. m.) auf der Erde (Lok. Sg. f.)
vātarugṇaḥ iva drumaḥ
wie ein vom Sturm gebrochener (Adj., Nom. Sg. m., Kompositum) Baum (Nom. Sg. m.)
tava durmantrite rājan
durch deinen (Gen. Sg.) schlechten Ratschluss (Lok. Sg. n.), o König (Vok. Sg.)
yathā na arhaḥ sa bhārata
obwohl er (Nom. Sg. m.) dies nicht verdient hätte (Adj., Nom. Sg. m.), o Bharata (Vok. Sg.)