Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 35: Mālyavad-Vākyam Mālyavāns Rat zum Frieden und die Unheilszeichen

tena śankha vimiśreṇa bherī śabdena rāghavaḥ | upayato mahā bāhū rāmah para puram jayaḥ ||1||

Mit jenem von Muschelhörnern durchmischten Trommelschall näherte sich Rāghava, der Starkarmige, Rāma, der Bezwinger feindlicher Städte.

Wort für Wort
tena śaṅkhavimiśreṇa
mit jenem, mit Muschelhörnern durchmischten
bherīśabdena rāghavaḥ
Trommelschall, Rāghava
upayato mahābāhuḥ
näherte sich der Starkarmige
rāmaḥ parapurajayaḥ
Rāma, der Bezwinger feindlicher Städte

tam ninādam niśamya atha rāvaṇo rākṣasa īśvaraḥ | muhūrtam dhyānam āsthāya sacivān abhyudaikṣata ||2||

Als Rāvaṇa, der Herrscher der Rākṣasas, jenen Lärm vernahm, verharrte er einen Augenblick in Nachdenken und blickte seine Minister an.

Wort für Wort
tam ninādam niśamya
jenen Lärm vernehmend
atha rāvaṇo rākṣaseśvaraḥ
da Rāvaṇa, der Rākṣasenherrscher
muhūrtam dhyānam āsthāya
einen Augenblick in Nachdenken verharrend
sacivān abhyudaikṣata
blickte er die Minister an

atha tān sacivāṃs tatra sarvān ābhāṣya rāvaṇaḥ | sabhām samnādayan sarvām ity uvāca mahā balaḥ | jagatpamtāpanaḥ krūrogarhayan rākṣaseśvaraḥ ||3||

Da sprach Rāvaṇa, der mächtige, die ganze Welt quälende, grausame Herrscher der Rākṣasas, zu all jenen Ministern und ließ die ganze Halle erdröhnen, schmähend, folgendes Wort:

Wort für Wort
atha tān sacivāṃs tatra
da zu jenen Ministern dort
sarvān ābhāṣya rāvaṇaḥ
alle ansprechend, Rāvaṇa
sabhām saṃnādayan sarvām
die ganze Halle erdröhnen lassend
jagatsaṃtāpanaḥ krūro garhayan rākṣaseśvaraḥ
der weltquälende, grausame Rākṣasenherrscher, schmähend

taraṇam sāgarasya api vikramam bala saṃcayam | yad uktavanto rāmasya bhavantas tan mayā śrutam ||4||

Was ihr über die Überquerung des Ozeans, über die Kraft und die Ansammlung des Heeres Rāmas gesagt habt, das habe ich vernommen.

Wort für Wort
taraṇam sāgarasya api
auch die Überquerung des Ozeans
vikramam balasaṃcayam
die Kraft, die Heeresansammlung
yad uktavanto rāmasya
was ihr über Rāma gesagt habt
bhavantas tan mayā śrutam
das habe ich von euch vernommen

bhavataścāpyaham vedmi yuddhe satyaparākramān | tūṣṇīkānīkṣatonyonyam viditvām rāmavikramam ||5||

Auch weiß ich um euch, dass ihr im Kampf von wahrhaftiger Kraft seid; doch ihr blickt schweigend einander an, seit ihr Rāmas Kraft erkannt habt.

Wort für Wort
bhavataḥ ca api aham vedmi
auch weiß ich um euch
yuddhe satyaparākramān
dass ihr im Kampf wahrhaft kraftvoll seid
tūṣṇīkān īkṣata anyonyam
schweigend blickt ihr einander an
viditvā rāmavikramam
Rāmas Kraft erkannt habend

tatas tu sumahā prājno mālyavān nāma rākṣasaḥ | rāvaṇasya vacaḥ śrutvā mātuḥ paitāmaho abravīt ||6||

Da sprach der überaus weise Rākṣasa namens Mālyavān, nachdem er Rāvaṇas Worte vernommen hatte, er, der Großvater mütterlicherseits:

Wort für Wort
tatas tu sumahāprājnaḥ
da der überaus weise
mālyavān nāma rākṣasaḥ
der Rākṣasa namens Mālyavān
rāvaṇasya vacaḥ śrutvā
Rāvaṇas Worte gehört habend
mātuḥ paitāmaho abravīt
der Großvater mütterlicherseits sprach

vidyāsvabhivinīto yo rājā rājan naya anugaḥ | sa śāsti ciram aiśvaryam arīṃśca kurute vaśe ||7||

Der König, o Herrscher, der in den Wissenschaften wohl unterwiesen ist und der Staatskunst folgt, herrscht lange über seine Macht und bringt seine Feinde in seine Gewalt.

Wort für Wort
vidyāsu abhivinīto yaḥ rājā
der König, in den Wissenschaften wohl unterwiesen
rājan nayānugaḥ
o Herrscher, der Staatskunst folgend
sa śāsti ciram aiśvaryam
er herrscht lange über seine Macht
arīn ca kurute vaśe
und bringt die Feinde in seine Gewalt

saṃdadhāno hi kālena vigṛhṇaṃsḥ cāribhiḥ saha | sva pakṣa vardhanam kurvan mahad aiśvaryam aśnute ||8||

Wer zur rechten Zeit Frieden schließt und zur rechten Zeit mit den Feinden kämpft, wer seine eigene Partei stärkt, erlangt große Herrschaft.

Wort für Wort
saṃdadhāno hi kālena
wer zur rechten Zeit Frieden schließt
vigṛhṇan ca aribhiḥ saha
und mit den Feinden kämpft
svapakṣavardhanam kurvan
seine eigene Partei stärkend
mahad aiśvaryam aśnute
erlangt große Herrschaft

hīyamānena kartavyo rājnā saṃdhiḥ samena ca | na śatrum avamanyeta jyāyān kurvīta vigraham ||9||

Wer unterlegen ist, muss Frieden schließen, ebenso wer gleich stark ist; man verachte den Feind nicht; wer überlegen ist, mag den Kampf beginnen.

Wort für Wort
hīyamānena kartavyo rājnā
vom unterlegenen König ist zu tun
saṃdhiḥ samena ca
Frieden, ebenso vom Gleichstarken
na śatrum avamanyeta
man verachte den Feind nicht
jyāyān kurvīta vigraham
der Überlegene mag den Kampf beginnen

tanmahyam rocate saṃdhiḥ saha rāmeṇa rāvaṇa | yad artham abhiyuktāḥ sma sītā tasmai pradīyatām ||10||

Daher gefällt mir Friede mit Rāma, o Rāvaṇa; das, weswegen wir uns in diesen Streit verwickelt haben, sei ihm gegeben – Sītā.

Wort für Wort
tan mahyam rocate saṃdhiḥ
daher gefällt mir der Friede
saha rāmeṇa rāvaṇa
mit Rāma, Rāvaṇa
yad artham abhiyuktāḥ sma
weswegen wir uns verwickelt haben
sītā tasmai pradīyatām
Sītā werde ihm gegeben

tasya deva ṛṣayaḥ sarve gandharvāsḥ ca jaya eṣiṇaḥ | virodham mā gamas tena saṃdhis te tena rocatām ||11||

Alle Götter, Weisen und Gandharven wünschen seinen Sieg; gerate nicht in Feindschaft mit ihm – Friede mit ihm möge dir gefallen.

Wort für Wort
tasya deva ṛṣayaḥ sarve
dessen Sieg alle Götter und Weisen
gandharvāḥ ca jayaiṣiṇaḥ
und Gandharven wünschen
virodham mā gamas tena
gerate nicht in Feindschaft mit ihm
saṃdhis te tena rocatām
Friede mit ihm möge dir gefallen

asṛjad bhagavān pakṣau dvāv eva hi pitāmahaḥ | surāṇām asurāṇām ca dharma adharmau tad āśrayau ||12||

Der erhabene Großvater schuf nur zwei Parteien: die der Götter und die der Asuras, deren Grundlage Recht und Unrecht sind.

Wort für Wort
asṛjad bhagavān pakṣau
der Erhabene schuf zwei Parteien
dvau eva hi pitāmahaḥ
nur zwei, der Großvater
surāṇām asurāṇām ca
der Götter und der Asuras
dharmādharmau tad āśrayau
Recht und Unrecht deren Grundlage

dharmo hi śrūyate pakṣaḥ surāṇām ca mahātmanām | adharmo rakṣasām pakṣohya asurāṇām ca rāvaṇa ||13||

Denn das Recht, so heißt es, ist die Partei der Götter und der Hochgesinnten; das Unrecht ist die Partei der Rākṣasas und der Asuras, o Rāvaṇa.

Wort für Wort
dharmo hi śrūyate pakṣaḥ
das Recht, so heißt es, ist die Partei
surāṇām ca mahātmanām
der Götter und der Hochgesinnten
adharmo rakṣasām pakṣaḥ hi
das Unrecht ist die Partei der Rākṣasas
asurāṇām ca rāvaṇa
und der Asuras, Rāvaṇa

dharmo vai grasate adharmam tataḥ kṛtam abhūd yugam | adharmo grasate dharmam tatas tiṣyaḥ pravartate ||14||

Wenn das Recht das Unrecht verschlingt, dann entsteht das Kṛta-Zeitalter; wenn das Unrecht das Recht verschlingt, dann beginnt das Tiṣya-Zeitalter.

Wort für Wort
dharmo vai grasate adharmam
wenn das Recht das Unrecht verschlingt
tataḥ kṛtam abhūd yugam
dann entsteht das Kṛta-Zeitalter
adharmo grasate dharmam
wenn das Unrecht das Recht verschlingt
tatas tiṣyaḥ pravartate
dann beginnt das Tiṣya-Zeitalter

tat tvayā caratā lokān dharmo vinihato mahān | adharmaḥ pragṛhītasḥ ca tena asmad balinaḥ pare ||15||

Durch dich, der du die Welten durchstreiftest, wurde das große Recht zerstört, und das Unrecht ward ergriffen; deshalb sind die Feinde stärker als wir.

Wort für Wort
tat tvayā caratā lokān
dies, durch dich, der die Welten durchstreifte
dharmo vinihato mahān
das große Recht wurde zerstört
adharmaḥ pragṛhītaḥ ca
und das Unrecht ward ergriffen
tena asmad balinaḥ pare
deshalb sind die anderen stärker als wir

sa pramādād vivṛddhas te adharmo ahir grasate hi naḥ | vivardhayati pakṣam ca surāṇām sura bhāvanaḥ ||16||

Dieses durch deine Sorglosigkeit erstarkte Unrecht verschlingt uns wie eine Schlange, und stärkt zugleich die Partei der Götter, ihr Wohltäter.

Wort für Wort
sa pramādād vivṛddhas te
dieses durch deine Sorglosigkeit erstarkte
adharmo ahir grasate hi naḥ
das Unrecht verschlingt uns wie eine Schlange
vivardhayati pakṣam ca surāṇām
und stärkt die Partei der Götter
surabhāvanaḥ
ihr Wohltäter

viṣayeṣu prasaktena yat kiṃcit kāriṇā tvayā | Rṣīṇām agni kalpānām udvego janito mahān ||17||

Durch dich, der du den Sinnesobjekten hingegeben allerlei getan hast, wurde den feuergleichen Weisen große Beunruhigung bereitet.

Wort für Wort
viṣayeṣu prasaktena
dem Sinnesobjekten hingegebenen
yat kiṃcit kāriṇā tvayā
durch dich, der allerlei tat
ṛṣīṇām agnikalpānām
den feuergleichen Weisen
udvego janito mahān
große Beunruhigung ward bereitet

teṣām prabhāvo durdharṣaḥ pradīpta;iva pāvakaḥ | tapasā bhāvita ātmāno dharmasya anugrahe ratāḥ ||18||

Ihre Macht ist unangreifbar, wie loderndes Feuer; durch Askese geläutert an Seele, dem Wohl des Rechts zugetan.

Wort für Wort
teṣām prabhāvo durdharṣaḥ
ihre Macht ist unangreifbar
pradīptaḥ iva pāvakaḥ
wie loderndes Feuer
tapasā bhāvitātmānaḥ
durch Askese geläutert an Seele
dharmasya anugrahe ratāḥ
dem Wohl des Rechts zugetan

mukhyair yajnair yajanty ete nityam tais tais dvijātayaḥ | juhvaty agnīṃsḥ ca vidhivad vedāṃsḥ ca uccair adhīyate ||19||

Mit den erhabensten Opfern opfern diese zweifach Geborenen stets nach der Vorschrift, opfern den Feuern gemäß dem Ritual, und rezitieren die Veden laut.

Wort für Wort
mukhyair yajnair yajanty ete
mit erhabensten Opfern opfern diese
nityam tais tais dvijātayaḥ
stets, diese zweifach Geborenen
juhvaty agnīn ca vidhivad
opfern den Feuern gemäß Vorschrift
vedāṃs ca uccair adhīyate
und rezitieren die Veden laut

abhibhūya ca rakṣāṃsi brahma ghoṣān udairayan | diśo vipradrutāḥ sarve stanayitnur iva uṣṇage ||20||

Die Rākṣasas bezwingend und den Brahma-Klang erhebend, fliehen alle in die Himmelsrichtungen, wie das Donnern bei Sonnenschein.

Wort für Wort
abhibhūya ca rakṣāṃsi
die Rākṣasas bezwingend
brahmaghoṣān udairayan
den Brahma-Klang erhebend
diśo vipradrutāḥ sarve
fliehen alle in die Richtungen
stanayitnur iva uṣṇage
wie das Donnern bei Sonnenschein

ṛṣīṇām agni kalpānām agni hotra samutthitaḥ | ādatte rakṣasām tejo dhūmo vyāpya diśo daśa ||21||

Der aus dem Feueropfer der feuergleichen Weisen aufsteigende Rauch nimmt, sich über die zehn Himmelsrichtungen ausbreitend, die Glanzkraft der Rākṣasas hinweg.

Wort für Wort
ṛṣīṇām agnikalpānām
der feuergleichen Weisen
agnihotrasamutthitaḥ
aus dem Feueropfer aufsteigend
ādatte rakṣasām tejaḥ
nimmt die Glanzkraft der Rākṣasas
dhūmo vyāpya diśo daśa
der Rauch, die zehn Richtungen erfüllend

teṣu teṣu ca deśeṣu puṇyeṣu ca dṛḍha vrataiḥ | caryamāṇam tapas tīvram samtāpayati rākṣasān ||22||

An all jenen heiligen Orten, von denen mit festem Gelübde geübte strenge Askese, quält sie die Rākṣasas.

Wort für Wort
teṣu teṣu ca deśeṣu puṇyeṣu
an all jenen heiligen Orten
dṛḍhavrataiḥ caryamāṇam
von den mit festem Gelübde geübte
tapas tīvram
strenge Askese
saṃtāpayati rākṣasān
quält die Rākṣasas

devadānavayakṣebho gṛhītaśca varastvayā | manuṣyā vānarā ṛkṣā golāṅgūlā mahābalāḥ ||23||

Und du hast von Göttern, Dānavas und Yakṣas einen Schutz gegen sie erlangt – doch Menschen, Affen, Bären und mächtige Golāṅgūlas...

Wort für Wort
devadānavayakṣebhyaḥ
von Göttern, Dānavas, Yakṣas
gṛhītaḥ ca varas tvayā
und ein Schutz von dir erlangt
manuṣyā vānarā ṛkṣāḥ
Menschen, Affen, Bären
golāṅgūlā mahābalāḥ
und mächtige Golāṅgūlas

balavanta ihāgamya garjanti dṛḍhavikramāḥ ||24||

...kräftig, hierher gekommen, von festem Mut, brüllen sie.

Wort für Wort
balavantaḥ iha āgamya
kräftig, hierher gekommen
garjanti dṛḍhavikramāḥ
brüllen, von festem Mut

utpātān vividhān dṛṣṭvā ghorān bahu vidhāṃs tathā | vināśam anupaśyāmi sarveṣām rakṣasām aham ||25||

Nachdem ich mannigfaltige, furchtbare Vorzeichen vielerlei Art gesehen habe, sehe ich den Untergang aller Rākṣasas voraus.

Wort für Wort
utpātān vividhān dṛṣṭvā
mannigfaltige Vorzeichen gesehen habend
ghorān bahuvidhān tathā
furchtbar, vielerlei Art
vināśam anupaśyāmi
sehe ich den Untergang voraus
sarveṣām rakṣasām aham
aller Rākṣasas, ich

kharābhis tanitā ghorā meghāh pratibhayam karaḥ | śoṇitena abhivarṣanti lankām uṣṇena sarvataḥ ||26||

Furchtbare Wolken, von schrillem Donner erfüllt, angsteinflößend, regnen von allen Seiten heißes Blut auf Laṅkā herab.

Wort für Wort
kharābhis tanitā ghorāḥ
von schrillem Donner erfüllt, furchtbar
meghāḥ pratibhayaṃkarāḥ
die Wolken, angsteinflößend
śoṇitena abhivarṣanti
regnen mit Blut
laṅkām uṣṇena sarvataḥ
auf Laṅkā, mit Hitze, von allen Seiten

rudatām vāhanānām ca prapatanty asra bindavaḥ | dhvajā dhvastā vivarṇāsḥ ca na prabhānti yathā puram ||27||

Von den weinenden Reittieren fallen Tränentropfen; die Banner sind zerfetzt und verblichen und leuchten nicht mehr wie sonst in der Stadt.

Wort für Wort
rudatām vāhanānām ca
von den weinenden Reittieren
prapatanty asrabindavaḥ
fallen Tränentropfen
dhvajā dhvastā vivarṇāḥ ca
die Banner zerfetzt und verblichen
na prabhānti yathā puram
leuchten nicht wie sonst in der Stadt

vyālā gomāyavo gRdhrā vāśanti ca subhairavam | praviśya lankām aniśam samavāyāṃsḥ ca kurvate ||28||

Schlangen, Schakale und Geier heulen überaus furchterregend, dringen unaufhörlich in Laṅkā ein und versammeln sich.

Wort für Wort
vyālā gomāyavo gṛdhrāḥ
Schlangen, Schakale, Geier
vāśanti ca subhairavam
heulen überaus furchterregend
praviśya laṅkām aniśam
unaufhörlich in Laṅkā eindringend
samavāyān ca kurvate
und versammeln sich

kālikāḥ pāṇḍurair dantaiḥ prahasanty agrataḥ sthitāḥ | striyaḥ svapneṣu muṣṇantyo gṛhāṇi pratibhāṣya ca ||29||

Schwarze Weiber mit weißen Zähnen lachen, vorn stehend, andere, die im Traum Haus und Habe rauben, indem sie die Schlafenden ansprechen.

Wort für Wort
kālikāḥ pāṇḍurair dantaiḥ
schwarze Weiber mit weißen Zähnen
prahasanty agrataḥ sthitāḥ
lachen, vorn stehend
striyaḥ svapneṣu muṣṇantyaḥ
Frauen, die im Traum rauben
gṛhāṇi pratibhāṣya ca
und Häuser ansprechend

gṛhāṇām bali karmāṇi śvānaḥ paryupabhunjate | kharā goṣu prajāyante mūṣikā nakulaiḥ saha ||30||

Hunde verzehren die Opfergaben der Häuser; Esel werden von Kühen geboren, Mäuse paaren sich mit Mungos.

Wort für Wort
gṛhāṇām balikarmāṇi
der Häuser Opfergaben
śvānaḥ paryupabhunjate
verzehren die Hunde
kharā goṣu prajāyante
Esel werden von Kühen geboren
mūṣikā nakulaiḥ saha
Mäuse mit Mungos

mārjārā dvīpibhiḥ sārdham sūkarāḥ śunakaiḥ saha | kimnarā rākṣasaisḥ ca api sameyur mānuṣaiḥ saha ||31||

Katzen paaren sich mit Panthern, Schweine mit Hunden, Kiṃnaras mit Rākṣasas, ja sogar mit Menschen.

Wort für Wort
mārjārā dvīpibhiḥ sārdham
Katzen mit Panthern
sūkarāḥ śunakaiḥ saha
Schweine mit Hunden
kiṃnarā rākṣasaiḥ ca api
Kiṃnaras auch mit Rākṣasas
sameyur mānuṣaiḥ saha
paaren sich mit Menschen

pāṇḍurā rakta pādāsḥ ca vihagāḥ kāla coditāḥ | rākṣasānām vināśāya kapotā vicaranti ca ||32||

Weiße, rotfüßige Vögel, von der Zeit getrieben, und Tauben ziehen umher, zum Untergang der Rākṣasas.

Wort für Wort
pāṇḍurā raktapādāḥ ca
weiße, rotfüßige
vihagāḥ kālacoditāḥ
Vögel, von der Zeit getrieben
rākṣasānām vināśāya
zum Untergang der Rākṣasas
kapotā vicaranti ca
und Tauben ziehen umher

vīcīkūcīti vāśantyaḥ śārikā veśmasu sthitāḥ | patanti grathitāsḥ ca api nirjitāḥ kalaha eṣiṇaḥ ||33||

Śārikā-Vögel, 'vīcī-kūcī' rufend, in den Häusern sitzend, fallen verknotet und besiegt herab, streitsüchtig wie sie sind.

Wort für Wort
vīcīkūcī iti vāśantyaḥ
'vīcī-kūcī' rufend
śārikā veśmasu sthitāḥ
Śārikā-Vögel, in Häusern sitzend
patanti grathitāḥ ca api
fallen auch verknotet herab
nirjitāḥ kalahaiṣiṇaḥ
besiegt, streitsüchtig

pakṣiṇaśca mṛgāḥ sarve pratyādityam rudanti te | karālo vikaṭo muṇḍaḥ puruṣaḥ kṛṣṇa pingalaḥ ||34||

Vögel und alle Wildtiere heulen der Sonne entgegen; ein furchtbarer, entstellter, kahlköpfiger Mann, schwarz-gelbbraun...

Wort für Wort
pakṣiṇaḥ ca mṛgāḥ sarve
Vögel und alle Wildtiere
pratyādityam rudanti te
heulen der Sonne entgegen
karālo vikaṭo muṇḍaḥ
furchtbar, entstellt, kahlköpfig
puruṣaḥ kṛṣṇapiṅgalaḥ
ein Mann, schwarz-gelbbraun

kālo gṛhāṇi sarveṣām kāle kāle anvavekṣate | etāny anyāni duṣṭāni nimittāny utpatanti ca ||35||

...die Zeit, blickt von Zeit zu Zeit auf die Häuser aller; diese und andere böse Vorzeichen erscheinen.

Wort für Wort
kālo gṛhāṇi sarveṣām
die Zeit, auf die Häuser aller
kāle kāle anvavekṣate
blickt von Zeit zu Zeit
etāny anyāni duṣṭāni
diese und andere böse
nimittāny utpatanti ca
Vorzeichen erscheinen

viṣṇum manyāmahe rāmam mānuṣam deham āsthitam | na hi mānuṣa mātro asau rāghavo dṛḍha vikramaḥ ||36||

Wir halten Rāma für Viṣṇu selbst, in einem Menschenleib erschienen; denn dieser Rāghava von festem Mut ist kein bloßer Mensch.

Wort für Wort
viṣṇum manyāmahe rāmam
wir halten Rāma für Viṣṇu
mānuṣam deham āsthitam
in einem Menschenleib erschienen
na hi mānuṣamātro asau
denn er ist kein bloßer Mensch
rāghavo dṛḍhavikramaḥ
Rāghava, von festem Mut

yena baddhaḥ samudrasya sa setuḥ parama adbhutaḥ | kuruṣva nara rājena saṃdhim rāmeṇa rāvaṇa | jñātvāvadhārya karmāṇi kriyatāmāyatikṣamam ||37||

Von dem jene überaus wunderbare Brücke über den Ozean gebaut wurde. Schließe Frieden mit dem Menschenkönig Rāma, o Rāvaṇa; erkenne und bedenke die Taten, und handle so, dass es der Zukunft standhält.

Wort für Wort
yena baddhaḥ samudrasya
von dem des Ozeans
sa setuḥ paramādbhutaḥ
jene überaus wunderbare Brücke gebaut
kuruṣva nararājena saṃdhim
schließe Frieden mit dem Menschenkönig
rāmeṇa rāvaṇa
mit Rāma, Rāvaṇa
jñātvā avadhārya karmāṇi
die Taten erkennend und bedenkend
kriyatām āyatikṣamam
handle, was der Zukunft standhält

idam vacas tatra nigadya mālyavan | parīkṣya rakṣo adhipater manaḥ punaḥ | anuttameṣu uttama pauruṣo balī | babhūva tūṣṇīm samavekṣya rāvaṇam ||38||

Nachdem Mālyavān dort dieses Wort gesprochen und wiederum den Sinn des Rākṣasenherrschers geprüft hatte, verstummte er, der unter den Höchsten der Höchste an Mannhaftigkeit und Kraft, und blickte Rāvaṇa an.

Wort für Wort
idam vacas tatra nigadya mālyavan
dieses Wort dort gesprochen habend, Mālyavān
parīkṣya rakṣo adhipater manaḥ punaḥ
wiederum den Sinn des Rākṣasenherrschers prüfend
anuttameṣu uttamapauruṣo balī
unter den Höchsten der Höchste an Mannhaftigkeit, kraftvoll
babhūva tūṣṇīm samavekṣya rāvaṇam
verstummte, Rāvaṇa anblickend

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