Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 20

Sūkta 91

imāṃ dhiyaṃ saptaśīrṣṇīṃ pitā na ṛtaprajātāṃ bṛhatīm avindat turīyaṃ svij janayad viśvajanyo 'yāsya uktham indrāya śaṃsan

Diese siebenköpfige, aus der Wahrheit geborene, gewaltige Dichtung fand unser Vater; das vierte Wort erzeugte wohl der Allvölker-Priester Ayāsya, indem er das Lied Indra vortrug. [Anm.: die Bilder „siebenköpfig“ und „das vierte Wort“ bleiben rätselhaft]

Wort für Wort
imāṃ
diese (Akk.)
dhiyaṃ
Dichtung (Akk.)
saptaśīrṣṇīṃ
sapta 'sieben' + śīrṣṇīṃ 'köpfig' → siebenköpfige (Akk.)
pitā
Vater (Nom.)
na
unser
ṛtaprajātāṃ
ṛta 'Wahrheit' + prajātāṃ 'geboren' → aus der Wahrheit geborene (Akk.)
bṛhatīm
gewaltige (Akk.)
avindat
fand
turīyaṃ
das vierte (Akk.)
svij
wohl (svid)
janayad
erzeugte
viśvajanyo
viśva 'alle' + janyo 'Volks-' → der Allvölker-Priester (Nom.)
'yāsya
Ayāsya (Nom.)
uktham
Lied (Akk.)
indrāya
Indra (Dat.)
śaṃsan
vortragend

ṛtaṃ śaṃsanta ṛju dīdhyānā divas putrāso asurasya vīrāḥ vipraṃ padam aṅgiraso dadhānā yajñasya dhāma prathamaṃ mananta

Die Wahrheit verkündend, aufrichtig sinnend, die Söhne des Himmels, die Helden des Asura – die Aṅgiras, die die redekundige Stätte innehaben, ersannen die erste Ordnung des Opfers.

Wort für Wort
ṛtaṃ
die Wahrheit (Akk.)
śaṃsanta
verkündend (Nom.Pl.)
ṛju
aufrichtig
dīdhyānā
sinnend (Nom.Pl.)
divas
des Himmels (Gen.)
putrāso
Söhne (Nom.Pl.)
asurasya
des Asura (Gen.)
vīrāḥ
Helden (Nom.Pl.)
vipraṃ
redekundige (Akk.)
padam
Stätte (Akk.)
aṅgiraso
die Aṅgiras (Nom.Pl.)
dadhānā
innehabend (Nom.Pl.)
yajñasya
des Opfers (Gen.)
dhāma
Ordnung (Akk.)
prathamaṃ
erste (Akk.)
mananta
ersannen

haṃsair iva sakhibhir vāvadadbhir aśmanmayāni nahanā vyasyan bṛhaspatir abhikanikradad gā uta prāstaud uc ca vidvāṃ agāyat

Wie mit schnatternden Gänsen als Gefährten, die steinernen Fesseln lösend, hat Bṛhaspati den Kühen entgegengebrüllt und sie gepriesen, und kundig hat er laut gesungen.

Wort für Wort
haṃsair
mit Gänsen (Instr.Pl.)
iva
wie
sakhibhir
als Gefährten (Instr.Pl.)
vāvadadbhir
schnatternden (Instr.Pl.)
aśmanmayāni
aśman 'Stein' + mayāni 'aus...bestehend' → steinernen (Akk.Pl.)
nahanā
Fesseln (Akk.Pl.)
vyasyan
lösend
bṛhaspatir
Bṛhaspati (Nom.)
abhikanikradad
entgegenbrüllend
gā
den Kühen (Dat./Akk.Pl.)
uta
und
prāstaud
hat gepriesen
uc
laut (ud)
ca
und
vidvāṃ
kundig (Nom.)
agāyat
hat gesungen

avo dvābhyāṃ para ekayā gā guhā tiṣṭhantīr anṛtasya setau bṛhaspatis tamasi jyotir ichan ud usrā ākar vi hi tisra āvaḥ

Unten mit zweien, drüben mit der einen, die sich verborgen hielten im Damm der Unwahrheit – Bṛhaspati, im Dunkel das Licht suchend, hat die Morgenkühe heraufgeführt; ja, drei hat er aufgedeckt. [Anm.: die Bildlichkeit und die Zahlenangaben dieses Verses bleiben rätselhaft]

Wort für Wort
avo
unten
dvābhyāṃ
mit zweien (Instr.Dual)
para
drüben
ekayā
mit der einen (Instr.)
gā
Kühe (Akk.Pl.)
guhā
verborgen
tiṣṭhantīr
sich haltend (Akk.Pl.)
anṛtasya
der Unwahrheit (Gen.)
setau
im Damm (Lok.)
bṛhaspatis
Bṛhaspati (Nom.)
tamasi
im Dunkel (Lok.)
jyotir
Licht (Akk.)
ichan
suchend
ud
empor
usrā
Morgenkühe (Akk.Pl.)
ākar
hat geführt
vi
auf (Präverb)
hi
ja
tisra
drei (Akk.Pl.)
āvaḥ
hat aufgedeckt

vibhidyā puraṃ śayathem apācīṃ nis trīṇi sākam udadher akṛntat bṛhaspatir uṣasaṃ sūryaṃ gām arkaṃ viveda stanayann iva dyauḥ

Indem er die daliegende, rückwärtige Burg aufspaltete, hat er drei Dinge zugleich aus dem Wasserbehälter herausgeschnitten; Bṛhaspati hat die Morgenröte, die Sonne, die Kuh und das Lied gefunden, wie donnernd der Himmel.

Wort für Wort
vibhidyā
indem er aufspaltete
puraṃ
Burg (Akk.)
śayathem
die daliegende (Akk.)
apācīṃ
rückwärtige (Akk.)
nis
heraus (Präverb)
trīṇi
drei (Akk.)
sākam
zugleich
udadher
aus dem Wasserbehälter (Abl.)
akṛntat
hat herausgeschnitten
bṛhaspatir
Bṛhaspati (Nom.)
uṣasaṃ
die Morgenröte (Akk.)
sūryaṃ
die Sonne (Akk.)
gām
die Kuh (Akk.)
arkaṃ
das Lied (Akk.)
viveda
hat gefunden
stanayann
donnernd
iva
wie
dyauḥ
der Himmel (Nom.)

indro valaṃ rakṣitāraṃ dughānāṃ kareṇeva vi cakartā raveṇa svedāñjibhir āśiram ichamāno 'rodayat paṇim ā gā amuṣṇāt

Indra hat den Vala, den Hüter der milchreichen Kühe, wie mit einer Hand, mit seinem Gebrüll aufgebrochen; mit den schweißglänzenden Helfern die Mischung suchend, ließ er den Paṇi weinen und entriss ihm die Kühe.

Wort für Wort
indro
Indra (Nom.)
valaṃ
den Vala (Akk.)
rakṣitāraṃ
den Hüter (Akk.)
dughānāṃ
der milchreichen Kühe (Gen.Pl.)
kareṇeva
wie mit einer Hand (Instr.)
vi
auf (Präverb)
cakartā
hat aufgebrochen
raveṇa
mit seinem Gebrüll (Instr.)
svedāñjibhir
sveda 'Schweiß' + añjibhir 'glänzenden' → mit den schweißglänzenden (Instr.Pl.)
āśiram
die Mischung (Akk.)
ichamāno
suchend (Nom.)
'rodayat
ließ weinen
paṇim
den Paṇi (Akk.)
ā
her
gā
die Kühe (Akk.Pl.)
amuṣṇāt
entriss

sa īṃ satyebhiḥ sakhibhiḥ śucadbhir godhāyasaṃ vi dhanasair adardaḥ brahmaṇas patir vṛṣabhir varāhair gharmasvedebhir draviṇaṃ vy ānaṭ

Er hat mit wahrhaften, glühenden Freunden, mit den Schätzegewinnern, den Rinderhüter Vala aufgesprengt; Brahmaṇaspati hat mit den stierhaften, eberartigen, vom Glutschweiß triefenden Helfern den Schatz vollständig erlangt. [Anm.: das Bild der „Eber“ für die Helfer bleibt unsicher]

Wort für Wort
sa
er
īṃ
ihn (encl.)
satyebhiḥ
mit wahrhaften (Instr.Pl.)
sakhibhiḥ
Freunden (Instr.Pl.)
śucadbhir
glühenden (Instr.Pl.)
godhāyasaṃ
go 'Rinder' + dhāyasaṃ 'Hüter' → den Rinderhüter (Akk.)
vi
auf
dhanasair
mit den Schätzegewinnern (Instr.Pl.)
adardaḥ
hat aufgesprengt
brahmaṇas
Bṛhaspati (Gen., Titel)
patir
Herr (Nom.)
vṛṣabhir
mit den stierhaften (Instr.Pl.)
varāhair
eberartigen (Instr.Pl.)
gharmasvedebhir
gharma 'Glut' + svedebhir 'Schweiß' → vom Glutschweiß triefenden (Instr.Pl.)
draviṇaṃ
den Schatz (Akk.)
vy
vollständig
ānaṭ
hat erlangt

te satyena manasā gopatiṃ gā iyānāsa iṣaṇayanta dhībhiḥ bṛhaspatir mithoavadyapebhir ud usriyā asṛjata svayugbhiḥ

Sie, mit wahrhaftigem Sinn den Rinderhirten um die Kühe bittend, trieben ihn mit ihren Gedanken an; Bṛhaspati hat mit den einander vor Tadel schützenden, von selbst verbundenen Helfern die Morgenkühe freigelassen.

Wort für Wort
te
sie
satyena
mit wahrhaftigem (Instr.)
manasā
Sinn (Instr.)
gopatiṃ
den Rinderhirten (Akk.)
gā
um die Kühe (Akk.Pl.)
iyānāsa
bittend (Nom.Pl.)
iṣaṇayanta
trieben an
dhībhiḥ
mit Gedanken (Instr.Pl.)
bṛhaspatir
Bṛhaspati (Nom.)
mithoavadyapebhir
mithaḥ 'einander' + avadya 'Tadel' + pebhir 'schützend' → die einander vor Tadel schützenden (Instr.Pl.)
ud
empor
usriyā
Morgenkühe (Akk.Pl.)
asṛjata
hat freigelassen
svayugbhiḥ
sva 'selbst' + yugbhiḥ 'verbunden' → von selbst verbundenen (Instr.Pl.)

taṃ vardhayanto matibhiḥ śivābhiḥ siṃham iva nānadataṃ sadhasthe bṛhaspatiṃ vṛṣaṇaṃ śūrasātau bharebhare anu madema jiṣṇum

Ihn stärkend mit unseren freundlichen Gedanken, ihn, der wie ein Löwe an seinem Ort brüllt – Bṛhaspati, den Stier, in jedem Kampf um Heldenruhm, bei jedem Streit, wollen wir uns an dem Siegreichen erfreuen.

Wort für Wort
taṃ
ihn
vardhayanto
stärkend (Nom.Pl.)
matibhiḥ
mit Gedanken (Instr.Pl.)
śivābhiḥ
freundlichen (Instr.Pl.)
siṃham
Löwe (Akk.)
iva
wie
nānadataṃ
brüllend (Akk.)
sadhasthe
an seinem Ort (Lok.)
bṛhaspatiṃ
Bṛhaspati (Akk.)
vṛṣaṇaṃ
den Stier (Akk.)
śūrasātau
im Kampf um Heldenruhm (Lok.)
bharebhare
bei jedem Streit
anu
gemäß
madema
wollen wir uns erfreuen
jiṣṇum
an dem Siegreichen (Akk.)

yadā vājam asanad viśvarūpam ā dyām arukṣad uttarāṇi sadma bṛhaspatiṃ vṛṣaṇaṃ vardhayanto nānā santo bibhrato jyotir āsā

Als er den allgestaltigen Kampfpreis gewann, stieg er zum Himmel empor, zu den höheren Sitzen; Bṛhaspati, den Stier, stärkend, obwohl wir verschieden sind, tragen wir das Licht in unseren Worten.

Wort für Wort
yadā
als
vājam
Kampfpreis (Akk.)
asanad
gewann
viśvarūpam
viśva 'all' + rūpam 'Gestalt' → allgestaltigen (Akk.)
ā
empor
dyām
zum Himmel (Akk.)
arukṣad
stieg
uttarāṇi
höheren (Akk.Pl.)
sadma
Sitzen (Akk.Pl.)
bṛhaspatiṃ
Bṛhaspati (Akk.)
vṛṣaṇaṃ
den Stier (Akk.)
vardhayanto
stärkend (Nom.Pl.)
nānā
verschieden
santo
seiend (Nom.Pl.)
bibhrato
tragend (Nom.Pl.)
jyotir
Licht (Akk.)
āsā
in unseren Worten (Instr.)

satyam āśiṣaṃ kṛṇutā vayodhai kīriṃ cid dhy avatha svebhir evaiḥ paścā mṛdho apa bhavantu viśvās tad rodasī śṛṇutaṃ viśvaminve

Macht unseren Segenswunsch wahr, ihr Kraftspender, denn ihr helft ja selbst dem Geringen mit euren eigenen Wegen; künftig sollen alle Feindseligkeiten fernbleiben – das höret, ihr beiden Welten, die ihr alles durchdringt.

Wort für Wort
satyam
wahr (Akk.)
āśiṣaṃ
Segenswunsch (Akk.)
kṛṇutā
macht! (Imp.Dual)
vayodhai
ihr Kraftspender (Vok.Dual)
kīriṃ
dem Geringen (Akk.)
cid
selbst
dhy
denn
avatha
ihr helft
svebhir
mit euren eigenen (Instr.Pl.)
evaiḥ
Wegen (Instr.Pl.)
paścā
künftig
mṛdho
Feindseligkeiten (Nom.Pl.)
apa
fern
bhavantu
sollen sein
viśvās
alle (Nom.Pl.)
tad
das
rodasī
ihr beiden Welten (Vok.Dual)
śṛṇutaṃ
höret! (Imp.Dual)
viśvaminve
die ihr alles durchdringt (Vok.Dual)

indro mahnā mahato arṇavasya vi mūrdhānam abhinad arbudasya ahann ahim ariṇāt sapta sindhūn devair dyāvāpṛthivī prāvataṃ naḥ

Indra hat mit seiner Macht das Haupt des großen Flut-Dämons Arbuda gespalten; er erschlug die Schlange, ließ die sieben Ströme fließen. Mit den Göttern, Himmel und Erde, steht uns bei.

Wort für Wort
indro
Indra (Nom.)
mahnā
mit seiner Macht (Instr.)
mahato
des großen (Gen.)
arṇavasya
Flut-Dämons (Gen.)
vi
(Verstärkung)
mūrdhānam
das Haupt (Akk.)
abhinad
hat gespalten
arbudasya
des Arbuda (Gen.)
ahann
erschlug
ahim
die Schlange (Akk.)
ariṇāt
ließ fließen
sapta
sieben
sindhūn
Ströme (Akk.Pl.)
devair
mit den Göttern (Instr.Pl.)
dyāvāpṛthivī
dyāvā 'Himmel' + pṛthivī 'Erde' → Himmel und Erde (Vok.Dual, Dvandva-Kompositum)
prāvataṃ
steht bei! (Imp.Dual)
naḥ
uns

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