Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 17: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Verse der Mahānārāyaṇa-Upaniṣad und die Madhu-/Ghṛta-Hymnen 5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Verse der Mahānārāyaṇa-Upaniṣad und die Honig- und Ghee-Hymnen

Ein Block wohlbekannter vedisch-upaniṣadischer Verse, von der Quelle selbst durch Fußnoten der Mahānārāyaṇa-Upaniṣad (Abschnitte 8-9) zugeordnet: der berühmte Vers vom "Feiner als das Feinste" (aṇor aṇīyān, vgl. Kaṭha-Upaniṣad 1.2.20), die Sieben-Lebenshauche-Strophe, der bekannte Vers von der ungeborenen dreifarbigen Urnatur (ajām ekām, vgl. Śvetāśvatara-Upaniṣad 4.5) und der klassische Haṃsa-Vers (haṃsaḥ śuci-ṣad, mit Parallelen in Kaṭha- und Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad). Es folgen der bekannte Savitṛ-Schutzvers "viśvāni deva savitar duritāni parā suva" (RV 5.82.5) sowie zum Abschluss die Honig-Hymne (madhu vātā ṛtāyate, RV 1.90.6-8) und die Ghee-Hymne (ghṛtaṃ mimikṣe, RV 4.58). Da diese Verse zu den bekanntesten und am besten bezeugten Texten der vedischen Literatur zählen, übersetzt die vorliegende Arbeit sie hier mit größerer Zuversicht als die vielen unidentifizierten Pratīka-Ketten der vorangehenden Kapitel – stets auf Grundlage eigener Sprachkenntnis, nicht durch Konsultation fremder Übersetzungen.

aṇor aṇīyān mahato mahīyān ātmā guhāyāṃ nihito 'sya jantoḥ tam akratuṃ paśyati vīta-śoko dhātuḥ prasādān mahimānam īśam | sapta-prāṇāḥ prabhavanti tasmāt saptārciṣas samidhas saptajihvāḥ sapta ime lokā yeṣu caranti prāṇā guhāśayāṃ nihitās sapta-sapta | atas samudrā girayaś ca sarve 'smāt syandante sindhavas sarva-rūpāḥ ataś ca viśvā oṣadhayo rasāś ca yenaiṣa bhūtas tiṣṭhaty antarātmā | brahmā devānāṃ padavīḥ kavīnām ṛṣir viprāṇāṃ mahiṣo mṛgāṇām śyeno gṛdhrāṇā(g)ṃ svadhitir vanānā(g)ṃ somaḥ pavitram aty eti rebhan | ajām ekāṃ lohita-śukla-kṛṣṇāṃ bahvīṃ prajāṃ janayantī(g)ṃ sa-rūpām ajo hy eko juṣamāṇo 'nuśete jahāty enāṃ bhukta-bhogām ajo 'nyaḥ

Feiner als das Feinste, größer als das Größte, ist das Selbst, verborgen in der Höhle dieses Lebewesens; ihn, den Wunschlosen, erblickt der von Leid Befreite durch die Gnade des Schöpfers – die Größe, den Herrscher. Sieben Lebenshauche entstehen aus ihm, sieben Flammen, sieben Brennhölzer, sieben Zungen; diese sieben Welten gibt es, in denen die Lebenshauche wandeln, die in der Höhle des Herzens verborgen wohnen, je sieben und sieben. Von ihm her sind die Ozeane und alle Berge; von ihm fließen die Ströme aller Gestalten; von ihm her sind alle Kräuter und Säfte, durch die dieses gewordene Wesen als innerer Selbst besteht. Brahmā der Götter, der Wegweiser der Seher, der Ṛṣi der Redekundigen, der Büffel unter den wilden Tieren, der Falke unter den Geiern, das Beil unter den Wäldern – Soma durcheilt, [seinen Lobpreis] singend, den Reinigungsstoff. Die eine ungeborene [Urnatur], rot-weiß-schwarz, die vielfältige, ihr selbst gleichgestaltige Nachkommenschaft hervorbringend – der eine Ungeborene liegt ihr zugewandt bei ihr; der andere Ungeborene verlässt sie, nachdem sie genossen worden ist.

[Anm.: Die Quelle identifiziert diese fünf Verse per Fußnote als Mahānārāyaṇa-Upaniṣad (Ānandāśrama-/Madras-Ausgaben) 8.3-9.2 mit Parallelen in einer weiteren, als "SwV" abgekürzten Ausgabe. Der erste Vers (aṇor aṇīyān) ist auch aus Kaṭha-Upaniṣad 1.2.20 bekannt, der letzte (ajām ekām) aus Śvetāśvatara-Upaniṣad 4.5.]

ha(g)ṃsaś śuci-ṣad vasur antarikṣa-sad dhotā vedi-ṣad atithir duroṇa-sat nṛ-ṣad vara-sad ṛta-sad vyoma-sad ab-jā go-jā ṛta-jā adri-jā ṛtaṃ bṛhat | yasmāj jātā na parā naiva kiñcanāsa ya āviveśa bhuvanāni viśvā prajā-patiḥ prajayā saṃvidānas trīṇi jyotī(g)ṃṣi sacate sa ṣoḍaśī | vidhartāra(g)ṃ havāmahe vasoḥ kuvid vanāti naḥ savitāraṃ nṛ-cakṣasam | adyā no deva savitaḥ prajāvat sāvīs saubhagam parā duṣvapniya(g)ṃ suva | viśvāni deva savitar duritāni parā suva yad bhadraṃ tan ma ā suva

Der Schwan [Haṃsa], im Reinen weilend, der Vasu, im Luftraum weilend, der Hotṛ-Priester, am Altar weilend, der Gast, im Hause weilend; unter den Männern weilend, im Vortrefflichen weilend, in der Wahrheitsordnung weilend, im Himmelsraum weilend; aus dem Wasser geboren, aus der Erde geboren, aus der Wahrheitsordnung geboren, aus dem Fels geboren – die große Wahrheitsordnung selbst. Aus dem geboren, gibt es nichts Höheres, gar nichts; er, der in alle Welten eingegangen ist, Prajāpati, mit seiner Nachkommenschaft vereint – er folgt den drei Lichtern, er, der Sechzehnteilige [?]. Wir rufen den Erhalter an, ob er uns wohl Gutes gewähren möge – Savitṛ, den Männer-Erblickenden. Heute gewähre uns, Gott Savitṛ, Nachkommenschaft und Glück; verscheuche den bösen Traum. Alle Übel, Gott Savitṛ, verscheuche; was heilsam ist, das gewähre mir.

[Anm.: Der berühmte Haṃsa-Vers findet sich mit Varianten auch in Kaṭha-Upaniṣad und im Bṛhadāraṇyaka-Komplex; die letzten beiden Savitṛ-Verse entsprechen dem bekannten RV 5.82.5-nahen Schutzgebet, das bis heute im täglichen vedischen Ritual rezitiert wird.]

madhu vātā ṛtāyate madhu kṣaranti sindhavaḥ mādhvīr nas santv oṣadhīḥ | madhu naktam utoṣasi madhu-mat pārthiva(g)ṃ rajaḥ madhu dyaur astu naḥ pitā | madhumān no vanas-patir madhumā(g)ṃ astu sūryaḥ mādhvīr gāvo bhavantu naḥ | ghṛtaṃ mimikṣe ghṛtam asya yonir ghṛte śrito ghṛtam uv asya dhāma anuṣvadham ā vaha mādayasva svāhā-kṛtaṃ vṛṣabha vakṣi havyam | samudrād ūrmir madhumā(g)ṃ ud ārad upā(g)ṃśunā sam amṛtatvam ānaṭ ghṛtasya nāma guhyaṃ yad asti jihvā devānām amṛtasya nābhiḥ

Honigsüß wehen die Winde dem der Wahrheit Folgenden, Honig strömen die Flüsse; honigreich sollen uns die Kräuter sein. Honigreich sei die Nacht und die Morgenröte, honigreich der irdische Staub; honigreich sei uns der Himmel, der Vater. Honigreich sei uns der Waldherr, honigreich sei die Sonne; honigreich sollen uns die Kühe sein. Ghee ist ausgeflossen, Ghee ist sein Schoß, in Ghee ist er geborgen, Ghee ist wahrlich seine Wohnstatt; nach Belieben bring es herbei, ergötze dich; das mit Svāhā Dargebrachte, o Stier, trage als Opfergabe. Aus dem Ozean stieg eine honigreiche Woge empor; mit dem Preßstein-Ritual erreichte sie die Unsterblichkeit; der geheime Name des Ghee, der da ist – die Zunge der Götter, der Nabel der Unsterblichkeit.

[Anm.: Die ersten drei Verse bilden die bekannte "Honig-Hymne" (Madhu-vidyā, RV 1.90.6-8), bereits in Kapitel 6 dieses Werks (5.1.45) mit ihrem Anfangsvers angeklungen; die letzten beiden gehören zur "Ghee-Hymne" (Ghṛta-Sūkta, RV 4.58).]

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