Kapitel 114: Bhīṣmanipāta
Der zehnte Tag: Bhīṣmas Fall
Von allen Seiten umringt und mit unzähligen Waffen bedeckt, kämpft Bhīṣma unerschüttert weiter, bis Arjuna, Śikhaṇḍin voranstellend, wiederholt seinen Bogen zerschneidet. Bhīṣma erkennt in stillem Nachdenken, dass er gegen Arjuna nicht bestehen kann, solange Kṛṣṇa diesen beschützt, und dass er selbst die Pāṇḍavas ihrer Unverwundbarkeit und Śikhaṇḍins einstiger Weiblichkeit wegen nicht bekämpfen will. Die Ṛṣis und Vasus selbst mahnen ihn vom Himmel herab, seinen Todeswunsch zu erfüllen. Schließlich durchbohrt Arjuna, hinter Śikhaṇḍin verborgen, Bhīṣma so vollständig mit Pfeilen, dass kein fingerbreiter Fleck seines Körpers unverletzt bleibt; Bhīṣma stürzt vom Wagen, von den Pfeilen selbst wie auf einem Pfeilbett getragen, ohne den Boden zu berühren. Kraft seines Gelübdes, den Zeitpunkt seines Todes selbst zu wählen, hält er seinen Lebensatem zurück, bis die Sonne ihre Wendung zum Norden (uttarāyaṇa) nimmt, und weist himmlische Schwäne, die die Weisen als Boten senden, mit dieser Begründung ab. Beide Heere stellen die Schlacht ein; Klage und Ehrerbietung erfüllen das Feld.
śaraiḥ kanakapuṅkhaiś ca śaktitomarakampanaiḥ nārācair vatsadantaiś ca bhuśuṇḍībhiś ca bhārata atāḍayan raṇe bhīṣmaṃ sahitāḥ sarvasṛñjayāḥ
mit goldbefiederten Pfeilen und mit erschütternden Speeren und Wurfspießen, mit Eisenpfeilen, kalbszahnförmigen Pfeilen und mit Bhuśuṇḍis, o Bhārata – so trafen alle Sṛñjayas vereint Bhīṣma im Kampf.
Wort für Wort
śaraiḥ kanakapuṅkhaiś ca śaktitomarakampanaiḥ
mit goldbefiederten Pfeilen und mit erschütternden Speeren und Wurfspießen (Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah. + Konj. + Instr.Pl.Bah.)
nārācair vatsadantaiś ca bhuśuṇḍībhiś ca bhārata atāḍayan raṇe bhīṣmaṃ sahitāḥ sarvasṛñjayāḥ
mit Eisenpfeilen, kalbszahnförmigen Pfeilen und mit Bhuśuṇḍis, o Bhārata – so trafen alle Sṛñjayas vereint Bhīṣma im Kampf (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Konj. + Vok. + 3.Pl.Impf.Kaus. tāḍ- + Lok. + Akk. + Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.3 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss des in V.2 begonnenen Satzes.]
sa viśīrṇatanutrāṇaḥ pīḍito bahubhis tadā vivyathe naiva gāṅgeyo bhidyamāneṣu marmasu
Er, dessen Rüstung zerfetzt war, von vielen bedrängt, zitterte dennoch nicht, der Gāṅgeya [Bhīṣma], obwohl seine verwundbaren Stellen durchbohrt wurden.
Wort für Wort
sa viśīrṇatanutrāṇaḥ pīḍito bahubhis tadā
er, dessen Rüstung zerfetzt war, von vielen bedrängt, da (Nom. + Nom.Bah. + Nom.Past.Part. + Instr.Pl. + Adv.)
vivyathe naiva gāṅgeyo bhidyamāneṣu marmasu
zitterte dennoch nicht, der Gāṅgeya, obwohl seine verwundbaren Stellen durchbohrt wurden (3.Sg.Perf.Med. vyath- + Neg.+Partikel + Nom. + Lok.Pl.Präs.Part.Pass. + Lok.Pl.)
sa dīptaśaracāpārcir astraprasṛtamārutaḥ neminirhrādasaṃnādo mahāstrodayapāvakaḥ
Er, dessen Flammen leuchtende Pfeile und Bogen waren, dessen Wind die entfesselten Astras waren, dessen Dröhnen das Krachen der Radfelgen war, ein Feuer aus dem Aufsteigen gewaltiger Astras,
Wort für Wort
sa dīptaśaracāpārcir astraprasṛtamārutaḥ
er, dessen Flammen leuchtende Pfeile und Bogen, dessen Wind die entfesselten Astras waren (Nom. + Nom.Bah. + Nom.Bah.)
neminirhrādasaṃnādo mahāstrodayapāvakaḥ
dessen Dröhnen das Krachen der Radfelgen war, ein Feuer aus dem Aufsteigen gewaltiger Astras (Nom.Bah. + Nom.Bah.)
[Anm.: V.5 bildet eine Einheit; ausgedehntes Feuer-Gleichnis für Bhīṣma, Satz wird in V.6 fortgesetzt.]
dessen gewaltige Flammen der bunte Bogen war, dessen gewaltiger Brennstoff die Vernichtung der Helden war – Bhīṣma wurde für die Feinde wie das Feuer am Ende des Weltzeitalters.
Wort für Wort
citracāpamahājvālo vīrakṣayamahendhanaḥ
dessen gewaltige Flammen der bunte Bogen war, dessen gewaltiger Brennstoff die Vernichtung der Helden war (Nom.Bah. + Nom.Bah.)
yugāntāgnisamo bhīṣmaḥ pareṣāṃ samapadyata
Bhīṣma wurde für die Feinde wie das Feuer am Ende des Weltzeitalters (Nom. + Nom. + Gen.Pl. + 3.Sg.Impf.Med. pad-)
[Anm.: V.6 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.5 begonnenen Feuer-Gleichnisses.]
so war der tumultartige Lärm um Phalgunas Wagen (Partikel + 3.Sg.Impf. as- + Nom. + Nom. + Gen. + Akk. + Präp.)
[Anm.: V.18 bildet eine Einheit. Der wiedergegebene Ausruf ist kein einer benannten Person zugeschriebenes Zitat, sondern der beschriebene ambiente Schlachtenlärm ('śabda') der umkämpfenden Menge; er wird daher, wie andere formelhafte Kampfrufe zuvor, mit einfachen ASCII-Anführungszeichen statt mit CQ-Markern wiedergegeben.]
Śikhaṇḍin aber, der beste Wagenkämpfer, von dem Diademträger [Arjuna] beschützt, durchbohrte im Kampf Bhīṣma, dessen Bogen zerschnitten war, mit zehn Pfeilen, und zerschnitt dessen Wagenlenker mit zehn und dessen Banner mit einem Pfeil.
Wort für Wort
śikhaṇḍī tu rathaśreṣṭho rakṣyamāṇaḥ kirīṭinā
Śikhaṇḍin aber, der beste Wagenkämpfer, von dem Diademträger beschützt (Nom. + Partikel + Nom. + Nom.Präs.Part.Pass. + Instr.)
durchbohrte im Kampf Bhīṣma, dessen Bogen zerschnitten war, mit zehn Pfeilen, und zerschnitt dessen Wagenlenker mit zehn und dessen Banner mit einem Pfeil (3.Sg.Impf. vyadh- + Instr.Pl. + Akk. + Akk.Bah. + Lok. + Akk. + Instr.Pl. + Konj.+Gen. + Akk. + Konj.+Instr. + 3.Sg.Impf. chid-)
[Anm.: V.23 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.23f der Zusatzvers *0474_01 (dhanuś caikena bāṇena cicchide samare tadā, 'und zerschnitt da im Kampf den Bogen mit einem Pfeil'), eine Apparat-Variante, die inhaltlich bereits im Haupttext (chinnadhanvānam) enthalten ist (Dublette) und daher nicht gesondert übernommen wird.]
so 'nyat kārmukam ādāya gāṅgeyo vegavattaram tad apy asya śitair bhallais tribhiś ciccheda phalgunaḥ
Da ergriff der Gāṅgeya [Bhīṣma] einen anderen, noch wuchtigeren Bogen; auch diesen zerschnitt Phalguna [Arjuna] mit drei scharfen, breitköpfigen Pfeilen.
Wort für Wort
so 'nyat kārmukam ādāya gāṅgeyo vegavattaram
da ergriff der Gāṅgeya einen anderen, noch wuchtigeren Bogen (Nom. + Akk. + Akk. + Ger. dā- + Nom. + Akk.)
tad apy asya śitair bhallais tribhiś ciccheda phalgunaḥ
auch diesen zerschnitt Phalguna mit drei scharfen, breitköpfigen Pfeilen (Akk. + Konj. + Gen. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr. + 3.Sg.Perf. chid- + Nom.)
sa cchinnadhanvā saṃkruddhaḥ sṛkkiṇī parisaṃlihan śaktiṃ jagrāha saṃkruddho girīṇām api dāraṇīm tāṃ ca cikṣepa saṃkruddhaḥ phalgunasya rathaṃ prati
Er, dessen Bogen zerschnitten war, hocherzürnt, sich die Mundwinkel leckend, ergriff hocherzürnt einen Speer, der selbst Berge spalten konnte, und schleuderte ihn, hocherzürnt, auf Phalgunas Wagen.
Wort für Wort
sa cchinnadhanvā saṃkruddhaḥ sṛkkiṇī parisaṃlihan
er, dessen Bogen zerschnitten war, hocherzürnt, sich die Mundwinkel leckend (Nom. + Nom.Bah. + Nom. + Akk.Dual + Präs.Part.)
śaktiṃ jagrāha saṃkruddho girīṇām api dāraṇīm tāṃ ca cikṣepa saṃkruddhaḥ phalgunasya rathaṃ prati
ergriff hocherzürnt einen Speer, der selbst Berge spalten konnte, und schleuderte ihn, hocherzürnt, auf Phalgunas Wagen (Akk. + 3.Sg.Perf. grah- + Nom. + Gen.Pl. + Konj. + Akk. + Akk. + Konj. + 3.Sg.Perf. kṣip- + Nom. + Gen. + Akk. + Präp.)
[Anm.: V.26 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.26f der Zusatzvers *0474A_01 (preṣayām āsa śaktiṃ ca yamadaṃṣṭropamāṃ dṛḍhām, 'und schleuderte den festen Speer, den Zähnen Yamas gleich'), eine Apparat-Variante, die denselben Wurf wie V.26e beschreibt (Dublette) und daher nicht in den Haupttext übernommen wird.]
'Ich bin imstande, mit nur einem Bogen alle Pāṇḍavas zu vernichten, wenn nicht Viṣvaksena [Kṛṣṇa], der Gewaltige, ihr Beschützer wäre,
Wort für Wort
śakto 'haṃ dhanuṣaikena nihantuṃ sarvapāṇḍavān
ich bin imstande, mit nur einem Bogen alle Pāṇḍavas zu vernichten (Nom. + Nom. + Instr. + Inf. + Akk.Pl.)
yady eṣāṃ na bhaved goptā viṣvakseno mahābalaḥ
wenn nicht Viṣvaksena, der Gewaltige, ihr Beschützer wäre (Konj. + Gen.Pl. + Neg. + 3.Sg.Opt. bhū- + Nom. + Nom. + Nom.)
[Anm.: V.31 bildet eine Einheit; Fortsetzung von Bhīṣmas stillem Nachdenken. Da es sich um einen unausgesprochenen inneren Gedanken handelt (vgl. V.11), wird er, der etablierten Konvention folgend, mit einfachen ASCII-Anführungszeichen statt mit CQ-Markern wiedergegeben. Im kritischen Apparat findet sich nach V.31d der Zusatzvers *0475_01 (ajayyaś caiva sarveṣāṃ lokānām iti me matiḥ, 'und unbesiegbar für alle Welten – das ist meine Meinung'), eine inhaltlich redundante Apparat-Variante, die daher nicht in den Haupttext übernommen wird.]
kāraṇadvayam āsthāya nāhaṃ yotsyāmi pāṇḍavaiḥ avadhyatvāc ca pāṇḍūnāṃ strībhāvāc ca śikhaṇḍinaḥ
aus zwei Gründen werde ich nicht gegen die Pāṇḍavas kämpfen: wegen der Unverletzlichkeit der Pāṇḍus und wegen der einstigen Weiblichkeit Śikhaṇḍins,
Wort für Wort
kāraṇadvayam āsthāya nāhaṃ yotsyāmi pāṇḍavaiḥ
aus zwei Gründen werde ich nicht gegen die Pāṇḍavas kämpfen (Akk. + Ger. sthā- + Neg.+Nom. + 1.Sg.Fut. yudh- + Instr.Pl.)
avadhyatvāc ca pāṇḍūnāṃ strībhāvāc ca śikhaṇḍinaḥ
wegen der Unverletzlichkeit der Pāṇḍus und wegen der einstigen Weiblichkeit Śikhaṇḍins (Abl. + Konj. + Gen.Pl. + Abl. + Konj. + Gen.)
[Anm.: V.32 bildet eine Einheit; Fortsetzung von Bhīṣmas stillem Nachdenken (kein erneuter Anführungszeichen-Marker innerhalb desselben Gedankenblocks).]
als mein Vater einst zufrieden war, als er Kālī [Satyavatī] heimführte, gab er mir die Gabe des selbstgewählten Todeszeitpunkts und ebenso die Unverletzlichkeit im Kampf; darum halte ich meinen Tod für gleichsam zur rechten Zeit für mich gekommen.'
Wort für Wort
pitrā tuṣṭena me pūrvaṃ yadā kālīm udāvahat
als mein Vater einst zufrieden war, als er Kālī heimführte (Instr. + Instr. + Gen. + Adv. + Konj. + Akk. + 3.Sg.Impf. vah-)
gab er mir die Gabe des selbstgewählten Todeszeitpunkts und ebenso die Unverletzlichkeit im Kampf; darum halte ich meinen Tod für gleichsam zur rechten Zeit für mich gekommen (Akk. + Nom.Past.Part. + Akk. + Lok. + Adv. + Adv. + Akk. + Nom. + 1.Sg.Präs. man- + Akk. + Partikel+Gen.)
[Anm.: V.33 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas stillem Nachdenken.]
Und große Verwirrung herrschte unter den dreißig Göttern, o Herrscher der Menschen, beim Gedanken, dass Bhīṣma, der allen Welten Liebe, nun vom Wagen fallen werde.
Wort für Wort
saṃbhramaś ca mahān āsīt tridaśānāṃ viśāṃ pate
und große Verwirrung herrschte unter den dreißig Göttern, o Herrscher der Menschen (Nom. + Konj. + Nom. + 3.Sg.Impf. as- + Gen.Pl. + Gen.Pl. + Vok.)
patiṣyati rathād bhīṣme sarvalokapriye tadā
beim Gedanken, dass Bhīṣma, der allen Welten Liebe, nun vom Wagen fallen werde (3.Sg.Fut. pat- + Abl. + Lok. + Lok. + Adv.)
Nachdem er so die Worte der Götterscharen gehört hatte, wandte sich der hochgesinnte Bhīṣma, der Sohn des Śāṃtanu, nicht mehr gegen Bībhatsu [Arjuna], obwohl er von scharfen Pfeilen, die jede Rüstung durchdrangen, durchbohrt wurde.
Wort für Wort
iti devagaṇānāṃ ca śrutvā vākyaṃ mahāmanāḥ
nachdem er so die Worte der Götterscharen gehört hatte, der Hochgesinnte (Partikel + Gen.Pl. + Konj. + Ger. śru- + Akk. + Nom.)
wandte sich da der Sohn des Śāṃtanu, Bhīṣma, nicht mehr gegen Bībhatsu, obwohl er von scharfen Pfeilen, die jede Rüstung durchdrangen, durchbohrt wurde (Adv. + Nom. + Nom. + Akk. + Neg.+3.Sg.Impf.Med. vṛt- + Nom.Präs.Part.Pass. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
[Anm.: V.40 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
evam anyair api bhṛśaṃ vadhyamāno mahāraṇe na cakrus te rujaṃ tasya rukmapuṅkhāḥ śilāśitāḥ
So, auch von den anderen heftig bedrängt im großen Kampf, bereiteten jene goldbefiederten, an Stein geschärften Pfeile ihm dennoch keinen Schmerz.
Wort für Wort
evam anyair api bhṛśaṃ vadhyamāno mahāraṇe
so, auch von den anderen heftig bedrängt im großen Kampf (Adv. + Instr.Pl. + Konj. + Adv. + Nom.Präs.Part.Pass. + Lok.)
na cakrus te rujaṃ tasya rukmapuṅkhāḥ śilāśitāḥ
bereiteten jene goldbefiederten, an Stein geschärften Pfeile ihm dennoch keinen Schmerz (Neg. + 3.Pl.Perf. kṛ- + Nom.Pl. + Akk. + Gen. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.45 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.45b eine vierzeilige Zusatzpassage (*0476_01 bis *0476_04), die beschreibt, wie Bhīṣma auch die Pfeile der anderen Angreifer sowie Śikhaṇḍins Pfeile im Kampf abwehrt – inhaltlich weitgehend redundant mit V.45c sowie mit dem bereits in V.12 etablierten Motiv der wirkungslosen Śikhaṇḍin-Pfeile, weshalb sie nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Dann durchbohrte er ihn mit zehn Pfeilen, zerschnitt sein Banner mit einem, und ließ seinen Wagenlenker mit zehn Pfeilen erzittern.
Wort für Wort
athainaṃ daśabhir viddhvā dhvajam ekena cicchide
dann, nachdem er ihn mit zehn Pfeilen durchbohrt hatte, zerschnitt er sein Banner mit einem (Adv.+Akk. + Instr.Pl. + Ger. vyadh- + Akk. + Instr. + 3.Sg.Impf. chid-)
sārathiṃ viśikhaiś cāsya daśabhiḥ samakampayat
und ließ seinen Wagenlenker mit zehn Pfeilen erzittern (Akk. + Instr.Pl. + Konj.+Gen. + Instr.Pl. + 3.Sg.Impf.Kaus. kamp-)
so 'nyat kārmukam ādatta gāṅgeyo balavattaram tad apy asya śitair bhallais tridhā tribhir upānudat nimeṣāntaramātreṇa āttam āttaṃ mahāraṇe
Da ergriff der Gāṅgeya einen anderen, noch stärkeren Bogen; auch diesen zerschnitt er mit drei scharfen, breitköpfigen Pfeilen in drei Teile, den jeweils ergriffenen, im Bruchteil eines Augenblicks, im großen Kampf.
Wort für Wort
so 'nyat kārmukam ādatta gāṅgeyo balavattaram
da ergriff der Gāṅgeya einen anderen, noch stärkeren Bogen (Nom. + Akk. + Akk. + 3.Sg.Impf.Med. dā- + Nom. + Akk.)
tad apy asya śitair bhallais tridhā tribhir upānudat nimeṣāntaramātreṇa āttam āttaṃ mahāraṇe
auch diesen zerschnitt er mit drei scharfen, breitköpfigen Pfeilen in drei Teile, den jeweils ergriffenen, im Bruchteil eines Augenblicks, im großen Kampf (Akk. + Konj. + Gen. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Instr. + 3.Sg.Impf. nud- + Instr. + Akk.Past.Part. + Akk. + Lok.)
[Anm.: V.48 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
athainaṃ pañcaviṃśatyā kṣudrakāṇāṃ samardayat so 'tividdho maheṣvāso duḥśāsanam abhāṣata
Dann quälte er ihn mit fünfundzwanzig kleinen Pfeilen; der so heftig getroffene große Bogenschütze sprach zu Duḥśāsana:
Wort für Wort
athainaṃ pañcaviṃśatyā kṣudrakāṇāṃ samardayat
dann quälte er ihn mit fünfundzwanzig kleinen Pfeilen (Adv.+Akk. + Instr. + Gen.Pl. + 3.Sg.Impf. ard-)
so 'tividdho maheṣvāso duḥśāsanam abhāṣata
der so heftig getroffene große Bogenschütze sprach zu Duḥśāsana (Nom. + Nom.Past.Part. + Nom. + Akk. + 3.Sg.Impf.Med. bhāṣ-)
[Anm.: V.50 bildet eine Einheit; Einleitung von Bhīṣmas Rede an Duḥśāsana (fortgesetzt bis V.52). Im kritischen Apparat findet sich nach V.50b der Zusatzvers *0477_01 (paśyatāṃ kuruvīrāṇāṃ sarveṣāṃ tatra bhārata, 'vor den Augen aller Kuru-Helden dort, o Bhārata'), eine beschreibende Apparat-Variante, die daher nicht in den Haupttext übernommen wird.]
na caiṣa śakyaḥ samare jetuṃ vajrabhṛtā api na cāpi sahitā vīrā devadānavarākṣasāḥ māṃ caiva śaktā nirjetuṃ kim u martyāḥ sudurbalāḥ
Und dieser ist im Kampf nicht einmal von dem Donnerkeilträger [Indra] zu besiegen; auch die vereinten Helden – Götter, Dānavas und Rākṣasas – vermögen mich nicht zu besiegen, wieviel weniger die überaus schwachen Sterblichen.“
Wort für Wort
na caiṣa śakyaḥ samare jetuṃ vajrabhṛtā api
und dieser ist im Kampf nicht einmal von dem Donnerkeilträger zu besiegen (Neg. + Konj.+Nom. + Nom. + Lok. + Inf. + Instr. + Konj.)
na cāpi sahitā vīrā devadānavarākṣasāḥ māṃ caiva śaktā nirjetuṃ kim u martyāḥ sudurbalāḥ
auch die vereinten Helden – Götter, Dānavas und Rākṣasas – vermögen mich nicht zu besiegen, wieviel weniger die überaus schwachen Sterblichen (Neg. + Konj.+Partikel + Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah. + Akk. + Konj. + Nom.Pl. + Inf. + Partikel + Partikel + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
[Anm.: V.52 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Rede (CQ_CLOSE). Im kritischen Apparat findet sich nach V.52f eine zweizeilige Zusatzpassage (*0478_01-02: na cāham api śaktas tu sarvair api mahārathaiḥ / ṛte 'rjunaṃ susaṃkruddhair etat satyaṃ bravīmi te, 'und auch ich selbst bin nicht [zu besiegen], selbst von allen großen Wagenkämpfern zusammen, hocherzürnt, außer von Arjuna – dies sage ich dir als Wahrheit'), eine inhaltliche Erweiterung, die im Apparat verbleibt und nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Während die beiden [Bhīṣma und Duḥśāsana] so miteinander sprachen, durchbohrte Phalguna [Arjuna] mit scharfen Pfeilen, Śikhaṇḍin voranstellend, Bhīṣma im Kampf.
Wort für Wort
evaṃ tayoḥ saṃvadatoḥ phalguno niśitaiḥ śaraiḥ
während die beiden so miteinander sprachen, Phalguna mit scharfen Pfeilen (Adv. + Gen.Du.Abs. + Gen.Du.Abs.Präs.Part. + Nom. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
śikhaṇḍinaṃ puraskṛtya bhīṣmaṃ vivyādha saṃyuge
Śikhaṇḍin voranstellend, durchbohrte er Bhīṣma im Kampf (Akk. + Ger. puraskṛ- + Akk. + 3.Sg.Perf. vyadh- + Lok.)
[Anm.: V.53 bildet eine Einheit. 'tayoḥ saṃvadatoḥ' (Genitivus absolutus) bezieht sich auf das vorangegangene Gespräch zwischen Bhīṣma und Duḥśāsana (V.50-52).]
„Deren Berührung dem Blitz des Donnerkeils gleicht, die scharfspitzig tief eindringen, entfesselt, ununterbrochen [einschlagend] – diese Pfeile hier sind nicht Śikhaṇḍins.
Wort für Wort
vajrāśanisamasparśāḥ śitāgrāḥ saṃpraveśitāḥ
deren Berührung dem Blitz des Donnerkeils gleicht, scharfspitzig, tief eindringend (Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Past.Part.Kaus.)
vimuktā avyavacchinnā neme bāṇāḥ śikhaṇḍinaḥ
entfesselt, ununterbrochen – diese Pfeile hier sind nicht Śikhaṇḍins (Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl. + Neg.+Nom.Pl. + Nom.Pl. + Gen.)
[Anm.: V.55 bildet eine Einheit; Beginn der 'neme bāṇāḥ śikhaṇḍinaḥ'-Refrainpassage (CQ_OPEN, fortgesetzt bis V.61).]
brahmadaṇḍasamasparśā vajravegā durāsadāḥ mama prāṇān ārujanti neme bāṇāḥ śikhaṇḍinaḥ
Deren Berührung dem Brahma-Stab gleicht, mit der Wucht des Donnerkeils, unnahbar, zerstören sie meinen Lebensatem – diese Pfeile hier sind nicht Śikhaṇḍins.
Wort für Wort
brahmadaṇḍasamasparśā vajravegā durāsadāḥ
deren Berührung dem Brahma-Stab gleicht, mit der Wucht des Donnerkeils, unnahbar (Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah.)
mama prāṇān ārujanti neme bāṇāḥ śikhaṇḍinaḥ
zerstören sie meinen Lebensatem – diese Pfeile hier sind nicht Śikhaṇḍins (Gen. + Akk.Pl. + 3.Pl.Präs. ruj- + Neg.+Nom.Pl. + Nom.Pl. + Gen.)
[Anm.: V.57 bildet eine Einheit; Fortsetzung der Refrainpassage.]
nāśayantīva me prāṇān yamadūtā ivāhitāḥ gadāparighasaṃsparśā neme bāṇāḥ śikhaṇḍinaḥ
Wie feindselige Todesboten scheinen sie meinen Lebensatem zu vernichten; diese Pfeile, deren Berührung Keule und Eisenstange gleicht, sind nicht Śikhaṇḍins.
Wort für Wort
nāśayantīva me prāṇān yamadūtā ivāhitāḥ
wie feindselige Todesboten scheinen sie meinen Lebensatem zu vernichten (3.Pl.Präs.Kaus.+Partikel naś- + Gen. + Akk.Pl. + Nom.Pl. + Partikel+Nom.Pl.)
gadāparighasaṃsparśā neme bāṇāḥ śikhaṇḍinaḥ
diese Pfeile, deren Berührung Keule und Eisenstange gleicht, sind nicht Śikhaṇḍins (Nom.Pl.Bah. + Neg.+Nom.Pl. + Nom.Pl. + Gen.)
[Anm.: V.59 bildet eine Einheit; Fortsetzung der Refrainpassage.]
sarve hy api na me duḥkhaṃ kuryur anye narādhipāḥ vīraṃ gaṇḍīvadhanvānam ṛte jiṣṇuṃ kapidhvajam
Denn selbst alle anderen Herrscher der Menschen zusammen könnten mir kein Leid zufügen, außer dem Helden mit dem Gāṇḍīva-Bogen, dem siegreichen Jiṣṇu mit dem Affenbanner.“
Wort für Wort
sarve hy api na me duḥkhaṃ kuryur anye narādhipāḥ
denn selbst alle anderen Herrscher der Menschen zusammen könnten mir kein Leid zufügen (Nom.Pl. + Partikel + Konj. + Neg. + Gen. + Akk. + 3.Pl.Opt. kṛ- + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
vīraṃ gaṇḍīvadhanvānam ṛte jiṣṇuṃ kapidhvajam
außer dem Helden mit dem Gāṇḍīva-Bogen, dem siegreichen Jiṣṇu mit dem Affenbanner (Akk. + Akk. + Präp. + Akk. + Akk.)
[Anm.: V.61 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas zweiter Rede an Duḥśāsana (CQ_CLOSE).]
tām asya viśikhaiś chittvā tridhā tribhir apātayat paśyatāṃ kuruvīrāṇāṃ sarveṣāṃ tatra bhārata
Diesen zerschnitt er [Arjuna] mit drei Pfeilen in drei Teile und ließ ihn fallen, vor den Augen aller Kuru-Helden dort, o Bhārata.
Wort für Wort
tām asya viśikhaiś chittvā tridhā tribhir apātayat
diesen zerschnitt er mit drei Pfeilen in drei Teile und ließ ihn fallen (Akk. + Gen. + Instr.Pl. + Ger. chid- + Adv. + Instr.Pl. + 3.Sg.Impf.Kaus. pat-)
paśyatāṃ kuruvīrāṇāṃ sarveṣāṃ tatra bhārata
vor den Augen aller Kuru-Helden dort, o Bhārata (Gen.Pl.Präs.Part. + Gen.Pl. + Gen.Pl. + Adv. + Vok.)
Da ergriff der Gāṅgeya einen Schild und ein anderes, goldverziertes Schwert, entschlossen, entweder den Tod zuvor oder den Sieg zu erlangen.
Wort für Wort
carmāthādatta gāṅgeyo jātarūpapariṣkṛtam
da ergriff der Gāṅgeya einen Schild, goldverziert (Akk.+Adv.+3.Sg.Impf.Med. dā- + Nom. + Akk.)
khaḍgaṃ cānyataraṃ prepsur mṛtyor agre jayāya vā
und ein anderes Schwert, entschlossen, entweder den Tod zuvor oder den Sieg zu erlangen (Akk. + Konj.+Akk. + Nom.Desid.Part. āp- + Gen. + Lok. + Dat. + Partikel)
vinadyoccaiḥ siṃha iva svāny anīkāny acodayat abhidravata gāṅgeyaṃ māṃ vo 'stu bhayam aṇv api
Laut brüllend wie ein Löwe trieb er [Bhīṣma] die Kampfreihen ringsum an: „Stürmt heran auf den Gāṅgeya! Nicht die geringste Furcht sei euer!“
Wort für Wort
vinadyoccaiḥ siṃha iva svāny anīkāny acodayat
laut brüllend wie ein Löwe trieb er die Kampfreihen ringsum an (Ger.+Adv. + Nom. + Partikel + Akk.Pl.Bah. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Kaus. cud-)
abhidravata gāṅgeyaṃ māṃ vo 'stu bhayam aṇv api
stürmt heran auf den Gāṅgeya! Nicht die geringste Furcht sei euer (2.Pl.Imp. dru- + Akk. + Akk. + Gen.Pl. + 3.Sg.Imp. as- + Nom. + Adv. + Konj.)
[Anm.: V.66 bildet eine Einheit; enthält Erzählung und direkte Rede (CQ_OPEN/CQ_CLOSE um die Herausforderung). Subjekt bleibt Bhīṣma (Gāṅgeya), der von sich in der dritten Person spricht und die ihn umringenden Angreifer zum furchtlosen Angriff auf sich selbst herausfordert – im Einklang mit seinem in V.64 ausgedrückten Entschluss, Tod oder Sieg zu suchen.]
vatsadantaiś ca bhallaiś ca tam ekam abhidudruvuḥ siṃhanādas tato ghoraḥ pāṇḍavānām ajāyata
mit kalbszahnförmigen Pfeilen und mit Bhallas stürmten sie auf ihn, den Einzelnen, los; da erhob sich der furchtbare Löwenschrei der Pāṇḍavas.
Wort für Wort
vatsadantaiś ca bhallaiś ca tam ekam abhidudruvuḥ
mit kalbszahnförmigen Pfeilen und mit Bhallas stürmten sie auf ihn, den Einzelnen, los (Instr.Pl. + Konj. + Instr.Pl. + Konj. + Akk. + Akk. + 3.Pl.Perf. dru-)
siṃhanādas tato ghoraḥ pāṇḍavānām ajāyata
da erhob sich der furchtbare Löwenschrei der Pāṇḍavas (Nom. + Adv. + Nom. + Gen.Pl. + 3.Sg.Impf.Med. jan-)
[Anm.: V.68 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.67 begonnenen Satzes.]
tatrāsīt tumulaṃ yuddhaṃ tāvakānāṃ paraiḥ saha daśame 'hani rājendra bhīṣmārjunasamāgame
Dort entstand ein tumultartiger Kampf deiner Leute mit den Feinden, am zehnten Tag, o Herrscher der Könige, beim Zusammentreffen von Bhīṣma und Arjuna.
Wort für Wort
tatrāsīt tumulaṃ yuddhaṃ tāvakānāṃ paraiḥ saha
dort entstand ein tumultartiger Kampf deiner Leute mit den Feinden (Adv.+3.Sg.Impf. as- + Nom. + Nom. + Gen.Pl. + Instr.Pl. + Präp.)
daśame 'hani rājendra bhīṣmārjunasamāgame
am zehnten Tag, o Herrscher der Könige, beim Zusammentreffen von Bhīṣma und Arjuna (Lok. + Lok. + Vok. + Lok.)
Nachdem er zehntausend Krieger getötet hatte, stand Bhīṣma an jenem zehnten Tag [immer noch] in der Schlacht, während seine Lebenspunkte durchbohrt wurden.
Wort für Wort
yodhānām ayutaṃ hatvā tasmin sa daśame 'hani
nachdem er zehntausend Krieger getötet hatte, an jenem zehnten Tag (Gen.Pl. + Akk. + Ger. han- + Lok. + Nom. + Lok.)
atiṣṭhad āhave bhīṣmo bhidyamāneṣu marmasu
stand Bhīṣma [immer noch] in der Schlacht, während seine Lebenspunkte durchbohrt wurden (3.Sg.Impf. sthā- + Lok. + Nom. + Lok.Pl.Präs.Part.Pass. + Lok.Pl.)
Da ließ der an der Spitze des Heeres stehende Pārtha Dhanaṃjaya [Arjuna] das Heer mitten durch die Kuru-Truppen fliehen [zerstreute er die Heerschar].
Wort für Wort
tataḥ senāmukhe tasmin sthitaḥ pārtho dhanaṃjayaḥ
da der an der Spitze des Heeres stehende Pārtha Dhanaṃjaya (Adv. + Lok. + Lok. + Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.)
madhyena kurusainyānāṃ drāvayām āsa vāhinīm
ließ das Heer mitten durch die Kuru-Truppen fliehen (Instr. + Gen.Pl. + 3.Sg.Perf.Kaus. dru- + Akk.)
[Anm.: V.74 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.74d eine zweizeilige Zusatzpassage (*0479_01-02: tatrādbhutam apaśyāma pāṇḍavānāṃ parākramam / drāvayām āsur iṣubhiḥ sarvān bhīṣmapadānugān, 'Dort sahen wir eine wunderbare Tapferkeit der Pāṇḍavas; sie vertrieben mit Pfeilen alle, die Bhīṣmas Spur folgten'), eine in der ersten Person Plural gehaltene, inhaltlich redundante Erweiterung, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
Wir, aus Furcht vor dem Weißrossigen, dem Sohn der Kuntī, Dhanaṃjaya, von scharfen Waffen bedrängt, flohen aus der großen Schlacht.
Wort für Wort
vayaṃ śvetahayād bhītāḥ kuntīputrād dhanaṃjayāt
wir, aus Furcht vor dem Weißrossigen, dem Sohn der Kuntī, Dhanaṃjaya (Nom.Pl. + Abl. + Nom.Pl.Past.Part. + Abl. + Abl.)
pīḍyamānāḥ śitaiḥ śastraiḥ pradravāma mahāraṇāt
von scharfen Waffen bedrängt, flohen wir aus der großen Schlacht (Nom.Pl.Präs.Part.Pass. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + 1.Pl.Präs. dru- + Abl.)
[Anm.: V.75 bildet eine Einheit. Saṃjaya wechselt hier, wie an mehreren Stellen des Epos, kurzzeitig in die erste Person Plural und schildert das Kampfgeschehen als Teil der (fliehenden) Kaurava-Seite; kein eigener markierter Sprecher, daher keine CQ-Markierung.]
Die Sauvīras, Kitavas, Prācyas, Pratīcyas, Udīcyas und Mālavas, die Abhīṣāhas, Śūrasenas, Śibis und Vasātis –
Wort für Wort
sauvīrāḥ kitavāḥ prācyāḥ pratīcyodīcyamālavāḥ
die Sauvīras, Kitavas, Prācyas, Pratīcyas, Udīcyas und Mālavas (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Dvandva)
abhīṣāhāḥ śūrasenāḥ śibayo 'tha vasātayaḥ
die Abhīṣāhas, Śūrasenas, Śibis und die Vasātis (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv. + Nom.Pl.)
[Anm.: V.76 (a+c) bildet eine Einheit; Beginn einer Völkerliste, die in V.77 mit dem Hauptverb fortgesetzt wird. Im kritischen Apparat findet sich nach V.76b eine fünfzeilige Zusatzpassage (*0480_01 bis *0480_05), die inhaltlich vom Haupttext abweicht: Sie berichtet, dass 'deine Leute' [tāvakāḥ, d.h. Kaurava-Krieger wie Droṇa, Aśvatthāman, Kṛpa und Śalya], von den Pfeilen der fünf Pāṇḍavas, Sātyakis, Dhṛṣṭadyumnas und der Pāñcālas verwundet, Bhīṣma in der großen Schlacht verließen – ein dem Haupttext (der gerade das Gegenteil, nämlich das Nicht-Verlassen bestimmter Völker, schildert) widersprechender Variantenbericht, der daher nicht übernommen wird.]
śālvāśrayās trigartāś ca ambaṣṭhāḥ kekayaiḥ saha dvādaśaite janapadāḥ śarārtā vraṇapīḍitāḥ saṃgrāme na jahur bhīṣmaṃ yudhyamānaṃ kirīṭinā
die Śālvāśrayas und Trigartas, die Ambaṣṭhas samt den Kekayas – diese zwölf Völker, von Pfeilen gepeinigt, von Wunden geplagt, verließen Bhīṣma, der gegen den Diademträger [Arjuna] kämpfte, in der Schlacht nicht.
Wort für Wort
śālvāśrayās trigartāś ca ambaṣṭhāḥ kekayaiḥ saha
die Śālvāśrayas und Trigartas, die Ambaṣṭhas samt den Kekayas (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Instr.Pl. + Präp.)
dvādaśaite janapadāḥ śarārtā vraṇapīḍitāḥ
diese zwölf Völker, von Pfeilen gepeinigt, von Wunden geplagt (Nom. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah.)
saṃgrāme na jahur bhīṣmaṃ yudhyamānaṃ kirīṭinā
verließen Bhīṣma, der gegen den Diademträger kämpfte, in der Schlacht nicht (Lok. + Neg. + 3.Pl.Perf. hā- + Akk. + Akk.Präs.Part. + Instr.)
[Anm.: V.77 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Abschluss der in V.76 begonnenen Völkerliste und des Satzes.]
nipātayata gṛhṇīta vidhyatātha ca karṣata ity āsīt tumulaḥ śabdo rājan bhīṣmarathaṃ prati
"Bringt ihn zu Fall! Ergreift ihn! Durchbohrt ihn und zerrt ihn herab!" – so erhob sich, o König, ein tumultartiges Geschrei gegenüber Bhīṣmas Wagen.
Wort für Wort
nipātayata gṛhṇīta vidhyatātha ca karṣata
bringt ihn zu Fall! Ergreift ihn! Durchbohrt und zerrt ihn herab (2.Pl.Imp.Kaus. pat- + 2.Pl.Imp. grah- + 2.Pl.Imp.+Konj. vyadh- + Konj. + 2.Pl.Imp. kṛṣ-)
ity āsīt tumulaḥ śabdo rājan bhīṣmarathaṃ prati
so erhob sich, o König, ein tumultartiges Geschrei gegenüber Bhīṣmas Wagen (Partikel + 3.Sg.Impf. as- + Nom. + Nom. + Vok. + Akk. + Präp.)
[Anm.: V.79 bildet eine Einheit; unpersönlicher, nicht namentlich zugeordneter Schlachtenlärm (analog V.18), daher in schlichten Anführungszeichen ohne CQ-Marker wiedergegeben.]
Nachdem sie ihn mit Pfeilfluten zu Hunderten und Tausenden getroffen hatten, gab es an seinem Körper keine fingerbreite Stelle mehr, die nicht durchbohrt war.
Wort für Wort
abhihatya śaraughais taṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ
nachdem sie ihn mit Pfeilfluten zu Hunderten und Tausenden getroffen hatten (Ger. han- + Instr.Pl. + Akk. + Adv. + Adv. + Adv.)
na tasyāsīd anirbhinnaṃ gātreṣv aṅgulamātrakam
gab es an seinem Körper keine fingerbreite Stelle mehr, die nicht durchbohrt war (Neg. + Gen.+3.Sg.Impf. as- + Nom.Neg.Past.Part. + Lok.Pl. + Nom.)
So, o Herr, wurde dein Vater von den scharfspitzigen Pfeilen Phalgunas im Kampf gänzlich zerfetzt und fiel, mit dem Kopf voran, vom Wagen, als von der Sonne nur noch wenig übrig war, vor den Augen deiner Söhne.
Wort für Wort
evaṃ vibho tava pitā śarair viśakalīkṛtaḥ
so, o Herr, wurde dein Vater von den Pfeilen gänzlich zerfetzt (Adv. + Vok. + Gen. + Nom. + Instr.Pl. + Nom.Past.Part.)
śitāgraiḥ phalgunenājau prākśirāḥ prāpatad rathāt
von den scharfspitzigen [Pfeilen] Phalgunas im Kampf, mit dem Kopf voran fiel er vom Wagen (Instr.Pl.Bah. + Instr. + Lok. + Nom.Bah. + 3.Sg.Impf. pat- + Abl.)
kiṃciccheṣe dinakare putrāṇāṃ tava paśyatām
als von der Sonne nur noch wenig übrig war, vor den Augen deiner Söhne (Nom.+Lok.Abs. + Lok.Abs. + Gen.Pl. + Gen. + Gen.Pl.Präs.Part.)
[Anm.: V.81 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Höhepunkt der Erzählung – Bhīṣmas Sturz vom Wagen, kurz vor Sonnenuntergang.]
Er, der Großarmige, fiel, die Erde erdröhnen lassend, wie eine niedergelassene Indra-Standarte, das Banner aller Bogenschützen; und doch berührte er, von der Menge der Pfeile getragen, die Erde nicht.
Wort für Wort
sa papāta mahābāhur vasudhām anunādayan
er, der Großarmige, fiel, die Erde erdröhnen lassend (Nom. + 3.Sg.Perf. pat- + Nom.Bah. + Akk. + Nom.Präs.Part.Kaus.)
indradhvaja ivotsṛṣṭaḥ ketuḥ sarvadhanuṣmatām
wie eine niedergelassene Indra-Standarte, das Banner aller Bogenschützen (Nom. + Partikel+Nom.Past.Part. + Nom. + Gen.Pl.Bah.)
dharaṇīṃ nāspṛśac cāpi śarasaṃghaiḥ samācitaḥ
und doch berührte er, von der Menge der Pfeile getragen, die Erde nicht (Akk. + Neg.+3.Sg.Impf. spṛś- + Konj.+Partikel + Instr. + Nom.Past.Part.)
[Anm.: V.84 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
Und der Held erlangte [wieder] Bewusstsein, o Bhārata, nachdem er über den [rechten] Zeitpunkt nachgedacht hatte; und er hörte im Luftraum von allen Seiten eine göttliche Stimme.
Wort für Wort
saṃjñāṃ caivālabhad vīraḥ kālaṃ saṃcintya bhārata
und der Held erlangte [wieder] Bewusstsein, o Bhārata, nachdem er über den Zeitpunkt nachgedacht hatte (Akk. + Konj.+Partikel+3.Sg.Impf. labh- + Nom. + Akk. + Ger. cint- + Vok.)
antarikṣe ca śuśrāva divyāṃ vācaṃ samantataḥ
und er hörte im Luftraum von allen Seiten eine göttliche Stimme (Lok. + Konj. + 3.Sg.Perf. śru- + Akk. + Akk. + Adv.)
[Anm.: V.87 bildet eine Einheit; Einleitung der himmlischen Stimme (fortgesetzt in V.88, CQ_OPEN).]
„Wie [kann es sein, dass] der hochgesinnte Gāṅgeya, der Beste aller Waffenträger, der Tiger unter den Männern, seinen Tod herbeiführen will, während doch die Sonnenwende nach Süden eingetreten ist?“
Wort für Wort
kathaṃ mahātmā gāṅgeyaḥ sarvaśastrabhṛtāṃ varaḥ
wie [kann es sein, dass] der hochgesinnte Gāṅgeya, der Beste aller Waffenträger (Adv. + Nom.Bah. + Nom. + Gen.Pl.Bah. + Nom.)
kālaṃ kartā naravyāghraḥ saṃprāpte dakṣiṇāyane
der Tiger unter den Männern seinen Tod herbeiführen will, während die Sonnenwende nach Süden eingetreten ist (Akk. + Nom.Fut.Part.Akt. + Nom. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok.Abs.)
[Anm.: V.88 bildet eine Einheit; die in V.87 angekündigte göttliche Stimme aus dem Luftraum stellt hier ihre Frage (CQ_OPEN...CQ_CLOSE, in sich geschlossen).]
sthito 'smīti ca gāṅgeyas tac chrutvā vākyam abravīt dhārayām āsa ca prāṇān patito 'pi hi bhūtale uttarāyaṇam anvicchan bhīṣmaḥ kurupitāmahaḥ
„Ich bleibe [hier].“ sprach der Gāṅgeya, nachdem er diese Worte gehört hatte; und er hielt, obwohl zu Boden gefallen, seinen Lebensatem zurück, indem Bhīṣma, der Kuru-Großvater, die Sonnenwende nach Norden erwartete.
Wort für Wort
sthito 'smīti ca gāṅgeyas tac chrutvā vākyam abravīt
'ich bleibe' – so sprach der Gāṅgeya, nachdem er diese Worte gehört hatte (Nom.Past.Part.+1.Sg.Präs. as- + Partikel + Konj. + Nom. + Akk. + Ger. śru- + Akk. + 3.Sg.Impf. brū-)
dhārayām āsa ca prāṇān patito 'pi hi bhūtale
und er hielt seinen Lebensatem zurück, obwohl er zu Boden gefallen war (3.Sg.Perf.Kaus. dhṛ- + Konj. + Akk.Pl. + Nom.Past.Part. + Konj. + Partikel + Lok.)
uttarāyaṇam anvicchan bhīṣmaḥ kurupitāmahaḥ
indem Bhīṣma, der Kuru-Großvater, die Sonnenwende nach Norden erwartete (Akk. + Nom.Präs.Part. + Nom. + Nom.)
[Anm.: V.89 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; enthält Bhīṣmas kurze, in sich geschlossene Erwiderung ('sthito 'smi', CQ-markiert) sowie die anschließende Erzählung von seinem Zurückhalten des Lebensatems.]
Da kamen die dahinfliegenden, eilenden Schwäne, die im Mānasa-See wohnten, gemeinsam, um Bhīṣma, den Kuru-Großvater, zu sehen, dort wo der Beste der Männer, der Großvater, auf dem Pfeilbett lag.
Wort für Wort
tataḥ saṃpātino haṃsās tvaritā mānasaukasaḥ
da die dahinfliegenden, eilenden Schwäne, die im Mānasa-See wohnten (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl.Bah.)
ājagmuḥ sahitā draṣṭuṃ bhīṣmaṃ kurupitāmaham
kamen gemeinsam, um Bhīṣma, den Kuru-Großvater, zu sehen (3.Pl.Perf. gam- + Nom.Pl. + Inf. dṛś- + Akk. + Akk.)
yatra śete naraśreṣṭhaḥ śaratalpe pitāmahaḥ
dort wo der Beste der Männer, der Großvater, auf dem Pfeilbett lag (Adv. + 3.Sg.Präs.Med. śī- + Nom. + Lok. + Nom.)
[Anm.: V.91 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
te taṃ dṛṣṭvā mahātmānaṃ kṛtvā cāpi pradakṣiṇam gāṅgeyaṃ bharataśreṣṭhaṃ dakṣiṇena ca bhāskaram
Nachdem sie den hochgesinnten [Bhīṣma], den Gāṅgeya, den Besten der Bharatas, gesehen und ihn umwandelt hatten, [wandten sie sich] auch nach rechts zur Sonne.
Wort für Wort
te taṃ dṛṣṭvā mahātmānaṃ kṛtvā cāpi pradakṣiṇam
nachdem sie den hochgesinnten [Bhīṣma] gesehen und ihn umwandelt hatten (Nom.Pl. + Akk. + Ger. dṛś- + Akk. + Ger. kṛ- + Konj.+Partikel + Akk.)
gāṅgeyaṃ bharataśreṣṭhaṃ dakṣiṇena ca bhāskaram
den Gāṅgeya, den Besten der Bharatas, [wandten sie sich] auch nach rechts zur Sonne (Akk. + Akk. + Instr. + Konj. + Akk.)
ity uktvā prasthitān haṃsān dakṣiṇām abhito diśam saṃprekṣya vai mahābuddhiś cintayitvā ca bhārata
Nachdem dies gesagt worden war, betrachtete der hochweise [Bhīṣma], o Bhārata, die Schwäne, die sich in Richtung Süden aufgemacht hatten, und dachte nach.
Wort für Wort
ity uktvā prasthitān haṃsān dakṣiṇām abhito diśam
nachdem dies gesagt worden war, [betrachtete er] die Schwäne, die sich in Richtung Süden aufgemacht hatten (Partikel + Ger. vac- + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk. + Präp. + Akk.)
saṃprekṣya vai mahābuddhiś cintayitvā ca bhārata
der hochweise [Bhīṣma], o Bhārata, betrachtete sie und dachte nach (Ger. prekṣ- + Partikel + Nom.Bah. + Ger. cint- + Konj. + Vok.)
[Anm.: V.95 bildet eine Einheit; Rückkehr zur Erzählung nach der Beratung der Weisen.]
gamiṣyāmi svakaṃ sthānam āsīd yan me purātanam udagāvṛtta āditye haṃsāḥ satyaṃ bravīmi vaḥ
Ich werde zu meinem eigenen Ort gehen, der einst der meine war, wenn die Sonne nach Norden gewendet ist – Schwäne, ich sage euch die Wahrheit.
Wort für Wort
gamiṣyāmi svakaṃ sthānam āsīd yan me purātanam
ich werde zu meinem eigenen Ort gehen, der einst der meine war (1.Sg.Fut. gam- + Akk. + Akk. + 3.Sg.Impf. as- + Nom. + Gen. + Nom.)
udagāvṛtta āditye haṃsāḥ satyaṃ bravīmi vaḥ
wenn die Sonne nach Norden gewendet ist – Schwäne, ich sage euch die Wahrheit (Lok.Abs.Past.Part. + Lok.Abs. + Vok. + Akk. + 1.Sg.Präs. brū- + Dat.Pl.)
[Anm.: V.97 bildet eine Einheit; Fortsetzung von Bhīṣmas Rede.]
Ich werde meinen Lebensatem zurückhalten, in Erwartung der Sonnenwende nach Norden; denn ich bin Herr über meinen Lebensatem und frei in dessen Aufgabe; deshalb werde ich, sterbenswillig, meinen Lebensatem zurückhalten, zur Sonnenwende nach Norden.
Wort für Wort
dhārayiṣyāmy ahaṃ prāṇān uttarāyaṇakāṅkṣayā
ich werde meinen Lebensatem zurückhalten, in Erwartung der Sonnenwende nach Norden (1.Sg.Fut. dhṛ- + Nom. + Akk.Pl. + Instr.)
aiśvaryabhūtaḥ prāṇānām utsarge niyato hy aham
denn ich bin Herr über meinen Lebensatem und frei in dessen Aufgabe (Nom.Bah. + Gen.Pl. + Lok. + Nom.Past.Part. + Partikel + Nom.)
tasmāt prāṇān dhārayiṣye mumūrṣur udagāyane
deshalb werde ich, sterbenswillig, meinen Lebensatem zurückhalten, zur Sonnenwende nach Norden (Adv. + Akk.Pl. + 1.Sg.Fut.Med. dhṛ- + Nom.Desid.Part. + Lok.)
[Anm.: V.98 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit; Fortsetzung von Bhīṣmas Rede.]
yaś ca datto varo mahyaṃ pitrā tena mahātmanā chandato mṛtyur ity evaṃ tasya cāstu varas tathā
Und die Gabe, die mir von jenem hochgesinnten Vater gegeben wurde – dass der Tod nach [meinem eigenen] Belieben [kommen werde] – möge auch diese Gabe von ihm so [erfüllt] sein.
Wort für Wort
yaś ca datto varo mahyaṃ pitrā tena mahātmanā
und die Gabe, die mir von jenem hochgesinnten Vater gegeben wurde (Nom. + Konj. + Nom.Past.Part. + Nom. + Dat. + Instr. + Instr. + Instr.)
chandato mṛtyur ity evaṃ tasya cāstu varas tathā
dass der Tod nach [meinem eigenen] Belieben [kommen werde] – möge auch diese Gabe von ihm so [erfüllt] sein (Abl. + Nom. + Partikel + Adv. + Gen. + Konj.+3.Sg.Imp. as- + Nom. + Adv.)
[Anm.: V.99 bildet eine Einheit; Fortsetzung von Bhīṣmas Rede, Bezug auf die von seinem Vater Śāṃtanu einst gewährte Gabe der Todeswahl.]
Also werde ich meinen Lebensatem zurückhalten, da [seine] Aufgabe [in meiner eigenen] Verfügung steht.“ Nachdem er dies zu den Schwänen gesagt hatte, legte sich der auf dem Pfeilbett Liegende [wieder] nieder.
Wort für Wort
dhārayiṣye tataḥ prāṇān utsarge niyate sati
also werde ich meinen Lebensatem zurückhalten, da [seine] Aufgabe in meiner Verfügung steht (1.Sg.Fut.Med. dhṛ- + Adv. + Akk.Pl. + Lok. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok.Abs.)
ity uktvā tāṃs tadā haṃsān aśeta śaratalpagaḥ
nachdem er dies zu den Schwänen gesagt hatte, legte sich der auf dem Pfeilbett Liegende nieder (Partikel + Ger. vac- + Akk.Pl. + Adv. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Med. śī- + Nom.Bah.)
[Anm.: V.100 bildet eine Einheit; Abschluss von Bhīṣmas Rede an die Schwäne (CQ_CLOSE), gefolgt von der Rückkehr zur Erzählung.]
tasmin hate mahāsattve bharatānām amadhyame na kiṃ cit pratyapadyanta putrās te bharatarṣabha saṃmohaś caiva tumulaḥ kurūṇām abhavat tadā
Als jenes hochgesinnte Wesen, keineswegs der Geringste der Bharatas, getötet war, wussten deine Söhne, o Stier der Bharatas, nicht, was sie tun sollten; und eine tumultartige Verwirrung erfasste da die Kurus.
Wort für Wort
tasmin hate mahāsattve bharatānām amadhyame
als jenes hochgesinnte Wesen, keineswegs der Geringste der Bharatas, getötet war (Lok.Abs. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok.Abs. + Gen.Pl. + Lok.)
na kiṃ cit pratyapadyanta putrās te bharatarṣabha
wussten deine Söhne, o Stier der Bharatas, nicht, was sie tun sollten (Neg. + Indef.Pron. + 3.Pl.Impf.Med. pad- + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Vok.)
saṃmohaś caiva tumulaḥ kurūṇām abhavat tadā
und eine tumultartige Verwirrung erfasste da die Kurus (Nom. + Konj.+Partikel + Nom. + Gen.Pl. + 3.Sg.Impf. bhū- + Adv.)
[Anm.: V.102 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
dadhyuś caiva mahārāja na yuddhe dadhire manaḥ ūrugrāhagṛhītāś ca nābhyadhāvanta pāṇḍavān
Und sie versanken in Grübeln, o Großkönig, und richteten ihren Sinn nicht mehr auf den Kampf; wie von einem Krokodil an den Schenkeln gepackt, stürmten sie nicht mehr gegen die Pāṇḍavas.
Wort für Wort
dadhyuś caiva mahārāja na yuddhe dadhire manaḥ
und sie versanken in Grübeln, o Großkönig, und richteten ihren Sinn nicht auf den Kampf (3.Pl.Perf. dhyai- + Konj.+Partikel + Vok. + Neg. + Lok. + 3.Pl.Perf.Med. dhā- + Akk.)
ūrugrāhagṛhītāś ca nābhyadhāvanta pāṇḍavān
wie von einem Krokodil an den Schenkeln gepackt, stürmten sie nicht mehr gegen die Pāṇḍavas (Nom.Pl.Past.Part. + Konj. + Neg.+3.Pl.Impf. dhāv- + Akk.Pl.)
Als der unbesiegbare Sohn des Śaṃtanu, der mächtige Bhīṣma, getötet war, befiel die Kurus, o König, ein gewaltiges, unermüdliches Gefühl der Vernichtung.
Wort für Wort
avadhye śaṃtanoḥ putre hate bhīṣme mahaujasi
als der unbesiegbare Sohn des Śaṃtanu, der mächtige Bhīṣma, getötet war (Lok.Abs.Bah. + Gen. + Lok.Abs. + Lok.Abs.Past.Part. + Lok.Abs. + Lok.Abs.Bah.)
abhāvaḥ sumahān rājan kurūn āgād atandritaḥ
befiel die Kurus, o König, ein gewaltiges, unermüdliches Gefühl der Vernichtung (Nom. + Nom. + Vok. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. gam- + Nom.Bah.)
[Anm.: V.105 bildet eine Einheit. Im kritischen Apparat findet sich nach V.105b die Zusatzzeile *0481_01 (duḥkhārtās te tadā rājan kurūṇāṃ patayo 'bhavan, 'die Herren der Kurus wurden da, o König, von Leid gequält'), eine inhaltlich redundante Dublette zum Hauptvers, die nicht in den Haupttext übernommen wird.]
hatapravīrāś ca vayaṃ nikṛttāś ca śitaiḥ śaraiḥ kartavyaṃ nābhijānīmo nirjitāḥ savyasācinā
Und wir, deren beste Helden getötet waren, von scharfen Pfeilen zerschnitten, wussten nicht mehr, was zu tun sei, besiegt von dem Linkshändigen [Arjuna].
Wort für Wort
hatapravīrāś ca vayaṃ nikṛttāś ca śitaiḥ śaraiḥ
und wir, deren beste Helden getötet waren, von scharfen Pfeilen zerschnitten (Nom.Pl.Bah. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Past.Part. + Konj. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
kartavyaṃ nābhijānīmo nirjitāḥ savyasācinā
wussten nicht mehr, was zu tun sei, besiegt von dem Linkshändigen (Akk. + Neg.+1.Pl.Präs. jñā- + Nom.Pl.Past.Part. + Instr.)
[Anm.: V.106 bildet eine Einheit. Saṃjaya wechselt erneut kurzzeitig in die erste Person Plural (vgl. V.75) und schildert die Verzweiflung der Kaurava-Seite.]
pāṇḍavās tu jayaṃ labdhvā paratra ca parāṃ gatim sarve dadhmur mahāśaṅkhāñ śūrāḥ parighabāhavaḥ somakāś ca sapañcālāḥ prāhṛṣyanta janeśvara
Die Pāṇḍavas aber, nachdem sie den Sieg und zugleich für das Jenseits den höchsten Zustand erlangt hatten, bliesen alle, die Helden mit den Armen gleich Eisenstangen, ihre großen Muschelhörner; und die Somakas samt den Pāñcālas frohlockten, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
pāṇḍavās tu jayaṃ labdhvā paratra ca parāṃ gatim
die Pāṇḍavas aber, nachdem sie den Sieg und zugleich für das Jenseits den höchsten Zustand erlangt hatten (Nom.Pl. + Konj. + Akk. + Ger. labh- + Adv. + Konj. + Akk. + Akk.)
sarve dadhmur mahāśaṅkhāñ śūrāḥ parighabāhavaḥ
bliesen alle, die Helden mit den Armen gleich Eisenstangen, ihre großen Muschelhörner (Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. dham- + Akk.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)
somakāś ca sapañcālāḥ prāhṛṣyanta janeśvara
und die Somakas samt den Pāñcālas frohlockten, o Herr der Menschen (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl.Bah. + 3.Pl.Impf.Med. hṛṣ- + Vok.)
[Anm.: V.107 (dreigliedriger Vers a/c/e) bildet eine Einheit.]
Manche schrien auf und stürzten zu Boden, andere wiederum verfielen in Ohnmacht; manche tadelten den Kriegerstand, andere wiederum priesen Bhīṣma.
Wort für Wort
prākrośan prāpataṃś cānye jagmur mohaṃ tathāpare
manche schrien auf und stürzten zu Boden, andere wiederum verfielen in Ohnmacht (3.Pl.Impf. kruś- + Nom.Pl.Präs.Part. + Konj.+Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. gam- + Akk. + Adv.+Nom.Pl.)
Und der kraftvolle, weise Sohn des Śāṃtanu, indem er die große geheime Yoga-Übung aufnahm, verharrte murmelnd, den [rechten] Zeitpunkt erwartend.
Wort für Wort
mahopaniṣadaṃ caiva yogam āsthāya vīryavān
und der kraftvolle [Sohn des Śāṃtanu], indem er die große geheime Yoga-Übung aufnahm (Akk. + Konj.+Partikel + Akk. + Ger. sthā- + Nom.Bah.)
japañ śāṃtanavo dhīmān kālākāṅkṣī sthito 'bhavat
verharrte murmelnd, der weise Sohn des Śāṃtanu, den Zeitpunkt erwartend (Nom.Präs.Part. jap- + Nom. + Nom.Bah. + Nom.Bah. + Nom.Past.Part.+3.Sg.Impf. bhū-)
[Anm.: V.112 bildet eine Einheit; Kapitelschluss. Bhīṣma verharrt in yogischer Meditation, den Zeitpunkt seines gewählten Todes (die Wintersonnenwende, uttarāyaṇa) erwartend. Die folgende Zeile 06,115.001 'dhṛtarāṣṭra uvāca' markiert den Beginn von Kap.115.]