Paṭala 58: Ṣaṣṭha-praśna: Indra-Hymnen (RV 6.47.11 u.a.) und das Refrain-Motiv "Indra als Vater und Mutter"
6. Praśna: Indra-Hymnen und das Refrain-Motiv "Indra als Vater und Mutter"
Dieser Abschnitt (6.16.1-6.17.5) reiht mehrere, laut Quellenfußnoten identifizierte klassische Indra-Verse aus Ṛgveda und Taittirīya-Saṃhitā aneinander (RV 6.47.11, 8.6.1, 6.19.1, 10.50.4, 1.8.1, 10.180.1, 10.103.11 – letzterer aus dem bekannten "Schlachthymnus", Senā-Sūkta). Ab 6.17.3 geht der Text in freiere, nicht mehr fußnotierte Indra-Verse über, die das wiederkehrende Refrain-Motiv "indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca" ("ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich") einführen – eine bemerkenswerte Formel, die Indra jenseits seiner Kriegsgott-Rolle als universales Eltern-Prinzip besingt.
Indra, den Retter, Indra, den Helfer, bei jedem Anruf Indra, den leicht anzurufenden Helden; ich rufe nun Śakra an, den vielgerufenen Indra – Wohlergehen möge uns der freigebige Indra verleihen.
[Anm.: RV 6.47.11 (Fußnote *384); Fußnote *383 vermerkt eine Lesart-Variante zwischen AV/TS ("huve nu") und RV/VS/KS ("hvayāmi").]
Groß ist Indra, wie ein Herrscher die Stämme erfüllend, und zwiefach-groß, unermüdlich durch seine Kräfte; zu uns hin ist er in Heldenkraft gewachsen, weit und breit, wohlgetan, durch die Wirkenden geworden.
[Anm.: RV 6.19.1 (Fußnote *387); Übersetzung des komplexen Kompositagefüges mit einiger Unsicherheit [?].]
Du, Indra, wurdest groß durch das Gebet; du wurdest opferwürdig bei allen Trankopfern; du wurdest der Erschütterer der Männer in jeder Schlacht, und der höchste Zauberspruch, o Allvölker-Gebieter.
pra sasāhiṣe puru-hūta śatrūñ jyeṣṭhas te śuṣma iha rātir astu | indrā bhara dakṣiṇenā vasūni patis sindhūnām asi revatīnā(g)ṃ svāhā[*390]
Du hast die Feinde bezwungen, o Vielgerufener; deine höchste Kraft sei hier als Gabe. Bring, o Indra, mit deiner Rechten die Güter – du bist der Herr der reichen Ströme.
asmākam indras samṛteṣu dhvajeṣv[*391] asmākaṃ yā iṣavas tā jayantu | asmākaṃ vīrā uttare bhavantv asmān u devā avatā haveṣu svāhā[*392]
Unser sei Indra bei den zusammenstoßenden Feldzeichen; unsere Pfeile, die mögen siegen. Unsere Helden mögen die Überlegenen sein; und uns, o Götter, steht bei in den Anrufungen.
[Anm.: RV 10.103.11 (Fußnote *392), ein bekannter Vers aus dem sogenannten "Schlachthymnus" (Senā-Sūkta).]
indro dyaur vyoma bhūr indras samudbhava no virāṭ paśca | urv-antarikṣa-svarga-pavanam indrād indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca svāhā
Indra ist der Himmel, der Weltraum, die Erde; Indra ist unser Entstehungsgrund, die Herrscherin danach; den weiten Luftraum, den Himmel, den Wind – aus Indra kommend, halte ich Indra für Vater und Mutter zugleich.
[Anm.: Vers unsicher [?]; führt das wiederkehrende Refrain-Motiv "indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca" ("ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich") ein, das auch im folgenden Vers und im nächsten Kapitel mehrfach erscheint.]
Indra, den vorausführenden Gestalt-Körper, Indra, den Ausströmenden – als Savitṛ möge Indra sich erweisen; Śakra gebe die Welt des Wohlgetanen – ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich.
[Anm.: Vers unsicher in Details [?]; setzt das Refrain-Motiv aus 6.17.4 fort.]