Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 20

Sūkta 96

tīvrasyābhivayaso asya pāhi sarvarathā vi harī iha muñca indra mā tvā yajamānāso anye ni rīraman tubhyam ime sutāsaḥ

Trink von diesem starken, kraftspendenden Soma; spanne hier die beiden Falben ganz vom Wagen aus, Indra; nicht sollen andere Opferer dich festhalten – dir gehören diese ausgepressten Somatränke.

Wort für Wort
tīvrasyābhivayaso
des starken, kraftspendenden (Gen.)
asya
diesem (Gen.)
pāhi
trink! (Imp.)
sarvarathā
ganz vom Wagen
vi
aus (Präverb)
harī
die beiden Falben (Akk.Dual)
iha
hier
muñca
spanne aus! (Imp.)
indra
Indra (Vok.)
mā
nicht
tvā
dich
yajamānāso
Opferer (Nom.Pl.)
anye
andere (Nom.Pl.)
ni
fest
rīraman
sollen festhalten
tubhyam
dir
ime
diese (Nom.Pl.)
sutāsaḥ
ausgepressten Somatränke (Nom.Pl.)

tubhyaṃ sutās tubhyam u sotvāsas tvāṃ giraḥ śvātryā ā hvayanti indredam adya savanaṃ juṣāṇo viśvasya vidvāṃ iha pāhi somam

Für dich sind die ausgepressten Tränke, für dich sind auch die noch auszupressenden bestimmt; dich rufen die freudigen Lieder herbei; Indra, indem du diese heutige Somapressung genießt, trink hier, kundig von allem, den Soma.

Wort für Wort
tubhyaṃ
für dich
sutās
ausgepressten Tränke (Nom.Pl.)
tubhyam
für dich
u
auch
sotvāsas
die noch auszupressenden (Nom.Pl.)
tvāṃ
dich
giraḥ
Lieder (Nom.Pl.)
śvātryā
freudige (Nom.Pl.)
ā
her
hvayanti
rufen
indredam
indra 'Indra' (Vok.) + idam 'dies' — Sandhi-Verschmelzung
adya
heutige (Akk.)
savanaṃ
Somapressung (Akk.)
juṣāṇo
genießend
viśvasya
von allem (Gen.)
vidvāṃ
kundig (Nom.)
iha
hier
pāhi
trink! (Imp.)
somam
den Soma (Akk.)

ya uśatā manasā somam asmai sarvahṛdā devakāmaḥ sunoti na gā indras tasya parā dadāti praśastam ic cārum asmai kṛṇoti

Wer mit begierigem Sinn, mit ganzem Herzen, gottliebend, diesem Indra den Soma presst, dessen Kühe gibt Indra nicht preis; er macht ihm nur das Gepriesene, das Angenehme zuteil.

Wort für Wort
ya
wer (Rel.)
uśatā
mit begierigem (Instr.)
manasā
Sinn (Instr.)
somam
Soma (Akk.)
asmai
diesem (Dat.)
sarvahṛdā
sarva 'ganz' + hṛdā 'mit Herz' → mit ganzem Herzen (Instr.)
devakāmaḥ
deva 'Gott' + kāmaḥ 'liebend' → gottliebend (Nom.)
sunoti
presst
na
nicht
gā
Kühe (Akk.Pl.)
indras
Indra (Nom.)
tasya
dessen (Gen.)
parā
preis (Präverb)
dadāti
gibt
praśastam
das Gepriesene (Akk.)
ic
nur
cārum
das Angenehme (Akk.)
asmai
ihm (Dat.)
kṛṇoti
macht zuteil

anuspaṣṭo bhavaty eṣo asya yo asmai revān na sunoti somam nir aratnau maghavā taṃ dadhāti brahmadviṣo hanty anānudiṣṭaḥ

Der wird von ihm durchschaut, wer, obwohl vermögend, ihm den Soma nicht presst; den setzt der Gabenreiche aus seiner Gunst hinaus; die Andachtsfeinde erschlägt er, ohne dass es ihm erst geboten werden müsste.

Wort für Wort
anuspaṣṭo
anu 'gemäß/hinterher' + spaṣṭo 'gesehen' → durchschaut (Nom.)
bhavaty
wird
eṣo
dieser (Nom.)
asya
von ihm (Gen.)
yo
wer (Rel.)
asmai
ihm (Dat.)
revān
obwohl vermögend (Nom.)
na
nicht
sunoti
presst
somam
Soma (Akk.)
nir
hinaus (Präverb)
aratnau
aus seiner Gunst (Lok.)
maghavā
der Gabenreiche (Nom.)
taṃ
den
dadhāti
setzt
brahmadviṣo
brahma 'Gebet' + dviṣo 'Hasser' → die Andachtsfeinde (Akk.Pl.)
hanty
erschlägt
anānudiṣṭaḥ
an 'nicht' + anudiṣṭaḥ 'geboten' → ohne dass es geboten werden müsste (Nom.)

aśvāyanto gavyanto vājayanto havāmahe tvopagantavā u ābhūṣantas te sumatau navāyāṃ vayam indra tvā śunaṃ huvema

Nach Rossen verlangend, nach Rindern verlangend, nach Kampfpreis verlangend rufen wir dich an, damit du herankommst; um deine neue Gunst bemüht, wollen wir, Indra, dich zum Heil anrufen.

Wort für Wort
aśvāyanto
nach Rossen verlangend (Nom.Pl.)
gavyanto
nach Rindern verlangend (Nom.Pl.)
vājayanto
nach Kampfpreis verlangend (Nom.Pl.)
havāmahe
wir rufen an
tvopagantavā
tvā 'dich/du' + upagantavai 'herankommen' — Sandhi-Verschmelzung
u
und
ābhūṣantas
bemüht (Nom.Pl.)
te
deine
sumatau
um Gunst (Lok.)
navāyāṃ
neue (Lok.)
vayam
wir
indra
Indra (Vok.)
tvā
dich
śunaṃ
zum Heil (Akk.)
huvema
wollen wir anrufen

muñcāmi tvā haviṣā jīvanāya kam ajñātayakṣmād uta rājayakṣmāt grāhir jagrāha yady etad tasyā indrāgnī pra mumuktam enam

Ich löse dich mit dem Opfertrank, auf dass du lebest, von der unbekannten Schwindsucht und von der Königsschwindsucht; wenn die Grāhi, die Packerin, diesen Kranken gepackt hat, so löset ihr, Indra und Agni, ihn aus ihrer Gewalt.

Wort für Wort
muñcāmi
ich löse
tvā
dich
haviṣā
mit dem Opfertrank (Instr.)
jīvanāya
auf dass du lebest
kam
(Partikel, betont)
ajñātayakṣmād
von der unbekannten Schwindsucht (Abl.)
uta
und
rājayakṣmāt
von der Königsschwindsucht (Abl.)
grāhir
die Grāhi, Packerin (Nom.)
jagrāha
hat gepackt
yady
wenn
etad
diesen
tasyā
ihrer (Gen.)
indrāgnī
indra 'Indra' + agnī 'Agni' → Indra und Agni (Vok.Dual, Dvandva-Kompositum)
pra
hinaus
mumuktam
löset! (Imp.Dual)
enam
ihn (Akk.)

yadi kṣitāyur yadi vā pareto yadi mṛtyor antikaṃ nīta eva tam ā harāmi nirṛter upasthād aspārśam enaṃ śataśāradāya

Sei es, dass seine Lebenszeit schon erschöpft ist, sei es, dass er schon hinübergegangen ist, sei es, dass er dem Tod schon ganz nahegebracht wurde – ich hole ihn dennoch zurück aus dem Schoß der Nirṛti, des Verderbens; ich habe ihn berührt, damit er hundert Herbste erlebe.

Wort für Wort
yadi
sei es dass
kṣitāyur
kṣita 'erschöpft' + āyur 'Lebenszeit' → dessen Lebenszeit erschöpft ist (Nom.)
yadi
sei es dass
vā
oder
pareto
hinübergegangen (Nom.)
yadi
sei es dass
mṛtyor
des Todes (Gen.)
antikaṃ
Nähe (Akk.)
nīta
gebracht (Nom.)
eva
schon
tam
ihn
ā
her
harāmi
ich hole
nirṛter
der Nirṛti (Gen.)
upasthād
aus dem Schoß (Abl.)
aspārśam
ich habe berührt
enaṃ
ihn (Akk.)
śataśāradāya
śata 'hundert' + śāradāya 'Herbst' → damit er hundert Herbste erlebe (Dat.)

sahasrākṣeṇa śatavīryeṇa śatāyuṣā haviṣāhārṣam enam indro yathainaṃ śarado nayāty ati viśvasya duritasya pāram

Mit dem tausendäugigen, hundertkräftigen, hundert Lebensjahre verleihenden Opferguss habe ich ihn geholt, auf dass Indra ihn durch die Herbste hindurch über jede Not hinaus ans andere Ufer führe.

Wort für Wort
sahasrākṣeṇa
sahasra 'tausend' + akṣeṇa 'Auge' → mit dem tausendäugigen (Instr.)
śatavīryeṇa
śata 'hundert' + vīryeṇa 'Kraft' → hundertkräftigen (Instr.)
śatāyuṣā
śata 'hundert' + āyuṣā 'Lebensjahre' → hundert Lebensjahre verleihenden (Instr.)
haviṣāhārṣam
haviṣā 'mit dem Opferguss' (Instr.) + ahārṣam 'habe ich geholt' — Sandhi-Verschmelzung
enam
ihn (Akk.)
indro
Indra (Nom.)
yathainaṃ
auf dass ihn
śarado
durch die Herbste (Akk.Pl.)
nayāty
führe
ati
über hinaus
viśvasya
jeder (Gen.)
duritasya
Not (Gen.)
pāram
ans andere Ufer (Akk.)

śataṃ jīva śarado vardhamānaḥ śataṃ hemantān chatam u vasantān śataṃ ta indro agniḥ savitā bṛhaspatiḥ śatāyuṣā haviṣāhārṣam enam

Lebe hundert Herbste, wachsend, hundert Winter, auch hundert Frühlinge; hundert Jahre gewähren dir Indra, Agni, Savitṛ, Bṛhaspati; mit dem hundert Lebensjahre verleihenden Opferguss habe ich ihn geholt.

Wort für Wort
śataṃ
hundert
jīva
lebe! (Imp.)
śarado
Herbste (Akk.Pl.)
vardhamānaḥ
wachsend (Nom.)
śataṃ
hundert
hemantān
Winter (Akk.Pl.)
chatam
hundert
u
auch
vasantān
Frühlinge (Akk.Pl.)
śataṃ
hundert
ta
dir
indro
Indra (Nom.)
agniḥ
Agni (Nom.)
savitā
Savitṛ (Nom.)
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati (Nom.)
śatāyuṣā
śata 'hundert' + āyuṣā 'Lebensjahre' → mit dem hundert Lebensjahre verleihenden (Instr.)
haviṣāhārṣam
haviṣā 'mit dem Opferguss' (Instr.) + ahārṣam 'habe ich geholt' — Sandhi-Verschmelzung
enam
ihn (Akk.)

āhārṣam avidaṃ tvā punar āgāḥ punarṇavaḥ sarvāṅga sarvaṃ te cakṣuḥ sarvam āyuś ca te 'vidam

Ich habe ihn geholt, ich habe dich gefunden, du bist zurückgekehrt, wieder neu geworden, an allen Gliedern heil; dein ganzes Augenlicht, dein ganzes Leben habe ich dir wiedergefunden.

Wort für Wort
āhārṣam
ich habe geholt
avidaṃ
ich habe gefunden
tvā
dich
punar
wieder
āgāḥ
du bist zurückgekehrt
punarṇavaḥ
punar 'wieder' + navaḥ 'neu' → wieder neu geworden (Nom.)
sarvāṅga
sarva 'all' + aṅga 'Glied' → an allen Gliedern (Vok./Nom.)
sarvaṃ
ganzes
te
dein
cakṣuḥ
Augenlicht (Akk.)
sarvam
ganzes
āyuś
Leben (Akk.)
ca
und
te
dir
'vidam
habe ich wiedergefunden

brahmaṇāgniḥ samvidāno rakṣohā bādhatām itaḥ amīvā yas te garbhaṃ durṇāmā yonim āśaye

Agni, im Bunde mit dem heiligen Wort, der Unholdtöter, soll von hier vertreiben, was als Krankheit, der übel Benannte, sich in deinem Keim und deinem Schoß niederlässt.

Wort für Wort
brahmaṇāgniḥ
brahmaṇā 'mit dem heiligen Wort' (Instr.) + agniḥ 'Agni' (Nom.) — Sandhi-Verschmelzung
samvidāno
im Bunde (Nom.)
rakṣohā
rakṣas 'Unhold' + hā 'Töter' → der Unholdtöter (Nom.)
bādhatām
soll vertreiben
itaḥ
von hier
amīvā
als Krankheit (Nom.)
yas
was (Rel.)
te
deinem
garbhaṃ
Keim (Akk.)
durṇāmā
dur 'übel' + nāmā 'benannt' → der übel Benannte (Nom.)
yonim
Schoß (Akk.)
āśaye
sich niederlässt

yas te garbham amīvā durṇāmā yonim āśaye agniṣ ṭaṃ brahmaṇā saha niṣ kravyādam anīnaśat

Den, der als Krankheit, der übel Benannte, sich in deinem Keim und Schoß niederlässt – den hat Agni zusammen mit dem heiligen Wort vernichtet, den Leichenfresser.

Wort für Wort
yas
der (Rel.)
te
deinem
garbham
Keim (Akk.)
amīvā
als Krankheit (Nom.)
durṇāmā
dur 'übel' + nāmā 'benannt' → der übel Benannte (Nom.)
yonim
Schoß (Akk.)
āśaye
sich niederlässt
agniṣ
Agni (Nom.)
ṭaṃ
den
brahmaṇā
mit dem heiligen Wort (Instr.)
saha
zusammen
niṣ
hinaus (Präverb)
kravyādam
kravya 'Fleisch/Leiche' + adam 'essend' → den Leichenfresser (Akk.)
anīnaśat
hat vernichtet

yas te hanti patayantaṃ niṣatsnuṃ yaḥ sarīsṛpam jātaṃ yas te jighāṃsati tam ito nāśayāmasi

Wer dir das Kind tötet, sei es fliegend, sei es sich niedersetzend, sei es kriechend, das Geborene – wer es zu töten trachtet, den vertreiben wir von hier.

Wort für Wort
yas
wer (Rel.)
te
dir
hanti
tötet
patayantaṃ
das fliegende (Akk.)
niṣatsnuṃ
das sich niedersetzende (Akk.)
yaḥ
wer (Rel.)
sarīsṛpam
das kriechende (Akk.)
jātaṃ
das Geborene (Akk.)
yas
wer (Rel.)
te
dir
jighāṃsati
zu töten trachtet
tam
den
ito
von hier
nāśayāmasi
vertreiben wir

yas ta ūrū viharaty antarā dampatī śaye yoniṃ yo antar ārelhi tam ito nāśayāmasi

Wer deine Schenkel auseinanderspreizt, wer zwischen dem Ehepaar liegt, wer den Schoß von innen angreift – den vertreiben wir von hier.

Wort für Wort
yas
wer (Rel.)
ta
deine
ūrū
Schenkel (Akk.Dual)
viharaty
auseinanderspreizt
antarā
zwischen
dampatī
dem Ehepaar (Lok./Dat.)
śaye
liegt
yoniṃ
den Schoß (Akk.)
yo
wer (Rel.)
antar
von innen
ārelhi
angreift
tam
den
ito
von hier
nāśayāmasi
vertreiben wir

yas tvā bhrātā patir bhūtvā jāro bhūtvā nipadyate prajāṃ yas te jighāṃsati tam ito nāśayāmasi

Wer, dein Bruder gewesen oder dein Gatte gewesen, sich in Gestalt eines Liebhabers zu dir legt, wer deine Nachkommenschaft zu töten trachtet – den vertreiben wir von hier.

Wort für Wort
yas
wer (Rel.)
tvā
dich
bhrātā
Bruder (Nom.)
patir
Gatte (Nom.)
bhūtvā
gewesen
jāro
Liebhaber (Nom.)
bhūtvā
gewesen
nipadyate
legt sich
prajāṃ
Nachkommenschaft (Akk.)
yas
wer (Rel.)
te
deine
jighāṃsati
zu töten trachtet
tam
den
ito
von hier
nāśayāmasi
vertreiben wir

yas tvā svapnena tamasā mohayitvā nipadyate prajāṃ yas te jighāṃsati tam ito nāśayāmasi

Wer dich, nachdem er dich mit Schlaf und Finsternis betört hat, sich niederlegt bei dir, wer deine Nachkommenschaft zu töten trachtet – den vertreiben wir von hier.

Wort für Wort
yas
wer (Rel.)
tvā
dich
svapnena
mit Schlaf (Instr.)
tamasā
mit Finsternis (Instr.)
mohayitvā
betört habend
nipadyate
legt sich nieder
prajāṃ
Nachkommenschaft (Akk.)
yas
wer (Rel.)
te
deine
jighāṃsati
zu töten trachtet
tam
den
ito
von hier
nāśayāmasi
vertreiben wir

akṣībhyāṃ te nāsikābhyāṃ karṇābhyāṃ chubukād adhi yakṣmaṃ śīrṣaṇyaṃ mastiṣkāj jihvāyā vi vṛhāmi te

Aus deinen beiden Augen, aus den Nasenlöchern, aus den Ohren, vom Kinn herab reiße ich dir die Schwindsucht des Kopfes heraus, aus dem Gehirn, aus der Zunge.

Wort für Wort
akṣībhyāṃ
aus den beiden Augen (Abl.Dual)
te
deinen
nāsikābhyāṃ
aus den Nasenlöchern (Abl.Dual)
karṇābhyāṃ
aus den Ohren (Abl.Dual)
chubukād
vom Kinn (Abl.)
adhi
herab
yakṣmaṃ
Schwindsucht (Akk.)
śīrṣaṇyaṃ
des Kopfes (Akk.)
mastiṣkāj
aus dem Gehirn (Abl.)
jihvāyā
aus der Zunge (Abl.)
vi
heraus
vṛhāmi
reiße ich
te
dir

grīvābhyas ta uṣṇihābhyaḥ kīkasābhyo anūkyāt yakṣmaṃ doṣaṇyam aṃsābhyāṃ bāhubhyāṃ vi vṛhāmi te

Aus dem Nacken, aus den Nackenwirbeln, aus den Rippen, aus dem Rückenmark reiße ich dir die Schwindsucht des Oberarms heraus, aus den Schultern, aus den Armen.

Wort für Wort
grīvābhyas
aus dem Nacken (Abl.Pl.)
ta
deinen
uṣṇihābhyaḥ
aus den Nackenwirbeln (Abl.Pl.)
kīkasābhyo
aus den Rippen (Abl.Pl.)
anūkyāt
aus dem Rückenmark (Abl.)
yakṣmaṃ
Schwindsucht (Akk.)
doṣaṇyam
des Oberarms (Akk.)
aṃsābhyāṃ
aus den Schultern (Abl.Dual)
bāhubhyāṃ
aus den Armen (Abl.Dual)
vi
heraus
vṛhāmi
reiße ich
te
dir

hṛdayāt te pari klomno halīkṣṇāt pārśvābhyām yakṣmaṃ matasnābhyāṃ plīhno yaknas te vi vṛhāmasi

Aus dem Herzen, rings um die Lunge, aus dem Zwerchfell, aus den Flanken reißen wir dir die Schwindsucht heraus, aus den Nieren, aus der Milz, aus der Leber.

Wort für Wort
hṛdayāt
aus dem Herzen (Abl.)
te
dir
pari
rings um
klomno
der Lunge (Gen./Abl.)
halīkṣṇāt
aus dem Zwerchfell (Abl.)
pārśvābhyām
aus den Flanken (Abl.Dual)
yakṣmaṃ
Schwindsucht (Akk.)
matasnābhyāṃ
aus den Nieren (Abl.Dual)
plīhno
der Milz (Abl./Gen.)
yaknas
der Leber (Abl./Gen.)
te
dir
vi
heraus
vṛhāmasi
reißen wir

āntrebhyas te gudābhyo vaniṣṭhor udarād adhi yakṣmaṃ kukṣibhyāṃ plāśer nābhyā vi vṛhāmi te

Aus den Gedärmen, aus dem Mastdarm, aus dem unteren Darmabschnitt, vom Bauch herab reiße ich dir die Schwindsucht heraus, aus den Weichen, aus dem [?] (plāśi-Organ), aus dem Nabel. [Anm.: "plāśi" – nicht sicher identifizierbares Körperteil]

Wort für Wort
āntrebhyas
aus den Gedärmen (Abl.Pl.)
te
dir
gudābhyo
aus dem Mastdarm (Abl.Pl.)
vaniṣṭhor
aus dem unteren Darmabschnitt (Abl.)
udarād
vom Bauch (Abl.)
adhi
herab
yakṣmaṃ
Schwindsucht (Akk.)
kukṣibhyāṃ
aus den Weichen (Abl.Dual)
plāśer
aus dem [?]-Organ (Abl., unsicher)
nābhyā
aus dem Nabel (Abl.)
vi
heraus
vṛhāmi
reiße ich
te
dir

ūrubhyāṃ te aṣṭhīvadbhyāṃ pārṣṇibhyāṃ prapadābhyām yakṣmaṃ bhasadyaṃ śroṇibhyāṃ bhāsadaṃ bhāṃsaso vi vṛhāmi te

Aus den Schenkeln, aus den Kniescheiben, aus den Fersen, aus den Fußballen reiße ich dir die Schwindsucht des Gesäßes heraus, aus den Hüften, die im Gesäß sitzende, aus dem Fleisch.

Wort für Wort
ūrubhyāṃ
aus den Schenkeln (Abl.Dual)
te
dir
aṣṭhīvadbhyāṃ
aus den Kniescheiben (Abl.Dual)
pārṣṇibhyāṃ
aus den Fersen (Abl.Dual)
prapadābhyām
aus den Fußballen (Abl.Dual)
yakṣmaṃ
Schwindsucht (Akk.)
bhasadyaṃ
des Gesäßes (Akk.)
śroṇibhyāṃ
aus den Hüften (Abl.Dual)
bhāsadaṃ
die im Gesäß sitzende (Akk.)
bhāṃsaso
aus dem Fleisch (Abl.)
vi
heraus
vṛhāmi
reiße ich
te
dir

mehanād vanaṃkaraṇāl lomabhyas te nakhebhyaḥ yakṣmaṃ sarvasmād ātmanas tam idaṃ vi vṛhāmi te

Aus dem Harnglied, aus [?], aus den Haaren, aus den Nägeln – die Schwindsucht aus deinem ganzen Leib, die reiße ich dir hiermit heraus. [Anm.: "vanaṃkaraṇāt" – Bedeutung unsicher, vermutlich verhüllende Bezeichnung eines Körperteils]

Wort für Wort
mehanād
aus dem Harnglied (Abl.)
vanaṃkaraṇāl
aus [?] (Abl., unsicher)
lomabhyas
aus den Haaren (Abl.Pl.)
te
deinen
nakhebhyaḥ
aus den Nägeln (Abl.Pl.)
yakṣmaṃ
Schwindsucht (Akk.)
sarvasmād
aus dem ganzen (Abl.)
ātmanas
Leib (Abl.)
tam
die
idaṃ
hiermit
vi
heraus
vṛhāmi
reiße ich
te
dir

aṅgeaṅge lomnilomni yas te parvaṇiparvaṇi yakṣaṃ tvacasyaṃ te vayaṃ kaśyapasya vībarheṇa viṣvañcaṃ vi vṛhāmasi

Aus jedem einzelnen Glied, aus jedem einzelnen Haar, was dir in jedem einzelnen Gelenk sitzt, die Schwindsucht der Haut – die reißen wir dir mit der Ausreiß-Zauberkraft des Kaśyapa nach allen Seiten heraus.

Wort für Wort
aṅgeaṅge
in jedem einzelnen Glied (Lok.)
lomnilomni
in jedem einzelnen Haar (Lok.)
yas
was (Rel.)
te
dir
parvaṇiparvaṇi
in jedem einzelnen Gelenk (Lok.)
yakṣaṃ
Schwindsucht (Akk.)
tvacasyaṃ
der Haut (Akk.)
te
dir
vayaṃ
wir
kaśyapasya
des Kaśyapa (Gen.)
vībarheṇa
vi 'aus/heraus' + barheṇa 'Reißen/Kraft' (von bṛh) → mit der Ausreiß-Zauberkraft (Instr.)
viṣvañcaṃ
nach allen Seiten (Akk.)
vi
heraus
vṛhāmasi
reißen wir

apehi manasas pate 'pa kāma paraś cara paro nirṛtyā ā cakṣva bahudhā jīvato manaḥ

Geh fort, du Krankheitsgeist des Sinnes, geh fort, Begierde, zieh dich zurück, weiter fort als das Verderben; wende dich vielfach dem Sinn des Lebenden zu. [Anm.: Der Vers scheint einen Wahnsinns-/Liebeskrankheits-Dämon anzusprechen; die genaue Bedeutung von "manasas pate" in diesem Zusammenhang ist unsicher]

Wort für Wort
apehi
geh fort! (Imp.)
manasas
des Sinnes (Gen.)
pate
o Herr/Geist (Vok.)
'pa
fort
kāma
o Begierde (Vok.)
paraś
weiter fort
cara
zieh dich zurück! (Imp.)
paro
weiter als
nirṛtyā
als das Verderben (Abl./Instr.)
ā
hin
cakṣva
wende dich zu! (Imp.)
bahudhā
vielfach
jīvato
des Lebenden (Gen.)
manaḥ
Sinn (Akk.)

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