Paṭala 6: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): dāru-saṃgrahaṇam – die Holzsammlung für den Tempelbau
5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Die Holzsammlung (dāru-saṃgrahaṇa) für den Tempelbau
Ab hier (an der handschriftlichen Randnotiz "dāru-saṃgrahaṇam", 'die Holzsammlung', bei 5.1.38.7 kenntlich gemacht) wendet sich das Ritual dem für den Tempelbau benötigten Bauholz zu: Ein Baum wird mit ehrfürchtigen Anrufungen ("Baum-König", "Götter-Wohnsitz") angesprochen, bevor er offenbar gefällt wird, gefolgt von einer langen Reihe von Svāhā- und Namaḥ-Opferformeln an Viṣṇu in verschiedenen Erscheinungsformen (Varāha, Śeṣa-Lager u.a.) sowie an Feuer-, Erd- und Wassergottheiten. Wie im vorigen Kapitel besteht der Text überwiegend aus aneinandergereihten Anfangsworten (pratīka) bekannter vedischer Verse; diese werden hier nur mit ihrem im Text gegebenen Wortlaut übersetzt, nicht durch Rückgriff auf Sekundärquellen vervollständigt. Eine sehr bekannte Ausnahme ist agnim īḷe, der berühmte Eröffnungsvers des Ṛgveda (RV 1.1.1), der sich hier zweifelsfrei identifizieren lässt.
Verehrung den Piśācas! Verehrung den Nāgas! Verehrung den Vidyādharas! Verehrung den achtzehn Scharen! Sättigung sei [ihnen]! "Dies ist Viṣṇu" – "zum Glück geboren, die Erdgöttin" [?] – "dem Nārāyaṇa" – "König Soma, Varuṇa, Agni berühren wir der Reihe nach an, die Ādityas, Viṣṇu, Sūrya, Brahmā und Bṛhaspati" – "du bist das Rathantara[-Sāman]".
[Anm.: Am Rand der Handschrift steht hier die Notiz "dāru-saṃgrahaṇaṃ" – "die Holzsammlung" –, welche den Beginn dieses Ritualabschnitts markiert.]
pra tad viṣṇuḥ | vṛkṣa-rājāya namaḥ | devāvāsāya namaḥ | suśākhine namaḥ | viriṃci-nirmitāya namaḥ | viṣvaksenāya namaḥ | cakrāya namaḥ | oṃ bhūr bhuvas suvaḥ | eto nv indram | ato devā idaṃ viṣṇuḥ
"Das verkündet Viṣṇu" [pratīka, vermutlich Beginn eines Viṣṇu-Preisverses]. Verehrung dem Baum-König! Verehrung dem Götter-Wohnsitz! Verehrung dem Schönbeasteten! Verehrung dem von Viriñci [Brahmā] Erschaffenen! Verehrung dem Viṣvaksena! Verehrung dem Diskus! "Oṃ, Erde, Luftraum, Himmel" – "kommt, wohlan, zu Indra" – "von da an, o Götter" – "dies ist Viṣṇu".
[Anm.: Der anzusprechende Baum selbst wird hier mit ehrfürchtigen Beinamen verehrt ("Baum-König", "Götter-Wohnsitz", "Schönbeasteter") – vermutlich unmittelbar vor dem Fällen für das Bauholz.]
rudram anyaṃ try-ambakam | brahma jajñāna(g)ṃ hiraṇya-garbhaḥ | miśra-vāsasa etān ghnataitān | dhātā dadātu na imam me varuṇa prajā-pate na tvad agnir bhūtānām ṛtā-ṣāṭ | ye bhūtāḥ pracaranti | sahasra-śīrṣā puruṣaḥ dhārāsu saptasu | soma(g)ṃ rājānam | śaṃ no devīḥ | viṣṇus tvā(g)ṃ rakṣatu
"Der andere Rudra, der Dreiäugige" [pratīka] – "das Brahman ist entstanden, der Goldene Keim" – "die Gemischtgewandeten [?], erschlagt diese" [?] – "der Ordner gebe uns dies, mein [Anruf] an dich, Varuṇa, Herr der Geschöpfe; nicht ferne von dir [ist] Agni der Wesen, der die Wahrheit erobert hat" [?] – "die Wesen, die umherwandeln" – "tausendköpfig ist der Puruṣa, in den sieben Strömen" – "König Soma" – "Heil uns, [ihr] Göttinnen" – Viṣṇu beschütze dich.
"Aditi, gewähre [?]" – Svāhā dem Baum-König! Svāhā dem Götter-Wohnsitz! Svāhā dem Schönbeasteten! Svāhā dem von Viriñci Erschaffenen! Svāhā dem Schönbeblätterten! Svāhā dem Schönblütigen! Svāhā den Waldherren! Svāhā Himmel und Erde! Svāhā der Erde! – Svāhā dem Viṣṇu! Svāhā dem Śrī-Träger! Svāhā dem Eber [Varāha]! Svāhā dem Erdträger! Svāhā dem Alldurchdringenden! Svāhā der Śrī! Svāhā der Hariṇī [?, wohl ein Beiname der Erdgöttin]! Svāhā dem Herrn des Ruhmes! Svāhā dem Langlebigen! Svāhā dem Brahman!
Svāhā dem Unbeweglichen [Sthāṇu, Śiva-Beiname]! Svāhā dem Schlangenfresser [Sarpāśin, Garuḍa-Beiname]! Svāhā dem Diskus! Svāhā dem Unermesslichen! Svāhā den Göttern! Svāhā den Nāgas! Svāhā der Erde! "Die in diesem Land Lebenden [Wesen]" – Verehrung der Axt [Paraśu, so im Text, Lesart selbst als unsicher markiert] [?] – "der andere Rudra, der Dreiäugige" – Verehrung dem reinen Varuṇa – Viṣṇu beschütze mich – "König Soma".
[Anm.: Die Quelle fügt hier eine Fußnote mit einem weiteren, offenbar von einer Autorität namens Kaśyapa dargelegten kurzen Mantra-Text ein ("bhave bhavenāti-bhave bhajasva māṃ bhavodbhavāya namaḥ ..."), dessen genauer Sinn unklar bleibt [?].]
"Goldfarben, geläutert, im Lichte geboren" – "von da an, o Götter" / "der andere Rudra" – "das Brahman ist entstanden" – "von der Kuh-Gabe an" [?] – "goldfarben" – "die Nacht erstrahlte heranziehend" [vermutlich Beginn des Rātrī-Sūkta] – "dem Nārāyaṇa". [Gedächtnisvers:] "goldfarben" – und sieben.
pavamānas suvar-janaḥ | nārāyaṇāya | vasoḥ pavitram asi śaṃ no devīr namo varuṇaḥ | madhu vātā ṛtāyate | ṛtam amitaṃ madhu na iha santa bhūyā(g)ṃsi | idaṃ madhukāya ca plavāmahe | idaṃ madhu cācamya pracaratām | śaṃ no devy agna ā yāhy agnim īle pūtas tasya pāre bhuvanasya madhye imā oṣadhayas sambabhūvur abhi tvā śūra catvāri vāk | vārīś catasraḥ | āpyāyasva sam etu te viśvatas soma vṛṣṇiyam bhavā vājasya saṃgathe
"Geläutert, im Lichte geboren" – "dem Nārāyaṇa" – "du bist der Reinigungsstoff des Guten [Vasu]" / "Heil uns, [ihr] Göttinnen" / Verehrung dem Varuṇa – "honigsüß wehen die Winde dem der Wahrheit Folgenden" [vermutlicher RV-Anklang] – "die unermessliche Wahrheit [ist] Honig; mögen es hier viele sein" [?] – "diesen [Trank] schwenken wir für den Honigreichen" [?] – "diesen Honig gekostet habend mögen sie wandeln" – "Heil uns, o Göttin" / "Agni, komm her" / "Agni preise ich" [der berühmte Eröffnungsvers des Ṛgveda, RV 1.1.1] – "rein, an jenem äußersten Ende, in der Mitte jener Welt" [?] – "diese Kräuter sind entstanden" – "zu dir, o Held" – "vier [ist] die Rede" [?] – "vier Wasser" [?] – "schwelle an; zu dir strömt von allen Seiten, o Soma, die Stierkraft; sei bei der Zusammenkunft der Kampfbeute" [?].
[Anm.: Die Quelle vermerkt hierzu mehrere Textkritik-Fußnoten: ein 'l' im Manuskript stehe für vedisches 'ā'; eine Lesart 'mā' sei zu 'imā' korrigiert; die Vaikhānasamantrapraśna gebe die metrische Form vṛṣṇiyam statt vṛṣṇyam; und die Verszählung sei angepasst worden, da die Handschrift die zweite Vershälfte fälschlich dem nächsten Kapitel zugeschlagen habe.]
sahasra-śīrṣā puruṣaḥ | ekākṣara(g)ṃ viṣṇor nu kaṃ vīryāṇi | dhārāsu saptasu | svasti no mimītāṃ svasti-dā viśas patiḥ | asthibhyo namaḥ | vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam āditya-varṇaṃ tamasas tu pāre sarvāṇi rūpāṇi vicitya dhīro nāmāni kṛtvābhivadan yadāste | yad vaiṣṇava(g)ṃ śayane śayānaṃ tat saha devais saharṣibhiḥ tat sarva-devā anumanyatāṃ prokto vaiṣṇavo 'ha(g)ṃ śayitaṃ karomi
"Tausendköpfig ist der Puruṣa" [Beginn des berühmten Puruṣa-Sūkta] – "die eine Silbe" [?] / "wohlan, [singt] von Viṣṇus Heldentaten" – "in den sieben Strömen" – "Heil möge uns bereiten der Heil-Gebende, Herr des Volkes" – Verehrung den Knochen! "Ich kenne jenen großen Puruṣa, sonnenfarben, jenseits der Finsternis; alle Formen ersonnen, [ihnen] Namen gegeben habend, redet der Weise [darüber], wo auch immer er sich aufhält." "Was den im Lager Liegenden, den Vaiṣṇava betrifft – dieser [liegt] mitsamt den Göttern, mitsamt den Ṛṣis; dies mögen alle Götter gutheißen; als Vaiṣṇava ausgerufen, bereite ich [mir] das Lager."
[Anm.: Das Zitat "vedāham etaṃ puruṣam..." erinnert an bekannte Nārāyaṇa-/Puruṣa-Traditionsverse (vgl. Nārāyaṇa-Sūkta); eine sichere Zuordnung wird hier mangels Sekundärquellen nicht behauptet [?].]
"Ihn, den Götterherrn, im Lager, zur Vernichtung der Daityas – dies mögen alle Götter gutheißen. Hindernisfrei und verdienstvoll möge es gelingen – dies möge der Erhabene gutheißen. Was die Vaiṣṇava-Natur, die Gleichheit, das Gleichsein betrifft – als Vaiṣṇava trage ich, was zu tragen ist. Ich nahe mich dem siegreichen Tag Viṣṇus [?]; svāhā, svadhā trage ich fürwahr mit dem Haupt." – "den Herrn des Stromes, Varuṇa, mögen sie [nicht] verkennen" [?] – "von da an, o Götter" / "wohlan" / "tausendköpfig ist der Puruṣa" – "ich habe dich hergebracht, du bist [nun] darin" [?] – "zum Glück geboren, die Erdgöttin" – Svāhā den Knochen! – "brüllend bei der Geburt" [?].
[Anm.: Die Quelle merkt an, āgamiṣyatu sei eine seltene futurische Imperativform (vgl. Whitneys Grammatik, §938).]
"Wohlan" / "dem Nārāyaṇa" – Verehrung dem Varuṇa! Svāhā dem Agni! Svāhā dem Vaiśvānara! Svāhā dem Jātavedas! Svāhā dem Reiniger [Pāvaka]! Svāhā dem Opferverzehrer! Svāhā dem Opferträger! Svāhā dem Svāhā-Liebenden! Svāhā dem, der die Opfer-Gestalt ist! – Svāhā dem, der die Yoga-Gestalt ist! Svāhā dem Viṣṇu! Svāhā dem auf dem Banyan-Blatt Liegenden! Svāhā dem auf Ananta [der Weltenschlange] Liegenden! Svāhā dem Lotos-Genabelten! Svāhā dem Herrn des Alls! Svāhā der Śrī! Svāhā der Pauṣṇī [?, wohl zu Pūṣan gehörig]! Svāhā dem Mṛkaṇḍu-Sohn [?]! Svāhā dem Herrn des Ruhmes! Svāhā dem Schönbeflügelten [Suparṇa, Garuḍa-Beiname]! Svāhā dem Śeṣa! Svāhā dem Pflug! Svāhā dem Wasser! Svāhā der Erde!
[Anm.: Die Quelle merkt zu diesem Abschnitt an, dass die 1984er Telugu-Druckausgabe hier versehentlich die Seiten 17-18 des ersten Praśna nach Seite 16 des fünften Praśna eingeordnet habe (und umgekehrt) – ein reiner Drucktechnik-Hinweis der Herausgeberin, der den übersetzten Inhalt selbst nicht berührt.]
vṛṣṇiyam karomi januṣam yajña-mūrtaye svāhā khyātīśāya svāhā pañca ca || medase namaḥ | viṣṇor nu kam | sahasra-śīrṣā puruṣaḥ | hiraṇya-varṇāṃ hariṇīm | bhūmir bhūmnā | ato devā | medase svāhā | kanikradaj januṣam | ato devā || medase nava
[Gedächtnisvers:] "die Stierkraft bewirke ich bei der Geburt" – "der Opfer-Gestalt, svāhā" – "dem Herrn des Ruhmes, svāhā" – und fünf. – Verehrung dem Fett/Mark [Medas]! "Wohlan" – "tausendköpfig ist der Puruṣa" – "die goldfarbene Hariṇī" [?] – "die Erde durch [ihre] Fülle" – "von da an, o Götter" – Svāhā dem Fett/Mark! – "brüllend bei der Geburt" – "von da an, o Götter". [Gedächtnisvers:] "dem Fett" – neun.