Paṭala 119: Aṣṭama-praśna: Das vollständige Hiraṇyagarbha-Sūkta (RV 10.121, Khaṇḍa 142)
8. Praśna: Das Hiraṇyagarbha-Sūkta (RV 10.121) in nahezu vollständiger Länge
Khaṇḍa 142 zitiert das berühmte Hiraṇyagarbha- ("Ka"-)Sūkta RV 10.121 in acht aufeinanderfolgenden Versen mit dem charakteristischen Kehrreim "kasmai devāya haviṣā vidhema" ("welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?"). Verse 1 und 3 dieses Sūkta waren bereits zuvor als eigenständige Pratīkas zitiert worden (8.1.91.2 = RV 10.121.1; 8.1.94.3 = RV 10.121.3), Vers 10 (das Schlussgebet an Prajāpati) erschien bereits bei 8.1.98.3/8.1.123.10. Mit dem vorliegenden Khaṇḍa liegt damit praktisch der gesamte Hymnus (Verse 1-8 und 10 von 10) über den Text verteilt in Übersetzung vor — ein bemerkenswerter Fall vedischer Zitierpraxis, bei der ein einzelner Hymnus über viele Kapitel des Konsekrationsrituals verstreut zitiert wird.
hiraṇya-garbhas sam avartatāgre bhūtasya jātaḥ patir eka āsīt | sa dādhāra pṛthivīn dyām utemāṃ kasmai devāya haviṣā vidhema
Der Goldkeim entstand am Anfang; er war der eine geborene Herr des Seienden; er stützte die Erde und diesen Himmel — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
[Anm.: RV 10.121.1, bereits als Pratīka bei 8.1.91.2 zitiert.]
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika id rājā jagato babhūva | ya īśe asya dvi-padaś catuṣ-padaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema
Der über das Atmende, das Blinzelnde durch seine Größe allein König der Welt wurde, der über dies Zweifüßige und Vierfüßige herrscht — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
[Anm.: RV 10.121.3, bereits als Pratīka bei 8.1.94.3 zitiert.]
Der Selbst-Geber, der Kraft-Geber, dessen Gebot die ganze Welt, dessen Weisung die Götter befolgen; dessen Schatten die Unsterblichkeit, dessen Schatten der Tod ist — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
Dessen Größe diese Himalaya-Berge sind, mit dessen Kraftsaft, wie man sagt, der Ozean verbunden ist; dessen diese Himmelsrichtungen, dessen Arme sie sind — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
Auf den die beiden kampfbereiten Welten, durch seine Hilfe gestützt, mit bebendem Sinn hinblickten, ihn anschauend; wo darüber die Sonne beim Aufgang leuchtet — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
yena dyaur ugrā pṛthivī ca dṛḍhe[*856] yena suvas stabhitaṃ yena nākaḥ | yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema
Durch den der gewaltige Himmel und die Erde gefestigt sind, durch den der Lichthimmel gestützt ist, durch den das Firmament; der im Luftraum des Staubes Ausmesser ist — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
āpo ha yan mahatīr[*857] viśvam āyan dakṣaṃ[*858] dadhānā janayantīr agnim | tato devānāṃ niravartatāsur[*859] ekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema
Als die großen Wasser kamen, das Ganze umfassend, die Kraft in sich tragend, Agni erzeugend — daraus entstand der eine Lebensgeist der Götter — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
yaś cid āpo mahinā paryapaśyad dakṣaṃ dadhānā janayantīr agnim[*860] | yo deveṣv adhi deva eka āsīt kasmai devāya haviṣā vidhema
Der die Wasser durch seine Macht überschaute, die Kraft in sich tragend, Agni erzeugend; der über den Göttern der eine Gott war — welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe huldigen?
[Anm.: RV 10.121.8, letzter der hier zitierten Verse. Fn. *860: RV liest "yajñam" statt "agnim".]