Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa
Sarga 5: Rāmasya Vilāpaḥ
Rāmas Klage am Meer
sā tu nīlena vidhivat svārakṣā susamāhitā |
sāgarasya uttare tīre sādhu senā vinieśitā |
Jenes Heer aber, von Nīla ordnungsgemäß und wohlbedacht gut bewacht, wurde am nördlichen Ufer des Meeres wohlgeordnet gelagert.
Wort für Wort sā tu nīlena vidhivat jenes aber von Nīla ordnungsgemäß svārakṣā susamāhitā gut bewacht, wohlbedacht sāgarasya uttare tīre am nördlichen Ufer des Meeres sādhu senā vinieśitā wurde das Heer wohlgeordnet gelagert maindaḥ ca dvividhaḥ ca ubhau tatra vānara pumgavau |
viceratuḥ ca tām senām rakṣā artham sarvato diśam |
Und Mainda und Dvivida, beide Stiere unter den Affen, durchstreiften dort das Heer, es zu bewachen, nach allen Richtungen.
Wort für Wort maindaḥ ca dvividhaḥ ca ubhau und Mainda und Dvivida, beide tatra vānara pumgavau dort die Stiere unter den Affen viceratuḥ ca tām senām durchstreiften jenes Heer rakṣā artham sarvato diśam zur Bewachung nach allen Richtungen niviṣṭāyām tu senāyām tīre nada nadī pateḥ |
pārśvastham lakṣmaṇam dṛṣṭvā rāmo vacanam abravīt |
Als das Heer am Ufer des Herrn der Ströme und Flüsse gelagert war, sprach Rāma, den an seiner Seite stehenden Lakṣmaṇa erblickend, dieses Wort:
Wort für Wort niviṣṭāyām tu senāyām als das Heer gelagert war tīre nada nadī pateḥ am Ufer des Herrn der Ströme und Flüsse pārśvastham lakṣmaṇam dṛṣṭvā den an der Seite stehenden Lakṣmaṇa erblickend rāmo vacanam abravīt sprach Rāma dieses Wort śokaḥ ca kila mama kālena gaccatā hi apagaccati |
mama ca apaśyataḥ kāntām ahani ahani vardhate |
'Und mein Kummer, so heißt es, weicht mit vergehender Zeit; doch mir, der ich meine Geliebte nicht sehe, wächst er Tag um Tag.'
Wort für Wort śokaḥ ca kila mama und mein Kummer, so heißt es kālena gaccatā hi apagaccati weicht mit vergehender Zeit mama ca apaśyataḥ kāntām doch mir, der die Geliebte nicht sieht ahani ahani vardhate wächst er Tag um Tag na me duhkham priyā dūre na me duhkham hṛtā iti ca |
tad eva anuśocāmi vayo asyā hi ativartate |
'Nicht ist mein Schmerz, dass die Geliebte fern ist, nicht ist mein Schmerz, dass sie geraubt wurde - eben dies betrauere ich, dass ihre Jugend verstreicht.'
Wort für Wort na me duhkham priyā dūre nicht ist mein Schmerz, dass die Geliebte fern ist na me duhkham hṛtā iti ca und nicht mein Schmerz, dass sie geraubt wurde tad eva anuśocāmi eben dies betrauere ich vayo asyā hi ativartate dass ihre Jugend verstreicht vāhi vāta yataḥ kanyā tām spṛṣṭvā mām api spṛśa |
tvayi me gātra saṃsparśaḥ candre dṛṣṭi samāgamaḥ |
'Wehe, Wind, von dort, wo das Mädchen ist; sie berührend, berühre auch mich - in dir ist die Berührung meines Leibes mit ihrem, im Mond die Begegnung meines Blickes mit ihrem.'
Wort für Wort vāhi vāta yataḥ kanyā wehe, Wind, von dort, wo das Mädchen ist tām spṛṣṭvā mām api spṛśa sie berührend, berühre auch mich tvayi me gātra saṃsparśaḥ in dir ist die Berührung meines Leibes candre dṛṣṭi samāgamaḥ im Mond die Begegnung des Blickes tan me dahati gātrāṇi viṣam pītam iva āśaye |
hā nātha iti priyā sā mām hriyamāṇā yad abravīt |
'Das verbrennt mir die Glieder, wie getrunkenes Gift in meinem Innern: „O Herr!“ - das, was jene Geliebte zu mir sprach, als sie fortgeschleppt wurde.'
Wort für Wort tan me dahati gātrāṇi das verbrennt mir die Glieder viṣam pītam iva āśaye wie getrunkenes Gift in meinem Innern hā nātha iti priyā sā „o Herr!“, jene Geliebte mām hriyamāṇā yad abravīt was sie, fortgeschleppt, zu mir sprach tad viyoga indhanavatā tac cintā vipula arciṣā |
rātrim divam śarīram me dahyate madana agninā |
'Von jener Trennung als Brennstoff genährt, von jener Sorge als gewaltiger Flamme, brennt mein Leib Tag und Nacht im Feuer der Liebe.'
Wort für Wort tad viyoga indhanavatā von jener Trennung als Brennstoff genährt tac cintā vipula arciṣā von jener Sorge als gewaltiger Flamme rātrim divam śarīram me mein Leib bei Nacht und Tag dahyate madana agninā brennt im Feuer der Liebe avagāhya arṇavam svapsye saumitre bhavatā vinā |
kathaṃcit prajvalan kāmaḥ samāsuptam jale dahet |
'Ins Meer tauchend werde ich schlafen, o Sohn der Sumitrā, ohne dich; vielleicht möchte die lodernde Begierde den im Wasser Schlafenden verbrennen.'
Wort für Wort avagāhya arṇavam svapsye ins Meer tauchend werde ich schlafen saumitre bhavatā vinā o Sohn der Sumitrā, ohne dich kathaṃcit prajvalan kāmaḥ vielleicht die lodernde Begierde samāsuptam jale dahet möchte den im Wasser Schlafenden verbrennen bahv etat kāmayānasya śakyam etena jīvitum |
yad aham sā ca vāma ūrur ekām dharaṇim āśritau |
'Vieles davon, was den Begehrenden erwartet, könnte durch dies möglich sein zu leben: dass ich und sie, die Schönhüftige, dieselbe Erde bewohnen.'
Wort für Wort bahv etat kāmayānasya vieles davon, was den Begehrenden erwartet śakyam etena jīvitum könnte man durch dies leben yad aham sā ca vāma ūrur dass ich und sie, die Schönhüftige ekām dharaṇim āśritau dieselbe Erde bewohnen kedārasya iva kedāraḥ sa udakasya nirūdakaḥ |
upasnehena jīvāmi jīvantīm yat śṛṇomi tām |
'Wie ein wasserloses Feld dem bewässerten - so lebe ich von der Zuneigung, dass ich höre, sie lebe noch.'
Wort für Wort kedārasya iva kedāraḥ wie ein Feld dem Feld sa udakasya nirūdakaḥ das bewässerte dem wasserlosen upasnehena jīvāmi von der Zuneigung lebe ich jīvantīm yat śṛṇomi tām dass ich höre, sie lebe noch kadā tu khalu susśoṇīm śata patra āyata īkṣaṇām |
vijitya śatrūn drakṣyāmi sītām sphītām iva śriyam |
'Wann werde ich, nachdem ich die Feinde besiegt habe, Sītā erblicken, die Schönhüftige, mit den weit geöffneten, lotusblütengleichen Augen, wie die blühende Glücksgöttin?'
Wort für Wort kadā tu khalu susśoṇīm wann werde ich die Schönhüftige śata patra āyata īkṣaṇām mit den weit geöffneten, lotusblütengleichen Augen vijitya śatrūn drakṣyāmi nachdem ich die Feinde besiegt habe, erblicken sītām sphītām iva śriyam Sītā, wie die blühende Glücksgöttin kadā nu cāru bimba oṣṭham tasyāḥ padmam iva ānanam |
īṣad unnamya pāsyāmi rasāyanam iva āturaḥ |
'Wann werde ich ihr Antlitz, gleich einer Lotusblüte, mit den schönen, korallenroten Lippen, leicht emporhebend, trinken, wie ein Kranker ein Verjüngungselixier?'
Wort für Wort kadā nu cāru bimba oṣṭham wann das schöne, korallenlippige tasyāḥ padmam iva ānanam ihr Antlitz, gleich einer Lotusblüte īṣad unnamya pāsyāmi leicht emporhebend werde ich trinken rasāyanam iva āturaḥ wie ein Kranker ein Elixier tau tasyāḥ samhatau pīnau stanau tāla phala upamau |
kadā nu khalu sa utkampau hasantyā mām bhajiṣyataḥ |
'Jene ihre eng aneinanderliegenden, vollen Brüste, den Tāla-Früchten gleich - wann werden sie, erbebend, während sie lacht, sich mir zuwenden?'
Wort für Wort tau tasyāḥ samhatau pīnau jene ihre eng aneinanderliegenden, vollen stanau tāla phala upamau Brüste, den Tāla-Früchten gleich kadā nu khalu sa utkampau wann werden sie, erbebend hasantyā mām bhajiṣyataḥ während sie lacht, sich mir zuwenden sā nūnam asita apāngī rakṣo madhya gatā satī |
man nāthā nātha hīnā iva trātāram na adhigaccati |
'Sie, die Dunkeläugige, gewiss, inmitten der Rākṣasas weilend, findet, obwohl mich zu ihrem Herrn habend, wie eine Herrenlose, keinen Beschützer.'
Wort für Wort sā nūnam asita apāngī sie, gewiss, die Dunkeläugige rakṣo madhya gatā satī inmitten der Rākṣasas weilend man nāthā nātha hīnā iva obwohl mich zum Herrn habend, wie herrenlos trātāram na adhigaccati findet sie keinen Beschützer kadā vikṣobhya rakṣāṃsi sā vidhūya utpatiṣyati |
rākṣasīmadhyagā śete snuṣā daśarathasya ca |
'Wann wird sie, die Rākṣasas aufwühlend, sich losschüttelnd, emporfliegen? Inmitten der Rākṣasīs liegend, die Schwiegertochter Daśarathas.'
Wort für Wort kadā vikṣobhya rakṣāṃsi wann, die Rākṣasas aufwühlend sā vidhūya utpatiṣyati wird sie, sich losschüttelnd, emporfliegen rākṣasīmadhyagā śete inmitten der Rākṣasīs liegt sie snuṣā daśarathasya ca die Schwiegertochter Daśarathas avikṣobhyāṇi rakṣāṃsi sā vidhūyotpatiṣyati |
vidhūya jaladān nīlān śaśi lekhā śaratsv iva |
'Die unerschütterlichen Rākṣasas abschüttelnd, wird sie emporfliegen, wie die Mondsichel, dunkle Wolken abschüttelnd, im Herbst.'
Wort für Wort avikṣobhyāṇi rakṣāṃsi die unerschütterlichen Rākṣasas sā vidhūyotpatiṣyati sie wird, abschüttelnd, emporfliegen vidhūya jaladān nīlān dunkle Wolken abschüttelnd śaśi lekhā śaratsv iva wie die Mondsichel im Herbst svabhāva tanukā nūnam śokena anaśanena ca |
bhūyas tanutarā sītā deśa kāla viparyayāt |
'Von Natur aus schlank, gewiss noch schmaler durch Kummer und Fasten - noch schlanker ist Sītā geworden durch die Widrigkeit von Ort und Zeit.'
Wort für Wort svabhāva tanukā nūnam von Natur aus schlank, gewiss śokena anaśanena ca durch Kummer und Fasten bhūyas tanutarā sītā noch schlanker ist Sītā geworden deśa kāla viparyayāt durch die Widrigkeit von Ort und Zeit kadā nu rākṣasa indrasya nidhāya urasi sāyakān |
sītām pratyāhariṣyāmi śokam utsṛjya mānasam |
'Wann werde ich, dem Herrn der Rākṣasas Pfeile in die Brust versenkend, Sītā zurückbringen und den Kummer meines Herzens fahren lassen?'
Wort für Wort kadā nu rākṣasa indrasya wann dem Herrn der Rākṣasas nidhāya urasi sāyakān Pfeile in die Brust versenkend sītām pratyāhariṣyāmi werde ich Sītā zurückbringen śokam utsṛjya mānasam den Kummer des Herzens fahren lassend kadā nu khalu mām sādhvī sītā amara sutā upamā |
sa utkaṇṭhā kaṇṭham ālambya mokṣyati ānandajam jalam |
'Wann wird die tugendhafte Sītā, einer Göttertochter gleich, sich sehnsuchtsvoll an meinen Hals klammernd, Tränen der Freude vergießen?'
Wort für Wort kadā nu khalu mām sādhvī wann wird die tugendhafte sītā amara sutā upamā Sītā, einer Göttertochter gleich, mich sa utkaṇṭhā kaṇṭham ālambya sehnsuchtsvoll den Hals umklammernd mokṣyati ānandajam jalam wird sie Tränen der Freude vergießen kadā śokam imam ghoram maithilī viprayogajam |
sahasā vipramokṣyāmi vāsaḥ śukla itaram yathā |
'Wann werde ich diesen furchtbaren, aus der Trennung von Maithilī entstandenen Kummer plötzlich ablegen, wie ein anderes, weißes Gewand?'
Wort für Wort kadā śokam imam ghoram wann diesen furchtbaren Kummer maithilī viprayogajam aus der Trennung von Maithilī entstandenen sahasā vipramokṣyāmi werde ich plötzlich ablegen vāsaḥ śukla itaram yathā wie ein anderes, weißes Gewand evam vilapatas tasya tatra rāmasya dhīmataḥ |
dina kṣayān manda vapur bhāskaro astam upāgamat |
Während so jener weise Rāma dort klagte, ging, mit gedämpfter Gestalt durch das Enden des Tages, die Sonne unter.
Wort für Wort evam vilapatas tasya während so jener klagte tatra rāmasya dhīmataḥ dort, Rāmas, des Weisen dina kṣayān manda vapur durch das Enden des Tages, mit gedämpfter Gestalt bhāskaro astam upāgamat ging die Sonne unter āśvāsito lakṣmaṇena rāmaḥ saṃdhyām upāsata |
smaran kamala patra akṣīm sītām śoka ākulī kṛtaḥ |
Von Lakṣmaṇa getröstet, verrichtete Rāma die Dämmerungsandacht, an Sītā mit den Augen wie Lotusblütenblätter denkend, von Kummer verwirrt.
Wort für Wort āśvāsito lakṣmaṇena von Lakṣmaṇa getröstet rāmaḥ saṃdhyām upāsata verrichtete Rāma die Dämmerungsandacht smaran kamala patra akṣīm an die mit Lotusblütenaugen denkend sītām śoka ākulī kṛtaḥ an Sītā, von Kummer verwirrt
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