Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 116: Agnipraveśaḥ Sītās Eingang ins Feuer

evamuktā tu vaidehī paruṣaṃ lomaharṣaṇam | rāghaveṇa saroṣeṇa bhṛśaṃ pravyathitābhavat ||

So von dem zornerfüllten Rāghava mit hartem, haarsträubendem Wort angesprochen, geriet die Vaidehī in heftige Bekümmernis.

Wort für Wort
evam uktā tu vaidehī
so aber angesprochen, die Vaidehī
paruṣaṃ lomaharṣaṇam
mit hartem, haarsträubendem Wort
rāghaveṇa saroṣeṇa
von dem zornerfüllten Rāghava
bhṛśaṃ pravyathitā abhavat
geriet sie in heftige Bekümmernis

sā tadaśrutapūrvaṃ hi jane mahati maithilī | śrutvā bhartṛvaco rūkṣaṃ lajjayā vrīḍitābhavat ||

Da sie inmitten der großen Volksmenge jenes vorher nie gehörte, raue Wort ihres Gatten vernahm, wurde Maithilī von Scham überwältigt.

Wort für Wort
sā tat aśrutapūrvaṃ hi
sie, jenes vorher nie gehörte
jane mahati maithilī
inmitten der großen Volksmenge, Maithilī
śrutvā bhartṛvaco rūkṣaṃ
als sie das raue Wort des Gatten vernahm
lajjayā vrīḍitā abhavat
wurde sie von Scham überwältigt

praviśantīva gātrāṇi svānyeva janakātmajā | vākṣalyaistaiḥ saśalyeva bhṛśamaśrūṇyavartayat ||

Die Tochter Janakas, gleichsam in ihre eigenen Glieder sich zurückziehend, vergoss, wie von jenen Wortpfeilen durchbohrt, heftig Tränen.

Wort für Wort
praviśantī iva gātrāṇi
gleichsam in ihre Glieder sich zurückziehend
svāni eva janakātmajā
in ihre eigenen, die Tochter Janakas
vākṣalyaiḥ taiḥ saśalyā iva
wie von jenen Wortpfeilen durchbohrt
bhṛśam aśrūṇi avartayat
vergoss sie heftig Tränen

tato bāṣpaparikliṣṭaṃ pramārjantī svamānanam | śanairgadgadayā vācā bhartāramidamabravīt ||

Dann, ihr von Tränen benetztes Antlitz abwischend, sprach sie langsam mit erstickter Stimme dieses zu ihrem Gatten:

Wort für Wort
tato bāṣpaparikliṣṭaṃ
dann das von Tränen benetzte
pramārjantī svamānanam
ihr eigenes Antlitz abwischend
śanaiḥ gadgadayā vācā
langsam mit erstickter Stimme
bhartāram idam abravīt
sprach sie dieses zu ihrem Gatten

kiṃ māmasadṛśaṃ vākyamīdṛśaṃ śrotradāruṇam | rūkṣaṃ śrāvayase vīra prākṛtaḥ prākṛtām iva ||

"Warum lässt du mich, Held, solch ein mir unziemendes, für die Ohren schreckliches, hartes Wort hören, wie ein gemeiner Mann eine gemeine Frau?

Wort für Wort
kiṃ mām asadṛśaṃ vākyam
warum lässt du mich ein mir unziemendes Wort
īdṛśaṃ śrotradāruṇam
solch für die Ohren schreckliches
rūkṣaṃ śrāvayase vīra
hartes hören, Held
prākṛtaḥ prākṛtām iva
wie ein gemeiner Mann eine gemeine Frau

na tathāsmi mahābāho yathā tvamavagacchasi | pratyayaṃ gaccha me svena cāritreṇaiva te śape ||

Ich bin nicht so, Großarmiger, wie du mich auffasst; vertraue mir durch meinen eigenen Lebenswandel – dies schwöre ich dir.

Wort für Wort
na tathā asmi mahābāho
ich bin nicht so, Großarmiger
yathā tvam avagacchasi
wie du mich auffasst
pratyayaṃ gaccha me svena
vertraue mir durch mein eigenes
cāritreṇa eva te śape
durch den Lebenswandel schwöre ich dir

pṛthakstrīṇāṃ pracāreṇa jātiṃ tvaṃ pariśaṅkase | parityajemāṃ śaṅkāṃ tu yadi te.ahaṃ parīkṣitā ||

Wegen des Verhaltens gemeiner Frauen im Allgemeinen misstraust du dem ganzen Geschlecht; doch diesen Verdacht solltest du aufgeben, wenn du mich geprüft hast.

Wort für Wort
pṛthak strīṇāṃ pracāreṇa
wegen des Verhaltens einzelner Frauen
jātiṃ tvaṃ pariśaṅkase
misstraust du dem ganzen Geschlecht
parityaja imāṃ śaṅkāṃ tu
gib doch diesen Verdacht auf
yadi te ahaṃ parīkṣitā
wenn ich von dir geprüft bin

yadyahaṃ gātrasaṃsparśaṃ gatāsmi vivaśā prabho | kāmakāro na me tatra daivaṃ tatrāparādhyati ||

Wenn ich, Herr, wider meinen Willen eine Berührung meines Leibes erfahren habe, so liegt darin kein Handeln aus eigenem Verlangen; das Schicksal allein trägt dort die Schuld.

Wort für Wort
yadi ahaṃ gātrasaṃsparśaṃ
wenn ich eine Berührung meines Leibes
gatā asmi vivaśā prabho
erfahren habe wider meinen Willen, Herr
kāmakāro na me tatra
kein Handeln aus eigenem Verlangen liegt darin
daivaṃ tatra aparādhyati
das Schicksal allein trägt dort die Schuld

madadhīnaṃ tu yattanme hṛdayaṃ tvayi vartate | parādhīneṣu gātreṣu kiṃ kariṣyāmyanīśvarā ||

Was jedoch von mir abhängt – mein Herz – das weilt bei dir; bei meinen von fremdem Willen abhängigen Gliedern, was vermag ich, die Machtlose, zu tun?

Wort für Wort
madadhīnaṃ tu yat tat me
was jedoch von mir abhängt, das mein
hṛdayaṃ tvayi vartate
Herz weilt bei dir
parādhīneṣu gātreṣu
bei meinen von fremdem Willen abhängigen Gliedern
kiṃ kariṣyāmi anīśvarā
was vermag ich, die Machtlose, zu tun

sahasaṃvṛddhabhāvācca saṃsargeṇa ca mānada | yadyahaṃ te na vijñātā hatā tenāsmi śāśvatam ||

Wenn ich dir, trotz gemeinsam gewachsener Zuneigung und trotz des Zusammenlebens, du Ehrenspender, nicht erkannt worden bin, so bin ich dadurch für immer vernichtet.

Wort für Wort
sahasaṃvṛddhabhāvāt ca
und trotz gemeinsam gewachsener Zuneigung
saṃsargeṇa ca mānada
und trotz des Zusammenlebens, du Ehrenspender
yadi aham te na vijñātā
wenn ich von dir nicht erkannt worden bin
hatā tena asmi śāśvatam
bin ich dadurch für immer vernichtet

preṣitaste yadā vīro hanūmānavalokakaḥ | laṅkāsthāhaṃ tvayā vīra kiṃ tadā na visarjitā ||

Als der Held Hanumant, der Kundschafter, von dir entsandt wurde – warum, Held, wurde ich damals nicht sogleich verstoßen, während ich in Laṅkā weilte?

Wort für Wort
preṣitaḥ te yadā vīro
als von dir entsandt wurde der Held
hanūmān avalokakaḥ
Hanumant, der Kundschafter
laṅkāsthā ahaṃ tvayā vīra
während ich in Laṅkā weilte, von dir, Held
kiṃ tadā na visarjitā
warum wurde ich damals nicht verstoßen

pratyakṣaṃ vānarendrasya tvadvākyasamanantaram | tvayā santyaktayā vīra tyaktaṃ syājjīvitaṃ mayā ||

In Gegenwart des Vānara-Fürsten, unmittelbar nach deinem Wort, wäre ich, von dir verstoßen, Held, sogleich gewillt gewesen, mein Leben aufzugeben.

Wort für Wort
pratyakṣaṃ vānarendrasya
in Gegenwart des Vānara-Fürsten
tvadvākyasamanantaram
unmittelbar nach deinem Wort
tvayā santyaktayā vīra
von dir verstoßen, Held
tyaktaṃ syāt jīvitaṃ mayā
wäre mein Leben von mir aufgegeben worden

na vṛthā te śramo.ayaṃ syātsaṃśaye nyasya jīvitam | suhṛjjanaparikleśo na cāyaṃ niṣphalastava ||

Dann wäre diese deine Mühe, mein Leben in Gefahr bringend, nicht vergeblich gewesen, und auch diese Bedrängnis deiner Freunde wäre für dich nicht fruchtlos geblieben.

Wort für Wort
na vṛthā te śramo ayaṃ syāt
nicht vergeblich wäre diese deine Mühe gewesen
saṃśaye nyasya jīvitam
mein Leben in Gefahr bringend
suhṛjjanaparikleśo
die Bedrängnis deiner Freunde
na ca ayaṃ niṣphalaḥ tava
und nicht fruchtlos wäre dies für dich geblieben

tvayā tu naraśārdūla krodhamevānuvartatā | laghuneva manuṣyeṇa strītvameva puraskṛtam ||

Von dir aber, du Tiger unter den Männern, der du nur deinem Zorn folgtest, wurde, gleich einem kleinlichen Menschen, allein mein Frausein in den Vordergrund gestellt,

Wort für Wort
tvayā tu naraśārdūla
von dir aber, du Tiger unter den Männern
krodham eva anuvartatā
der du nur dem Zorn folgtest
laghunā iva manuṣyeṇa
gleich einem kleinlichen Menschen
strītvam eva puraskṛtam
wurde allein mein Frausein in den Vordergrund gestellt

apadeśena janakānnotpattirvasudhātalāt | mama vṛttaṃ ca vṛttajña bahu te na puraskṛtam ||

ohne meine Herkunft von Janaka und meine Geburt aus dem Erdboden, und meinen Lebenswandel, du Kenner des rechten Wandels, hast du nicht in Betracht gezogen.

Wort für Wort
apadeśena janakāt
ohne meine Herkunft von Janaka
na utpattiḥ vasudhātalāt
und meine Geburt aus dem Erdboden
mama vṛttaṃ ca vṛttajña
und meinen Lebenswandel, du Kenner des rechten Wandels
bahu te na puraskṛtam
hast du nicht sehr in Betracht gezogen

na pramāṇīkṛtaḥ pāṇirbālye bālena pīḍitaḥ | mama bhaktiśca śīlaṃ ca sarvaṃ te pṛṣṭhataḥ kṛtam ||

Nicht wurde jene Handreichung als maßgeblich erachtet, die du als Jüngling mir, dem jungen Mädchen, in der Jugend gabst; meine Hingabe und mein Wesen – all dies hast du hintangesetzt.

Wort für Wort
na pramāṇīkṛtaḥ pāṇiḥ
nicht wurde die Handreichung als maßgeblich erachtet
bālye bālena pīḍitaḥ
die in der Jugend als Jüngling ergriffen wurde
mama bhaktiḥ ca śīlaṃ ca
meine Hingabe und mein Wesen
sarvaṃ te pṛṣṭhataḥ kṛtam
all dies hast du hintangesetzt

iti bruvantī rudatī bāṣpagadgadabhāṣiṇī | uvāca lakṣmaṇaṃ sītā dīnaṃ dhyānaparāyaṇam ||

So sprechend, weinend, mit von Tränen erstickter Stimme, wandte sich Sītā an Lakṣmaṇa, der elend und ganz in Gedanken versunken dastand:

Wort für Wort
iti bruvantī rudatī
so sprechend, weinend
bāṣpagadgadabhāṣiṇī
mit von Tränen erstickter Stimme
uvāca lakṣmaṇaṃ sītā
sprach Sītā zu Lakṣmaṇa
dīnaṃ dhyānaparāyaṇam
der elend, ganz in Gedanken versunken war

citāṃ me kuru saumitre vyasanasyāsya bheṣajam | mithyāpavādopahatā nāhaṃ jīvitumutsahe ||

"Errichte mir einen Scheiterhaufen, Saumitri, als Heilmittel für dieses mein Unglück; von falscher Verleumdung getroffen vermag ich nicht mehr zu leben.

Wort für Wort
citāṃ me kuru saumitre
errichte mir einen Scheiterhaufen, Saumitri
vyasanasya asya bheṣajam
als Heilmittel für dieses Unglück
mithyāpavādopahatā
von falscher Verleumdung getroffen
na aham jīvitum utsahe
vermag ich nicht mehr zu leben

aprītena guṇairbhartrā tyaktā yā janasaṃsadi | yā kṣamā me gatirgantuṃ pravekṣye havyavāhanam ||

Von meinem, meiner Vorzüge nicht mehr gewärtigen Gatten in der Volksversammlung verstoßen, will ich in das Feuer eingehen, das mir der einzig geziemende Weg ist, den zu gehen."

Wort für Wort
aprītena guṇaiḥ bhartrā
von dem, meiner Vorzüge nicht mehr gewärtigen Gatten
tyaktā yā janasaṃsadi
von ihm in der Volksversammlung verstoßen
yā kṣamā me gatiḥ gantuṃ
der mir einzig geziemende Weg zu gehen
pravekṣye havyavāhanam
will ich in das Feuer eingehen

evaṃ bruvāṇā rudatī bāṣpagadgadabhāṣiṇī | abravīllakṣmaṇaṃ sītā dīnaṃ dhyānaparaṃ sthitam ||

So sprechend, weinend, mit von Tränen erstickter Stimme, sagte Sītā zu Lakṣmaṇa, der elend und ganz in Gedanken versunken dastand,

Wort für Wort
evaṃ bruvāṇā rudatī
so sprechend, weinend
bāṣpagadgadabhāṣiṇī
mit von Tränen erstickter Stimme
abravīt lakṣmaṇaṃ sītā
sagte Sītā zu Lakṣmaṇa
dīnaṃ dhyānaparaṃ sthitam
der elend, ganz in Gedanken versunken dastand

sa vijñāya manaśchandaṃ rāmasyākārasūcitam | citāṃ cakāra saumitrirmate rāmasya vīryavān ||

und er, Lakṣmaṇa, der tapfere Saumitri, den durch Rāmas Miene angezeigten Wunsch seines Sinnes erkennend, errichtete, wie es Rāmas Meinung entsprach, den Scheiterhaufen.

Wort für Wort
sa vijñāya manaḥchandaṃ
er, den Wunsch seines Sinnes erkennend
rāmasya ākārasūcitam
der durch Rāmas Miene angezeigt war
citāṃ cakāra saumitriḥ
errichtete Saumitri den Scheiterhaufen
mate rāmasya vīryavān
wie es Rāmas Meinung entsprach, der Tapfere

na hi rāmaṃ tadā kaścitkālāntakayamopamam | anunetumatho vaktuṃ draṣṭuṃ vā pyaśakatsuhṛt ||

Denn keiner der Freunde vermochte damals Rāma, der der Zeit, dem Verderben und dem Totengott glich, zu besänftigen, anzusprechen oder auch nur anzublicken.

Wort für Wort
na hi rāmaṃ tadā kaścit
denn keiner vermochte damals Rāma
kālāntakayamopamam
der der Zeit, dem Verderben und dem Totengott glich
anunetum atho vaktuṃ
zu besänftigen oder anzusprechen
draṣṭuṃ vā api aśakat suhṛt
oder auch nur ein Freund anzublicken

adhomukhaṃ tato rāmaṃ śanaiḥ kṛtvā pradakṣiṇam | upāsarpata vaidehī dīpyamānaṃ hutāśanam ||

Dann, nachdem sie den mit niedergeschlagenem Blick dastehenden Rāma langsam umschritten hatte, näherte sich die Vaidehī dem lodernden Feuer.

Wort für Wort
adhomukhaṃ tato rāmaṃ
dann den mit niedergeschlagenem Blick dastehenden Rāma
śanaiḥ kṛtvā pradakṣiṇam
langsam umschreitend
upāsarpata vaidehī
näherte sich die Vaidehī
dīpyamānaṃ hutāśanam
dem lodernden Feuer

praṇamya devatābhyaśca brāhmaṇebhyaśca maithilī | baddhāñjalipuṭā cedamuvācāgnisamīpataḥ ||

Maithilī, nachdem sie sich vor den Göttern und den Brahmanen verneigt hatte, sprach mit gefalteten Händen dieses in der Nähe des Feuers:

Wort für Wort
praṇamya devatābhyaḥ ca
nachdem sie sich vor den Göttern verneigt hatte
brāhmaṇebhyaḥ ca maithilī
und vor den Brahmanen, Maithilī
baddhāñjalipuṭā ca idam
mit gefalteten Händen dieses
uvāca agnisamīpataḥ
sprach sie in der Nähe des Feuers

yathā me hṛdayaṃ nityaṃ nāpasarpati rāghavāt | tathā lokasya sākṣī māṃ sarvataḥ pātu pāvakaḥ ||

"Wie mein Herz sich niemals von Rāghava entfernt, so möge das Feuer, der Zeuge der Welt, mich von allen Seiten beschützen.

Wort für Wort
yathā me hṛdayaṃ nityaṃ
wie mein Herz stets
na apasarpati rāghavāt
sich nicht von Rāghava entfernt
tathā lokasya sākṣī
so möge der Zeuge der Welt
māṃ sarvataḥ pātu pāvakaḥ
mich von allen Seiten beschützen, das Feuer

yathā māṃ śuddhacaritāṃ duṣṭāṃ jānāti rāghavaḥ | tathā lokasya sākṣī māṃ sarvataḥ pātu pāvakaḥ ||

Wie Rāghava mich, die von reinem Lebenswandel bin, für verdorben hält, so möge das Feuer, der Zeuge der Welt, mich von allen Seiten beschützen.

Wort für Wort
yathā māṃ śuddhacaritāṃ
wie mich, die von reinem Lebenswandel bin
duṣṭāṃ jānāti rāghavaḥ
für verdorben hält Rāghava
tathā lokasya sākṣī
so möge der Zeuge der Welt
māṃ sarvataḥ pātu pāvakaḥ
mich von allen Seiten beschützen, das Feuer

karmaṇā manasā vācā yathā nāticarāmyaham | rāghavaṃ sarvadharmajñaṃ tathā māṃ pātu pāvakaḥ ||

Wie ich in Tat, Gedanke und Wort dem Rāghava, dem Kenner aller Pflicht, niemals untreu werde, so möge mich das Feuer beschützen.

Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā
in Tat, Gedanke und Wort
yathā na aticarāmi aham
wie ich niemals untreu werde
rāghavaṃ sarvadharmajñaṃ
dem Rāghava, dem Kenner aller Pflicht
tathā māṃ pātu pāvakaḥ
so möge mich das Feuer beschützen

ādityobhavān vāyurdiśaścandrastathaiva ca | ahaścāpi tathā sandhye rātriśca pṛthivī tathā || yathānye.api vijānanti tathā cāritrasaṃyutām ||

Du, Sonne, ebenso der Wind, die Himmelsrichtungen, der Mond, ebenso der Tag, die beiden Dämmerungen, die Nacht und die Erde – wie auch andere mich kennen, so bin ich mit tugendhaftem Lebenswandel begabt.

Wort für Wort
ādityaḥ bhavān vāyuḥ
du, Sonne, der Wind
diśaḥ candraḥ tathā eva ca
die Himmelsrichtungen, ebenso der Mond
ahaḥ ca api tathā sandhye
der Tag, ebenso die beiden Dämmerungen
rātriḥ ca pṛthivī tathā
die Nacht und ebenso die Erde
yathā anye api vijānanti
wie auch andere mich kennen
tathā cāritrasaṃyutām
so bin ich mit tugendhaftem Lebenswandel begabt

evamuktvā tu vaidehī parikramya hutāśanam | viveśa jvalanaṃ dīptaṃ niḥsaṅgenāntarātmanā ||

So gesprochen, umschritt die Vaidehī das Feuer und trat, mit unbeschwertem innerem Geist, in die lodernde Flamme ein.

Wort für Wort
evam uktvā tu vaidehī
so aber sprechend, die Vaidehī
parikramya hutāśanam
das Feuer umschreitend
viveśa jvalanaṃ dīptaṃ
trat sie in die lodernde Flamme ein
niḥsaṅgena antarātmanā
mit unbeschwertem innerem Geist

janaḥ sa sumahāṃstatra bālavṛddhasamākulaḥ | dadarśa maithilīṃ tatra praviśantīṃ hutāśanam ||

Jene überaus zahlreiche Volksmenge dort, von Jungen und Alten durchsetzt, sah dort Maithilī in das Feuer eintreten.

Wort für Wort
janaḥ sa sumahān tatra
jene überaus zahlreiche Volksmenge dort
bālavṛddhasamākulaḥ
von Jungen und Alten durchsetzt
dadarśa maithilīṃ tatra
sah dort Maithilī
praviśantīṃ hutāśanam
wie sie in das Feuer eintrat

sā taptanavahemābhā taptakāñcanabhūṣaṇā | papāta jvalanaṃ dīptaṃ sarvalokasya saṃnidhau ||

Sie, dem geglühten frischen Gold gleich glänzend, mit geglühtem Goldschmuck geschmückt, stürzte sich in das lodernde Feuer, in Gegenwart der ganzen Welt.

Wort für Wort
sā taptanavahemābhā
sie, dem geglühten frischen Gold gleich glänzend
taptakāñcanabhūṣaṇā
mit geglühtem Goldschmuck geschmückt
papāta jvalanaṃ dīptaṃ
stürzte sich in das lodernde Feuer
sarvalokasya saṃnidhau
in Gegenwart der ganzen Welt

dadṛśustāṃ viśālākṣīṃ patantīṃ havyavāhanam | sītāṃ sarvāṇi rūpāṇi rukmavedinibhāṃ tadā ||

Sie, die Großäugige, sahen alle Wesen, wie sie da in das Feuer stürzte, Sītā, einem goldenen Altar gleich.

Wort für Wort
dadṛśuḥ tāṃ viśālākṣīṃ
sie sahen die Großäugige
patantīṃ havyavāhanam
wie sie in das Feuer stürzte
sītāṃ sarvāṇi rūpāṇi
Sītā, alle Wesen
rukmavedinibhāṃ tadā
einem goldenen Altar gleich, da

dadṛśustāṃ mahābhāgāṃ praviśantīṃ hutāśanam | sītāṃ kṛtsnāstrayo lokāḥ puṇyāmājyāhutīmiva ||

Sie, die hochgesegnete Sītā, sahen alle drei Welten, wie sie in das Feuer eintrat, gleich einer heiligen Opferspende von Butterschmalz.

Wort für Wort
dadṛśuḥ tāṃ mahābhāgāṃ
sie sahen die hochgesegnete
praviśantīṃ hutāśanam
wie sie in das Feuer eintrat
sītāṃ kṛtsnāḥ trayo lokāḥ
Sītā, alle drei Welten
puṇyām ājyāhutīm iva
gleich einer heiligen Opferspende von Butterschmalz

pracukruśuḥ striyaḥ sarvāstāṃ dṛṣṭvā havyavāhane | patantīṃ saṃskṛtāṃ manrairvasordhārāmivādhvare ||

Alle Frauen schrien laut auf, als sie sie, wie sie in das Feuer stürzte, sahen, sie, die durch Sprüche geweiht war, wie das Rinnsal der Schmalzspende bei einem Opfer.

Wort für Wort
pracukruśuḥ striyaḥ sarvāḥ
alle Frauen schrien laut auf
tāṃ dṛṣṭvā havyavāhane
als sie sie im Feuer sahen
patantīṃ saṃskṛtāṃ manraiḥ
wie sie stürzte, durch Sprüche geweiht
vasordhārām iva adhvare
wie das Rinnsal der Schmalzspende bei einem Opfer

dadṛśustāṃ trayo lokā devagandharvadānanāḥ | śaptāṃ patantīṃ niraye tridivāddevatāmiva ||

Die Götter, Gandharven und Dānavas in den drei Welten sahen sie stürzen wie eine verfluchte Gottheit, die aus dem Himmel in die Hölle fällt.

Wort für Wort
dadṛśuḥ tāṃ trayo lokāḥ
es sahen sie die drei Welten
devagandharvadānanāḥ
Götter, Gandharven und Dānavas
śaptāṃ patantīṃ niraye
stürzend wie eine Verfluchte in die Hölle
tridivāt devatām iva
aus dem Himmel wie eine Gottheit

tasyāmagniṃ viśantyāṃ tu hāheti vipulaḥ svanaḥ | rakṣasāṃ vānarāṇāṃ ca sambabhūvādbhutopamaḥ ||

Als sie in das Feuer eintrat, erhob sich unter den Rākṣasas und Vānaras ein gewaltiges Wehgeschrei "Wehe, wehe!", einem Wunder gleich.

Wort für Wort
tasyām agniṃ viśantyāṃ tu
als sie aber in das Feuer eintrat
hāhā iti vipulaḥ svanaḥ
ein gewaltiger Ruf 'Wehe, wehe!'
rakṣasāṃ vānarāṇāṃ ca
der Rākṣasas und der Vānaras
sambabhūva adbhutopamaḥ
erhob sich, einem Wunder gleich

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks