Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 20

Sūkta 70

vīlu cid ārujatnubhir guhā cid indra vahnibhiḥ avinda usriyā anu

Auch das Feste hast du mit den Zerbrechern zerbrochen, auch das im Verborgenen, o Indra, mit deinen Trägern; du fandest die leuchtenden Kühe, eine nach der anderen.

Wort für Wort
vīlu
das Feste (Akk.)
cid
auch
ārujatnubhir
mit den Zerbrechern (Instr.Pl.)
guhā
im Verborgenen
cid
auch
indra
o Indra (Vok.)
vahnibhiḥ
mit den Trägern (Instr.Pl.)
avinda
du fandest
usriyā
die leuchtenden Kühe (Akk.Pl.)
anu
eine nach der anderen

devayanto yathā matim achā vidadvasuṃ giraḥ mahām anūṣata śrutam

Die Gottsuchenden haben, ihrer Einsicht folgend, mit ihren Liedern den gütererlangenden, den großen, den berühmten Indra besungen.

Wort für Wort
devayanto
die Gottsuchenden (Nom.Pl.)
yathā
wie/gemäß
matim
Einsicht (Akk.)
achā
hin zu
vidadvasuṃ
den gütererlangenden (Akk.)
giraḥ
mit Liedern (Instr.)
mahām
den großen (Akk.)
anūṣata
haben besungen
śrutam
den berühmten (Akk.)

indreṇa saṃ hi dṛkṣase saṃjagmāno abibhyuṣā mandū samānavarcasā

Denn vereint mit Indra wirst du sichtbar, mit ihm, dem Furchtlosen, zusammengekommen – beide berauscht, von gleichem Glanz.

Wort für Wort
indreṇa
mit Indra (Instr.)
saṃ
zusammen
hi
denn
dṛkṣase
wirst du sichtbar
saṃjagmāno
zusammengekommen
abibhyuṣā
a 'nicht' + bibhyuṣā 'fürchtend' → mit dem Furchtlosen (Instr.)
mandū
beide berauscht (Nom.Dual)
samānavarcasā
samāna 'gleich' + varcasā 'Glanz' → von gleichem Glanz (Nom.Dual)

anavadyair abhidyubhir makhaḥ sahasvad arcati gaṇair indrasya kāmyaiḥ

Mit den tadellosen, himmelwärts strebenden, von Indra geliebten Scharen singt der Mächtige gewaltig sein Loblied.

Wort für Wort
anavadyair
an 'nicht' + avadyaiḥ 'tadelnswert' → mit den tadellosen (Instr.Pl.)
abhidyubhir
abhi 'hin zu' + dyubhir 'Himmel' → mit den himmelwärts strebenden (Instr.Pl.)
makhaḥ
der Mächtige (Nom.)
sahasvad
gewaltig
arcati
singt sein Loblied
gaṇair
mit den Scharen (Instr.Pl.)
indrasya
Indras (Gen.)
kāmyaiḥ
den geliebten (Instr.Pl.)

ataḥ parijmann ā gahi divo vā rocanād adhi sam asminn ṛñjate giraḥ

Von dort, du Umherziehender, komm her, oder vom Lichtreich des Himmels herab – auf dich richten sich die Lobgesänge.

Wort für Wort
ataḥ
von dort
parijmann
pari 'um' + jmann 'ziehend/gehend' → du Umherziehender (Vok.)
ā
her
gahi
komm! (Imp.)
divo
des Himmels (Gen.)
vā
oder
rocanād
vom Lichtreich (Abl.)
adhi
herab
sam
zusammen/darauf
asminn
auf diesen (Lok.)
ṛñjate
richten sich
giraḥ
die Lobgesänge (Nom.Pl.)

ito vā sātim īmahe divo vā pārthivād adhi indraṃ maho vā rajasaḥ

Von hier erbitten wir Gewinn, oder vom Himmel, oder vom irdischen Raum, oder aus dem großen Luftraum – (wir erbitten) den Indra.

Wort für Wort
ito
von hier
vā
oder
sātim
Gewinn (Akk.)
īmahe
wir erbitten
divo
vom Himmel (Abl.)
vā
oder
pārthivād
vom irdischen (Abl.)
adhi
herab
indraṃ
den Indra (Akk.)
maho
großen (Abl.)
vā
oder
rajasaḥ
Luftraum (Abl.)

indram id gathino bṛhad indram arkebhir arkiṇaḥ indraṃ vāṇīr anūṣata

Eben Indra haben die Sänger mit lautem Lied, Indra die mit Lobgesängen Singenden mit ihren Gesängen, Indra haben die Stimmen besungen.

Wort für Wort
indram
Indra (Akk.)
id
eben
gathino
die Sänger (Nom.Pl.)
bṛhad
laut
indram
Indra (Akk.)
arkebhir
mit Lobgesängen (Instr.Pl.)
arkiṇaḥ
die mit Lobgesängen Singenden (Nom.Pl.)
indraṃ
Indra (Akk.)
vāṇīr
die Stimmen (Nom.Pl.)
anūṣata
haben besungen

indra id dharyoḥ sacā saṃmiśla ā vacoyujā indro vajrī hiraṇyayaḥ

Eben Indra ist mit seinen beiden Falben verbunden, die sich auf sein Wort hin anschirren lassen; Indra, der Keulenträger, ist golden.

Wort für Wort
indra
Indra (Nom.)
id
eben
dharyoḥ
mit den beiden Falben (Instr.Dual)
sacā
verbunden
saṃmiśla
vereint
ā
her
vacoyujā
vacas 'Wort' + yujā 'anschirrend' → die sich auf's Wort hin anschirren (Nom.Dual)
indro
Indra (Nom.)
vajrī
der Keulenträger (Nom.)
hiraṇyayaḥ
golden (Nom.)

indro dīrghāya cakṣasa ā sūryaṃ rohayad divi vi gobhir indram airayat

Indra ließ die Sonne am Himmel aufsteigen, damit man weithin sehe; mit den Milchgüssen hat man Indra angetrieben. [Anm.: Statt „adrim“ (den Felsen, vgl. 20.47.6) steht hier „indram“; das Satzgefüge ist an dieser Stelle unklar, evtl. Textvariante oder -verderbnis.]

Wort für Wort
indro
Indra (Nom.)
dīrghāya
zum weiten (Dat.)
cakṣasa
Sehen (Dat.)
ā
her
sūryaṃ
die Sonne (Akk.)
rohayad
ließ aufsteigen
divi
am Himmel (Lok.)
vi
fort/an
gobhir
mit den Milchgüssen (Instr.Pl.)
indram
Indra (Akk.) [Textvariante für „adrim“, Fels]
airayat
hat man angetrieben

indra vājeṣu no 'va sahasrapradhaneṣu ca ugra ugrābhir ūtibhiḥ

Indra, hilf uns bei den Kampfpreisen und bei den Kämpfen um Tausendfaches, du Gewaltiger, mit deinen gewaltigen Hilfen.

Wort für Wort
indra
Indra (Vok.)
vājeṣu
bei den Kampfpreisen (Lok.Pl.)
no
uns
'va
hilf! (Imp.)
sahasrapradhaneṣu
sahasra 'tausend' + pradhaneṣu 'bei den Kämpfen' → bei den Kämpfen um Tausendfaches (Lok.Pl.)
ca
und
ugra
du Gewaltiger (Vok.)
ugrābhir
mit gewaltigen (Instr.Pl.)
ūtibhiḥ
Hilfen (Instr.Pl.)

indraṃ vayaṃ mahādhana indram arbhe havāmahe yujaṃ vṛtreṣu vajriṇam

Indra rufen wir beim großen Kampfpreis, Indra beim kleinen, den keulentragenden Verbündeten in den Kämpfen gegen die Feinde.

Wort für Wort
indraṃ
Indra (Akk.)
vayaṃ
wir
mahādhana
mahā 'groß' + dhana 'Kampfpreis' → beim großen Kampfpreis (Lok.)
indram
Indra (Akk.)
arbhe
beim kleinen (Lok.)
havāmahe
wir rufen
yujaṃ
den Verbündeten (Akk.)
vṛtreṣu
in den Kämpfen gegen Feinde (Lok.Pl.)
vajriṇam
den Keulenträger (Akk.)

sa no vṛṣann amuṃ caruṃ satrādāvann apā vṛdhi asmabhyam apratiṣkutaḥ

O Stier, du der beständig schenkt, öffne uns jenen Kessel [Anm.: „amuṃ carum“, wörtl. „jenen Opferkessel“, hier wohl bildlich für einen Siegespreis], uns, ohne Widerspruch.

Wort für Wort
sa
du (er)
no
uns
vṛṣann
o Stier (Vok.)
amuṃ
jenen (Akk.)
caruṃ
Kessel (Akk.)
satrādāvann
satrā 'beständig' + dāvann 'schenkend' → o beständig Schenkender (Vok.)
apā
apa 'weg/auf' (Präverb, Sandhi apa+ā) — gehört zu vṛdhi 'öffne!'
vṛdhi
öffne! (Imp.)
asmabhyam
uns (Dat.)
apratiṣkutaḥ
a 'nicht' + pratiṣkutaḥ 'widersprochen' → ohne Widerspruch

tuñjetuñje ya uttare stomā indrasya vajriṇaḥ na vindhe asya suṣṭutim

Bei jedem neuen Anstoß gibt es höhere Loblieder für den keulentragenden Indra; doch ich finde sein wahres, würdiges Lob nicht – ich kann ihn nie genug preisen.

Wort für Wort
tuñjetuñje
bei jedem neuen Anstoß
ya
die (Rel.)
uttare
höhere (Nom.Pl.)
stomā
Loblieder (Nom.Pl.)
indrasya
für Indra (Gen.)
vajriṇaḥ
den keulentragenden (Gen.)
na
nicht
vindhe
ich finde
asya
sein (Gen.)
suṣṭutim
würdiges Lob (Akk.)

vṛṣā yūtheva vaṃsagaḥ kṛṣṭīr iyarty ojasā īśāno apratiṣkutaḥ

Wie der Leitstier seine Herden, so treibt der Bulle die Völker mit seiner Kraft an, der unangefochtene Gebieter.

Wort für Wort
vṛṣā
der Bulle (Nom.)
yūtheva
wie die Herden
vaṃsagaḥ
der Leitstier (Nom.)
kṛṣṭīr
die Völker (Akk.Pl.)
iyarty
treibt an
ojasā
mit seiner Kraft (Instr.)
īśāno
der Gebieter (Nom.)
apratiṣkutaḥ
a 'nicht' + pratiṣkutaḥ 'widersprochen' → der unangefochtene (Nom.)

ya ekaś carṣaṇīnāṃ vasūnām irajyati indraḥ pañca kṣitīnām

Er, der als einziger über die Güter der Völker gebietet, Indra, der Herr der fünf Menschenstämme.

Wort für Wort
ya
der (Rel.)
ekaś
als einziger
carṣaṇīnāṃ
der Völker (Gen.Pl.)
vasūnām
der Güter (Gen.Pl.)
irajyati
gebietet
indraḥ
Indra (Nom.)
pañca
der fünf
kṣitīnām
Menschenstämme (Gen.Pl.)

indraṃ vo viśvatas pari havāmahe janebhyaḥ asmākam astu kevalaḥ

Euch zuliebe rufen wir Indra von allen Seiten her, weg von den anderen Völkern – uns allein soll er gehören.

Wort für Wort
indraṃ
Indra (Akk.)
vo
euch zuliebe
viśvatas
von allen Seiten
pari
ringsum
havāmahe
wir rufen
janebhyaḥ
weg von den Völkern (Abl.Pl.)
asmākam
uns (Gen.Pl.)
astu
soll er sein
kevalaḥ
allein (Nom.)

endra sānasiṃ rayiṃ sajitvānaṃ sadāsaham varṣiṣṭham ūtaye bhara

Bring, o Indra, den gewinnbringenden Reichtum her, den mitsiegenden, den beständig überlegenen, den höchsten, uns zur Hilfe.

Wort für Wort
endra
her, Indra
sānasiṃ
gewinnbringenden (Akk.)
rayiṃ
Reichtum (Akk.)
sajitvānaṃ
sa 'mit' + jitvānam 'siegend' → den mitsiegenden (Akk.)
sadāsaham
sadā 'immer' + saham 'überlegen/besiegend' → den beständig überlegenen (Akk.)
varṣiṣṭham
höchsten (Akk.)
ūtaye
zur Hilfe
bhara
bring! (Imp.)

ni yena muṣṭihatyayā ni vṛtrā ruṇadhāmahai tvotāso ny arvatā

Mit dem, wodurch wir im Faustkampf die Feinde niederhalten können, wollen wir sie niederhalten, von dir unterstützt, auch mit dem Streitross.

Wort für Wort
ni
nieder
yena
wodurch (Instr.)
muṣṭihatyayā
muṣṭi 'Faust' + hatyayā 'Schlagen' → durch Faustkampf (Instr.)
ni
nieder
vṛtrā
die Feinde (Akk.Pl.)
ruṇadhāmahai
wollen wir niederhalten
tvotāso
tvā 'von dir' + ūtāsaḥ 'unterstützt' → von dir unterstützt (Nom.Pl.)
ny
nieder
arvatā
mit dem Streitross (Instr.)

indra tvotāso ā vayaṃ vajraṃ ghanā dadīmahi jayema saṃ yudhi spṛdhaḥ

Indra, von dir unterstützt, wollen wir die Keule als Schlagwaffe ergreifen; wir wollen im Kampf die Gegner besiegen.

Wort für Wort
indra
Indra (Vok.)
tvotāso
tvā 'von dir' + ūtāsaḥ 'unterstützt' → von dir unterstützt (Nom.Pl.)
ā
her
vayaṃ
wir
vajraṃ
die Keule (Akk.)
ghanā
als Schlagwaffe (Akk.)
dadīmahi
wollen wir ergreifen
jayema
wir wollen besiegen
saṃ
zusammen
yudhi
im Kampf (Lok.)
spṛdhaḥ
die Gegner (Akk.Pl.)

vayaṃ śūrebhir astṛbhir indra tvayā yujā vayam sāsahyāma pṛtanyataḥ

Wir wollen mit den heldenhaften Schützen, o Indra, mit dir als Verbündetem, die Angreifer bezwingen.

Wort für Wort
vayaṃ
wir
śūrebhir
mit den heldenhaften (Instr.Pl.)
astṛbhir
mit den Schützen (Instr.Pl.)
indra
Indra (Vok.)
tvayā
mit dir (Instr.)
yujā
als Verbündetem (Instr.)
vayam
wir
sāsahyāma
wollen bezwingen
pṛtanyataḥ
die Angreifer (Akk.Pl.)

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