vaset saha sapatnena kruddhenāśīviṣeṇa ca |
na tu mitrapravādena saṃvaseccatruṇā saha ||2||
Man mag mit einem zornigen Nebenbuhler wohnen, selbst mit einer giftigen Schlange, aber niemals mit einem Feind zusammenwohnen, der unter dem Vorwand der Freundschaft auftritt.
pradhānam sādhakam vaidyam dharmaśīlam ca rākṣasa |
jñātayo hyanamanyante śūram paribhavanti ca ||4||
Den Vorzüglichen, den Tüchtigen, den Weisen, den Rechtschaffenen, o Rākṣasa - die Verwandten achten ihn nicht, und den Tapferen verachten sie noch dazu.
nāgnirnānyāni śastrāṇi na naḥ pāśā bhayāvahāḥ |
ghorāḥ svārthaprayuktāstu jñātayo no bhayāvahāḥ ||7||
Weder Feuer noch andere Waffen, noch die Fangseile sind für uns Ursache der Furcht - die Verwandten, die furchtbar und auf den eigenen Vorteil bedacht sind, sind für uns die Ursache der Furcht.
Wort für Wort
na agniḥ na anyāni śastrāṇi
weder Feuer noch andere Waffen
na naḥ pāśāḥ bhayāvahāḥ
noch sind uns die Fangseile Ursache der Furcht
ghorāḥ svārthaprayuktāḥ tu
die furchtbaren, auf eigenen Vorteil bedachten aber
Sie werden diese List zum Fangen verraten, daran ist kein Zweifel - von aller Furcht ist die Furcht vor den Verwandten die schwerste, das ist uns wohlbekannt.
Wort für Wort
upāyam etat vakṣyanti grahaṇe
sie werden diese List zum Fangen verraten
na atra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel
kṛtsnāt bhayāt jñātibhayam sukaṣṭam
von aller Furcht ist die Furcht vor Verwandten die schwerste
tato neṣṭam idam saumya yadaham lokasatkṛtaḥ |
aiśvaryamabhijātaśca ripūṇām mūrdhni ca sthitaḥ ||10||
Darum ist mir dies nicht lieb, du Sanfter, dass ich, von der Welt geehrt, zur Herrschaft geboren und auf dem Haupte der Feinde stehend, solches von dir hören muss.
Wort für Wort
tataḥ na iṣṭam idam saumya
darum ist mir dies nicht lieb, du Sanfter
yat aham lokasatkṛtaḥ
dass ich, von der Welt geehrt
aiśvaryam abhijātaḥ ca
und zur Herrschaft geboren
ripūṇām mūrdhni ca sthitaḥ
und auf dem Haupte der Feinde stehend, dies hören muss
yo.anyastvevaṃvidham brūyād vākyametanniśācara |
asmin muhūrte na bhavet tvām tu dhik kulapāṃsanam ||16||
Hätte ein anderer, o Nachtwandler, solch ein Wort gesprochen, er wäre in diesem Augenblick nicht mehr am Leben - doch dir, dem Schänder unseres Geschlechts, sei Schmach!
Wort für Wort
yaḥ anyaḥ tu evaṃvidham brūyāt
hätte ein anderer solch ein Wort gesprochen
vākyam etat niśācara
dieses Wort, o Nachtwandler
asmin muhūrte na bhavet
er wäre in diesem Augenblick nicht mehr am Leben
tvām tu dhik kulapāṃsanam
doch dir, dem Schänder des Geschlechts, sei Schmach
sa tvam bhrātāsi me rājan brūhi mām yadyadicchasi |
jyeṣṭho mānyaḥ pitṛsamo na ca dharmapathe sthitaḥ |
idam tu paruṣam vākyam na kṣamāmyanṛtam tava ||19||
Du bist mein Bruder, o König, sage mir, was immer du willst - der Ältere, Verehrungswürdige, dem Vater gleich, doch stehst du nicht auf dem Pfad des Rechts. Dieses harte, unwahre Wort von dir aber ertrage ich nicht.
sunītam hitakāmena vākyamuktam daśānana |
na gṛhṇantyakṛtātmānaḥ kālasya vaśamāgatāḥ ||20||
Ein wohlbedachtes, heilsames Wort habe ich, dein Wohl wünschend, gesprochen, Zehnköpfiger - doch die Unbeherrschten, die der Macht des Schicksals verfallen sind, nehmen es nicht an.
sulabhāḥ puruṣā rājan satatam priyavādinaḥ |
apriyasya tu pathyasya vaktā śrotā ca durlabhaḥ ||21||
Leicht zu finden sind, o König, Menschen, die stets Angenehmes reden; doch schwer zu finden ist ein Sprecher wie auch ein Hörer des Unangenehmen, wenn es heilsam ist.
Wort für Wort
sulabhāḥ puruṣāḥ rājan
leicht zu finden sind Menschen, o König
satatam priyavādinaḥ
die stets Angenehmes reden
apriyasya tu pathyasya
des Unangenehmen aber, wenn es heilsam ist
vaktā śrotā ca durlabhaḥ
ein Sprecher wie auch ein Hörer sind schwer zu finden
Möge dir verziehen sein, was ich, aus Ehrfurcht dein Wohl wünschend, gesagt habe - bewahre dich selbst auf jede Weise und diese Stadt samt ihren Rākṣasas.
nivāryamāṇasya mayā hitaiṣiṇā |
na rocate te vacanam niśācara |
parītakālā hi gatāyuṣo narā |
hitam na gṛhṇanti suhṛdbhirīritam ||27||
Dir, der du von mir, deinem Wohl wünschend, zurückgehalten wirst, gefällt mein Wort nicht, Nachtwandler - denn Menschen, deren Lebenszeit sich dem Ende naht, nehmen das Heilsame, das ihnen von Freunden gesagt wird, nicht an.
Wort für Wort
nivāryamāṇasya mayā hitaiṣiṇā
dir, der du von mir, deinem Wohl wünschend, zurückgehalten wirst