Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 134: Hiraṇyagarbha-, Agni-, Indra-Soma-, Viṣṇu- und Vāyu-Verse Kosmogonische Kurzverse: Hiraṇyagarbha, Agni, Indra-Soma, Viṣṇu-Śipiviṣṭa und Vāyu

Khaṇḍa 177-180 (Sutra 8.1.177.1-8.1.180.8) samt Merkvers 8.0.29. Eine assoziativ verkettete Kompilation verschiedener vedischer Kurzformeln.

hiraṇya-garbha āpo ha yat prajāpate

'Der Goldkeim-Träger' - 'die Wasser, o Prajāpati' ...

[Anm.: Kurzes Zitat-Stichwort, das an die Hiraṇyagarbha-Formel (RV 10.121, bereits mehrfach in früheren Kapiteln behandelt) sowie an eine Wasser-Prajāpati-Formel anklingt, hier nicht vollständig ausgeführt [?].]

sa veda putraḥ pitara(g)ṃ sa mātara(g)ṃ sa sūnur bhuvat sa bhuvat punar-maghaḥ / sa dyām aurṇod antarikṣa(g)ṃ sa suvas sa viśvā bhuvo abhavat sa ā bhavat

Er, der Sohn, kannte den Vater, er die Mutter; er wurde zum Sohn, er wurde zum Wieder-Schenkenden. Er bedeckte den Himmel, er die Zwischenwelt, er den Lichtraum; er wurde zu allen Wesen, er ist alles geworden.

sa pratnavan navīyasāgne dyumnena saṃyatā / bṛhat tatantha bhānunā

Wie in alter Zeit, so auch jetzt von neuem, o Agni, hast du mit vereinter Glanzkraft dein großes Licht mit deinem Strahl ausgespannt.

[Anm.: Laut Fußnote ein fortlaufendes Zitat aus TS 2.2.12, dem in der Überlieferung noch die Worte 'udutyaṃ citram' fehlen ('Das leuchtende Wunderbare').]

ni kāvyā vedhasaś śaśvatas kar haste dadhāno naryā purūṇi / agnir bhuvad rayipatī rayīṇā(g)ṃ satrā cakrāṇo amṛtāni viśvā

Die dichterischen Weisheiten des ewigen Ordners hat er niedergelegt, viele Manneswerke in seiner Hand haltend; Agni wurde zum Herrn der Reichtümer, alle unsterblichen Werke beständig wirkend.

hiraṇya-pāṇim ūtaye savitāram upa hvaye sa cettā devatā padam

Den Goldhändigen rufe ich zur Hilfe an, den Savitṛ; er ist der Erkenner des göttlichen Ortes.

vāmam adya savitar vāmam u śvo dive-dive vāmam asmabhya(g)ṃ sāvīḥ / vāmasya hi kṣayasya deva bhūrer ayā dhiya vāma-bhājas syama

Gutes heute, o Savitṛ, Gutes auch morgen, Tag für Tag mögest du uns Gutes verleihen; denn, o Gott, des reichlichen guten Besitzes teilhaftig mögen wir durch diese Einsicht werden.

baḍ itthā parvatānāṃ khidraṃ bibharṣi pṛthivi / pra yā bhūmi pravatvati mahnā jinoṣi mahini

Wahrlich, so trägst du, Pṛthivī, die feste Masse der Berge; die du, o Erde mit Abhängen, durch deine Größe alles belebst, o Große.

[Anm.: Die Verse 8.1.177.1-7 vereinen eine Hiraṇyagarbha-Anspielung, eine Agni-Strophe (aus TS), zwei Savitṛ-Verse und einen Pṛthivī-Vers - eine typische assoziativ verkettete Kompilation kosmogonischer Kurzformeln.]

stomāsas tvā vicāriṇi prati ṣṭobhanty aktubhiḥ / pra yā vājaṃ na heṣantaṃ perum asyasy arjuni

Die Lobgesänge tönen dir, der Wandelnden, zu den Nachtzeiten entgegen - dir, die du ihn wie einen wiehernden Wettkampfpreis auf die weiße Bahn entsendest.

ṛdūdareṇa sakhyā saceya yo mā na riṣyed dhary-aśva pītaḥ / ayaṃ yas somo nyadhāyy asme tasmā indraṃ pratiram emy accha

Mit sanftem Inneren möchte ich deine Freundschaft teilhaftig werden, der du, getrunken, o Falbenlenker, mir nicht schaden mögest; diesen Soma, der in uns niedergelegt wurde - dafür gehe ich zu Indra, ihn preisend.

[Anm.: Der erste Halbvers wiederholt wortgleich den zweiten Halbvers von 8.1.156.3 - dort im Vāyu-Kontext, hier im ursprünglichen Indra-Soma-Kontext.]

āpānta-manyus tṛpala-prabharmā dhuniś śimīvāñ charumā(g)ṃ ṛjīṣī / somo viśvāny atasā vanāni nārvāg indraṃ pratimānāni debhuḥ

Der, dessen Zorn gestillt ist, der Kraftvoll-Tragende, der Tosende, der Kraftreiche, der Pfeilbewehrte, der Ṛjīṣin - wie der Soma alle Sträucher und Wälder durchdringt, so haben ihm keine Gegenmaße dem Indra gleichgekommen.

pra suvānas soma ṛta-yuś ciketendrāya brahma jamadagnir arcann / vṛṣāyantāsi śavasas turasyāntar yaccha gṛṇate dhartraṃ dṛ(g)ṃha

Ausgepresst, o Soma, der Wahrheitsverbundene, hat es sich kundgetan; für Indra hat Jamadagni, ihn preisend, das Gebet dargebracht. Du bist bullenhaft aus deiner überwältigenden Kraft heraus - reiche dem Preisenden die Stütze, festige sie!

sa-bādhas te madaṃ ca śuṣmayaṃ ca brahma naro brahma-kṛtas saparyan / arko vā yat turate soma-cakṣās tatred indro dadhate pṛtsu turyām

Bedrängt ehren die Männer deinen Rausch und deine Kraft, das Gebet, die Gebets-Wirkenden, verehrend; ob nun der Lobgesang, wenn er, den Soma-Blick habend, eilt - dann hält Indra in den Kämpfen den Sieg inne.

vaṣaṭ te viṣṇav āsa ā kṛṇomi tan me juṣasva śipi-viṣṭa havyam / vardhantu tvā suṣṭutayo giro me yūyaṃ pāta svastibhis sadā naḥ

Vaṣaṭ mache ich dir, o Viṣṇu, im Munde bereit - das genieße mir, o Śipiviṣṭa, meine Opfergabe! Mögen dich die schönen Lobpreisungen, meine Lieder, stärken. Möget ihr uns immerdar mit Wohlergehen behüten.

pra tat te adya śipi-viṣṭa nāmāryaś śa(g)ṃsāmi vayunāni vidvān / taṃ tvā gṛṇāmi tavasam atavīyān kṣayantam asya rajasaḥ parāke

Diesen deinen Namen, o Śipiviṣṭa, verkünde ich heute als der Edle, die rechten Weisen kennend; dich, den Starken, Stärksten, preise ich, der du über das ferne Reich dieses Staubraums herrschst.

kim it te viṣṇo paricakṣyaṃ bhūt pra yad vavakṣe śipi-viṣṭo asmi / mā varpo asmad apa gūha etad yad anya-rūpas samithe babhūtha

Was war, o Viṣṇu, an dir zu betrachten, als du verkündetest: 'Ich bin Śipiviṣṭa'? Verbirg vor uns nicht diese deine Gestalt, mit der du in andrer Form im Kampfe warst.

agne dā daśuṣe rayiṃ vīravantaṃ parīṇasaṃ śiśīhi nas sūnumataḥ

O Agni, gib dem Opfernden Reichtum, heldenreich, überströmend; schärfe uns, gib uns Söhne.

dā no agne śatino dās sahasriṇo duro na vāja(gg)ṃ śrutyā apā vṛdhi / prācī dyāvā-pṛthivī brahmaṇā kṛdhi suvarṇa śukram uṣaso vi didyutuḥ

Gib uns, o Agni, hundertfachen, gib tausendfachen Reichtum; wie man Türen öffnet, so öffne den Wettkampfpreis durch unser Hören. Mache Himmel und Erde uns geneigt durch unser Gebet; o Goldfarbener, die reine Glanzfarbe der Morgenröten hat aufgeleuchtet.

agnir dā draviṇaṃ vīra-peśā agnir ṛṣiṃ yas sahasrā sanoti / agnir divi havyam ā ta tanāgner dhāmāni vibhṛtā purutrā

Agni gibt Besitz, heldengeschmückt; Agni ist es, der als Ṛṣi Tausendfaches gewinnt; Agni bringt die Opfergabe zum Himmel - Agnis Stätten sind vielerorts verteilt.

mā no mardhīr ā tū bhara

Vernachlässige uns nicht - bring uns Gaben her!

ghṛtaṃ na pūtaṃ tanūr arepāś śuci hiraṇyam tat te rukmo na rocata svadhāvaḥ

Wie geläutertes Schmalz ist dein makelloser Leib, rein wie Gold - jener dein Glanz leuchtet wie ein Goldschmuck, o du Eigenkraft-Habender.

ubhe suścandra sarpiṣo darvī śrīṇīṣa āsani / uto na utpupūryā uktheṣu śavasas pata iṣa(gg)ṃ stotṛbhya ā bhara

Beide Schöpflöffel des Schmalzes, o Schönleuchtender, bereitest du im Mund; und fülle uns Gaben auf bei den Lobliedern - o Herr der Kraft, bring den Sängern Labung her.

vāyo śata(g)ṃ harīṇāṃ yuvasva poṣyāṇām uta vā te sahasriṇo ratha ā yātu pājasā

O Vāyu, schirre die hundert falben, wohlgenährten Rosse an; oder auch möge dein tausendfacher Wagen mit seiner Wucht herkommen.

[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von 8.1.156.2.]

pra yābhir yāsi dāśvā(g)ṃsam acchā niyudbhir vāyav iṣṭaye duroṇe / ni no rayi(g)ṃ subhojasaṃ yuveha ni vīravad gavyam aśviyaṃ ca rādhaḥ

Mit welchen Gespannpferden du zum Opfernden fährst, o Vāyu, zum Wunschziel, in sein Haus - schirre hier für uns wohlgenährten Reichtum an, und heldenreiches, an Rindern und Rossen bestehendes Freigebigkeitsgut.

[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von 8.1.155.4.]

revatīr nas sadha-māda indre santu tuvi-vājāḥ kṣumanto yābhir madema

Reichbegüterte, gemeinsam berauschende Kräfte mögen uns in Indra sein, kraftvolle, nahrungsreiche, mit denen wir uns berauschen mögen.

revā(g)ṃ id revatas stotā syāt tvāvato maghonaḥ pred u harivas śrutasya

Reich fürwahr möge der Sänger des Reichen sein, eines solchen wie du, des Freigebigen; voran gehe er, o Falbenlenker, des Berühmten.

[Anm.: Die Verse 8.1.177-180 setzen die Kompilation kosmogonischer Kurzverse fort: Hiraṇyagarbha/Agni/Savitṛ/Pṛthivī (177), Indra-Soma (178), Viṣṇu-Śipiviṣṭa und Agni (179), sowie Agni und erneut Vāyu (180) - ein Beleg für die formelhaft-modulare Kompilationstechnik, in der Verszeilen mehrfach in unterschiedlichen Götter-Kontexten wiederverwendet werden.]

pṛthivis saparyan vididyutuś ca rādhaś catvāri ca

Stichwort-Merkvers: 'pṛthivī' und 'saparyan' und 'vididyutuḥ' und 'rādhaḥ' und vier weitere.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks