niśācarendrasya niśamya vākyam |
sa kumbhakarṇasya ca garjitāni |
vibhīṣaṇo rākṣasarājamukhya |
uvāca vākyam hitamarthayuktam ||1||
Nachdem er die Rede des Herrn der Nachtwandler und das Gebrüll Kumbhakarṇas vernommen hatte, sprach Vibhīṣaṇa vor dem Haupt der Rākṣasas ein heilsames, sinnvolles Wort.
Warum, o König, hältst du diese große Schlange Sītā zwischen deinen Armen umschlungen - voll vom Gift der Sorge, mit lächelnd-scharfen Reißzähnen, mit fünf Fingern als fünf Häuptern, von gewaltiger Gestalt?
Wort für Wort
vṛtaḥ bāhvantarabhogarāśiḥ
umschlungen zwischen den Armen, ein Schlangenknäuel
cintāviṣaḥ susmitatīkṣaṇadaṃṣṭraḥ
voll Sorgen-Gift, mit lächelnd scharfen Reißzähnen
pañcāṅgulī pañcaśiraḥ atikāyaḥ
fünf Finger als fünf Häupter, von gewaltigem Leib
sītā mahāhiḥ tava kena rājan
Sītā, die große Schlange, warum, o König, ist sie dein?
Solange die Affen, groß wie Berggipfel, mit Reißzähnen und Krallen als Waffen, nicht Laṅkā bestürmen, gebe man dem Sohn des Daśaratha die Maithilī zurück.
Wort für Wort
yāvat na laṅkā samabhidravanti
solange sie Laṅkā nicht bestürmen
valīmukhāḥ parvatakūṭamātrāḥ
die Affen, groß wie Berggipfel
daṃṣṭrāyudhāḥ ca eva nakhāyudhāḥ ca
mit Reißzähnen als Waffen und mit Krallen als Waffen
Solange die von Rāma entsandten Pfeile, dem Vajra gleich und windgleich schnell, nicht die Häupter der besten Rākṣasas erfassen, gebe man dem Sohn des Daśaratha die Maithilī zurück.
Wort für Wort
yāvat na gṛhṇanti śirāṃsi
solange sie nicht die Häupter ergreifen
bāṇāḥ rāmeritāḥ rākṣasapuṅgavānām
die von Rāma entsandten Pfeile der besten Rākṣasas
na kumbhakarṇendrajitau ca rāja-
stathā mahāpārśvamahodarau vā |
nikumbhakumbhau ca tathātikāyaḥ |
sthātum samarthā yudhi rāghavasya ||5||
Weder Kumbhakarṇa noch Indrajit, o König, noch Mahāpārśva und Mahodara, noch Nikumbha und Kumbha, noch Atikāya vermögen im Kampf gegen den Rāghava standzuhalten.
jīvaṃstu rāmasya na mokṣyase tvam |
guptaḥ savitrāpyathavā marudbhiḥ |
na vāsavasyāṅkagato na mṛtyo-
rnabho na pātālamanupraviṣṭaḥ ||6||
Lebend wirst du Rāma nicht entkommen, magst du auch von Savitṛ oder den Marut beschützt sein - nicht im Schoß Vāsavas, nicht bei Mṛtyu, nicht im Himmel, nicht in die Unterwelt eingetreten.
Wort für Wort
jīvan tu rāmasya na mokṣyase tvam
lebend aber wirst du Rāma nicht entkommen
guptaḥ savitrā api athavā marudbhiḥ
beschützt von Savitṛ oder von den Marut
na vāsavasya aṅkagataḥ
nicht im Schoß Vāsavas befindlich
na mṛtyoḥ na nabhaḥ na pātālam anupraviṣṭaḥ
nicht bei Mṛtyu, nicht in den Himmel, nicht in die Unterwelt eingetreten
na yakṣagandharvamahoragebhyo |
bhayam na saṃkhye patagoragebhyaḥ |
katham nu rāmādbhavitā bhayam no |
narendraputrātsamare kadācit ||8||
Keine Furcht kennen wir vor Yakṣas, Gandharvas und großen Schlangen, keine im Kampf vor Vogel- und Schlangenwesen - wie sollte uns da vor Rāma, dem Königssohn, jemals Furcht in der Schlacht erwachsen?
Wort für Wort
na yakṣagandharvamahoragebhyaḥ bhayam
keine Furcht vor Yakṣas, Gandharvas, großen Schlangen
Nachdem er Prahastas unheilvolle Rede vernommen hatte, sprach Vibhīṣaṇa, der auf das Wohl des Königs bedacht war und dessen Sinn fest in Dharma, Artha und Kāma gegründet war, ein bedeutungsvolles Wort.
Wort für Wort
prahastavākyam ahitam niśamya
Prahastas unheilvolle Rede vernehmend
vibhīṣaṇaḥ rājahitānukāṅkṣī
Vibhīṣaṇa, der das Wohl des Königs wünschend
tataḥ mahārtham vacanam babhāṣe
sprach da ein bedeutungsvolles Wort
dharmārthakāmeṣu niviṣṭabuddhiḥ
dessen Sinn in Dharma, Artha und Kāma gegründet war
prahasta rājā ca mahodaraśca |
tvam kumbhakarṇaśca yathārthajātam |
bravītha rāmam prati tanna śakyam |
yathā gatiḥ svargamadharmabuddheḥ ||10||
Prahasta, was du, der König, Mahodara und Kumbhakarṇa über Rāma der Wahrheit gemäß auch sprechen mögt, das ist nicht so ausführbar - wie der Weg zum Himmel für einen, dessen Sinn dem Unrecht verhaftet ist.
Wort für Wort
prahasta rājā ca mahodaraḥ ca
Prahasta, und der König, und Mahodara
tvam kumbhakarṇaḥ ca yathārthajātam
du und Kumbhakarṇa, was der Wahrheit gemäß entstanden ist
bravītha rāmam prati tat na śakyam
was ihr über Rāma sprecht, das ist nicht möglich
yathā gatiḥ svargam adharmabuddheḥ
wie der Weg zum Himmel für einen, dessen Sinn dem Unrecht verhaftet ist
Wie sollte die Tötung Rāmas durch mich, durch dich, Prahasta, oder durch alle Rākṣasas zusammen gelingen - für einen, der solche Dinge kennt, wäre das wie das Durchqueren des großen Ozeans ohne Floß.
Wort für Wort
vadhaḥ tu rāmasya mayā tvayā ca
die Tötung Rāmas aber durch mich und durch dich
prahasta sarvaiḥ api rākṣasaiḥ vā
Prahasta, oder durch alle Rākṣasas
katham bhavet arthaviśāradasya
wie sollte es geschehen für einen, der in solchen Dingen erfahren ist
mahārṇavam tartum iva aplavasya
wie das Durchqueren des großen Ozeans für einen ohne Floß
Vor diesem an Dharma vorrangigen großen Wagenkämpfer, dem aus dem Geschlecht der Ikṣvāku entsprossenen Fürsten, der solcherart und in seinen Taten mächtig ist, werden selbst die Götter zu Toren.
Wort für Wort
dharmapradhānasya mahārathasya
des an Dharma vorrangigen großen Wagenkämpfers
ikṣvākuvaṃśaprabhavasya rājñaḥ
des aus dem Geschlecht der Ikṣvāku entsprossenen Königs
puraḥ asya devāḥ ca tathāvidhasya
vor diesem solcherart Beschaffenen werden selbst die Götter
Noch hast du nicht die scharfen, mit Falkenfedern befiederten, schwer zu ertragenden, vom Rāghava entsandten Pfeile erfahren, die den Leib durchbohrend eindringen - allein deswegen prahlst du so, Prahasta.
Wort für Wort
tīkṣaṇāḥ na tāvat tava kaṅkapatrāḥ
noch nicht die scharfen, mit Falkenfedern versehenen
Noch sind dir nicht die scharfen, vom Rāghava entsandten, blitzschnellen und lebensbeendenden Pfeile in den Leib eingedrungen - allein deswegen prahlst du so, Prahasta.
na rāvaṇo nāpi balastrīśīrṣo |
na kumbhakarṇasya suto nikumbhaḥ |
na cendrajiddāśarathim prasoḍhum |
tvam vā raṇe śakrasamam samarthaḥ ||15||
Weder Rāvaṇa noch der dreiköpfige Bala, weder Kumbhakarṇas Sohn Nikumbha noch Indrajit, noch du selbst vermögt im Kampf dem Śakra-gleichen Sohn des Daśaratha standzuhalten.
Weder Devāntaka noch Narāntaka, noch der große, an Wagenkraft überragende Atikāya, noch Akampana, an Kraft einem Berge gleich, vermögen im Kampf gegen den Rāghava standzuhalten.
Wort für Wort
devāntakaḥ vā api narāntakaḥ vā
weder Devāntaka noch Narāntaka
tathā atikāyaḥ atirathaḥ mahātmā
noch der großmütige, an Wagenkraft überragende Atikāya
akampanaḥ ca adrisamānasāraḥ
noch Akampana, an Kraft einem Berge gleich
sthātum na śaktāḥ yudhi rāghavasya
fähig, im Kampf gegen den Rāghava zu bestehen, sind sie nicht
Und dieser König, von Unheil überwältigt, wird von euch, seinen Freunden, die wie Feinde wirken, zum Verderben der Rākṣasas begleitet - er, der von Natur aus jähzornig ist und unbedacht handelt.
Wort für Wort
ayam ca rājā vyasanābhibhūtaḥ
und dieser König, von Unheil überwältigt
mitraiḥ amitrapratimaiḥ bhavadbhiḥ
von euch Freunden, die Feinden gleich sind
anvāsyate rākṣasanāśanārthe
wird zum Verderben der Rākṣasas begleitet
tīkṣaṇaḥ prakṛtyā hi asamīkṣyakārī
er, der von Natur aus jähzornig ist und unbedacht handelt
Wie von einer endlosen, tausendköpfigen, furchtbaren und gewaltigen Schlange mit Gewalt umschlungen - so sollt ihr diesen König emporheben und befreien.
Solange noch Zeit ist, sollt ihr, alle Freunde vereint, deren Wünsche ganz erfüllt sind, den König, der wie von furchtbar starken Geistern ergriffen ist, an den Haaren zurückhalten und ihn so beschützen.
Wort für Wort
yāvat hi keśagrahaṇāt suhṛdbhiḥ
solange noch, durch das Ergreifen an den Haaren, von den Freunden
sametya sarvaiḥ paripūrṇakāmaiḥ
vereint mit allen, deren Wünsche erfüllt sind
nigṛhya rājā parirakṣitavyaḥ
soll der zurückgehaltene König beschützt werden
bhūtaiḥ yathā bhīmabalaiḥ gṛhītaḥ
wie einer, der von furchtbar starken Geistern ergriffen ist
Von dem gutwassrigen Ozean des Rāghava rasch überflutet - vereint sollt ihr euch bemühen, ihn zu retten, ehe er in den Höllenrachen des Kākutthsa stürzt.
Dies ist das Heilsame für diese Stadt samt ihren Rākṣasas, für den König und seine Freunde - ich spreche wahrhaftig meine eigene Meinung aus: Man gebe dem Königssohn die Maithilī zurück.
Nachdem er die Kraft des Feindes und die eigene Macht erkannt hat, ebenso Bestand, Untergang und Zuwachs, und ebenso die eigene Seite mit Bedacht erwogen hat, möge ein solcher Ratgeber sprechen, was recht und dem Herrn zuträglich ist.
Wort für Wort
parasya vīryam svabalam ca buddhvā
die Kraft des Feindes und die eigene Macht erkennend
sthānam kṣayam ca eva tathā eva vṛddhim
ebenso Bestand, Untergang und Zuwachs
tathā svapakṣe api anumṛśya buddhyā
ebenso die eigene Seite mit Bedacht erwägend
vadet kṣamam svāmihitam sa mantrī
möge ein solcher Ratgeber sprechen, was recht und dem Herrn zuträglich ist