Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 15: Indrajit-Vibhīṣaṇa-Saṃvādaḥ Der Wortwechsel zwischen Indrajit und Vibhīṣaṇa

bṛhaspatestulyamatestu vākyam | niśamya yatnena vibhīṣaṇasya | tato mahātmā vacanam babhāṣe | tatrendrajinnairṛtayūthamukhyaḥ ||1||

Nachdem er sorgfältig die Worte Vibhīṣaṇas, dessen Gesinnung der des Bṛhaspati glich, vernommen hatte, sprach dort der hochgesinnte Indrajit, das Haupt der Nairṛta-Schar, ein Wort.

Wort für Wort
bṛhaspateḥ tulyamateḥ tu vākyam
die Worte dessen, dessen Gesinnung Bṛhaspati gleicht
niśamya yatnena vibhīṣaṇasya
sorgfältig Vibhīṣaṇas vernehmend
tataḥ mahātmā vacanam babhāṣe
da sprach der Hochgesinnte ein Wort
tatra indrajit nairṛtayūthamukhyaḥ
dort Indrajit, das Haupt der Nairṛta-Schar

kim nāma te tāta kaniṣṭha vākya- manarthakam vai bahubhītavacca | asmin kule yo.api bhavenna jātaḥ | so.apīdṛśam naiva vadenna kuryāt ||2||

Was, o Vater, jüngerer Bruder, ist das für eine sinnlose, von vieler Furcht erfüllte Rede? Selbst wer nicht in diesem Geschlecht geboren wäre, würde solches weder sprechen noch tun.

Wort für Wort
kim nāma te tāta kaniṣṭha vākyam
was ist das, o Vater, jüngerer Bruder, für eine Rede
anarthakam vai bahubhītavat ca
sinnlos und von vieler Furcht erfüllt
asmin kule yaḥ api bhavet na jātaḥ
selbst wer nicht in diesem Geschlecht geboren wäre
saḥ api īdṛśam na eva vadet na kuryāt
auch der würde solches weder sprechen noch tun

sattvena vīryeṇa parākrameṇa | dhairyeṇa śauryeṇa ca tejasā ca | ekaḥ kule.asmin puruṣo vimukto | vibhīṣaṇastātakaniṣṭha eṣaḥ ||3||

An Wesenskraft, Tapferkeit, Kühnheit, Standhaftigkeit, Heldenmut und Glanz fehlt es in diesem Geschlecht nur einem einzigen Manne - eben diesem Vibhīṣaṇa, dem Jüngsten, o Vater.

Wort für Wort
sattvena vīryeṇa parākrameṇa
an Wesenskraft, Tapferkeit, Kühnheit
dhairyeṇa śauryeṇa ca tejasā ca
an Standhaftigkeit, Heldenmut und Glanz
ekaḥ kule asmin puruṣaḥ vimuktaḥ
fehlt es in diesem Geschlecht nur einem einzigen Manne
vibhīṣaṇaḥ tāta kaniṣṭha eṣaḥ
eben diesem Vibhīṣaṇa, dem Jüngsten, o Vater

kim nāma tau mānuṣarājaputrau | asmākamekena hi rākṣasena | suprākṛtenāpi nihantumetau | śakyau kuto bhīṣayase sma bhīro ||4||

Was sind diese beiden menschlichen Königssöhne? Selbst von einem einzigen unserer Rākṣasas, und sei er noch so gering, könnten diese beiden getötet werden - warum ängstigst du dich so, Feigling?

Wort für Wort
kim nāma tau mānuṣarājaputrau
was sind diese beiden menschlichen Königssöhne
asmākam ekena hi rākṣasena
von einem einzigen unserer Rākṣasas
suprākṛtena api nihantum etau
selbst von einem geringen, um diese beiden zu töten
śakyau kutaḥ bhīṣayase sma bhīraḥ
möglich - warum ängstigst du dich, Feigling

trilokanātho nāma devarājaḥ | śakto mayā bhūmitale viveṣṭitaḥ | bhayārditāścāpi diśaḥ prapannāḥ | sarve tadā devagaṇāḥ samagrāḥ ||5||

Der Herr der drei Welten, Śakra, der Götterkönig, wurde von mir zu Boden gerungen; von Furcht gepeinigt flohen damals alle Scharen der Götter in die Himmelsrichtungen.

Wort für Wort
trilokanāthaḥ nāma devarājaḥ śakraḥ
der Herr der drei Welten, der Götterkönig Śakra
mayā bhūmitale viveṣṭitaḥ
von mir zu Boden gerungen
bhayārditāḥ ca api diśaḥ prapannāḥ
von Furcht gepeinigt, in die Himmelsrichtungen geflohen
sarve tadā devagaṇāḥ samagrāḥ
alle Scharen der Götter damals, insgesamt

airāvato visvaramunnadan sa | nipātito bhūmitale mayā tu | vikṛṣya dantau tu mayā prapīḍya | vitrāsitā devagaṇāḥ samagrāḥ ||6||

Airāvata, laut aufbrüllend, wurde von mir zu Boden geworfen; nachdem ich seine Stoßzähne herausgerissen und ihn gequält hatte, wurden alle Scharen der Götter in Schrecken versetzt.

Wort für Wort
airāvataḥ visvaram unnadan
Airāvata, laut aufbrüllend
saḥ nipātitaḥ bhūmitale mayā tu
er wurde von mir zu Boden geworfen
vikṛṣya dantau tu mayā prapīḍya
seine Stoßzähne herausreißend und ihn quälend
vitrāsitāḥ devagaṇāḥ samagrāḥ
wurden alle Scharen der Götter in Schrecken versetzt

so.aham surāṇāmapi darpahantā | daityottamānāmapi śokakartā | katham narendrātmajayorna śakto | mamāsyayoḥ prākṛtayoḥ suvīryaḥ ||7||

Ich, der ich selbst den Göttern den Stolz brach und den besten Daityas Kummer bereitete - wie sollte ich, an Heldenkraft überlegen, diesen beiden gewöhnlichen Königssöhnen nicht gewachsen sein?

Wort für Wort
saḥ aham surāṇām api darpahantā
ich, der auch den Göttern den Stolz brach
daityottamānām api śokakartā
der auch den besten Daityas Kummer bereitete
katham narendrātmajayoḥ na śaktaḥ
wie sollte ich diesen beiden Königssöhnen nicht gewachsen sein
mama asyayoḥ prākṛtayoḥ suvīryaḥ
ich, an Heldenkraft überlegen, diesen gewöhnlichen

athendrakalpasya durāsadasya | mahātmanastadvacanam niśamya | tato mahārtham vacanam babhāṣe | vibhīṣaṇaḥ śastrabhṛtām variṣṭhaḥ ||8||

Nachdem er die Worte des Indra-gleichen, unnahbaren, hochgesinnten Indrajit vernommen hatte, sprach da Vibhīṣaṇa, der Beste der Waffenträger, ein bedeutungsvolles Wort.

Wort für Wort
atha indrakalpasya durāsadasya
des Indra-gleichen, unnahbaren
mahātmanaḥ tadvacanam niśamya
die Worte des Hochgesinnten vernehmend
tataḥ mahārtham vacanam babhāṣe
da sprach er ein bedeutungsvolles Wort
vibhīṣaṇaḥ śastrabhṛtām variṣṭhaḥ
Vibhīṣaṇa, der Beste der Waffenträger

na tāta mantre tava niścayo.asti | bālastvamadyāpyavipakvabuddhiḥ | tasmāttvayāpyātmavināśanāya | vaco.arthahīnam bahu vipralaptam ||9||

Nicht, mein Sohn, liegt in deinem Rat Festigkeit; du bist noch jung und von unreifer Einsicht - darum hast du zu deinem eigenen Verderben viele sinnlose, nutzlose Worte von dir gegeben.

Wort für Wort
na tāta mantre tava niścayaḥ asti
nicht, mein Sohn, liegt in deinem Rat Festigkeit
bālaḥ tvam adya api avipakvabuddhiḥ
du bist noch jetzt jung, von unreifer Einsicht
tasmāt tvayā api ātmavināśanāya
darum hast du auch zu deinem eigenen Verderben
vacaḥ arthahīnam bahu vipralaptam
viele sinnlose, nutzlose Worte gesprochen

putrapravādena tu rāvaṇasya | tvamindrajinmitramukho.asi śatruḥ | yasyedṛśam rāghavato vināśam | viśamya mohādanuvanyase tvam ||10||

Nur dem Namen nach Rāvaṇas Sohn, bist du, Indrajit, ein Feind mit dem Antlitz eines Freundes - der du, in Verblendung, ein solches Verderben durch den Rāghava herbeiwünschest.

Wort für Wort
putrapravādena tu rāvaṇasya
nur dem Namen nach als Rāvaṇas Sohn
tvam indrajit mitramukhaḥ asi śatruḥ
bist du, Indrajit, ein Feind mit dem Antlitz eines Freundes
yasya īdṛśam rāghavataḥ vināśam
der du ein solches Verderben durch den Rāghava
viśamya mohāt anuvanyase tvam
in Verblendung erkennend dennoch herbeiwünschest

tvameva vadhyaśca sudurmatiśca | sa cāpi vadhyo ya aihānayattvām | bālam dṛḍham sāhasikam ca yo.adya | prāveśayanmantrakṛtām samīpam ||11||

Du selbst, so übel gesonnen, verdienst den Tod, und auch der verdient ihn, der dich hierher brachte - dich, den jungen, verwegenen Draufgänger, den er heute in die Nähe der Ratsversammlung ließ.

Wort für Wort
tvam eva vadhyaḥ ca sudurmatiḥ ca
du selbst, so übel gesonnen, verdienst den Tod
saḥ ca api vadhyaḥ yaḥ iha ānayat tvām
und auch der verdient ihn, der dich hierher brachte
bālam dṛḍham sāhasikam ca yaḥ adya
dich, den jungen, verwegenen Draufgänger, den er heute
prāveśayat mantrakṛtām samīpam
in die Nähe der Ratsversammlung ließ

mūḍho.apragalbho.avinayopapanna- stīkṣaṇasvabhāvo.alpamatirdurātmā | mūrkhastvamatyantasudurmatiśca | tvamindrajidbālatayā bravīṣi ||12||

Töricht, unreif, ohne Zucht, von jähem Wesen, geringem Verstand, übelgesinnt, dumm und höchst übel gesonnen bist du - so sprichst du, Indrajit, aus kindischer Torheit.

Wort für Wort
mūḍhaḥ apragalbhaḥ avinayopapannaḥ
töricht, unreif, ohne Zucht
tīkṣaṇasvabhāvaḥ alpamatiḥ durātmā
von jähem Wesen, geringem Verstand, übelgesinnt
mūrkhaḥ tvam atyantasudurmatiḥ ca
dumm bist du und höchst übel gesonnen
tvam indrajit bālatayā bravīṣi
du, Indrajit, sprichst aus kindischer Torheit

ko brahmadaṇḍapratimaprakāśā- narciṣmataḥ kālanikāśarūpān | saheta bāṇānyamadaṇḍakalpā- nsamakṣamuktānyudhi rāghaveṇa ||13||

Wer könnte die Pfeile ertragen, glänzend wie der Stab Brahmas, feurig, dem Tode gleichenden Angesichts, dem Stabe Yamas gleich, die der Rāghava offen im Kampf entsendet?

Wort für Wort
kaḥ brahmadaṇḍapratimaprakāśān
wer die dem Stab Brahmas gleich glänzenden
arciṣmataḥ kālanikāśarūpān
feurigen, dem Tode gleichenden
saheta bāṇān yamadaṇḍakalpān
könnte die Pfeile ertragen, dem Stabe Yamas gleich
samakṣamuktān yudhi rāghaveṇa
die offen im Kampf vom Rāghava entsandten

dhanāni ratnāni subhūṣaṇāni | vāsāṃsi divyāni maṇīṃśca citrān | sītām ca rāmāya nivedya devīm | vasema rājanniha vītaśokāḥ ||14||

Reichtümer, Juwelen, prächtigen Schmuck, himmlische Gewänder und bunte Edelsteine, und die Herrin Sītā - all dies sollten wir Rāma übergeben, o König, und hier frei von Kummer verweilen.

Wort für Wort
dhanāni ratnāni subhūṣaṇāni
Reichtümer, Juwelen, prächtigen Schmuck
vāsāṃsi divyāni maṇīn ca citrān
himmlische Gewänder und bunte Edelsteine
sītām ca rāmāya nivedya devīm
und die Herrin Sītā dem Rāma übergebend
vasema rājan iha vītaśokāḥ
wollen wir, o König, hier frei von Kummer verweilen

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