Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 18: Vibhīṣaṇābhayapradānam Rāma gewährt Vibhīṣaṇa Sicherheit

atha rāmaḥ prasannātmā śrutvā vāyusutasya ha | pratyabhāṣata durdharṣaḥ śrutavānātmani sthitam ||1||

Da antwortete Rāma, heiteren Sinnes, unbezwingbar, nachdem er die Worte des Sohnes des Windes vernommen hatte - der Gelehrte, in sich selbst gefestigt.

Wort für Wort
atha rāmaḥ prasannātmā
da Rāma, heiteren Sinnes
śrutvā vāyusutasya ha
die Worte des Sohnes des Windes vernehmend
pratyabhāṣata durdharṣaḥ
antwortete der Unbezwingbare
śrutavān ātmani sthitam
der Gelehrte, in sich selbst gefestigt

mamāpi tu vivakṣāsti kācit prati vibhīṣaṇam | śrutamicchāmi tat sarvam bhavadbhiḥ śreyasi sthitaiḥ ||2||

Auch ich habe etwas zu sagen über Vibhīṣaṇa; ich möchte, dass ihr alle, die ihr im Guten steht, dies hört.

Wort für Wort
mama api tu vivakṣā asti kācit
auch ich habe etwas zu sagen
prati vibhīṣaṇam
über Vibhīṣaṇa
śrutam icchāmi tat sarvam
ich möchte, dass alles dies gehört wird
bhavadbhiḥ śreyasi sthitaiḥ
von euch, die ihr im Guten steht

mitrabhāvena samprāptam na tyajeyam kathaṃcana | doṣo yadyapi tasya syāt satāmetadagarhitam ||3||

Wer in freundschaftlicher Gesinnung zu mir gekommen ist, den würde ich unter keinen Umständen verstoßen; selbst wenn ein Fehler an ihm wäre, ist dies für die Guten kein Tadel.

Wort für Wort
mitrabhāvena samprāptam
wer in freundschaftlicher Gesinnung gekommen ist
na tyajeyam kathaṃcana
den würde ich unter keinen Umständen verstoßen
doṣaḥ yadi api tasya syāt
selbst wenn ein Fehler an ihm wäre
satām etat agarhitam
ist dies für die Guten kein Tadel

sugrīvastvatha tadvākyamābhāṣya ca vimṛśya ca | tataḥ śubhataram vākyamuvāca haripuṅgavaḥ ||4||

Sugrīva aber, nachdem er dieses Wort erwidert und überlegt hatte, sprach dann ein noch heilsameres Wort, der Stier unter den Affen.

Wort für Wort
sugrīvaḥ tu atha tat vākyam
Sugrīva aber dieses Wort
ābhāṣya ca vimṛśya ca
erwidernd und überlegend
tataḥ śubhataram vākyam uvāca
sprach dann ein noch heilsameres Wort
haripuṅgavaḥ
der Stier unter den Affen

suduṣṭo vāpyaduṣṭo vā kimmeṣa rajanīcaraḥ | īdṛśam vyasanam prāptam bhrātaram yaḥ parityajet ||5||

Ob dieser Nachtwandler nun sehr böse oder nicht böse ist, was macht das aus - er, der seinen Bruder verlassen hat, als dieser in solches Unglück geraten war?

Wort für Wort
suduṣṭaḥ vā api aduṣṭaḥ vā
ob nun sehr böse oder nicht böse
kim eṣa rajanīcaraḥ
was macht das bei diesem Nachtwandler aus
īdṛśam vyasanam prāptam
der in solches Unglück geraten ist
bhrātaram yaḥ parityajet
seinen Bruder, den er verlassen hat

vānarādhipaterVākyam śrutvā sarvānudīkṣya tu ||6||

Nachdem er das Wort des Herrn der Vānaras vernommen und alle angeblickt hatte,

Wort für Wort
vānarādhipateḥ vākyam
des Herrn der Vānaras Wort
śrutvā sarvān udīkṣya tu
vernehmend und alle anblickend

īṣadutsmayamānastu lakṣmaṇam puṇyalakṣaṇam | iti hovāca kākutthsaḥ vākyam satyaparākramaḥ ||7||

sprach der Kākutthsa, von wahrhaftiger Tapferkeit, leicht lächelnd zu Lakṣmaṇa, dem von glückverheißenden Merkmalen Gezeichneten, dieses Wort.

Wort für Wort
īṣadutsmayamānaḥ tu
leicht lächelnd aber
lakṣmaṇam puṇyalakṣaṇam
zu Lakṣmaṇa, dem glückverheißend Gezeichneten
iti ha uvāca kākutthsaḥ vākyam
so sprach der Kākutthsa dieses Wort
satyaparākramaḥ
von wahrhaftiger Tapferkeit

anadhītya ca śāstrāṇi vṛddhānanupasevya ca | na śakyamīdṛśam vaktum yaduvāca harīśvaraḥ ||8||

Ohne die Lehrbücher studiert und ohne den Alten gedient zu haben, könnte man nicht solches sprechen, wie es der Herr der Affen gesprochen hat.

Wort für Wort
anadhītya ca śāstrāṇi
ohne die Lehrbücher studiert zu haben
vṛddhān anupasevya ca
und ohne den Alten gedient zu haben
na śakyam īdṛśam vaktum
könnte man nicht solches sprechen
yat uvāca harīśvaraḥ
wie es der Herr der Affen gesprochen hat

asti sūkṣmataram kiṃcidyadatra pratibhāti mā | pratyakṣam laukikam cāpi vartate sarvarājasu ||9||

Es gibt etwas noch Feineres, das mir hierbei einfällt - auch das im täglichen Leben Offensichtliche gilt für alle Könige.

Wort für Wort
asti sūkṣmataram kiṃcit
es gibt etwas noch Feineres
yat atra pratibhāti mā
das mir hierbei einfällt
pratyakṣam laukikam ca api
auch das im täglichen Leben Offensichtliche
vartate sarvarājasu
gilt für alle Könige

amitrāstatkulīnāśca prātideśyāśca kīrtitāḥ | vyasaneṣu prahartārastasmādayamihāgataḥ ||10||

Feinde aus dem eigenen Geschlecht und aus Nachbarländern gelten als berühmt dafür, im Unglück zuzuschlagen - darum ist dieser hierher gekommen.

Wort für Wort
amitrāḥ tatkulīnāḥ ca
Feinde aus dem eigenen Geschlecht
prātideśyāḥ ca kīrtitāḥ
und aus Nachbarländern, so heißt es
vyasaneṣu prahartāraḥ
schlagen im Unglück zu
tasmāt ayam iha āgataḥ
darum ist dieser hierher gekommen

apāpāstatkulīnāśca mānayanti svakān hitān | eṣa prāyo narendrāṇām śaṅkanīyastu śobhanaḥ ||11||

Doch schuldlose Verwandte aus dem eigenen Geschlecht achten das Wohl der Ihrigen - dies ist meist bei Fürsten der Fall, auch wenn er verdächtig erscheinen mag, ein guter Mann.

Wort für Wort
apāpāḥ tatkulīnāḥ ca
schuldlose aus dem eigenen Geschlecht
mānayanti svakān hitān
achten das Wohl der Ihrigen
eṣa prāyaḥ narendrāṇām
dies ist meist bei Fürsten der Fall
śaṅkanīyaḥ tu śobhanaḥ
auch wenn verdächtig, ist er doch gut

yastu doṣastvayā prokto hyādāne ripubalasya ca | tatra te kīrtayiṣyāmi yathāśāstramidam śṛṇu ||12||

Was aber den Fehler betrifft, den du hinsichtlich der Aufnahme feindlicher Streitkraft genannt hast, so will ich dir dazu, gemäß der Lehre, sprechen - höre dies.

Wort für Wort
yaḥ tu doṣaḥ tvayā proktaḥ
der Fehler aber, den du genannt hast
ādāne ripubalasya ca
hinsichtlich der Aufnahme feindlicher Streitkraft
tatra te kīrtayiṣyāmi
dazu will ich dir sprechen
yathāśāstram idam śṛṇu
gemäß der Lehre, höre dies

na vayam tatkulīnāśca rājyakāṅkṣī ca rākṣasaḥ | paṇḍitā hi bhaviṣyanti tasmādgrāhyo vibhīṣaṇaḥ ||13||

Weder gehören wir zu jenem Geschlecht, noch ist dieser Rākṣasa, der nach dem Königtum strebt - Kluge werden dies erkennen; darum soll Vibhīṣaṇa aufgenommen werden.

Wort für Wort
na vayam tatkulīnāḥ ca
wir gehören nicht zu jenem Geschlecht
rājyakāṅkṣī ca rākṣasaḥ
und der Rākṣasa, der nach dem Königtum strebt
paṇḍitāḥ hi bhaviṣyanti
Kluge werden es erkennen
tasmāt grāhyaḥ vibhīṣaṇaḥ
darum soll Vibhīṣaṇa aufgenommen werden

avyagrāśca prahṛṣṭāśca na bhaviṣyanti saṃgatāḥ | praṇādaśca mahāneṣa tato.asya bhayamāgatam | iti bhedam gamiṣyanti tasmātproktaḥ vibhīṣaṇaḥ ||14||

Nicht ruhig und froh wären sie geblieben, wären sie mit Rāvaṇa vereint gewesen; auch dieser gewaltige Schlachtruf unseres Heeres - daher kam ihm die Furcht; so werden jene in Zwietracht geraten - darum, sage ich, ist Vibhīṣaṇa aufrichtig.

Wort für Wort
avyagrāḥ ca prahṛṣṭāḥ ca
ruhig und froh
na bhaviṣyanti saṃgatāḥ
wären sie nicht geblieben, wenn vereint
praṇādaḥ ca mahān eṣa
auch dieser gewaltige Schlachtruf
tataḥ asya bhayam āgatam
daher kam ihm die Furcht
iti bhedam gamiṣyanti
so werden sie in Zwietracht geraten
tasmāt proktaḥ vibhīṣaṇaḥ
darum, sage ich, ist Vibhīṣaṇa aufrichtig

na sarve bhrātarastāta bhavanti bharatopamāḥ | madvidhā vā pituḥ putrāḥ suhṛdo vā bhavadvidhāḥ ||15||

Nicht alle Brüder, mein Lieber, sind dem Bharata gleich, noch sind alle Söhne des Vaters wie ich, noch alle Freunde wie du.

Wort für Wort
na sarve bhrātaraḥ tāta
nicht alle Brüder, mein Lieber
bhavanti bharatopamāḥ
sind dem Bharata gleich
madvidhāḥ vā pituḥ putrāḥ
noch sind alle Söhne des Vaters wie ich
suhṛdaḥ vā bhavadvidhāḥ
noch alle Freunde wie du

evamuktastu rāmeṇa sugrīvaḥ sahalakṣmaṇaḥ | utthāya tam mahāprājñaḥ praṇato vākyamabravīt ||16||

So von Rāma angesprochen, erhob sich der hochweise Sugrīva vor Lakṣmaṇa, verneigte sich und sprach zu ihm ein Wort.

Wort für Wort
evam uktaḥ tu rāmeṇa
so von Rāma angesprochen
sugrīvaḥ saha lakṣmaṇaḥ
Sugrīva vor Lakṣmaṇa
utthāya tam mahāprājñaḥ
sich erhebend, der Hochweise, zu ihm
praṇataḥ vākyam abravīt
verneigt sprach er ein Wort

rāvaṇena praṇihitam tamavehi niśācaram | tasyāham nigraham manye kṣamam kṣamavatām vara ||17||

Halte diesen Nachtwandler für einen von Rāvaṇa entsandten Kundschafter; seine Gefangennahme, denke ich, wäre angemessen, o Bester der Geduldigen.

Wort für Wort
rāvaṇena praṇihitam
von Rāvaṇa entsandt
tam avehi niśācaram
halte diesen Nachtwandler dafür
tasya aham nigraham manye
seine Gefangennahme, denke ich
kṣamam kṣamavatām vara
wäre angemessen, o Bester der Geduldigen

rākṣaso jihmayā buddhyā saṃdiṣṭo.ayam ihāgataḥ | prahartum tvayi viśvaste viśvaste mayi vānagha ||18||

Dieser Rākṣasa ist mit hinterlistiger Absicht hierher entsandt worden, um zuzuschlagen, sobald du mir vertraust, o Schuldloser,

Wort für Wort
rākṣasaḥ jihmayā buddhyā
der Rākṣasa mit hinterlistiger Absicht
saṃdiṣṭaḥ ayam iha āgataḥ
entsandt ist er hierher gekommen
prahartum tvayi viśvaste
um zuzuschlagen, sobald du vertraust
viśvaste mayi vā anagha
oder sobald ich vertraue, o Schuldloser

lakṣmaṇe vā mahābāho sa badhyaḥ sacivaiḥ saha | rāvaṇasya nṛśaṃsasya bhrātā hyeṣa vibhīṣaṇaḥ ||19||

oder Lakṣmaṇa vertraut, o Starkarmiger - er soll samt seinen Gefährten getötet werden; ist er doch der Bruder des grausamen Rāvaṇa, dieser Vibhīṣaṇa.

Wort für Wort
lakṣmaṇe vā mahābāho
oder bei Lakṣmaṇa, o Starkarmiger
sa badhyaḥ sacivaiḥ saha
er soll samt seinen Gefährten getötet werden
rāvaṇasya nṛśaṃsasya bhrātā
der Bruder des grausamen Rāvaṇa
hi eṣa vibhīṣaṇaḥ
ist ja dieser Vibhīṣaṇa

evamuktvā raghuśreṣṭham sugrīvo vāhinīpatiḥ | vākyajño vākyakuśalam tato maunamupāgamat ||20||

Nachdem er dies zum Besten der Raghus gesprochen hatte, verfiel Sugrīva, der redekundige Heerführer, vor dem Redegewandten dann in Schweigen.

Wort für Wort
evam uktvā raghuśreṣṭham
dies zum Besten der Raghus gesprochen habend
sugrīvaḥ vāhinīpatiḥ vākyajñaḥ
Sugrīva, der redekundige Heerführer
vākyakuśalam
zu dem Redegewandten
tataḥ maunam upāgamat
verfiel dann in Schweigen

sa sugrīvasya tadvākyam rāmaḥ śrutvā vimṛśya ca | tataḥ śubhataram vākyamuvāca haripuṅgavam ||21||

Rāma, nachdem er Sugrīvas Wort vernommen und überlegt hatte, sprach dann ein noch heilsameres Wort zu dem Stier unter den Affen.

Wort für Wort
sa sugrīvasya tat vākyam
Sugrīvas Wort
rāmaḥ śrutvā vimṛśya ca
Rāma vernehmend und überlegend
tataḥ śubhataram vākyam uvāca
sprach dann ein noch heilsameres Wort
haripuṅgavam
zu dem Stier unter den Affen

suduṣṭo vāpyaduṣṭo vā kimeṣa rajanīcaraḥ | sūkṣmamapyahitam kartum mamāśaktaḥ kathaṃcana ||22||

Ob dieser Nachtwandler nun sehr böse oder nicht böse ist, was macht das aus - er ist unter keinen Umständen imstande, mir auch nur das Geringste an Schaden zuzufügen.

Wort für Wort
suduṣṭaḥ vā api aduṣṭaḥ vā
ob nun sehr böse oder nicht böse
kim eṣa rajanīcaraḥ
was macht das bei diesem Nachtwandler aus
sūkṣmam api ahitam kartum
auch nur das Geringste an Schaden zuzufügen
mama aśaktaḥ kathaṃcana
ist er mir gegenüber unter keinen Umständen imstande

piśācān dānavān yakṣān pṛthivyām caiva rākṣasān | aṅgulyagreṇa tān hanyāmicchan harigaṇeśvara ||23||

Piśācas, Dānavas, Yakṣas und auf Erden auch die Rākṣasas könnte ich, wollte ich, mit der Spitze meines Fingers erschlagen, o Herr der Affenschar.

Wort für Wort
piśācān dānavān yakṣān
Piśācas, Dānavas, Yakṣas
pṛthivyām ca eva rākṣasān
und auf Erden auch die Rākṣasas
aṅgulyagreṇa tān hanyām
könnte ich mit der Fingerspitze erschlagen
icchan harigaṇeśvara
wollte ich es, o Herr der Affenschar

śrūyate hi kapotena śatruḥ śaraṇamāgataḥ | arcitaśca yathānyāyam svaiśca māṃsairnimantritaḥ ||24||

Man erzählt, dass von einer Taube ein Feind, der zu ihr um Zuflucht kam, geehrt wurde, wie es sich gebührt, und mit ihrem eigenen Fleisch bewirtet wurde.

Wort für Wort
śrūyate hi kapotena
man erzählt nämlich von einer Taube
śatruḥ śaraṇam āgataḥ
dass ein Feind, der Zuflucht suchte
arcitaḥ ca yathānyāyam
geehrt wurde, wie es sich gebührt
svaiḥ ca māṃsaiḥ nimantritaḥ
und mit ihrem eigenen Fleisch bewirtet wurde

sa hi tam pratijagrāha bhāryāhartāramāgatam | kapoto vānaraśreṣṭha kim punarmadvidho janaḥ ||25||

Denn diese Taube nahm sogar den auf, der gekommen war, um seine Gattin zu rauben - wie sollte da erst ein Mensch wie ich handeln, o Bester der Vānaras?

Wort für Wort
sa hi tam pratijagrāha
sie nahm ihn auf
bhāryāhartāram āgatam
der gekommen war, um die Gattin zu rauben
kapotaḥ vānaraśreṣṭha
die Taube, o Bester der Vānaras
kim punaḥ madvidhaḥ janaḥ
wie erst ein Mensch wie ich

ṛṣeḥ kaṇvasya putreṇa kaṇḍunā paramarṣiṇā | śṛṇu gāthām purā gītām dharmiṣṭhām satyavādinā ||26||

Höre den Vers, den einst der Sohn des Weisen Kaṇva, Kaṇḍu, der höchste Seher, wahrheitsliebend, sang, ein Vers, der der Rechtschaffenheit gewidmet ist.

Wort für Wort
ṛṣeḥ kaṇvasya putreṇa
vom Sohn des Weisen Kaṇva
kaṇḍunā paramarṣiṇā
von Kaṇḍu, dem höchsten Seher
śṛṇu gāthām purā gītām
höre den einst gesungenen Vers
dharmiṣṭhām satyavādinā
der Rechtschaffenheit gewidmet, vom Wahrheitsliebenden

baddhāñjaliputam dīnam yācantam śaraṇāgatam | na hanyādānṛśaṃsyārtham api śatrum parantapa ||27||

Man töte nicht, um der Güte willen, selbst einen Feind, der mit gefalteten Händen demütig bittet und Zuflucht sucht, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
baddhāñjaliputam dīnam
mit gefalteten Händen, demütig
yācantam śaraṇāgatam
bittend, Zuflucht suchend
na hanyāt ānṛśaṃsyārtham
man töte nicht, um der Güte willen
api śatrum parantapa
selbst einen Feind, o Bezwinger der Feinde

arto vā yadi vā dṛptaḥ pareṣām śaraṇam gataḥ | ariḥ prāṇān parityajya rakṣitavyaḥ kṛtātmanā ||28||

Sei er nun leidend oder hochmütig - wer zu einem anderen um Zuflucht gekommen ist, selbst ein Feind, muss von einem Mann von gefestigtem Charakter beschützt werden, notfalls unter Aufgabe des eigenen Lebens.

Wort für Wort
artaḥ vā yadi vā dṛptaḥ
sei er nun leidend oder hochmütig
pareṣām śaraṇam gataḥ
wer zu anderen um Zuflucht gekommen ist
ariḥ prāṇān parityajya
selbst ein Feind, unter Aufgabe des Lebens
rakṣitavyaḥ kṛtātmanā
muss beschützt werden von einem gefestigten Charakter

sa ced bhayādvā mohādvā kāmādvāapi na rakṣati | svayā śaktyā yathātattvam tatpāpam lokagarhitam ||29||

Wenn er ihn aber aus Furcht, Verblendung oder Begierde nicht beschützt, so weit es in seiner Macht steht, wahrhaft, so ist das eine Sünde, die von der Welt getadelt wird.

Wort für Wort
sa cet bhayāt vā mohāt vā
wenn er aber aus Furcht oder Verblendung
kāmāt vā api na rakṣati
oder aus Begierde nicht beschützt
svayā śaktyā yathātattvam
so weit es wahrhaft in seiner Macht steht
tat pāpam lokagarhitam
das ist eine von der Welt getadelte Sünde

vinaṣṭaḥ paśyatastasya rakṣiṇaḥ śaraṇāgataḥ | ādāya sukṛtam tasya sarvam gacchedarakṣitaḥ ||30||

Geht der Schutzsuchende vor den Augen dessen, der ihn beschützen sollte, unbeschützt zugrunde, so nimmt er all sein gutes Karma mit sich fort.

Wort für Wort
vinaṣṭaḥ paśyataḥ tasya rakṣiṇaḥ
zugrunde gehend vor den Augen dessen, der beschützen sollte
śaraṇāgataḥ
der Schutzsuchende
ādāya sukṛtam tasya sarvam
all sein gutes Karma mit sich nehmend
gacchet arakṣitaḥ
geht er fort, unbeschützt

evam doṣo mahānatra prapannānāmarakṣaṇe | asvargyam cāyaśasyam ca balavīryavināśanam ||31||

So ist der Fehler groß, wenn man die, die Zuflucht gesucht haben, nicht beschützt - es verwehrt den Himmel, bringt Schande und zerstört Kraft und Heldenmut.

Wort für Wort
evam doṣaḥ mahān atra
so ist der Fehler hierbei groß
prapannānām arakṣaṇe
wenn man die Zufluchtsuchenden nicht beschützt
asvargyam ca ayaśasyam ca
es verwehrt den Himmel und bringt Schande
balavīryavināśanam
und zerstört Kraft und Heldenmut

kariṣyāmi yathārtham tu kaṇḍorvacanamuttamam | dharmiṣṭham ca yaśasyam ca svargyam syāt tu phalodaye ||32||

Ich werde dem sinngemäß entsprechend handeln, wie Kaṇḍus vortreffliches Wort es gebietet - rechtschaffen und ruhmreich, und himmlisch werde die Frucht sein, die daraus erwächst.

Wort für Wort
kariṣyāmi yathārtham tu
ich werde sinngemäß entsprechend handeln
kaṇḍoḥ vacanam uttamam
wie Kaṇḍus vortreffliches Wort
dharmiṣṭham ca yaśasyam ca
rechtschaffen und ruhmreich
svargyam syāt tu phalodaye
und himmlisch werde die Frucht sein, die daraus erwächst

sakṛdeva prapannāya tavāsmīti ca yācate | abhayam sarvabhūtebhyo dadāmyetadvratam mama ||33||

Wer auch nur einmal Zuflucht sucht und sagt 'Ich bin dein', dem gewähre ich Sicherheit vor allen Wesen - dies ist mein Gelübde.

Wort für Wort
sakṛt eva prapannāya
wer nur einmal Zuflucht gesucht hat
tava asmi iti ca yācate
und bittet 'Ich bin dein'
abhayam sarvabhūtebhyaḥ dadāmi
dem gewähre ich Sicherheit vor allen Wesen
etat vratam mama
dies ist mein Gelübde

ānayainam hariśreṣṭha dattamasyābhayam mayā | vibhīṣaṇo vā sugrīva yadi vā rāvaṇaḥ svayam ||34||

Bringe ihn her, Bester der Affen; Sicherheit ist ihm von mir gewährt, sei es Vibhīṣaṇa, Sugrīva, oder wäre es Rāvaṇa selbst.

Wort für Wort
ānaya enam hariśreṣṭha
bringe ihn her, Bester der Affen
dattam asya abhayam mayā
gewährt ist ihm Sicherheit von mir
vibhīṣaṇaḥ vā sugrīva
sei es Vibhīṣaṇa, Sugrīva
yadi vā rāvaṇaḥ svayam
oder wäre es Rāvaṇa selbst

rāmasya vacanam śrutvā sugrīvaḥ plavageśvaraḥ | pratyabhāṣata kākutstham sauhārdenābhicoditaḥ ||35||

Als Sugrīva, der Herr der Affen, Rāmas Wort vernommen hatte, antwortete er dem Kākutthsa, von Freundschaft bewegt.

Wort für Wort
rāmasya vacanam śrutvā
Rāmas Wort vernehmend
sugrīvaḥ plavageśvaraḥ
Sugrīva, der Herr der Affen
pratyabhāṣata kākutstham
antwortete dem Kākutthsa
sauhārdena abhicoditaḥ
von Freundschaft bewegt

kimatra citram dharmajña lokanātha śikhāmaṇe | yattvamāryam prabhāṣethāḥ sattvavān satpathe sthitaḥ ||36||

Was ist daran verwunderlich, o Kenner des Rechts, Herr der Welten, Kleinod unter den Kronen, dass du, edel und auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend, so Edles sprichst?

Wort für Wort
kim atra citram dharmajña
was ist daran verwunderlich, o Kenner des Rechts
lokanātha śikhāmaṇe
Herr der Welten, Kleinod unter den Kronen
yat tvam āryam prabhāṣethāḥ
dass du Edles sprichst
sattvavān satpathe sthitaḥ
edel und auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend

mama cāpyantarātmāyam śuddhim vetti vibhīṣaṇam | anumānācca bhāvācca sarvataḥ suparīkṣitaḥ ||37||

Auch mein eigenes Herz erkennt die Lauterkeit Vibhīṣaṇas - durch Schlussfolgerung wie durch Gesinnung ist er von allen Seiten wohl geprüft.

Wort für Wort
mama ca api antarātmā ayam
auch mein eigenes Herz
śuddhim vetti vibhīṣaṇam
erkennt die Lauterkeit Vibhīṣaṇas
anumānāt ca bhāvāt ca
durch Schlussfolgerung wie durch Gesinnung
sarvataḥ suparīkṣitaḥ
von allen Seiten wohl geprüft

tasmātkṣipram sahāsmābhistulyo bhavatu rāghava | vibhīṣaṇo mahāprājñaḥ sakhitvam cābhyupaitu naḥ ||38||

Darum, o Rāghava, möge Vibhīṣaṇa, der Hochweise, rasch uns gleichgestellt werden und unsere Freundschaft annehmen.

Wort für Wort
tasmāt kṣipram saha asmābhiḥ
darum rasch mit uns
tulyaḥ bhavatu rāghava
möge er gleichgestellt werden, o Rāghava
vibhīṣaṇaḥ mahāprājñaḥ
Vibhīṣaṇa, der Hochweise
sakhitvam ca abhyupaitu naḥ
und unsere Freundschaft annehmen

tatastu sugrīvavaco niśamya | hariīśvareṇābhihitam narēśvaraḥ | vibhīṣaṇenāśu jagāma saṃgamam | patatrirājena yathā puraṃdaraḥ ||39||

Nachdem er Sugrīvas Wort vernommen hatte, das vom Herrn der Affen gesprochen war, ging der Herr der Menschen alsbald zur Begegnung mit Vibhīṣaṇa, wie einst Puraṃdara mit dem König der Vögel.

Wort für Wort
tataḥ tu sugrīvavacaḥ niśamya
dieses Wort Sugrīvas vernehmend
hariīśvareṇa abhihitam narēśvaraḥ
der Herr der Menschen, vom Herrn der Affen gesprochen
vibhīṣaṇena āśu jagāma saṃgamam
ging alsbald zur Begegnung mit Vibhīṣaṇa
patatrirājena yathā puraṃdaraḥ
wie Puraṃdara mit dem König der Vögel

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