Vyāsa sprach: Esel werden unter Kühen geboren, Söhne vergnügen sich mit ihren Müttern; außerhalb der Jahreszeit zeigen die Bäume im Wald Blüten und Früchte.
Wort für Wort
vyāsaḥ uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
kharāḥ goṣu prajāyante
Esel werden unter Kühen geboren (Nom. Pl. + Lok. Pl. + Präs. Med. 3.Pl.)
ramante mātṛbhiḥ sutāḥ
Söhne vergnügen sich mit den Müttern (Präs. Med. 3.Pl. + Instr. Pl. + Nom. Pl.)
anārtavam puṣpaphalam
außerhalb der Jahreszeit Blüte und Frucht (Akk. Sg.)
darśayanti vane drumāḥ
zeigen die Bäume im Wald (Präs. 3.Pl. + Lok. Sg. + Nom. Pl.)
Sie werden geboren mit aufgerissenem Maul, unheilvolle Laute von sich gebend; dreifüßige, kammtragende [?], pferdeartige [?], vierzähnige, gehörnte.
Wort für Wort
jāyante vivṛtāsyāḥ ca
sie werden geboren mit aufgerissenem Maul (Präs. 3.Pl. + Nom. Pl.)
vyāharantaḥ aśivāḥ giraḥ
unheilvolle Laute von sich gebend (Part. Nom. Pl. + Akk. Pl.)
tripadāḥ śikhinaḥ tārkṣyāḥ
dreifüßige, kammtragende, pferdeartige (Nom. Pl.)
caturdaṃṣṭrāḥ viṣāṇinaḥ
vierzähnige, gehörnte (Nom. Pl.)
[?] 'śikhinaḥ' (kammtragend, z.B. Pfauen) und 'tārkṣyāḥ' (im Zusammenhang mit Garuḍa/Pferden stehend) sind hier als Bezeichnungen für Missgeburten schwer eindeutig zu deuten.
tathaivānyāś ca dṛśyante striyaś ca brahmavādinām vainateyān mayūrāṃś ca janayantyaḥ pure tava
Und ebenso werden andere gesehen: die Frauen der Brahmavādin [Kenner der heiligen Lehre] gebären in deiner Stadt Söhne der Vinatā [garuḍaartige Vögel] und Pfauen.
Wort für Wort
tathā eva anyāḥ ca dṛśyante
und ebenso werden andere gesehen (Adv. + Nom. Pl. + Präs. Pass. 3.Pl.)
striyaḥ ca brahmavādinām
die Frauen der Brahmavādin (Nom. Pl. + Gen. Pl.)
vainateyān mayūrān ca
Söhne der Vinatā und Pfauen (Akk. Pl.)
janayantyaḥ pure tava
gebärend in deiner Stadt (Part. Nom. Pl. + Lok. Sg. + Gen. Sg.)
Und andere, von der Zeit getrieben, zeichnen bewaffnete Bildnisse; Kinder mit Stöcken in der Hand rennen aufeinander los, und, kampflustig, belagern sie, Gruppen bildend, Städte.
Wort für Wort
pratimāḥ ca ālikhanti anye
und andere zeichnen Bildnisse (Akk. Pl. + Präs. 3.Pl. + Nom. Pl.)
saśastrāḥ kālacoditāḥ
bewaffnete, von der Zeit getriebene (Nom. Pl.)
anyonyam abhidhāvanti śiśavaḥ
Kinder rennen aufeinander los (Akk. Adv. + Präs. 3.Pl. + Nom. Pl.)
daṇḍapāṇayaḥ uparundhanti
mit Stöcken in der Hand belagern sie (Nom. Pl. + Präs. 3.Pl.)
kṛtvā ca nagarāṇi yuyutsavaḥ
und, Gruppen bildend, kampflustig, die Städte (Absolutiv + Akk. Pl. + Nom. Pl.)
Beständig erzittert die Erde; und Rāhu [der Verfinsterungsdämon] hat die Sonne verschlungen; und der weiße Planet [?] steht, nachdem er über Citrā hinausgegangen ist.
Das Mondhaus Bhaga wird, vom Sohn der Sonne [Saturn] betreten, bedrängt; Venus, o Herr der Untertanen, ist in die vordere Proṣṭhapadā aufgestiegen und blickt, um die hintere herumgegangen, gemeinsam mit ihr zurück.
Wort für Wort
bhāgyam nakṣatram ākramya
das Mondhaus Bhaga betretend (Akk. Sg. + Absolutiv)
sūryaputreṇa pīḍyate
wird vom Sohn der Sonne bedrängt (Instr. Sg. + Präs. Pass. 3.Sg.)
śukraḥ proṣṭhapade pūrve
Venus in der vorderen Proṣṭhapadā (Nom. Sg. + Lok. Sg.)
samāruhya viśām pate
aufgestiegen, Herr der Untertanen (Absolutiv + Vok.)
uttare tu parikramya sahitaḥ pratyudīkṣate
um die hintere herumgegangen, blickt sie gemeinsam zurück (Lok. Sg. + Absolutiv + Nom. Sg. + Präs. Med. 3.Sg.)
Die Kühe, die Vornehmsten der ganzen Welt, von denen diese Welt abhängt, die für ihre Kälber Milch abgesondert haben - diese lassen nun stattdessen Blut fließen.
Wort für Wort
pradhānāḥ sarvalokasya
die Vornehmsten der ganzen Welt (Nom. Pl. + Gen. Sg.)
yāsu āyattam idam jagat
von denen diese Welt abhängt (Lok. Pl. + Nom. Sg. + Nom. Sg.)
tāḥ gāvaḥ prasnutāḥ vatsaiḥ
diese Kühe, für die Kälber Milch absondernd (Nom. Pl. + Instr. Pl.)
grahau tāmrāruṇaśikhau prajvalantāv iva sthitau saptarṣīṇām udārāṇāṃ samavacchādya vai prabhām
Zwei Planeten mit kupferrot-glühenden Scheiteln stehen wie lodernd, nachdem sie den Glanz der erhabenen Sieben Weisen [des Großen Bären] verdunkelt haben.
Wort für Wort
grahau tāmrāruṇaśikhau
zwei Planeten mit kupferrot-glühenden Scheiteln (Nom. Du.)
prajvalantau iva sthitau
wie lodernd stehend (Part. Nom. Du. + Nom. Du.)
saptarṣīṇām udārāṇām
der erhabenen Sieben Weisen (Gen. Pl.)
samavacchādya vai prabhām
nachdem sie den Glanz verdunkelt haben (Absolutiv + Akk. Sg.)
In allen drei 'vorderen' Mondhäusern [Pūrva-Phalgunī, Pūrva-Āṣāḍhā, Pūrva-Bhādrapadā], o Herr der Untertanen, fliegt Merkur beständig hindurch und erzeugt sehr große Furcht.
Wort für Wort
triṣu pūrveṣu sarveṣu nakṣatreṣu
in allen drei vorderen Mondhäusern (Lok. Pl.)
viśām pate budhaḥ saṃpatate
o Herr der Untertanen, Merkur fliegt hindurch (Vok. + Nom. Sg. + Präs. Med. 3.Sg.)
caturdaśīṃ pañcadaśīṃ bhūtapūrvāṃ ca ṣoḍaśīm imāṃ tu nābhijānāmi amāvāsyāṃ trayodaśīm
Den vierzehnten, den fünfzehnten Tag [der Neumondnacht] und einst auch den sechzehnten [kenne ich] - aber diesen Neumond am dreizehnten Tag erkenne ich nicht wieder.
Wort für Wort
caturdaśīm pañcadaśīm
den vierzehnten, den fünfzehnten (Akk. Sg.)
bhūtapūrvām ca ṣoḍaśīm
und einst auch den sechzehnten (Akk. Sg.)
imām tu na abhijānāmi
aber diesen erkenne ich nicht (Akk. Sg. + Präs. 1.Sg.)
Mond und Sonne, beide wurden verschlungen [verfinstert] innerhalb eines Monats, am dreizehnten Tag, zu einer nicht dafür bestimmten Zeit - diese beiden Verfinsterungen werden die Geschöpfe vernichten.
Wort für Wort
candrasūryau ubhau grastau
Mond und Sonne, beide verschlungen (Nom. Du. + Nom. Du. Ppp.)
ekamāse trayodaśīm
innerhalb eines Monats, am dreizehnten (Lok. Sg. + Akk. Sg.)
aparvaṇi grahau etau
zu nicht bestimmter Zeit, diese beiden Verfinsterungen (Lok. Sg. + Nom. Du.)
prajāḥ saṃkṣapayiṣyataḥ
werden die Geschöpfe vernichten (Akk. Pl. + Fut. Du.)
Die Flüsse und Bäche fließen rückwärts, ihr Wasser zu Blut geworden, schäumend; und die Brunnen brüllen wie Stiere; Meteore fallen, von Donnerschlägen begleitet, mit trockenen Blitzen vermischt.
Wort für Wort
pratisrotaḥ avahan nadyaḥ saritaḥ
die Flüsse und Bäche fließen rückwärts (Adv. + Impf. 3.Pl. + Nom. Pl.)
śoṇitodakāḥ phenāyamānāḥ
ihr Wasser zu Blut geworden, schäumend (Nom. Pl.)
kūpāḥ ca nardanti vṛṣabhāḥ iva
und die Brunnen brüllen wie Stiere (Nom. Pl. + Präs. 3.Pl. + Nom. Pl.)
patanti ulkāḥ sanirghātāḥ
es fallen Meteore mit Donnerschlägen (Präs. 3.Pl. + Nom. Pl.)
pītalohitanīlaś ca jvalaty agnir huto dvijaiḥ vāmārciḥ śāvagandhī ca dhūmaprāyaḥ kharasvanaḥ sparśā gandhā rasāś caiva viparītā mahīpate
Und das von den Zweifachgeborenen geopferte Feuer brennt gelb, rot und blau, mit nach links gewandter Flamme, nach Leichen riechend, meist rauchig, mit rauem Klang; und Tastsinn, Geruch und Geschmack [aller Dinge] sind verkehrt, o Herr der Erde.
Wort für Wort
pītalohitanīlaḥ ca jvalati agniḥ
und gelb-rot-blau brennt das Feuer (Nom. Sg. + Präs. 3.Sg. + Nom. Sg.)
hutaḥ dvijaiḥ vāmārciḥ
geopfert von den Zweifachgeborenen, mit linker Flamme (Nom. Sg. Ppp. + Instr. Pl. + Nom. Sg.)
śāvagandhī ca dhūmaprāyaḥ kharasvanaḥ
nach Leichen riechend, meist rauchig, mit rauem Klang (Nom. Sg.)
Nachdem du dies gehört hast, mögest du hier über die rechtzeitige Handlung entscheiden, damit diese Welt nicht dem völligen Untergang entgegengehe, o Bhārata.‘
Wort für Wort
etat śrutvā bhavān atra
nachdem du dies gehört hast, du hier (Akk. Sg. + Absolutiv + Nom. Sg. + Adv.)
prāptakālam vyavasyatām
möge er über die rechtzeitige Handlung entscheiden (Akk. Sg. + Imp. Med. 3.Sg.)
yathā lokaḥ samucchedam
damit die Welt dem Untergang (Adv. + Nom. Sg. + Akk. Sg.)
na ayam gaccheta bhārata
nicht entgegengehe, o Bhārata (Adv. + Nom. Sg. + Opt. 3.Sg. + Vok.)
vaiśaṃpāyana uvāca pitur vaco niśamyaitad dhṛtarāṣṭro 'bravīd idam diṣṭam etat purā manye bhaviṣyati na saṃśayaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er diese Worte seines Vaters [Vyāsa] gehört hatte, sprach Dhṛtarāṣṭra dies: ‚Dies ist, wie ich meine, längst vorherbestimmt; es wird geschehen, kein Zweifel.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
pituḥ vacaḥ niśamya etat
nachdem er diese Worte des Vaters gehört hatte (Gen. Sg. + Akk. Sg. + Absolutiv + Akk. Sg.)
Wenn Kṣatriyas gemäß der Kṣatriya-Pflicht in der Schlacht erschlagen werden, so werden sie, nachdem sie die Welt der Helden erreicht haben, ausschließlich Glück erlangen.
Wort für Wort
kṣatriyāḥ kṣatradharmeṇa
die Kṣatriyas gemäß der Kṣatriya-Pflicht (Nom. Pl. + Instr. Sg.)
vadhyante yadi saṃyuge
wenn sie erschlagen werden in der Schlacht (Präs. Pass. 3.Pl. + Lok. Sg.)
vīralokam samāsādya
die Heldenwelt erreichend (Akk. Sg. + Absolutiv)
sukham prāpsyanti kevalam
werden sie ausschließlich Glück erlangen (Akk. Sg. + Fut. 3.Pl. + Adv.)
Hier Ruhm, in der anderen Welt langandauerndes großes Glück werden diese Männertiger erlangen, nachdem sie in der großen Schlacht ihr Leben aufgegeben haben.‘
Wort für Wort
iha kīrtim pare loke
hier Ruhm, in der anderen Welt (Adv. + Akk. Sg. + Lok. Sg.)
dīrghakālam mahat sukham
langandauerndes großes Glück (Akk. Sg.)
prāpsyanti puruṣavyāghrāḥ
werden die Männertiger erlangen (Fut. 3.Pl. + Nom. Pl.)
prāṇān tyaktvā mahāhave
nachdem sie ihr Leben aufgegeben haben, in der großen Schlacht (Akk. Pl. + Absolutiv + Lok. Sg.)