Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa

Sarga 13: Mahāpārśva Vākyam Mahāpārśvas Rat und Rāvaṇas Geheimnis

rāvaṇam kruddhamājñāya mahāpārśvo mahābalaḥ | muhūrta manusaṃcintya prāñjalirvākya mabravīt ||

Nachdem er erkannt hatte, dass Rāvaṇa zornig war, sprach der gewaltig starke Mahāpārśva, nachdem er einen Augenblick nachgedacht hatte, die Hände zum Añjali gefaltet, dieses Wort:

Wort für Wort
rāvaṇam kruddhamājñāya
nachdem er erkannt hatte, dass Rāvaṇa zornig war
mahāpārśvo mahābalaḥ
Mahāpārśva, der gewaltig Starke
muhūrta manusaṃcintya
einen Augenblick nachdenkend
prāñjalirvākya mabravīt
sprach, die Hände zum Añjali gefaltet, dieses Wort

yaḥ khalvapi vanam prāpya mṛgavyālaniṣevitam | na pibenmadhu samprāpya sa naro bāliśo dhruvam ||

'Wer, obwohl er einen von wilden Tieren und Schlangen bewohnten Wald erreicht hat, den erlangten Honig nicht trinkt, jener Mann ist gewiss ein Tor.'

Wort für Wort
yaḥ khalvapi vanam prāpya
wer, obwohl er den Wald erreicht hat
mṛgavyālaniṣevitam
von wilden Tieren und Schlangen bewohnten
na pibenmadhu samprāpya
nicht trinkt den erlangten Honig
sa naro bāliśo dhruvam
jener Mann ist gewiss ein Tor

īśvarasyeśvaraḥ ko.asti tava śatrunibarhaṇa | ramasva saha vaidehyā śatrūnākramya mūrdhasu ||

'Wer ist ein Herr über den Herrn, o Vernichter der Feinde? Ergehe dich in Freude mit der Tochter Videhas, nachdem du deine Feinde auf das Haupt getreten hast.'

Wort für Wort
īśvarasyeśvaraḥ ko.asti
wer ist ein Herr über den Herrn
tava śatrunibarhaṇa
o Vernichter deiner Feinde
ramasva saha vaidehyā
ergehe dich in Freude mit der Tochter Videhas
śatrūnākramya mūrdhasu
nachdem du die Feinde auf das Haupt getreten hast

balātkukkuṭavṛttena pravartasva mahābala | akramyākramya sītām vai tām bhuṅiksva ca ramasva ca ||

'Nach der Art des Hahns, mit Gewalt, verfahre, o gewaltig Starker; Schritt für Schritt dich Sītā nähernd, genieße sie und ergehe dich in Freude.'

Wort für Wort
balātkukkuṭavṛttena
nach der Art des Hahns, mit Gewalt
pravartasva mahābala
verfahre, o gewaltig Starker
akramyākramya sītām vai
Schritt für Schritt dich Sītā nähernd
tām bhuṅiksva ca ramasva ca
genieße sie und ergehe dich in Freude

labdhakāmasya te paścādāgamiṣyati kim bhayam | prāptamaprāptakālam vā sarvam pratividhāsyate ||

'Für dich, dem sein Verlangen erfüllt ist, welche Gefahr sollte danach noch kommen? Alles, was eingetreten ist oder noch nicht seine Zeit erreicht hat, wird abgewendet werden.'

Wort für Wort
labdhakāmasya te paścād
für dich, dem sein Verlangen erfüllt ist, danach
āgamiṣyati kim bhayam
welche Gefahr sollte kommen
prāptamaprāptakālam vā
was eingetreten ist oder noch nicht seine Zeit erreicht hat
sarvam pratividhāsyate
alles wird abgewendet werden

kumbhakarṇaḥ sahāsmābhirindrajicca mahābalaḥ | pratiṣedhayitum śaktau savajramapi vajriṇam ||

'Kumbhakarṇa, zusammen mit uns, und der gewaltig starke Indrajit, sind imstande, selbst den Blitzträger samt seinem Blitz abzuwehren.'

Wort für Wort
kumbhakarṇaḥ sahāsmābhir
Kumbhakarṇa, zusammen mit uns
indrajicca mahābalaḥ
und der gewaltig starke Indrajit
pratiṣedhayitum śaktau
sind imstande abzuwehren
savajramapi vajriṇam
selbst den Blitzträger samt seinem Blitz

upapradānam sāntvam vā bhedam vā kuśalaiḥ kṛtam | samatikramya daṇḍena siddhimartheṣu rocaye ||

'Geschenke, milde Worte oder Spaltung, von den Geschickten angewandt, alle übergehend, wünsche ich den Erfolg in unseren Angelegenheiten durch Bestrafung.'

Wort für Wort
upapradānam sāntvam vā
Geschenke, milde Worte
bhedam vā kuśalaiḥ kṛtam
oder Spaltung, von den Geschickten angewandt
samatikramya daṇḍena
alle übergehend, durch Bestrafung
siddhimartheṣu rocaye
wünsche ich den Erfolg in den Angelegenheiten

iha prāptānvayam sarvān śatrūṃstava mahābala | vaśe śastrapratāpena kariṣyāmo na saṃśayaḥ ||

'Alle deine hierher gelangten Feinde werden wir, o gewaltig Starker, durch die Macht der Waffen unterwerfen - ohne Zweifel.'

Wort für Wort
iha prāptānvayam sarvān
alle hierher gelangten
śatrūṃstava mahābala
deine Feinde, o gewaltig Starker
vaśe śastrapratāpena
durch die Macht der Waffen unterwerfen
kariṣyāmo na saṃśayaḥ
werden wir, ohne Zweifel

evamuktastadā rājā mahāpārśvaena rāvaṇaḥ | tasya sampūjayanvākyamidam vacanamabravīt ||

So von Mahāpārśva angesprochen, sprach da der König Rāvaṇa, dessen Wort lobend, dieses Wort:

Wort für Wort
evamuktastadā rājā
so angesprochen, da der König
mahāpārśvaena rāvaṇaḥ
von Mahāpārśva, Rāvaṇa
tasya sampūjayanvākyam
dessen Wort lobend
idam vacanamabravīt
sprach er dieses Wort

mahāpārśva nibodha tvam rahasyam kiṃcidātmanaḥ | ciravṛttam tadākhyāsye yadavāptam purā mayā ||

'Mahāpārśva, vernimm ein Geheimnis über mich; jenes lange zurückliegende Geschehnis will ich dir berichten, das mir einst widerfuhr.'

Wort für Wort
mahāpārśva nibodha tvam
Mahāpārśva, vernimm du
rahasyam kiṃcidātmanaḥ
ein Geheimnis über mich
ciravṛttam tadākhyāsye
jenes lange zurückliegende Geschehnis will ich berichten
yadavāptam purā mayā
das mir einst widerfuhr

pitāmahasya bhavanam gaccantīm puñjikasthalām | cañcūryamāṇāmadrākṣamākāśe.agniśikhāmiva ||

'Zum Gemach des Großvaters gehend, erblickte ich Puñjikasthalā, die am Himmel umherschweifende, wie eine Feuerflamme.'

Wort für Wort
pitāmahasya bhavanam
zum Gemach des Großvaters
gaccantīm puñjikasthalām
gehend, Puñjikasthalā
cañcūryamāṇāmadrākṣam
erblickte ich, die umherschweifende
ākāśe.agniśikhāmiva
am Himmel, wie eine Feuerflamme

sā prasahya mayā bhuktā kṛtā vivasanā tataḥ | svayambhūbhavanam prāptā lolitā nalinī yathā ||

'Sie wurde von mir mit Gewalt genossen, entkleidet gemacht; sie gelangte dann zum Gemach des Selbstentstandenen, versehrt wie eine Lotusblüte.'

Wort für Wort
sā prasahya mayā bhuktā
sie wurde von mir mit Gewalt genossen
kṛtā vivasanā tataḥ
entkleidet gemacht sodann
svayambhūbhavanam prāptā
gelangte zum Gemach des Selbstentstandenen
lolitā nalinī yathā
versehrt wie eine Lotusblüte

tacca tasya tadā manye jñātamāsīnmahātmanaḥ | atha samkupito vedhā māmidam vākyamabravī ||

'Und dies wurde, wie ich meine, damals von jenem Hochgesinnten erkannt; da sprach der zornig gewordene Schöpfer zu mir dieses Wort:'

Wort für Wort
tacca tasya tadā manye
und dies, wie ich meine, damals
jñātamāsīnmahātmanaḥ
wurde von jenem Hochgesinnten erkannt
atha samkupito vedhā
da der zornig gewordene Schöpfer
māmidam vākyamabravī
sprach zu mir dieses Wort

adyaprabhṛti yāmanyām balānnārīm gamiṣyasi | tadā te śatadhā murdhā phaliṣyati na saṃśayaḥ ||

'„Von heute an, welche andere Frau du auch immer mit Gewalt nehmen wirst, dann wird dein Haupt in hundert Teile zerspringen, ohne Zweifel.“'

Wort für Wort
adyaprabhṛti yāmanyām
von heute an, welche andere
balānnārīm gamiṣyasi
Frau du mit Gewalt nehmen wirst
tadā te śatadhā murdhā
dann wird dein Haupt in hundert Teile
phaliṣyati na saṃśayaḥ
zerspringen, ohne Zweifel

ityaham tasya śāpasya bhītaḥ prasabhameva tām | nārohaye balātsītām vaidehīm śayne śubhe ||

'So besteige ich, aus Furcht vor jenem Fluch, mit Gewalt Sītā nicht, die Tochter Videhas, auf mein schönes Lager.'

Wort für Wort
ityaham tasya śāpasya
so ich, jenes Fluches
bhītaḥ prasabhameva tām
aus Furcht, mit Gewalt sie
nārohaye balātsītām
besteige ich nicht mit Gewalt Sītā
vaidehīm śayne śubhe
die Tochter Videhas, auf das schöne Lager

sāgarasyeva me vego mārutasyeva me gatiḥ | naitaddāśarathirveda hyāpādayati tena mām ||

'Wie des Meeres ist meine Wucht, wie des Windes mein Gang; dies weiß der Sohn des Daśaratha nicht, deshalb fordert er mich heraus.'

Wort für Wort
sāgarasyeva me vego
wie des Meeres ist meine Wucht
mārutasyeva me gatiḥ
wie des Windes mein Gang
naitaddāśarathirveda
dies weiß der Sohn des Daśaratha nicht
hyāpādayati tena mām
deshalb fordert er mich heraus

ko hi simhamivāsīnam suptam giriguhāśaye | kruddham mṛtyumivā.asīnam sambodhayitumiccati ||

'Denn wer wünscht, den wie ein Löwe Sitzenden zu wecken, der in einer Bergeshöhle schläft, den Zornigen, der wie der Tod sitzt?'

Wort für Wort
ko hi simhamivāsīnam
denn wer den wie ein Löwe Sitzenden
suptam giriguhāśaye
der in einer Bergeshöhle schläft
kruddham mṛtyumivā.asīnam
den Zornigen, wie der Tod sitzend
sambodhayitumiccati
wünscht zu wecken

na matto nirgatān bāṇān dvijihvān panngāniva | rāmaḥ paśyati samgrāme tena māmabhigaccati ||

'Rāma hat die von mir abgeschossenen, doppelzüngigen, schlangengleichen Pfeile im Kampf noch nicht gesehen, deshalb nähert er sich mir.'

Wort für Wort
na matto nirgatān bāṇān
die von mir abgeschossenen Pfeile
dvijihvān panngāniva
doppelzüngig, schlangengleich
rāmaḥ paśyati samgrāme
hat Rāma im Kampf gesehen
tena māmabhigaccati
deshalb nähert er sich mir

kṣipram vajrasamairbāṇaiḥ śatadhā kārmukacutaiḥ | rāmamādīpayiṣyāmi ulkabhiriva kuñjaram ||

'Rasch werde ich Rāma mit blitzgleichen, vom Bogen hundertfach entlassenen Pfeilen entflammen, wie einen Elefanten mit Feuerbränden.'

Wort für Wort
kṣipram vajrasamairbāṇaiḥ
rasch mit blitzgleichen Pfeilen
śatadhā kārmukacutaiḥ
hundertfach vom Bogen entlassen
rāmamādīpayiṣyāmi
werde ich Rāma entflammen
ulkabhiriva kuñjaram
wie einen Elefanten mit Feuerbränden

taccāsya balamādāsye balena mahatā vṛtaḥ | uditaḥ savitā kāle nakṣatrāṇām prabhāmiva ||

'Und ich werde ihm seine Kraft nehmen, von gewaltiger Kraft umgeben, wie die zur rechten Zeit aufgehende Sonne den Glanz der Sternbilder.'

Wort für Wort
taccāsya balamādāsye
und ich werde ihm seine Kraft nehmen
balena mahatā vṛtaḥ
von gewaltiger Kraft umgeben
uditaḥ savitā kāle
die zur rechten Zeit aufgehende Sonne
nakṣatrāṇām prabhāmiva
wie den Glanz der Sternbilder

na vāsavenāpi sahasracakṣuṣā | yudhāsmi śakyo varuṇena vā punaḥ | mayā tviyam bāhubalena nirjitā | purā purī vaiśravaṇena pālitā ||

'Nicht einmal von Vāsava mit den tausend Augen kann ich im Kampf bezwungen werden, noch von Varuṇa; von mir aber wurde einst diese Stadt, die von Vaiśravaṇa beherrscht war, mit Armeskraft erobert.'

Wort für Wort
na vāsavenāpi sahasracakṣuṣā
nicht einmal von Vāsava mit den tausend Augen
yudhāsmi śakyo varuṇena vā punaḥ
kann ich im Kampf bezwungen werden, noch von Varuṇa
mayā tviyam bāhubalena nirjitā
von mir aber wurde diese mit Armeskraft erobert
purā purī vaiśravaṇena pālitā
einst die Stadt, die von Vaiśravaṇa beherrscht war

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks