Da antwortete Rāma, heiteren Sinnes, unbezwingbar, nachdem er die Worte des Sohnes des Windes vernommen hatte - der Gelehrte, in sich selbst gefestigt.
Wer in freundschaftlicher Gesinnung zu mir gekommen ist, den würde ich unter keinen Umständen verstoßen; selbst wenn ein Fehler an ihm wäre, ist dies für die Guten kein Tadel.
Ob dieser Nachtwandler nun sehr böse oder nicht böse ist, was macht das aus - er, der seinen Bruder verlassen hat, als dieser in solches Unglück geraten war?
Doch schuldlose Verwandte aus dem eigenen Geschlecht achten das Wohl der Ihrigen - dies ist meist bei Fürsten der Fall, auch wenn er verdächtig erscheinen mag, ein guter Mann.
yastu doṣastvayā prokto hyādāne ripubalasya ca |
tatra te kīrtayiṣyāmi yathāśāstramidam śṛṇu ||12||
Was aber den Fehler betrifft, den du hinsichtlich der Aufnahme feindlicher Streitkraft genannt hast, so will ich dir dazu, gemäß der Lehre, sprechen - höre dies.
na vayam tatkulīnāśca rājyakāṅkṣī ca rākṣasaḥ |
paṇḍitā hi bhaviṣyanti tasmādgrāhyo vibhīṣaṇaḥ ||13||
Weder gehören wir zu jenem Geschlecht, noch ist dieser Rākṣasa, der nach dem Königtum strebt - Kluge werden dies erkennen; darum soll Vibhīṣaṇa aufgenommen werden.
Nicht ruhig und froh wären sie geblieben, wären sie mit Rāvaṇa vereint gewesen; auch dieser gewaltige Schlachtruf unseres Heeres - daher kam ihm die Furcht; so werden jene in Zwietracht geraten - darum, sage ich, ist Vibhīṣaṇa aufrichtig.
Ob dieser Nachtwandler nun sehr böse oder nicht böse ist, was macht das aus - er ist unter keinen Umständen imstande, mir auch nur das Geringste an Schaden zuzufügen.
Wort für Wort
suduṣṭaḥ vā api aduṣṭaḥ vā
ob nun sehr böse oder nicht böse
kim eṣa rajanīcaraḥ
was macht das bei diesem Nachtwandler aus
sūkṣmam api ahitam kartum
auch nur das Geringste an Schaden zuzufügen
mama aśaktaḥ kathaṃcana
ist er mir gegenüber unter keinen Umständen imstande
Man erzählt, dass von einer Taube ein Feind, der zu ihr um Zuflucht kam, geehrt wurde, wie es sich gebührt, und mit ihrem eigenen Fleisch bewirtet wurde.
sa hi tam pratijagrāha bhāryāhartāramāgatam |
kapoto vānaraśreṣṭha kim punarmadvidho janaḥ ||25||
Denn diese Taube nahm sogar den auf, der gekommen war, um seine Gattin zu rauben - wie sollte da erst ein Mensch wie ich handeln, o Bester der Vānaras?
Höre den Vers, den einst der Sohn des Weisen Kaṇva, Kaṇḍu, der höchste Seher, wahrheitsliebend, sang, ein Vers, der der Rechtschaffenheit gewidmet ist.
Wort für Wort
ṛṣeḥ kaṇvasya putreṇa
vom Sohn des Weisen Kaṇva
kaṇḍunā paramarṣiṇā
von Kaṇḍu, dem höchsten Seher
śṛṇu gāthām purā gītām
höre den einst gesungenen Vers
dharmiṣṭhām satyavādinā
der Rechtschaffenheit gewidmet, vom Wahrheitsliebenden
Sei er nun leidend oder hochmütig - wer zu einem anderen um Zuflucht gekommen ist, selbst ein Feind, muss von einem Mann von gefestigtem Charakter beschützt werden, notfalls unter Aufgabe des eigenen Lebens.
Wort für Wort
artaḥ vā yadi vā dṛptaḥ
sei er nun leidend oder hochmütig
pareṣām śaraṇam gataḥ
wer zu anderen um Zuflucht gekommen ist
ariḥ prāṇān parityajya
selbst ein Feind, unter Aufgabe des Lebens
rakṣitavyaḥ kṛtātmanā
muss beschützt werden von einem gefestigten Charakter
sa ced bhayādvā mohādvā kāmādvāapi na rakṣati |
svayā śaktyā yathātattvam tatpāpam lokagarhitam ||29||
Wenn er ihn aber aus Furcht, Verblendung oder Begierde nicht beschützt, so weit es in seiner Macht steht, wahrhaft, so ist das eine Sünde, die von der Welt getadelt wird.
evam doṣo mahānatra prapannānāmarakṣaṇe |
asvargyam cāyaśasyam ca balavīryavināśanam ||31||
So ist der Fehler groß, wenn man die, die Zuflucht gesucht haben, nicht beschützt - es verwehrt den Himmel, bringt Schande und zerstört Kraft und Heldenmut.
kariṣyāmi yathārtham tu kaṇḍorvacanamuttamam |
dharmiṣṭham ca yaśasyam ca svargyam syāt tu phalodaye ||32||
Ich werde dem sinngemäß entsprechend handeln, wie Kaṇḍus vortreffliches Wort es gebietet - rechtschaffen und ruhmreich, und himmlisch werde die Frucht sein, die daraus erwächst.
Wort für Wort
kariṣyāmi yathārtham tu
ich werde sinngemäß entsprechend handeln
kaṇḍoḥ vacanam uttamam
wie Kaṇḍus vortreffliches Wort
dharmiṣṭham ca yaśasyam ca
rechtschaffen und ruhmreich
svargyam syāt tu phalodaye
und himmlisch werde die Frucht sein, die daraus erwächst
Was ist daran verwunderlich, o Kenner des Rechts, Herr der Welten, Kleinod unter den Kronen, dass du, edel und auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend, so Edles sprichst?
Wort für Wort
kim atra citram dharmajña
was ist daran verwunderlich, o Kenner des Rechts
lokanātha śikhāmaṇe
Herr der Welten, Kleinod unter den Kronen
yat tvam āryam prabhāṣethāḥ
dass du Edles sprichst
sattvavān satpathe sthitaḥ
edel und auf dem Pfad der Rechtschaffenheit stehend
Nachdem er Sugrīvas Wort vernommen hatte, das vom Herrn der Affen gesprochen war, ging der Herr der Menschen alsbald zur Begegnung mit Vibhīṣaṇa, wie einst Puraṃdara mit dem König der Vögel.
Wort für Wort
tataḥ tu sugrīvavacaḥ niśamya
dieses Wort Sugrīvas vernehmend
hariīśvareṇa abhihitam narēśvaraḥ
der Herr der Menschen, vom Herrn der Affen gesprochen