Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 127: Vaiśravaṇa-Bali und Dämonenabwehr Die Vaiśravaṇa-Opfergabe (nach TA 1.31) und die Abwehr der Kaubera-Unholde

Khaṇḍa 157-159 (Sutra 8.1.157.1-8.1.159.8) samt Merkvers 8.0.22. Khaṇḍa 157 ist laut Quellen-Fußnote ein durchgehendes Zitat aus TA 1.31.1-2 (Vaiśravaṇa/Kubera-Hymnus).

adbhyas tirodhājāyata tava vaiśravaṇas sadā / tirodhehi sapatnān no ye apo aśnanti kecana

Aus den Wassern heraus verborgen ist dein Vaiśravaṇa allzeit entstanden. Mache unsichtbar unsere Rivalen, welche auch immer von ihnen Wasser genießen.

tvāṣṭrīṃ māyāṃ vaiśravaṇo ratha(g)ṃ sahasra-vandhuram / puruścakra(g)ṃ sahasrāśvam āsthāyāyāhi no balim

Die Zauberkraft des Tvaṣṭṛ, Vaiśravaṇa - den Wagen mit tausend Deichseln [?], mit vielen Rädern, mit tausend Rossen bestiegen habend, komm zu unserem Opfergabenanteil!

yasmai bhūtāni balim āvahanti dhanaṃ gāvo hasti hiraṇyam aśvān / asāma sumatau yajñiyasya śriyaṃ bibhrato inna-mukhīṃ virājam

Dem die Wesen ihre Opfergabe herbeibringen - Reichtum, Rinder, Elefanten, Gold, Pferde - mögen wir im Wohlwollen des Opferwürdigen sein, die Herrlichkeit tragend, seine Herrscherin.

sudarśane ca krauñce ca maināge ca mahā-girau / sata dvāṭṭāra-gamantā sa(g)ṃhāryaṃ nagaraṃ tava

Am Sudarśana, am Krauñca und am Maināka, dem großen Berg - deine zusammentragbare (transportable) Stadt [?].

[Anm.: Die Verse 8.1.157.1-4 sind laut Fußnote ein durchgehendes Zitat aus TA 1.31.1-2, einem alten Vaiśravaṇa-/Kubera-Hymnus über die mythischen Berge und die fliegende Stadt des Reichtumsgottes.

iti mantrāḥ. kalpo 'ta ūrdhvam

Soweit die Mantras. Das Ritual (Kalpa) folgt von hier an weiter.

yadi bali(g)ṃ hared dhiraṇya-nābhaye vitudaye kauberāyāyaṃ baliḥ

Wenn er die Opfergabe darbringen sollte: 'Dem Hiraṇyanābha, dem Vitudā [?], dem Kaubera sei diese Opfergabe.'

sarva-bhūtādhipataye nama ity atha bali(g)ṃ hṛtvopatiṣṭheta / kṣatraṃ kṣatraṃ vaiśravaṇo brāhmaṇā vaya(gg)ṃ smaḥ

'Verehrung dem Herrscher über alle Wesen' - so sprechend möge er, nachdem er die Opfergabe dargebracht hat, herantreten: 'Herrschaft bist du, Herrschaft ist Vaiśravaṇa - wir aber sind Brahmanen.'

namas te astu mā mā hi(g)ṃsīr asmāt praviśyānnam addhītī / atha tam agnim ādadhīta yasminn etat karma prayuñjīta

'Verehrung sei dir - verletze mich nicht! Von hier eintretend, iss die Speise!' Dann möge er jenes Feuer anlegen, in welchem er dieses Werk vollziehen will.

tirodhā bhūs tirodhā bhuvaḥ / tirodhās svas tirodhā bhūr bhuvas svaḥ

Verborgenheit sei der Erde, Verborgenheit sei der Luftwelt, Verborgenheit sei dem Himmel, Verborgenheit sei Erde, Luftwelt und Himmel.

sarveṣāṃ lokānām ādhipatye sīdety atha tam agnim indhīta / yasminn etat karma prayuñjīta tirodhā bhūs svāhā

'Nimm Platz in der Herrschaft über alle Welten!' Dann möge er jenes Feuer entzünden, in welchem er dieses Werk vollziehen will: 'Verborgenheit sei der Erde - svāhā!'

tirodhā bhuvas svāhā tirodhā svas svāhā tirodhā bhūr bhuvas svas svāhā yasminn asya kāle sarvā āhutīr hutā bhaveyuḥ

'Verborgenheit sei der Luftwelt - svāhā! Verborgenheit sei dem Himmel - svāhā! Verborgenheit sei Erde, Luftwelt und Himmel - svāhā!' - zu dessen rechter Zeit alle Opfergüsse dargebracht sein mögen.

api brāhmaṇa-mukhīnās tasminn ahnaḥ kāle prayuñjīta / paras supta-janād vepi mā sma pramādyantam ādhyāpayet

Auch die zu den Brahmanen hin gerichteten Formeln möge er zu jener Tageszeit anwenden: 'Jenseits der schlafenden Leute, zitternd [?] - möge er den Nachlässigen nicht weiter belehren.'

[?][Anm.: Laut Fußnote nur in TA 1.31.5 belegt, nicht in der Vaikhānasa-Parallelüberlieferung; Syntax unsicher.]

sarvārthās siddhyante ya evaṃ veda / kṣudhyann idam ajānatāṃ sarvāthā na siddhyante

Alle Ziele gelingen dem, der so weiß. Für die Hungernden, die dies nicht wissen, gelingt es auf keine Weise.

yas te vighātuko bhrātā mamāntar hṛdaye śritaḥ / tasmā imam agra-piṇḍaṃ juhomi sa me 'rthān mā vivadhīn mayi svāhā

'Dein Bruder, der Zerstörerische, der in meinem Herzen wohnt - ihm opfere ich diesen ersten Klumpen. Er möge meine Ziele nicht durchkreuzen! Für mich - svāhā!'

rājādhirājāya prasahya-sāhine namo vayaṃ vaiśravaṇāya kurmahe / sa me kāmān kāma-kāmāya mahyaṃ kāmeśvaro vaiśravaṇo dadātu

Dem König über die Könige, dem Bezwinger durch Gewalt - Verehrung erweisen wir dem Vaiśravaṇa. Er, der Herr der Wünsche, Vaiśravaṇa, möge mir, dem nach Wünschen Verlangenden, meine Wünsche gewähren.

kuberāya vaiśravaṇāya mahā-rājāya namaḥ

Verehrung dem Kubera, dem Vaiśravaṇa, dem Großkönig!

rāyas poṣāyāyuṣā tvā nidhīśo bhrātṛvyāṇāṃ mahasāṃ cādhipatyai

Zur Mehrung des Reichtums, mit Lebenskraft sei dir der Schatzherr gnädig - zur Herrschaft über die Rivalen und die Mächtigen.

miśra-vāsasaḥ kauberakā rakṣo-rājena preṣitāḥ / grāma(g)ṃ sa-jānayo gacchantīchanto paridākṛtān

Bunt gekleidet, die Kaubera-Unholde [?], vom Rakṣas-König ausgesandt, ziehen mit ihren Frauen zum Dorf, ihre umzingelten Opfer suchend [?].

etān ghnataitān gṛhṇītety ayaṃ brahmaṇas putraḥ / tān agniḥ paryasarat tān indras tān bṛhaspatiḥ / tān ahaṃ veda brāhmaṇaḥ pramṛśataḥ kūṭa-dantān vikeśān lambana-stanān

'Erschlagt diese, ergreift diese!' - so ruft dieser Sohn des Brahman. Sie umkreiste Agni, sie Indra, sie Bṛhaspati. Ich, der Brahmane, kenne sie wohl - die Betastenden [?], mit krummen Zähnen, mit aufgelöstem Haar, mit hängenden Brüsten.

[Anm.: Formelhaft-apotropäische Beschreibung dämonischer weiblicher Unholde (Rākṣasīs); Zähne, Haar und Brüste dienen als Schreckensmerkmale. Wird hier wortgetreu ohne Beschönigung wiedergegeben, da es sich um traditionelle Dämonenabwehr-Rhetorik handelt, nicht um eine Aussage über reale Personen.]

ayaṃ balir bhaveyuś cādhipatyai pañca ca

Stichwort-Merkvers: 'ayaṃ baliḥ' und 'bhaveyuḥ' und 'ādhipatyai' und fünf weitere.

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