Für Indra haben die Kühe die Milchmischung gemolken, für den Keulenträger den Süßtrank, als er ihn im Versteck fand. [Anm.: der genaue Bezug dieser Zeile, wohl auf das Auffinden der Kühe in der Höhle, bleibt unsicher]
ud yad bradhnasya viṣṭapaṃ gṛham indraś ca ganvahi madhvaḥ pītvā sacevahi triḥ sapta sakhyuḥ pade
Wenn wir zum Gipfel, zum Haus des Bradhna emporsteigen – Indra und ich, wollen wir dorthin gehen, und, vom Süßtrank getrunken, dreimal sieben am Ort des Freundes beisammen sein. [Anm.: der mythologische Bezug „bradhna“ und der Sinn dieses Verses insgesamt bleiben unsicher]
ava svarāti gargaro godhā pari saniṣvaṇat piṅgā pari caniṣkadad indrāya brahmodyatam
Es tönt herab der Gargara, die Godhā-Saite erklingt ringsum, die gelbliche Saite hüpft ringsum – dem Indra ist das Gebet dargebracht. [Anm.: die musikalischen Fachausdrücke „gargara“, „godhā“, „piṅgā“ bleiben unsicher übersetzt]
Wort für Wort
ava
herab
svarāti
tönt
gargaro
der Gargara (Instrument, Nom.)
godhā
die Godhā-Saite (Nom.)
pari
ringsum
saniṣvaṇat
erklingt
piṅgā
die gelbliche Saite (Nom.)
pari
ringsum
caniṣkadad
hüpft
indrāya
dem Indra (Dat.)
brahmodyatam
brahma 'Gebet' + udyatam 'dargebracht/erhoben' → das Gebet ist dargebracht
Wenn die eiligen, gutmelkenden, nicht zurückweichenden Somaströme heranfliegen, dann ergreift den zurückweichenden Soma für Indra, zum Trinken. [Anm.: Bezug und Konstruktion dieses Verses bleiben unsicher]
apād indro apād agnir viśve devā amatsata varuṇa id iha kṣayat tam āpo abhy anūṣata vatsaṃ saṃśiśvarīr iva
Fußlos war Indra, fußlos Agni; alle Götter berauschten sich; Varuṇa allein herrsche hier – ihm haben die Wasser zugejubelt, wie säugende Kühe ihrem Kalb. [Anm.: Das Epitheton „fußlos“ für Indra und Agni ist ein rätselhaftes Bild dieses Hymnus, dessen genauer Sinn unklar bleibt.]
sudevo asi varuṇa yasya te sapta sindhavaḥ anukṣaranti kākudaṃ sūryaṃ suṣirām iva
Ein guter Gott bist du, Varuṇa, dessen sieben Ströme deinen Gaumen entlangfließen, wie zur durchlöcherten Sonne hin. [Anm.: das Bild dieser Zeile bleibt sehr dunkel]
yo vyatīṃr aphāṇayat suyuktāṃ upa dāśuṣe takvo netā tad id vapur upamā yo amucyata
Der die gutgespannten Zügel entfaltete, hin zum Opferspender, er, der schnelle Führer – das eben ist sein Wunderwerk, er, der als Höchster gelöst wurde. [Anm.: dieser Vers ist sehr dunkel, der Zusammenhang bleibt unklar]
atīd u śakra ohata indro viśvā ati dviṣaḥ bhinat kanīna odanaṃ pacyamānaṃ paro girā
Darüber hinaus fährt ja der Mächtige, Indra, über alle Feindschaften hinweg; als Jüngling zerbrach er den kochenden Brei mit seinem Loblied hinaus. [Anm.: der Bezug des „Brei-Zerbrechens“ bleibt unklar, wohl eine rätselhafte mythologische Anspielung]
arbhako na kumārako 'dhi tiṣṭhann avaṃ ratham sa pakṣan mahiṣaṃ mṛgaṃ pitre mātre vibhukratum
Wie ein kleiner Knabe, der auf dem niedrigen Wagen sitzt – so kochte er den mächtigen Büffel, das Wildtier, für Vater und Mutter, mit reichlicher Umsicht. [Anm.: der Sinnzusammenhang bleibt unsicher, evtl. mythologische Anspielung auf eine Kindheitserzählung]
Wort für Wort
arbhako
klein (Nom.)
na
wie
kumārako
Knabe (Nom.)
'dhi
auf (Präverb)
tiṣṭhann
sitzend
avaṃ
niedrigen (Akk.)
ratham
Wagen (Akk.)
sa
er
pakṣan
kochte
mahiṣaṃ
mächtigen Büffel (Akk.)
mṛgaṃ
Wildtier (Akk.)
pitre
für Vater (Dat.)
mātre
für Mutter (Dat.)
vibhukratum
vibhu 'reichlich/mächtig' + kratum 'Umsicht/Tatkraft' → mit reichlicher Umsicht (Akk.)
Besteige, du Schönbackiger, Herr des Hauses, den goldenen Wagen; dann wollen wir uns dem himmlischen Wagen anschließen, dem tausendfüßigen, rötlichen, heilbringenden, makellosen.
tam ghem itthā namasvina upa svarājam āsate arthaṃ cid asya sudhitaṃ yad etave āvartayanti dāvane
Ihn, den Selbstherrscher, umgeben so die Verehrenden; sogar sein wohlgeordnetes Ziel bringen sie herbei, zum Geben, damit er komme. [Anm.: der Satzbau dieses Verses bleibt unsicher]
anu pratnasyaukasaḥ priyamedhāsa eṣām pūrvām anu prayatiṃ vṛktabarhiṣo hitaprayasa āśata
Dem alten Wohnsitz folgend haben die Priyamedhas, dem früheren Vorbild dieser Vorfahren folgend, mit ausgebreitetem Barhis, mit bereitgestellter Opferspeise, ihr Ziel erreicht.
yo rājā carṣaṇīnāṃ yātā rathebhir adhriguḥ viśvāsāṃ tarutā pṛtanānāṃ jyeṣṭho yo vṛtrahā gṛṇe
Der König der Völker, der mit seinen Wagen Fahrende, der Unaufhaltsame, der Überwinder aller Kampfscharen, der als Höchster, als Vṛtratöter, gepriesen wird.
Wort für Wort
yo
der (Rel.)
rājā
König (Nom.)
carṣaṇīnāṃ
der Völker (Gen.Pl.)
yātā
der Fahrende (Nom.)
rathebhir
mit Wagen (Instr.Pl.)
adhriguḥ
der Unaufhaltsame (Nom.)
viśvāsāṃ
aller (Gen.Pl.)
tarutā
der Überwinder (Nom.)
pṛtanānāṃ
Kampfscharen (Gen.Pl.)
jyeṣṭho
als Höchster (Nom.)
yo
der (Rel.)
vṛtrahā
vṛtra 'Vṛtra (Dämon)' + hā 'Töter' → als Vṛtratöter (Nom.)
indraṃ taṃ śumbha puruhanmann avase yasya dvitā vidhartari hastāya vajraḥ prati dhāyi darśato maho dive na sūryaḥ
Schmücke jenen Indra, du Vielschlagender, zur Hilfe – ihn, dem zum zweiten Mal, bei der Verteilung, die Keule in die Hand gelegt wurde, den ansehnlichen, wie die Sonne dem großen Himmel. [Anm.: der Satzbau dieses Verses bleibt unsicher]
Wort für Wort
indraṃ
Indra (Akk.)
taṃ
jenen (Akk.)
śumbha
schmücke! (Imp.)
puruhanmann
puru 'viel' + hanmann 'schlagend' → du Vielschlagender (Vok.)
Niemand erreicht ihn mit eigener Tat, der ihn, den beständig Wachsenden, geschaffen hat – Indra, den durch Opfer allseits Gepriesenen, den kunstfertigen, den unangreifbaren, den von kühner Kraft.
Wort für Wort
nakiṣ
niemand
ṭaṃ
ihn
karmaṇā
mit Tat (Instr.)
naśad
erreicht
yaś
der (Rel.)
cakāra
geschaffen hat
sadāvṛdham
sadā 'beständig' + vṛdham 'wachsend' → den beständig Wachsenden (Akk.)
indraṃ
Indra (Akk.)
na
wie
yajñair
durch Opfer (Instr.Pl.)
viśvagūrtam
viśva 'alle' + gūrtam 'gepriesen' → den allseits Gepriesenen (Akk.)
ṛbhvasam
den kunstfertigen (Akk.)
adhṛṣṭaṃ
den unangreifbaren (Akk.)
dhṛṣṇvojasam
dhṛṣṇu 'kühn' + ojasam 'Kraft' → den von kühner Kraft (Akk.)
Den Unbezwingbaren, den Gewaltigen, den in den Schlachten Siegreichen, bei dessen Geburt die großen, weithinschreitenden Milchkühe zusammen aufbrüllten, die Himmel und die Erden aufbrüllten.
Wort für Wort
aṣālham
den Unbezwingbaren (Akk.)
ugraṃ
den Gewaltigen (Akk.)
pṛtanāsu
in den Schlachten (Lok.Pl.)
sāsahiṃ
den Siegreichen (Akk.)
yasmin
bei dessen (Lok.)
mahīr
großen (Nom.Pl.)
urujrayaḥ
uru 'weit' + jrayaḥ 'schreitend' → weithinschreitenden (Nom.Pl.)
yad dyāva indra te śataṃ śataṃ bhūmīr uta syuḥ na tvā vajrint sahasraṃ sūryā anu na jātam aṣṭa rodasī
Wenn es, Indra, hundert Himmel und ebenso hundert Erden gäbe – nicht käme dir, du Keulenträger, ein Tausend an Sonnen gleich; kein Geborener erreicht dich, nicht einmal die beiden Welthälften.
Du hast mit deiner Größe alle stierhaften Kräfte erfüllt, o Stier, du Stärkster mit deiner Kraft; hilf uns, du Freigebiger, bei der kuhreichen Hürde, du Keulenträger, mit deinen wunderbaren Hilfen.