Paṭala 48: Ṣaṣṭha-praśna: Puruṣa-Sūkta (3, Schluss) – Die Gliederung des Puruṣa: Stände, Gestirne und Welten
6. Praśna: Der Puruṣa-Sūkta, Teil 3 (Schluss) – Die Gliederung des Puruṣa: Stände, Gestirne und Welten
Dieser Abschnitt (RV 10.90.10-16, das Ende von TA 3.12) enthält den berühmtesten und wirkungsgeschichtlich folgenreichsten Teil des Puruṣa-Sūkta: die Aufteilung des geopferten Urmenschen in Tierarten, in die vier Stände (Brāhmaṇa aus dem Mund, Rājanya/Kṣatriya aus den Armen, Vaiśya aus den Schenkeln, Śūdra aus den Füßen – Vers 6.4.3) und in die kosmischen Elemente und Gestirne. Diese Verse bilden die älteste kanonische Textgrundlage der vedischen Ständeordnung (Varṇa-System) und werden hier – wie an früherer Stelle vermerkt (Auftrag: Kaula-/vāmācāra- und kastenbezogene Inhalte werden vollständig und ohne Beschönigung übersetzt) – wortgetreu wiedergegeben, ohne die damit verbundene soziale Hierarchisierung zu kommentieren oder zu bewerten. Die Zeile 6.0.2 ist wieder eine mnemonische Merkformel.
yat puruṣam vy adadhuḥ katidhā vy kalpayan | mukhaṃ kim asya kau bāhū kā ūrū pādāv[*334] ucyete svāhā
Als sie den Puruṣa zerteilten, in wie viele Teile gliederten sie ihn? Was wird sein Mund genannt, was seine beiden Arme, was seine beiden Schenkel, was seine beiden Füße?
[Anm.: RV 10.90.11, die fragende Überleitung zur Ständeeinteilung.]
brāhmaṇo 'sya mukham āsīd bāhū rājanyaḥ kṛtaḥ | ūrū tad asya yad vaiśyaḥ padbhyā(g)ṃ śūdro ajāyata svāhā
Der Brahmane war sein Mund, die beiden Arme wurden zum Rājanya [Kṣatriya] gemacht; das, was seine beiden Schenkel sind, wurde der Vaiśya; aus seinen beiden Füßen wurde der Śūdra geboren.
[Anm.: RV 10.90.12 – der berühmte, kastengeschichtlich folgenreiche Vers, der die vier vedischen Stände (Varṇas) aus den Körperteilen des geopferten Urmenschen ableitet. Er wird hier wortgetreu übersetzt, ohne die damit verbundene soziale Hierarchisierung zu kommentieren oder zu bewerten.]
Der Mond wurde aus seinem Denksinn geboren; aus seinem Auge wurde die Sonne geboren; aus seinem Mund wurden Indra und Agni geboren; aus seinem Atem wurde Vāyu geboren.
Aus seinem Nabel entstand der Luftraum; aus seinem Haupt bildete sich der Himmel; aus seinen beiden Füßen die Erde, aus seinem Ohr die Himmelsrichtungen – so gestalteten sie die Welten.
Ich kenne diesen großen Puruṣa, von der Farbe der Sonne, jenseits der Finsternis. Der Weise, nachdem er alle Formen unterschieden und ihre Namen gemacht hat, verkündet sie, während er dort weilt.
[Anm.: RV 10.90.16 (in dieser Quellensequenz an dieser Stelle) – der Vers wird in der vedantischen Tradition oft gesondert als eigenständiges "Puruṣa-Vidyā"-Bekenntnis zitiert.]
Den Dhātṛ, der Ordner, zuerst hervorbrachte, und den der kundige Śakra nach den vier Himmelsrichtungen hervorbrachte – wer ihn so kennt, wird hier unsterblich; kein anderer Weg ist bekannt, um dorthin zu gelangen.
yajñena yajñam ayajanta devās tāni dharmāṇi prathamāny āsan[*338] | te ha nākaṃ mahimānas sacante[*339] yatra pūrve sādhyās santi devās svāhā[*340]
Mit dem Opfer opferten die Götter dem Opfer; das waren die ersten kosmischen Ordnungen. Jene Großen gelangen zum Himmelsgewölbe, dorthin, wo die alten Sādhyas, die Götter, sind.
[Anm.: Mit diesem Vers endet der von der Quelle als TA 3.12 gekennzeichnete Abschnitt ("End TA 3.12") und damit der vollständige Puruṣa-Sūkta (RV 10.90.1-16).]
[Mnemonische Merkzeile:] "…Stadt/vorher, svāhā" – "…wurde geboren, svāhā" – "…gestalteten, svāhā" – und sechs [weitere].
[Anm.: Wie bei 6.0.1 handelt es sich um eine liturgische Merkformel aus Stichworten mehrerer Verse dieses Abschnitts, ergänzt um eine Zählangabe ("ṣaṭ ca", "und sechs"), nicht um einen eigenständigen Mantra-Inhalt.]