Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 92: Rāvaṇa-Sītā-Vadhecchā Rāvaṇas Zorn und der Wunsch, Sītā zu töten

tataḥ paulastya sacivāḥ śrutvā cendrajitaṃ hatam | ācacakṣurabhijñāya daśagrīvāya savyathāḥ ||

Da, als die Ratgeber des Paulastya hörten, dass Indrajit getötet war, berichteten sie es erkennend dem Zehnhalsigen mit Schmerz.

Wort für Wort
tataḥ paulastya sacivāḥ
da die Ratgeber des Paulastya
śrutvā ca indrajitaṃ hatam
hörend, dass Indrajit getötet war
ācacakṣuḥ abhijñāya
sie berichteten es, erkennend
daśagrīvāya savyathāḥ
dem Zehnhalsigen, voll Schmerz

yuddhe hato mahārāja lakṣmaṇena tavātmajaḥ | vibhīṣaṇasahāyena miṣatāṃ no mahādyute ||

„In der Schlacht, o Großkönig, wurde dein Sohn von Lakṣmaṇa getötet, mit Vibhīṣaṇas Hilfe, vor unseren Augen, o Glanzvoller.“

Wort für Wort
yuddhe hataḥ mahārāja
in der Schlacht getötet, o Großkönig
lakṣmaṇena tava ātmajaḥ
dein Sohn von Lakṣmaṇa
vibhīṣaṇasahāyena
mit Vibhīṣaṇas Hilfe
miṣatāṃ naḥ mahādyute
vor unseren Augen, o Glanzvoller

śūraḥ śūreṇa saṃgamya saṃyugeṣvaparājitaḥ | lakṣṇanena hataḥ śūraḥ putraste vibudhendrajit | gataḥ sa paramān lokān śaraiḥ saṃtāpy lakṣmaṇam ||

„Der Held, mit dem Helden zusammentreffend, in Kämpfen unbesiegt, wurde von Lakṣmaṇa getötet - der Held, dein Sohn, der Bezwinger der Götter; er ging ein in die höchsten Welten, nachdem er Lakṣmaṇa mit Pfeilen gequält hatte.“

Wort für Wort
śūraḥ śūreṇa saṃgamya
der Held, mit dem Helden zusammentreffend
saṃyugeṣu aparājitaḥ
in Kämpfen unbesiegt
lakṣmaṇena hataḥ śūraḥ
von Lakṣmaṇa getötet, der Held
putraḥ te vibudhendrajit
dein Sohn, der Götterbezwinger
gataḥ sa paramān lokān
er ging in die höchsten Welten
śaraiḥ saṃtāpya lakṣmaṇam
nachdem er Lakṣmaṇa mit Pfeilen gequält hatte

sa taṃ pratibhayaṃ śrutvā vadhaṃ putrasya dāruṇam || ghoramindrajitaḥ saṅkhye kaśmalaṃ prāviśanmahat ||

Als er von jenem furchtbaren, grausigen Tod seines Sohnes hörte, dem schrecklichen Tod Indrajits in der Schlacht, verfiel er in tiefe Betäubung.

Wort für Wort
sa taṃ pratibhayaṃ śrutvā
er, jenes Furchtbare hörend
vadhaṃ putrasya dāruṇam
den grausigen Tod des Sohnes
ghoram indrajitaḥ saṅkhye
den schrecklichen [Tod] Indrajits in der Schlacht
kaśmalaṃ prāviśat mahat
er verfiel in große Betäubung

upalabhya cirātsaṃjñāṃ rājā rākṣasapuṅgavaḥ || putraśokākulo dīno vilalāpākulendriyaḥ ||

Nachdem der König, der Stier der Rākṣasas, nach langer Zeit wieder zur Besinnung gekommen war, klagte er, vom Kummer um den Sohn verwirrt, elend, mit verstörten Sinnen.

Wort für Wort
upalabhya cirāt saṃjñām
nach langer Zeit die Besinnung wiedererlangend
rājā rākṣasapuṅgavaḥ
der König, der Stier der Rākṣasas
putraśokākulo dīnaḥ
vom Kummer um den Sohn verwirrt, elend
vilalāpa ākulendriyaḥ
er klagte, mit verstörten Sinnen

hā rākṣasacamūmukhya mama vatsa mahāratha || jitvendraṃ kathamadya tvaṃ lakṣmaṇasya vaśaṃ gataḥ ||

„Ach, du Erster des Rākṣasa-Heeres, mein Kind, großer Wagenkämpfer! Wie bist du, der du Indra besiegt hast, heute in Lakṣmaṇas Gewalt geraten?“

Wort für Wort
hā rākṣasacamūmukhya
ach, du Erster des Rākṣasa-Heeres
mama vatsa mahāratha
mein Kind, großer Wagenkämpfer
jitvā indraṃ katham adya
wie, nachdem du Indra besiegt hast, heute
tvaṃ lakṣmaṇasya vaśaṃ gataḥ
bist du in Lakṣmaṇas Gewalt geraten

nanu tvamiṣubhiḥ kruddho bhindyāḥ kālāntakāvapi || mandarasyāpi śṛṅgāṇi kiṃ punarlakṣmaṇaṃ raṇe ||

„Konntest du nicht zornig mit Pfeilen selbst Kāla und Antaka durchbohren, ja selbst die Gipfel des Mandara - wieviel mehr Lakṣmaṇa im Kampf?“

Wort für Wort
nanu tvam iṣubhiḥ kruddhaḥ
konntest du nicht, zornig, mit Pfeilen
bhindyāḥ kālāntakau api
selbst Kāla und Antaka durchbohren
mandarasya api śṛṅgāṇi
selbst die Gipfel des Mandara
kim punaḥ lakṣmaṇaṃ raṇe
wieviel mehr Lakṣmaṇa im Kampf

adya vaivasvato rājā bhūyo bahumato mama || yenādya tvaṃ mahābāho saṃyuktaḥ kāladharmaṇā ||

„Heute ist mir der König Vaivasvata noch angesehener geworden, o Starkarmiger, weil du durch ihn heute mit dem Gesetz der Zeit vereint wurdest.“

Wort für Wort
adya vaivasvataḥ rājā
heute ist der König Vaivasvata (Yama)
bhūyaḥ bahumataḥ mama
mir noch angesehener
yena adya tvaṃ mahābāho
durch den du heute, o Starkarmiger
saṃyuktaḥ kāladharmaṇā
mit dem Gesetz der Zeit vereint wurdest

eṣa panthāḥ suyodhānāṃ sarvāmaragaṇeṣvapi || yaḥ kṛte hanyate bhartuḥ sa pumān svargamṛcchati ||

„Dies ist der Weg der guten Krieger, wie auch bei allen Scharen der Unsterblichen: Wer für seinen Herrn getötet wird, jener Mann gelangt zum Himmel.“

Wort für Wort
eṣa panthāḥ suyodhānām
dies ist der Weg der guten Krieger
sarvāmaragaṇeṣu api
auch bei allen Scharen der Unsterblichen
yaḥ kṛte hanyate bhartuḥ
wer für seinen Herrn getötet wird
sa pumān svargam ṛcchati
jener Mann gelangt zum Himmel

adya devagaṇāḥ sarve lokapālāstatharṣayaḥ || hatamindrajitaṃ dṛṣṭvā sukhaṃ svapsyanti nirbhayāḥ ||

„Heute werden alle Scharen der Götter, die Weltenhüter und ebenso die Weisen, da sie Indrajit als getötet sehen, glücklich und furchtlos schlafen.“

Wort für Wort
adya devagaṇāḥ sarve
heute alle Scharen der Götter
lokapālāḥ tathā ṛṣayaḥ
die Weltenhüter und ebenso die Weisen
hatam indrajitaṃ dṛṣṭvā
den getöteten Indrajit sehend
sukhaṃ svapsyanti nirbhayāḥ
werden sie glücklich und furchtlos schlafen

adya lokāstrayaḥ kṛtsnāḥ pṛthivī ca sakānanā || ekenendrajitā hīnā śūṇyeva pratibhāti me ||

„Heute erscheinen mir die drei Welten gänzlich und die Erde mit ihren Wäldern, da sie des einen Indrajit beraubt sind, wie leer.“

Wort für Wort
adya lokāḥ trayaḥ kṛtsnāḥ
heute die drei Welten gänzlich
pṛthivī ca sakānanā
und die Erde mit ihren Wäldern
ekena indrajitā hīnā
des einen Indrajit beraubt
śūnyā iva pratibhāti me
erscheinen mir wie leer

adya nairṛtakanyāyāṃ śroṣyāmyantaḥpure ravam || kareṇusaṅghasya yathā ninādaṃ girigahvare ||

„Heute werde ich im inneren Gemach das Klagen der Rākṣasa-Frauen hören, wie das Dröhnen einer Herde von Elefantenkühen in einer Bergschlucht.“

Wort für Wort
adya nairṛtakanyāyām
heute bei den Rākṣasa-Frauen
śroṣyāmi antaḥpure ravam
werde ich im inneren Gemach das Klagen hören
kareṇusaṅghasya yathā
wie das einer Herde von Elefantenkühen
ninādaṃ girigahvare
das Dröhnen in einer Bergschlucht

yauvarājyaṃ ca laṅkāṃ ca rakṣāṃsi ca parantapa || mātaraṃ māṃ ca bhāryāṃ ca kva gato.asi vihāya naḥ ||

„Das Thronfolgerreich, Laṅkā, die Rākṣasas, o Bezwinger der Feinde, die Mutter, mich und deine Gattin - wohin bist du gegangen, nachdem du uns verlassen hast?“

Wort für Wort
yauvarājyaṃ ca laṅkāṃ ca
das Thronfolgerreich und Laṅkā
rakṣāṃsi ca parantapa
und die Rākṣasas, o Bezwinger der Feinde
mātaraṃ māṃ ca bhāryāṃ ca
die Mutter, mich und die Gattin
kva gataḥ asi vihāya naḥ
wohin bist du gegangen, nachdem du uns verlassen hast

mama nāma tvayā vīra gatasya yamasādanam || pretakāryāṇi kāryāṇi viparīte hi vartase ||

„Mein Name, o Held - da du zur Wohnstatt Yamas gegangen bist, obliegt es mir, die Totenriten für dich zu vollziehen; du wandelst ja auf umgekehrtem Weg.“

Wort für Wort
mama nāma tvayā vīra
mein [ist es], o Held, für dich
gatasya yamasādanam
der du zur Wohnstatt Yamas gegangen bist
pretakāryāṇi kāryāṇi
die Totenriten sind zu vollziehen
viparīte hi vartase
du wandelst ja auf umgekehrtem Weg

sa tvaṃ jīvati sugrīve lakṣmaṇe ca rāghave || mama śalyamanuddhṛtya kva gato.asi vihāya naḥ ||

„Du, während Sugrīva, Lakṣmaṇa und Rāghava noch leben, bist gegangen, ohne meinen Stachel herauszuziehen - wohin bist du gegangen, nachdem du uns verlassen hast?“

Wort für Wort
sa tvaṃ jīvati sugrīve
du, während Sugrīva lebt
lakṣmaṇe ca rāghave
und Lakṣmaṇa und Rāghava
mama śalyam anuddhṛtya
ohne meinen Stachel herauszuziehen
kva gataḥ asi vihāya naḥ
wohin bist du gegangen, nachdem du uns verlassen hast

evamādivilāpārtaṃ rāvaṇaṃ rākṣasādhipam || āviveśa mahānkopaḥ putravyasanasambhavaḥ ||

Während Rāvaṇa, der Rākṣasa-Herrscher, so und in ähnlicher Weise von Klage gequält war, ergriff ihn gewaltiger Zorn, entstanden aus dem Verlust des Sohnes.

Wort für Wort
evamādivilāpārtam
von so und ähnlicher Klage gequält
rāvaṇaṃ rākṣasādhipam
Rāvaṇa, den Rākṣasa-Herrscher
āviveśa mahān kopaḥ
ergriff gewaltiger Zorn
putravyasanasambhavaḥ
entstanden aus dem Verlust des Sohnes

prakṛtyā kopanaṃ hyenaṃ putrasya punarādhayaḥ || dīptaṃ saṃdīpayāmāsurgharme.arkamiva raśmayaḥ ||

Denn ihn, der von Natur aus zornig war, entflammten die erneuten Sorgen um den Sohn noch mehr, wie in der Sommerhitze die Strahlen die glühende Sonne noch mehr entflammen.

Wort für Wort
prakṛtyā kopanaṃ hi enam
denn ihn, der von Natur aus zornig war
putrasya punaḥ ādhayaḥ
die erneuten Sorgen um den Sohn
dīptaṃ saṃdīpayāmāsuḥ
entflammten den Glühenden noch mehr
gharme arkam iva raśmayaḥ
wie in der Hitze die Strahlen die Sonne

lalāṭe bhukuṭībhiśca saṃgatābhirvyarocata || yagānte sahanaktrastu mahormibhirivodadhiḥ ||

Auf seiner Stirn leuchtete er mit zusammengezogenen Brauen, wie das Meer am Ende eines Zeitalters mit seinen gewaltigen Wogen.

Wort für Wort
lalāṭe bhukuṭībhiḥ ca
auf der Stirn mit den Brauen
saṃgatābhiḥ vyarocata
zusammengezogen leuchtete er
yagānte sahanaktraḥ tu
am Ende des Zeitalters, mit den Gestirnen
mahormibhiḥ iva udadhiḥ
wie das Meer mit gewaltigen Wogen

kopādvijṛmbhamāṇasya vaktradvyaktamiva jvalan || utpapāta sadhūmāgnirvṛtrasya vadanādiva ||

Aus seinem sich vor Zorn weit öffnenden Mund schoss deutlich Feuer mit Rauch hervor, wie einst aus Vṛtras Mund.

Wort für Wort
kopāt vijṛmbhamāṇasya
des sich vor Zorn weit Öffnenden
vaktrāt vyaktam iva jvalan
aus dem Mund deutlich lodernd
utpapāta sadhūmāgniḥ
schoss rauchendes Feuer hervor
vṛtrasya vadanāt iva
wie aus Vṛtras Mund

sa putravadhasaṃtaptaḥ śūraḥ krodhavaśaṃ gataḥ || samīkṣya rāvaṇo buddhyā vaidehyā rocayadvadham ||

Er, der von dem Tod des Sohnes gequälte Held, geriet in die Gewalt des Zorns; Rāvaṇa erwog es mit Verstand und beschloss den Tod der Vaidehī.

Wort für Wort
sa putravadhasaṃtaptaḥ śūraḥ
er, der Held, gequält vom Tod des Sohnes
krodhavaśaṃ gataḥ
in die Gewalt des Zorns geraten
samīkṣya rāvaṇo buddhyā
mit Verstand erwägend, Rāvaṇa
vaidehyā rocayad vadham
beschloss den Tod der Vaidehī

tasya prakṛtyā rakte ca rakte krodhāgnināpi ca || rāvaṇasya mahāghore dīpte netre babhūvatuḥ ||

Seine, des Rāvaṇa, von Natur aus roten Augen wurden, zusätzlich rot vom Feuer des Zorns, überaus schrecklich und glühend.

Wort für Wort
tasya prakṛtyā rakte ca
seine von Natur aus roten [Augen]
rakte krodhāgninā api ca
und rot vom Feuer des Zorns
rāvaṇasya mahāghore
des Rāvaṇa, überaus schrecklich
dīpte netre babhūvatuḥ
glühende Augen wurden sie

ghoraṃ prakṛtyā rūpaṃ tattasya krodhāgnimūrchitam || babhūva rūpaṃ rudrasya kruddhasyeva durāsadam ||

Seine von Natur aus schreckliche Gestalt, nun betäubt vom Feuer des Zorns, wurde zu einer unnahbaren Gestalt wie die des zornigen Rudra.

Wort für Wort
ghoraṃ prakṛtyā rūpaṃ tat
jene von Natur aus schreckliche Gestalt
tasya krodhāgnimūrchitam
seine, vom Feuer des Zorns betäubte
babhūva rūpaṃ rudrasya
wurde zur Gestalt Rudras
kruddhasya iva durāsadam
des zornigen, unnahbar

tasya kruddhasya netrābhyāṃ prāpatannasrabindavaḥ || dīptābhyāmiva dīpābhyāṃ sārciṣaḥ snehabindavaḥ ||

Von seinen, des Zornigen, Augen fielen Tränentropfen, wie von zwei brennenden Lampen Öltropfen mit Flämmchen fallen.

Wort für Wort
tasya kruddhasya netrābhyām
von seinen, des Zornigen, Augen
prāpatan asrabindavaḥ
fielen Tränentropfen
dīptābhyām iva dīpābhyām
wie von zwei brennenden Lampen
sārciṣaḥ snehabindavaḥ
Öltropfen mit Flämmchen

dantānvidaśatastasya śrūyate daśanasvanaḥ || yantrasyāveṣṭyamānasya mahato dānavairiva ||

Als er die Zähne zusammenbiss, war ein Zähneknirschen zu hören, wie von einer großen Maschine, die von Dānavas gedreht wird.

Wort für Wort
dantān vidaśataḥ tasya
seines, der die Zähne zusammenbiss
śrūyate daśanasvanaḥ
war ein Zähneknirschen zu hören
yantrasya āveṣṭyamānasya mahataḥ
einer großen, gedrehten Maschine
dānavaiḥ iva
wie von Dānavas

kālāgniriva saṃkruddho yāṃ yāṃ diśamavaikṣata || tasyāṃ tasyāṃ bhayatrastā rākṣasāḥ saṃnililyire ||

Wie das Feuer der Zeitenwende so zornentbrannt - in welche Richtung er auch blickte, in jener zogen sich die von Furcht erschreckten Rākṣasas ängstlich zurück.

Wort für Wort
kālāgniḥ iva saṃkruddhaḥ
wie das Feuer der Zeitenwende so zornentbrannt
yāṃ yāṃ diśam avaikṣata
in welche Richtung er auch blickte
tasyāṃ tasyāṃ bhayatrastāḥ
in jener zogen sich die Furchterschreckten
rākṣasāḥ saṃnililyire
die Rākṣasas zurück

tamantakamiva kruddhaṃ carācaracikhādiṣum || vīkṣamāṇaṃ diśaḥ sarvā rākṣasā nopacakramuḥ ||

Ihn, den wie den zornigen Tod, der Bewegtes und Unbewegtes verschlingen wollte, der alle Richtungen musterte, wagten die Rākṣasas nicht anzugehen.

Wort für Wort
tam antakam iva kruddham
ihn, wie den zornigen Tod
carācaracikhādiṣum
der Bewegtes und Unbewegtes verschlingen wollte
vīkṣamāṇaṃ diśaḥ sarvāḥ
alle Richtungen musternd
rākṣasāḥ na upacakramuḥ
wagten die Rākṣasas nicht anzugehen

tataḥ paramasaṃkruddho rāvaṇo rākṣasādhipaḥ || abravīdrakṣasāṃ madhye saṃstambhayiṣurāhave ||

Da sprach der höchst zornentbrannte Rāvaṇa, der Rākṣasa-Herrscher, inmitten der Rākṣasas, sie im Kampf ermutigen wollend:

Wort für Wort
tataḥ paramasaṃkruddhaḥ
da der höchst Zornentbrannte
rāvaṇo rākṣasādhipaḥ
Rāvaṇa, der Rākṣasa-Herrscher
abravīd rakṣasāṃ madhye
sprach inmitten der Rākṣasas
saṃstambhayiṣuḥ āhave
sie im Kampf ermutigen wollend

mayā varṣasahasrāṇi caritvā paramaṃ tapaḥ || teṣu teṣvavakāśeṣu svayambhūḥ paritoṣitaḥ ||

„Nachdem ich tausend Jahre höchste Askese geübt hatte, wurde der Selbstentstandene an jenen und jenen Orten von mir zufriedengestellt.“

Wort für Wort
mayā varṣasahasrāṇi
von mir, tausend Jahre lang
caritvā paramaṃ tapaḥ
nachdem höchste Askese geübt wurde
teṣu teṣu avakāśeṣu
an jenen und jenen Orten
svayambhūḥ paritoṣitaḥ
wurde der Selbstentstandene zufriedengestellt

tasyaiva tapaso vyuṣṭyā prasādācca svayambhuvaḥ || nāsurebhyo na devebhyo bhayaṃ mama kadā cana ||

„Durch die Frucht eben jener Askese und durch die Gnade des Selbstentstandenen habe ich niemals Furcht vor den Asuras noch vor den Göttern.“

Wort für Wort
tasya eva tapasaḥ vyuṣṭyā
durch die Frucht eben jener Askese
prasādāt ca svayambhuvaḥ
und durch die Gnade des Selbstentstandenen
na asurebhyo na devebhyaḥ
nicht vor den Asuras, nicht vor den Göttern
bhayaṃ mama kadā cana
habe ich jemals Furcht

kavacaṃ brahmadattaṃ me yadādityasamaprabham || devāsuravimardeṣu na bhinnaṃ vajraśaktibhiḥ ||

„Der von Brahmā mir gegebene Panzer, der an Glanz der Sonne gleicht, wurde in den Kämpfen zwischen Göttern und Asuras nicht einmal von Vajra und Śakti durchbohrt.“

Wort für Wort
kavacaṃ brahmadattaṃ me
der von Brahmā mir gegebene Panzer
yad ādityasamaprabham
der an Glanz der Sonne gleicht
devāsuravimardeṣu
in den Kämpfen zwischen Göttern und Asuras
na bhinnaṃ vajraśaktibhiḥ
wurde nicht durchbohrt von Vajra und Śakti

tena māmadya saṃyuktaṃ rathasthamiha saṃyuge || pratīyātko.adya māmājau sākṣādapi purandaraḥ ||

„Mit diesem ausgestattet, heute auf dem Wagen stehend hier im Kampf - wer könnte mir heute in der Schlacht entgegentreten, selbst Purandara leibhaftig?“

Wort für Wort
tena mām adya saṃyuktam
mit diesem heute mir vereint
rathastham iha saṃyuge
hier auf dem Wagen stehend im Kampf
pratīyāt kaḥ adya mām ājau
wer könnte mir heute in der Schlacht begegnen
sākṣāt api purandaraḥ
selbst Purandara leibhaftig

yattadābhiprasannena saśaraṃ kārmukaṃ mahat || devāsuravimardeṣu mama dattaṃ svayambhuvā ||

„Jener große Bogen mit Pfeilen, der mir vom zufriedenen Selbstentstandenen in den Kämpfen zwischen Göttern und Asuras gegeben wurde -“

Wort für Wort
yat tat abhiprasannena
jenes, vom zufriedenen [gegeben]
saśaraṃ kārmukaṃ mahat
der große Bogen mit Pfeilen
devāsuravimardeṣu
in den Kämpfen zwischen Göttern und Asuras
mama dattaṃ svayambhuvā
mir gegeben vom Selbstentstandenen

adya tūryaśatairbhīmaṃ dhanurutthāpyatāṃ mama || rāmalakṣmaṇayoreva vadhāya paramāhave ||

„- heute möge unter dem Klang von hunderten Musikinstrumenten mein furchtbarer Bogen erhoben werden, einzig zum Tod von Rāma und Lakṣmaṇa im höchsten Kampf.“

Wort für Wort
adya tūryaśataiḥ bhīmam
heute unter hunderten Instrumenten, das furchtbare
dhanuḥ utthāpyatāṃ mama
möge mein Bogen erhoben werden
rāmalakṣmaṇayoḥ eva
einzig von Rāma und Lakṣmaṇa
vadhāya paramāhave
zum Tod im höchsten Kampf

sa putravadhasantaptaḥ śūraḥ krodhavaśaṃ gataḥ || samīkṣya rāvaṇo buddhyā sītāṃ hantuṃ vyavasyata ||

Er, der von dem Tod des Sohnes gequälte Held, in die Gewalt des Zorns geraten, erwog es mit Verstand, Rāvaṇa, und beschloss, Sītā zu töten.

Wort für Wort
sa putravadhasantaptaḥ śūraḥ
er, der Held, gequält vom Tod des Sohnes
krodhavaśaṃ gataḥ
in die Gewalt des Zorns geraten
samīkṣya rāvaṇo buddhyā
mit Verstand erwägend, Rāvaṇa
sītāṃ hantuṃ vyavasyata
beschloss, Sītā zu töten

pratyavekṣya tu tāmrākṣaḥ sughoro ghoradarśanān || dīno dīnasvarānsarvāṃstānuvāca niśācarān ||

Der Rotäugige, der überaus Schreckliche von schrecklichem Anblick, blickte sie an und sprach, elend, mit elender Stimme zu all jenen Nachtwandlern:

Wort für Wort
pratyavekṣya tu tāmrākṣaḥ
zurückblickend aber, der Rotäugige
sughoro ghoradarśanān
der überaus Schreckliche von schrecklichem Anblick
dīno dīnasvarān sarvān
elend, mit elender Stimme zu allen
tān uvāca niśācarān
sprach er zu jenen Nachtwandlern

māyayā mama vatsena vaṃcanārthaṃ vanaukasām || kiṃ cideva hataṃ tatra sīteyamiti darśitam ||

„Durch Zauberkunst hat mein Kind, um die Waldbewohner zu täuschen, irgendetwas dort getötet und gezeigt mit den Worten: 'Dies ist Sītā.'“

Wort für Wort
māyayā mama vatsena
durch Zauberkunst von meinem Kind
vaṃcanārthaṃ vanaukasām
zum Zweck der Täuschung der Waldbewohner
kiṃcid eva hataṃ tatra
irgendetwas dort getötet
sītā iyam iti darśitam
und gezeigt: 'Dies ist Sītā'

tadidaṃ tathyamevāhaṃ kariṣye priyamātmanaḥ || vaidehīṃ nāśayiṣyāmi kṣatrabandhumanuvratām ||

„Jenes eben will ich nun zur Wahrheit machen, mir selbst zuliebe: Ich werde die Vaidehī vernichten, die dem niederen Kṣatriya ergeben ist.“

Wort für Wort
tat idaṃ tathyam eva aham
jenes eben will ich zur Wahrheit
kariṣye priyam ātmanaḥ
machen, mir selbst zuliebe
vaidehīṃ nāśayiṣyāmi
ich werde die Vaidehī vernichten
kṣatrabandhum anuvratām
die dem niederen Kṣatriya ergeben ist

ityevamuktvā sacivānkhaḍgamāśu parāmṛśat ||

Nachdem er so zu den Ratgebern gesprochen hatte, ergriff er hastig sein Schwert.

Wort für Wort
iti evam uktvā sacivān
so zu den Ratgebern gesprochen habend
khaḍgam āśu parāmṛśat
ergriff er hastig das Schwert

utplutya guṇasampannaṃ vimalāmbaravarcasaṃ | niṣpapāta sa vegena sabhāyāḥ sacivairvṛtaḥ ||

Aufspringend, mit einem an makellosem Glanz wie der klare Himmel leuchtenden Schwert versehen, stürzte er mit Wucht aus der Versammlungshalle, umgeben von seinen Ratgebern.

Wort für Wort
utplutya guṇasampannam
aufspringend, mit [Eigenschaften/Schneide] versehen
vimalāmbaravarcasam
mit dem Glanz des makellosen Himmels
niṣpapāta sa vegena
er stürzte mit Wucht hervor
sabhāyāḥ sacivaiḥ vṛtaḥ
aus der Versammlungshalle, umgeben von den Ratgebern

rāvaṇaḥ putraśokena bhṛśamākulacetanaḥ | saṃkruddhaḥ khaḍgamādāya sahasā yatra maithilī ||

Rāvaṇa, durch den Kummer um den Sohn heftig verwirrten Sinnes, zornentbrannt, das Schwert ergreifend, eilte plötzlich dorthin, wo die Maithilī war.

Wort für Wort
rāvaṇaḥ putraśokena
Rāvaṇa, durch den Kummer um den Sohn
bhṛśam ākulacetanaḥ
heftig verwirrten Sinnes
saṃkruddhaḥ khaḍgam ādāya
zornentbrannt, das Schwert ergreifend
sahasā yatra maithilī
plötzlich dorthin, wo die Maithilī [war]

vrajantaṃ rākṣasaṃ prekṣya siṃhanādaṃ vicukruśuḥ | ūcuścānyonyamāliṅgya saṃkruddhaṃ prekṣya rākṣasāḥ ||

Als die Rākṣasas den einherschreitenden Rākṣasa erblickten, stießen sie Löwengebrüll aus, und als sie ihn zornentbrannt sahen, umarmten sie einander und sprachen zueinander:

Wort für Wort
vrajantaṃ rākṣasaṃ prekṣya
den einherschreitenden Rākṣasa erblickend
siṃhanādaṃ vicukruśuḥ
stießen sie Löwengebrüll aus
ūcuḥ ca anyonyam āliṅgya
und sprachen, einander umarmend
saṃkruddhaṃ prekṣya rākṣasāḥ
die Rākṣasas, ihn zornentbrannt sehend

adyainaṃ tāvubhau dṛṣṭvā bhrātarau pravyathiṣyataḥ | lokapālā hi catvāraḥ kruddhenānena tarjitāḥ || bahavaḥ śatravaścānye saṃyugeṣvabhipātitāḥ ||

„Heute werden, wenn sie ihn sehen, jene beiden Brüder erzittern. Denn die vier Weltenhüter wurden von diesem Zornigen bedroht, und viele andere Feinde wurden in Kämpfen niedergestreckt.“

Wort für Wort
adya enaṃ tau ubhau dṛṣṭvā
heute, wenn jene beiden ihn sehen
bhrātarau pravyathiṣyataḥ
werden die Brüder erzittern
lokapālā hi catvāraḥ
denn die vier Weltenhüter
kruddhena anena tarjitāḥ
wurden von diesem Zornigen bedroht
bahavaḥ śatravaḥ ca anye
und viele andere Feinde
saṃyugeṣu abhipātitāḥ
wurden in Kämpfen niedergestreckt

triṣu lokeṣu ratnāni bhuṅkte cāhṛtya rāvaṇaḥ || vikrame ca bale caiva nāstyasya sadṛśo bhuvi ||

„Die Kostbarkeiten der drei Welten genießt Rāvaṇa, nachdem er sie geraubt hat; an Tapferkeit und Kraft gibt es niemanden auf Erden, der ihm gleich wäre.“

Wort für Wort
triṣu lokeṣu ratnāni
die Kostbarkeiten der drei Welten
bhuṅkte ca āhṛtya rāvaṇaḥ
genießt Rāvaṇa, nachdem er sie geraubt hat
vikrame ca bale ca eva
und an Tapferkeit und Kraft
na asti asya sadṛśo bhuvi
gibt es keinen ihm Gleichen auf Erden

teṣāṃ saṃjalpamānānāmaśokavanikāṃ gatām || abhidudrāva vaidehīṃ rāvaṇaḥ krodhamūrchitaḥ ||

Während sie so miteinander redeten, stürmte Rāvaṇa, vom Zorn betäubt, auf die Vaidehī los, die sich im Aśoka-Hain befand.

Wort für Wort
teṣāṃ saṃjalpamānānām
während sie so miteinander redeten
aśokavanikāṃ gatām
die in den Aśoka-Hain Gegangene
abhidudrāva vaidehīm
stürmte er auf die Vaidehī los
rāvaṇaḥ krodhamūrchitaḥ
Rāvaṇa, vom Zorn betäubt

vāryamāṇaḥ susaṃkruddhaḥ suhṛdbhirhitabuddhibhiḥ || abhyadhāvata saṃkruddhaḥ khe graho rohiṇīm iva ||

Obwohl von seinen wohlgesinnten Freunden zurückgehalten, der überaus Zornentbrannte, stürmte er zornig heran, wie am Himmel der Planet auf Rohiṇī zustürmt.

Wort für Wort
vāryamāṇaḥ susaṃkruddhaḥ
zurückgehalten, der überaus Zornentbrannte
suhṛdbhiḥ hitabuddhibhiḥ
von den wohlgesinnten Freunden
abhyadhāvata saṃkruddhaḥ
stürmte er zornig heran
khe graho rohiṇīm iva
wie am Himmel der Planet auf Rohiṇī

maithilī rakṣyamāṇā tu rākṣasībhiraninditā || dadarśa rākṣasaṃ kruddhaṃ nistriṃśavaradhāriṇam ||

Die Maithilī aber, die Untadelige, bewacht von den Rākṣasa-Frauen, erblickte den zornigen Rākṣasa, der ein vortreffliches Schwert trug.

Wort für Wort
maithilī rakṣyamāṇā tu
die Maithilī aber, bewacht
rākṣasībhiḥ aninditā
von den Rākṣasa-Frauen, die Untadelige
dadarśa rākṣasaṃ kruddham
sie erblickte den zornigen Rākṣasa
nistriṃśavaradhāriṇam
der ein vortreffliches Schwert trug

taṃ niśāmya sanistriṃśaṃ vyathitā janakātmajā || nivāryamāṇaṃ bahuśaḥ suhṛdbhiranivartinam ||

Als sie ihn mit dem Schwert erblickte, erschrak die Tochter Janakas - ihn, der von den Freunden vielfach zurückgehalten wurde und doch nicht umkehrte.

Wort für Wort
taṃ niśāmya sanistriṃśam
ihn mit dem Schwert erblickend
vyathitā janakātmajā
erschrak die Tochter Janakas
nivāryamāṇaṃ bahuśaḥ
der vielfach zurückgehalten wurde
suhṛdbhiḥ anivartinam
von den Freunden, den nicht Umkehrenden

sītā duḥkhasamāviṣṭā vilapantīdamabravīt ||

Sītā, von Schmerz erfüllt, klagte und sprach dies:

Wort für Wort
sītā duḥkhasamāviṣṭā
Sītā, von Schmerz erfüllt
vilapantī idam abravīt
klagend sprach sie dies

yathāyaṃ māmabhikruddhaḥ samabhidravati svayam | vadhiṣyati sanāthāṃ māmanāthāmiva durmatiḥ ||

„So wie er, zornentbrannt gegen mich, selbst heranstürmt, wird der Übelgesinnte mich, die einen Beschützer hat, töten, als hätte ich keinen.“

Wort für Wort
yathā ayaṃ mām abhikruddhaḥ
wie er, zornentbrannt gegen mich
samabhidravati svayam
selbst heranstürmt
vadhiṣyati sanāthāṃ mām
wird er mich, die einen Beschützer hat, töten
anāthām iva durmatiḥ
der Übelgesinnte, als hätte ich keinen

bahuśaścodayāmāsa bhartāraṃ māmanuvratām | bhāryā bhava ramasyeti pratyākhyāto dhruvaṃ mayā ||

„Vielfach forderte er mich, die meinem Gatten Treue hält, auf: 'Sei meine Gattin, erfreue dich mit mir' - doch stets wurde er von mir zurückgewiesen.“

Wort für Wort
bahuśaḥ codayāmāsa
vielfach forderte er auf
bhartāraṃ mām anuvratām
mich, die dem Gatten treu ist
bhāryā bhava ramasya iti
'sei meine Gattin, erfreue dich' - so
pratyākhyāto dhruvaṃ mayā
wurde er stets von mir zurückgewiesen

so.ayaṃ māmanupasthānād vyaktaṃ nairāśyamāgataḥ | krodhamohasamāviṣṭo vyaktaṃ māṃ hantumudyataḥ ||

„Da ich mich ihm nicht hingegeben habe, ist er offenkundig in Verzweiflung geraten; von Zorn und Verblendung erfüllt, ist er nun offenkundig entschlossen, mich zu töten.“

Wort für Wort
saḥ ayaṃ mām anupasthānāt
er, weil ich mich ihm nicht hingegeben habe
vyaktaṃ nairāśyam āgataḥ
offenkundig in Verzweiflung geraten
krodhamohasamāviṣṭo
von Zorn und Verblendung erfüllt
vyaktaṃ māṃ hantum udyataḥ
offenkundig entschlossen, mich zu töten

atha vā tau naravyāghrau bhrātarau rāmalakṣmaṇau | mannimittamanāryeṇa samare.adya nipātitau ||

„Oder aber jene beiden Tiger unter den Männern, die Brüder Rāma und Lakṣmaṇa, sind meinetwegen heute von dem Unedlen in der Schlacht zu Fall gebracht worden -“

Wort für Wort
atha vā tau naravyāghrau
oder aber jene beiden Tiger unter den Männern
bhrātarau rāmalakṣmaṇau
die Brüder Rāma und Lakṣmaṇa
mannimittam anāryeṇa
meinetwegen von dem Unedlen
samare adya nipātitau
heute in der Schlacht zu Fall gebracht

bhairavo hi mahānnādo rākṣasānāṃ śruto mayā | bahūnāmiha hṛṣṭānāṃ tathā vikrośatāṃ priyam ||

„- denn ein furchtbares, großes Getöse der Rākṣasas habe ich gehört, vieler, die hier froh sind, und ebenso der freudig Rufenden.“

Wort für Wort
bhairavo hi mahān nādo
denn ein furchtbares, großes Getöse
rākṣasānāṃ śruto mayā
der Rākṣasas wurde von mir gehört
bahūnām iha hṛṣṭānām
vieler, die hier froh sind
tathā vikrośatāṃ priyam
und ebenso der freudig Rufenden

aho dhinmannimitto.ayaṃ vināśo rājaputrayoḥ | athavā putraśokena ahatvā rāmalakṣmaṇau || vidhamiṣyati māṃ raudro rākṣasaḥ pāpaniścayaḥ ||

„Ach, wehe, meinetwegen also ist dies der Untergang der beiden Königssöhne! Oder aber, ohne Rāma und Lakṣmaṇa getötet zu haben, wird mich, vom Kummer um den Sohn getrieben, dieser schreckliche Rākṣasa von bösem Entschluss vernichten.“

Wort für Wort
aho dhik mannimittaḥ ayam
ach, wehe, meinetwegen dies
vināśo rājaputrayoḥ
der Untergang der beiden Königssöhne
athavā putraśokena
oder aber vom Kummer um den Sohn
ahatvā rāmalakṣmaṇau
ohne Rāma und Lakṣmaṇa getötet zu haben
vidhamiṣyati māṃ raudro
wird mich der Schreckliche vernichten
rākṣasaḥ pāpaniścayaḥ
der Rākṣasa von bösem Entschluss

hanūmato hi tadvākyaṃ na kṛtaṃ kṣudrayā mayā ||

„Denn jenes Wort Hanumants habe ich Elende nicht befolgt -“

Wort für Wort
hanūmato hi tadvākyam
denn jenes Wort Hanumants
na kṛtaṃ kṣudrayā mayā
wurde nicht befolgt von mir Elender

yadyahaṃ tasya pṛṣṭhena tadāyāsamaninditā | nādyaivamanuśoceyaṃ bharturaṃkagatā satī ||

„- hätte ich, die Untadelige, damals die Mühe seines Rückens auf mich genommen, so würde ich heute nicht so klagen, sondern wäre bereits, treu, im Schoß meines Gatten.“

Wort für Wort
yadi ahaṃ tasya pṛṣṭhena
hätte ich auf seinem Rücken
tadā āyāsam aninditā
damals die Mühe, die Untadelige
na adya evam anuśoceyam
würde ich heute nicht so klagen
bhartuḥ aṃkagatā satī
im Schoß des Gatten, treu

manye tu hṛdayaṃ tasyāḥ kausalyāyāḥ phaliṣyati | ekaputrā yadā putraṃ vinaṣṭaṃ śroṣyate yudhi ||

„Doch ich denke, das Herz der Kausalyā wird zerspringen, wenn sie, die nur diesen einen Sohn hat, hört, dass ihr Sohn im Kampf zugrunde gegangen ist.“

Wort für Wort
manye tu hṛdayaṃ tasyāḥ
doch ich denke, ihr Herz
kausalyāyāḥ phaliṣyati
der Kausalyā wird zerspringen
ekaputrā yadā putraṃ
wenn sie, die nur einen Sohn hat, [dass] der Sohn
vinaṣṭaṃ śroṣyate yudhi
zugrunde gegangen, im Kampf hört

sā hi janma ca bālyaṃ ca yauvanaṃ ca mahātmanaḥ | dharmakāryāṇi rūpaṃ ca rudatī saṃsramiṣyati ||

„Denn sie wird weinend an die Geburt, die Kindheit und die Jugend des Hochgesinnten denken, an seine pflichtgemäßen Taten und seine Schönheit.“

Wort für Wort
sā hi janma ca bālyaṃ ca
denn sie [wird] an Geburt und Kindheit
yauvanaṃ ca mahātmanaḥ
und die Jugend des Hochgesinnten
dharmakāryāṇi rūpaṃ ca
an seine pflichtgemäßen Taten und Schönheit
rudatī saṃsramiṣyati
weinend sich erinnern

nirāśā nihate putre dattvā śrāddhamacetanā | agnimārokṣyate nūnamapo vāpi pravekṣyati ||

„Hoffnungslos, wenn der Sohn getötet ist, wird sie, nach Vollzug des Totenopfers, von Sinnen, gewiss ins Feuer steigen oder ins Wasser gehen.“

Wort für Wort
nirāśā nihate putre
hoffnungslos, wenn der Sohn getötet ist
dattvā śrāddham acetanā
nach Vollzug des Totenopfers, von Sinnen
agnim ārokṣyate nūnam
wird sie gewiss ins Feuer steigen
apo vā api pravekṣyati
oder auch ins Wasser gehen

dhigastu kubjāmasatīṃ mantharāṃ pāpaniścayām | yannimittamidaṃ duḥkhaṃ kausalyā pratipatsyate ||

„Verwünscht sei die buckelige, unredliche Mantharā von bösem Entschluss, um derentwillen Kausalyā dieses Leid erfahren wird!“

Wort für Wort
dhik astu kubjām asatīm
verwünscht sei die buckelige, unredliche
mantharāṃ pāpaniścayām
Mantharā von bösem Entschluss
yannimittam idaṃ duḥkham
um derentwillen dieses Leid
kausalyā pratipatsyate
Kausalyā erfahren wird

ityevaṃ maithilīṃ dṛṣṭvā vilapantīṃ tapasvinīm | rohiṇīmiva candreṇa vinā grahavaśaṃ gatām ||

Als sie so die Maithilī sahen, wie sie klagte, die Büßerin, gleich Rohiṇī, die ohne den Mond in die Gewalt eines Planeten geraten ist -

Wort für Wort
iti evaṃ maithilīṃ dṛṣṭvā
als sie so die Maithilī sahen
vilapantīṃ tapasvinīm
die klagende Büßerin
rohiṇīm iva candreṇa vinā
gleich Rohiṇī ohne den Mond
grahavaśaṃ gatām
in die Gewalt eines Planeten geraten

etasminnantare tasya amātyaḥ śīlavān śuciḥ | supārśvo nāma medhāvī rāvaṇaṃ rākṣaseśvaram || nivāryamāṇaḥ sacivairidaṃ vacanamabravīt ||

- da sprach in diesem Augenblick dessen Minister, der wohlgesittete, reine, kluge, namens Supārśva, während Rāvaṇa, der Rākṣasa-Herrscher, von den Ratgebern zurückgehalten wurde, diese Worte:

Wort für Wort
etasmin antare tasya
in diesem Augenblick dessen
amātyaḥ śīlavān śuciḥ
Minister, der wohlgesittete, reine
supārśvo nāma medhāvī
namens Supārśva, der Kluge
rāvaṇaṃ rākṣaseśvaram
zu Rāvaṇa, dem Rākṣasa-Herrscher
nivāryamāṇaḥ sacivaiḥ
während er von den Ratgebern zurückgehalten wurde
idaṃ vacanam abravīt
sprach er diese Worte

kathaṃ nāma daśagrīva sākṣādvaiśravaṇānuja || hantumicchasi vaidehīṃ krodhāddharmamapāsya hi ||

„Wie nur, o Zehnhalsiger, du leiblicher jüngerer Bruder des Vaiśravaṇa, willst du die Vaidehī töten, indem du aus Zorn das Dharma beiseiteschiebst?“

Wort für Wort
kathaṃ nāma daśagrīva
wie nur, o Zehnhalsiger
sākṣāt vaiśravaṇānuja
du leiblicher jüngerer Bruder des Vaiśravaṇa
hantum icchasi vaidehīm
willst du die Vaidehī töten
krodhāt dharmam apāsya hi
indem du aus Zorn das Dharma beiseiteschiebst

veda vidyāvrata snātaḥ svadharmanirataḥ sadā || striyāḥ kasmādvadhaṃ vīra manyase rākṣaseśvara ||

„Du, der in den Veden, im Wissen und in den Gelübden gebadet ist, stets deinem eigenen Dharma ergeben - warum, o Held, o Rākṣasa-Herrscher, erwägst du die Tötung einer Frau?“

Wort für Wort
veda vidyāvrata snātaḥ
in Veden, Wissen und Gelübden gebadet
svadharmanirataḥ sadā
stets dem eigenen Dharma ergeben
striyāḥ kasmāt vadhaṃ vīra
warum, o Held, die Tötung einer Frau
manyase rākṣaseśvara
erwägst du, o Rākṣasa-Herrscher

maithilīṃ rūpasampannāṃ pratyavekṣasva pārthiva || tasminneva sahāsmābhī rāghave krodhamutsṛja ||

„Blicke auf die schönheitsbegabte Maithilī, o Herrscher, und richte deinen Zorn zusammen mit uns allein gegen jenen Rāghava.“

Wort für Wort
maithilīṃ rūpasampannām
auf die schönheitsbegabte Maithilī
pratyavekṣasva pārthiva
blicke, o Herrscher
tasmin eva saha asmābhiḥ
gegen jenen allein zusammen mit uns
rāghave krodham utsṛja
richte deinen Zorn gegen Rāghava

abhyutthānaṃ tvamadyaiva kṛṣṇapakṣacaturdaśīm || kṛtvā niryāhyamāvāsyāṃ vijayāya balairvṛtaḥ ||

„Erhebe dich noch heute, am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, und ziehe am Neumondtag zum Sieg aus, umgeben von deinen Heeren.“

Wort für Wort
abhyutthānaṃ tvam adya eva
erhebe dich noch heute
kṛṣṇapakṣacaturdaśīm kṛtvā
am vierzehnten Tag der dunklen Hälfte
niryāhi amāvāsyāṃ vijayāya
ziehe am Neumondtag zum Sieg aus
balaiḥ vṛtaḥ
umgeben von den Heeren

śūro dhīmānrathī khaḍgī rathapravaramāsthitaḥ || hatvā dāśarathiṃ rāmaṃ bhavānprāpsyati maithilīm ||

„Tapfer, weise, ein Wagenkämpfer, mit Schwert bewaffnet, auf dem vortrefflichsten Wagen stehend, wirst du, nachdem du den Sohn des Daśaratha, Rāma, getötet hast, die Maithilī erlangen.“

Wort für Wort
śūro dhīmān rathī khaḍgī
tapfer, weise, Wagenkämpfer, mit Schwert
rathapravaram āsthitaḥ
auf dem vortrefflichsten Wagen stehend
hatvā dāśarathiṃ rāmam
nachdem du Rāma, den Sohn des Daśaratha, getötet hast
bhavān prāpsyati maithilīm
wirst du die Maithilī erlangen

sa taddurātmā suhṛdā niveditaṃ | vacaḥ sudharmyaṃ pratigṛhya rāvaṇaḥ | gṛhaṃ jagāmātha tataśca vīryavān | punaḥ sabhāṃ ca prayayau suhṛdvṛtaḥ ||

Jener Übelgesinnte, Rāvaṇa, nahm das von seinem Freund vorgetragene, der Rechtschaffenheit gemäße Wort an, ging dann in sein Haus, und darauf begab sich der Kraftvolle wieder in die Versammlungshalle, umgeben von seinen Freunden.

Wort für Wort
sa tat durātmā suhṛdā niveditam
er, der Übelgesinnte, [das] vom Freund Vorgetragene
vacaḥ sudharmyaṃ pratigṛhya rāvaṇaḥ
das rechtschaffene Wort annehmend, Rāvaṇa
gṛhaṃ jagāma atha tataḥ ca vīryavān
ging dann ins Haus, und darauf der Kraftvolle
punaḥ sabhāṃ ca prayayau suhṛdvṛtaḥ
begab sich wieder in die Versammlungshalle, umgeben von Freunden

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