Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 46: Ṣaṣṭha-praśna: Puruṣa-Sūkta (1) – Der tausendköpfige Urmensch 6. Praśna: Der Puruṣa-Sūkta, Teil 1 – Der tausendköpfige Urmensch

Ab 6.2.1 zitiert das Werk – von der Quelle selbst ausdrücklich als Beginn der Taittirīya-Āraṇyaka-Stelle 3.12 gekennzeichnet (Fußnote "Begin TA 3.12") – den vollständigen Puruṣa-Sūkta (RV 10.90), einen der zentralen kosmogonischen Hymnen des Ṛgveda über den Urmenschen (Puruṣa), aus dessen Opferung das gesamte Universum entsteht. Dieser erste Teil (Verse 1-5) beschreibt den tausendköpfigen, tausendäugigen, tausendfüßigen Puruṣa, der die Erde ringsum bedeckt und dennoch darüber hinausragt, und schildert das paradoxe Wechselverhältnis von Puruṣa und der Weltordnungsmacht Virāj.

sahasra-śīrṣā puruṣas sahasrākṣas sahasra-pāt | sa bhūmiṃ viśvato vṛtvāty atiṣṭad daśāṅgula(gg)ṃ svāhā

Tausendköpfig ist der Puruṣa, der Urmensch, tausendäugig, tausendfüßig. Er, die Erde ringsum bedeckend, ragte noch zehn Fingerbreiten darüber hinaus. Svāhā.

[Anm.: RV 10.90.1, Eröffnungsvers des Puruṣa-Sūkta; Quelle zitiert ausdrücklich als Beginn von TA 3.12.]

puruṣa eveda(g)ṃ sarvaṃ yad bhūtaṃ yac ca bhavyam | utāmṛtatvasyeśāno yad annenātirohati svāhā

Der Puruṣa allein ist dieses Ganze – was gewesen ist und was sein wird; und er ist der Herrscher über die Unsterblichkeit, da er durch die Speise darüber hinauswächst.

[Anm.: RV 10.90.2.]

etāvān asya mahimāto jyāyā(g)ṃś ca pūruṣaḥ | pādo 'sya viśvā bhūtāni tri-pād asyāmṛtaṃ divi svāhā

So groß ist seine Größe, und noch größer ist der Puruṣa. Ein Viertel von ihm sind alle Wesen; drei Viertel von ihm sind das Unsterbliche im Himmel.

[Anm.: RV 10.90.3, der berühmte "Ein-Viertel/Drei-Viertel"-Vers über das Verhältnis von manifester Welt und transzendentem Puruṣa.]

tri-pād ūrdhva ud ait puruṣaḥ pādo 'syehābhavāt punaḥ | tato viṣvaṅ vy akrāmat sāśanānaśane abhi svāhā

Mit drei Vierteln stieg der Puruṣa nach oben; ein Viertel von ihm entstand hier wieder. Von dort aus schritt er nach allen Seiten aus, hin zum Essenden und zum Nicht-Essenden.

[Anm.: RV 10.90.4. "Essendes und Nicht-Essendes" meint traditionell belebte und unbelebte Wesen.]

tasmād virāḍ[*329] ajāyata virājo adhi pūruṣaḥ | sa jāto aty aricyata paścād bhūmim atho puras svāhā

Aus ihm wurde Virāj geboren, aus Virāj wiederum der Puruṣa darüber hinaus. Er, geboren, überragte alles – hinter der Erde und auch vor ihr.

[Anm.: RV 10.90.5. Der Vers enthält den bekannten kosmogonischen Zirkel Puruṣa→Virāj→Puruṣa, der in der vedischen Exegese vielfach diskutiert wurde. Quelle liest "virāḍ", RV-Textform "virāl" (Fußnote *329).]

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