Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 114: Sītā-Darśanam Das Wiedersehen mit Sītā

tamuvāca mahāprajñamabhigamya plavaṅgamaḥ | rāmaṃ vacanamarthajño varaṃ sarvadhanuṣmatām ||

Zu jenem hochweisen Rāma, dem Besten aller Bogenkämpfer, trat der Vānara, der des Wortsinns Kundige, heran und sprach:

Wort für Wort
tam uvāca mahāprajñam
zu jenem hochweisen sprach er
abhigamya plavaṅgamaḥ
der Vānara herantretend
rāmaṃ vacanam arthajño
zu Rāma, der Redekundige
varaṃ sarvadhanuṣmatām
zu dem Besten aller Bogenkämpfer

yannimitto.ayamārambhaḥ karmaṇāṃ ca phalodayaḥ | tāṃ devīṃ śokasantaptāṃ maithilīṃ draṣṭumarhasi ||

"Um derentwillen dieses Unternehmen begonnen wurde und die Frucht der Taten entstand, jene von Kummer verzehrte Herrin Maithilī sollst du sehen.

Wort für Wort
yannimittaḥ ayam ārambhaḥ
um derentwillen dieses Unternehmen
karmaṇāṃ ca phalodayaḥ
und die Frucht der Taten entstand
tāṃ devīṃ śokasantaptāṃ
jene von Kummer verzehrte Herrin
maithilīṃ draṣṭum arhasi
Maithilī sollst du sehen

sā hi śokasamāviṣṭā bāṣpaparyākulekṣaṇā | maithilī vijayaṃ śrutvā tava harṣamupāgamat ||

Denn sie, von Kummer erfasst, die Augen von Tränen umflort, Maithilī, geriet, als sie von deinem Sieg vernahm, in Freude.

Wort für Wort
sā hi śokasamāviṣṭā
denn sie, von Kummer erfasst
bāṣpaparyākulekṣaṇā
die Augen von Tränen umflort
maithilī vijayaṃ śrutvā
Maithilī, als sie von deinem Sieg vernahm
tava harṣam upāgamat
geriet in Freude über dich

pūrvakātpratyayāccāhamukto viśvastayā tayā | bhartāraṃ draṣṭumicchāmi kṛtārthaṃ sahalakṣmaṇam ||

Aufgrund des früheren Vertrauens wurde ich von ihr, der Zuversichtlichen, entlassen mit den Worten: 'Ich möchte meinen Gatten sehen, der sein Ziel erreicht hat, samt Lakṣmaṇa.'"

Wort für Wort
pūrvakāt pratyayāt ca
und aufgrund des früheren Vertrauens
aham uktaḥ viśvastayā tayā
wurde ich von ihr, der Zuversichtlichen, angesprochen
bhartāraṃ draṣṭum icchāmi
ich möchte meinen Gatten sehen
kṛtārthaṃ sahalakṣmaṇam
der sein Ziel erreicht hat, samt Lakṣmaṇa

evamukto hanumatā rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ | agacchatsahasā dhyānamāsīdbāṣpapariplutaḥ ||

So von Hanumant angesprochen, verfiel Rāma, der Beste der Rechtschaffenen, plötzlich in Nachdenken und war von Tränen überströmt.

Wort für Wort
evam uktaḥ hanumatā
so von Hanumant angesprochen
rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ
Rāma, der Beste der Rechtschaffenen
agacchat sahasā dhyānam
verfiel plötzlich in Nachdenken
āsīt bāṣpapariplutaḥ
war von Tränen überströmt

dīrghamuṣṇaṃ ca niśvasya medinīm avalokayan | uvāca meghasaṅkāśaṃ vibhīṣaṇamupasthitam ||

Lang und heiß aufseufzend, auf die Erde blickend, sprach er zu dem wolkendunklen Vibhīṣaṇa, der herangetreten war:

Wort für Wort
dīrgham uṣṇaṃ ca niśvasya
lang und heiß aufseufzend
medinīm avalokayan
auf die Erde blickend
uvāca meghasaṅkāśaṃ
sprach er zu dem wolkendunklen
vibhīṣaṇam upasthitam
zu Vibhīṣaṇa, der herangetreten war

divyāṅgarāgāṃ vaidehīṃ divyābharaṇabhūṣitām | iha sītāṃ śiraḥsnātāmupasthāpaya māciram ||

"Bring hierher, ohne Verzug, die Vaidehī, Sītā, mit himmlischer Salbe gesalbt, mit himmlischem Geschmeide geschmückt, nach vollzogenem Kopfbad."

Wort für Wort
divyāṅgarāgāṃ vaidehīṃ
die Vaidehī, mit himmlischer Salbe gesalbt
divyābharaṇabhūṣitām
mit himmlischem Geschmeide geschmückt
iha sītāṃ śiraḥsnātām
hierher Sītā, nach vollzogenem Kopfbad
upasthāpaya mā ciram
bring sie, ohne Verzug

evamuktastu rāmeṇa tvaramāṇo vibhīṣaṇaḥ | praviśyāntaḥpuraṃ sītāṃ strībhiḥ svābhiracodayat ||

So von Rāma angesprochen, eilte Vibhīṣaṇa, betrat das innere Gemach und ließ Sītā durch seine eigenen Frauen anweisen.

Wort für Wort
evam uktaḥ tu rāmeṇa
so aber von Rāma angesprochen
tvaramāṇo vibhīṣaṇaḥ
eilend Vibhīṣaṇa
praviśya antaḥpuraṃ
das innere Gemach betretend
sītāṃ strībhiḥ svābhiḥ acodayat
ließ Sītā durch seine eigenen Frauen anweisen

tataḥ sītāṃ mahābhāgāṃ dṛṣṭvovāca vibhīṣaṇaḥ | mūrdhni baddhāñjaliḥ śrīmānvinīto rākṣaseśvaraḥ ||

Dann, als er die hochgesegnete Sītā erblickte, sprach Vibhīṣaṇa, der Herr der Rākṣasas, glanzvoll und wohlerzogen, mit über dem Haupt gefalteten Händen:

Wort für Wort
tataḥ sītāṃ mahābhāgāṃ
dann Sītā, die hochgesegnete
dṛṣṭvā uvāca vibhīṣaṇaḥ
als er sie erblickte, sprach Vibhīṣaṇa
mūrdhni baddhāñjaliḥ
mit über dem Haupt gefalteten Händen
śrīmān vinīto rākṣaseśvaraḥ
glanzvoll und wohlerzogen, der Herr der Rākṣasas

divyāṅgarāgā vaidehī divyābharaṇabhūṣitā | yānamāroha bhadraṃ te bhartā tvāṃ draṣṭumicchati ||

"Vaidehī, mit himmlischer Salbe gesalbt, mit himmlischem Geschmeide geschmückt, besteige die Sänfte, Heil dir; dein Gatte wünscht dich zu sehen."

Wort für Wort
divyāṅgarāgā vaidehī
Vaidehī, mit himmlischer Salbe gesalbt
divyābharaṇabhūṣitā
mit himmlischem Geschmeide geschmückt
yānam āroha bhadraṃ te
besteige die Sänfte, Heil dir
bhartā tvāṃ draṣṭum icchati
dein Gatte wünscht dich zu sehen

evamuktā tu vaidehī pratyuvāca vibhīṣaṇam | asnātā draṣṭumicchāmi bhartāraṃ rākṣasādhipa ||

So angesprochen, erwiderte die Vaidehī Vibhīṣaṇa: "Ungebadet möchte ich meinen Gatten sehen, Herr der Rākṣasas."

Wort für Wort
evam uktā tu vaidehī
so aber angesprochen, die Vaidehī
pratyuvāca vibhīṣaṇam
erwiderte Vibhīṣaṇa
asnātā draṣṭum icchāmi
ungebadet möchte ich sehen
bhartāraṃ rākṣasādhipa
meinen Gatten, Herr der Rākṣasas

tasyāstadvacanaṃ śrutvā pratyuvāca vibhīṣaṇaḥ | yathāhaṃ rāmo bhartā te tattathā kartumarhasi ||

Nachdem er jenes ihr Wort vernommen hatte, erwiderte Vibhīṣaṇa: "Wie es dein Gatte Rāma wünscht, so sollst du es tun."

Wort für Wort
tasyāḥ tat vacanaṃ śrutvā
nachdem er jenes ihr Wort vernommen hatte
pratyuvāca vibhīṣaṇaḥ
erwiderte Vibhīṣaṇa
yathā ahaṃ rāmo bhartā te
wie dein Gatte Rāma es wünscht
tat tathā kartum arhasi
so sollst du es tun

tasya tadvacanaṃ śrutvā maithilī bhrātṛdevatā | bhartṛbhaktivratā sādhvī tatheti pratyabhāṣata ||

Nachdem sie jenes sein Wort vernommen hatte, sagte Maithilī, die den Bruder wie eine Gottheit ehrte, die dem Gatten treu ergebene Tugendhafte: "So sei es."

Wort für Wort
tasya tat vacanaṃ śrutvā
nachdem sie jenes sein Wort vernommen hatte
maithilī bhrātṛdevatā
Maithilī, die den Bruder wie eine Gottheit ehrte
bhartṛbhaktivratā sādhvī
die dem Gatten treu ergebene Tugendhafte
tathā iti pratyabhāṣata
sagte: so sei es

tataḥ sītāṃ śiraḥsnātāṃ yuvatībhiralaṅkṛtām | mahārhābharaṇopetāṃ mahārhāmbaradhāriṇīm | āropya śibikāṃ dīptāṃ parārdhyāmbarasaṃvṛtām | rakṣobhirbahubhirguptāmājahāra vibhīṣaṇaḥ ||

Dann ließ Vibhīṣaṇa Sītā, nach vollzogenem Kopfbad, von jungen Frauen geschmückt, mit kostbarem Geschmeide versehen, in kostbare Gewänder gekleidet, in eine glänzende, mit überaus wertvollem Stoff verhüllte Sänfte steigen und, von vielen Rākṣasas bewacht, herbeitragen.

Wort für Wort
tataḥ sītāṃ śiraḥsnātāṃ
dann Sītā, nach vollzogenem Kopfbad
yuvatībhiḥ alaṅkṛtām
von jungen Frauen geschmückt
mahārhābharaṇopetāṃ
mit kostbarem Geschmeide versehen
mahārhāmbaradhāriṇīm
in kostbare Gewänder gekleidet
āropya śibikāṃ dīptāṃ
in eine glänzende Sänfte steigend lassend
parārdhyāmbarasaṃvṛtām
mit überaus wertvollem Stoff verhüllte
rakṣobhiḥ bahubhiḥ guptām
von vielen Rākṣasas bewacht
ājahāra vibhīṣaṇaḥ
ließ Vibhīṣaṇa herbeitragen

so.abhigamya mahātmānaṃ jñātvābhidhyānamāsthitam | praṇataśca prahṛṣṭaśca prāptāṃ sītāṃ nyavedayat ||

Er trat zu dem Hochgesinnten, erkannte, dass er in Gedanken versunken war, und meldete, sich verneigend und hocherfreut, die angekommene Sītā.

Wort für Wort
saḥ abhigamya mahātmānaṃ
er, zu dem Hochgesinnten tretend
jñātvā abhidhyānam āsthitam
erkennend, dass er in Gedanken versunken war
praṇataḥ ca prahṛṣṭaḥ ca
sich verneigend und hocherfreut
prāptāṃ sītāṃ nyavedayat
meldete er die angekommene Sītā

tāmāgatāmupaśrutya rakṣogṛhaciroṣitām | harṣo dainyaṃ ca roṣaśca trayaṃ rāghavamāviśat ||

Als er hörte, dass sie, die lange im Haus des Rākṣasa verweilt hatte, angekommen sei, ergriffen Rāghava drei Regungen zugleich: Freude, Bekümmernis und Zorn.

Wort für Wort
tām āgatām upaśrutya
als er hörte, dass sie angekommen sei
rakṣogṛhaciroṣitām
die lange im Haus des Rākṣasa verweilt hatte
harṣo dainyaṃ ca roṣaḥ ca
Freude, Bekümmernis und Zorn
trayaṃ rāghavam āviśat
diese drei ergriffen Rāghava

tataḥ pārśvagataṃ dṛṣṭvā savimarśaṃ vicārayan | vibhīṣaṇamidaṃ vākyamahṛṣṭo rāghavo.abravīt ||

Dann, als er den zu seiner Seite Stehenden sah, sprach Rāghava, nachdenklich erwägend, unerfreut, dieses Wort zu Vibhīṣaṇa:

Wort für Wort
tataḥ pārśvagataṃ dṛṣṭvā
dann, als er den zu seiner Seite Stehenden sah
savimarśaṃ vicārayan
nachdenklich erwägend
vibhīṣaṇam idaṃ vākyam
zu Vibhīṣaṇa dieses Wort
ahṛṣṭo rāghavo abravīt
sprach Rāghava, unerfreut

rākṣasādhipate saumya nityaṃ madvijaye rata | vaidehī saṃnikarṣaṃ me śīghraṃ samupagacchatu ||

"Herr der Rākṣasas, Sanftmütiger, der du stets an meinem Sieg Anteil nahmst, die Vaidehī soll rasch in meine Nähe kommen.

Wort für Wort
rākṣasādhipate saumya
Herr der Rākṣasas, Sanftmütiger
nityaṃ madvijaye rata
der du stets an meinem Sieg Anteil nahmst
vaidehī saṃnikarṣaṃ me
die Vaidehī in meine Nähe
śīghraṃ samupagacchatu
soll rasch kommen

sa tadvacanamājñāya rāghavasya vibhīṣaṇaḥ | tūrṇamutsāraṇe yatnaṃ kārayāmāsa sarvataḥ ||

Nachdem er dieses Wort Rāghavas vernommen hatte, veranlasste Vibhīṣaṇa eilends überall die Bemühung, Platz zu schaffen.

Wort für Wort
saḥ tat vacanam ājñāya
er, nachdem er dieses Wort vernommen hatte
rāghavasya vibhīṣaṇaḥ
Vibhīṣaṇa, das Wort Rāghavas
tūrṇam utsāraṇe yatnaṃ
eilends die Bemühung, Platz zu schaffen
kārayāmāsa sarvataḥ
veranlasste er überall

kañcukoṣṇīṣiṇastatra vetrajharjharapāṇayaḥ | utsārayantaḥ puruṣāḥ samantātparicakramuḥ ||

Männer in Waffenröcken und Turbanen, mit Rohrstöcken und Stäben in den Händen, gingen dort ringsum umher, um Platz zu schaffen.

Wort für Wort
kañcukoṣṇīṣiṇaḥ tatra
dort Männer in Waffenröcken und Turbanen
vetrajharjharapāṇayaḥ
mit Rohrstöcken und Stäben in den Händen
utsārayantaḥ puruṣāḥ
Platz schaffende Männer
samantāt paricakramuḥ
gingen ringsum umher

ṛkṣāṇāṃ vānarāṇāṃ ca rākṣasānāṃ ca sarvataḥ | vṛndānyutsāryamāṇāni dūramutsasṛjustataḥ ||

Die Scharen der Bären, Vānaras und Rākṣasas wurden überall zurückgedrängt und dann in die Ferne fortgetrieben.

Wort für Wort
ṛkṣāṇāṃ vānarāṇāṃ ca
der Bären und der Vānaras
rākṣasānāṃ ca sarvataḥ
und der Rākṣasas überall
vṛndāni utsāryamāṇāni
die Scharen wurden zurückgedrängt
dūram utsasṛjuḥ tataḥ
und dann in die Ferne fortgetrieben

teṣāmutsāryamāṇānāṃ sarveṣāṃ dhvanirutthitaḥ | vāyunodvartamānasya sāgarasyeva nisvanaḥ ||

Von jenen allen, die zurückgedrängt wurden, erhob sich ein Lärm gleich dem Tosen des vom Wind aufgewühlten Ozeans.

Wort für Wort
teṣām utsāryamāṇānāṃ
von jenen, die zurückgedrängt wurden
sarveṣāṃ dhvaniḥ utthitaḥ
erhob sich von allen ein Lärm
vāyunā udvartamānasya
des vom Wind aufgewühlten
sāgarasya iva nisvanaḥ
gleich dem Tosen des Ozeans

utsāryamāṇāṃstāndṛṣṭvā samantājjātasambhramān | dākṣiṇyāttadamarṣācca vārayāmāsa rāghavaḥ ||

Als Rāghava jene sah, die überall zurückgedrängt wurden und in Aufregung geraten waren, hielt er sie aus Freundlichkeit und zugleich aus Unmut darüber zurück.

Wort für Wort
utsāryamāṇān tān dṛṣṭvā
als er jene sah, die zurückgedrängt wurden
samantāt jātasambhramān
die überall in Aufregung geraten waren
dākṣiṇyāt tat amarṣāt ca
aus Freundlichkeit und zugleich aus Unmut darüber
vārayāmāsa rāghavaḥ
hielt Rāghava sie zurück

saṃrabdhaścābravīdrāmaścakṣuṣā pradahanniva | vibhīṣaṇaṃ mahāprājñaṃ sopālambhamidaṃ vacaḥ ||

Aufgebracht sprach Rāma, mit den Augen gleichsam verbrennend, zu dem hochweisen Vibhīṣaṇa dieses Wort des Vorwurfs:

Wort für Wort
saṃrabdhaḥ ca abravīt rāmaḥ
aufgebracht sprach Rāma
cakṣuṣā pradahan iva
mit den Augen gleichsam verbrennend
vibhīṣaṇaṃ mahāprājñaṃ
zu dem hochweisen Vibhīṣaṇa
sopālambham idaṃ vacaḥ
dieses Wort des Vorwurfs

kimarthaṃ māmanādṛtya kṛśyate.ayaṃ tvayā janaḥ | nivartayainamudyogaṃ jano.ayaṃ svajano mama ||

"Wozu wird dieses Volk, ohne mich zu achten, von dir bedrängt? Lass diese Bemühung sein – dieses Volk ist mein eigenes Volk.

Wort für Wort
kimartham mām anādṛtya
wozu, ohne mich zu achten
kṛśyate ayaṃ tvayā janaḥ
wird dieses Volk von dir bedrängt
nivartaya enam udyogaṃ
lass diese Bemühung sein
jano ayaṃ svajano mama
dieses Volk ist mein eigenes Volk

na gṛhāṇi na vastrāṇi na prākārāstiraskriyāḥ | nedṛśā rājasatkārā vṛttamāvaraṇaṃ striyaḥ ||

Nicht Häuser, nicht Gewänder, nicht Mauern sind Verhüllung, nicht solche königlichen Ehrenbezeugungen – der Lebenswandel ist die Verhüllung der Frau.

Wort für Wort
na gṛhāṇi na vastrāṇi
nicht Häuser, nicht Gewänder
na prākārāḥ tiraskriyāḥ
nicht Mauern sind Verhüllung
na īdṛśā rājasatkārā
nicht solche königlichen Ehrenbezeugungen
vṛttam āvaraṇaṃ striyaḥ
der Lebenswandel ist die Verhüllung der Frau

vyasaneṣu na kṛcchreṣu na yuddhe na svayaṃ vare | na kratau no vivāhe ca darśanaṃ duṣyate striyaḥ ||

In Unglücksfällen, in bedrängter Lage, im Kampf, bei der Selbstwahl des Gatten, beim Opfer und bei der Hochzeit wird das Sich-Zeigen der Frau nicht als fehlerhaft betrachtet.

Wort für Wort
vyasaneṣu na kṛcchreṣu
in Unglücksfällen, in bedrängter Lage
na yuddhe na svayaṃ vare
nicht im Kampf, nicht bei der Selbstwahl des Gatten
na kratau no vivāhe ca
nicht beim Opfer und nicht bei der Hochzeit
darśanaṃ duṣyate striyaḥ
wird das Sich-Zeigen der Frau als fehlerhaft betrachtet

saiṣā yuddhagatā caiva kṛcchre mahati ca sthitā | darśane.asyā na doṣaḥ syānmatsamīpe viśeṣataḥ ||

Diese hier nun ist in den Kampf verwickelt gewesen und hat sich in großer Bedrängnis befunden; kein Fehl liegt in ihrem Sich-Zeigen, zumal in meiner Nähe.

Wort für Wort
sā eṣā yuddhagatā caiva
diese hier nun ist in den Kampf verwickelt gewesen
kṛcchre mahati ca sthitā
und hat sich in großer Bedrängnis befunden
darśane asyā na doṣaḥ syāt
kein Fehl liege in ihrem Sich-Zeigen
matsamīpe viśeṣataḥ
zumal in meiner Nähe

visṛjya śibikāṃ tasmātpadbhyāmevopasarpatu | samīpe mama vaidehīṃ paśyantvete vanaukasaḥ ||

Daher soll sie die Sänfte verlassen und zu Fuß herantreten; diese Waldbewohner sollen die Vaidehī in meiner Nähe sehen."

Wort für Wort
visṛjya śibikāṃ tasmāt
daher, die Sänfte verlassend
padbhyām eva upasarpatu
soll sie zu Fuß herantreten
samīpe mama vaidehīṃ
die Vaidehī in meiner Nähe
paśyantu ete vanaukasaḥ
sollen diese Waldbewohner sehen

evamuktastu rāmeṇa savimarśo vibhīṣaṇaḥ | rāmasyopānayatsītāṃ saṃnikarṣaṃ vinītavat ||

So von Rāma angesprochen, führte Vibhīṣaṇa, nachdenklich, wohlerzogen, Sītā in Rāmas Nähe.

Wort für Wort
evam uktaḥ tu rāmeṇa
so aber von Rāma angesprochen
savimarśo vibhīṣaṇaḥ
nachdenklich, Vibhīṣaṇa
rāmasya upānayat sītāṃ
führte er Sītā zu Rāmas
saṃnikarṣaṃ vinītavat
Nähe, wohlerzogen

tato lakṣmaṇasugrīvau hanūmāṃśca plavaṅgamaḥ | niśamya vākyaṃ rāmasya babhūvurvyathitā bhṛśam ||

Da wurden Lakṣmaṇa und Sugrīva sowie der Vānara Hanumant, als sie Rāmas Wort vernahmen, heftig bekümmert.

Wort für Wort
tato lakṣmaṇasugrīvau
da Lakṣmaṇa und Sugrīva
hanūmān ca plavaṅgamaḥ
und der Vānara Hanumant
niśamya vākyaṃ rāmasya
als sie Rāmas Wort vernahmen
babhūvuḥ vyathitā bhṛśam
wurden sie heftig bekümmert

kalatranirapekṣaiśca iṅgitairasya dāruṇaiḥ | aprītamiva sītāyāṃ tarkayanti sma rāghavam ||

Aus seinen um die Gattin unbekümmerten, harten Anzeichen vermuteten sie, Rāghava sei gleichsam ungehalten über Sītā.

Wort für Wort
kalatranirapekṣaiḥ ca
und aus den um die Gattin unbekümmerten
iṅgitaiḥ asya dāruṇaiḥ
aus seinen harten Anzeichen
aprītam iva sītāyāṃ
gleichsam ungehalten über Sītā
tarkayanti sma rāghavam
vermuteten sie Rāghava

lajjayā tvavalīyantī sveṣu gātreṣu maithilī | vibhīṣaṇenānugatā bhartāraṃ sābhyavartata ||

Aus Scham in sich selbst zurückweichend, näherte sich Maithilī, von Vibhīṣaṇa begleitet, ihrem Gatten.

Wort für Wort
lajjayā tu avalīyantī
aus Scham aber zurückweichend
sveṣu gātreṣu maithilī
in sich selbst, Maithilī
vibhīṣaṇena anugatā
von Vibhīṣaṇa begleitet
bhartāraṃ sā abhyavartata
näherte sie sich ihrem Gatten

vismayācca praharṣācca snehācca paridevatā | udaikṣata mukhaṃ bhartuḥ saumyaṃ saumyatarānanā ||

Aus Staunen, aus Freude und aus Liebe wehklagend, blickte sie, deren Antlitz noch milder war, empor zum milden Antlitz ihres Gatten.

Wort für Wort
vismayāt ca praharṣāt ca
aus Staunen und aus Freude
snehāt ca paridevatā
und aus Liebe wehklagend
udaikṣata mukhaṃ bhartuḥ
blickte sie empor zum Antlitz des Gatten
saumyaṃ saumyatarānanā
dem milden, sie mit dem noch milderen Antlitz

atha samapanudanmanaḥklamaṃ sā | suciramadṛṣṭamudīkṣya vai priyasya | vadanamuditapūrṇacandrakāntaṃ | vimalaśaśāṅkanibhānanā tadāsīt ||

Da vertrieb sie, das lange nicht gesehene, liebe Antlitz erblickend, das dem aufgegangenen Vollmond glich, die Ermattung ihres Geistes, und ihr eigenes Antlitz glich in jenem Augenblick dem makellosen Mond.

Wort für Wort
atha samapanudan manaḥklamaṃ sā
da vertrieb sie die Ermattung ihres Geistes
suciram adṛṣṭam udīkṣya vai priyasya
das lange nicht gesehene, liebe erblickend
vadanam uditapūrṇacandrakāntaṃ
das Antlitz, das dem aufgegangenen Vollmond glich
vimalaśaśāṅkanibhānanā tadā āsīt
und ihr Antlitz glich da dem makellosen Mond

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