Quellen der Menschheit

Paippalāda-Saṃhitā · Kāṇḍa 16

Hymne 16.102 Rätsel des Einen und Höchsten

ūnāt pūrṇam ud acati / pūrṇād ūnam ud acyate | / kaviṣ ṭad brahmā veda / yatas tat pariṣicyate ||

Aus dem Weniger schöpft es das Volle heraus; / aus dem Vollen wird das Weniger herausgeschöpft. / Der Seher, der Brahman, weiß das: / woher es begossen [nachgefüllt] wird.

prajāpatiś carati garbhe antar / adṛśyamāno bahudhā pra jāyate | / ardhena viśvaṃ bhuvanaṃ jajāna / yad asyārdhaṃ kim u taj jajāna ||

Prajāpati wandert im Mutterleib, / unsichtbar wird er vielfach geboren. / Mit der Hälfte erzeugte er die ganze Welt; / was seine [andere] Hälfte – was hat er damit erzeugt?

yad ejati carati yac ca tiṣṭhaty / aprāṇat prāṇan nimiṣac ca tiṣṭhat | Bhatt. aprāṇaprāṇaṃ … ceṣṭata, with proposal for emend. / tad dādhāra pṛthivīṃ viśvarūpaṃ / tat saṃbhūya bhavaty ekam eva ||

Was sich regt, geht und was steht, / nicht atmend [und] atmend, blinzelnd und bestehend – / das trug die Erde, die allgestaltige; / das wird, vereint, nur eines.

yā purastād yujyate yota paścād Bhatt. yāḥ / yā viśvato yujyate yota sarvataḥ | / yayā yajñas tāyate prāṅ / tāṃ tvā pṛcchāmi katamā nu sarcām ||

Die, die vorn angeschirrt wird und die hinten, / die von überallher angeschirrt wird und die ringsum, / durch die das Opfer nach Osten ausgespannt wird – / dich frage ich: welche unter den Versen ist sie wohl? [?]

yataḥ sūrya udety / astaṃ yatra ca gacchati | / tad eva manye 'haṃ jyeṣṭhaṃ / tato nāpy eti kiṃ cana ||

Woher die Sonne aufgeht / und wo sie untergeht: / eben das halte ich für das Höchste; / darüber hinaus geht nichts irgendwie hinweg.

satyenordhvas tapati brahmaṇā- / -arvāṅ vi paśyati | / prāṇena tiryaṅ prāṇati / yasmin jyeṣṭham adhi śritam || Bhatt. yasmiṃ

Durch Wahrheit glüht er nach oben, durch Brahman / schaut er hierher hinab; / mit Atem atmet er quer – / in dem das Höchste beruht.

yo vai te vidyād araṇī / yābhyāṃ nirmathyate vasu | / sa vidvān jyeṣṭhaṃ manyeta Bhatt. vidyāṃ / sa vidyād brāhmaṇaṃ mahat ||

Wer deine beiden Reibhölzer kennt, / mit denen der Schatz herausgequirlt wird – / der Wissende soll das Höchste erkennen, / der soll den großen Brahman erkennen.

apād agre sam abhavat / so agre svar ābharat | / catuṣpād bhūtvā bhogyaḥ / sarvam ādatta bhojanam ||

Fußlos entstand er am Anfang; / der brachte am Anfang das Licht (svar) herbei. / Vierfüßig geworden, wurde er der Genießbare / und nahm alle Nahrung.

bhogyo bhavad / atho annam adad bahu | / yo devam uttarāvantam / upāsātai sanātanam ||

Genießbar wurde er, / dann aß er viel Nahrung – / wer dem höheren, ewigen Gott / dienen mag.

sanātanam enam āhur / utādyāsat punar navaḥ | / ahorātre pra jāyete / anyo anyasya rūpayoḥ ||

„Ewig“ nennen sie ihn, / und heute ist er wieder neu; / Tag und Nacht werden geboren, / der eine in den Gestalten des anderen.