'Der Goldkeim-Träger' - 'die Wasser, o Prajāpati' ...
[Anm.: Kurzes Zitat-Stichwort, das an die Hiraṇyagarbha-Formel (RV 10.121, bereits mehrfach in früheren Kapiteln behandelt) sowie an eine Wasser-Prajāpati-Formel anklingt, hier nicht vollständig ausgeführt [?].]
sa veda putraḥ pitara(g)ṃ sa mātara(g)ṃ sa sūnur bhuvat sa bhuvat punar-maghaḥ / sa dyām aurṇod antarikṣa(g)ṃ sa suvas sa viśvā bhuvo abhavat sa ā bhavat
Er, der Sohn, kannte den Vater, er die Mutter; er wurde zum Sohn, er wurde zum Wieder-Schenkenden. Er bedeckte den Himmel, er die Zwischenwelt, er den Lichtraum; er wurde zu allen Wesen, er ist alles geworden.
sa pratnavan navīyasāgne dyumnena saṃyatā / bṛhat tatantha bhānunā
Wie in alter Zeit, so auch jetzt von neuem, o Agni, hast du mit vereinter Glanzkraft dein großes Licht mit deinem Strahl ausgespannt.
[Anm.: Laut Fußnote ein fortlaufendes Zitat aus TS 2.2.12, dem in der Überlieferung noch die Worte 'udutyaṃ citram' fehlen ('Das leuchtende Wunderbare').]
ni kāvyā vedhasaś śaśvatas kar haste dadhāno naryā purūṇi / agnir bhuvad rayipatī rayīṇā(g)ṃ satrā cakrāṇo amṛtāni viśvā
Die dichterischen Weisheiten des ewigen Ordners hat er niedergelegt, viele Manneswerke in seiner Hand haltend; Agni wurde zum Herrn der Reichtümer, alle unsterblichen Werke beständig wirkend.
vāmam adya savitar vāmam u śvo dive-dive vāmam asmabhya(g)ṃ sāvīḥ / vāmasya hi kṣayasya deva bhūrer ayā dhiya vāma-bhājas syama
Gutes heute, o Savitṛ, Gutes auch morgen, Tag für Tag mögest du uns Gutes verleihen; denn, o Gott, des reichlichen guten Besitzes teilhaftig mögen wir durch diese Einsicht werden.
Wahrlich, so trägst du, Pṛthivī, die feste Masse der Berge; die du, o Erde mit Abhängen, durch deine Größe alles belebst, o Große.
[Anm.: Die Verse 8.1.177.1-7 vereinen eine Hiraṇyagarbha-Anspielung, eine Agni-Strophe (aus TS), zwei Savitṛ-Verse und einen Pṛthivī-Vers - eine typische assoziativ verkettete Kompilation kosmogonischer Kurzformeln.]
stomāsas tvā vicāriṇi prati ṣṭobhanty aktubhiḥ / pra yā vājaṃ na heṣantaṃ perum asyasy arjuni
Die Lobgesänge tönen dir, der Wandelnden, zu den Nachtzeiten entgegen - dir, die du ihn wie einen wiehernden Wettkampfpreis auf die weiße Bahn entsendest.
ṛdūdareṇa sakhyā saceya yo mā na riṣyed dhary-aśva pītaḥ / ayaṃ yas somo nyadhāyy asme tasmā indraṃ pratiram emy accha
Mit sanftem Inneren möchte ich deine Freundschaft teilhaftig werden, der du, getrunken, o Falbenlenker, mir nicht schaden mögest; diesen Soma, der in uns niedergelegt wurde - dafür gehe ich zu Indra, ihn preisend.
[Anm.: Der erste Halbvers wiederholt wortgleich den zweiten Halbvers von 8.1.156.3 - dort im Vāyu-Kontext, hier im ursprünglichen Indra-Soma-Kontext.]
Der, dessen Zorn gestillt ist, der Kraftvoll-Tragende, der Tosende, der Kraftreiche, der Pfeilbewehrte, der Ṛjīṣin - wie der Soma alle Sträucher und Wälder durchdringt, so haben ihm keine Gegenmaße dem Indra gleichgekommen.
Ausgepresst, o Soma, der Wahrheitsverbundene, hat es sich kundgetan; für Indra hat Jamadagni, ihn preisend, das Gebet dargebracht. Du bist bullenhaft aus deiner überwältigenden Kraft heraus - reiche dem Preisenden die Stütze, festige sie!
sa-bādhas te madaṃ ca śuṣmayaṃ ca brahma naro brahma-kṛtas saparyan / arko vā yat turate soma-cakṣās tatred indro dadhate pṛtsu turyām
Bedrängt ehren die Männer deinen Rausch und deine Kraft, das Gebet, die Gebets-Wirkenden, verehrend; ob nun der Lobgesang, wenn er, den Soma-Blick habend, eilt - dann hält Indra in den Kämpfen den Sieg inne.
vaṣaṭ te viṣṇav āsa ā kṛṇomi tan me juṣasva śipi-viṣṭa havyam / vardhantu tvā suṣṭutayo giro me yūyaṃ pāta svastibhis sadā naḥ
Vaṣaṭ mache ich dir, o Viṣṇu, im Munde bereit - das genieße mir, o Śipiviṣṭa, meine Opfergabe! Mögen dich die schönen Lobpreisungen, meine Lieder, stärken. Möget ihr uns immerdar mit Wohlergehen behüten.
pra tat te adya śipi-viṣṭa nāmāryaś śa(g)ṃsāmi vayunāni vidvān / taṃ tvā gṛṇāmi tavasam atavīyān kṣayantam asya rajasaḥ parāke
Diesen deinen Namen, o Śipiviṣṭa, verkünde ich heute als der Edle, die rechten Weisen kennend; dich, den Starken, Stärksten, preise ich, der du über das ferne Reich dieses Staubraums herrschst.
kim it te viṣṇo paricakṣyaṃ bhūt pra yad vavakṣe śipi-viṣṭo asmi / mā varpo asmad apa gūha etad yad anya-rūpas samithe babhūtha
Was war, o Viṣṇu, an dir zu betrachten, als du verkündetest: 'Ich bin Śipiviṣṭa'? Verbirg vor uns nicht diese deine Gestalt, mit der du in andrer Form im Kampfe warst.
dā no agne śatino dās sahasriṇo duro na vāja(gg)ṃ śrutyā apā vṛdhi / prācī dyāvā-pṛthivī brahmaṇā kṛdhi suvarṇa śukram uṣaso vi didyutuḥ
Gib uns, o Agni, hundertfachen, gib tausendfachen Reichtum; wie man Türen öffnet, so öffne den Wettkampfpreis durch unser Hören. Mache Himmel und Erde uns geneigt durch unser Gebet; o Goldfarbener, die reine Glanzfarbe der Morgenröten hat aufgeleuchtet.
agnir dā draviṇaṃ vīra-peśā agnir ṛṣiṃ yas sahasrā sanoti / agnir divi havyam ā ta tanāgner dhāmāni vibhṛtā purutrā
Agni gibt Besitz, heldengeschmückt; Agni ist es, der als Ṛṣi Tausendfaches gewinnt; Agni bringt die Opfergabe zum Himmel - Agnis Stätten sind vielerorts verteilt.
Beide Schöpflöffel des Schmalzes, o Schönleuchtender, bereitest du im Mund; und fülle uns Gaben auf bei den Lobliedern - o Herr der Kraft, bring den Sängern Labung her.
pra yābhir yāsi dāśvā(g)ṃsam acchā niyudbhir vāyav iṣṭaye duroṇe / ni no rayi(g)ṃ subhojasaṃ yuveha ni vīravad gavyam aśviyaṃ ca rādhaḥ
Mit welchen Gespannpferden du zum Opfernden fährst, o Vāyu, zum Wunschziel, in sein Haus - schirre hier für uns wohlgenährten Reichtum an, und heldenreiches, an Rindern und Rossen bestehendes Freigebigkeitsgut.
revā(g)ṃ id revatas stotā syāt tvāvato maghonaḥ pred u harivas śrutasya
Reich fürwahr möge der Sänger des Reichen sein, eines solchen wie du, des Freigebigen; voran gehe er, o Falbenlenker, des Berühmten.
[Anm.: Die Verse 8.1.177-180 setzen die Kompilation kosmogonischer Kurzverse fort: Hiraṇyagarbha/Agni/Savitṛ/Pṛthivī (177), Indra-Soma (178), Viṣṇu-Śipiviṣṭa und Agni (179), sowie Agni und erneut Vāyu (180) - ein Beleg für die formelhaft-modulare Kompilationstechnik, in der Verszeilen mehrfach in unterschiedlichen Götter-Kontexten wiederverwendet werden.]