Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 1: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Auszug) Fünfter Praśna, erster Abschnitt (Beginn)

Der Beginn des Werks: eine feierliche Prozessions-/Festliturgie an Viṣṇu und sein Gefolge (Waffen-Personifikationen, Diener) mit der Bitte um Wohlgefallen und Beistand für ein "vimāna" (Fahrzeug/Festwagen) – vermutlich der rituelle Rahmen einer Tempelfestprozession. Es folgt eine zweite Litanei (5.1.3), die im festen "priyatām"-Refrain (,möge NN wohlgefällig sein') die klassischen Diś-/Loka-pālas und Hauptgötter (Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Vāyu, Kubera, Īśa/Śiva, Brahmā) sowie kosmische Nebenwesen durchgeht. Die Zählformel 5.1.0.1 ist eine traditionelle Anukramaṇī-artige Merkzeile, die die vorangehenden Verse mnemotechnisch zusammenfasst.

hariḥ oṃ | priyatāṃ bhagavān viṣṇus sarva-deveśvaro hariḥ | śrīvatsāṅkas[*1] sahasrākṣas sahasra-caraṇas tathā || jitan te puṇḍarīkākṣa namas te viśva-bhāvana | namas te 'stu hṛṣīkeśa mahā-puruṣa pūrva-ja || bhavantu sarvāḥ[*2] puṇyākhyā nimittāś śobhanānvitāḥ | tvat-prasādād vayaṃ viṣṇo tava dāsās samāgatāḥ || sādhayāmo vimānaṃ te prasādaṃ kuru no bhavān | sāhāyyaṃ sarva-bhṛtyās te kurvantu tava śāsanāt || śānta-vīśāri-bhūtādīn[*3] visṛjāsmābhir eva tu | anapāyī prayātv agre chitvā vighnaṃ punaḥ-punaḥ ||

Hariḥ Oṃ. Möge der erhabene Herr Viṣṇu, der Gebieter aller Götter, Hari, wohlgefällig sein – der das Śrīvatsa-Zeichen trägt, der Tausendäugige, ebenso der Tausendfüßige. Sieg dir, Lotosäugiger, Verehrung dir, Welten-Erschaffer, Verehrung sei dir, Hṛṣīkeśa, großer Urmensch, Vor-Geborener. Mögen alle Anlässe als heilvoll bekannt und mit Glanz versehen sein; durch deine Gnade sind wir, o Viṣṇu, deine versammelten Diener. Wir bereiten dein Fahrzeug (vimāna); erweise uns deine Gnade; alle deine Diener mögen auf deinen Befehl hin Beistand leisten. Die befriedeten Vīśāri-Wesen und andere entlasse eben durch uns; unversehrt möge es (das Fahrzeug) voranschreiten, immer wieder das Hindernis zerschneidend.

[?] "vīśāri-bhūtādīn" bleibt unsicher – die Quelle selbst verweist (Fn. 3) auf eine Parallelstelle im Kāśyapa-Jñānakāṇḍa (,vīśa-hīne ripu-vṛddhiḥ', ,ohne vīśa wächst der Feind'), was auf eine Klasse schützender Wesen namens vīśa hindeutet; die genaue Bedeutung von "vīśāri" (Kompositum mit ari, ,Feind'?) bleibt jedoch offen. [Anm.: Das "vimāna" (Fahrzeug) in Vers 4 deutet auf den rituellen Rahmen einer Tempel-Festprozession hin, in der die Waffen und Diener Viṣṇus personifiziert um ungehindertes Gelingen des Umzugs gebeten werden.

pṛṣṭhe ca nandako yātu gadā vāmaṃ surakṣatu | śaṅkha-śaktītare pārśve yatetāṃ kārya-siddhaye || śeṣā gacchantu cāsmābhiḥ prasādāt tava sarvaśaḥ | tvat-prasādād vayaṃ vīra kariṣyāmo gṛhaṃ tava || yathopalaṃ dahat sūrya-tanum uṣṇatvam āśritaḥ[*4] | tathā vayaṃ hi tvad-vīryāc chuśrūṣām anupālaya || asti cet karuṇā tvattaś cāsmākaṃ dāsa-karmaṇām | anumantā bhava prītas sarve yācāmahe vayam || indraś śata-kratur vīras sarva-rājaś śacī-patiḥ | priyatāṃ bhagavān viṣṇuḥ sarva-loka-śubha-pradaḥ ||

Auf dem Rücken möge das Schwert Nandaka gehen, die Keule möge links wohl beschützen; an der anderen Seite mögen Muschelhorn und Speer sich um das Gelingen des Werks bemühen. Die übrigen (Waffen/Diener) mögen mit uns gehen, ganz durch deine Gnade; durch deine Gnade, o Held, werden wir dein Haus bereiten. Wie ein Stein, der von der Sonne erhitzt wird, deren Hitze annimmt, so bewahre du, durch deine Kraft, unseren Dienst. Wenn Mitleid von dir für uns, die wir Sklavendienst tun, vorhanden ist, sei uns geneigt und wohlgesonnen; wir alle erflehen es. Indra, der Hundert-Opfer-Vollbringer, der Held, aller Könige König, der Gatte der Śacī – möge der erhabene Herr Viṣṇu, der allen Welten Heil verleiht, wohlgefällig sein.

Nandaka (Viṣṇus Schwert) und die übrigen Waffen (Keule Kaumodakī, Muschelhorn Pāñcajanya, Speer/Diskus) werden hier, wie in 5.1.1, als schützendes Gefolge um das Haus/den Festzug herum personifiziert gedacht.

agnir agryaḥ pavitrāṇāṃ devānām agra-go hariḥ | priyatāṃ bhagavān viṣṇus sarva-bhoktā sukhāvahaḥ || sarva-lokodbhavo viṣṇur yamo yama-karaḥ prajāḥ | priyatāṃ daṇḍa-bhṛn netā dharmātmā dharma-pālakaḥ || prajā rakṣan vinighnan vai yātudhānān ajaḥ prabhuḥ | nirṛtiḥ priyatāṃ nīlo nīlotpala-dala-prabhaḥ || varuṇaḥ pracetā bhagavān vikramī yajña-pālakaḥ | raktāmbara-dharo vīraḥ priyatām prabhur avyayaḥ || vāyus sarvātmako bhadra udāno javano marut | priyatāṃ bhagavān prāṇaś śacī-pati-sakhā prabhuḥ || rāja-rājo dhanādhyakṣaḥ kubero viśravas-sutaḥ | priyatāṃ nidhi-saṃyukta īśvarasya sakhā prabhuḥ || īśas tri-locanaś śūlī vṛṣabha-dhvaja-vāhanaḥ | priyatāṃ gaṇa-bhṛn nityaṃ try-ambako 'mbara-sannibhaḥ || brahmā pitāmaho vīro veda-vaktā vṛṣā-kapiḥ | priyatāṃ padma-garbhābho viṣṇu-putro virāṭ svarāṭ || diṅ-nāgā nāga-saṅghāś ca sarvāś cāntara-devatāḥ | ravy-ādayo grahā bhūtā ṛṣayas siddha-cāraṇāḥ priyatāṃ gaṇa-saṃyuktāḥ kurvantu ca sahāyatām || [Zählformel:] punaḥ punaś śubha-pradaḥ prabhur nava ca ||

Agni, der Erste der Reinigenden, der Vor-Anführer der Götter, Hari – möge der erhabene Herr Viṣṇu, der aller Genießer, der Wohlbringende, wohlgefällig sein. Viṣṇu, der Entstehungsort aller Welten, Yama, der Bezwinger, der die Geschöpfe (ordnet) – möge der Stab-Tragende, Führer, der Rechtschaffene, der Beschützer des Rechts, wohlgefällig sein. Die Geschöpfe schützend, die Rākṣasas zermalmend, der Ungeborene, der Herr – möge Nirṛti wohlgefällig sein, der Dunkelblaue, vom Glanz eines blauen Lotosblattes. Varuṇa, der Weise, der Erhabene, der Tapfere, der Beschützer des Opfers, in rotes Gewand gehüllt, der Held – möge der unvergängliche Herr wohlgefällig sein. Vāyu, der Allbeseelte, der Gütige, der aufwärtssteigende Hauch, der Schnelle, der Wind – möge der erhabene Lebensatem, der Freund des Gatten der Śacī, der Herr, wohlgefällig sein. Der König der Könige, der Aufseher über Reichtum, Kubera, der Sohn des Viśravas – möge er, mit Schätzen versehen, der Freund Īśvaras, der Herr, wohlgefällig sein. Īśa, der Dreiäugige, der Dreizack-Träger, dessen Reittier der Stier-Banner-Träger ist – möge er, der stets seine Scharen trägt, der Dreiäugige, dem Himmel gleich, wohlgefällig sein. Brahmā, der Großvater, der Held, der Verkünder der Veden, Vṛṣākapi – möge er, glänzend wie der Lotoskeim, der Sohn Viṣṇus, der Allherrscher, der Selbstherrscher, wohlgefällig sein. Die Elefanten der Himmelsrichtungen, die Schlangenscharen und alle Zwischen-Gottheiten, die Sonne und die anderen Planeten, die Weisen, Vollendeten und Wandersänger – mögen sie, mit ihren Scharen vereint, wohlgefällig sein und Beistand leisten. [Zählformel:] "Wiederum, wiederum: der Heilverleihende, der Herr" – (und) neun (Verse).

[Anm.: Diese Litanei reiht im festen "priyatām"-Refrain (,möge NN wohlgefällig sein') die klassischen Diś-/Loka-pālas und Hauptgötter (Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Vāyu, Kubera, Īśa/Śiva, Brahmā) durch, bevor am Ende kosmische Nebenwesen (Elefanten der Richtungen, Schlangen, Planeten, Weise) einbezogen werden. Die abschließende "Zählformel" (5.1.0.1) ist eine traditionelle, aus der vedischen Mantra-Literatur bekannte Anukramaṇī-artige Merkzeile, die Schlagworte der vorangehenden neun Verse zur Gedächtnisstütze wiederholt und ihre Anzahl nennt.

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