Nachdem er Prahastas Wort vernommen hatte, sprach der König, der das Wohl des Reiches wollte, nach Glück verlangend, inmitten seiner Freunde, jener Rāvaṇa:
'Über Angenehmes und Unangenehmes, Freude und Leid, Gewinn und Verlust, Gutes und Schädliches, in Angelegenheiten von Tugend, Begierde und Nutzen sollt ihr Bescheid wissen.'
Wort für Wort
priyāpriye sukha duḥkham
über Angenehmes und Unangenehmes, Freude und Leid
lābhālābhe sitāhite
über Gewinn und Verlust, Gutes und Schädliches
dharmakāmārthakṛccreṣu
in Angelegenheiten von Tugend, Begierde und Nutzen
'Schmal in der Mitte, mit breiten Hüften, mit einem Antlitz gleich dem Herbstmond, dem Bild eines Goldkörpers gleich, sanft, wie eine von Maya geschaffene Zauberkunst.'
'Sie, dem Feuerschein eines Opferfeuers gleich, wie der Sonnenglanz - ihr feingeschwungenes, makelloses, liebliches Antlitz mit schönen Augen erblickend, geriet ich unwillkürlich in die Gewalt der Begierde nach ihr.'
Wort für Wort
hutāgnirarciḥsamkāśāmenām
dem Feuerschein eines Opferfeuers gleich, sie
saurīmiva prabhām
wie der Sonnenglanz
unnasam vimalam valgu vadanam cārulocanam
das feingeschwungene, makellose, liebliche Antlitz mit schönen Augen
'Sie aber, die schöne, langäugige Frau, bat mich um eine Frist von einem Jahr, ihren Gatten Rāma erwartend; dieses heilvolle Wort wurde von mir der Schönäugigen zugesagt; erschöpft bin ich, stets von Begierde erhitzt, wie ein Pferd auf dem Wege.'
Wort für Wort
sā tu samvatsaram kālam
sie aber um eine Frist von einem Jahr
māmayācata bhāminī
bat mich, die schöne Frau
pratīkṣamāṇā bhartāram rāmamāyatalocanā
ihren Gatten Rāma erwartend, die Langäugige
tanmayā cārunetrāyāḥ pratijñātam vacaḥ śubham
dieses heilvolle Wort wurde von mir der Schönäugigen zugesagt
mānuṣānno bhayam nāsti tathāpi tu vimṛśyatām |
tadā devāsure yudde yuṣmābhiḥ sahito.ajayam |
te me bhavantaśca tathā sugrīvapramukhān harīn |
pare pāre samudrasya puraskṛtya nṛpātmajau |
sītāyāḥ padavīm prāpya samprāptau varuṇālayam ||
'Von Menschen droht uns keine Gefahr; dennoch sei es bedacht - damals, im Kampf zwischen Göttern und Asuras, siegte ich zusammen mit euch. Doch nun sind jene beiden Königssöhne, mit Sugrīva und den Affen an der Spitze vorangestellt, jenseits des Meeres, Sītās Fährte folgend, zum Wohnsitz Varuṇas gelangt.'
'Wie Sītā nicht herauszugeben ist und die beiden Söhne des Daśaratha zu töten sind, so möge von euch der Rat beraten und die wohlbedachte Entscheidung genannt werden.'
'Als von Rāma, zusammen mit Lakṣmaṇa, Sītā mit Gewalt geraubt wurde - schon bei einer einzigen Betrachtung wäre da wohlbedacht dein Geist zu einem festen Entschluss gekommen, wie der Fluss Yamunā zu seinem eigenen Bett strebt.'
Wort für Wort
yadā tu rāmasya salakṣmaṇasya
als von Rāma, zusammen mit Lakṣmaṇa
prasahya sītā khalu pā ihā.ahṛtā
Sītā mit Gewalt hierher geraubt wurde
sakṛtsamīkṣaiva suniścitam tadā
schon bei einer Betrachtung wohlbedacht da
bhajeta cittam yamuneva yāmunam
hätte dein Geist zu einem Entschluss kommen sollen, wie die Yamunā zu ihrem Bett
nyāyena rājakāryāṇi yaḥ karoti daśānana |
na sa samtapyate paścānniścatārthamatirnṛpaḥ ||
'Wer, o Zehnköpfiger, die Angelegenheiten des Königs nach der rechten Ordnung ausführt, jener König, dessen Sinn auf klare Entscheidung gerichtet ist, bereut es nachher nicht.'
Wort für Wort
nyāyena rājakāryāṇi
nach der rechten Ordnung die Angelegenheiten des Königs
yaḥ karoti daśānana
wer ausführt, o Zehnköpfiger
na sa samtapyate paścān
der bereut es nachher nicht
niścatārthamatirnṛpaḥ
der König, dessen Sinn auf klare Entscheidung gerichtet ist
'Von dir wurde diese gewaltige Unternehmung ohne Überlegung begonnen; zum Glück hat Rāma dich nicht getötet, wie einer, der mit Gift vermischtes Amṛta nicht trinkt.'
'Ich werde deine Feinde vernichten, o Nachtwandler; wenn es Śakra und Vivasvat wären, wenn es Feuer und Wind wären, sie würde ich bekämpfen, ja selbst Kubera und Varuṇa.'
'Vor mir, dessen Körper einem Berg gleicht, der mit der gewaltigen Keule kämpft, dessen Zähne scharf sind, wenn ich brülle, würde selbst Purandara sich fürchten.'
vadheva vai dāśaratheh sukhāvaham |
jayam tavāhartumaham tayiṣye |
hatvā ca rāmam saha lakṣmaṇena |
khādāmi sarvān hariyūthamukhyān ||
'Durch die Tötung des Sohnes des Daśaratha, dir Glück bringend, werde ich den Sieg für dich erlangen; und, nachdem ich Rāma zusammen mit Lakṣmaṇa erschlagen habe, werde ich alle Anführer der Affenscharen verspeisen.'
Wort für Wort
vadheva vai dāśaratheh sukhāvaham
durch die Tötung des Sohnes des Daśaratha, Glück bringend
jayam tavāhartumaham tayiṣye
werde ich den Sieg für dich erlangen
hatvā ca rāmam saha lakṣmaṇena
und, nachdem ich Rāma zusammen mit Lakṣmaṇa erschlagen habe
khādāmi sarvān hariyūthamukhyān
werde ich alle Anführer der Affenscharen verspeisen
'Ergehe dich in Lust, trinke den vortrefflichen Wein, verrichte deine zuträglichen Geschäfte, frei von Fieber; wenn aber Rāma von mir zur Wohnstatt Yamas geschickt ist, wird Sītā auf lange Zeit dir zu Willen sein.'
Wort für Wort
ramasva kāmam piba cāgryavāruṇīm
ergehe dich in Lust, trinke den vortrefflichen Wein
kuruṣva kārvāṇi hitāni vijvaraḥ
verrichte deine zuträglichen Geschäfte, frei von Fieber
mayā tu rāme gamite yamakṣayam
wenn aber Rāma von mir zur Wohnstatt Yamas geschickt ist