Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 143: Der Kena-Upaniṣad-Śāntipāṭha und das Vāta-Sūkta Der klassische Śāntipāṭha (śaṃ no mitraḥ) und das Vāta-Sūkta (Windhymnus)

Khaṇḍa 201-203 (Sutra 8.1.201.1-8.1.203.7) samt Merkvers 8.0.36.

śaṃ no mitraś śaṃ varuṇaḥ śaṃ no bhavatv aryamā / śaṃ na indro bṛhaspatiḥ śaṃ no viṣṇur urukramaḥ

Heilvoll sei uns Mitra, heilvoll Varuṇa, heilvoll sei uns Aryaman; heilvoll uns Indra und Bṛhaspati, heilvoll uns Viṣṇu, der Weitschreitende.

[Anm.: Der berühmte Śāntipāṭha-Vers, der u.a. die Kena-, Kaṭha-, Śvetāśvatara- und Muṇḍaka-Upaniṣaden einleitet.]

namo brahmaṇe / namas te vāyo / tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi / tvām eva pratyakṣaṃ brahma vadiṣyāmi / ṛtaṃ vadiṣyāmi / satyaṃ vadiṣyāmi / tan mām avatu / tad vaktāram avatu / avatu mām / avatu vaktāram / oṃ śāntiś śantiś śāntiḥ

Verehrung dem Brahman. Verehrung dir, o Vāyu. Du allein bist das unmittelbar wahrnehmbare Brahman. Dich allein werde ich als das unmittelbar wahrnehmbare Brahman bezeichnen. Die kosmische Ordnung werde ich sprechen. Die Wahrheit werde ich sprechen. Das möge mich schützen. Das möge den Sprecher schützen. Es möge mich schützen. Es möge den Sprecher schützen. Oṃ, Friede, Friede, Friede.

[Anm.: Entspricht fast wortgleich dem berühmten Śāntipāṭha der Kena-Upaniṣad (4.7-9: 'tvaṃ hi naḥ pratyakṣaṃ brahmāsi... ṛtaṃ vadiṣyāmi satyaṃ vadiṣyāmi').]

satyaṃ vadiṣyāmi pañca ca

Stichwort-Merkvers: 'satyaṃ vadiṣyāmi' und fünf weitere.

śaṃ no vātaḥ pavatāṃ mātariśvā śaṃ nas tapatu sūryaḥ

Heilvoll wehe uns der Wind, der Mātariśvan; heilvoll wärme uns die Sonne.

ahāni śaṃ bhavantu naś śa(g)ṃ rātriḥ prati dhīyatām

Heilvoll mögen uns die Tage sein; heilvoll möge die Nacht sich einstellen.

śam uṣā no vyucchatu śam āditya udetu naḥ

Heilvoll möge uns die Morgenröte aufleuchten; heilvoll möge uns die Sonne aufgehen.

śivā naś śantamā bhava sumṛḍīkā sarasvatī / mā te vyoma saṃdṛśi

Gnädig, heilvollste sei uns, gutgesinnte Sarasvatī - nicht entziehe sich dein weiter Luftraum unserem Anblick.

iḍāyai vāstv asi vāstumad vāstumanto bhūyāsma mā vāstoś cith sma hy avāstus sa bhuyād yo 'smān dveṣṭi yañ ca vayaṃ dviṣmaḥ

Du bist die Wohnstätte für die Iḍā, wohnstättenreich - mögen wir wohnstättenreich werden; nicht ohne Wohnstätte, denn wohnstättenlos möge der werden, der uns hasst und den wir hassen.

pratiṣṭhāsi pratiṣṭhāvanto bhūyāsma mā pratiṣṭhāyāś cith sma hy apratiṣṭhas sa bhūyād yo 'smān dveṣṭi yañ ca vayaṃ dviṣmaḥ

Du bist die Grundfeste - festgegründet mögen wir werden; nicht ohne Grundfeste, denn grundlos möge der werden, der uns hasst und den wir hassen.

ā vāta vāhi bheṣajaṃ vi vāta vāhi yad rapaḥ / tva(g)ṃ hi viśva-bheṣajo devānāṃ dūta īyase

Herbei, o Wind, bring die Heilkraft! Hinweg, o Wind, trag, was Übel ist! Denn du, der Allheilende, gehst als Bote der Götter.

dvāv imau vātau vāta ā sindhor ā parāvataḥ / dakṣaṃ me anya ā vātu parānyo vātu yad rapaḥ

Diese beiden Arten von Winden wehen, o Wind, vom Indus her und von der Ferne - der eine wehe mir Kraft zu, der andere wehe hinweg, was Übel ist.

[Anm.: Die Verse 8.1.202-203 entsprechen weitgehend dem berühmten Vāta-Sūkta RV 10.186 sowie eng verwandten Formeln der Vājasaneyi-Saṃhitā, traditionell als Heilungs- und Segensformeln verwendet.]

yad ado vāta te gṛhe 'mṛtasya nidhir hitaḥ / tato no dehi jīvase tato no dhehi bheṣajam

Was, o Wind, dort in deinem Hause als Schatz der Unsterblichkeit niedergelegt ist - davon gib uns zum Leben, davon gib uns als Heilmittel.

tato no maha āvaha vāta ā vātu bheṣajam / śaṃbhūr mayobhūr no hṛde pra ṇa āyū(g)ṃṣi tāriṣat

Davon bring uns Größe her; der Wind wehe uns das Heilmittel zu, heilvoll, wonnevoll sei es unserem Herzen; möge es unsere Lebenszeiten verlängern.

indrasya gṛho 'si taṃ tvā prapadye sagus sāśvaḥ / saha yan me asti tena

Du bist das Haus Indras - zu dir nehme ich Zuflucht, mit meinen Rindern, mit meinen Rossen, mit dem, was ich sonst an Habe besitze.

bhūḥ prapadye bhuvaḥ prapadye suvaḥ prapadye bhūr bhuvas suvaḥ prapadye vāyuṃ prapadye inārtāṃ devatāṃ prapadye 'śmānam ākhaṇaṃ prapadye prajā-pater brahma-kośaṃ brahma prapadya oṃ prapadye

Zur Erde nehme ich Zuflucht, zur Luftwelt nehme ich Zuflucht, zum Himmel nehme ich Zuflucht, zu Erde, Luftwelt und Himmel nehme ich Zuflucht; zu Vāyu nehme ich Zuflucht, zur alldurchdringenden Gottheit [?] nehme ich Zuflucht; zum unzerstörbaren Fels nehme ich Zuflucht; zur Brahman-Schatzkammer des Prajāpati, zum Brahman nehme ich Zuflucht; zu Oṃ nehme ich Zuflucht.

antarikṣaṃ ma urv antaraṃ bṛhad agnayaḥ parvatāś ca yayā vātas svastyā svastimān tayā svastyā svastimān asāni

Der Zwischenraum sei mir weit, das Innere groß, wie die Feuer und die Berge; mit demjenigen Wohlergehen, mit welchem der Wind wohlergehensreich ist, möge ich mit diesem Wohlergehen wohlergehensreich werden.

prāṇāpānau mṛtyor mā pātaṃ prāṇāpānau mā mā hāsiṣṭaṃ

Ihr beiden, Einatem und Ausatem, schützt mich vor dem Tod; Einatem und Ausatem, verlasst mich nicht!

mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayy agnis tejo dadhātu mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayīndra indriyaṃ dadhātu mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayi sūryo bhrājo dadhātu

In mir lege Weisheit, in mir Nachkommenschaft, in mir lege Agni den Glanz nieder; in mir Weisheit, in mir Nachkommenschaft, in mir lege Indra die Indra-Kraft nieder; in mir Weisheit, in mir Nachkommenschaft, in mir lege Sūrya den Schimmer nieder.

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