Kapitel 74: bhīmasenaduryodhanayuddham
Der Kampf zwischen Bhīmasena und Duryodhana und das weitere Ringen der Prinzen
Reine Fortsetzung von Saṃjayas Erzählung (SQ bleibt offen, keine neuen Sprecherebenen; die einleitende Restatement-Formel „saṃjaya uvāca“ wurde wie üblich mit V.1 zu einer Einheit verbunden). Keine CQ-Ereignisse in diesem Kapitel. Kap.74 zählt 36 Verse; hier zu 31 Einheiten zusammengefasst (Merges: V.6-7, V.8-9, V.13-14, V.15-16, V.18-19, jeweils ein Satz). Apparat-Einschub V.18c*0311_01-02 (fragmentierte Zeile zu den Kekayas und Söhnen Draupadīs) ausgelassen, siehe Einheit 14. Marker-Bilanz: SQ_OPEN=0, SQ_CLOSE=0, CQ_OPEN=0, CQ_CLOSE=0 (Kap.75 setzt mit erneutem Restatement „saṃjaya uvāca“ fort, SQ bleibt offen).
Saṃjaya sprach: Da kehrte König Duryodhana damals, aus seiner Verwirrung zurückgekehrt, wieder zurück; mit einem Pfeilregen hielt er Bhīma, den Unerschütterlichen, abermals auf.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Eigenn. + 3.Sg.Perf. vac-)
tato duryodhano rājā mohāt pratyāgatas tadā
da kehrte König Duryodhana damals, aus seiner Verwirrung zurückgekehrt, zurück (Adv. + Nom. + Nom. + Abl. + Nom.Part. + Adv.)
śaravarṣaiḥ punar bhīmaṃ pratyavārayad acyutam
mit einem Pfeilregen hielt er Bhīma, den Unerschütterlichen, abermals auf (Instr.Pl. + Adv. + Akk. + 3.Sg.Impf. prati-vṛ- + Akk.)
Er, der große Bogenschütze [Bhīma], schwer verwundet von deinem bogentragenden Sohn, die Augen von Zorn gerötet, hob mit Wucht seinen Bogen empor und traf Duryodhana mit drei Pfeilen an den Armen und an der Brust; der so getroffene König wich nicht, wie der König der Berge [unbeweglich].
Wort für Wort
so 'tividdho maheṣvāsas tava putreṇa dhanvinā
er, der große Bogenschütze, schwer verwundet von deinem bogentragenden Sohn (Nom. + Nom. + Gen. + Instr. + Instr.)
krodhasaṃraktanayano vegenotkṣipya kārmukam
die Augen von Zorn gerötet, hob mit Wucht seinen Bogen empor (Nom. + Instr. + Ger. ut-kṣip- + Akk.)
duryodhanaṃ tribhir bāṇair bāhvor urasi cārpayat
traf Duryodhana mit drei Pfeilen an den Armen und an der Brust (Akk. + Instr. + Instr.Pl. + Lok.Du. + Lok. + 3.Sg.Impf. arp-)
sa tathābhihato rājā nācalad girirāḍ iva
der so getroffene König wich nicht, wie der König der Berge (Nom. + Nom.Part. + Nom. + Neg. + 3.Sg.Impf. cal- + Nom. + Part.wie)
[Anm.: V.6-V.7 bilden einen Satz (Hauptverb 'arpayat' erst in V.7) und wurden zu einer Einheit verbunden.]
Als sie die beiden Zornigen im Kampf sahen, einander niederschlagend, erinnerten sich alle heldenhaften jüngeren Brüder Duryodhanas, die ihr Leben aufgegeben hatten, an den früheren Ratschluss zur Gefangennahme dessen, der solche Taten vollbringt; sie fassten in ihrem Sinn den Entschluss und begannen, ihn zu bezwingen.
Wort für Wort
tau dṛṣṭvā samare kruddhau vinighnantau parasparam
als sie die beiden Zornigen im Kampf sahen, einander niederschlagend (Akk.Du. + Ger. dṛś- + Lok. + Akk.Du. + Akk.Du.Part. + Adv.)
duryodhanānujāḥ sarve śūrāḥ saṃtyaktajīvitāḥ
alle heldenhaften jüngeren Brüder Duryodhanas, die ihr Leben aufgegeben hatten (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
saṃsmṛtya mantritaṃ pūrvaṃ nigrahe bhīmakarmaṇaḥ
erinnerten sich an den früheren Ratschluss zur Gefangennahme dessen, der solche Taten vollbringt (Ger. sam-smṛ- + Akk. + Akk. + Lok. + Gen.)
niścayaṃ manasā kṛtvā nigrahītuṃ pracakramuḥ
fassten in ihrem Sinn den Entschluss und begannen, ihn zu bezwingen (Akk. + Instr. + Ger. kṛ- + Inf. + 3.Pl.Perf. pra-kram-)
[Anm.: V.8-V.9 bilden einen Satz (Hauptverb 'pracakramuḥ' erst in V.9) und wurden zu einer Einheit verbunden.]
Da, nachdem sie im Kampf ihre Truppen überall aufgestellt hatten, zogen jene zwölf großen Wagenkämpfer mit Abhimanyu an der Spitze, von Dharmarāja [Yudhiṣṭhira] entsandt, der Spur Bhīmasenas folgend, o großer König, deinen mächtigen Söhnen entgegen.
Wort für Wort
tataḥ saṃsthāpya samare svāny anīkāni sarvaśaḥ
da, nachdem sie im Kampf ihre Truppen überall aufgestellt hatten (Adv. + Ger. sam-sthā- + Lok. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
abhimanyuprabhṛtayas te dvādaśa mahārathāḥ
jene zwölf großen Wagenkämpfer mit Abhimanyu an der Spitze (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Num. + Nom.Pl.)
preṣitā dharmarājena bhīmasenapadānugāḥ
von Dharmarāja entsandt, der Spur Bhīmasenas folgend (Nom.Pl. + Instr. + Nom.Pl.)
Als sie jene wagenkämpfenden Helden sahen, gleich an Glanz Sonne und Feuer, all jene großen Bogenschützen, strahlend, von Ruhm umgeben, in der großen Schlacht leuchtend, in goldenen Panzern erglänzend, da ließen deine mächtigen Söhne Bhīma im Kampf fahren.
Wort für Wort
dṛṣṭvā rathasthāṃs tāñ śūrān sūryāgnisamatejasaḥ
als sie jene wagenkämpfenden Helden sahen, gleich an Glanz Sonne und Feuer (Ger. dṛś- + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
sarvān eva maheṣvāsān bhrājamānāñ śriyā vṛtān
all jene großen Bogenschützen, strahlend, von Ruhm umgeben (Akk.Pl. + Part. + Akk.Pl. + Akk.Pl.Part. + Instr. + Akk.Pl.)
mahāhave dīpyamānān suvarṇakavacojjvalān
in der großen Schlacht leuchtend, in goldenen Panzern erglänzend (Lok. + Akk.Pl.Part. + Akk.Pl.)
tatyajuḥ samare bhīmaṃ tava putrā mahābalāḥ
da ließen deine mächtigen Söhne Bhīma im Kampf fahren (3.Pl.Perf. tyaj- + Lok. + Akk. + Gen. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
[Anm.: V.15-V.16 bilden einen Satz (Hauptverb 'tatyajuḥ' erst in V.16) und wurden zu einer Einheit verbunden.]
Das ertrug der Kaunteya [Bhīma] nicht - dass sie, am Leben bleibend, entkommen seien; und ihnen nachsetzend, bedrängte er wieder all deine Söhne.
Wort für Wort
tān nāmṛṣyata kaunteyo jīvamānā gatā iti
das ertrug der Kaunteya nicht - dass sie, am Leben bleibend, entkommen seien (Akk.Pl. + Neg.3.Sg.Impf.Med. mṛṣ- + Nom. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Part.zit.)
anvīya ca punaḥ sarvāṃs tava putrān apīḍayat
und ihnen nachsetzend, bedrängte er wieder all deine Söhne (Ger. anu-i- + Adv. + Akk.Pl. + Gen. + Akk.Pl. + 3.Sg.Impf. pīḍ-)
[Anm.: 'jīvamānā gatā iti' als indirekt wiedergegebener Gedanke Bhīmas, ohne eigenen Anführungszeichen-Marker (Präzedenzfall Kap.69 V.13).]
athābhimanyuṃ samare bhīmasenena saṃgatam pārṣatena ca saṃprekṣya tava sainye mahārathāḥ duryodhanaprabhṛtayaḥ pragṛhītaśarāsanāḥ bhṛśam aśvaiḥ prajavitaiḥ prayayur yatra te rathāḥ
Als dann die großen Wagenkämpfer in deinem Heer, mit Duryodhana an der Spitze, die Bögen ergriffen, Abhimanyu erblickten, der sich im Kampf mit Bhīmasena und dem Sohn Pṛṣatas [Dhṛṣṭadyumna] vereint hatte, zogen sie mit sehr schnellen Pferden eilig dorthin, wo jene Wagen waren.
Wort für Wort
athābhimanyuṃ samare bhīmasenena saṃgatam
als dann Abhimanyu, der sich im Kampf mit Bhīmasena vereint hatte (Adv. + Akk. + Lok. + Instr. + Akk.Part.)
pārṣatena ca saṃprekṣya tava sainye mahārathāḥ
und mit dem Sohn Pṛṣatas [vereint], erblickten die großen Wagenkämpfer in deinem Heer (Instr. + Ger. sam-prekṣ- + Gen. + Lok. + Nom.Pl.)
duryodhanaprabhṛtayaḥ pragṛhītaśarāsanāḥ
mit Duryodhana an der Spitze, die Bögen ergriffen (Nom.Pl. + Nom.Pl.)
bhṛśam aśvaiḥ prajavitaiḥ prayayur yatra te rathāḥ
zogen mit sehr schnellen Pferden eilig dorthin, wo jene Wagen waren (Adv. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + 3.Pl.Perf. pra-yā- + Adv. + Nom.Pl.)
[Anm.: V.18-V.19 bilden einen Satz (Hauptverb 'prayayuḥ' erst in V.19) und wurden zu einer Einheit verbunden. Apparat-Zeile V.18c*0311_01-02 (fragmentierte, apparatmarkierte Zeile: „... die Kekayas, die Söhne Draupadīs; als sie diese im Kampf zornig sahen ...“) ausgelassen.]
durjayo 'tha vikarṇaś ca kārṣṇiṃ pañcabhir āyasaiḥ vivyadhāte na cākampat kārṣṇir merur ivācalaḥ
Da durchbohrten Durjaya und Vikarṇa den Sohn Kṛṣṇās [Abhimanyu] mit fünf eisernen [Pfeilen]; doch der Sohn Kṛṣṇās erzitterte nicht, unbeweglich wie der Meru.
Wort für Wort
durjayo 'tha vikarṇaś ca kārṣṇiṃ pañcabhir āyasaiḥ
da durchbohrten Durjaya und Vikarṇa den Sohn Kṛṣṇās mit fünf eisernen [Pfeilen] (Nom. + Adv. + Nom. + Akk. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
vivyadhāte na cākampat kārṣṇir merur ivācalaḥ
durchbohrten; doch der Sohn Kṛṣṇās erzitterte nicht, unbeweglich wie der Meru (3.Du.Perf. vyadh- + Neg. + 3.Sg.Impf. kamp- + Nom. + Nom. + Part.wie + Nom.)
Mit Wagen als Booten durchquerten die Tiger unter den Männern das Heeresmeer, dessen Wasser Blut war, dessen Strudel die Wagen waren, dessen Inseln die Elefanten waren, dessen Wellen die Pferde waren.
Wort für Wort
śoṇitodaṃ rathāvartaṃ gajadvīpaṃ hayormiṇam
das Heeresmeer, dessen Wasser Blut war, dessen Strudel die Wagen waren, dessen Inseln die Elefanten waren, dessen Wellen die Pferde waren (Akk. + Akk. + Akk. + Akk.)
rathanaubhir naravyāghrāḥ prateruḥ sainyasāgaram
mit Wagen als Booten durchquerten die Tiger unter den Männern [dieses] Heeresmeer (Instr.Pl. + Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. prati-tṝ- + Akk.)
tatrādbhutam apaśyāma tava teṣāṃ ca bhārata na tatrāsīt pumān kaś cid yo yoddhuṃ nābhikāṅkṣati
Dort sahen wir ein Wunder, deiner [Krieger] und ihrer, o Bhārata: es gab dort keinen einzigen Mann, der nicht zu kämpfen begehrte.
Wort für Wort
tatrādbhutam apaśyāma tava teṣāṃ ca bhārata
dort sahen wir ein Wunder, deiner [Krieger] und ihrer, o Bhārata (Adv. + Akk. + 1.Pl.Impf. dṛś- + Gen. + Gen.Pl. + Vok.)
na tatrāsīt pumān kaś cid yo yoddhuṃ nābhikāṅkṣati
es gab dort keinen einzigen Mann, der nicht zu kämpfen begehrte (Neg. + Adv. + 3.Sg.Impf. as- + Nom. + Nom. + Nom. + Inf. + Neg. + 3.Sg.Präs. abhi-kāṅkṣ-)