Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 20

Sūkta 76

vane na vā yo ny adhāyi cākraṃ chucir vāṃ stomo bhuraṇāv ajīgaḥ yasyed indraḥ purudineṣu hotā nṛṇāṃ narvo nṛtamaḥ kṣapāvān

Wie ein Feuer, das im Holz niedergelegt wurde, hat der reine Lobgesang euch beide, ihr Rührigen, aufgeweckt – er, dessen Hotṛ-Priester an vielen Tagen Indra ist, der Männerfreund der Männer, der männlichste, der Herr über die Nächte. [Anm.: An wen genau sich das „euch beide“ richtet, bleibt unklar]

Wort für Wort
vane
im Holz (Lok.)
na
wie
vā
oder
yo
das (Rel., Feuer)
ny
nieder (Präverb)
adhāyi
wurde gelegt
cākraṃ
Feuer (Akk./Nom.)
chucir
der reine (Nom.)
vāṃ
euch beide (Akk.Dual)
stomo
Lobgesang (Nom.)
bhuraṇāv
ihr Rührigen (Vok.Dual)
ajīgaḥ
hat aufgeweckt
yasyed
dessen eben
indraḥ
Indra (Nom.)
purudineṣu
puru 'viele' + dineṣu 'an Tagen' → an vielen Tagen (Lok.Pl.)
hotā
Hotṛ-Priester (Nom.)
nṛṇāṃ
der Männer (Gen.Pl.)
narvo
Männerfreund (Nom.)
nṛtamaḥ
der männlichste (Nom.)
kṣapāvān
der Herr über die Nächte (Nom.)

pra te asyā uṣasaḥ prāparasyā nṛtau syāma nṛtam asya nṛṇām anu triśokaḥ śatam āvahan nṝn kutsena ratho yo asat sasavān

Bei dieser deiner Morgenröte und bei der noch ferneren mögen wir im Männertanz sein, im Männertanz dieser Männer folgend – der Dreifach-Glühende, der hundert Männer herbeiführte, der Wagen, der mit Kutsa siegreich sein wird. [Anm.: mythologischer Bezug und Satzbau im Einzelnen unsicher]

Wort für Wort
pra
bei (Präverb)
te
deiner
asyā
dieser (Gen.)
uṣasaḥ
Morgenröte (Gen.)
prāparasyā
pra 'ferner' + aparasyā 'der späteren' → und der ferneren (Gen.)
nṛtau
im Männertanz (Lok.)
syāma
mögen wir sein
nṛtam
Männertanz (Akk.)
asya
dieser (Gen.)
nṛṇām
der Männer (Gen.Pl.)
anu
folgend
triśokaḥ
der Dreifach-Glühende (Nom.)
śatam
hundert
āvahan
herbeiführte
nṝn
Männer (Akk.Pl.)
kutsena
mit Kutsa (Instr.)
ratho
der Wagen (Nom.)
yo
der (Rel.)
asat
sein wird
sasavān
siegreich (Nom.)

kas te mada indra rantyo bhūd duro giro abhy ugro vi dhāva kad vāho arvāg upa mā manīṣā ā tvā śakyām upamam rādho annaiḥ

Welcher Rausch ist dir, Indra, der erfreulichste geworden? Du Gewaltiger, eile den Türen, den Lobliedern entgegen! Welche Fuhre kommt herbei zu mir? Mit meiner Einsicht möchte ich dich, den Höchsten, mit Speisen als Ehrengabe zu gewinnen vermögen.

Wort für Wort
kas
welcher
te
dir
mada
Rausch (Nom.)
indra
Indra (Vok.)
rantyo
erfreulichste (Nom.)
bhūd
ist geworden
duro
den Türen (Dat./Akk.Pl.)
giro
den Lobliedern (Dat./Akk.Pl.)
abhy
entgegen
ugro
du Gewaltiger (Vok.)
vi
fort (Präverb)
dhāva
eile! (Imp.)
kad
welche
vāho
Fuhre (Nom.)
arvāg
herbei
upa
zu
mā
mich (Akk. enklit., idiomat. 'zu mir')
manīṣā
mit Einsicht (Instr.)
ā
her
tvā
dich
śakyām
möchte ich vermögen
upamam
den Höchsten (Akk.)
rādho
als Ehrengabe (Akk.)
annaiḥ
mit Speisen (Instr.Pl.)

kad u dyumnam indra tvāvato nṝn kayā dhiyā karase kan na āgan mitro na satya urugāya bhṛtyā anne samasya yad asan manīṣāḥ

Welchen Glanz verleihst du wohl, Indra, den Männern, die dir gleichen? Mit welcher Absicht wirkst du? Was ist zu uns gekommen? Wie ein wahrhafter Freund, du Weitschreitender – die Diener sollen bei der Speise dieses Opfers sein, wie es die Gedanken der Menschen wünschen. [Anm.: Satzbau dieses Verses im Einzelnen unsicher]

Wort für Wort
kad
welchen
u
wohl
dyumnam
Glanz (Akk.)
indra
Indra (Vok.)
tvāvato
tvā 'du' + vataḥ 'gleichend/von deiner Art' → den dir Gleichenden (Dat.Pl.)
nṝn
Männern (Dat./Akk.Pl.)
kayā
mit welcher
dhiyā
Absicht (Instr.)
karase
wirkst du
kan
was
na
zu uns
āgan
ist gekommen
mitro
Freund (Nom.)
na
wie
satya
wahrhafter (Nom.)
urugāya
uru 'weit' + gāya 'schreitend' → du Weitschreitender (Vok.)
bhṛtyā
die Diener (Nom.Pl.)
anne
bei der Speise (Lok.)
samasya
dieses Opfers (Gen.)
yad
wie
asan
sollen sein
manīṣāḥ
die Gedanken (Nom.Pl.)

preraya sūro arthaṃ na pāraṃ ye asya kāmaṃ janidhā iva gman giraś ca ye te tuvijāta pūrvīr nara indra pratiśikṣanty annaiḥ

Treib voran, wie zum Ziel der Sonne, zum jenseitigen Ufer, die, die zu seinem Wunsch gleichsam als Weiberraubende gegangen sind, und auch die vielen Lobreden, die dir, du Kraftgeborener, o Herr Indra, mit Speisen erwidern. [Anm.: das Bild der „Weiberraubenden“ bleibt in diesem Zusammenhang unklar]

Wort für Wort
preraya
treib voran! (Imp.)
sūro
der Sonne (Gen.)
arthaṃ
zum Ziel (Akk.)
na
wie
pāraṃ
zum jenseitigen Ufer (Akk.)
ye
die (Rel.Nom.Pl.)
asya
seinem (Gen.)
kāmaṃ
Wunsch (Akk.)
janidhā
jani 'Frau' + dhā 'Setzende/Nehmende' → als Weiberraubende (Nom.Pl.)
iva
gleichsam
gman
sind gegangen
giraś
Lobreden (Nom.Pl.)
ca
und
ye
die (Rel.)
te
dir
tuvijāta
tuvi 'stark/viel' + jāta 'geboren' → du Kraftgeborener (Vok.)
pūrvīr
viele (Nom.Pl.)
nara
o Herr (Vok.)
indra
Indra (Vok.)
pratiśikṣanty
erwidern
annaiḥ
mit Speisen (Instr.Pl.)

mātre nu te sumite indra pūrvī dyaur majmanā pṛthivī kāvyena varāya te ghṛtavantaḥ sutāsaḥ svādnan bhavantu pītaye madhūni

Deinem wohlgemessenen Maß, Indra, entsprechen längst der Himmel an Macht, die Erde an Weisheit. Zu deiner Wahl sollen die schmalzhaltigen ausgepressten Somatränke und die süßen Trünke wohlschmeckend zum Trinken bereitstehen.

Wort für Wort
mātre
dem Maß (Dat.)
nu
schon
te
deinem
sumite
wohlgemessenen (Dat.)
indra
Indra (Vok.)
pūrvī
längst (Nom.)
dyaur
der Himmel (Nom.)
majmanā
an Macht (Instr.)
pṛthivī
die Erde (Nom.)
kāvyena
an Weisheit (Instr.)
varāya
zur Wahl (Dat.)
te
deiner
ghṛtavantaḥ
schmalzhaltigen (Nom.Pl.)
sutāsaḥ
ausgepressten Somatränke (Nom.Pl.)
svādnan
wohlschmeckend (Nom.Pl.)
bhavantu
sollen sein
pītaye
zum Trinken
madhūni
süße Trünke (Nom.Pl.)

ā madhvo asmā asicann amatram indrāya pūrṇaṃ sa hi satyarādhāḥ sa vāvṛdhe varimann ā pṛthivyā abhi kratvā naryaḥ pauṃsyaiś ca

Man hat für ihn ein volles Gefäß des Süßtranks eingegossen, für Indra – denn er ist der wahrhaft Freigebige. Er ist gewachsen in der Weite der Erde, durch seine Einsicht und, der Manneskräftige, durch seine Manneswerke.

Wort für Wort
ā
hinein
madhvo
des Süßtranks (Gen.)
asmā
für ihn (Dat.)
asicann
man hat eingegossen
amatram
Gefäß (Akk.)
indrāya
für Indra (Dat.)
pūrṇaṃ
volles (Akk.)
sa
er
hi
denn
satyarādhāḥ
satya 'wahr' + rādhāḥ 'Freigebigkeit' → der wahrhaft Freigebige (Nom.)
sa
er
vāvṛdhe
ist gewachsen
varimann
in der Weite (Lok.)
ā
in
pṛthivyā
der Erde (Gen.)
abhi
durch
kratvā
durch seine Einsicht (Instr.)
naryaḥ
der Manneskräftige (Nom.)
pauṃsyaiś
durch Manneswerke (Instr.Pl.)
ca
und

vy ānaḷ indraḥ pṛtanāḥ svojā āsmai yatante sakhyāya pūrvīḥ ā smā rathaṃ na pṛtanāsu tiṣṭha yaṃ bhadrayā sumatyā codayāse

Indra, der Eigenmächtige, hat die Kampfscharen bewältigt; viele streben nach seiner Freundschaft. Besteige doch wie einen Wagen uns in den Schlachten, uns, die du mit gütiger Gnade anspornst.

Wort für Wort
vy
be- (Präverb)
ānaḷ
hat bewältigt
indraḥ
Indra (Nom.)
pṛtanāḥ
die Kampfscharen (Akk.Pl.)
svojā
sva 'eigen' + ojāḥ 'Kraft' → der Eigenmächtige (Nom.)
āsmai
nach ihm (Dat.)
yatante
sie streben
sakhyāya
nach Freundschaft (Dat.)
pūrvīḥ
viele (Nom.Pl.)
ā
her
smā
doch
rathaṃ
Wagen (Akk.)
na
wie
pṛtanāsu
in den Schlachten (Lok.Pl.)
tiṣṭha
besteige! (Imp.)
yaṃ
den (Akk.)
bhadrayā
mit gütiger (Instr.)
sumatyā
Gnade (Instr.)
codayāse
du anspornst

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