Rāmāyaṇa · Yuddhakāṇḍa
Sarga 118: Sītā-Śuddhi-Pratigrahaṇam
Sītās Reinigung und Rāmas Vereinigung
etacchrutvā śubhaṃ vākyaṃ pitāmahasamīritam |
aṅkenādāya vaidehīmutpapāta vibhāvasuḥ ||
Als er dieses von dem Urahn Brahmā geäußerte, heilvolle Wort vernommen hatte, erhob sich der Feuergott, die Vaidehī in seinem Schoß tragend.
Wort für Wort etat śrutvā śubhaṃ vākyaṃ dieses heilvolle Wort vernehmend pitāmahasamīritam von dem Urahn geäußert aṅkena ādāya vaidehīm die Vaidehī im Schoß tragend utpapāta vibhāvasuḥ erhob sich der Feuergott vidhūyātha citāṃ tāṃ tu viadehīṃ havyavāhanaḥ |
uttasthau mūrtimānāśu gṛhītvā janakātmajām ||
Dann, nachdem er jenen Scheiterhaufen aufgewirbelt hatte, erhob sich das Feuer in leibhaftiger Gestalt und eilig, die Tochter Janakas ergreifend,
Wort für Wort vidhūya atha citāṃ tāṃ tu dann jenen Scheiterhaufen aufwirbelnd vaidehīṃ havyavāhanaḥ die Vaidehī, das Feuer uttasthau mūrtimān āśu erhob sich eilig, in leibhaftiger Gestalt gṛhītvā janakātmajām die Tochter Janakas ergreifend taruṇādityasaṃkāśāṃ taptakāñcanabhūṣaṇām |
raktāmbaradharāṃ bālāṃ nīlakuñcitamūrdhajām ||
die junge Frau, der aufgehenden Sonne gleich, mit geglühtem Goldschmuck geschmückt, in rote Gewänder gekleidet, mit dunklem, lockigem Haar,
Wort für Wort taruṇādityasaṃkāśāṃ der aufgehenden Sonne gleich taptakāñcanabhūṣaṇām mit geglühtem Goldschmuck geschmückt raktāmbaradharāṃ bālāṃ die junge Frau in rote Gewänder gekleidet nīlakuñcitamūrdhajām mit dunklem, lockigem Haar akliṣṭamālyābharaṇāṃ tathārūpāmaninditām |
dadau rāmāya vaidehīmaṅke kṛtvā vibhāvasuḥ ||
mit unversehrten Blumenkränzen und Geschmeide, so gestaltet und tadellos – der Feuergott, sie in seinem Schoß haltend, übergab die Vaidehī dem Rāma.
Wort für Wort akliṣṭamālyābharaṇāṃ mit unversehrten Blumenkränzen und Geschmeide tathārūpām aninditām so gestaltet und tadellos dadau rāmāya vaidehīm übergab dem Rāma die Vaidehī aṅke kṛtvā vibhāvasuḥ in seinem Schoß haltend, der Feuergott abravīttu tadā rāmaṃ sākṣī lokasya pāvakaḥ |
eṣā te rāma vaidehī pāpamasyāṃ na vidyate ||
Da sprach das Feuer, der Zeuge der Welt, zu Rāma: "Hier ist dir, Rāma, die Vaidehī; keine Sünde findet sich an ihr.
Wort für Wort abravīt tu tadā rāmaṃ da sprach zu Rāma sākṣī lokasya pāvakaḥ der Zeuge der Welt, das Feuer eṣā te rāma vaidehī hier ist dir, Rāma, die Vaidehī pāpam asyāṃ na vidyate keine Sünde findet sich an ihr naiva vācā na manasā naiva buddhyā na cakṣuṣā |
suvṛttā vṛttaśauṇḍīryaṃ na tvāmatyacaracchubhā ||
Weder in Wort, noch in Gedanken, noch in ihrem Sinn, noch mit ihrem Blick hat sie, die von gutem Lebenswandel und makelloser Rechtschaffenheit ist, dich je verlassen, die Heilvolle.
Wort für Wort na eva vācā na manasā weder in Wort noch in Gedanken na eva buddhyā na cakṣuṣā noch in ihrem Sinn noch mit ihrem Blick suvṛttā vṛttaśauṇḍīryaṃ sie von gutem Lebenswandel und makelloser Rechtschaffenheit na tvām atyacarat śubhā hat sie dich, die Heilvolle, niemals überschritten rāvaṇenāpanītaiṣā vīryotsiktena rakṣasā |
tvayā virahitā dīnā vivaśā nirjanādvanāt ||
Von Rāvaṇa, dem in seiner Kraft überheblichen Rākṣasa, wurde sie aus dem einsamen Wald entführt, von dir getrennt, elend und ohnmächtig.
Wort für Wort rāvaṇena apanītā eṣā von Rāvaṇa wurde sie entführt vīryotsiktena rakṣasā von dem in seiner Kraft überheblichen Rākṣasa tvayā virahitā dīnā von dir getrennt, elend vivaśā nirjanāt vanāt ohnmächtig aus dem einsamen Wald ruddha cāntaḥpure guptā tvaccittā tvatparāyaṇā |
rakṣitā rākṣasībhiśca ghorābhirghorabuddhibhiḥ ||
Eingesperrt und bewacht im inneren Gemach, dir zugetanen Sinnes, dir allein zugewandt, von furchtbaren, furchtbar gesinnten Rākṣasīs bewacht,
Wort für Wort ruddhā ca antaḥpure guptā eingesperrt und bewacht im inneren Gemach tvaccittā tvatparāyaṇā dir zugetanen Sinnes, dir allein zugewandt rakṣitā rākṣasībhiḥ ca von Rākṣasīs bewacht ghorābhiḥ ghorabuddhibhiḥ von furchtbaren, furchtbar gesinnten pralobhyamānā vividhaṃ tarjyamānā ca maithilī |
nācintayata tadrakṣastvadgatenāntarātmanā ||
vielfach verlockt und bedroht, dachte Maithilī, ihr innerer Geist ganz auf dich gerichtet, niemals an jenen Rākṣasa.
Wort für Wort pralobhyamānā vividhaṃ vielfach verlockt tarjyamānā ca maithilī und bedroht, Maithilī na acintayata tat rakṣaḥ dachte sie niemals an jenen Rākṣasa tvadgatena antarātmanā ihr innerer Geist ganz auf dich gerichtet viśuddhabhāvāṃ niṣpāpāṃ pratigṛhṇīṣva maithilīm |
na kiṃcirabhidhātavyā ahamājñāpayāmi te ||
Nimm Maithilī an, deren Gesinnung rein und die frei von Sünde ist; nichts soll ihr vorgehalten werden – dies gebiete ich dir."
Wort für Wort viśuddhabhāvāṃ niṣpāpāṃ deren Gesinnung rein und die frei von Sünde ist pratigṛhṇīṣva maithilīm nimm Maithilī an na kiṃcit abhidhātavyā nichts soll ihr vorgehalten werden aham ājñāpayāmi te dies gebiete ich dir tataḥ prītamanā rāmaḥ śrutvaivaṃ vadatāṃ varaḥ |
dadhyau muhūrtaṃ dharmātmā bāṣpavyākulalocanaḥ ||
Da, dies hörend, ward Rāma, der Beste unter den Sprechenden, frohen Sinnes; und der Rechtschaffene versank, die Augen von Tränen umflort, für einen Augenblick in Nachdenken.
Wort für Wort tataḥ prītamanā rāmaḥ da ward Rāma frohen Sinnes śrutvā evaṃ vadatāṃ varaḥ dies hörend, der Beste unter den Sprechenden dadhyau muhūrtaṃ dharmātmā versank der Rechtschaffene für einen Augenblick in Nachdenken bāṣpavyākulalocanaḥ die Augen von Tränen umflort evamukto mahātejā dhṛmānuruvikramaḥ |
uvāca tridaśaśreṣṭhaṃ rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ ||
So angesprochen, sprach Rāma, der hochglänzende, standhafte, von gewaltigem Heldenmut, der Beste der Rechtschaffenen, zu dem Besten der Götter:
Wort für Wort evam uktaḥ mahātejā so angesprochen, der hochglänzende dhṛmān uruvikramaḥ standhaft, von gewaltigem Heldenmut uvāca tridaśaśreṣṭhaṃ sprach zu dem Besten der Götter rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ Rāma, der Beste der Rechtschaffenen avaśyaṃ cāpi lokeṣu sītā pāvanamarhati |
dīrghakāloṣitā hīyaṃ rāvaṇāntaḥpure śubhā ||
"Auch war es unerlässlich, dass Sītā in den Augen der Welt eine Reinigung verdiente, da sie, die Heilvolle, lange Zeit in Rāvaṇas innerem Gemach verweilt hatte.
Wort für Wort avaśyaṃ ca api lokeṣu auch war es unerlässlich in den Augen der Welt sītā pāvanam arhati dass Sītā eine Reinigung verdiente dīrghakāloṣitā hi iyaṃ da sie lange Zeit verweilt hatte rāvaṇāntaḥpure śubhā in Rāvaṇas innerem Gemach, die Heilvolle bāliśo bata kāmātma rāmo daśarathātmajaḥ |
iti vakṣyati māṃ loko jānakīmaviśodhya hi ||
'Töricht fürwahr und seiner Leidenschaft unterworfen ist Rāma, der Sohn Daśarathas' – so würde die Welt über mich sagen, hätte ich Jānakī nicht auf die Probe gestellt.
Wort für Wort bāliśo bata kāmātma töricht fürwahr, seiner Leidenschaft unterworfen rāmo daśarathātmajaḥ Rāma, der Sohn Daśarathas iti vakṣyati māṃ loko so würde die Welt über mich sagen jānakīm aviśodhya hi hätte ich Jānakī nicht gereinigt geprüft ananyahṛdayāṃ bhaktāṃ macattaparivartinīm |
ahamapyavagacchāmi maithilīṃ janakātmajām ||
Auch ich weiß wohl, dass Maithilī, die Tochter Janakas, mir treu ergebenen Herzens ist und ganz in meinem Sinn verweilt.
Wort für Wort ananyahṛdayāṃ bhaktāṃ mir treu ergebenen Herzens macattaparivartinīm ganz in meinem Sinn verweilend aham api avagacchāmi auch ich weiß wohl maithilīṃ janakātmajām Maithilī, die Tochter Janakas imāmapi viśālākṣīṃ rakṣitāṃ svena tejasā |
rāvaṇo nātivarteta velāmiva mahodadhiḥ ||
Auch diese Großäugige, durch ihre eigene Kraft geschützt, konnte Rāvaṇa nicht überschreiten, wie der große Ozean sein Ufer nicht überschreitet.
Wort für Wort imām api viśālākṣīṃ auch diese Großäugige rakṣitāṃ svena tejasā durch ihre eigene Kraft geschützt rāvaṇo na ativarteta konnte Rāvaṇa nicht überschreiten velām iva mahodadhiḥ wie der große Ozean sein Ufer pratyayārthaṃ tu lokānāṃ trayāṇām satyasaṃśrayaḥ |
upekṣe cāpi vaidehīṃ praviśantīṃ hutāśanam ||
Um der drei Welten willen aber, um ihr Vertrauen zu gewinnen, ich, der Wahrhaftigkeit Zuflucht, sah gleichmütig zu, wie die Vaidehī in das Feuer eintrat.
Wort für Wort pratyayārthaṃ tu lokānāṃ um der drei Welten willen trayāṇām satyasaṃśrayaḥ um ihr Vertrauen, ich, der Wahrhaftigkeit Zuflucht upekṣe ca api vaidehīṃ sah ich auch gleichmütig zu bei der Vaidehī praviśantīṃ hutāśanam wie sie in das Feuer eintrat na ca śaktaḥ suduṣṭatmā manasāpi hi maithilīm |
pradharṣayitumaprāpyāṃ dīptāmagniśikhāmiva ||
Denn der von übler Gesinnung war nicht imstande, Maithilī, die unerreichbar ist, auch nur in Gedanken zu vergewaltigen, gleich einer lodernden Feuerflamme.
Wort für Wort na ca śaktaḥ suduṣṭatmā und der von übler Gesinnung war nicht imstande manasā api hi maithilīm denn auch nur in Gedanken Maithilī pradharṣayitum aprāpyāṃ zu vergewaltigen, die unerreichbar ist dīptām agniśikhām iva gleich einer lodernden Feuerflamme neya marhati caiśvaryaṃ rāvaṇāntaḥpure śubhā |
ananyā hi mayā sītā bhāskareṇa prabhā yathā ||
Diese Heilvolle verdiente keine Herrschaft in Rāvaṇas innerem Gemach; denn Sītā ist untrennbar von mir, wie das Licht von der Sonne.
Wort für Wort na iyam arhati ca aiśvaryaṃ diese verdiente keine Herrschaft rāvaṇāntaḥpure śubhā in Rāvaṇas innerem Gemach, die Heilvolle ananyā hi mayā sītā denn Sītā ist untrennbar von mir bhāskareṇa prabhā yathā wie das Licht von der Sonne viśuddhā triṣu lokeṣu maithilī janakātmajā |
na vihātuṃ mayā śakyā kīrtirātmavatā yathā ||
Rein in den drei Welten ist Maithilī, die Tochter Janakas; sie kann von mir nicht verlassen werden, wie ein Mann von Selbstbeherrschung seinen Ruhm nicht verlässt.
Wort für Wort viśuddhā triṣu lokeṣu rein in den drei Welten maithilī janakātmajā Maithilī, die Tochter Janakas na vihātuṃ mayā śakyā sie kann von mir nicht verlassen werden kīrtiḥ ātmavatā yathā wie ein Selbstbeherrschter seinen Ruhm nicht avaśyaṃ ca mayā kāryaṃ sarveṣāṃ vo vaco hitam |
snigdhānāṃ lokanāthānāmevaṃ ca vadatāṃ hitam ||
Notwendig auch war es für mich, euer aller heilsames Wort zu befolgen, das der wohlgesinnten Herren der Welt, die so Heilsames sprachen."
Wort für Wort avaśyaṃ ca mayā kāryaṃ notwendig war es auch für mich zu tun sarveṣāṃ vo vaco hitam euer aller heilsames Wort snigdhānāṃ lokanāthānām der wohlgesinnten Herren der Welt evaṃ ca vadatāṃ hitam die so Heilsames sprachen ityevamuktvā vijayī mahābalaḥ |
praśasyamānah svakṛtena karmaṇā |
sametya rāmaḥ priyayā mahāyaśāḥ |
sukhaṃ sukhārho.anubabhūva rāghavaḥ ||
So sprechend, vereint mit seiner Geliebten, gepriesen für sein eigenes Werk, erfuhr Rāma, der Siegreiche, der hochgewaltige, der hochruhmreiche Rāghava, des Glückes würdig, Glückseligkeit.
Wort für Wort iti evam uktvā vijayī so sprechend, der Siegreiche mahābalaḥ praśasyamānaḥ der Hochgewaltige, gepriesen svakṛtena karmaṇā für sein eigenes Werk sametya rāmaḥ priyayā vereint mit seiner Geliebten, Rāma mahāyaśāḥ sukhaṃ sukhārhaḥ der Hochruhmreiche, des Glückes würdig, Glück anubabhūva rāghavaḥ erfuhr Rāghava
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