Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa
Sarga 83: Lakṣmaṇasya-Dharma-Vimarśaḥ
Lakṣmaṇas Klage über das Dharma und sein Aufruf an den ohnmächtigen Rāma
rāghavaścāpi vipulaṃ taṃ rākṣasavanaukasām |
śrutvā saṅgrāmanirghoṣaṃ jāmbavantamuvāca ha ||1||
Auch Rāghava, als er jenen gewaltigen Schlachtenlärm der Rākṣasas und Waldbewohner hörte, sprach da zu Jāmbavant.
Wort für Wort rāghavaḥ ca api vipulaṃ auch Rāghava, jenen gewaltigen taṃ rākṣasavanaukasām der Rākṣasas und Waldbewohner śrutvā saṅgrāmanirghoṣaṃ den Schlachtenlärm hörend jāmbavantam uvāca ha sprach zu Jāmbavant saumya nūnaṃ hanumatā kṛtaṃ karma suduṣkaram |
śrūyate hi yathā bhīmaḥ sumahānāyudhasvanaḥ ||2||
‚O Sanftmütiger, gewiss ist von Hanumant eine überaus schwierige Tat vollbracht worden, denn man hört, wie gewaltig und furchtbar der Waffenlärm ist.‘
Wort für Wort saumya nūnaṃ hanumatā o Sanftmütiger, gewiss von Hanumant kṛtaṃ karma suduṣkaram eine überaus schwierige Tat vollbracht śrūyate hi yathā bhīmaḥ denn man hört, wie furchtbar sumahān āyudhasvanaḥ der gewaltige Waffenlärm tadgaccha kuru sāhāyyaṃ svabalenābhisaṃvṛtaḥ |
kṣipramṛkṣapate tasya kapiśreṣṭhasya yudhyataḥ ||3||
‚So geh, o Herr der Bären, mit deiner eigenen Streitmacht umgeben, und leiste rasch jenem besten der Affen, der kämpft, Beistand.‘
Wort für Wort tat gaccha kuru sāhāyyaṃ so geh, leiste Beistand svabalena abhisaṃvṛtaḥ mit deiner eigenen Streitmacht umgeben kṣipram ṛkṣapate rasch, o Herr der Bären tasya kapiśreṣṭhasya yudhyataḥ jenem besten der Affen, der kämpft ṛkṣarājastathetyuktvā svenānīkena saṃvṛtaḥ |
āgacchatpaścimadvāraṃ hanūmānyatra vānaraḥ ||4||
Der Bärenkönig sprach: ‚So sei es‘, und kam, von seinem eigenen Heer umgeben, zum westlichen Tor, wo der Affe Hanumant war.
Wort für Wort ṛkṣarājaḥ tathā iti uktvā der Bärenkönig, ‚so sei es‘ sprechend svena anīkena saṃvṛtaḥ von seinem eigenen Heer umgeben āgacchat paścimadvāraṃ kam zum westlichen Tor hanūmān yatra vānaraḥ wo der Affe Hanumant war athāyāntaṃ hanūmantaṃ dadarśarkṣapatiḥ pathi |
vānaraiḥ kṛtasaṅgrāmaiḥ śvasadbhirabhisaṃvṛtam ||5||
Da erblickte der Bärenfürst auf dem Weg den herankommenden Hanumant, umgeben von den Vānaras, die den Kampf vollbracht hatten und schwer atmeten.
Wort für Wort atha āyāntaṃ hanūmantaṃ da den herankommenden Hanumant dadarśa ṛkṣapatiḥ pathi erblickte der Bärenfürst auf dem Weg vānaraiḥ kṛtasaṅgrāmaiḥ von den Vānaras, die gekämpft hatten śvasadbhiḥ abhisaṃvṛtam von schwer Atmenden umgeben dṛṣṭvā pathi hanūmāṃśca tadṛṣkabalamudyatam |
nīlameghanibhaṃ bhīmaṃ saṃnivārya nyavartata ||6||
Als Hanumant auf dem Weg jenes bereitstehende, blauen Wolken gleichende, furchterregende Bärenheer sah, hielt er es zurück und kehrte um.
Wort für Wort dṛṣṭvā pathi hanūmān ca als Hanumant auf dem Weg sah tat ṛkṣabalam udyatam jenes bereitstehende Bärenheer nīlameghanibhaṃ bhīmaṃ blauen Wolken gleich, furchterregend saṃnivārya nyavartata hielt es zurück und kehrte um sa tena harisainyena saṃnikarṣaṃ mahāyaśāḥ |
śīghramāgamya rāmāya duḥkhito vākyamabravīt ||7||
Er, der hochberühmte, kam mit jenem Affenheer rasch in die Nähe Rāmas und sprach, bekümmert, zu ihm.
Wort für Wort sa tena harisainyena er mit jenem Affenheer saṃnikarṣaṃ śīghram āgamya rasch in die Nähe gekommen mahāyaśāḥ der hochberühmte rāmāya duḥkhito vākyam abravīt sprach bekümmert zu Rāma samare yudhyamānānāmasmākaṃ prekṣatāṃ ca saḥ |
jaghāna rudatīṃ sītāmindrajidrāvaṇātmajaḥ ||8||
‚Während wir in der Schlacht kämpften und zusahen, tötete Indrajit, der Sohn Rāvaṇas, die weinende Sītā.‘
Wort für Wort samare yudhyamānānām während wir in der Schlacht kämpften asmākaṃ prekṣatāṃ ca und wir zusahen jaghāna rudatīṃ sītām tötete die weinende Sītā indrajit rāvaṇātmajaḥ Indrajit, der Sohn Rāvaṇas udbhrāntacittastāṃ dṛṣṭvā viṣaṇṇo.ahamarindama |
tadahaṃ bhavato vṛttaṃ vijñāpayitumāgataḥ ||9||
‚Meines Sinnes verwirrt, als ich sie sah, bin ich niedergeschlagen, o Bezwinger der Feinde; darum bin ich gekommen, um dir das Geschehene mitzuteilen.‘
Wort für Wort udbhrāntacittaḥ tāṃ dṛṣṭvā meines Sinnes verwirrt, sie sehend viṣaṇṇaḥ aham arindama niedergeschlagen bin ich, Feindebezwinger tat ahaṃ bhavato vṛttam darum bin ich dir das Geschehene vijñāpayitum āgataḥ mitzuteilen gekommen tasya tadvacanaṃ śrutvā rāghavaḥ śokamūrchitaḥ |
nipapāta tadā bhūmau chinnamūla iva drumaḥ ||10||
Als Rāghava jene Worte hörte, sank er, von Kummer überwältigt, zu Boden, einem entwurzelten Baume gleich.
Wort für Wort tasya tadvacanaṃ śrutvā jene Worte von ihm hörend rāghavaḥ śokamūrchitaḥ Rāghava, von Kummer überwältigt nipapāta tadā bhūmau sank da zu Boden chinnamūla iva drumaḥ einem entwurzelten Baume gleich taṃ bhūmau devasaṅkāśaṃ patitaṃ dṛśya rāghavam |
abhipetuḥ samutpatya sarvataḥ kapisattamāḥ ||11||
Als sie Rāghava, den Göttern gleich, auf dem Boden liegen sahen, eilten die besten der Affen von allen Seiten herbei.
Wort für Wort taṃ bhūmau devasaṅkāśaṃ ihn, den Göttern gleich, auf dem Boden patitaṃ dṛśya rāghavam gefallen sehend, Rāghava abhipetuḥ samutpatya stürzten herbei, aufspringend sarvataḥ kapisattamāḥ von allen Seiten die besten der Affen asiñcansalilaiścainaṃ padmotpalasugandhibhiḥ |
pradahantamasahyaṃ ca sahasāgnimivotthitam ||12||
Sie besprengten ihn, der wie ein plötzlich auflodernder, unerträglicher Brand glühte, mit Wasser, das nach Lotus und Seerose duftete.
Wort für Wort asiñcan salilaiḥ ca enaṃ sie besprengten ihn mit Wasser padmotpalasugandhibhiḥ das nach Lotus und Seerose duftete pradahantam asahyaṃ ca der unerträglich glühte sahasā agnim iva utthitam wie ein plötzlich auflodernder Brand taṃ lakṣmaṇo.atha bāhubhyāṃ pariṣvajya suduḥkhitaḥ |
uvāca rāmamasvasthaṃ vākyaṃ hetvarthasaṃhitam ||13||
Da umarmte Lakṣmaṇa, tief bekümmert, ihn mit seinen Armen und sprach zu dem außer sich geratenen Rāma Worte voll Grund und Sinn.
Wort für Wort taṃ lakṣmaṇo atha bāhubhyāṃ da Lakṣmaṇa ihn mit den Armen pariṣvajya suduḥkhitaḥ umarmend, tief bekümmert uvāca rāmam asvasthaṃ sprach zu dem außer sich geratenen Rāma vākyaṃ hetvarthasaṃhitam Worte voll Grund und Sinn śubhe vartmani tiṣṭhantaṃ tvāmāryavijitendriyam |
anarthebhyo na śaknoti trātuṃ dharmo nirarthakaḥ ||14||
‚Dich, der du auf dem heilvollen Pfad stehst, edel, deine Sinne bezwungen habend, vor Unheil zu bewahren vermag die nutzlose Rechtschaffenheit nicht.‘
Wort für Wort śubhe vartmani tiṣṭhantaṃ auf dem heilvollen Pfad stehend tvām ārya vijitendriyam dich, edel, die Sinne bezwungen anarthebhyo na śaknoti trātum vor Unheil zu bewahren vermag nicht dharmo nirarthakaḥ die nutzlose Rechtschaffenheit bhūtānāṃ sthāvarāṇāṃ ca jaṅgamānāṃ ca darśanam |
yathāsti na tathā dharmastena nāstīti me matiḥ ||15||
‚Die sichtbare Erscheinung der Wesen, der unbeweglichen und der beweglichen, ist nicht wie es die Rechtschaffenheit sein sollte – darum ist meine Meinung, dass es sie nicht gibt.‘
Wort für Wort bhūtānāṃ sthāvarāṇāṃ ca der Wesen, der unbeweglichen jaṅgamānāṃ ca darśanam und der beweglichen Erscheinung yathā asti na tathā dharmaḥ ist nicht, wie die Rechtschaffenheit sein sollte tena na asti iti me matiḥ darum, meine ich, gibt es sie nicht yathaiva sthāvaraṃ vyaktaṃ jaṅgamaṃ ca tathāvidham |
nāyamarthastathā yuktastvadvidho na vipadyate ||16||
‚So wie das Unbewegliche offenkundig ist und ebenso das Bewegliche, so ist diese Sache nicht folgerichtig – einer wie du geht nicht zugrunde.‘
Wort für Wort yathā eva sthāvaraṃ vyaktaṃ so wie das Unbewegliche offenkundig ist jaṅgamaṃ ca tathāvidham und ebenso das Bewegliche na ayam arthaḥ tathā yuktaḥ diese Sache ist nicht folgerichtig tvadvidho na vipadyate einer wie du geht nicht zugrunde yadyadharmo bhavedbhūto rāvaṇo narakaṃ vrajet |
bhavāṃśca dharmasaṃyukto naivaṃ vyasanamāpnuyāt ||17||
‚Wäre die Unrechtschaffenheit wirklich vorhanden, müsste Rāvaṇa zur Hölle fahren, und du, mit der Rechtschaffenheit verbunden, dürftest kein solches Unglück erlangen.‘
Wort für Wort yadi adharmo bhavet bhūtaḥ wäre das Unrecht wirklich vorhanden rāvaṇo narakaṃ vrajet müsste Rāvaṇa zur Hölle fahren bhavān ca dharmasaṃyuktaḥ und du, mit Recht verbunden na evaṃ vyasanam āpnuyāt dürftest kein solches Unglück erlangen tasya ca vyasanābhāvādvyasanaṃ ca gate tvayi |
dharmeṇopalabheddharmamadharmaṃ cāpyadharmataḥ ||18||
‚Da es bei ihm kein Unglück gibt, während dich, der du rechtschaffen bist, Unglück ereilt hat – durch Rechtschaffenheit sollte man Rechtschaffenheit erlangen, und durch Unrecht Unrecht.‘
Wort für Wort tasya ca vyasanābhāvāt da es bei ihm kein Unglück gibt vyasanaṃ ca gate tvayi während dich Unglück ereilt hat dharmeṇa upalabhet dharmam durch Recht sollte man Recht erlangen adharmaṃ ca api adharmataḥ und Unrecht durch Unrecht dharmeṇopalabheddharmamadharmaṃ cāpyadharmataḥ |
yadi dharmeṇa yujyerannādharmaḥ pratiṣṭhataḥ ||19||
‚Durch Rechtschaffenheit sollte man Rechtschaffenheit erlangen und durch Unrecht Unrecht – wenn dem so wäre, bestünde Unrecht nicht fort.‘
Wort für Wort dharmeṇa upalabhet dharmam durch Recht sollte man Recht erlangen adharmaṃ ca api adharmataḥ und Unrecht durch Unrecht yadi dharmeṇa yujyeran wenn sie mit Recht verbunden wären na adharmaḥ pratiṣṭhataḥ bestünde Unrecht nicht fort na dharmeṇa viyujyerannadharmarucayo janāḥ |
dharmeṇa caratāṃ dharmastathā caiṣāṃ phalaṃ bhavet ||20||
‚Die Menschen, die am Unrecht Gefallen finden, würden von der Rechtschaffenheit nicht getrennt werden, und für die, die rechtschaffen wandeln, wäre die Rechtschaffenheit ebenso ihre Frucht.‘
Wort für Wort na dharmeṇa viyujyeran würden von Recht nicht getrennt werden adharmarucayo janāḥ die Menschen, die am Unrecht Gefallen finden dharmeṇa caratāṃ dharmaḥ für die rechtschaffen Wandelnden wäre Recht tathā ca eṣāṃ phalaṃ bhavet ebenso ihre Frucht yasmādarthā vivardhante yeṣvadharmaḥ pratiṣṭhitaḥ |
kliśyante dharmaśīlāśca tasmādetau nirarthakau ||21||
‚Da bei denen, in denen Unrecht wurzelt, die Güter sich mehren, während die Rechtschaffenen leiden, sind diese beiden – Recht und Unrecht – darum nutzlos.‘
Wort für Wort yasmāt arthā vivardhante da die Güter sich mehren yeṣu adharmaḥ pratiṣṭhitaḥ bei denen, in denen Unrecht wurzelt kliśyante dharmaśīlāḥ ca während die Rechtschaffenen leiden tasmāt etau nirarthakau darum sind diese beiden nutzlos vadhyante pāpakarmāṇo yadyadharmeṇa rāghava |
vadhakarmahato dharmaḥ sa hataḥ kaṃ vadhiṣyati ||22||
‚Werden die Übeltäter durch Unrecht getötet, o Rāghava, so ist die Rechtschaffenheit selbst durch die Tötungshandlung erschlagen – wen wird sie, die Erschlagene, noch töten?‘
Wort für Wort vadhyante pāpakarmāṇo werden die Übeltäter getötet yadi adharmeṇa rāghava durch Unrecht, o Rāghava vadhakarmahato dharmaḥ die durch die Tötungshandlung erschlagene Rechtschaffenheit sa hataḥ kaṃ vadhiṣyati wen wird sie, die Erschlagene, töten atha vā vihitenāyaṃ hanyate hanti vā param |
vidhirālipyate tena na sa pāpena karmaṇā ||23||
‚Oder aber, wird dieser durch das Vorherbestimmte getötet oder tötet er einen anderen – das Schicksal wird davon befleckt, nicht er durch die sündige Tat.‘
Wort für Wort atha vā vihitena ayaṃ hanyate oder wird dieser durch das Vorherbestimmte getötet hanti vā param oder tötet er einen anderen vidhiḥ ālipyate tena das Schicksal wird davon befleckt na sa pāpena karmaṇā nicht er durch die sündige Tat adṛṣṭapratikāreṇa avyaktenāsatā satā |
kathaṃ śakyaṃ paraṃ prāptuṃ dharmeṇārivikarśana ||24||
‚Durch eine unsichtbare Vergeltung, unklar, sei sie nun wirklich oder nicht – wie sollte man, o Bezwinger der Feinde, durch Rechtschaffenheit das Höchste erlangen können?‘
Wort für Wort adṛṣṭapratikāreṇa durch eine unsichtbare Vergeltung avyaktena asatā satā unklar, sei sie unwirklich oder wirklich kathaṃ śakyaṃ paraṃ prāptum wie könnte man das Höchste erlangen dharmeṇa arivikarśana durch Recht, o Bezwinger der Feinde yadi satsyātsatāṃ mukhya nāsatsyāttava kiṃ cana |
tvayā yadīdṛśaṃ prāptaṃ tasmātsannopapadyate ||25||
‚Wäre sie wirklich, o Bester der Guten, so hätte dir als einem Guten nichts widerfahren dürfen; da dir aber solches widerfahren ist, folgt daraus, dass sie nicht wirklich ist.‘
Wort für Wort yadi sat syāt satāṃ mukhya wäre sie wirklich, o Bester der Guten na asat syāt tava kiṃ cana dürfte dir nichts Übles widerfahren tvayā yadi īdṛśaṃ prāptaṃ da dir solches widerfahren ist tasmāt sat na upapadyate folgt, dass sie nicht wirklich ist atha vā durbalaḥ klībo balaṃ dharmo.anuvartate |
durbalo hṛtamaryādo na sevya iti me matiḥ ||26||
‚Oder aber: schwach und unmännlich folgt die Rechtschaffenheit der Macht – das Schwache, seiner Grenzen beraubt, ist nicht zu verehren, so ist meine Meinung.‘
Wort für Wort atha vā durbalaḥ klībaḥ oder aber, schwach und unmännlich balaṃ dharmo anuvartate folgt die Rechtschaffenheit der Macht durbalo hṛtamaryādaḥ das Schwache, seiner Grenzen beraubt na sevya iti me matiḥ ist nicht zu verehren, so meine ich balasya yadi ceddharmo guṇabhūtaḥ parākrame |
dharmamutsṛjya vartasva yathā dharme tathā bale ||27||
‚Wenn aber die Rechtschaffenheit der Macht als Eigenschaft in der Tatkraft dient, so verlasse die Rechtschaffenheit und wende dich, wie du dich zur Rechtschaffenheit hieltst, ebenso der Macht zu.‘
Wort für Wort balasya yadi cet dharmo wenn aber die Rechtschaffenheit der Macht guṇabhūtaḥ parākrame als Eigenschaft in der Tatkraft dient dharmam utsṛjya vartasva verlasse die Rechtschaffenheit und wende dich zu yathā dharme tathā bale wie zur Rechtschaffenheit, so zur Macht atha cetsatyavacanaṃ dharmaḥ kila parantapa |
anṛtastvayyakaruṇaḥ kiṃ na baddhastvayā pitā ||28||
‚Wenn aber wahrhaftige Rede die Rechtschaffenheit sein soll, o Bezwinger der Feinde – warum hast du dann nicht deinen erbarmungslosen, dir gegenüber lügnerischen Vater gefesselt?‘
Wort für Wort atha cet satyavacanaṃ dharmaḥ wenn wahrhaftige Rede die Rechtschaffenheit ist kila parantapa fürwahr, o Bezwinger der Feinde anṛtaḥ tvayi akaruṇaḥ der dir gegenüber lügnerische, erbarmungslose kiṃ na baddhaḥ tvayā pitā warum hast du deinen Vater nicht gefesselt yadi dharmo bhavedbhūta adharmo vā parantapa |
na sma hatvā muniṃ vajrī kuryādijyāṃ śatakratuḥ ||29||
‚Gäbe es wirklich Recht oder Unrecht, o Bezwinger der Feinde, so hätte der Träger des Donnerkeils, der Hundertfach-Opfernde, nicht, nachdem er einen Weisen getötet hatte, das Opfer vollzogen.‘
Wort für Wort yadi dharmo bhavet bhūtaḥ gäbe es wirklich Recht adharmo vā parantapa oder Unrecht, o Bezwinger der Feinde na sma hatvā muniṃ vajrī hätte der Donnerkeilträger nicht, einen Weisen getötet habend kuryāt ijyāṃ śatakratuḥ das Opfer vollzogen, der Hundertfach-Opfernde adharmasaṃśrito dharmo vināśayati rāghava |
sarvametadyathākāmaṃ kākutstha kurute naraḥ ||30||
‚Die dem Unrecht anhängende Rechtschaffenheit vernichtet, o Rāghava – all dies tut der Mensch, o Kākutstha, nach seinem eigenen Belieben.‘
Wort für Wort adharmasaṃśrito dharmo die dem Unrecht anhängende Rechtschaffenheit vināśayati rāghava vernichtet, o Rāghava sarvam etat yathākāmaṃ all dies nach Belieben kākutstha kurute naraḥ tut, o Kākutstha, der Mensch mama cedaṃ mataṃ tāta dharmo.ayamiti rāghava |
dharmamūlaṃ tvayā chinnaṃ rājyamutsṛjatā tadā ||31||
‚Dies ist meine Meinung, Väterchen, o Rāghava: „Dies ist Rechtschaffenheit“ – doch die Wurzel der Rechtschaffenheit hast du selbst durchtrennt, als du damals das Königreich aufgabst.‘
Wort für Wort mama ca idaṃ mataṃ tāta dies ist meine Meinung, Väterchen dharmo ayam iti rāghava ‚dies ist Recht‘, o Rāghava dharmamūlaṃ tvayā chinnaṃ die Wurzel des Rechts hast du durchtrennt rājyam utsṛjatā tadā als du damals das Königreich aufgabst arthebhyo hi vivṛddhebhyaḥ saṃvṛddhebhyastatastataḥ |
kriyāḥ sarvāḥ pravartante parvatebhya ivāpagāḥ ||32||
‚Denn aus den gemehrten, von überallher angewachsenen Gütern entspringen alle Handlungen, wie die Flüsse aus den Bergen.‘
Wort für Wort arthebhyo hi vivṛddhebhyaḥ denn aus den gemehrten Gütern saṃvṛddhebhyaḥ tatastataḥ von überallher angewachsenen kriyāḥ sarvāḥ pravartante entspringen alle Handlungen parvatebhyaḥ iva āpagāḥ wie die Flüsse aus den Bergen arthena hi viyuktasya puruṣasyālpatejasaḥ |
vyucchidyante kriyāḥ sarvā grīṣme kusarito yathā ||33||
‚Denn bei einem Manne, der der Güter beraubt und von geringer Kraft ist, versiegen alle Unternehmungen, wie kleine Flüsse im Sommer.‘
Wort für Wort arthena hi viyuktasya denn bei dem der Güter Beraubten puruṣasya alpatejasaḥ dem Manne von geringer Kraft vyucchidyante kriyāḥ sarvāḥ versiegen alle Unternehmungen grīṣme kusaritaḥ yathā wie kleine Flüsse im Sommer so.ayamarthaṃ parityajya sukhakāmaḥ sukhaidhitaḥ |
pāpamārabhate kartuṃ tathā doṣaḥ pravartate ||34||
‚Dieser, der das Gut aufgegeben hat, nach Glück verlangend, im Glück aufgewachsen, beginnt dann Böses zu tun, so entsteht der Fehler.‘
Wort für Wort so ayam arthaṃ parityajya dieser, das Gut aufgegeben habend sukhakāmaḥ sukhaidhitaḥ nach Glück verlangend, im Glück aufgewachsen pāpam ārabhate kartum beginnt Böses zu tun tathā doṣaḥ pravartate so entsteht der Fehler yasyārthāstasya mitrāṇi yasyārthāstasya bāndhavaḥ |
yasyārthāḥ sa pumāṃlloke yasyārthāḥ sa ca paṇḍitaḥ ||35||
‚Wer Güter hat, hat Freunde; wer Güter hat, hat Verwandte; wer Güter hat, ist in der Welt ein Mann; wer Güter hat, ist auch ein Gelehrter.‘
Wort für Wort yasya arthāḥ tasya mitrāṇi wer Güter hat, hat Freunde yasya arthāḥ tasya bāndhavaḥ wer Güter hat, hat Verwandte yasya arthāḥ sa pumān loke wer Güter hat, ist in der Welt ein Mann yasya arthāḥ sa ca paṇḍitaḥ wer Güter hat, ist auch ein Gelehrter yasyārthāḥ sa ca vikrānto yasyārthāḥ sa ca buddhimān |
yasyārthāḥ sa mahābhāgo yasyārthāḥ sa mahāguṇaḥ ||36||
‚Wer Güter hat, ist tapfer; wer Güter hat, ist klug; wer Güter hat, ist hochbeglückt; wer Güter hat, besitzt große Vorzüge.‘
Wort für Wort yasya arthāḥ sa ca vikrāntaḥ wer Güter hat, ist tapfer yasya arthāḥ sa ca buddhimān wer Güter hat, ist klug yasya arthāḥ sa mahābhāgo wer Güter hat, ist hochbeglückt yasya arthāḥ sa mahāguṇaḥ wer Güter hat, besitzt große Vorzüge arthasyaite parityāge doṣāḥ pravyāhṛtā mayā |
rājyamutsṛjatā vīra yena buddhistvayā kṛtā ||37||
‚Dies sind die Fehler bei der Aufgabe des Gutes, die von mir aufgezählt wurden, o Held, du, der du bei der Aufgabe des Königreichs diesen Entschluss gefasst hast.‘
Wort für Wort arthasya ete parityāge doṣāḥ dies sind die Fehler bei der Aufgabe des Gutes pravyāhṛtā mayā von mir aufgezählt rājyam utsṛjatā vīra o Held, bei der Aufgabe des Königreichs yena buddhiḥ tvayā kṛtā durch die du diesen Entschluss gefasst hast yasyārthā dharmakāmārthāstasya sarvaṃ pradakṣiṇam |
adhanenārthakāmena nārthaḥ śakyo vicinvatā ||38||
‚Wem Güter zu Recht, Lust und Nutzen dienen, dem gelingt alles zum Guten; für einen Mittellosen, der nach Reichtum verlangt, ist es nicht möglich, Reichtum zu erlangen, so sehr er auch danach sucht.‘
Wort für Wort yasya arthā dharmakāmārthāḥ wem Güter zu Recht, Lust und Nutzen dienen tasya sarvaṃ pradakṣiṇam dem gelingt alles zum Guten adhanena arthakāmena für einen Mittellosen, der Reichtum begehrt na arthaḥ śakyo vicinvatā ist Reichtum nicht zu erlangen, so sehr er sucht harṣaḥ kāmaśca darpaśca dharmaḥ krodhaḥ śamo damaḥ |
arthādetāni sarvāṇi pravartante narādhipa ||39||
‚Freude und Lust, Stolz, Rechtschaffenheit, Zorn, Gelassenheit und Selbstbeherrschung – all dies entspringt aus dem Reichtum, o Herrscher der Menschen.‘
Wort für Wort harṣaḥ kāmaḥ ca darpaḥ ca Freude, Lust und Stolz dharmaḥ krodhaḥ śamo damaḥ Recht, Zorn, Gelassenheit, Selbstbeherrschung arthāt etāni sarvāṇi aus dem Reichtum entspringt all dies pravartante narādhipa o Herrscher der Menschen yeṣāṃ naśyatyayaṃ lokaścaratāṃ dharmacāriṇām |
te.arthāstvayi na dṛśyante durdineṣu yathā grahāḥ ||40||
‚Bei denen, den rechtschaffen Wandelnden, für die diese Welt verlorengeht – diese Güter sind bei dir nicht zu sehen, wie die Gestirne an trüben Tagen.‘
Wort für Wort yeṣāṃ naśyati ayaṃ lokaḥ bei denen diese Welt verlorengeht caratāṃ dharmacāriṇām den rechtschaffen Wandelnden te arthāḥ tvayi na dṛśyante diese Güter sind bei dir nicht zu sehen durdineṣu yathā grahāḥ wie die Gestirne an trüben Tagen tvayi pravrajite vīra guroś ca vacane sthite |
rakṣasāpahṛtā bhāryā prāṇaiḥ priyatarā tava ||41||
‚Während du, o Held, in die Verbannung zogst und im Worte des Vaters standhaft bliebst, wurde deine Gattin, die dir teurer als das Leben ist, von einem Rākṣasa geraubt.‘
Wort für Wort tvayi pravrajite vīra während du, o Held, in die Verbannung zogst guroḥ ca vacane sthite und im Worte des Vaters standhaft bliebst rakṣasā apahṛtā bhāryā von einem Rākṣasa geraubt wurde die Gattin prāṇaiḥ priyatarā tava dir teurer als das Leben tadadya vipulaṃ vīra duḥkhamindrajitā kṛtam |
karmaṇā vyapaneṣyāmi tasmāduttiṣṭha rāghava ||42||
‚So werde ich heute, o Held, das gewaltige Leid, das Indrajit bereitet hat, durch die Tat beseitigen – darum erhebe dich, o Rāghava.‘
Wort für Wort tat adya vipulaṃ vīra so heute, o Held, das gewaltige duḥkham indrajitā kṛtam Leid, das Indrajit bereitet hat karmaṇā vyapaneṣyāmi werde ich durch die Tat beseitigen tasmāt uttiṣṭha rāghava darum erhebe dich, o Rāghava uttiṣṭha naraśārdūla dīrghabāho dhṛtavrata |
kimātmānaṃ mahātmānaṃ kṛtātmānaṃ na budhyase ||43||
‚Erhebe dich, du Tiger unter den Männern, Langarmiger, in deinem Gelübde Standhafter – warum erkennst du dich selbst nicht, den Hochherzigen, Vollendeten?‘
Wort für Wort uttiṣṭha naraśārdūla erhebe dich, Tiger unter den Männern dīrghabāho dhṛtavrata Langarmiger, in deinem Gelübde Standhafter kim ātmānaṃ mahātmānaṃ warum dich selbst, den Hochherzigen kṛtātmānaṃ na budhyase den Vollendeten, erkennst du nicht ayamanagha tavoditaḥ priyārthaṃ |
janakasutā nidhanaṃ nirīkṣya ruṣṭaḥ |
sahayagajarathāṃ sarākṣasendrāṃ |
bhṛśamiṣubhirvinipātayāmi laṅkām ||44||
‚Dies ist, o Sündloser, zu deinem Wohle gesprochen – im Anblick des Todes der Tochter Janakas, erzürnt, werde ich Laṅkā, samt seinen Pferden, Elefanten, Wagen und seinem Rākṣasa-Herrscher, mit Pfeilen heftig zu Fall bringen.‘
Wort für Wort ayam anagha tava uditaḥ priyārthaṃ dies ist, o Sündloser, zu deinem Wohle gesprochen janakasutā nidhanaṃ nirīkṣya ruṣṭaḥ im Anblick des Todes der Tochter Janakas erzürnt sahayagajarathāṃ sarākṣasendrāṃ samt Pferden, Elefanten, Wagen und dem Rākṣasa-Herrscher bhṛśam iṣubhiḥ vinipātayāmi laṅkām werde ich Laṅkā mit Pfeilen heftig zu Fall bringen
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