Paṭala 19: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Die vedische Opferruffolge (praiṣa) und weitere Anrufungen
5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Die vedische Opferruffolge (praiṣa) und weitere Anrufungen
Nach dem Höhepunkt des Nārāyaṇa-Sūkta kehrt der Text zur gewohnten Form kurzer Anrufungsformeln zurück, beginnend mit der aus dem Śrauta-Ritual bekannten formelhaften Ruffolge zwischen den Priestern (praiṣa): der Adhvaryu-Priester ruft āśrāvaya ("lasst hören!"), der Āgnīdhra-Priester antwortet astu śrauṣaṭ, der Adhvaryu ruft yaja ("opfere!"), worauf der Hotṛ-Priester das Opfer mit dem Ausruf vauṣaṭ vollzieht. Es folgen weitere Anrufungen der Veden, der Jahreszeiten und Naturwesen sowie der berühmte Vers über die vier Stufen der Sprache (catvāri vāk parimitā padāni, RV 1.164.45).
oṃ āyātu bhagavān | oṃ āśrāvaya | oṃ astu śrauṣaṭ | oṃ yaja | oṃ ye yajāmahe | oṃ vauṣaṭ | oṃ sahasra-śīrṣā puruṣaḥ | viṣṇor nu kam | ekākṣaram | hiraṇya-varṇāṃ bhūmir bhūmnā | ato devāḥ || bhūmnaikaṃ ca
Oṃ, der Erhabene möge kommen! Oṃ, lasst hören! Oṃ, es sei, śrauṣaṭ! Oṃ, opfere! Oṃ, denen wir opfern. Oṃ, vauṣaṭ! Oṃ, tausendköpfig ist der Puruṣa. "Wohlan." "Die eine Silbe." "Goldfarbene [Erdgöttin]; die Erde durch ihre Fülle." "Von da an, o Götter." [Gedächtnisvers:] "durch Fülle" – und eins.
[Anm.: āśrāvaya - astu śrauṣaṭ - yaja - vauṣaṭ ist die klassische vedische Opfer-Ruffolge (praiṣa) des Śrauta-Rituals: Der Adhvaryu-Priester ruft "lasst hören!", der Āgnīdhra-Priester antwortet "es sei, śrauṣaṭ!", der Adhvaryu ruft "opfere!", worauf der Hotṛ-Priester das Opfer mit dem Ausruf vauṣaṭ vollzieht.]
Ich rufe herbei: die Weisen [Munis]; Takṣaka, den Schlangenkönig; die Jahreszeiten; Bṛhaspati. "Heil uns, ihr Göttinnen" – "Agni, komm her" – "Agni preise ich" – "rein, an jenem äußersten Ende, in der Mitte jener Welt, auf dem Rücken des Himmelsgewölbes, ist er größer als das Größte" [?] – "durch die großen [Kräfte] der beiden Welten, der Bewegungen, der Opferwürdigen, der Mächtigen, ist der Gott [zusammen mit dem] Brahman [dort] entstanden" [?, sehr unklarer Satz] – "immer seien die Veden großer Ruhm; großer Ruhm, großer Glanz, großer Verstand; der große Puruṣa sei immerdar heilvoll."
[Anm.: Mehrere Wendungen in diesem Vers bleiben sprachlich unklar und sind mit [?] markiert.]
"Diese Kräuter sind entstanden, sie alle, im Reinigungsprozess" – "die Nachfolgenden mögen uns Frieden bereiten" – "zu dir, o Held, brüllen wir wie gemolkene Milchkühe; den Herrscher dieser Welt, den Sonnenlicht-Schauenden, den Herrscher, Indra, des Stehenden" [?] – "Vier abgemessene Stufen hat die Rede; diese kennen die weisen Brahmanen; drei, in der Höhle verborgen, bewegen sich nicht; die vierte Stufe der Rede sprechen die Menschen" [der berühmte Vers über die vier Ebenen der Sprache, RV 1.164.45] – "die vier ähnlichen Wasser des Herrn der Seher, zurückgewendet und geteilt" [?]; "wieder zum Gedeihen, zur Nahrung der Welt möge sich waschen, wer zusammengekommen ist; ich bade ihn" [?] – "ihr Wasser, ihr seid ja wohltuend" – "für Labung dich, für Kraft dich".
[Anm.: catvāri vāk parimitā padāni ist der berühmte Vers über die vier Stufen der Sprache (RV 1.164.45), in späterer grammatischer Theorie oft mit den Stufen vaikharī, madhyamā, paśyantī und parā in Verbindung gebracht.]