Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 2: Sugrīvasya Sāntvanam Sugrīvas Trost und Zuversicht

tam tu śokaparidyūnam rāmam daśarathātmajam | uvāca vacanam śrīmān sugrīvah śokanāśanam |

Zu jenem von Kummer erschöpften Rāma, dem Sohn des Daśaratha, sprach der glückverheißende Sugrīva ein kummervertreibendes Wort:

Wort für Wort
tam tu śokaparidyūnam
zu jenem von Kummer erschöpften
rāmam daśarathātmajam
Rāma, dem Sohn des Daśaratha
uvāca vacanam śrīmān
sprach der glückverheißende
sugrīvah śokanāśanam
Sugrīva ein kummervertreibendes Wort

kim tvayā tapyate vīra yathānyaḥ prākṛtastathā | maivam bhūstyaja satāpam kṛtaghna iva sauhṛdam |

'Warum quälst du dich, o Held, wie ein gewöhnlicher Mensch es täte? Sei nicht so; lass diesen Kummer fahren, wie ein Undankbarer die Freundschaft.'

Wort für Wort
kim tvayā tapyate vīra
warum quälst du dich, o Held
yathānyaḥ prākṛtastathā
wie ein anderer, gewöhnlicher
maivam bhūstyaja satāpam
sei nicht so, lass den Kummer fahren
kṛtaghna iva sauhṛdam
wie ein Undankbarer die Freundschaft

samtāpasya ca te sthānam na hi paśyāmi rāghava | pravṛttāmupalabdhāyām jñāte ca nilaye ripoḥ |

'Und ich sehe keinen Grund für deinen Kummer, o Nachkomme Raghus, nun, da die Nachricht erlangt wurde und der Aufenthaltsort des Feindes bekannt ist.'

Wort für Wort
samtāpasya ca te sthānam
und für deinen Kummer einen Grund
na hi paśyāmi rāghava
sehe ich nicht, o Nachkomme Raghus
pravṛttāmupalabdhāyām
nun, da die Nachricht erlangt wurde
jñāte ca nilaye ripoḥ
und der Aufenthaltsort des Feindes bekannt ist

matimān śāstravitprājñḥ paṇḍitaścāsi rāghava | tyajemām prākṛtām uddhiṃ kṛtātmevārthadūṣaṇīm |

'Klug bist du, der Lehren kundig, weise und gelehrt, o Nachkomme Raghus; gib diese gewöhnliche Gemütsverfassung auf, wie ein Vollendeter, die den Zweck verdirbt.'

Wort für Wort
matimān śāstravitprājñḥ
klug, der Lehren kundig, weise
paṇḍitaścāsi rāghava
und gelehrt bist du, o Nachkomme Raghus
tyajemām prākṛtām uddhiṃ
gib diese gewöhnliche Gemütsverfassung auf
kṛtātmevārthadūṣaṇīm
wie ein Vollendeter, die den Zweck verdirbt

saṃdram laṅghayitvā tu mahānakrasamākulam | laṅkāmārohayiṣyāmo haniṣyāmaśca te ripum |

'Nachdem wir das Meer, voll gewaltiger Krokodile, überquert haben, werden wir Laṅkā erstürmen und deinen Feind erschlagen.'

Wort für Wort
saṃdram laṅghayitvā tu
nachdem wir das Meer überquert haben
mahānakrasamākulam
voll gewaltiger Krokodile
laṅkāmārohayiṣyāmo
werden wir Laṅkā erstürmen
haniṣyāmaśca te ripum
und deinen Feind erschlagen

nirutsāhasya dīnasya śokaparyākulātmanaḥ | sarvārthā vyavasīdanti vyasanam cādhigacchati |

'Für den Mutlosen, Kläglichen, dessen Geist von Kummer verwirrt ist, scheitern alle Vorhaben, und er gerät in Unglück.'

Wort für Wort
nirutsāhasya dīnasya
für den Mutlosen, Kläglichen
śokaparyākulātmanaḥ
dessen Geist von Kummer verwirrt ist
sarvārthā vyavasīdanti
alle Vorhaben scheitern
vyasanam cādhigacchati
und er gerät in Unglück

ime śūrāḥ samarthāśca sarvato hariyūthapāḥ | tvatpriyārtham kṛtotsāhāḥ praveṣṭumapi pāvakam | eṣām harṣeṇa jānāmi tarkaścāpi dṛḍho mama |

'Diese heldenhaften, fähigen Affenführer sind allseits bereit, um deinetwillen selbst ins Feuer zu gehen; an ihrer Freude erkenne ich es, und auch meine feste Überzeugung besteht.'

Wort für Wort
ime śūrāḥ samarthāśca
diese heldenhaften, fähigen
sarvato hariyūthapāḥ
allseits die Affenführer
tvatpriyārtham kṛtotsāhāḥ
um deinetwillen entschlossen
praveṣṭumapi pāvakam
selbst ins Feuer zu gehen
eṣām harṣeṇa jānāmi
an ihrer Freude erkenne ich es
tarkaścāpi dṛḍho mama
und auch meine feste Überzeugung besteht

vikrameṇa samāneṣye sītām hatvā yathā ripum | rāvanam pāpakrmāṇam tathā tvam kartumarhasi |

'Wie ich durch Tapferkeit Sītā herbeibringen und den bösen Feind Rāvaṇa töten werde, so mögest auch du handeln.'

Wort für Wort
vikrameṇa samāneṣye
durch Tapferkeit werde ich herbeibringen
sītām hatvā yathā ripum
Sītā, nachdem ich den Feind getötet habe
rāvanam pāpakrmāṇam
Rāvaṇa, den bösen Übeltäter
tathā tvam kartumarhasi
so mögest auch du handeln

seturatra yathā baddhyethā paśyema tām purīm | tasya rākṣasarājasya tathā tvam kuru rāghava |

'Auf dass hier eine Brücke gebaut werde, damit wir jene Stadt des Rākṣasa-Königs erblicken können - so mögest du es einrichten, o Nachkomme Raghus.'

Wort für Wort
seturatra yathā baddhyethā
auf dass hier eine Brücke gebaut werde
paśyema tām purīm
damit wir jene Stadt erblicken können
tasya rākṣasarājasya
des Rākṣasa-Königs
tathā tvam kuru rāghava
so mögest du es einrichten, o Nachkomme Raghus

dṛṣṭvā tām hi purīm laṅkām trikūṭaśikhare sthitām | hatam ca rāvaṇam uddhe darśanādavadhāraya |

'Wenn du jene Stadt Laṅkā auf dem Gipfel des Trikūṭa erblickst, so betrachte Rāvaṇa im Kampf allein durch diesen Anblick schon als erschlagen.'

Wort für Wort
dṛṣṭvā tām hi purīm laṅkām
wenn du jene Stadt Laṅkā erblickst
trikūṭaśikhare sthitām
auf dem Gipfel des Trikūṭa gelegen
hatam ca rāvaṇam uddhe
und Rāvaṇa im Kampf als erschlagen
darśanādavadhāraya
betrachte allein durch den Anblick

abaddhvā sāgare setum ghore ca varuṇālaye | laṅkā na marditum śakyā sendrairapi surāsuraiḥ |

'Ohne dass eine Brücke über das Meer, den grausigen Wohnsitz Varuṇas, gebaut wird, kann Laṅkā nicht bezwungen werden, selbst nicht von den Göttern und Dämonen samt Indra.'

Wort für Wort
abaddhvā sāgare setum
ohne dass eine Brücke über das Meer gebaut wird
ghore ca varuṇālaye
den grausigen Wohnsitz Varuṇas
laṅkā na marditum śakyā
kann Laṅkā nicht bezwungen werden
sendrairapi surāsuraiḥ
selbst nicht von Göttern und Dämonen samt Indra

seturbaddhaḥ samudre ca yāvallaṅkāsamīpataḥ | sarvam tīrṇam ca me sainyam jitamityupadhāraya | ime hi samare vīrā harayaḥ kāmarūpiṇaḥ |

'Wenn die Brücke über das Meer bis in die Nähe Laṅkās gebaut ist und mein ganzes Heer hinübergesetzt ist, so betrachte es als gewonnen; denn diese heldenhaften, gestaltwandelnden Affen sind im Kampf mächtig.'

Wort für Wort
seturbaddhaḥ samudre ca
wenn die Brücke über das Meer gebaut ist
yāvallaṅkāsamīpataḥ
bis in die Nähe Laṅkās
sarvam tīrṇam ca me sainyam
und mein ganzes Heer hinübergesetzt
jitamityupadhāraya
betrachte es als gewonnen
ime hi samare vīrā
denn diese heldenhaften im Kampf
harayaḥ kāmarūpiṇaḥ
die gestaltwandelnden Affen

tadalam viklabām buddhim rājan sarvārthanāśanīm | puruṣasya hi loke.asmin śokaḥ śauryāpakarṣaṇaḥ |

'So genug der verzagten Gesinnung, o König, die alle Ziele zunichtemacht; denn in dieser Welt entzieht der Kummer dem Manne seine Tapferkeit.'

Wort für Wort
tadalam viklabām buddhim
so genug der verzagten Gesinnung
rājan sarvārthanāśanīm
o König, die alle Ziele zunichtemacht
puruṣasya hi loke.asmin
denn dem Manne in dieser Welt
śokaḥ śauryāpakarṣaṇaḥ
entzieht der Kummer die Tapferkeit

yattu kāryam manuṣyeṇa śauṇḍīryamavalambyatām | tadalamkaraṇāyaiva karturbhavati satvaram |

'Welche Aufgabe auch immer von einem Menschen zu vollbringen ist - mit Tatkraft angepackt, wird sie dem Vollbringer rasch zur Zierde gereichen.'

Wort für Wort
yattu kāryam manuṣyeṇa
welche Aufgabe auch immer von einem Menschen
śauṇḍīryamavalambyatām
mit Tatkraft angepackt werde
tadalamkaraṇāyaiva
gerade zur Zierde
karturbhavati satvaram
wird sie dem Vollbringer rasch

asmin kāle mahāprājñ sattvamātiṣṭha te jasā | śūrāṇām hi manuṣyāṇām tvadvidhānām mahātmanām | vinaṣṭevā ranassṭe vāśokaḥ sarvārthanāśanaḥ |

'In diesem Augenblick, o Hochweiser, halte fest an deiner Tapferkeit durch deine eigene Kraft; denn bei heldenhaften, hochgesinnten Männern deinesgleichen findet nicht der alle Ziele vernichtende Kummer statt, weder im Kampf noch sonst.'

Wort für Wort
asmin kāle mahāprājñ
in diesem Augenblick, o Hochweiser
sattvamātiṣṭha te jasā
halte fest an Tapferkeit durch deine Kraft
śūrāṇām hi manuṣyāṇām
denn bei heldenhaften Menschen
tvadvidhānām mahātmanām
deinesgleichen, den Hochgesinnten
vinaṣṭevā ranassṭe vā
weder im Kampf noch sonst
śokaḥ sarvārthanāśanaḥ
findet der alle Ziele vernichtende Kummer statt

tattvam buddhimatām śreṣṭhah sarvaśāstrarthakovidaḥ | madvidhaiḥ sacivaiḥ sārdhamarim jetum samarhasi |

'Du also, der Beste der Verständigen, kundig des Sinnes aller Lehren, vermagst zusammen mit Ministern wie mir den Feind zu besiegen.'

Wort für Wort
tattvam buddhimatām śreṣṭhah
du also, der Beste der Verständigen
sarvaśāstrarthakovidaḥ
kundig des Sinnes aller Lehren
madvidhaiḥ sacivaiḥ sārdham
zusammen mit Ministern wie mir
arim jetum samarhasi
vermagst du den Feind zu besiegen

na hi paśyāmyaham kam cittriṣu lokeṣu rāghava | gṛhītadhanuṣo yaste tiṣṭhe dabhimukho raṇe |

'Denn ich sehe niemanden, o Nachkomme Raghus, in den drei Welten, der dir, den Bogen ergriffen habend, im Kampf gegenüberstehen könnte.'

Wort für Wort
na hi paśyāmyaham kam cit
denn ich sehe niemanden
triṣu lokeṣu rāghava
in den drei Welten, o Nachkomme Raghus
gṛhītadhanuṣo yaste
der dir, den Bogen ergriffen habend
tiṣṭhe dabhimukho raṇe
im Kampf gegenüberstehen könnte

vānareṣu samāsaktam na te kāryam vipatsyate | acirāddrakṣyase sītām tīrtvā sāgaramakṣayam |

'Die den Affen anvertraute Aufgabe wird dir nicht misslingen; bald wirst du Sītā erblicken, nachdem du das unerschöpfliche Meer überquert hast.'

Wort für Wort
vānareṣu samāsaktam
die den Affen anvertraute
na te kāryam vipatsyate
Aufgabe wird dir nicht misslingen
acirāddrakṣyase sītām
bald wirst du Sītā erblicken
tīrtvā sāgaramakṣayam
nachdem du das unerschöpfliche Meer überquert hast

tadalam śokamālambya krodhamālamba bhūpate | niśceṣṭāh kṣatriyā mandāḥ sarve caṇḍasy bibhyati |

'So genug damit, dich dem Kummer hinzugeben - gib dich dem Zorn hin, o Herrscher; untätige, träge Kṣatriyas fürchten sich alle vor dem Ungestümen.'

Wort für Wort
tadalam śokamālambya
so genug, dich dem Kummer hingegeben zu haben
krodhamālamba bhūpate
gib dich dem Zorn hin, o Herrscher
niśceṣṭāh kṣatriyā mandāḥ
untätige, träge Kṣatriyas
sarve caṇḍasy bibhyati
fürchten sich alle vor dem Ungestümen

laṅghānārtham ca ghorasya samudrasya nadīpateḥ | sahāsmābhirihoopetah sūkṣmabuddhirvicāraya |

'Und im Hinblick auf die Überquerung des grausigen Meeres, des Herrn der Flüsse, mögest du, zusammen mit uns hier versammelt, mit feinsinnigem Verstand nachdenken.'

Wort für Wort
laṅghānārtham ca ghorasya
und im Hinblick auf die Überquerung des grausigen
samudrasya nadīpateḥ
des Meeres, des Herrn der Flüsse
sahāsmābhirihoopetah
zusammen mit uns hier versammelt
sūkṣmabuddhirvicāraya
mögest du mit feinsinnigem Verstand nachdenken

laṅghite tatra taiḥ sainyairjitamityeva niścinu | sarvam tīrṇam ca me sainyam jitamityavadhāryatām |

'Wenn es dort von jenen Heeren überquert ist, so halte es für gewonnen; mein ganzes hinübergesetztes Heer betrachte als den Sieg gebracht habend.'

Wort für Wort
laṅghite tatra taiḥ sainyair
wenn es dort von jenen Heeren überquert ist
jitamityeva niścinu
so halte es für gewonnen
sarvam tīrṇam ca me sainyam
mein ganzes hinübergesetztes Heer
jitamityavadhāryatām
betrachte als den Sieg gebracht habend

ime hi harayaḥ śūrāḥ samare kāmarūpiṇaḥ | tānarīnvidhamiṣyanti śilāpādapavṛṣṭibhiḥ |

'Denn diese heldenhaften, gestaltwandelnden Affen werden im Kampf jene Feinde mit einem Regen von Felsen und Bäumen vernichten.'

Wort für Wort
ime hi harayaḥ śūrāḥ
denn diese heldenhaften Affen
samare kāmarūpiṇaḥ
im Kampf, die gestaltwandelnden
tānarīnvidhamiṣyanti
werden jene Feinde vernichten
śilāpādapavṛṣṭibhiḥ
mit einem Regen von Felsen und Bäumen

katham citparipaśyāmi laṅghitam varuṇālayam | hatamityeva tam manye yuddhe śatrunibarhaṇa |

'Sobald ich nur den Wohnsitz Varuṇas überquert sehe, halte ich ihn, o Vernichter der Feinde, für schon im Kampf erschlagen.'

Wort für Wort
katham citparipaśyāmi
sobald ich nur erblicke
laṅghitam varuṇālayam
den Wohnsitz Varuṇas überquert
hatamityeva tam manye
halte ich ihn für schon erschlagen
yuddhe śatrunibarhaṇa
im Kampf, o Vernichter der Feinde

kimuktvā bahudhā cāpi sarvathā vijayā bhavān | nimittāni ca paśyāmi mano me samprahṛṣyati |

'Was soll ich noch vielfach sagen? Auf jede Weise wirst du siegreich sein; und ich erblicke die Vorzeichen dafür, mein Herz freut sich.'

Wort für Wort
kimuktvā bahudhā cāpi
was soll ich noch vielfach sagen
sarvathā vijayā bhavān
auf jede Weise wirst du siegreich sein
nimittāni ca paśyāmi
und ich erblicke die Vorzeichen
mano me samprahṛṣyati
mein Herz freut sich

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks