Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 32: Sītāvilāpaḥ Sītās Klage und Prahastas Ankunft

sā sītā tacciro dṛṣṭvā tac ca kārmukam uttamam | sugrīva pratisaṃsargam ākhyātam ca hanūmatā ||1||

Sītā, als sie jenes Haupt und jenen ausgezeichneten Bogen erblickte, und sich an das erinnerte, was Hanumān ihr von der Verbindung mit Sugrīva berichtet hatte,

Wort für Wort
sā sītā tat śiro dṛṣṭvā
Sītā, jenes Haupt erblickend
tat ca kārmukam uttamam
und jenen ausgezeichneten Bogen
sugrīvapratisaṃsargam
die Verbindung mit Sugrīva
ākhyātam ca hanūmatā
von Hanumān berichtet

nayane mukha varṇam ca bhartus tat sadṛśam mukham | keśān keśa anta deśam ca tam ca cūḍā maṇim śubham ||2||

erkannte sie die Augen, die Gesichtsfarbe, jenes Gesicht, das ihrem Gatten glich, die Haare, den Haaransatz und jenen leuchtenden Kronjuwel.

Wort für Wort
nayane mukhavarṇam ca
die Augen und die Gesichtsfarbe
bhartus tat sadṛśam mukham
jenes dem Gatten gleiche Gesicht
keśān keśāntadeśam ca
die Haare und den Haaransatz
tam ca cūḍāmaṇim śubham
und jenen leuchtenden Kronjuwel

etaih sarvair abhijnānair abhijnāya suduhkhitā | vijagarhe atha kaikeyīm krośantī kurarī yathā ||3||

An all diesen Erkennungszeichen erkannte sie ihn, zutiefst betrübt, und schmähte da Kaikeyī, klagend wie ein Kurarī-Vogel.

Wort für Wort
etaih sarvair abhijnānaiḥ
an all diesen Erkennungszeichen
abhijnāya suduḥkhitā
erkannt habend, zutiefst betrübt
vijagarhe atha kaikeyīm
schmähte da Kaikeyī
krośantī kurarī yathā
klagend wie ein Kurarī-Vogel

sakāmā bhava kaikeyi hato ayam kula nandanaḥ | kulam utsāditam sarvam tvayā kalaha śīlayā ||4||

„Nun sei zufrieden, Kaikeyī – erschlagen ist dieser, die Freude seines Geschlechts; das ganze Geschlecht ist von dir, der Streitsüchtigen, zugrunde gerichtet.

Wort für Wort
sakāmā bhava kaikeyi
sei zufrieden, Kaikeyī
hato ayam kulanandanaḥ
erschlagen ist die Freude des Geschlechts
kulam utsāditam sarvam
das ganze Geschlecht ist zugrunde gerichtet
tvayā kalahaśīlayā
von dir, der Streitsüchtigen

āryeṇa kim nu kaikeyyāḥ kṛtam rāmeṇa vipriyam | yanmayā cīra vasanas tayā prasthāpito vanam ||5||

Was hat der edle Rāma Kaikeyī denn Unliebes getan, dass sie ihn, mit Baumrindengewand bekleidet, in den Wald sandte?“

Wort für Wort
āryeṇa kim nu kaikeyyāḥ
was hat der Edle denn Kaikeyī
kṛtam rāmeṇa vipriyam
Unliebes getan, Rāma
yat mayā cīravasanaḥ
dass er, mit Baumrindengewand
tayā prasthāpito vanam
von ihr in den Wald gesandt wurde

evam uktvā tu vaidehī vepamānā tapasvinī | jagāma jagatīm bālā cinnā tu kadalī yathā ||6||

So sprechend sank die zitternde, leidgeprüfte Vaidehī, das junge Mädchen, zu Boden, wie ein gefällter Bananenbaum.

Wort für Wort
evam uktvā tu vaidehī
so sprechend, Vaidehī
vepamānā tapasvinī
zitternd, leidgeprüft
jagāma jagatīm bālā
sank die Junge zu Boden
chinnā tu kadalī yathā
wie ein gefällter Bananenbaum

sā muhūrtāt samāśvasya pratilabhya ca cetanām | tat śirah samupāghrāya vilalāpa āyata īkṣaṇā ||7||

Nach einer kurzen Weile wieder zu sich gekommen und ihre Sinne wiedererlangt, roch sie an jenem Haupt und klagte, die Großäugige.

Wort für Wort
sā muhūrtāt samāśvasya
nach kurzer Weile wieder zu sich kommend
pratilabhya ca cetanām
und die Sinne wiedererlangend
tat śiraḥ samupāghrāya
an jenem Haupt riechend
vilalāpa āyatekṣaṇā
klagte die Großäugige

hā hatā asmi mahā bāho vīra vratam anuvratā | imām te paścima avasthām gatā asmi vidhavā kṛtā ||8||

„Ach, ich bin verloren, Starkarmiger! Ich, die deinem Heldengelübde treu folgte, muss nun diesen deinen letzten Zustand erleben – zur Witwe bin ich gemacht.

Wort für Wort
hā hatā asmi mahābāho
ach, ich bin verloren, Starkarmiger
vīravratam anuvratā
deinem Heldengelübde treu folgend
imām te paścimāvasthām gatā
zu diesem deinem letzten Zustand gelangt
asmi vidhavā kṛtā
bin ich zur Witwe gemacht

prathamam maraṇam nāryā bhartur vaiguṇyam ucyate | suvṛttaḥ sādhu vṛttāyāḥ samvṛttas tvam mama agrataḥ ||9||

Zuerst zu sterben gilt für eine Frau als Fehler des Gatten; du, der Wohlgesittete, bist mir, der Rechtschaffenen, vor die Augen gekommen als Toter.

Wort für Wort
prathamam maraṇam nāryāḥ
zuerst zu sterben, für die Frau
bhartur vaiguṇyam ucyate
gilt als Fehler des Gatten
suvṛttaḥ sādhuvṛttāyāḥ
der Wohlgesittete, der Rechtschaffenen
saṃvṛttas tvam mama agrataḥ
bist du mir vor Augen gekommen

duhkhād duhkḥam prapannāyā magnāyāḥ śoka sāgare | yo hi mām udyatas trātum so api tvam vinipātitaḥ ||10||

Mir, die von Leid zu Leid geriet, versunken im Meer des Kummers, wurde eben der niedergestreckt, der bereit war, mich zu retten.

Wort für Wort
duḥkhād duḥkham prapannāyāḥ
von Leid zu Leid geraten
magnāyāḥ śokasāgare
versunken im Meer des Kummers
yo hi mām udyatas trātum
der eben bereit war, mich zu retten
so api tvam vinipātitaḥ
eben der wurde niedergestreckt

sā śvaśrūr mama kausalyā tvayā putreṇa rāghava | vatsena iva yathā dhenur vivatsā vatsalā kṛtā ||11||

Meine Schwiegermutter Kausalyā, o Rāghava, wurde von dir, ihrem liebevollen Sohn, wie eine Kuh, die ihr Kalb liebt, ihres Kalbes beraubt.

Wort für Wort
sā śvaśrūr mama kausalyā
meine Schwiegermutter Kausalyā
tvayā putreṇa rāghava
von dir, ihrem Sohn, Rāghava
vatsena iva yathā dhenuḥ
wie eine Kuh durch ihr Kalb
vivatsā vatsalā kṛtā
der Liebevollen, ihres Kalbes beraubt

udiṣṭam dīrgham āyus te yair acintya parākrama | anṛtam vacanam teṣām alpa āyur asi rāghava ||12||

Die, die dir ein langes Leben vorhersagten, o du von unfassbarer Kraft, sprachen eine Lüge – kurzlebig bist du, Rāghava.

Wort für Wort
udiṣṭam dīrgham āyus te
dir ward langes Leben vorhergesagt
yair acintyaparākrama
von denen, o unfassbar Kraftvoller
anṛtam vacanam teṣām
eine Lüge war deren Wort
alpāyur asi rāghava
kurzlebig bist du, Rāghava

atha vā naśyati prajnā prājnasya api satas tava | pacaty enam tathā kālo bhūtānām prabhavo hyayam ||13||

Oder vielmehr, selbst des Weisen Weisheit schwindet dahin – so kocht ihn die Zeit, denn sie ist der Ursprung aller Wesen.

Wort für Wort
atha vā naśyati prajnā
oder vielmehr schwindet die Weisheit
prājnasya api sataḥ tava
selbst des weisen, seienden dir
pacaty enam tathā kālaḥ
so kocht ihn die Zeit
bhūtānām prabhavo hi ayam
sie ist der Ursprung aller Wesen

adṛṣṭam mṛtyum āpannaḥ kasmāt tvam naya śāstravit | vyasanānām upāyajnaḥ kuśalo hyasi varjane ||14||

Warum bist du, kundig in der Staatskunst, kundig der Mittel gegen Unglück, geübt in dessen Abwehr, dennoch dem ungesehenen Tod verfallen?

Wort für Wort
adṛṣṭam mṛtyum āpannaḥ
dem ungesehenen Tod verfallen
kasmāt tvam nayaśāstravit
warum du, kundig der Staatskunst
vyasanānām upāyajnaḥ
kundig der Mittel gegen Unglück
kuśalo hi asi varjane
geübt bist du ja in dessen Abwehr

tathā tvam sampariṣvajya raudrayā atinṛśaṃsayā | kāla rātryā mayā āccidya hṛtaḥ kamala locana ||15||

So wurdest du, Lotusäugiger, von der furchtbaren, überaus grausamen Nacht der Zeit umarmt und mir entrissen, mir weggenommen.

Wort für Wort
tathā tvam sampariṣvajya
so wurdest du umarmt
raudrayā atinṛśaṃsayā
von der furchtbaren, überaus grausamen
kālarātryā
von der Nacht der Zeit
āccidya hṛtaḥ kamalalocana
entrissen und weggenommen, Lotusäugiger

upaśeṣe mahā bāho mām vihāya tapasvinīm | priyām iva śubhām nārīm pṛthivīm puruṣa ṛṣabha ||16||

Du liegst nun da, Starkarmiger, mich, die Leidende, verlassend, wie ein Mann unter Männern die schöne, geliebte Frau Erde verlässt.

Wort für Wort
upaśeṣe mahābāho
du liegst da, Starkarmiger
mām vihāya tapasvinīm
mich, die Leidende, verlassend
priyām iva śubhām nārīm
wie die geliebte, schöne Frau
pṛthivīm puruṣarṣabha
die Erde, o Stier unter Männern

arcitam satatam yatnād gandha mālyair mayā tava | idam te mat priyam vīra dhanuḥ kāncana bhūṣitam ||17||

Stets sorgsam von mir mit Duftstoffen und Kränzen verehrt – dies ist dein mir liebes, mit Gold geschmücktes Bogen, o Held.

Wort für Wort
arcitam satatam yatnāt
stets sorgsam verehrt
gandhamālyair mayā tava
von mir mit Duft und Kränzen, dein
idam te mat priyam vīra
dies dein mir liebes, o Held
dhanuḥ kāncanabhūṣitam
der mit Gold geschmückte Bogen

pitrā daśarathena tvam śvaśureṇa mama anagha | pūrvaisḥ ca pitṛbhiḥ sārdham nūnam svarge samāgataḥ ||18||

Mit deinem Vater Daśaratha, meinem Schwiegervater, o Makelloser, und mit den Ahnen bist du gewiss im Himmel vereint.

Wort für Wort
pitrā daśarathena tvam
mit deinem Vater Daśaratha
śvaśureṇa mama anagha
meinem Schwiegervater, Makelloser
pūrvaiḥ ca pitṛbhiḥ sārdham
zusammen mit den Ahnen
nūnam svarge samāgataḥ
gewiss im Himmel vereint

divi nakṣatra bhūtas tvam mahat karma kṛtam priyam | puṇyam rāja ṛṣi vaṃśam tvam ātmanaḥ samupekṣase ||19||

Am Himmel bist du nun ein Gestirn geworden; die große, liebe Tat ist vollbracht – doch dein eigenes verdienstvolles Königsweisen-Geschlecht lässt du nun unbeachtet.

Wort für Wort
divi nakṣatrabhūtas tvam
am Himmel bist du ein Gestirn geworden
mahat karma kṛtam priyam
die große liebe Tat vollbracht
puṇyam rājarṣivaṃśam
das verdienstvolle Königsweisen-Geschlecht
tvam ātmanaḥ samupekṣase
lässt du nun unbeachtet

kim mān na prekṣase rājan kim mām na pratibhāṣase | bālām bālena samprāptām bhāryām mām saha cāriṇīm ||20||

Warum siehst du mich nicht an, o König? Warum sprichst du nicht zu mir – mich, die junge Frau, die als junges Mädchen von dir erlangt wurde, deine Gattin, deine Gefährtin?

Wort für Wort
kim mām na prekṣase rājan
warum siehst du mich nicht an, König
kim mām na pratibhāṣase
warum sprichst du nicht zu mir
bālām bālena samprāptām
die Junge, als Junger erlangt
bhāryām mām saha cāriṇīm
mich, deine Gattin, Gefährtin

saṃśrutam gṛhṇatā pāṇim cariṣyāmi iti yat tvayā | smara tan mama kākutstha naya mām api duhkhitām ||21||

Erinnere dich, Kākutstha, an das Gelöbnis, das du gabst, als du meine Hand ergriffst: 'Ich werde mit dir wandeln' – nimm auch mich, die Betrübte, mit dir.

Wort für Wort
saṃśrutam gṛhṇatā pāṇim
gelobt, als du die Hand ergriffst
cariṣyāmi iti yat tvayā
'ich werde wandeln', was von dir
smara tan mama kākutstha
erinnere dich dessen, Kākutstha
naya mām api duḥkhitām
nimm auch mich, die Betrübte, mit

kasmān mām apahāya tvam gato gatimatām vara | asmāl lokād amum lokam tyaktvā mām iha duhkhitām ||22||

Warum bist du, Bester der Wandelnden, gegangen und hast mich verlassen, von dieser Welt in jene andere Welt, mich hier im Leid zurücklassend?

Wort für Wort
kasmān mām apahāya tvam gataḥ
warum bist du, mich verlassend, gegangen
gatimatām vara
o Bester der Wandelnden
asmāl lokād amum lokam
von dieser Welt in jene Welt
tyaktvā mām iha duḥkhitām
mich hier im Leid zurücklassend

kalyāṇair ucitam yat tat pariṣvaktam mayā eva tu | kravya adais tat śarīram te nūnam viparikṛṣyate ||23||

Jenen Leib, der einst mit schönen Dingen geziert und von mir eben umarmt wurde, zerren nun gewiss fleischfressende Tiere umher.

Wort für Wort
kalyāṇair ucitam yat
was mit schönen Dingen geziert war
pariṣvaktam mayā eva tu
und von mir eben umarmt
kravyādais tat śarīram te
dein Leib, von fleischfressenden Tieren
nūnam viparikṛṣyate
wird gewiss umhergezerrt

agniṣtoma ādibhir yajnair iṣṭavān āpta dakṣiṇaiḥ | agni hotreṇa saṃskāram kena tvam tu na lapsyase ||24||

Du, der mit dem Agniṣṭoma-Opfer und anderen Opfern mit reichen Gaben geopfert hat – durch wessen Feueropfer wirst du nun die Totenweihe erlangen?

Wort für Wort
agniṣṭomādibhir yajnaiḥ
mit dem Agniṣṭoma und anderen Opfern
iṣṭavān āptadakṣiṇaiḥ
geopfert mit reichen Gaben
agnihotreṇa saṃskāram
durch das Feueropfer die Totenweihe
kena tvam tu na lapsyase
durch wen wirst du sie nicht erlangen

pravrajyām upapannānām trayāṇām ekam āgatam | pariprakṣyati kausalyā lakṣmaṇam śoka lālasā ||25||

Von den dreien, die in die Verbannung gezogen waren, wird Kausalyā, von Kummer erfüllt, den einen, der zurückkehrt, Lakṣmaṇa, ausfragen.

Wort für Wort
pravrajyām upapannānām trayāṇām
von den dreien, die in die Verbannung gezogen
ekam āgatam
den einen, der zurückkehrt
pariprakṣyati kausalyā
wird Kausalyā ausfragen
lakṣmaṇam śokalālasā
Lakṣmaṇa, von Kummer erfüllt

sa tasyāḥ paripṛccantyā vadham mitra balasya te | tava ca ākhyāsyate nūnam niśāyām rākṣasair vadham ||26||

Ihr, der Fragenden, wird er gewiss vom Tod deines verbündeten Heeres und von deinem eigenen Tod durch die Rākṣasas in der Nacht berichten.

Wort für Wort
sa tasyāḥ paripṛcchantyāḥ
ihr, der Fragenden
vadham mitrabalasya te
vom Tod deines verbündeten Heeres
tava ca ākhyāsyate nūnam
und von dir wird er gewiss berichten
niśāyām rākṣasair vadham
in der Nacht, den Tod durch die Rākṣasas

sā tvām suptam hatam śrutvā mām ca rakṣo gṛham gatām | hṛdayena vidīrṇena na bhaviṣyati rāghava ||27||

Sie, wenn sie hört, dass du schlafend erschlagen wurdest, und ich in das Haus des Rākṣasa geraten bin – sie wird mit zerrissenem Herzen nicht mehr am Leben sein, Rāghava.

Wort für Wort
sā tvām suptam hatam śrutvā
sie, gehört habend, dass du schlafend erschlagen
mām ca rakṣogṛham gatām
und ich in das Haus des Rākṣasa geraten
hṛdayena vidīrṇena
mit zerrissenem Herzen
na bhaviṣyati rāghava
wird sie nicht mehr sein, Rāghava

mama hetoranāryāyā avaghaḥ pārthivātmajaḥ | rāmaḥ sāgamuttīrya vīryavān goṣpade hataḥ ||28||

Meinetwegen, der Unedlen, wurde der schuldlose Königssohn Rāma, nachdem er den Ozean wie eine Kuhtritt-Pfütze überquert hatte, tapfer, erschlagen.

Wort für Wort
mama hetor anāryāyāḥ
meinetwegen, der Unedlen
avadhyaḥ pārthivātmajaḥ
der schuldlose Königssohn
rāmaḥ sāgaram uttīrya
Rāma, nachdem er den Ozean überquert
vīryavān goṣpade hataḥ
der Tapfere, wie an einer Kuhtritt-Pfütze erschlagen

aham dāśarathenoḍhā mohātsvakupāṃsanī | āryaputrasya rāmasya bhāryā mṛtyurajāyata ||29||

Ich, von Daśarathas Sohn geheiratet, ward durch Verblendung meines eigenen Geschlechts zur Schande; ich, die Gattin des edlen Rāma, bin ihm zum Tode geworden.

Wort für Wort
aham dāśarathena ūḍhā
ich, von Daśarathas Sohn geheiratet
mohāt svakulapāṃsanī
durch Verblendung meines Geschlechts Schande
āryaputrasya rāmasya bhāryā
die Gattin des edlen Rāma
mṛtyur ajāyata
bin ihm zum Tode geworden

mānamāvyām mayā jātim vāritam dānamuttamam | yāhamadyeha śocāmi bhāryā sarvātitherapi ||30||

Durch mich ward Ehre und höchste Gabe verhindert; ich bin es, die heute hier klagt, die Gattin, vor jedem Gaste beschämt.

Wort für Wort
mānam āvayoḥ mayā jātim
die Ehre unseres Geschlechts durch mich
vāritam dānam uttamam
die höchste Gabe verhindert
yā aham adya iha śocāmi
die ich heute hier klage
bhāryā sarvātithe api
die Gattin, vor jedem Gaste

sādhu pātaya mām kṣipram rāmasya upari rāvaṇaḥ | samānaya patim patnyā kuru kalyāṇam uttamam ||31||

„Lass mich rasch, o Rāvaṇa, wohlgetan auf Rāma herabfallen; vereine den Gatten mit der Gattin, tu das höchste Gute.

Wort für Wort
sādhu pātaya mām kṣipram
lass mich rasch, wohlgetan, fallen
rāmasya upari rāvaṇaḥ
auf Rāma, o Rāvaṇa
samānaya patim patnyā
vereine den Gatten mit der Gattin
kuru kalyāṇam uttamam
tu das höchste Gute

śirasā me śirasḥ ca asya kāyam kāyena yojaya | rāvaṇa anugamiṣyāmi gatim bhartur mahātmanaḥ ||32||

Verbinde mein Haupt mit seinem Haupt, meinen Leib mit seinem Leib, Rāvaṇa – ich will dem Weg meines hochgesinnten Gatten folgen.“

Wort für Wort
śirasā me śirasaḥ ca asya
mein Haupt mit seinem Haupt
kāyam kāyena yojaya
den Leib mit dem Leib verbinde
rāvaṇa anugamiṣyāmi
Rāvaṇa, ich will folgen
gatim bhartur mahātmanaḥ
dem Weg des hochgesinnten Gatten

iti sā duhkha samtaptā vilalāpa āyata īkṣaṇā | bhartuḥ śiro dhanus tatra samīkṣya janaka ātmajā ||33||

So klagte die vom Leid Verbrannte, die Großäugige, die Tochter Janakas, als sie dort das Haupt und den Bogen ihres Gatten erblickte.

Wort für Wort
iti sā duḥkhasaṃtaptā
so, die vom Leid Verbrannte
vilalāpa āyatekṣaṇā
klagte die Großäugige
bhartuḥ śiro dhanuḥ tatra
das Haupt und den Bogen des Gatten dort
samīkṣya janakātmajā
erblickend, die Tochter Janakas

evam lālapyamānāyām sītāyām tatra rākṣasaḥ | abhicakrāma bhartāram anīkasthaḥ kRta anjaliḥ ||34||

Während Sītā so dort klagte, trat ein Rākṣasa, der im Heere stand, mit gefalteten Händen vor seinen Herrn.

Wort für Wort
evam lālapyamānāyām sītāyām
während Sītā so klagte
tatra rākṣasaḥ
dort ein Rākṣasa
abhicakrāma bhartāram
trat vor seinen Herrn
anīkasthaḥ kṛtāñjaliḥ
im Heer stehend, gefaltete Hände

vijayasva ārya putra iti so abhivādya prasādya ca | nyavedayad anuprāptam prahastam vāhinī patim ||35||

„Sei siegreich, edler Sohn!“, so grüßte er ihn und stimmte ihn milde, und meldete die Ankunft Prahastas, des Heerführers.

Wort für Wort
vijayasva āryaputra iti
'sei siegreich, edler Sohn'
so abhivādya prasādya ca
so grüßend und mild stimmend
nyavedayad anuprāptam
meldete die Ankunft
prahastam vāhinīpatim
Prahastas, des Heerführers

amātyaiḥ sa hitaḥ sarvaiḥ prahastastvāmupasthitaḥ | tena darśanakāmena aham prasthāpitaḥ prabho ||36||

„Prahasta ist mit allen wohlgesonnenen Ministern zu dir gekommen; von ihm, der eine Audienz wünscht, wurde ich gesandt, o Herr.

Wort für Wort
amātyaiḥ sa hitaḥ sarvaiḥ
mit allen wohlgesonnenen Ministern
prahastas tvām upasthitaḥ
Prahasta ist zu dir gekommen
tena darśanakāmena
von ihm, der eine Audienz wünscht
aham prasthāpitaḥ prabho
bin ich gesandt, o Herr

mānamasti mahārā ja rājabhāvāt kṣamānvita | kiṃcid ātyayikam kāryam teṣām tvam darśanam kuru ||37||

Es gibt eine dringende Angelegenheit, großer König, geduldig ob deines königlichen Wesens – gewähre ihnen eine Audienz.“

Wort für Wort
mānam asti mahārāja
es gibt eine Sache, großer König
rājabhāvāt kṣamānvita
geduldig ob deines königlichen Wesens
kiṃcid ātyayikam kāryam
eine dringende Angelegenheit
teṣām tvam darśanam kuru
gewähre ihnen eine Audienz

etat śrutvā daśagrīvo rākṣasa prativeditam | aśoka vanikām tyaktvā mantriṇām darśanam yayau ||38||

Als der Zehnhalsige diese Meldung des Rākṣasa hörte, verließ er den Aśoka-Hain und begab sich zur Audienz mit den Ministern.

Wort für Wort
etat śrutvā daśagrīvaḥ
dies gehört habend, der Zehnhalsige
rākṣasa prativeditam
vom Rākṣasa gemeldet
aśokavanikām tyaktvā
den Aśoka-Hain verlassend
mantriṇām darśanam yayau
begab sich zur Audienz der Minister

sa tu sarvam samarthya eva mantribhiḥ kRtyam ātmanaḥ | sabhām praviśya vidadhe viditvā rāma vikramam ||39||

Nachdem er sich mit den Ministern über all seine Aufgaben beraten hatte, betrat er die Halle und traf, in Kenntnis von Rāmas Kraft, seine Entscheidungen.

Wort für Wort
sa tu sarvam samarthya eva
er, nachdem er alles bedacht hatte
mantribhiḥ kṛtyam ātmanaḥ
mit den Ministern seine Aufgaben
sabhām praviśya vidadhe
die Halle betretend, traf er Entscheidungen
viditvā rāmavikramam
in Kenntnis von Rāmas Kraft

antardhānam tu tat śīrṣam tac ca kārmukam uttamam | jagāma rāvaṇasya eva niryāṇa samanantaram ||40||

Jenes Haupt und jener ausgezeichnete Bogen verschwanden eben, sobald Rāvaṇa fortgegangen war.

Wort für Wort
antardhānam tu tat śīrṣam
jenes Haupt verschwand
tac ca kārmukam uttamam
und jener ausgezeichnete Bogen
jagāma rāvaṇasya eva
eben, sobald Rāvaṇas
niryāṇasamanantaram
unmittelbar nach dem Fortgehen

rākṣasa indras tu taiḥ sārdham mantribhir bhīma vikramaiḥ | samarthayām āsa tadā rāma kārya viniścayam ||41||

Der Herrscher der Rākṣasas beriet sich da mit jenen furchtbar mächtigen Ministern über die Entscheidung bezüglich Rāma.

Wort für Wort
rākṣasendras tu taiḥ sārdham
der Herrscher der Rākṣasas mit jenen
mantribhir bhīmavikramaiḥ
furchtbar mächtigen Ministern
samarthayām āsa tadā
beriet sich da
rāmakāryaviniścayam
über die Entscheidung bezüglich Rāma

avidūra sthitān sarvān bala adhyakṣān hita eṣiṇaḥ | abravīt kāla sadRśo rāvaṇo rākṣasa adhipaḥ ||42||

Zu all den nicht weit entfernt stehenden, ihm wohlgesonnenen Heerführern sprach Rāvaṇa, der Herrscher der Rākṣasas, der Zeit selbst gleich:

Wort für Wort
avidūrasthitān sarvān
alle nicht weit entfernt stehenden
balādhyakṣān hitaiṣiṇaḥ
Heerführer, ihm wohlgesonnen
abravīt kālasadṛśaḥ
sprach, der Zeit gleich
rāvaṇo rākṣasādhipaḥ
Rāvaṇa, der Rākṣasenherrscher

śīghram bherī ninādena sphuṭa koṇa āhatena me | samānayadhvam sainyāni vaktavyam ca na kāraṇam ||43||

„Versammelt rasch, mit lautem Trommelschall, von scharfem Schlegel geschlagen, meine Truppen – und fragt nicht nach dem Grund.“

Wort für Wort
śīghram bherīninādena
rasch mit Trommelschall
sphuṭakoṇāhatena me
von scharfem Schlegel geschlagen, meinem
samānayadhvam sainyāni
versammelt die Truppen
vaktavyam ca na kāraṇam
und der Grund ist nicht zu sagen

tatas tathā iti pratigṛhya tad vaco | stadaiva dūtāḥ sahasā mahādbalam | samānayaṃsḥ caiva samāgatam ca te | nyavedayan bhartari yuddha kānkṣiṇi ||44||

Da nahmen die Boten dieses Wort mit „So sei es“ an, versammelten sogleich das gewaltige Heer, und meldeten dem kampfbegierigen Herrn, dass es versammelt sei.

Wort für Wort
tatas tathā iti pratigṛhya tad vacaḥ
da, 'so sei es' sagend, dieses Wort annehmend
tadaiva dūtāḥ sahasā mahad balam
sogleich versammelten die Boten das gewaltige Heer
samānayan ca eva samāgatam ca
versammelten und dass es versammelt sei
te nyavedayan bhartari yuddhakāṅkṣiṇi
meldeten sie dem kampfbegierigen Herrn

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