Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 18: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Das Nārāyaṇa-Sūkta und die Herzens-Flammen-Meditation 5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Das Nārāyaṇa-Sūkta und die Meditation über die Flamme im Herzen

Fortsetzung der wörtlichen Mahānārāyaṇa-Upaniṣad-Zitate (Abschnitte 9.13-12.1 laut den Fußnoten der Quelle): zunächst der berühmte "Vierhörnige-Stier"-Vers (catvāri śṛṅgā, RV 4.58.3) und mehrere Verse über die durch Entsagung erlangte Unsterblichkeit, dann – als Höhepunkt – das weithin bekannte Nārāyaṇa-Sūkta (sahasra-śīrṣaṃ devam..., nārāyaṇa-paraṃ brahma...) und schließlich die berühmte Meditation über die kleine Flamme im Lotos-Herzen (nīla-toya-da-madhya-sthā vidyul-lekheva bhāsvarā, "inmitten einer blauschwarzen Regenwolke stehend, wie ein Blitzstreif leuchtend") – eine der bekanntesten Passagen der vedantischen Meditationsliteratur.

vayaṃ nāma pra bravāmā ghṛtenāsmin yajñe dhārayāmā namobhiḥ upa brahmā śṛṇavac chasyamānaṃ catuś-śṛṅgo 'vamīd gaura etat | catvāri śṛṅgā trayo asya pādā dve śīrṣe sapta hastāso asya tridhā baddho vṛṣabho roravīti maho devo martyā(g)ṃ ā viveśa | tridhā hitaṃ paṇibhir guhyamānaṃ gavi devāso ghṛtam anv avindan indra eka(g)ṃ sūrya ekaṃ jajāna venād eka(gg)ṃ svadhayā niṣ ṭatakṣuḥ | yo devānāṃ prathamaṃ purastād viśvādhiko rudro maharṣiḥ hiraṇya-garbhaṃ paśyata jāyamāna(g)ṃ sa no devaś śubhayā smṛtyā saṃyunaktu | yasmāt paraṃ nāparam asti kiṃcid yasmān nāṇīyo na jyāyo 'sti kaścit vṛkṣa iva stabdho divi tiṣṭhaty ekas tenedaṃ pūrṇaṃ puruṣena sarvam | na karmaṇā na prajayā dhanena tyāgenaike amṛtatvam ānaśuḥ pareṇa nākaṃ nihitaṃ guhāyāṃ vibhrājate yad yatayo viśanti

Wir wollen seinen Namen aussprechen; mit Ghee wollen wir ihn in diesem Opfer festhalten, mit Verehrungen. Das Gebet möge das Gepriesene hören; der Vierhörnige hat dies als Stier gebrüllt. Vier Hörner, drei Füße hat er, zwei Häupter, sieben Hände hat er; dreifach gebunden brüllt der Stier; der große Gott ist in die Sterblichen eingegangen. Das dreifach Hinterlegte, von den Geizigen verborgene Ghee fanden die Götter in der Kuh wieder; Indra erzeugte das eine, Sūrya das andere, aus dem Sehnsuchtsvollen [Vena] formten sie eines durch Eigenmacht. Der, welcher der Erste der Götter, vor allen, der über alles erhabene Rudra, der große Ṛṣi ist — seht den Goldenen Keim, wie er geboren wird; jener Gott möge uns mit heilvoller Erinnerung verbinden. Über den hinaus es nichts anderes Höheres gibt, über den hinaus nichts Feineres, nichts Größeres existiert — wie ein Baum unbewegt steht er, der Eine, im Himmel; durch diesen Puruṣa ist dies alles erfüllt. Nicht durch Werk, nicht durch Nachkommenschaft, nicht durch Reichtum — durch Entsagung allein haben einige die Unsterblichkeit erlangt; jenseits, im Himmelsgewölbe, verborgen in der Höhle, erstrahlt es, wohin die Asketen eingehen.

[Anm.: Der "Vierhörnige-Stier"-Vers (catvāri śṛṅgā) ist auch als RV 4.58.3 bekannt.]

vedānta-vijñāna-suniścitārthās saṃnyāsa-yogād yatayaś śuddha-sattvāḥ te brahma-loke tu parānta-kāle parāmṛtāt parimucyanti sarve | daharaṃ vipāpmaṃ para-veśma-bhūtaṃ yat puṇḍarīkaṃ pura-madhya-sa(gg)ṃstham tatrāpi daharaṃ gaganaṃ viśokas tasmin yadantas tad upāsitavyam | yad vedādau svaraḥ prokto vedānte ca pratiṣṭhitaḥ tasya prakṛti-līnasya yaḥ paras sa maheśvaraḥ || ajo 'nyas suva nābhis sarvam aṣṭāu ca

Die durch die Erkenntnis des Vedānta ihr Ziel wohl erkannt haben, die Asketen, durch den Yoga der Entsagung reinen Wesens — sie alle werden in der Brahma-Welt zur Zeit des äußersten Endes im höchsten Unsterblichen aufgelöst/erlöst. Der kleine, sündlose, zur höchsten Wohnstatt gewordene Lotos, der inmitten der Burg [des Leibes] wohnt — darin wiederum ist ein kleiner, leidloser Raum; was darin ist, das ist zu verehren. Der Laut [Oṃ], der am Anfang der Veden ausgesprochen und am Ende der Veden verankert ist — der, welcher jenseits dessen steht, das in die Urnatur Eingegangenen, er ist der Große Herrscher [Maheśvara]. [Gedächtnisvers:] "der andere Ungeborene" – "wohlan" – "der Nabel" – "alles" – und acht.

[Anm.: Der Vers "daharaṃ vipāpmaṃ..." gehört zur bekannten "Dahara-vidyā" (Lehre vom kleinen Raum im Herzen), die auch aus der Chāndogya-Upaniṣad (8.1) bekannt ist; der letzte Vers ist die klassische Oṃkāra-Lehre.]

ato devā idaṃ viṣṇuḥ | om | sahasra-śīrṣaṃ devaṃ viśvākṣaṃ viśva-śaṃbhuvam viśvaṃ nārāyaṇaṃ devam akṣaraṃ paramaṃ prabhum | viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇa(g)ṃ harim viśvam evedaṃ puruṣas tad viśvam upajīvati | patim viśvasyātmeśvara(g)ṃ śāśvata(g)ṃ śivam acyutam nārāyaṇaṃ mahā-jñeyaṃ viśvātmānaṃ parāyaṇam | nārāyaṇa-paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ nārāyaṇa-paro jyotir ātmā nārāyaṇaḥ paraḥ

"Von da an, o Götter, dies ist Viṣṇu." "Oṃ." Den tausendköpfigen Gott, den Allaugigen, den allen Wohltuenden, den Allumfassenden Gott Nārāyaṇa, den Unvergänglichen, den höchsten Herrscher — über alles den Höchsten, den Ewigen, den Allumfassenden Nārāyaṇa-Hari: dies alles ist fürwahr der Puruṣa, und jenes All lebt von ihm — den Herrn des Alls, den Selbst-Herrscher, den Ewigen, den Heilvollen, den Unfehlbaren, Nārāyaṇa, den groß zu Erkennenden, das All-Selbst, die höchste Zuflucht: Nārāyaṇa ist das höchste Brahman, die höchste Wirklichkeit ist Nārāyaṇa; Nārāyaṇa ist das höchste Licht, das höchste Selbst ist Nārāyaṇa.

[Anm.: Dies ist das weithin bekannte Nārāyaṇa-Sūkta der Mahānārāyaṇa-Upaniṣad. Die Quelle merkt an, dass die Vaikhānasamantrapraśna hier einen eigenen Zwischenvers (5.1.125.1-2) einfügt, bevor sie mit dem Upaniṣad-Text fortfährt, und dass sie den unmittelbar folgenden Vers der Upaniṣad (US 11.5: "nārāyaṇaḥ paro dhyātā dhyānaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ...") ausläßt.]

yac ca kiñcij jagaty asmin dṛśyate śrūyate 'pi vā antar bahiś ca tat sarvaṃ vyāpya nārāyaṇas sthitaḥ | anantam avyayaṃ kavi(g)ṃ samudre 'ntaṃ viśva-śaṃbhuvam padma-kośa-pratīkāśa(g)ṃ hṛdayañ cāpy adho mukham | adho niṣṭyā vitastyān tu nābhyām upari tiṣṭhati hṛdayaṃ tad vijānīyād viśvasyāyatanam mahat | santata(g)ṃ sirābhis tu lambaty ākośa-sannibham tasyānte suṣira(g)ṃ sūkṣmaṃ tasmint sarvaṃ pratiṣṭhitam | tasya madhye mahān agnir viśvārcir viśvato mukhaḥ so 'gra-bhug vibhajan tiṣṭhann āhāram ajaraḥ kaviḥ

Und was auch immer in dieser Welt gesehen oder auch gehört wird — all das, innen und außen, durchdringend, steht Nārāyaṇa. Den Endlosen, Unvergänglichen, den Seher, im Inneren wohnend, den allen Wohltuenden — das Herz ist wie ein Lotoskelch gestaltet, mit nach unten gerichtetem Antlitz. Unterhalb des Halsansatzes, eine Spanne oberhalb des Nabels steht dieses Herz; man erkenne, dass dieses Herz die große Wohnstatt des Alls ist. Fortwährend durch Adern damit verbunden hängt es, einem Blütenkelch gleichend; an dessen Ende ist eine feine Öffnung; in ihr ist alles gegründet. In seiner Mitte ist das große Feuer, mit allumfassender Flamme, allseits-Antlitz; es, das zuerst Genießende, die Nahrung verteilend dastehend, alterlos, der Seher.

saṃtāpayati svaṃ deham ā-pāda-tala-mastakam tasya madhye vahni-śikhā aṇīyordhvā vyavasthitaḥ | nīla-toya-da-madhya-sthā vidyul-lekheva bhāsvarā nīvāra-śūkavat tanvī pītābhā syāt tanūpamā | tasyāś śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ sa brahmā sa śivas sendras so 'kṣaraḥ paramas sva-rāṭ | ṛta(g)ṃ satyaṃ paraṃ brahma puruṣaṃ kṛṣṇa-piṅgalam ūrdhva-retaṃ virūpākṣaṃ viśva-rūpāya vai namaḥ || paraḥ kavir aṣṭāu ca

Es erhitzt den eigenen Leib von der Fußsohle bis zum Scheitel; in seiner Mitte ist die Feuerspitze, feiner als fein, aufwärts gerichtet, verankert. Inmitten einer blauschwarzen Regenwolke stehend, wie ein Blitzstreif leuchtend, fein wie eine Reiskorn-Granne, gelblich schimmernd, dem eigenen Leib gleich sei sie. In der Mitte jener Flammenspitze ist das höchste Selbst verankert; er ist Brahmā, er Śiva, er mit-Indra, er der Unvergängliche, der höchste Selbstherrscher. Der Wahrheitsordnung, der Wahrheit, dem höchsten Brahman, dem Puruṣa von schwarz-brauner Farbe, dem mit aufwärtsgerichtetem Same, dem mit ungleichen Augen, dem Allgestaltigen — Verehrung! [Gedächtnisvers:] "der höchste Seher" – und acht.

[Anm.: Diese berühmte Passage (nīla-toya-da-madhya-sthā...) über die winzige, leuchtende Flamme im Lotos-Herzen zählt zu den bekanntesten Meditationsbeschreibungen der vedantischen Literatur.]

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