Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa
Sarga 104: Sārathi-Prabodhanam
Rāvaṇas Zorn auf den Wagenlenker und dessen Erwiderung
sa tu mohātsusaṅkruddhaḥ kṛtāntabalacoditaḥ |
krodhasanraktanayano rāvaṇo sūtamabravīt ||
Er aber, aus Verblendung überaus zornig, vom Schicksal angetrieben, sprach Rāvaṇa mit vor Zorn geröteten Augen zu dem Wagenlenker:
Wort für Wort sa tu mohāt susaṅkruddhaḥ er aber, aus Verblendung überaus zornig kṛtāntabalacoditaḥ vom Schicksal angetrieben krodhasanraktanayanaḥ mit vor Zorn geröteten Augen rāvaṇaḥ sūtam abravīt sprach Rāvaṇa zum Wagenlenker hīnavīryamivāśaktaṃ pauruṣeṇa vivarjitam |
bhīrun laghumivāsattvaṃ vihīnamiva tejasā ||
'Als wäre ich kraftlos, unfähig, der Mannhaftigkeit beraubt, ein Feigling, gering, ohne Kraft, der Glut beraubt,
Wort für Wort hīnavīryam iva aśaktaṃ als wäre ich kraftlos, unfähig pauruṣeṇa vivarjitam der Mannhaftigkeit beraubt bhīrun laghum iva asattvaṃ ein Feigling, gering, ohne Kraft vihīnam iva tejasā der Glut beraubt vimuktamiva māyābhirastrairiva bahiṣkṛtam |
māmavajñāya durbuddhe svayā buddhyā viceṣṭase ||
als wäre ich der Zauberkräfte entledigt, gleichsam der Waffen entblößt — mich verachtend, du Übelgesinnter, handelst du nach eigenem Gutdünken!'
Wort für Wort vimuktam iva māyābhiḥ als wäre ich der Zauberkräfte entledigt astraiḥ iva bahiṣkṛtam gleichsam der Waffen entblößt mām avajñāya durbuddhe mich verachtend, du Übelgesinnter svayā buddhyā viceṣṭase handelst du nach eigenem Gutdünken kimarthaṃ māmavajñāya macchandamanavekṣya ca |
tvayā śatrusamakṣaṃ me rathoayamapavāhitaḥ ||
'Warum hast du, mich verachtend und meinen Willen missachtend, diesen meinen Wagen vor den Augen des Feindes weggeführt?'
Wort für Wort kimarthaṃ mām avajñāya warum, mich verachtend macchandam anavekṣya ca und meinen Willen nicht beachtend tvayā śatrusamakṣaṃ me von dir vor den Augen meines Feindes rathaḥ ayam apavāhitaḥ wurde dieser Wagen weggeführt tvayādya hi mamānārya cirakālasamārjitam |
yaśo vīryan ca tejaśca pratyayaśca vināśitha ||
'Du hast heute, Unedler, mein seit langer Zeit erworbenes Ansehen, meine Tapferkeit, meine Glut und mein Vertrauen zunichte gemacht.'
Wort für Wort tvayā adya hi mama anārya von dir heute, Unedler, mein cirakālasamārjitam seit langer Zeit erworbenes yaśaḥ vīryan ca tejaḥ ca Ansehen, Tapferkeit und Glut pratyayaḥ ca vināśitha und Vertrauen hast du vernichtet śatroḥ prakhyātavīryasya rañjanīyasya vikramaiḥ |
paśyato yuddhalubdhoahan kṛtaḥ kāpuruṣastvayā ||
'Vor den Augen des Feindes, dessen berühmte Tapferkeit durch seine Heldentaten Bewunderung verdient, hast du mich, den Kampfbegierigen, zu einem Feigling gemacht.'
Wort für Wort śatroḥ prakhyātavīryasya des Feindes mit berühmter Tapferkeit rañjanīyasya vikramaiḥ der durch Heldentaten Bewunderung verdient paśyataḥ yuddhalubdhaḥ ahan während er zusah, ich, der Kampfbegierige kṛtaḥ kāpuruṣaḥ tvayā wurde von dir zu einem Feigling gemacht yastvan rathamimaṃ mohānna codvahasi durmate |
satyoayaṃ pratitarko me pareṇa tvamupaskṛtaḥ ||
'Dass du diesen Wagen aus Verblendung nicht vorwärts lenkst, du Übelgesinnter — wahr ist mein Verdacht, dass du vom Feind gekauft worden bist!'
Wort für Wort yaḥ tvan ratham imaṃ mohāt dass du diesen Wagen aus Verblendung na udvahasi durmate nicht vorwärts lenkst, Übelgesinnter satyaḥ ayaṃ pratitarko me wahr ist dieser mein Verdacht pareṇa tvam upaskṛtaḥ dass du vom Feind bestochen bist na hīdan vidyate karma suhṛdo hitakāṅkṣiṇaḥ |
ripūṇān sadṛśan caitanna tvayaitatsvanuṣṭhitam ||
'Dies ist nicht die Handlung eines Freundes, der mein Wohl ersehnt, sondern gleicht der der Feinde; dies hast du nicht selbst gutgeheißen ausgeführt.'
Wort für Wort na hi idan vidyate karma dies ist nicht die Handlung suhṛdaḥ hitakāṅkṣiṇaḥ eines Freundes, der das Wohl ersehnt ripūṇān sadṛśan ca etat und dies gleicht der der Feinde na tvayā etat svanuṣṭhitam nicht von dir selbst gutgeheißen ausgeführt nivartaya rathan śīghraṃ yāvannāpaiti me ripuḥ |
yadi vāpyuṣitoasi tvan smaryante yadi vā guṇāḥ ||
'Wende den Wagen schnell, solange mein Feind noch nicht entkommen ist — wenn du treu gedient hast, wenn du dich noch an meine Verdienste erinnerst!'
Wort für Wort nivartaya rathan śīghraṃ wende den Wagen schnell yāvat na apaiti me ripuḥ solange mein Feind nicht entkommt yadi vā api uṣitaḥ asi tvan wenn du treu gedient hast smaryante yadi vā guṇāḥ wenn du dich an die Verdienste erinnerst evaṃ paruṣamuktastu hitabuddhirabuddhinā |
abravīdrāvaṇan sūto hitaṃ sānunayaṃ vacaḥ ||
So hart angesprochen von dem Unverständigen, sprach der Wagenlenker, wohlgesinnt, zu Rāvaṇa ein heilsames, versöhnliches Wort:
Wort für Wort evaṃ paruṣam uktaḥ tu so hart angesprochen aber hitabuddhiḥ abuddhinā von dem Unverständigen, [er,] wohlgesinnt abravīt rāvaṇan sūtaḥ sprach zu Rāvaṇa der Wagenlenker hitaṃ sānunayaṃ vacaḥ ein heilsames, versöhnliches Wort na bhītoasmi na mūḍhoasmi nopajaptoasmi śatrubhiḥ |
na pramatto na niḥsneho vismṛtā na ca satkriyā ||
'Ich bin nicht ängstlich, nicht töricht, nicht von den Feinden bestochen, nicht unachtsam, nicht ohne Zuneigung, und deine guten Taten habe ich nicht vergessen.'
Wort für Wort na bhītaḥ asmi na mūḍhaḥ asmi ich bin nicht ängstlich, nicht töricht na upajaptaḥ asmi śatrubhiḥ nicht von den Feinden bestochen na pramattaḥ na niḥsnehaḥ nicht unachtsam, nicht ohne Zuneigung vismṛtā na ca satkriyā und die guten Taten sind nicht vergessen mayā tu hitakāmena yaśaśca parirakṣatā |
snehapraskannamanasā priyamityapriyan kṛtam ||
'Von mir aber, der dein Wohl wünschte und dein Ansehen schützen wollte, mit von Zuneigung durchdrungenem Sinn, wurde etwas als lieb Gemeintes getan, das dir unlieb war.'
Wort für Wort mayā tu hitakāmena von mir aber, der das Wohl wünschte yaśaḥ ca parirakṣatā und der das Ansehen schützen wollte snehapraskannamanasā mit von Zuneigung durchdrungenem Sinn priyam iti apriyan kṛtam als lieb Gemeintes wurde Unliebes getan nāsminnarthe mahārāja tvaṃ māṃ priyahite ratam |
kaścillaghurivānāryo doṣato gantumarhasi ||
'In dieser Sache, o Großkönig, solltest du mich, der ich an deinem lieben Wohl festhalte, nicht wie einen geringen, unedlen Menschen des Fehlers wegen beurteilen.'
Wort für Wort na asmin arthe mahārāja in dieser Sache, o Großkönig, nicht tvaṃ māṃ priyahite ratam mich, der ich am lieben Wohl festhalte kaścit laghuḥ iva anāryaḥ wie irgendein geringer, unedler Mensch doṣataḥ gantum arhasi solltest du des Fehlers wegen beurteilen śrūyatāmabhidhāsyāmi yannimittaṃ mayā rathaḥ |
nadīvega ivāmbhobhiḥ sanyuge vinivartitaḥ ||
'Höre, ich werde dir erklären, aus welchem Grund von mir der Wagen im Kampf zurückgewendet wurde, wie die Flussströmung durch die Wasser.'
Wort für Wort śrūyatām abhidhāsyāmi höre, ich werde erklären yannimittaṃ mayā rathaḥ aus welchem Grund von mir der Wagen nadīvegaḥ iva ambhobhiḥ wie die Flussströmung durch die Wasser sanyuge vinivartitaḥ im Kampf zurückgewendet wurde śraman tavāvagacchāmi mahatā raṇakarmaṇā |
na hi te vīra saumukhyaṃ praharṣan vopadhāraye ||
'Ich erkenne deine Erschöpfung durch das gewaltige Kampfgeschehen, o Held; ich bemerke bei dir weder Wohlgestimmtheit noch Freude.'
Wort für Wort śraman tava avagacchāmi deine Erschöpfung erkenne ich mahatā raṇakarmaṇā durch das gewaltige Kampfgeschehen na hi te vīra saumukhyaṃ nicht ist bei dir, o Held, Wohlgestimmtheit praharṣan vā upadhāraye noch bemerke ich Freude rathodvahanakhinnāśca ta ime rathavājinaḥ |
dīnā gharmapariśrāntā gāvo varṣahatā iva ||
'Und diese deine Wagenrosse sind erschöpft vom Ziehen des Wagens, elend, von der Hitze erschöpft, wie Rinder, die vom Regen geschlagen wurden.'
Wort für Wort rathodvahanakhinnāḥ ca und erschöpft vom Ziehen des Wagens ta ime rathavājinaḥ diese deine Wagenrosse dīnā gharmapariśrāntā elend, von der Hitze erschöpft gāvaḥ varṣahatā iva wie vom Regen geschlagene Rinder nimittāni ca bhūyiṣṭhan yāni prādurbhavanti naḥ |
teṣu teṣvabhipanneṣu lakṣayāmyapradakṣiṇam ||
'Und die Vorzeichen, die uns in großer Zahl erscheinen, bei jedem einzelnen von ihnen, das eintritt, erkenne ich Ungünstiges.'
Wort für Wort nimittāni ca bhūyiṣṭhan und die Vorzeichen in großer Zahl yāni prādurbhavanti naḥ die uns erscheinen teṣu teṣu abhipanneṣu bei jedem einzelnen, das eintritt lakṣayāmi apradakṣiṇam erkenne ich Ungünstiges deśakālau ca vijñeyau lakṣmaṇānīṅgitāni ca |
dainyan harṣaśca khedaśca rathinaśca balābalam ||
'Ort und Zeit sollen erkannt werden, auch die Anzeichen und Regungen, Niedergeschlagenheit, Freude und Erschöpfung, sowie Stärke und Schwäche des Wagenkämpfers.'
Wort für Wort deśakālau ca vijñeyau Ort und Zeit sollen erkannt werden lakṣmaṇāni īṅgitāni ca die Anzeichen und Regungen dainyan harṣaḥ ca khedaḥ ca Niedergeschlagenheit, Freude und Erschöpfung rathinaḥ ca balābalam und die Stärke und Schwäche des Wagenkämpfers sthalanimnāni bhūmeśca samāni viṣamāṇi ca |
yuddhakālaśca vijñeyaḥ parasyāntaradarśanam ||
'Erhöhungen und Vertiefungen des Bodens, ebene und unebene Stellen, die rechte Kampfzeit muss erkannt werden, sowie das Erspähen der Schwäche des Gegners.'
Wort für Wort sthalanimnāni bhūmeḥ ca und Erhöhungen und Vertiefungen des Bodens samāni viṣamāṇi ca ebene und unebene Stellen yuddhakālaḥ ca vijñeyaḥ und die Kampfzeit muss erkannt werden parasya antaradarśanam das Erspähen der Schwäche des Gegners upayānāpayāne ca sthānaṃ pratyapasarpaṇam |
sarvametadrathasthena jñeyan rathakuṭumbinā ||
'Herannahen und Entfernen, Stehenbleiben und Zurückweichen — all dies muss von dem auf dem Wagen Stehenden, dem Wagenlenker, gekannt werden.'
Wort für Wort upayānāpayāne ca Herannahen und Entfernen sthānaṃ pratyapasarpaṇam Stehenbleiben und Zurückweichen sarvam etat rathasthena all dies muss von dem auf dem Wagen Stehenden jñeyan rathakuṭumbinā dem Wagenlenker, gekannt werden tava viśrāmahetostu tathaiṣān rathavājinām |
raudran varjayatā khedan kṣamaṃ kṛtamidaṃ mayā ||
'Um dir Erholung zu verschaffen, ebenso wie diesen Wagenrossen, und die furchtbare Erschöpfung zu vermeiden, habe ich dies Angemessene getan.'
Wort für Wort tava viśrāmahetoḥ tu um dir Erholung zu verschaffen tathā eṣān rathavājinām und ebenso diesen Wagenrossen raudran varjayatā khedan die furchtbare Erschöpfung vermeidend kṣamaṃ kṛtam idaṃ mayā habe ich dies Angemessene getan na mayā svecchayā vīra rathoayamapavāhitaḥ |
bhartṛsnehaparītena mayedan yatkṛtaṃ vibho ||
'Nicht aus eigenem Willen, o Held, habe ich diesen Wagen weggeführt; von Zuneigung zu meinem Herrn erfüllt habe ich dies getan, o Gebieter.'
Wort für Wort na mayā svecchayā vīra nicht von mir aus eigenem Willen, o Held rathaḥ ayam apavāhitaḥ wurde dieser Wagen weggeführt bhartṛsnehaparītena von Zuneigung zum Herrn erfüllt mayā idan yat kṛtaṃ vibho habe ich dies getan, o Gebieter ājñāpaya yathātattvan vakṣyasyariniṣūdana |
tatkariṣyāmyahan vīran gatānṛṇyena cetasā ||
'Befiehl, was du für richtig hältst zu sagen, o Feindebezwinger; ich werde es tun, o Held, mit einem von Schuld befreiten Herzen.'
Wort für Wort ājñāpaya yathātattvan befiehl, wie es der Wahrheit entspricht vakṣyasi ariniṣūdana was du sagen wirst, o Feindebezwinger tat kariṣyāmi ahan vīran das werde ich tun, o Held gatānṛṇyena cetasā mit einem von Schuld befreiten Herzen santuṣṭastena vākyena rāvaṇastasya sāratheḥ |
praśasyainaṃ bahuvidhan yuddhalubdhoabravīdidam ||
Durch dieses Wort seines Wagenlenkers besänftigt, lobte Rāvaṇa ihn vielfach und sprach, kampfbegierig, Folgendes:
Wort für Wort santuṣṭaḥ tena vākyena besänftigt durch dieses Wort rāvaṇaḥ tasya sāratheḥ Rāvaṇa, seines Wagenlenkers praśasya enaṃ bahuvidhan ihn vielfach lobend yuddhalubdhaḥ abravīt idam sprach der Kampfbegierige Folgendes rathan śīghramimaṃ sūta rāghavābhimukhan kuru |
nāhatvā samare śatrūnnivartiṣyati rāvaṇaḥ ||
'Wende diesen Wagen, o Wagenlenker, schnell dem Rāghava zu; Rāvaṇa wird nicht zurückweichen, ohne die Feinde im Kampf erschlagen zu haben!'
Wort für Wort rathan śīghram imaṃ sūta diesen Wagen schnell, o Wagenlenker rāghavābhimukhan kuru wende dem Rāghava zu na ahatvā samare śatrūn ohne im Kampf die Feinde erschlagen zu haben nivartiṣyati rāvaṇaḥ wird Rāvaṇa nicht zurückweichen evamuktvā tatastuṣṭo rāvaṇo rākṣaseśvaraḥ |
dadau tasya śubhan hyekaṃ hastābharaṇamuttamam ||
So sprechend, gab der nun zufriedene Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, ihm ein einziges, vortreffliches Armgeschmeide.
Wort für Wort evam uktvā tataḥ tuṣṭaḥ so sprechend, dann zufrieden rāvaṇaḥ rākṣaseśvaraḥ Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas dadau tasya śubhan hi ekaṃ gab ihm wahrlich ein einziges, vortreffliches hastābharaṇam uttamam Armgeschmeide tato drutan rāvaṇavākyacoditaḥ |
pracodayāmāsa hayānsa sārathiḥ |
sa rākṣasendrasya tato mahārathaḥ |
kṣaṇena rāmasya raṇāgratoabhavat ||
Dann, von Rāvaṇas Wort angetrieben, trieb der Wagenlenker eilends die Rosse an; und so stand der große Wagen des Rākṣasa-Herrn im nächsten Augenblick vor Rāma in der Schlachtfront.
Wort für Wort tato drutan rāvaṇavākyacoditaḥ dann, eilends, von Rāvaṇas Wort angetrieben pracodayāmāsa hayān sa sārathiḥ trieb der Wagenlenker die Rosse an sa rākṣasendrasya tato mahārathaḥ und so der große Wagen des Rākṣasa-Herrn kṣaṇena rāmasya raṇāgrataḥ abhavat stand im Augenblick vor Rāma in der Schlachtfront
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