Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa
Sarga 114: Sītā-Darśanam
Das Wiedersehen mit Sītā
tamuvāca mahāprajñamabhigamya plavaṅgamaḥ |
rāmaṃ vacanamarthajño varaṃ sarvadhanuṣmatām ||
Zu jenem hochweisen Rāma, dem Besten aller Bogenkämpfer, trat der Vānara, der des Wortsinns Kundige, heran und sprach:
Wort für Wort tam uvāca mahāprajñam zu jenem hochweisen sprach er abhigamya plavaṅgamaḥ der Vānara herantretend rāmaṃ vacanam arthajño zu Rāma, der Redekundige varaṃ sarvadhanuṣmatām zu dem Besten aller Bogenkämpfer yannimitto.ayamārambhaḥ karmaṇāṃ ca phalodayaḥ |
tāṃ devīṃ śokasantaptāṃ maithilīṃ draṣṭumarhasi ||
"Um derentwillen dieses Unternehmen begonnen wurde und die Frucht der Taten entstand, jene von Kummer verzehrte Herrin Maithilī sollst du sehen.
Wort für Wort yannimittaḥ ayam ārambhaḥ um derentwillen dieses Unternehmen karmaṇāṃ ca phalodayaḥ und die Frucht der Taten entstand tāṃ devīṃ śokasantaptāṃ jene von Kummer verzehrte Herrin maithilīṃ draṣṭum arhasi Maithilī sollst du sehen sā hi śokasamāviṣṭā bāṣpaparyākulekṣaṇā |
maithilī vijayaṃ śrutvā tava harṣamupāgamat ||
Denn sie, von Kummer erfasst, die Augen von Tränen umflort, Maithilī, geriet, als sie von deinem Sieg vernahm, in Freude.
Wort für Wort sā hi śokasamāviṣṭā denn sie, von Kummer erfasst bāṣpaparyākulekṣaṇā die Augen von Tränen umflort maithilī vijayaṃ śrutvā Maithilī, als sie von deinem Sieg vernahm tava harṣam upāgamat geriet in Freude über dich pūrvakātpratyayāccāhamukto viśvastayā tayā |
bhartāraṃ draṣṭumicchāmi kṛtārthaṃ sahalakṣmaṇam ||
Aufgrund des früheren Vertrauens wurde ich von ihr, der Zuversichtlichen, entlassen mit den Worten: 'Ich möchte meinen Gatten sehen, der sein Ziel erreicht hat, samt Lakṣmaṇa.'"
Wort für Wort pūrvakāt pratyayāt ca und aufgrund des früheren Vertrauens aham uktaḥ viśvastayā tayā wurde ich von ihr, der Zuversichtlichen, angesprochen bhartāraṃ draṣṭum icchāmi ich möchte meinen Gatten sehen kṛtārthaṃ sahalakṣmaṇam der sein Ziel erreicht hat, samt Lakṣmaṇa evamukto hanumatā rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ |
agacchatsahasā dhyānamāsīdbāṣpapariplutaḥ ||
So von Hanumant angesprochen, verfiel Rāma, der Beste der Rechtschaffenen, plötzlich in Nachdenken und war von Tränen überströmt.
Wort für Wort evam uktaḥ hanumatā so von Hanumant angesprochen rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ Rāma, der Beste der Rechtschaffenen agacchat sahasā dhyānam verfiel plötzlich in Nachdenken āsīt bāṣpapariplutaḥ war von Tränen überströmt dīrghamuṣṇaṃ ca niśvasya medinīm avalokayan |
uvāca meghasaṅkāśaṃ vibhīṣaṇamupasthitam ||
Lang und heiß aufseufzend, auf die Erde blickend, sprach er zu dem wolkendunklen Vibhīṣaṇa, der herangetreten war:
Wort für Wort dīrgham uṣṇaṃ ca niśvasya lang und heiß aufseufzend medinīm avalokayan auf die Erde blickend uvāca meghasaṅkāśaṃ sprach er zu dem wolkendunklen vibhīṣaṇam upasthitam zu Vibhīṣaṇa, der herangetreten war divyāṅgarāgāṃ vaidehīṃ divyābharaṇabhūṣitām |
iha sītāṃ śiraḥsnātāmupasthāpaya māciram ||
"Bring hierher, ohne Verzug, die Vaidehī, Sītā, mit himmlischer Salbe gesalbt, mit himmlischem Geschmeide geschmückt, nach vollzogenem Kopfbad."
Wort für Wort divyāṅgarāgāṃ vaidehīṃ die Vaidehī, mit himmlischer Salbe gesalbt divyābharaṇabhūṣitām mit himmlischem Geschmeide geschmückt iha sītāṃ śiraḥsnātām hierher Sītā, nach vollzogenem Kopfbad upasthāpaya mā ciram bring sie, ohne Verzug evamuktastu rāmeṇa tvaramāṇo vibhīṣaṇaḥ |
praviśyāntaḥpuraṃ sītāṃ strībhiḥ svābhiracodayat ||
So von Rāma angesprochen, eilte Vibhīṣaṇa, betrat das innere Gemach und ließ Sītā durch seine eigenen Frauen anweisen.
Wort für Wort evam uktaḥ tu rāmeṇa so aber von Rāma angesprochen tvaramāṇo vibhīṣaṇaḥ eilend Vibhīṣaṇa praviśya antaḥpuraṃ das innere Gemach betretend sītāṃ strībhiḥ svābhiḥ acodayat ließ Sītā durch seine eigenen Frauen anweisen tataḥ sītāṃ mahābhāgāṃ dṛṣṭvovāca vibhīṣaṇaḥ |
mūrdhni baddhāñjaliḥ śrīmānvinīto rākṣaseśvaraḥ ||
Dann, als er die hochgesegnete Sītā erblickte, sprach Vibhīṣaṇa, der Herr der Rākṣasas, glanzvoll und wohlerzogen, mit über dem Haupt gefalteten Händen:
Wort für Wort tataḥ sītāṃ mahābhāgāṃ dann Sītā, die hochgesegnete dṛṣṭvā uvāca vibhīṣaṇaḥ als er sie erblickte, sprach Vibhīṣaṇa mūrdhni baddhāñjaliḥ mit über dem Haupt gefalteten Händen śrīmān vinīto rākṣaseśvaraḥ glanzvoll und wohlerzogen, der Herr der Rākṣasas divyāṅgarāgā vaidehī divyābharaṇabhūṣitā |
yānamāroha bhadraṃ te bhartā tvāṃ draṣṭumicchati ||
"Vaidehī, mit himmlischer Salbe gesalbt, mit himmlischem Geschmeide geschmückt, besteige die Sänfte, Heil dir; dein Gatte wünscht dich zu sehen."
Wort für Wort divyāṅgarāgā vaidehī Vaidehī, mit himmlischer Salbe gesalbt divyābharaṇabhūṣitā mit himmlischem Geschmeide geschmückt yānam āroha bhadraṃ te besteige die Sänfte, Heil dir bhartā tvāṃ draṣṭum icchati dein Gatte wünscht dich zu sehen evamuktā tu vaidehī pratyuvāca vibhīṣaṇam |
asnātā draṣṭumicchāmi bhartāraṃ rākṣasādhipa ||
So angesprochen, erwiderte die Vaidehī Vibhīṣaṇa: "Ungebadet möchte ich meinen Gatten sehen, Herr der Rākṣasas."
Wort für Wort evam uktā tu vaidehī so aber angesprochen, die Vaidehī pratyuvāca vibhīṣaṇam erwiderte Vibhīṣaṇa asnātā draṣṭum icchāmi ungebadet möchte ich sehen bhartāraṃ rākṣasādhipa meinen Gatten, Herr der Rākṣasas tasyāstadvacanaṃ śrutvā pratyuvāca vibhīṣaṇaḥ |
yathāhaṃ rāmo bhartā te tattathā kartumarhasi ||
Nachdem er jenes ihr Wort vernommen hatte, erwiderte Vibhīṣaṇa: "Wie es dein Gatte Rāma wünscht, so sollst du es tun."
Wort für Wort tasyāḥ tat vacanaṃ śrutvā nachdem er jenes ihr Wort vernommen hatte pratyuvāca vibhīṣaṇaḥ erwiderte Vibhīṣaṇa yathā ahaṃ rāmo bhartā te wie dein Gatte Rāma es wünscht tat tathā kartum arhasi so sollst du es tun tasya tadvacanaṃ śrutvā maithilī bhrātṛdevatā |
bhartṛbhaktivratā sādhvī tatheti pratyabhāṣata ||
Nachdem sie jenes sein Wort vernommen hatte, sagte Maithilī, die den Bruder wie eine Gottheit ehrte, die dem Gatten treu ergebene Tugendhafte: "So sei es."
Wort für Wort tasya tat vacanaṃ śrutvā nachdem sie jenes sein Wort vernommen hatte maithilī bhrātṛdevatā Maithilī, die den Bruder wie eine Gottheit ehrte bhartṛbhaktivratā sādhvī die dem Gatten treu ergebene Tugendhafte tathā iti pratyabhāṣata sagte: so sei es tataḥ sītāṃ śiraḥsnātāṃ yuvatībhiralaṅkṛtām |
mahārhābharaṇopetāṃ mahārhāmbaradhāriṇīm |
āropya śibikāṃ dīptāṃ parārdhyāmbarasaṃvṛtām |
rakṣobhirbahubhirguptāmājahāra vibhīṣaṇaḥ ||
Dann ließ Vibhīṣaṇa Sītā, nach vollzogenem Kopfbad, von jungen Frauen geschmückt, mit kostbarem Geschmeide versehen, in kostbare Gewänder gekleidet, in eine glänzende, mit überaus wertvollem Stoff verhüllte Sänfte steigen und, von vielen Rākṣasas bewacht, herbeitragen.
Wort für Wort tataḥ sītāṃ śiraḥsnātāṃ dann Sītā, nach vollzogenem Kopfbad yuvatībhiḥ alaṅkṛtām von jungen Frauen geschmückt mahārhābharaṇopetāṃ mit kostbarem Geschmeide versehen mahārhāmbaradhāriṇīm in kostbare Gewänder gekleidet āropya śibikāṃ dīptāṃ in eine glänzende Sänfte steigend lassend parārdhyāmbarasaṃvṛtām mit überaus wertvollem Stoff verhüllte rakṣobhiḥ bahubhiḥ guptām von vielen Rākṣasas bewacht ājahāra vibhīṣaṇaḥ ließ Vibhīṣaṇa herbeitragen so.abhigamya mahātmānaṃ jñātvābhidhyānamāsthitam |
praṇataśca prahṛṣṭaśca prāptāṃ sītāṃ nyavedayat ||
Er trat zu dem Hochgesinnten, erkannte, dass er in Gedanken versunken war, und meldete, sich verneigend und hocherfreut, die angekommene Sītā.
Wort für Wort saḥ abhigamya mahātmānaṃ er, zu dem Hochgesinnten tretend jñātvā abhidhyānam āsthitam erkennend, dass er in Gedanken versunken war praṇataḥ ca prahṛṣṭaḥ ca sich verneigend und hocherfreut prāptāṃ sītāṃ nyavedayat meldete er die angekommene Sītā tāmāgatāmupaśrutya rakṣogṛhaciroṣitām |
harṣo dainyaṃ ca roṣaśca trayaṃ rāghavamāviśat ||
Als er hörte, dass sie, die lange im Haus des Rākṣasa verweilt hatte, angekommen sei, ergriffen Rāghava drei Regungen zugleich: Freude, Bekümmernis und Zorn.
Wort für Wort tām āgatām upaśrutya als er hörte, dass sie angekommen sei rakṣogṛhaciroṣitām die lange im Haus des Rākṣasa verweilt hatte harṣo dainyaṃ ca roṣaḥ ca Freude, Bekümmernis und Zorn trayaṃ rāghavam āviśat diese drei ergriffen Rāghava tataḥ pārśvagataṃ dṛṣṭvā savimarśaṃ vicārayan |
vibhīṣaṇamidaṃ vākyamahṛṣṭo rāghavo.abravīt ||
Dann, als er den zu seiner Seite Stehenden sah, sprach Rāghava, nachdenklich erwägend, unerfreut, dieses Wort zu Vibhīṣaṇa:
Wort für Wort tataḥ pārśvagataṃ dṛṣṭvā dann, als er den zu seiner Seite Stehenden sah savimarśaṃ vicārayan nachdenklich erwägend vibhīṣaṇam idaṃ vākyam zu Vibhīṣaṇa dieses Wort ahṛṣṭo rāghavo abravīt sprach Rāghava, unerfreut rākṣasādhipate saumya nityaṃ madvijaye rata |
vaidehī saṃnikarṣaṃ me śīghraṃ samupagacchatu ||
"Herr der Rākṣasas, Sanftmütiger, der du stets an meinem Sieg Anteil nahmst, die Vaidehī soll rasch in meine Nähe kommen.
Wort für Wort rākṣasādhipate saumya Herr der Rākṣasas, Sanftmütiger nityaṃ madvijaye rata der du stets an meinem Sieg Anteil nahmst vaidehī saṃnikarṣaṃ me die Vaidehī in meine Nähe śīghraṃ samupagacchatu soll rasch kommen sa tadvacanamājñāya rāghavasya vibhīṣaṇaḥ |
tūrṇamutsāraṇe yatnaṃ kārayāmāsa sarvataḥ ||
Nachdem er dieses Wort Rāghavas vernommen hatte, veranlasste Vibhīṣaṇa eilends überall die Bemühung, Platz zu schaffen.
Wort für Wort saḥ tat vacanam ājñāya er, nachdem er dieses Wort vernommen hatte rāghavasya vibhīṣaṇaḥ Vibhīṣaṇa, das Wort Rāghavas tūrṇam utsāraṇe yatnaṃ eilends die Bemühung, Platz zu schaffen kārayāmāsa sarvataḥ veranlasste er überall kañcukoṣṇīṣiṇastatra vetrajharjharapāṇayaḥ |
utsārayantaḥ puruṣāḥ samantātparicakramuḥ ||
Männer in Waffenröcken und Turbanen, mit Rohrstöcken und Stäben in den Händen, gingen dort ringsum umher, um Platz zu schaffen.
Wort für Wort kañcukoṣṇīṣiṇaḥ tatra dort Männer in Waffenröcken und Turbanen vetrajharjharapāṇayaḥ mit Rohrstöcken und Stäben in den Händen utsārayantaḥ puruṣāḥ Platz schaffende Männer samantāt paricakramuḥ gingen ringsum umher ṛkṣāṇāṃ vānarāṇāṃ ca rākṣasānāṃ ca sarvataḥ |
vṛndānyutsāryamāṇāni dūramutsasṛjustataḥ ||
Die Scharen der Bären, Vānaras und Rākṣasas wurden überall zurückgedrängt und dann in die Ferne fortgetrieben.
Wort für Wort ṛkṣāṇāṃ vānarāṇāṃ ca der Bären und der Vānaras rākṣasānāṃ ca sarvataḥ und der Rākṣasas überall vṛndāni utsāryamāṇāni die Scharen wurden zurückgedrängt dūram utsasṛjuḥ tataḥ und dann in die Ferne fortgetrieben teṣāmutsāryamāṇānāṃ sarveṣāṃ dhvanirutthitaḥ |
vāyunodvartamānasya sāgarasyeva nisvanaḥ ||
Von jenen allen, die zurückgedrängt wurden, erhob sich ein Lärm gleich dem Tosen des vom Wind aufgewühlten Ozeans.
Wort für Wort teṣām utsāryamāṇānāṃ von jenen, die zurückgedrängt wurden sarveṣāṃ dhvaniḥ utthitaḥ erhob sich von allen ein Lärm vāyunā udvartamānasya des vom Wind aufgewühlten sāgarasya iva nisvanaḥ gleich dem Tosen des Ozeans utsāryamāṇāṃstāndṛṣṭvā samantājjātasambhramān |
dākṣiṇyāttadamarṣācca vārayāmāsa rāghavaḥ ||
Als Rāghava jene sah, die überall zurückgedrängt wurden und in Aufregung geraten waren, hielt er sie aus Freundlichkeit und zugleich aus Unmut darüber zurück.
Wort für Wort utsāryamāṇān tān dṛṣṭvā als er jene sah, die zurückgedrängt wurden samantāt jātasambhramān die überall in Aufregung geraten waren dākṣiṇyāt tat amarṣāt ca aus Freundlichkeit und zugleich aus Unmut darüber vārayāmāsa rāghavaḥ hielt Rāghava sie zurück saṃrabdhaścābravīdrāmaścakṣuṣā pradahanniva |
vibhīṣaṇaṃ mahāprājñaṃ sopālambhamidaṃ vacaḥ ||
Aufgebracht sprach Rāma, mit den Augen gleichsam verbrennend, zu dem hochweisen Vibhīṣaṇa dieses Wort des Vorwurfs:
Wort für Wort saṃrabdhaḥ ca abravīt rāmaḥ aufgebracht sprach Rāma cakṣuṣā pradahan iva mit den Augen gleichsam verbrennend vibhīṣaṇaṃ mahāprājñaṃ zu dem hochweisen Vibhīṣaṇa sopālambham idaṃ vacaḥ dieses Wort des Vorwurfs kimarthaṃ māmanādṛtya kṛśyate.ayaṃ tvayā janaḥ |
nivartayainamudyogaṃ jano.ayaṃ svajano mama ||
"Wozu wird dieses Volk, ohne mich zu achten, von dir bedrängt? Lass diese Bemühung sein – dieses Volk ist mein eigenes Volk.
Wort für Wort kimartham mām anādṛtya wozu, ohne mich zu achten kṛśyate ayaṃ tvayā janaḥ wird dieses Volk von dir bedrängt nivartaya enam udyogaṃ lass diese Bemühung sein jano ayaṃ svajano mama dieses Volk ist mein eigenes Volk na gṛhāṇi na vastrāṇi na prākārāstiraskriyāḥ |
nedṛśā rājasatkārā vṛttamāvaraṇaṃ striyaḥ ||
Nicht Häuser, nicht Gewänder, nicht Mauern sind Verhüllung, nicht solche königlichen Ehrenbezeugungen – der Lebenswandel ist die Verhüllung der Frau.
Wort für Wort na gṛhāṇi na vastrāṇi nicht Häuser, nicht Gewänder na prākārāḥ tiraskriyāḥ nicht Mauern sind Verhüllung na īdṛśā rājasatkārā nicht solche königlichen Ehrenbezeugungen vṛttam āvaraṇaṃ striyaḥ der Lebenswandel ist die Verhüllung der Frau vyasaneṣu na kṛcchreṣu na yuddhe na svayaṃ vare |
na kratau no vivāhe ca darśanaṃ duṣyate striyaḥ ||
In Unglücksfällen, in bedrängter Lage, im Kampf, bei der Selbstwahl des Gatten, beim Opfer und bei der Hochzeit wird das Sich-Zeigen der Frau nicht als fehlerhaft betrachtet.
Wort für Wort vyasaneṣu na kṛcchreṣu in Unglücksfällen, in bedrängter Lage na yuddhe na svayaṃ vare nicht im Kampf, nicht bei der Selbstwahl des Gatten na kratau no vivāhe ca nicht beim Opfer und nicht bei der Hochzeit darśanaṃ duṣyate striyaḥ wird das Sich-Zeigen der Frau als fehlerhaft betrachtet saiṣā yuddhagatā caiva kṛcchre mahati ca sthitā |
darśane.asyā na doṣaḥ syānmatsamīpe viśeṣataḥ ||
Diese hier nun ist in den Kampf verwickelt gewesen und hat sich in großer Bedrängnis befunden; kein Fehl liegt in ihrem Sich-Zeigen, zumal in meiner Nähe.
Wort für Wort sā eṣā yuddhagatā caiva diese hier nun ist in den Kampf verwickelt gewesen kṛcchre mahati ca sthitā und hat sich in großer Bedrängnis befunden darśane asyā na doṣaḥ syāt kein Fehl liege in ihrem Sich-Zeigen matsamīpe viśeṣataḥ zumal in meiner Nähe visṛjya śibikāṃ tasmātpadbhyāmevopasarpatu |
samīpe mama vaidehīṃ paśyantvete vanaukasaḥ ||
Daher soll sie die Sänfte verlassen und zu Fuß herantreten; diese Waldbewohner sollen die Vaidehī in meiner Nähe sehen."
Wort für Wort visṛjya śibikāṃ tasmāt daher, die Sänfte verlassend padbhyām eva upasarpatu soll sie zu Fuß herantreten samīpe mama vaidehīṃ die Vaidehī in meiner Nähe paśyantu ete vanaukasaḥ sollen diese Waldbewohner sehen evamuktastu rāmeṇa savimarśo vibhīṣaṇaḥ |
rāmasyopānayatsītāṃ saṃnikarṣaṃ vinītavat ||
So von Rāma angesprochen, führte Vibhīṣaṇa, nachdenklich, wohlerzogen, Sītā in Rāmas Nähe.
Wort für Wort evam uktaḥ tu rāmeṇa so aber von Rāma angesprochen savimarśo vibhīṣaṇaḥ nachdenklich, Vibhīṣaṇa rāmasya upānayat sītāṃ führte er Sītā zu Rāmas saṃnikarṣaṃ vinītavat Nähe, wohlerzogen tato lakṣmaṇasugrīvau hanūmāṃśca plavaṅgamaḥ |
niśamya vākyaṃ rāmasya babhūvurvyathitā bhṛśam ||
Da wurden Lakṣmaṇa und Sugrīva sowie der Vānara Hanumant, als sie Rāmas Wort vernahmen, heftig bekümmert.
Wort für Wort tato lakṣmaṇasugrīvau da Lakṣmaṇa und Sugrīva hanūmān ca plavaṅgamaḥ und der Vānara Hanumant niśamya vākyaṃ rāmasya als sie Rāmas Wort vernahmen babhūvuḥ vyathitā bhṛśam wurden sie heftig bekümmert kalatranirapekṣaiśca iṅgitairasya dāruṇaiḥ |
aprītamiva sītāyāṃ tarkayanti sma rāghavam ||
Aus seinen um die Gattin unbekümmerten, harten Anzeichen vermuteten sie, Rāghava sei gleichsam ungehalten über Sītā.
Wort für Wort kalatranirapekṣaiḥ ca und aus den um die Gattin unbekümmerten iṅgitaiḥ asya dāruṇaiḥ aus seinen harten Anzeichen aprītam iva sītāyāṃ gleichsam ungehalten über Sītā tarkayanti sma rāghavam vermuteten sie Rāghava lajjayā tvavalīyantī sveṣu gātreṣu maithilī |
vibhīṣaṇenānugatā bhartāraṃ sābhyavartata ||
Aus Scham in sich selbst zurückweichend, näherte sich Maithilī, von Vibhīṣaṇa begleitet, ihrem Gatten.
Wort für Wort lajjayā tu avalīyantī aus Scham aber zurückweichend sveṣu gātreṣu maithilī in sich selbst, Maithilī vibhīṣaṇena anugatā von Vibhīṣaṇa begleitet bhartāraṃ sā abhyavartata näherte sie sich ihrem Gatten vismayācca praharṣācca snehācca paridevatā |
udaikṣata mukhaṃ bhartuḥ saumyaṃ saumyatarānanā ||
Aus Staunen, aus Freude und aus Liebe wehklagend, blickte sie, deren Antlitz noch milder war, empor zum milden Antlitz ihres Gatten.
Wort für Wort vismayāt ca praharṣāt ca aus Staunen und aus Freude snehāt ca paridevatā und aus Liebe wehklagend udaikṣata mukhaṃ bhartuḥ blickte sie empor zum Antlitz des Gatten saumyaṃ saumyatarānanā dem milden, sie mit dem noch milderen Antlitz atha samapanudanmanaḥklamaṃ sā |
suciramadṛṣṭamudīkṣya vai priyasya |
vadanamuditapūrṇacandrakāntaṃ |
vimalaśaśāṅkanibhānanā tadāsīt ||
Da vertrieb sie, das lange nicht gesehene, liebe Antlitz erblickend, das dem aufgegangenen Vollmond glich, die Ermattung ihres Geistes, und ihr eigenes Antlitz glich in jenem Augenblick dem makellosen Mond.
Wort für Wort atha samapanudan manaḥklamaṃ sā da vertrieb sie die Ermattung ihres Geistes suciram adṛṣṭam udīkṣya vai priyasya das lange nicht gesehene, liebe erblickend vadanam uditapūrṇacandrakāntaṃ das Antlitz, das dem aufgegangenen Vollmond glich vimalaśaśāṅkanibhānanā tadā āsīt und ihr Antlitz glich da dem makellosen Mond
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