Diesen euren weithineilenden Wagen wollen wir heute herbeirufen, Aśvins, der die Begegnung mit der Sonnenjungfrau bringt – der die Sūryā fährt, fest in seinem Sitz ruhend, von Lobliedern getragen, den vielgestaltigsten, gabenreichen Wagen. [Anm.: die Wendung "saṃgatiṃ goḥ" (wörtl. "Zusammentreffen der Kuh/des Lichts") sowie das Kompositum "vandhurāyuḥ" ("der seinen Wagenkorb als Leben hat") sind in ihrer genauen Bildlichkeit unsicher]
Ihr beide, Aśvins, göttlich, gewinnt jene Herrlichkeit, ihr Enkel des Himmels, durch eure Kräfte; eurer Gestalt folgt die Kraftfülle, wenn die stattlichen Rosse euren Wagen ziehen.
ko vām adyā karate rātahavya ūtaye vā sutapeyāya vārkaiḥ ṛtasya vā vanuṣe pūrvyāya namo yemāno aśvinā vavartat
Wer wird euch heute als Opferspender zu Hilfe rufen, oder um den ausgepressten Soma zu trinken, mit Lobsprüchen? Wer wird, um die uralte Weltordnung zu gewinnen, euch, Aśvins, mit dargebrachter Verehrung zu sich herwenden? [Anm.: das Wort "vārkaiḥ" ist in seiner Bedeutung unsicher, hier als "Lobsprüche" wiedergegeben]
Mit dem goldenen Wagen, ihr Allgegenwärtigen, kommt, Nāsatyas, zu diesem Opfer heran; trinkt doch von dem süßen Soma-Trank und gewährt dem verehrenden Mann euren Schatz.
ā no yātaṃ divo acha pṛthivyā hiraṇyayena suvṛtā rathena mā vām anye ni yaman devayantaḥ saṃ yad dade nābhiḥ pūrvyā vām
Kommt zu uns her, vom Himmel und von der Erde, mit dem goldenen, leichtrollenden Wagen; lasst euch nicht von anderen, die nach den Göttern verlangen, abhalten, da doch unsere uralte Verbundenheit mit euch besteht.
nū no rayiṃ puruvīraṃ bṛhantaṃ dasrā mimāthām ubhayeṣv asme naro yad vām aśvinā stomam āvant sadhastutim ājamīlhāso agman
Nun möget ihr, ihr Wundertätigen, uns reichen, an vielen Männern reichen Besitz zumessen, in beiderlei Hinsicht; als die Männer, o Aśvins, euren gemeinsamen Lobgesang unterstützten, da kamen die Nachkommen Ajamīḍhas herbei. [Anm.: der genaue Bezug von "ubhayeṣu" ("in beiderlei Hinsicht") bleibt unklar]
Wort für Wort
nū
nun (Adv.)
no
uns (Dat.Pl.)
rayiṃ
Besitz (Akk.)
puruvīraṃ
puru 'viel' + vīra 'Mann, Held' → an vielen Männern reichen (Akk.)
bṛhantaṃ
reichen/großen (Akk.)
dasrā
ihr Wundertätigen (Vok.Du.)
mimāthām
möget zumessen (2.Du.Opt.)
ubhayeṣv
in beiderlei Hinsicht (Lok.Pl.)
asme
uns (Lok./Dat.)
naro
die Männer (Nom.Pl.)
yad
als
vām
euren (Gen.Du.)
aśvinā
o Aśvin (Vok.Du.)
stomam
Lobgesang (Akk.)
āvant
unterstützten (3.Pl.Impf.)
sadhastutim
sadhas 'gemeinsam' + stuti 'Lob' → den gemeinsamen (Akk.)
iheha yad vāṃ samanā papṛkṣe seyam asme sumatir vājaratnā uruṣyataṃ jaritāraṃ yuvaṃ ha śritaḥ kāmo nāsatyā yuvadrik
Da ich mich hier immer wieder mit euch vereint habe, so sei uns diese Gunst, die Kraft und Schätze bringt; rettet den Sänger, denn auf euch allein ist sein Wunsch gerichtet, Nāsatyas.
Wort für Wort
iheha
hier immer wieder (Adv., verdoppelt)
yad
da
vāṃ
mit euch (Instr.Du.)
samanā
vereint (Nom./Adv.)
papṛkṣe
ich mich vereint habe (1.Sg.Perf.Med.)
seyam
so diese (sā+iyam, Sandhi)
asme
uns (Dat.)
sumatir
die Gunst (Nom.)
vājaratnā
vāja 'Kraft' + ratna 'Schatz' → die Kraft und Schätze bringt (Nom.)
madhumatīr oṣadhīr dyāva āpo madhuman no bhavatv antarikṣam kṣetrasya patir madhumān no astv ariṣyanto anv enaṃ carema
Honigreich seien die Pflanzen, der Himmel, die Wasser; honigreich sei uns der Luftraum; der Herr des Feldes sei uns honigreich; unversehrt wollen wir ihm nachwandeln.
panāyyaṃ tad aśvinā kṛtaṃ vāṃ vṛṣabho divo rajasaḥ pṛthivyāḥ sahasraṃ śaṃsā uta ye gaviṣṭau sarvāṃ it tāṃ upa yātā pibadhyai
Bewundernswert ist jene Tat von euch, Aśvins, die ihr der Stier des Himmels, des Luftraums und der Erde seid; tausendfaches Lob sei euch, auch denen, die nach Rindern verlangen – zu all diesem Soma kommt heran, um davon zu trinken.
Wort für Wort
panāyyaṃ
bewundernswert (Nom.)
tad
jene (Nom.)
aśvinā
o Aśvin (Vok.Du.)
kṛtaṃ
Tat (Nom.)
vāṃ
von euch (Gen.Du.)
vṛṣabho
der Stier (Nom.)
divo
des Himmels (Gen.)
rajasaḥ
des Luftraums (Gen.)
pṛthivyāḥ
der Erde (Gen.)
sahasraṃ
tausendfaches (Nom.)
śaṃsā
Lob (Nom.)
uta
auch
ye
die (Nom.Pl.)
gaviṣṭau
go 'Rind' + iṣṭi (von √iṣ 'verlangen, suchen') → nach Rindern verlangen (Lok.)