Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 45: Ṣaṣṭha-praśna, Prārambhaḥ: Die Viṣṇu-Trivikrama-Verse (RV 1.22.16-21) 6. Praśna, Beginn: Die Trivikrama-Verse von Viṣṇus drei Schritten (RV 1.22.16-21)

Mit dem sechsten Praśna beginnt ein neuer, klar abgegrenzter Abschnitt des Werks (Überschrift: "Śrī Śrī vikhanasa mahā-gurave namaḥ / Śrī-vaikhānasa-mantra-praśnāṣṭake / Ṣaṣṭaḥ-praśna-prārambhaḥ"). Er eröffnet mit sechs der berühmtesten Verse des gesamten Ṛgveda (RV 1.22.16-21), die Viṣṇus drei kosmische Schritte (Trivikrama) besingen, mit denen der Gott das gesamte Weltall durchmisst. Diese Verse sind unabhängig von der Quelle aus eigener vedischer Kenntnis identifiziert und übersetzt. Die Zeile "6.0.1" ist offenbar eine mnemonische Merkformel (Pratīka der Schlussworte plus Zählangabe "dve ca", "und zwei"), wie sie in liturgischen Handschriften zur Abschnittskontrolle üblich ist – kein eigenständiger Mantra-Inhalt.

hariḥ oṃ

Hari, Oṃ.

[Anm.: Einleitende Anrufungsformel zu Beginn des neuen Praśna.]

ato devā avantu no yato viṣṇur vicakrame | pṛthivyās sapta-dhāmabhis svāhā

Von dort mögen die Götter uns beschützen, von wo aus Viṣṇu ausgeschritten ist – mit den sieben Bereichen der Erde. Svāhā.

[Anm.: RV 1.22.16, einer der berühmtesten Verse zum Trivikrama-Mythos (Viṣṇus drei Weltschritte).]

idaṃ viṣṇur vi cakrame tredhā ni dadhe padam | samūḍham asya pā(g)ṃsure svāhā

Dies hier durchschritt Viṣṇu; dreifach setzte er seinen Schritt nieder – in seinem [Fußstaub] ist alles vereint geborgen. Svāhā.

[Anm.: RV 1.22.17. "pāṃsure" ("im Staub") bezieht sich auf den Staub von Viṣṇus Fußspur, in dem der Überlieferung nach alle Wesen geborgen sind.]

trīṇi padā vi cakrame viṣṇur gopā adābhyaḥ | [t]ato[*327] dharmāṇi dhārayan svāhā

Drei Schritte schritt Viṣṇu, der unbetrügbare Hüter; dabei die kosmischen Ordnungen aufrechterhaltend. Svāhā.

[Anm.: RV 1.22.18. Die Quelle liest hier "tato" ("dabei/daher"), während die RV-Textform "ato" ("von dort") hat (Fußnote *327 der Quelle vermerkt dies selbst).]

viṣṇoḥ karmāṇi paśyata yato vratāni paspaśe | indrasya yujyas sakhā svāhā

Schaut die Taten Viṣṇus, durch die er seine Gelübde wahrgenommen hat – er ist der wohlverbundene Freund Indras. Svāhā.

[Anm.: RV 1.22.19.]

tad viṣṇoḥ paramaṃ pada(g)ṃ sadā paśyanti sūrayaḥ | divīva cakṣur ātata(gg)ṃ svāhā

Jenen höchsten Ort Viṣṇus erblicken die Seher beständig, wie ein am Himmel ausgespanntes Auge. Svāhā.

[Anm.: RV 1.22.20 – einer der bekanntesten Einzelverse des Ṛgveda, oft zitiert als Bild für die alles durchdringende Gegenwart des Göttlichen.]

tad viprāso vipanyavo jāgṛvāṃsas sam indhate | viṣṇor yat paramaṃ pada(gg)ṃ svāhā

Das entzünden die inspirierten, lobpreisenden, wachsamen Seher in sich – das, was Viṣṇus höchster Schritt ist. Svāhā.

[Anm.: RV 1.22.21, Schlussvers der Trivikrama-Verssequenz.]

cakṣur ātata(gg)ṃ svāhā dve ca

[Mnemonische Merkzeile:] "…Auge ausgespannt, svāhā" – und zwei [weitere].

[Anm.: Diese Zeile wiederholt das Schlusswort von Vers 6.1.6 ("cakṣur ātatam svāhā") als Erinnerungs-Stichwort und vermerkt "dve ca" ("und zwei [weitere Verse]") – vermutlich eine liturgische Zählformel zur Abschnittskontrolle, kein eigenständiger Mantra-Inhalt.]

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