arjuna uvāca jyāyasī cet karmaṇas te matā buddhir janārdana tat kiṃ karmaṇi ghore māṃ niyojayasi keśava
Arjuna sprach: „Wenn dir, Janārdana, die Erkenntnis höher gilt als das Handeln, warum, Keśava, verstrickst du mich dann in dieses schreckliche Handeln?
Der erhabene Herr sprach: „In dieser Welt wurde von mir, o Sündloser, von alters her ein zweifacher Weg gelehrt: der Weg der Erkenntnis für die Sāṅkhyas, der Weg des Handelns für die Yogins.
Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr (Krishna) sprach (3. Sg. Perfekt)
loke 'smin
in dieser Welt (m., Lok. Sg.)
dvividhā niṣṭhā
ein zweifacher Weg/Grundlage (f., Nom. Sg.)
purā
vor Zeiten, von alters her (Adv.)
proktā
gelehrt, verkündet (Part. Perf. Pass., f. Nom. Sg.)
na hi kaś cit kṣaṇam api jātu tiṣṭhaty akarmakṛt kāryate hy avaśaḥ karma sarvaḥ prakṛtijair guṇaiḥ
Denn niemand verharrt auch nur einen Augenblick ohne zu handeln; jeder wird, ob er will oder nicht, durch die aus der Urnatur entspringenden Eigenschaften zum Handeln getrieben.
Wort für Wort
na hi
denn nicht (Konj. + Partikel)
kaś cit
irgendwer (Pron., Nom. Sg.)
kṣaṇam api
auch nur einen Augenblick (Akk. Sg.)
jātu
jemals (Adv.)
tiṣṭhaty akarmakṛt
verharrt als Nicht-Handelnder (3. Sg. Präsens + Nom. Sg.)
kāryate
wird zum Handeln getrieben (3. Sg. Präsens Passiv)
hy avaśaḥ
denn machtlos, unfreiwillig (Adj., Nom. Sg.)
karma
zum Handeln (n., Akk. Sg.)
sarvaḥ
jeder (Pron., Nom. Sg.)
prakṛtijair guṇaiḥ
durch die aus der Urnatur geborenen Eigenschaften (m. Pl., Instr.)
niyataṃ kuru karma tvaṃ karma jyāyo hy akarmaṇaḥ śarīrayātrāpi ca te na prasidhyed akarmaṇaḥ
Verrichte du die vorgeschriebene Handlung, denn Handeln ist besser als Untätigkeit; selbst der bloße Unterhalt deines Leibes gelänge dir nicht durch Untätigkeit.
Diese Welt ist gebunden durch Handeln, außer wenn es um des Opfers willen geschieht. Zu diesem Zweck verrichte du, Sohn der Kuntī, das Handeln, frei von Anhaftung.
Wort für Wort
yajñārthāt karmaṇo
als das um des Opfers willen geschehende Handeln (n., Abl. Sg.)
Als Prajāpati einst zugleich mit dem Opfer die Geschöpfe erschuf, sprach er dazu, dass sie sich durch dieses Opfer mehren sollten und es ihnen die Wunschkuh aller ihrer Begehren sein möge.
Wort für Wort
sahayajñāḥ prajāḥ
die Geschöpfe zugleich mit dem Opfer (f. Pl., Akk.)
sṛṣṭvā
nachdem er erschaffen hatte (Gerundium)
purā uvāca
sprach vor Zeiten (Adv. + 3. Sg. Perfekt)
prajāpatiḥ
Prajāpati, der Herr der Geschöpfe (m., Nom. Sg.)
anena
durch dieses (Opfer) (Pron., Instr. Sg.)
prasaviṣyadhvam
ihr möget euch mehren/vermehren (2. Pl. Futur, in indirekter Rede wiedergegeben)
eṣa vo 'stv
dies sei euch (Pron. + Optativ 3. Sg.)
iṣṭakāmadhuk
die Wunschkuh der erwünschten Dinge (f., Nom. Sg.)
[?] Prajāpatis eigene, ursprünglich direkt zitierte Worte werden hier als indirekte Rede wiedergegeben, um eine dritte Zitatebene innerhalb von Kṛṣṇas Rede zu vermeiden.
Nährtet ihr mit diesem Opfer die Götter, so würden jene Götter auch euch nähren; indem ihr so einander gegenseitig nährt, würdet ihr das höchste Heil erlangen.
Wort für Wort
devān bhāvayata
nähret die Götter! (Imperativ 2. Pl., in indirekter Rede wiedergegeben)
anena
durch dieses (Opfer) (Pron., Instr. Sg.)
te devā
jene Götter (m. Pl., Nom.)
bhāvayantu vaḥ
sie mögen euch nähren (3. Pl. Imperativ)
parasparaṃ bhāvayantaḥ
einander nährend (Part. Präs., Nom. Pl.)
śreyaḥ param
das höchste Heil (n., Akk. Sg.)
avāpsyatha
ihr werdet erlangen (2. Pl. Futur)
[?] Fortsetzung der als indirekte Rede wiedergegebenen ursprünglichen Worte Prajāpatis.
iṣṭān bhogān hi vo devā dāsyante yajñabhāvitāḥ tair dattān apradāyaibhyo yo bhuṅkte stena eva saḥ
Denn die durch das Opfer genährten Götter werden euch die erwünschten Genüsse gewähren. Wer aber die von ihnen gegebenen Gaben genießt, ohne ihnen etwas zurückzugeben, ist wahrlich ein Dieb.
Wort für Wort
iṣṭān bhogān
die erwünschten Genüsse (m. Pl., Akk.)
hi vo
denn euch (Pron., Dat. Pl.)
devā dāsyante
die Götter werden geben (m. Pl. Nom. + 3. Pl. Futur Medium)
yajñabhāvitāḥ
durch das Opfer genährt (Adj., Nom. Pl.)
tair dattān
die von ihnen gegebenen (Dinge) (Instr. Pl. + Part. Perf. Pass., Akk. Pl.)
Wisse, dass das Handeln aus dem Brahman entspringt und das Brahman aus dem Unvergänglichen entspringt; darum ist das allgegenwärtige Brahman ewig im Opfer gegründet.
Wort für Wort
karma
das Handeln (n., Akk. Sg.)
brahmodbhavaṃ
aus dem Brahman entstanden (Adj., Akk. Sg.)
viddhi
wisse! (Imperativ 2. Sg.)
brahmākṣarasamudbhavam
das Brahman, aus dem Unvergänglichen entstanden (Adj., Akk. Sg.)
na buddhibhedaṃ janayed ajñānāṃ karmasaṅginām joṣayet sarvakarmāṇi vidvān yuktaḥ samācaran
Er soll bei den Unwissenden, die am Handeln hängen, keine Verwirrung des Denkens stiften; der Wissende soll, selbst diszipliniert handelnd, sie zu allem Handeln ermutigen.
Wort für Wort
na buddhibhedaṃ janayed
er soll keine Spaltung des Denkens erzeugen (m., Akk. Sg. + 3. Sg. Optativ Kausativ, negiert)
ajñānāṃ karmasaṅginām
der unwissenden, am Handeln hängenden (m. Pl., Gen.)
joṣayet sarvakarmāṇi
er soll ermutigen zu allen Handlungen (3. Sg. Optativ Kausativ + n. Pl., Akk.)
vidvān yuktaḥ
der Wissende, diszipliniert (m., Nom. Sg. + Adj., Nom. Sg.)
Alle Handlungen werden durchweg von den Eigenschaften der Urnatur vollbracht; wer aber vom Ichbewusstsein verblendet ist, denkt: 'Ich bin der Handelnde.'
Wort für Wort
prakṛteḥ
der Urnatur (f., Gen. Sg.)
kriyamāṇāni
vollbracht werdend (Part. Präs. Pass., Nom. Pl.)
guṇaiḥ karmāṇi sarvaśaḥ
durch die Eigenschaften alle Handlungen (m. Pl., Instr. + n. Pl., Nom. + Adv.)
ahaṃkāravimūḍhātmā
vom Ichbewusstsein verblendeten Geistes (Adj., Nom. Sg.)
kartā ahaṃ iti manyate
er denkt: 'Ich bin der Handelnde' (m., Nom. Sg. + Pron. + Zitatpartikel + 3. Sg. Präsens Medium)
tattvavit tu mahābāho guṇakarmavibhāgayoḥ guṇā guṇeṣu vartanta iti matvā na sajjate
Der Kenner der Wahrheit aber, mächtiger Arm, der um den Unterschied zwischen den Eigenschaften und dem Handeln weiß, haftet nicht an, im Bewusstsein: 'Die Eigenschaften wirken nur unter den Eigenschaften.'
Wort für Wort
tattvavit tu mahābāho
der Kenner der Wahrheit aber, o mächtiger Arm (m., Nom. Sg. + Vok. Sg.)
guṇakarmavibhāgayoḥ
des Unterschieds zwischen Eigenschaften und Handeln (m. Dual, Gen.)
guṇā guṇeṣu vartanta iti
'die Eigenschaften wirken unter den Eigenschaften' (m. Pl. Nom. + Lok. Pl. + 3. Pl. Präsens + Zitatpartikel)
matvā na sajjate
im Bewusstsein dessen haftet er nicht an (Gerundium + 3. Sg. Präsens Passiv, negiert)
prakṛter guṇasaṃmūḍhāḥ sajjante guṇakarmasu tān akṛtsnavido mandān kṛtsnavin na vicālayet
Wer von den Eigenschaften der Urnatur verblendet ist, haftet an den Werken der Eigenschaften; diese Unwissenden von unvollkommenem Wissen soll der Wissende von vollkommenem Wissen nicht beirren.
Wort für Wort
prakṛter guṇasaṃmūḍhāḥ
die von den Eigenschaften der Urnatur Verblendeten (f., Gen. Sg. + Adj., Nom. Pl.)
sajjante guṇakarmasu
sie haften an den Werken der Eigenschaften (3. Pl. Präsens Passiv + n. Pl., Lok.)
tān akṛtsnavido mandān
jene Unwissenden von unvollkommenem Wissen (m. Pl., Akk.)
kṛtsnavin na vicālayet
der Wissende von vollkommenem Wissen soll nicht beirren (m., Nom. Sg. + 3. Sg. Optativ, negiert)
Lege alle Handlungen auf mich nieder, mit einem auf das Selbst gerichteten Sinn; frei von Verlangen, frei vom Ichdünkel des 'Mein', kämpfe, aller Fieberglut ledig.
Wort für Wort
mayi sarvāṇi karmāṇi
auf mich alle Handlungen (Pron., Lok. Sg. + n. Pl., Akk.)
saṃnyasya
niedergelegt habend (Gerundium)
adhyātmacetasā
mit einem auf das Selbst gerichteten Sinn (n., Instr. Sg.)
nirāśīr nirmamo
frei von Verlangen, frei vom Ichdünkel des Mein (Adj. + Adj., Nom. Sg.)
ye tv etad abhyasūyanto nānutiṣṭhanti me matam sarvajñānavimūḍhāṃs tān viddhi naṣṭān acetasaḥ
Die aber, die dies missgünstig ablehnen und meiner Lehre nicht folgen, wisse, dass sie, in aller Erkenntnis verblendet und ohne Einsicht, verloren sind.
Wort für Wort
ye tv etad abhyasūyanto
die aber dies missgünstig ablehnend (Pron. Pl. + Pron. + Part. Präs., Nom. Pl.)
na anutiṣṭhanti me matam
nicht meiner Lehre folgen (3. Pl. Präsens + Pron., Gen. Sg. + n., Akk. Sg.)
sarvajñānavimūḍhāṃs tān
jene, in aller Erkenntnis verblendet (Adj. + Pron., Akk. Pl.)
viddhi naṣṭān acetasaḥ
wisse, dass sie verloren, ohne Einsicht sind (Imperativ 2. Sg. + Part. Perf. Pass. + Adj., Akk. Pl.)
indriyasyendriyasyārthe rāgadveṣau vyavasthitau tayor na vaśam āgacchet tau hy asya paripanthinau
In Bezug auf jeden einzelnen Sinn und sein Objekt sind Zuneigung und Abneigung angelegt; diesen beiden soll man nicht verfallen, denn sie sind seine Widersacher auf dem Weg.
Wort für Wort
indriyasya indriyasya arthe
in Bezug auf das Objekt jedes einzelnen Sinnes (n., Gen. Sg. + n., Lok. Sg., distributiv)
rāgadveṣau vyavasthitau
Zuneigung und Abneigung sind angelegt (m. Dual, Nom. + Part. Perf. Pass., Nom. Dual)
tayor na vaśam āgacchet
diesen beiden soll man nicht in die Gewalt kommen (Pron. Dual, Gen. + m., Akk. Sg. + 3. Sg. Optativ, negiert)
tau hy asya paripanthinau
denn diese beiden sind seine Widersacher (Pron. Dual, Nom. + Pron., Gen. Sg. + m. Dual, Nom.)
Besser die eigene Pflicht, wenn auch mangelhaft erfüllt, als die fremde Pflicht, selbst wohl vollbracht; der Tod in der eigenen Pflicht ist besser, die fremde Pflicht bringt Gefahr.“
Wort für Wort
śreyān svadharmo viguṇaḥ
besser die eigene, mangelhaft erfüllte Pflicht (Komparativ + m., Nom. Sg. + Adj., Nom. Sg.)
paradharmāt svanuṣṭhitāt
als die fremde, wohl vollbrachte Pflicht (m., Abl. Sg. + Adj., Abl. Sg.)
svadharme nidhanaṃ śreyaḥ
der Tod in der eigenen Pflicht ist besser (m., Lok. Sg. + n., Nom. Sg. + Komparativ)
Der erhabene Herr sprach: „Es ist die Begierde, es ist der Zorn, entsprungen aus der Eigenschaft der Leidenschaft (Rajas) — alles verzehrend und von großer Sündhaftigkeit; erkenne ihn hier als den Feind.
Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach (3. Sg. Perfekt)
kāma eṣa krodha eṣa
es ist die Begierde, es ist der Zorn (m., Nom. Sg. + Pron., Nom. Sg., wiederholt)
rajoguṇasamudbhavaḥ
aus der Eigenschaft des Rajas entsprungen (Adj., Nom. Sg.)
mahāśano mahāpāpmā
alles verzehrend, von großer Sündhaftigkeit (Adj. + Adj., Nom. Sg.)
viddhy enam iha vairiṇam
erkenne ihn hier als Feind! (Imperativ 2. Sg. + Pron. + Adv. + m., Akk. Sg.)
dhūmenāvriyate vahnir yathādarśo malena ca yatholbenāvṛto garbhas tathā tenedam āvṛtam
Wie das Feuer vom Rauch verhüllt wird und der Spiegel vom Staub, wie der Keim von der Fruchthülle umschlossen ist, so ist dieses Wissen von jenem Feind verhüllt.
Wort für Wort
dhūmena āvriyate vahnir
durch Rauch wird das Feuer verhüllt (m., Instr. Sg. + 3. Sg. Präsens Passiv + m., Nom. Sg.)
yathā ādarśo malena ca
wie der Spiegel durch Staub (Adv. + m., Nom. Sg. + n., Instr. Sg.)
yathā ulbena āvṛto garbhas
wie der Keim von der Fruchthülle umhüllt (n., Instr. Sg. + Part. Perf. Pass. + m., Nom. Sg.)
tathā tena idam āvṛtam
so ist dieses davon verhüllt (Adv. + Instr. Sg. + Pron. + Part. Perf. Pass., Nom. Sg.)
Die Sinne, der Geist und der Verstand werden als sein Sitz bezeichnet; durch diese verwirrt sie, die Begierde, indem sie die Erkenntnis verhüllt, den Verkörperten.
Wort für Wort
indriyāṇi mano buddhir
die Sinne, der Geist, der Verstand (n. Pl. + n. + f., Nom.)
asya adhiṣṭhānam ucyate
wird als sein Sitz bezeichnet (Pron., Gen. Sg. + n., Nom. Sg. + 3. Sg. Präsens Passiv)
etair vimohayaty eṣa
durch diese verwirrt diese (die Begierde) (Instr. Pl. + 3. Sg. Präsens Kausativ + Pron., Nom. Sg.)
jñānam āvṛtya
die Erkenntnis verhüllend (n., Akk. Sg. + Gerundium)
indriyāṇi parāṇy āhur indriyebhyaḥ paraṃ manaḥ manasas tu parā buddhir yo buddheḥ paratas tu saḥ
Man sagt, die Sinne seien hoch, höher als die Sinne der Geist, höher als der Geist aber der Verstand — höher als der Verstand jedoch ist jenes, das Selbst.
Wort für Wort
indriyāṇi parāṇy āhur
man sagt, die Sinne seien hoch (n. Pl., Nom. + Adj., Nom. Pl. + 3. Pl. Perfekt)
indriyebhyaḥ paraṃ manaḥ
höher als die Sinne der Geist (n. Pl., Abl. + Adj. + n., Nom. Sg.)
manasas tu parā buddhir
höher als der Geist aber der Verstand (n., Abl. Sg. + Adj., f. + f., Nom. Sg.)
yo buddheḥ paratas tu saḥ
was aber höher ist als der Verstand, jenes (Pron. + f., Abl. Sg. + Adv. + Pron., Nom. Sg.)
Wenn du so erkannt hast, was höher ist als der Verstand, und das Selbst durch das Selbst gefestigt hast, erschlage, mächtiger Arm, den Feind in Gestalt der Begierde, den schwer zu bezwingenden.
Wort für Wort
evaṃ buddheḥ paraṃ buddhvā
so das, was höher ist als der Verstand, erkannt habend (Adv. + f., Abl. Sg. + Adj. + Gerundium)
saṃstabhya ātmānam ātmanā
das Selbst durch das Selbst gefestigt habend (Gerundium + m., Akk. Sg. + m., Instr. Sg.)
jahi śatruṃ mahābāho
erschlage den Feind, mächtiger Arm! (Imperativ 2. Sg. + m., Akk. Sg. + Vok. Sg.)
kāmarūpaṃ durāsadam
in Gestalt der Begierde, den schwer zu bezwingenden (Adj. + Adj., Akk. Sg.)