Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 20

Sūkta 17

achā ma indraṃ matayaḥ svarvidaḥ sadhrīcīr viśvā uśatīr anūṣata pari ṣvajante janayo yathā patiṃ maryaṃ na śundhyuṃ maghavānam ūtaye

Zu Indra hin haben mir alle, das Himmelslicht findenden, vereint verlangenden Gedichte getönt; sie umarmen ihn, wie Frauen ihren Gatten, wie den reinen jungen Mann, den Freigebigen, um Beistand zu erlangen.

Wort für Wort
achā
hin zu
ma
mir (me)
indraṃ
Indra (Akk.)
matayaḥ
Gedichte (Nom.Pl.)
svarvidaḥ
svar 'Himmelslicht' + vidaḥ 'findend' → das Himmelslicht findenden (Nom.Pl.) [Kompositum]
sadhrīcīr
vereint (Nom.Pl.)
viśvā
alle (Nom.Pl.)
uśatīr
verlangende (Nom.Pl.)
anūṣata
haben getönt (3.Pl.Perf.)
pari
rings (Präverb)
ṣvajante
umarmen (3.Pl.Med.)
janayo
Frauen (Nom.Pl.)
yathā
wie
patiṃ
Gatten (Akk.)
maryaṃ
jungen Mann (Akk.)
na
wie
śundhyuṃ
reinen (Akk.)
maghavānam
den Freigebigen (Akk.)
ūtaye
um Beistand (Dat.)

na ghā tvadrig apa veti me manas tve it kāmaṃ puruhūta śiśraya rājeva dasma ni ṣado 'dhi barhiṣy asmint su some 'vapānam astu te

Fürwahr, mein Sinn geht nicht von dir weg; auf dich allein, du Vielgerufener, habe ich meinen Wunsch gerichtet; wie ein König, du Meister, setz dich auf das Barhis; bei diesem guten Soma sei dir ein reichliches Trankopfer.

Wort für Wort
na
nicht
ghā
fürwahr
tvadrig
von dir weg [?] (tvat+ṛk)
apa
fort (Präverb)
veti
geht (3.Sg.)
me
mein (Gen.)
manas
Sinn (Nom.)
tve
auf dich (Lok.)
it
allein
kāmaṃ
Wunsch (Akk.)
puruhūta
du Vielgerufener (Vok.)
śiśraya
habe ich gerichtet [?] (Perf.)
rājeva
wie ein König (Nom.+iva)
dasma
du Meister (Vok.)
ni
hin (Präverb)
ṣado
setz dich (Imp.)
'dhi
auf (Präverb)
barhiṣy
Barhis (Lok.)
asmint
bei diesem (Lok.)
su
guten
some
Soma (Lok.)
'vapānam
Trankopfer (Nom.)
astu
sei (Imp.)
te
dir (Dat.)

viṣūvṛd indro amuter uta kṣudhaḥ sa id rāyo maghavā vasva īśate tasyed ime pravaṇe sapta sindhavo vayo vardhanti vṛṣabhasya śuṣmiṇaḥ

Indra ist der Abwender von Unheil und Hunger; er, der Freigebige, gebietet über Reichtum und Gut; für ihn, den bullenhaft-kraftvollen, mehren die sieben Ströme in ihrem Gefälle die Lebenskraft.

Wort für Wort
viṣūvṛd
viṣu 'auseinander, entzwei' + vṛd 'wendend' → der Abwender (Nom.) [Kompositum]
indro
Indra (Nom.)
amuter
von Unheil (Abl.)
uta
und
kṣudhaḥ
von Hunger (Abl.)
sa
er (Nom.)
id
fürwahr
rāyo
über Reichtum (Gen.)
maghavā
der Freigebige (Nom.)
vasva
über Gut (Gen.)
īśate
gebietet (3.Sg.Med.)
tasyed
für ihn fürwahr (tasya+id)
ime
diese (Nom.Pl.)
pravaṇe
in ihrem Gefälle (Lok.)
sapta
sieben
sindhavo
Ströme (Nom.Pl.)
vayo
Lebenskraft (Akk.)
vardhanti
mehren (3.Pl.)
vṛṣabhasya
bullenhaft-kraftvollen (Gen.)
śuṣmiṇaḥ
kraftvollen (Gen.)

vayo na vṛkṣaṃ supalāśam āsadant somāsa indraṃ mandinaś camūṣadaḥ praiṣām anīkaṃ śavasā davidyutad vidat svar manave jyotir āryam

Wie Vögel einen Baum mit schönem Laub, so setzten sich die berauschenden, in den Camū-Gefäßen weilenden Soma-Tropfen auf Indra; ihr Antlitz erstrahlte mit Kraft; er fand für Manu das Himmelslicht, das arische Licht.

Wort für Wort
vayo
Vögel (Nom.Pl.)
na
wie
vṛkṣaṃ
Baum (Akk.)
supalāśam
mit schönem Laub (Akk.)
āsadant
setzten sich (3.Pl.Impf.)
somāsa
Soma-Tropfen (Nom.Pl.)
indraṃ
auf Indra (Akk.)
mandinaś
berauschende (Nom.Pl.)
camūṣadaḥ
in den Camū-Gefäßen weilende (Nom.Pl.)
praiṣām
ihr (pra+eṣām)
anīkaṃ
Antlitz (Nom.)
śavasā
mit Kraft (Instr.)
davidyutad
erstrahlte (3.Sg.Intens.)
vidat
fand (Impf.)
svar
Himmelslicht (Akk.)
manave
für Manu (Dat.)
jyotir
Licht (Akk.)
āryam
arisches (Akk.)

kṛtaṃ na śvaghnī vi cinoti devane saṃvargaṃ yan maghavā sūryaṃ jayat na tat te anyo anu vīryaṃ śakan na purāṇo maghavan nota nūtanaḥ

Wie ein Würfelspieler den Wurf beim Spiel zusammensucht, so sammelte der Freigebige den zusammenraffenden Einsatz, als er die Sonne gewann – diese deine Heldentat vermag kein anderer nachzuahmen, weder ein früherer noch ein jetziger, du Freigebiger.

Wort für Wort
kṛtaṃ
den Wurf (Akk.)
na
wie
śvaghnī
Würfelspieler (Nom.)
vi
(Präverb)
cinoti
sucht zusammen (3.Sg.)
devane
beim Spiel (Lok.)
saṃvargaṃ
zusammenraffenden Einsatz (Akk.)
yan
als
maghavā
der Freigebige (Nom.)
sūryaṃ
die Sonne (Akk.)
jayat
gewann (Impf.)
na
nicht
tat
diese (Akk.)
te
deine (Gen.)
anyo
ein anderer (Nom.)
anu
nach (Präverb)
vīryaṃ
Heldentat (Akk.)
śakan
vermag (3.Sg.Inj.)
na
weder
purāṇo
ein früherer (Nom.)
maghavan
du Freigebiger (Vok.)
nota
noch auch (na+uta)
nūtanaḥ
ein jetziger (Nom.)

viśaṃviśaṃ maghavā pary aśāyata janānāṃ dhenā avacākaśad vṛṣā yasyāha śakraḥ savaneṣu raṇyati sa tīvraiḥ somaiḥ sahate pṛtanyataḥ

Jeden einzelnen Stamm suchte der Freigebige heim; der Bulle blickte auf die Rede der Menschen; bei wessen Somapressungen sich der Mächtige erfreut, der bezwingt mit den scharfen Somasäften die Angreifer.

Wort für Wort
viśaṃviśaṃ
jeden einzelnen Stamm (Akk.)
maghavā
der Freigebige (Nom.)
pary
rings (Präverb)
aśāyata
suchte heim (Impf.Med.)
janānāṃ
der Menschen (Gen.Pl.)
dhenā
Rede (Akk.) [?]
avacākaśad
blickte (Impf.)
vṛṣā
der Bulle (Nom.)
yasyāha
bei wessen fürwahr (Gen.+ha)
śakraḥ
der Mächtige (Nom.)
savaneṣu
bei Somapressungen (Lok.Pl.)
raṇyati
sich erfreut (3.Sg.)
sa
der (Nom.)
tīvraiḥ
mit den scharfen (Instr.Pl.)
somaiḥ
Somasäften (Instr.Pl.)
sahate
bezwingt (3.Sg.Med.)
pṛtanyataḥ
die Angreifer (Akk.Pl.)

āpo na sindhum abhi yat samakṣarant somāsa indraṃ kulyā iva hradam vardhanti viprā maho asya sādane yavaṃ na vṛṣṭir divyena dānunā

Wie die Gewässer zum Strom, so flossen die Soma-Tropfen zu Indra zusammen, wie Kanäle zu einem See; die redegewandten Sänger stärken ihn, den Großen, an seinem Sitz, wie der Regen mit himmlischer Gabe die Gerste stärkt.

Wort für Wort
āpo
die Gewässer (Nom.Pl.)
na
wie
sindhum
zum Strom (Akk.)
abhi
hin zu (Präverb)
yat
wie
samakṣarant
flossen zusammen (3.Pl.Impf.)
somāsa
Soma-Tropfen (Nom.Pl.)
indraṃ
zu Indra (Akk.)
kulyā
Kanäle (Nom.Pl.)
iva
wie
hradam
zu einem See (Akk.)
vardhanti
stärken (3.Pl.)
viprā
redegewandte (Nom.Pl.)
maho
den Großen (Akk.)
asya
seinem (Gen.)
sādane
an seinem Sitz (Lok.)
yavaṃ
die Gerste (Akk.)
na
wie
vṛṣṭir
der Regen (Nom.)
divyena
mit himmlischer (Instr.)
dānunā
Gabe (Instr.)

vṛṣā na kruddhaḥ patayad rajaḥsv ā yo aryapatnīr akṛṇod imā apaḥ sa sunvate maghavā jīradānave 'vindaj jyotir manave haviṣmate

Wie ein zorniger Stier flog er durch die Räume, er, der diese Wasser zu ordnungsstiftenden Herrinnen machte; er, der Freigebige, fand für den, der Soma auspresste, für den raschgebenden Jīradānu, für Manu, den Opfernden, das Licht. [Anm.: Der Ausdruck "aryapatnīr" (etwa "Herrinnen der [rechten] Ordnung") ist unsicher gedeutet.]

Wort für Wort
vṛṣā
Stier (Nom.)
na
wie
kruddhaḥ
zornig (Nom.)
patayad
flog (Impf.)
rajaḥsv
durch die Räume (Lok.Pl.)
ā
(Präverb)
yo
der (Nom.)
aryapatnīr
zu ordnungsstiftenden Herrinnen [?] (Akk.Pl.)
akṛṇod
machte (Impf.)
imā
diese (Akk.Pl.)
apaḥ
Wasser (Akk.Pl.)
sa
er (Nom.)
sunvate
für den, der Soma auspresste (Dat.Ptz.)
maghavā
der Freigebige (Nom.)
jīradānave
für den raschgebenden Jīradānu (Dat.)
'vindaj
fand (Impf.)
jyotir
Licht (Akk.)
manave
für Manu (Dat.)
haviṣmate
den Opfernden (Dat.)

uj jāyatāṃ paraśu jyotiṣā saha bhūyā ṛtasya sudughā purāṇavat vi rocatām aruṣo bhānunā śuciḥ svar na śukraṃ śuśucīta satpatiḥ

Es erhebe sich [die Kraft, das Werkzeug] zusammen mit dem Licht; die Kuh der Wahrheit sei gutmelkend wie in alter Zeit; der rötliche, reine [Gott] möge mit seinem Glanz erstrahlen; wie das reine Himmelslicht möge der gute Herr leuchten. [Anm.: Die Bedeutung von "paraśu" ("Axt") in diesem Zusammenhang ist unklar.]

Wort für Wort
uj
empor (Präverb)
jāyatāṃ
es erhebe sich (Imp.)
paraśu
Werkzeug/Axt [?] (Nom.)
jyotiṣā
mit dem Licht (Instr.)
saha
zusammen
bhūyā
sei (Opt.)
ṛtasya
der Wahrheit (Gen.)
sudughā
gutmelkende [Kuh] (Nom.)
purāṇavat
wie in alter Zeit
vi
(Präverb)
rocatām
möge erstrahlen (Imp.)
aruṣo
der rötliche (Nom.)
bhānunā
mit seinem Glanz (Instr.)
śuciḥ
reine (Nom.)
svar
Himmelslicht (Nom./Akk.)
na
wie
śukraṃ
reine (Akk.)
śuśucīta
möge leuchten (Opt.Perf.)
satpatiḥ
der gute Herr (Nom.)

gobhiṣ ṭaremāmatiṃ durevāṃ yavena kṣudhaṃ puruhūta viśvām vayaṃ rājabhiḥ prathamā dhanāny asmākena vṛjanenā jayema

Mit Rindern wollen wir den bösen Unverstand überwinden, mit Gerste allen Hunger, du Vielgerufener; wir wollen mit unseren Königen als Erste die Schätze, mit unserer eigenen Streitmacht, erobern.

Wort für Wort
gobhiṣ
mit Rindern (Instr.Pl.)
ṭaremāmatiṃ
wollen wir überwinden - den Unverstand (Opt.+Akk.)
durevāṃ
bösen (Akk.)
yavena
mit Gerste (Instr.)
kṣudhaṃ
Hunger (Akk.)
puruhūta
du Vielgerufener (Vok.)
viśvām
allen (Akk.)
vayaṃ
wir
rājabhiḥ
mit unseren Königen (Instr.Pl.)
prathamā
als Erste (Nom.Pl.)
dhanāny
die Schätze (Akk.Pl.)
asmākena
mit unserer eigenen (Instr.)
vṛjanenā
Streitmacht (Instr.)
jayema
wollen wir erobern (Opt.)

bṛhaspatir naḥ pari pātu paścād utottarasmād adharād aghāyoḥ indraḥ purastād uta madhyato naḥ sakhā sakhibhyaḥ varivaḥ kṛṇotu

Bṛhaspati möge uns von hinten beschützen, und von oben, von unten, vor dem Übelwollenden; Indra beschütze uns von vorn und aus der Mitte; als Freund möge er den Freunden Freiraum schaffen.

Wort für Wort
bṛhaspatir
Bṛhaspati (Nom.)
naḥ
uns (Akk.)
pari
rings (Präverb)
pātu
möge beschützen (Imp.)
paścād
von hinten
utottarasmād
und von oben (uta+Abl.)
adharād
von unten (Abl.)
aghāyoḥ
vor dem Übelwollenden (Abl./Gen.)
indraḥ
Indra (Nom.)
purastād
von vorn
uta
und
madhyato
aus der Mitte
naḥ
uns (Akk.)
sakhā
als Freund (Nom.)
sakhibhyaḥ
den Freunden (Dat.Pl.)
varivaḥ
Freiraum (Akk.)
kṛṇotu
möge schaffen (Imp.)

bṛhaspate yuvam indraś ca vasvo divyasyeśāthe uta pārthivasya dhattaṃ rayiṃ stuvate kīraye cid yūyaṃ pāta svastibhiḥ sadā naḥ

Bṛhaspati, du und Indra, ihr gebietet über das himmlische und das irdische Gut; verleiht Reichtum dem Lobsänger, auch dem geringen; behütet uns immerdar mit Wohlergehen.

Wort für Wort
bṛhaspate
o Bṛhaspati (Vok.)
yuvam
du (Nom.Dual)
indraś
Indra (Nom.)
ca
und
vasvo
über das Gut (Gen.)
divyasyeśāthe
des himmlischen - ihr gebietet (Gen.+2.Du.)
uta
und
pārthivasya
des irdischen (Gen.)
dhattaṃ
verleiht (Imp.Dual)
rayiṃ
Reichtum (Akk.)
stuvate
dem Lobsänger (Dat.Ptz.)
kīraye
dem geringen (Dat.)
cid
auch
yūyaṃ
ihr
pāta
behütet (Imp.Pl.)
svastibhiḥ
mit Wohlergehen (Instr.Pl.)
sadā
immerdar
naḥ
uns (Akk.)

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